Archiv für November 2021

Journal Montag, 29. November 2021 – Mehr Novemberschnee

Dienstag, 30. November 2021

Der letzte Blick aus dem Fenster vorm Einschlafen war auf vereinzelte Schneeflocken gefallen, auf meinem Weg in die Arbeit setzte erneuter Schneefall ein (eisglatt glitzernde Theresienwiese, ich trippelte vorsichtig). Schlaf war eigentlich gut gewesen, hatte nur um halb fünf deutlich zu früh geendet.

Diesmal war von niemandem um mich rum das Wochenende durchgearbeitet worden, ich konnte meinen Montag also geordnet starten.

Mittags gab es einen Apfel, übrigen Rosenkohl von Sonntagabend sowie Orangen mit Quittenkompott. Dazu fiel Schnee, dessen Flocken wirklich wie die Federn aus Frau Holles Bett aussahen, dick und doch leicht.

In der Sueddeutschen las ich, dass die spanische Schriftstellerin Almudena Grandes gestorben ist, mit erst 61 Jahren. Zum Glück habe ich erst einen ihrer Romane gelesen (nämlich Das verlorene Herz, hier besprochen), mir bleibt also noch viel nachzulesen.

Besorgungen nach mittelpünktlichem Feierabend: Ich spazierte mit einem Paket zum Postamt am Goetheplatz, erschrak zunächst über die lange Schlange nach draußen – die aber sehr zügig abgearbeitet wurde. Einkäufe bei einem ungewohnten Vollcorner, nämlich dem in der Lindwurmstraße. Ich mag diese Straße mit ihrem Vorstadt-Charme nur wenige hundert Meter vom glitzernden Sendlinger Tor entfernt. Es schneite wieder dichter.

Daheim drehte ich die Heizung im Wohnzimmer auf und rollte die Yoga-Matte aus: Ich turnte nochmal die Hüft-betonte Yoga-Einheit vom Sonntag.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch das Kürbiscurry aus Katharina Seisers Immer schon vegan.

(Kein Roti dazu, war auch so genug.)

Irgendwie haben uns im Ernteanteil dieses Jahr nur zwei Kürbisse erwischt (ein Spaghetti- und ein Hokkaidokürbis), das ist bei Weitem nicht genug für meine Kürbisliebe – wir mussten nachkaufen, denn dieses Curry mag ich ganz besonders gern.
Nachtisch war restlicher Flan.

Sehr früh ins Bett, ich war nach der abgeschnittenen Nacht den ganzen Tag müde gewesen.

§

Die norwegische Post hat Insiderwissen über Sankt Nikolaus:
“When Harry met Santa”.

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https://youtu.be/nDLumk_rQQw

Und schon ist der Weihnachts-Heuli 2021 gesichert.

Journal Sonntag, 28. November 2021 – Wiederbegegnung mit Schneetreiben

Montag, 29. November 2021

Mit nur wenigen Unterbrechungen und lang geschlafen bis DREIVIERTEL ACHT!

Schon um zehn war ich auf einen Kaffee mit einer Bekannten verabredet, die ich zuletzt vor zwei Jahren gesehen hatte – wir hatten Treffen immer wieder auf nach der Pandemie verschoben, jetzt eingesehen, dass es diese Zeit womöglich nie geben wird. Das Wiedersehen war sehr schön, und ich freute mich über das Update. Auch sie hatte Lust auf einen Spaziergang und so gingen wir in dickflockigem Schneegestöber an der Isar entlang.

Um zwei war ich wieder daheim, zum Frühstück gab es viel Orange mit Joghurt und Mohn.

Online auf Sellpy Gebrauchtkleidung gekauft, um idealerweise neben drei Hosen auch einen Rock und zwei Oberteile in meiner aktuellen Konfektionsgröße zur Auswahl zu haben. Ich begrüße es sehr, dass es mittlerweile so viele Plattformen für Gebrauchtwaren gibt – auch meine Verabredung vom Morgen hat in einem Lebensumbruch sehr davon profitiert, dass sie darüber ohne viel Geld eine neue Wohnung ausstatten konnte.

Ich fror seit dem Morgen, jetzt auch in Extrasocken und dicker Strickjacke, bis ich dann doch die Heizung hochdrehte und alle Türen zum Wohnzimmer schloss.

