Archiv für Januar 2026
Journal Freitag, 30. Januar 2026 – Chaostag, aber köstlicher Abschluss im Broeding
Samstag, 31. Januar 2026RICHTIG gut geschlafen, erstes Aufwachen für Klogang erst eine Stunde vor Weckerklingeln, und diese letzte Stunde schlief ich nochmal tief.
Es tagte zu Sonnenschein, auf meinem Marsch in die Arbeit glänzte der geschmolzene Schnee vom Vortag als Eisflächen, der Boden glitzerte frostig.
Am Schreibtisch brachte mich bereits der erste Blick ins Postfach zwei Stunden lang ins Wirbeln: Pläne hatten sich geändert, ich musste die Konsequenzen passend machen.
Und als ich dann von endlich eine Kanne Tee Aufbrühen an meinen Arbeitsplatz zurückkehrte, brachte ein Anruf komplettes Chaos zum Ausbruch, alle Änderungen nochmal ändern, Änderungsbitten zurückholen, Auswirkungen auf unzählige Details, *Augenzucken*. Ich hasste das Leben und die Welt inbrünstig und hatte davon Gänsehaut am Kopf.
Weil ich dazwischen eh auf ein paar Rückmeldungen warten musste, ging ich raus ins Westend auf einen Mittagscappuccino, konnte sogar ein wenig den Sonnenschein genießen und die schmelzenden Temperaturen.
Den vorläufigen Planungsendstand, auf dessen Basis ich das Orga-Tetris vervollständigen konnte, bekam ich in meiner Mittagspause. (Wussten Sie, dass ich Ausknobel- und Reinfutzelspiele zuletzt im Schulalter reizvoll fand? Mit einer kleinen und bemerkenswerten Renaissance in den 1990ern, als ich ein paar Wochen lang wie hypnotisiert das Computerspiel Lemmings spielte?) Mittagspause also verschoben.
Bei allem Respekt für Ihre LLM-Nutzung beim Texten: Ich bezweifle, dass der Algorithmus so viele verschiedene und passgenau individuelle Entschuldigungen bei den Terminverschiebungsbetroffenen erzeugt hätte (ohne dass das Prompting dafür dreimal so lang wie mein Texten gedauert hätte). ICH bin ein Large Language Model. (Das fast in Tränen der Dankbarkeit ausbricht, wenn selbst hochnotpeinliche Verschiebungn binnen Minuten angenommen werden.)
Insgesamt war ich gründlich fertig mit den Nerven, hatte aber noch einige Stunden Arbeit vor mir. Und konnte mich vor lauter Fertigkeit nicht mal auf den Abend freuen: Schon Anfang Januar hatte ich in einem meiner Lieblingslokale Broeding reserviert, Herr Kaltmamsell kündigte an mich einzuladen – um etwas zu haben, auf das ich mich freuen konnte.
Direkt nach pünktlichem Feierabend hatte ich geplant, in der Innenstadt fürs Kochen am Wochenende einzukaufen, doch beim Blick auf die gemeinsame Einkaufsliste sah ich, dass Herr Kaltmamsell bereits alles abgeräumt hatte. Also ging ich direkt nach Hause – und nutzte die Zeit für die Verarbeitung der zweiten geschenkten Bergamotte zu Lemon Curd.
Feinmachen fürs Ausgehen, dann nahmen wir eine U-Bahn zum Rot-Kreuz-Platz – und verbrachten einen wunderschönen Abend im Broeding mit liebevollem Essen, interessanten Weinen und Austausch, was gerade so passiert in unserem Leben.
Wir stießen aufs Wochenende an mit einem Sekt vom Weingut Loimer, die Küche grüßte mit einem Schälchen Kichererbsen und Waller-Würfeln. (Bitte beachten Sie die Tischdecke: Mittlerweile eine Rarität in Restaurants.)
Saibling, Staudensellerie (der grüne Spiegel), Petersilienwurzel, ein wenig Schwarzkohl, dazu im Glas ein Riesling Alte Reben 2022 von Ebner-Ebenauer aus dem Weinviertel, vielfältig und voll.
Gebratener Radicchio trevisano begleitete einen so großen und so reichlich mit Frischkäse gefüllten Raviolo, dass ich ihn eher Maultasche genannt hätte, dazu Belper Knolle – sehr gut. Und wir machten Bekanntschaft mit dem Welschriesling Franz Lackner, der hervorragend passte.
