Journal Mittwoch, 10. August – Corona Tag 4, mein Alltag als Bio-Waffe

Donnerstag, 11. August 2022 um 7:50

Guter Nachtschlaf bis nach sieben.

Über den Vormittag knetete, faltete, buk ich Häusemer Bauerekrume. Dabei verstärktes In-mich-Horchen: Nein, keine Schwäche, ich fühlte mich vor allem Nebenhöhlen-benommen, außerdem war meine Stimme weiterhin weg. Ich konnte sogar genießen, die verschiedenen Backstadien des Laibs im Ofen zu riechen.

Draußen schien herrlichste Sonne ohne Hitze. Drinnen trank ich weiter magisches heißes Ingwerwasser (irgendwas muss ich ja trinken, und ich trinke gern viel, heißes Ingwerwasser mag ich), aus Dienstag gekauftem Bio-Ingwer deutlich intensiver schmeckend als die konventionelle und hübscher aussehende Ware zuvor.

Um die Mittagszeit wurde ich müde, legte mich ein wenig hin. Ich fühlte mich krank genug, dass mich (trotz Brotbacken und Wäschewaschen) ein Ich-muss-gar-nichts-Gefühl ergriff.

Frühstück gab es kurz vor drei, da war das Brot halbwegs abgekühlt genug zum Anschneiden: Zwei dicke Scheiben, einmal mit Butter und Zuckerrübensirup, einmal mit Erdnussbutter und Quittengelee.

Gelungen.

Die Post brachte eine Einladung zu einem großen Fest von zwei lieben Menschen, die ich seit Jahren nicht gesehen habe – große Freude, denn ich kann zusagen. Außerdem brachte (!) Hermes (!) bestellte Schnäppchen-Sandalen zur exakt angekündigten Zeit (!). Sie passten reichlich; ich sollte mir merken, Sandalen künftig eine Nummer kleiner zu bestellen, damit sie nicht zu groß aussehen. Nehme ich mir eigentlich schon seit Jahren vor.

Bittere Absage des schon lange vereinbarten (weil Termin so schwer zu finden) großen Paella-Essens mit Freunden bei meinen Eltern am Wochenende: Es war zu unwahrscheinlich, dass ich da schon gesund / nicht mehr ansteckend sein würde.

Lust auf Yoga: 35 Minuten Dehnen in fast alle Richtungen. Tat gut, nahm aber nicht die Bitterkeit. Scheiß Corona.

Herr Kaltmamsell hatte wieder zu Abend gekocht: Süße Fingernudeln mit Mohnbutter.

Als Nachtisch aß ich Renekloden, Schokolade.

Zu Bett ging ich mit dem festen Vorsatz, dass ich ab sofort zackig genesen würde. Ich möchte mich nicht mehr wie eine Bio-Waffe fühlen.

Die E-Mail (!) vom Gesundheitsamt mit Isolationsanweisung war übrigens gleich am Montag eingetroffen, also am Arbeitstag nachdem ich meinen positiven PCR-Test gemeldet hatte. Die Anweisungen allerdings in einem verschlüsselten PDF-Anhang, der nur sehr kompliziert zu entschlüsseln war. Das Anschreiben enthielt die Bitte um Ausfüllen eines Online-Formulars mit Hintergrunddaten – der ich sofort nachkam, NEHMT MEINE DATEN! Auch wenn ich weiß, dass sie die zweieinhalb Jahre Datenlosigkeit nicht wettmachen werden, die bis heute eine Bewertung der Pandemie-Maßnahmen in Deutschland verhindert.

§

Offensichtlich nicht breit bekannt: Eine Infektion mit der Omicron-Variante des COVID-19-Virus’ schützt nicht vor einer erneuten Infektion mit dieser Variante. Ich werde mich nach Gesundung (hoffentlich, bitte, bald) mindestens so vorsichtig verhalten müssen wie bisher. Forschungshintergrund ist eine Langzeit-Untersuchung von Angestellten im britischen Gesundheitswesen (wer Daten hat, kann halt damit forschen), deren Impf- und Infektionsgeschichten ausgewertet wurden.
“Immune boosting by B.1.1.529 (Omicron) depends on previous SARS-CoV-2 exposure”.

Kernaussage:

The authors found that Omicron infection boosted immune responses to all other variants, but responses to Omicron itself were muted.

Übersetzung: Die Autor*innen fanden heraus, dass eine Omicron-Infektion die Immunantwort auf alle anderen Varianten verstärkte, doch die auf Omicron selbst war stummgeschaltet. (Nutzlosigkeit von Genesenen-Status in der Herbstwelle bitte selbst ausrechnen.)

Weiteres Ergebnis hingegen:

Vaccinated individuals show protection against severe disease, often attributed to primed cellular immunity.

Übersetzung: Impfung schützt [bei Omicron-Infektion] vor schwerem Krankheitsverlauf.

Deshalb halte ich es für ratsam, sich vor jeder weiteren Infektion zu schützen, auch weil es Hinweise darauf gibt, dass wiederholte Infektionen das Risiko für alle unangenehmen Symptome und Folgen erhöhen, hier die Forschung dazu.

via @narkosedoc

§

Ich habe gerade keine Zeit und Kraft, meine Haltung zu Atomenergie (dagegen, vor allem wegen unlösbarere Endlagerung) gründlich und fundiert zu überdenken. Deswegen nehme ich, wie jeder Mensch, vor allem Argumente zur Bestätigung meiner Haltung wahr und lasse mal den Hinweis hier, wie groß in Frankreich die Probleme mit der Kombination Dürre und Atomkraftwerke sind.
“Krisenstab eingesetzt: Atomdesaster in Frankreich nimmt seinen Lauf”.

Noch kann Deutschland über Photovoltaikstrom das französische Defizit abfangen. Die Produktion ist allein darüber meist deutlich höher als die gesamte Atomstromproduktion in Frankreich (nur noch 24 Gigawatt).

Wie auch in Großbritannien der Plan des weiteren Atommeilers Sizewell C daran hängt, dass lustig Baugenehmigungen erteilt werden, aber bis zum Moment nicht klar ist, woher das Kühlwasser kommen soll (€):
“On Sizewell C”.
(Und dieser sehr lange, sehr lesenwerte Artikel wurde noch vor der aktuellen Dürre in Großbritannien geschrieben.)

die Kaltmamsell

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