Zeitung ausgelesen, dann eine Runde Yoga: Die “True”-Folge 8 bloß mit Atmen und Rumliegen übersprang ich; die mache ich mal, wenn ich’s nötig habe. Gestern wollte ich Bewegung, die bekam ich mit Folge 9.

Advent! Nach ich weiß nicht nach wie vielen Jahren mal wieder mit Kranz, Herr Kaltmamsell hatte sich einen gewünscht.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell eine Ochsenbacke mit aufgewärmten Bömischen Knödeln aus der Gefriere, ich kochte dazu den Ernteanteil-Rosenkohl.

Köstliches richtiges Sonntagsessen. Zum Nachtisch gab’s den Orangen-Frischkäse-Flan.

Ich ließ im Fernsehen den Tatort laufen, weil es lobende Ankündigungen gegeben hatte, langweilte mich aber so schnell wie fast immer.

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Seit 2018 hat Autor Schulz für eine Reportage immer wieder einen Tornado-Jagdbomber der Bundeswehr besucht, jetzt hat sie das SZ-Magazin veröffentlicht (€).

“Waffenstillstand”.

Panzer, die nicht fahren, Flieger, die nicht abheben: Warum ist die Bundeswehr seit Jahren so oft nicht einsatzbereit? Am Tornado-Jagdbomber mit dem Kennzeichen 44 + 69 zeigen sich die Schwierigkeiten einer ganzen Armee.

Roter Faden des Artikels ist ein Trainingsflug dieses Tornados, in vielen Einzelschritten des Einsteigens, der Inbetriebnahme, was jeder davon bedeutet. Daran aufgehängt wird die Geschichte der Bundeswehr seit Freigabe dieses Jagdbombers zum Flugbetrieb im Mai 1985 erzählt, mit ihren unzähligen Umstrukturierungen im Kleinen und Großen, dazu die Technikentwicklung des Flugzeugs und die vielfältige Ausbildung des Personals drum und drin.

Eine wirklich große Geschichte, ist sogar die € 9,99 des Mindest-Abos für einen Monat wert – ich hoffe, sie erntet Journalismus-Preise. Der Artikel ist nicht einfach wegzulesen, sondern strengt mit seiner Faktendichte durchaus an. Fachbegriffe werden erklärend eingeführt, aber dann auch gnadenlos verwendet.

Unter anderem gefiel mir (persönlicher Geschmack), dass keine Atmosphäre durch Menschenbeschreibung oder viele Adjektive erzeugt wird – dagegen bin ich nicht erst seit dem Relotius-Skandal allergisch. Kann in Reportagen schon mal das richtige Mittel sein, wird aber oft manipulativ missbraucht. In diesem konkreten Fall verlässt sich Roland Schulz darauf, dass der Stoff selbst wirkt, dass eben die Fachbegriffe und die Faktendichte Atmosphäre erzeugen. Er erzwingt keinen Spannungungsbogen mit Szenen, die er gar nicht gesehen haben kann (dabei wäre die Versuchung einer Perspektive aus dem Cockpit groß), sondern beschreibt, was er sieht: das Flugzeug von außen. Das Fehlen expliziten Menschelns mag auch dem Ziel geschuldet sein, wie erbeten die Anonymität der zitierten Menschen zu schützen, ich mag den versachlichenden Effekt sehr. Inhaltlich wichtig: Dass die Scheu der deutschen Öffentlichkeit thematisiert wird, sich mit Militär- und Bundeswehrthemen zu befassen – was der Artikel damit erklärt, dass darüber der schreckliche Schatten der Wehrmacht liegt.

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@Mirabilia bezieht in ihre Museumsbesprechungen immer die Klos ein, hier gibt es
“Eine Typologie: Museumsschließfächern”.

via @Hystri_cidae

Journal Samstag, 27. November 2021 – Samstag mit Schwiegers, Plätzchenparadies

Sonntag, 28. November 2021

Aufgewacht in einen grauen Schneetag, an dem es aber nicht schneite. Das ist genau dieses Dezemberlicht, in dem mich wehe Erinnerungen anfallen.

Wir waren bei den Schwiegers in Augsburg eingeladen, nahmen einen Zug um elf dorthin. Zu Mittag aßen wir in einem sehr freundlichen italienischen Lokal an der Grenze Haunstetten-Königsbrunn, es gab eine ausführliche Antipasti-Platte und dann für mich die lang ersehnte richtige Pizzeria-Pizza, ich wählte eine mit Spinat und Ricotta. Wir tauschten Neuigkeiten und Ansichten aus, genossen es, Zeit miteinander zu verbringen.