Der nächste Wein kam aus der Steiermark, ein Grauburgunder Neumeister Ried Saziani 2020, als untypischer Grauburgunder angekündigt (als Lob gemeint), der das wirklich war. Es gab ihn zu auf der Haut gebratenem Saibling mit Spinat, Ratatouille, Fenchel (zu dem ganz hervorragend Thymian passt, wer hätte es gedacht?).
Hauptgang war Hirschkalb als Ragout (schön herzhaft) und Filet (sensationell zart – und überraschend mit einem Hauch Lavendel gewürzt), dazu Selleriepüree, ein wenig Preiselbeeren und eine frittierte Scheibe Kräutersaibling. Eingeschenkt wurde ein Blaufränkisch aus dem Burgenland vom Weingut Sommer – ich mag einfach die schlanken, eleganten Rotweine aus Österreich (derzeit) lieber als die Wuchtbrummen aus Sonnenländern.
Wir schwächelten bereits, hatten ja beide harte Wochen hinter uns – und entschieden uns gegen den optionalen Käsegang.
Als Pre-Dessert gab es ein Löffelchen mit Marshmellow und Brownie.
Und als Dessert Nougatmousse, Haselnussbiskuit, Portweinbirne – köstlich. Der Süßwein dazu war rot und italienisch: ein schöner Valpolicella.
Schon sehr müde ließen wir uns von der U-Bahn heimfahren, kamen aber noch vor Mitternacht ins Bett.
Journal Donnerstag, 29. Januar 2026 – Erneuter Winterausbruch, keine Schwimmrunde
Freitag, 30. Januar 2026Eine Stunde vor Weckerklingeln aufgeweckt worden durch Schneeräumfahrzeuglärm – der einfach nicht aufhören wollte: Wie lang kann es dauern, das Stück Straße und Gehweg vor unserm Haus zu räumen?!
Aufgestanden zu diesem Anblick. Dieser Winter wird NIE enden.
Für den Arbeitsweg in die Schneeschuhe geschlüpft, Kapuze der dicken Winterjacke hochgeklappt, in leichtem, nassen Schneefall (den meine Wetter-App “Dunst” nannte – ?) losgestapft.
Frostig war es aber nicht. Ich kam in meiner dicken Jacke ins Schwitzen, brauchte aber die Kapuze gegen den anhaltenden Schneefall. Und ich freue mich sehr auf eine Zukunft, in der die kleinen Rad- und Gehwegräumfahrzeuge (in der Münchner Innenstadt gründlich im Einsatz, bravo!) nicht mehr von Verbrennungsmotoren angetrieben werden und uns Fußgängerinnen nicht mehr in Abgaswolken hüllen.
Als ich Lust auf meinen Mittagscappuccino bekam, suppte, matschte und schneeregnete es draußen gerade, mir verging jede Lust auf frische Luft und Bewegung. Also Abstecher in die eigene Cafeteria.
Später gab es zu Mittag eine Orange (von der ich lernte, dass ich immer noch sauer-empfindlich bin), außerdem eingeweichtes Muesli mit Joghurt.
Während der Online-Infoveranstaltung ab zwei begann ich Krampf-präventive Dehnung und Mobilisierung von Beinen und Hüfte für mein Feierabend-Vorhaben: Ich wollte ins Dantebad zum Schwimmen.
Doch auch diese Woche wurde nichts damit, diesmal aber, weil ich nicht aus der Arbeit wegkam, sondern mich ein akutes Termin-Tetris am Schreibtisch festhielt: Es dauerte lange, bis ich alle dafür notwendigen Menschen erreichte. Diesmal ärgerte ich mich sehr über den verpassten Sport.
Zumindest hatte ich Gelegenheit, auf dem Heimweg (der Schnee war fast verschwunden) schon mal erste Lebensmittel fürs Wochenende einzukaufen: Am Sonntag treffen wir uns mit meinen Eltern bei den lieben Schwiegers, kochen dürfen Herr Kaltmamsell und ich.
Zuhause knurrte ich kurz Herrn Kaltmamsell an (ich hatte ihm angekündigt, dass ich wegen ausgefallenem Schwimmen zur üblichen Zeit heimkommen würde, wegen des Ausfalls noch schlechter gelaunt als üblich – um ihm die Chance zu geben, sich in seinem Zimmer zu verschanzen), packte meine ungenutzten Schwimmsachen aus, turne eine Folge Yoga – in meiner Gereiztheit fiel mir besonders auf, wie oft Adriene in diesem 30-Tage-Programm (“True”) Einatmen ansagt, aber dann kein Ausatmen, statt dessen nach drei weiteren Bewegungen nochmal Einatmen.