Schwiegers (durchgeimpft mit allem, was geht) haben sich damit abgefunden, in der sich verschärfenden Pandemie wieder kein Weihnachten im größeren Familienkreis zu bekommen, und das stoische Durchhalten dieser beiden echten Familien-Viecher bricht mir das Herz.

Wir fuhren noch in Herrn Kaltmamsells Elternhaus, denn:

Frau Schwieger ist bereits durch mit der Weihnachtsbäckerei (der Zeitplan wurde entwickelt, als sie auch vielköpfige Verwandtschaft in USA damit versorgte und die Päckchen ja rechtzeitig vor Weihnachten eintreffen mussten) hatte Dosen bereitgestellt und forderte uns auf: “Nehmt, so viel ihr wollt!” Das taten wir dann auch ausgiebig, vielen Dank.

Mittlerweile etabliert hat sich, dass ich für den Christstollen sorge, ich hatte einen am Vor-Wochenende gebackenen mitgebracht, außerdem einen Pannettone vom Eataly.

Am noch einigermaßen hellen Nachmittag saßen wir schon im Zug zurück nach München, dort regnete es etwas. Auf dem Heimweg letzte Supermarkt-Einkäufe, denn daheim machte ich für Sonntag Flan de queso con naranja.

Während der Flan im Ofen im Wasserbad garte, gönnte ich mir ein halbes Stündchen Yoga. Fürs Abendessen sorgte Herr Kaltmamsell: Er verarbeitete den Lauch aus Ernteanteil zu Auflauf mit Hack aus Soja-Bröckerl und Käse – gut! Davor gab es als Aperitif Tequila Sunrise mit frisch gepresstem adoptiertem Orangensaft, dazu ein Glas Auxerrois, als Nachtisch reichlich Plätzchen.

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Während der pandemischen Schulschließungen waren viele Eltern unzufrieden mit der Umsetzung von Fern- oder Wechselunterricht. Gerade engagierte Lehrerinnen und Lehrer litten unter dieser Unzufriedenheit – und überlegten sich einen ganz praktischen Weg zur Verbesserung. Hier der Fragebogen, der Eltern eine Möglichkeit für Input gibt.

Journal Freitag, 26. November 2021 – Erster Schnee und feines französisches Essen

Samstag, 27. November 2021

Er war für genau diesen Freitag in München angekündigt, der erste Schnee der Saison. Und doch sank mein Herz, als ich beim Aufbrechen in die Arbeit in die erste Dämmerung rausschaute.

Auf dem Weg in die Arbeit versuchte ich durchaus, den ästhetischen Reiz in den Vordergrund zu schieben, während die nassen Flocken mich einweißelten.

Kinder auf dem Schulweg formten Schneebälle aus allem, was sie zusammenkratzen konnten.

Über den Tag immer neuer Schneefall.

Tumultöser Arbeitsvormittag, aufgehellt durch Amüsement über einen gedanklichen Aussetzer von mir, der zu (unkritischer) Verzögerung und Mehrarbeit führte – manche meiner Dummheiten kann ich zum Glück niedlich finden.

Mittags Quittenkompott und Orangen mit Hüttenkäse. Und eine gar nicht lustige Geschichte in der Süddeutschen.

Nachmittags gab es eine lange geplante Kollegenverabschiedung – halt im kalten Freien und in Kurzform.

Pünktlicher Feierabend, denn ich war abends mit Herrn Kaltmamsell verabredet und hatte vorher Pläne: Ich traf mich mit ihm am Marienplatz; gemeinsam gingen wir zu Grüne Erde, um den wunderschönen Stuhl Asenio probezusitzen. Wenig überraschend sitzt es sich ganz hervorragend darauf. Derzeitige Idee ist, zwei davon für uns zu kaufen, die wir ja hauptsächlich am (noch zu besorgenden) Tisch sitzen, und vier andere Stühle dazuzustellen, vielleicht sogar ganz unterschiedliche.

Beim Eataly kaufte ich Pannettone, am Viktualienmarkt einen Adventkranz, Herr Kaltmamsell hatte sich dieses Jahr einen gewünscht.

Daheim kurzes Feinmachen, dann brachen wir auf ins Lehel: Eine glaubwürdige Quelle hatte dort ein winziges Restaurant empfohlen, das Louis. Diese Winzigkeit (es passten gerade mal zehn Gäste mit Abstand hinein), 2G-Zugang und vorheriger Selbsttest von uns beiden ließen mich das Risiko als niedrig genug einschätzen.

Zum Menü bat ich um eine Weinempfehlung in Rot aus der dicken Weinkarte: Darin kannte ich einiges, doch ich wollte gerne etwas Neues lernen. Koch und Wirt Stefan Schütz (das einzige sonstige Personal ist seine Frau, die den Service übernimmt) holte für uns einen Burgunder – kenne ich überhaupt nicht, machte mich neugierig: Ein Hospices de Beaune Corton 1996 Gand Cru. War tatsächlich sehr interessant und gefiel uns, erst im Nachhinein fiel mir ein, dass man solch einem Kaliber an Wein vermutlich besser viel mehr Zeit und Luft gibt, ihn nach dem Öffnen über mehrere Tage trinkt.

Zu essen gab es:

Terrine von Gänseleber mit getoasteter Brioche.

Bouillon von Artischocken mit Safran und Jakobsmuscheln.

Seeteufel mit Fenchel-Zucchinigemüse.

Limousin Lammrücken mit Auberginenmousse und Kräutern.

Apfeltarte mit Calvadosschaum für mich, Käseteller für Herrn Kaltmamsell (mit einem Glas Süßwein).

Satt und zufrieden nahmen wir die (schön leere) U-Bahn heim.

Tagesabschluss war die Nachricht von der Corona-Erkrankung einer (geimpften) Freundin wenige Tage vor ihrem Booster-Termin, die beruflich seit Monaten in Hochrisiko-Umgebung gezwungen ist.

Journal Donnerstag, 25. November 2021 – Corona-Abgründe

Freitag, 26. November 2021

Nach ordentlicher Nacht vor fünf aufgewacht und bis Weckerklingeln rumgelegen.

Als Morgengymnastik mal wieder ein paar Reha-Übungen ergänzt.

Für die Arbeit dicken Norwegerpulli gewählt, für den Arbeitsweg dicke Mütze und Ski-Fäustlinge

Eisiger Nebel über Theresienwiese.

Fast wegges Tollwood.

Viel heller wurde es den ganzen Tag nicht, der Nebel blieb.

Der dicke Pulli war im Büro grad recht, ich fror nur wenig.
Zu Mittag gab’s wieder Orangen und Pumpernickel.

Nachmittägliche Arbeit erschwert durch manchmal richtig bösen Schwindel. War auch schon wurscht, weil der gestrige Tag mich mit dem Grundgefühl “alles scheiße” niederdrückte.

Die vierte Corona-Welle steigt weiter in immer neue Höhen der Infektionszahlen und der Inzidenz. Unter anderem hat sie in der Arbeit angemessen gesellige Abschiede von Kollegen unmöglich gemacht. Mal sehen, wie schlimm sie noch werden muss, bis sich die Politik daran erinnert, was die zweite Welle vor einem Jahr wirklich brach: Schließungen – weil das Mobilität unterbindet und Kontakte effektiv reduziert. Wenn Geschäfte, Kinos, Lokale, Schulen, Büros zu sind, wird auch nicht mehr hingefahren/-gegangen. Seit Wochen wird die Versorgung in den Krankenhäusern als “angespannt” bezeichnet, Intensivpatient*innen werden schon seit einigen Tagen ins Ausland ausgeflogen – mein innerer Spock (“Faszinierend…”) fragt sich, ob wohl jemals zum Wort “zusammengebrochen” gegriffen wird. Brauchen wir erst Bilder wie aus Bergamo im Frühjahr 2020 oder Bilder von Kühlcontainern für Leichen hinter einer Klinik wie in New York?

Auf dem Heimweg strich ich wegen Schwindel meine Obstkaufpläne und füllte nur kurz am Bankautomaten meine Bargeldbestände auf.

Daheim kochte ich die letzte Quitte aus Bestand zu Kompott für Brotzeit, turnte eine Einheit Yoga.