Nachtmahl war zusammengestückelt: Feldsalat aus Ernteanteil, Guacamole aus den nächsten nachgereiften Crowdfarming-Avocados, die aktuell letzten Kartoffeln aus Ernteanteil als patatas bravas, ein Stück Taleggio. Nachtisch Schokolade.
Sehr früh ins Bett zum Lesen: Ich wollte zurück in Sigrid Nunez’ For Rouenna nach Staten Island und in den Vietnamkrieg.
Journal Mittwoch, 48. Januar 2026* – Vorläufiger Abschluss untenrum
Donnerstag, 29. Januar 2026Endlich mal wieder richtig guter Nachtschlaf. Ich wachte fünf Minuten vor Weckerklingeln auf – von geträumtem Weckerklingeln, lustig.
Meine 90 Minuten zwischen Weckerklingeln und Aufbruch enthalten: Klogang und Schlumpfklamotten anziehen, gegebenenfalls einen Handgriff Häuslichkeit wie Wäscheaufhängen oder Geschirrspülerausräumen, Zubereitung Milchkaffee, parallel Brotzeiteinpacken, Servieren von Milchkaffee an zwei Tische, Gegenlesen und Fertigstellen Blogpost (dabei oft noch Ergänzungen und Recherche, Gefahr des Festlesens), ein wenig Internetlesen (Blogs, Newsletter), Bettmachen, Kleidungrauslegen, Kücheräumen (Kaffeezubereitungs- und -trinkgeschirr), Zeitungholen, Plank-Gymnastik, Morgentoilette (mal mit Haareföhnen, mal ohne), Anziehen, Fertigschminken, Fertiganziehen. Der Teil mit Milchkaffee am Laptop ist mir wichtig: Ich möchte auch ein Leben vor der Arbeit haben.
Der bedeckte Himmel war beim Marsch ins Büro gerade nicht mehr stockdunkel, ich konnte ihn als bedeckt erkennen.
Am Schreibtisch startete ich mit für gestern Morgen Terminiertem, spannende Arbeit.
Als ich zu meinem Mittagscappuccino spazierte, erwischte ich sogar ein wenig Sonne.
Ein Addams-Familienmitglied beim winterlichen Sonnenbad.
Zu Mittag gab es einen Apfel, außerdem Quark mit Joghurt.
Am frühen Nachmittag stempelte ich aus: Arztermin beim Gyn für Zweitmeinung, was mit meiner vollvermyomisierten Gebärmutter passieren kann und soll. Erst als ich den Weg nach Neuhausen recherchierte, merkte ich, dass ich mit Abstand am schnellsten per Radl hingekommen wäre: Die Öffis machten einen enormen Umweg und brauchten doppelt so lang. Egal, jetzt war’s zu spät.
Ergebnis der nochmaligen Untersuchung: Ja, minimalinvasive OP ginge schon, aber es gibt weiterhin keine medizinische Notwendigkeit, zumal die Myome in den vergangenen Jahren nicht größer geworden sind. Wenn ich keine Hormonersatztherapie mehr brauche (dieser Gyn riet, nach ein paar Jahren ein Absetzen zu versuchen), schrumpfen sie höchstwahrscheinlich eh, und meine ohenhin nur vermuteten Beeinträchtigungen könnten zurückgehen. Sollte ich aber den Eindruck haben, dass die Beschwerden zunehmen, könne ich jederzeit für eine OP kommen.
Ich dankte für die zusätzliche Perspektive – und das war ehrlich: In den vorhergehenden Tagen hatte ich erfahren, mit welchen schlimmen Beschwerden, Beeinträchtigungen, Diagnosen sich andere Frauen zu einer Hysterektomie entscheiden; mir war bereits peinlich geworden, überhaupt solch eine Welle zu machen. Nach diesem Gespräch hatte ich das Gefühl, dass sich diese Welle doch für einen vorläufigen Abschluss gelohnt hatte.
Jetzt haben erstmal genug Leute vaginal in mich reingeschaut.
Zurück am Schreibtisch war noch einiges wegzuarbeiten – und nachzuholen: Es hatte nichts genützt, dass ich meine Abwesenheit sorgfältig angekündigt hatte.
Entsprechend später Feierabend, ich marschierte direkt nach Hause. Dort Erledigungen, aber ich fand Zeit für meine Yoga-Einheit.
Die Bergamotte-Schenker hatten auch ein Rezept zur Verwendung mitgeschickt, Herr Kaltmamsell setzte es fürs Nachtmahl um: Linguine mit Bergamotte (Abwandlung Thymian statt Zitronenthymian, etwas Currypulver statt dem noch nie gehörten Currysalz, Mafaldine statt Linguine).
Schon die Düfte beim Kochen waren sehr besonders gewesen, das Ergebnis schmeckte auch besonders und gut. Nachtisch Früchtebrot und Schokolade.
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Für die Chronik: Auf Mastodon habe ich in den vergangenen Wochen vermehrt mit Erklärbär-Männern zu tun, die mir von mir verlinkte Artikel darlegen oder warum ein Scherz von mir in Wirklichkeit auf mangelndem Verständnis beruht. Immer noch viel besser als Attacken und Hass auf anderen Microblogging-Plattformen, zudem mit einem Klick stummgeschaltet (Blocken fände ich überdimensioniert, sollen sie ruhig vor sich hin erklärbärn, ich will es ja nur nicht wissen). Noch bin ich in erster Linie amüsiert über die Bestätigung des Stereotyps.
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Die Studie “Energy demand and decarbonization in 2025 and beyond” ergab gute und schlechte Nachrichten. Eine meiner Ansicht nach zentrale greift Klimareporter heraus:
“KI saugt die Energiewende auf”.
“KI erfordert enorme Mengen an Energie, und das ist äußerst besorgniserregend”, sagte Studienautorin Diana Ürge-Vorsatz, Physikerin und stellvertretende Vorsitzende des Weltklimarates IPCC. Die Welt und besonders Europa habe sich in den vergangenen Jahrzehnten in eine vielversprechende Richtung bewegt.
In einigen Industrienationen habe sich der Trend einer sinkenden Stromnachfrage in den letzten beiden Jahren aber wieder umgekehrt, so die ungarische Klimaforscherin.
Der Rekordausbau der Erneuerbaren wird laut Studie zu einem großen Teil vom rasch wachsenden Energiebedarf der Rechenzentren für künstliche Intelligenz aufgesogen. “Die Erstellung eines nur einminütigen Online-Videos – und das dreimalige Ausprobieren – kann so viel Energie erfordern wie eine Autofahrt über 100 Kilometer”, erklärte Ürge-Vorsatz in einem Interview mit dem Fernsehsender RTL.
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Schönes Bild eines alten Warteraums der Londoner U-Bahn und seine Geschichte – ein Loblied auf die kleinen Leute in Architektur- und Designbüros, die den Alltagskram entwerfen und umsetzen, deren Namen in keinen Geschichtsbüchern erwähnt werden.
* gefühltes Datum siehe @sinnundverstand
Journal Dienstag, 27. Januar 2026 – Sonne, Arbeit, ziviler Widerstand
Mittwoch, 28. Januar 2026Unwillig vom Wecker geweckt worden: Ich träumte gerade etwas eher Irrelevantes, aber es spielte in mediterraner Stadtumgebung mit Sonne, Sommerkleidung und grüner Vegetation – dort war ich viel lieber als im anbrechenden Münchner Januar-Morgen. Nachts hatte ich wieder einen Stoß Nasenspray in ein Nasenloch benötigt, die Nase hatte komplett zugezogen.
(Weil Frau Brüllen am Montag en passant erwähnte, wie lang sie an einem Arbeitstag zwischen Weckerklingeln und Aufbruch in die Arbeit einplant, nämlich 45 Minuten: Bei mir sind es ca. 90 Minuten.)
Der klare Himmel verhübschte die Theresienwiese.
Am Schreibtisch geordnetes Losarbeiten, bis sich ein als gelöst abgespeichertes Problem als gar nicht gelöst und noch viel komplizierter erwies. Alle Kontaktkarten gezogen, doch das half nur bedingt, schon um halb elf Stress-Kopfweh.1
Nach einer kleinen Geselligkeit ging ich hinaus in die Sonne auf einen Mittagscappuccino im Westend. Mir saß ein Termin im Nacken, deshalb konnte ich die Wege nicht genießen wie auch schon mal.
Zu Mittag gab es Apfel sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt.
Kleinteilig anstrengender Arbeitsnachmittag, aber abgeschlossen mit einer Lösung des Vormittagsproblems, HURRA!