Nachtmahl: Feldsalat aus Ernteanteil (ich musste mich komplett umorientieren, weil ich mit dem alternativ angekündigten Zuckerhut gerechnet hatte, den ich mit fruchtigem Dressing und Orangen anmachen wollte), Herr Kaltmamsell briet ein schönes Omelett, das er mit mir teilte, es gab Käse, Schokolade.

§

Vernünftiger Ruhepol im Wahnsinn mal wieder: Mai Thi Nguyen-Kim mit maiLab.
“Corona-Endlosschleife | Kommen wir da jemals wieder raus?”

Unter anderem mit einer Antwort auf die Frage: “Warum ist gerade alles so scheiße?”

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https://youtu.be/-9OvNz7NESQ

Journal Mittwoch, 24. November 2021 – Es wird saukalt

Donnerstag, 25. November 2021

Nachtschlaf gut genug, dass er erholte.

Eisiger Nebel auf dem Weg in die Arbeit, ich ging extra zackig.

Mittelturbulenter Vormittag in der Arbeit, ich schaffte einiges weg.

Mittagessen: Sehr viel adoptierte Orange, Pumpernickel mit Butter.

Den ganzen Tag fror ich im Büro, versicherte mich aber im Team, dass das nicht an Hormonen oder gar Impfreaktion liegt: Andere froren auch, es war einfach kalt (wäre ja auch nicht zu vertreten, wenn die weitgehend leeren Büros so stark geheizt würden wie bei Vollbesetzung). Wenn ich die Glutattacken doch ein wenig steuern könnte.

Saukalter Heimweg (werde Mütze und Handschuhe upgraden müssen) mit Umweg über Geschenkekauf; Montagabend hatte ich mir den bald angekündigten Schneefall noch nicht vorstellen können, im schneidenden Wind gestern auf der Theresienwiese sehr wohl.

Zum Abendessen hatten wir frei, der Ernteanteil war weggegessen. Wir bestellten bei Servus Habibi, ich ging nochmal raus in die Kälte zum Abholen.

Es lohnte sich, ich genoss die Portion “Einmal Alles” sehr. Es passte nicht mehr viel Nachtischschokolade hinterher.

Früh ins Bett zum Lesen. Galbraiths Lethal White ist nach Langem mal wieder ein Buch, auf dessen Lektüre ich mich den ganzen Tag über so richtig freue. Das sagt nicht unbedingt etwas über die literarische Qualität aus, sicher etwas über die handwerkliche, am meisten aber über meinen persönlichen Geschmack: J.K. Rowling, die ja hinter dem Pseudonym steht, erschafft halt eine sehr lebendige Welt abseits von Klischees, ich folgte ihr sehr gern ins London kurz vor den Olympischen Spielen 2012.

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Der aktuelle Guardian-Newsletter, den ich als Online-Abonnentin bekomme, beginnt mit

The most exciting thing you’ll hear in a science laboratory is not ‘Eureka!’ but ‘that’s funny…’ So said Isaac Asimov.

(Der aufregendste Moment in der wissenschaftlichen Forschung ist nicht, wenn man “Ich hab’s!” hört, sondern “Komisch…”.)

Das gefiel mir so gut, dass ich umgehend misstrauisch wurde, ob das überhaupt von Asimov stammt. Recherche-Ergebnis: Ein bisschen / ungefähr / es ist kompliziert.

Der Gedanke beschäftigte mich den ganzen Tag. Es ist genau dieses Stolpern in Denkmustern und Erwartungen, das zu den spannendsten Überlegungen und Untersuchungen führt. Weswegen ich z.B. nichts gegen vereinzelte Hässlichkeit im öffentlichen Raum habe. Und weswegen ich es liebe, durch Überraschung auf meine Vorurteile hingewiesen zu werden. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass genau dieses Stolpern und Ausgebremstwerden auch Abwehr auslöst statt Neugier.

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Endlich eine Erklärung für meine Lyrik-Dyslexie seit Kindertagen.

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Die weise, großartige Kabarettistin Martina Schwarzmann packt im Interview “Meisterstunde” über ihre Kunst aus. (Ich hoffe SO, dass ich sie im nächsten Wellental mal live sehen kann.)
“Die Kabarettistin Martina Schwarzmann über ihre Bühnenpräsenz: ‘Ich bin immer mehr zu der geworden, die ich eh schon bin'”.«

via @giardino

Das mag ich sehr gern: Sachen sagen, ohne dass ich sie gesagt habe. Ich lasse in dem Moment einen logischen Schritt aus, den aber jeder im Kopf mitgeht. Die Lücke ist dadurch gar keine, weil sie jeder selbst ausfüllt.

Die Website “Meisterstunde” ist ohnehin eine Entdeckung, z.b.
“Tänzer Alan Brooks über seine Arbeit an Schulen: ‘Es zählt, dass du es versuchst'”.

Journal Dienstag, 23. November 2021 – Unangenehmer Ärztintermin

Mittwoch, 24. November 2021

Eher unruhige Nacht (also auch diesmal kein Impfwunder für mich), morgens schmerzte der Impfarm ordentlich. Das Kreuzweh links hatte aber sehr wahrscheinlich nichts damit zu tun.

Aus organisatorischen Gründen fuhr ich mit dem Rad in die Arbeit, Gelegenheit, nach zwei Jahren Hüft-bedingter Pause meine schwarzen, hochschaftigen Stiefel mit hohem Absatz zu tragen, mit denen ich nicht weit gehen kann. Über den Tag festgestellt, dass sie sich hinderlich anfühlten, vielleicht ist meine Zeit hoher Absätze wirklich vorbei – es macht mir einfach zu viel Spaß, schnell und kraftvoll zu gehen.

Im Büro erst mal den vorherigen halben Nachmittag nachgeholt, dann Online-Schulung (mit nur einem Augen und hauptsächlich über Zuhören, weil ich einiges sonst im Blick behalten musste).

Tagsüber fühlte ich mich müde und zerschlagen – aber nicht mehr als sonst nach einer unguten Nacht, eher nicht Impfreaktion.

Die Mittagspause nutzte und verlängerte ich für einen Arzttermin (deshalb Fahrrad). Ein unangenehmes Erlebnis: Die Terminvereinbarung vor sechs Wochen (! obwohl ich dort bereits Patientin bin, obwohl es an dieser Fachrichtung in München wirklich nicht an Praxen mangelt und obwohl ich mit einer eher akuten Überweisung kam) war ein Kuddelmuddel, und als ich eintraf, wusste von dem letztendlich für gestern vereinbarten Termin niemand etwas – fischte ihn dann aber doch uneingetragen aus der E-Mail-Korrespondenz. Das Personal trug bis auf Ärztin keine Masken (nein, ein 100×50 cm Stück Plexiglas auf der Empfangstheke ist kein Infektionsschutz für alle und die gesamte Praxis), das Wartezimmer war ohne Abstandsmöglichkeit voll, ich quetschte mich stehend in eine Ecke. Und dann war nicht mal der Grund der Überweisung richtig gelesen worden – nach seltsamen ersten Fragen und abwegigen Untersuchungsankündigungen der Ärztin sagte ich ihn nochmal selbst und erklärte von vorne, warum ich hier war. Da gehe ich nicht mehr hin.
Ich kam raus mit einer handfesten Information, die ich aber wahrscheinlich erst nach der vierten Corona-Welle angehen kann. (Hiermit bemerke ich, dass ich nicht mehr in “nach der Pandemie” denke.)

Zurück am Schreibtisch war ich erst kurz vor zwei, jetzt gab’s neben Weiterarbeit als Mittagessen ein Stück selbstgebackenes Brot und ein Glas Granatapfelkerne mit Mango vermischt (gute Kombi!).

Die Impfarmschmerzen wurden immer weniger. Auf der Heimfahrt Abstecher zum Vollcorner.

Zu Hause wartete die erste Orangenlieferung von meinem adoptierten Baum.

Orangen in einer Kiste

Spielanleitung: Bitte alle Orangen ansehen und die mit weichen Stellen möglichst schnell essen. Ich schälte und schnippelte also gleich mal welche für die nächste Brotzeit, stellte beim ersten Naschen fest, dass sie eher sauer sind – wie halt um diese frühe Erntezeit typisch. Richtig süße Orangen erwarte ich aus Spanien nicht vor Februar.

Nochmal die Runde Yoga-Rumpfstärkung vom Montag. Das Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell: Aus Ernteanteil-Kartoffeln und -Chinakohl wurde eine Art Lompemois1, dazu hatte ich beim Vollcorner geräucherte Forelle besorgt, die sich als beste jemals herausstellte. Nachtisch Spekulatius und Schokolade.

  1. Von jemandem aus Hessen erklären lassen. []