Auf dem Heimweg ein wenig Lebensmitteleinkäufe beim Vollcorner. Zu Hause Yoga von der sportlicheren Sorte – meine schief miteinander verwachsenen Lendenwirbel nahmen mir übel, dass ich sie am Montagabend in kontra-anatomische Haltungen gezwungen hatten, der gesamte Hüftgürtel war noch steifer als eh schon.
Fürs Nachtmahl hatte ich vor der Arbeit bereits Pizzateig angesetzt und zum kalten Gehen in den Kühlschrank gestellt, Herr Kaltmamsell übernahm die Fertigstellung.
Auf die Idee hatten mich die Gläser eingemachter Artischocken gebracht, die ich vor Monaten bei La Vialla gekauft hatte und die ich mir gut auf Pizza vorstellen konnte – die sich allerdings als unangenehm sauer erwiesen. Doch insgesamt eine gute Pizza.
Früh ins Bett zum Lesen.
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Wie der zivile Widerstand in Minneapolis sich organisiert und trainiert – eine erhellende und gleichzeitig gruslige Reportage von Robert F. Worth (der sich mehrfach auf den arabischen Frühling bezieht) im Atlantic:
“Welcome to the American Winter”.
You do not have to get tear-gassed to observe all of this self-organization; it is visible to anyone walking through Minneapolis. One bitterly cold morning, I approached a man standing across the street from an elementary school, a blue whistle around his neck. He told me his name was Daniel (he asked not to be identified further, because his wife is an immigrant) and that he stood watch every morning for an hour to make sure the kids got into school safely. Other local volunteers come by regularly to bring him coffee and baked goods, or to exchange news. These community watches take place outside schools throughout the Twin Cities, outside restaurants and day-care centers, outside any place where there are immigrants or people who might be mistaken for them.
(…)
Inside the schools, many administrators have been making their own preparations over the past year. Amanda Bauer, a teacher at a Minneapolis elementary school that has a large portion of immigrant students, told me that administrators informed parents last fall about their emergency plans for ICE raids by phone or in person, because they were already concerned about leaving email chains that could be mined by a hostile government.
§
Apropos. Hier die Ratgeber-Kolumne von Sigal Samuel im US-amerikanischen Online-Magazin Vox: Eine Leserzuschrift thematisiert, dass viele Menschen in den USA unpolitisch bleiben und so tun, als wäre alles normal – aber was könne man tun in dem Bewusstsein, dass die Entwicklungen Grund zu Besorgnis geben?
“Your friends are still acting like everything is normal in America. What do you do?”
Stichwort “the grandkid test”.
Tell them that one day their grandkids may ask them what they did in the wake of Minnesota, or under this administration more broadly. Will they be able to answer in a way that makes that young, upturned face beam?
§
Dafür braucht es dringend aufmunternde Gegenmittel. Einfach entzückend: Dean Martin und Caterina Valente – One Note Samba von 1966.
https://youtu.be/AuEv942wOZs?si=Dic6_JceOApnEQ1g
- Nur zur Sicherheit: “Problem” im Sinne von völlige Lappalie in größerem Zusammenhang. Weder hängt ein Menschenleben davon ab, noch ist es naturgesetzlich unlösbar (was ich auch schon hatte), aber ich konnte es nicht bis Haken-dran wegbekommen. [↩]
Journal Montag, 26. Januar 2026 – Wintermatsch
Dienstag, 27. Januar 2026Steigende Temperaturen hatten über Nacht aus der Schneedecke Matsch gemacht. Ich marschierte unwillig in leichtem Regen in die Arbeit, die pampige Scheußlichkeit des Wetters konnte nicht durch den Umstand ausgeglichen werden, dass es um diese Zeit nicht mehr finster war.
Auch dieses Jahr fühlt sich der Januar endlos an, einen ganzen Winter lang. Interessanterweise bleibt das auch dann so, wenn ich mir das bereits am Anfang des Monats vor Augen halte und mich nicht mehr davon überraschen lasse.
Im Büro stellte ich fest, dass die Schneestiefel, mit denen ich noch nie richtig glücklich war, auch noch Wasser reinlassen: Meine Strumpfhosenspitzen waren nass. Obwohl sie noch tiptop aussehen, nehme ich das vier Jahre nach Kauf als Erlaubnis für Wegwerfen und Ersetzen.
Geordneter Arbeitsbeginn, nichts Schlimmes unter den E-Mails im Postfach.
Mittagscappuccino aus der Cafeteria, in dieses greisliche, dunkelgraue Gematsche wollte ich nicht raus.
Zu Mittag gab es Rote-Bete-Salat und eine doppelt dicke Scheibe selbstgebackenes Brot (für Weizenmischbrot auch am dritten Tag überraschend saftig).
Mühsamer Nachmittag, meine Laune wollte sich einfach nicht aufhellen.
Nach Feierabend nahm ich eine U-Bahn zum Odeonsplatz, die wärmeren Temperaturen hatten den Schneematsch weitgehend weggeschmolzen. Erster Programmpunkt: Mehlkauf im Hofbräuhausmühlenladen, Weizenmehl 00 und 405, Roggenmehl 1370. Zweiter Programmpunkt: Eine durch Erstwäsche untragbar gewordene Jeans zu COS zurückbringen. Ich erwartete nicht etwa Entschädigung (Kauf am 14.1.2025 und eh keinen Kassenzettel aufgehoben), sondern wollte in erster Linie den Hersteller informieren sowie die Hose entsorgen. Mir wurde aber gleich Erstattung angeboten – allerdings gab das System nur den Sonderangebotspreis her, zu dem die Jeans im Moment verkauft wird. Betrug immer noch mehr als die Hälfte des Kaufpreises, ich war sehr einverstanden und sehe den nicht erstatteten Teil als Miete fürs Tragen bis zur ersten, verheerenden Wäsche.
Auf dem Heimweg kaufte ich im Kaufhaus noch Strumpfhose und bunte Sonderangebotssocken.
Daheim eine längere Yoga-Folge, anstrengend und in großen Teilen für mich nicht mal ansatzweise machbar: Zum Beispiel werden beim Z-Sitz meine Sitzbeinhöcker in diesem Leben nie beide den Boden berühren. Oder werde ich dabei aufrecht sitzen können. Vielleicht kamen diese Haltungen absichtlich gerade in der Folge “self love” vor – weil Leute wie ich dabei so schön mit dem Kampf gegen self hate beschäftigt sind.
Als Nachtmahl gab’s gesammelte Reste: Kopytka mit Sauce vom Sonntag, Quiche vom Samstag, außerdem Käse, Oliven, Essiggurken. Nachtisch Schokolade.
Früh ins Bett zum Lesen.
§
Warum es wichtig bleibt, Nachrichten aus unterschiedlichen Medien zu holen: Dass ein Zyklon Harry vor einer Woche an der italienischen Mittelmeerküste gewütet und zerstört hat, “schlimmster Wintersturm seit Beginn dieses Jahrhunderts”, war mir über all dem Davos-Geschrei komplett durchgerutscht. Erst in der taz las ich:
“Ein zweitrangiges Klimadesaster”.
Der Zyklon zog eine 100 Kilometer lange Spur der Verwüstung an der Ostküste Siziliens von Messina über Catania bis nach Syrakus, und er schlug auch an der Küste des Ionischen Meers in Kalabrien ebenso wie in Sardinien zu.
Die am Meer entlanglaufenden Eisenbahnlinien sowohl Kalabriens als auch Siziliens sind unterbrochen, an diversen Orten schweben die Gleise in der Luft, da das Meer den tragenden Damm unter ihnen weggerissen hatte. Weggerissen fanden sich auch Straßen ebenso wie jene Häuser, die zum Meer hin in der ersten Reihe standen.
§
Die Verfilmung von Helen Macdonalds besonders wundervollem Buch H is for Hawk kommt gerade in die Kinos. Im New Statesman schreibt sie über:
“What it’s like to be played by Claire Foy”.
Ich habe keinerlei Interesse den Film zu sehen, dazu lebt Helen Macdonalds Buch für mich zu sehr von Buchstaben, und ich möchte meine Version in Kopf und Herz behalten. Aber mich interessiert sehr der Prozess, ein Buch in einen Film zu transformieren.
§
Bislang kalkulierte ich die Möglichkeit ein, dass das Lustigmachen in der englischsprachigen Welt über unser1 Durchlüften im Grunde ein Scherz ist, weil: Hin und wieder frische Luft in Zimmer zu lassen, ist ja wohl ein no brainer? Stellt sich heraus: Die meinen das Lustigmachen ernst.
“House burping: should we all adopt this German habit?”
- Ich bin nicht sicher, wen das alles einschließt – hat jemand eine schöne geografische Darstellung der Lüft-Regionen weltweit? [↩]
Journal Sonntag, 25. Januar 2026 – Erneute Winterrunde, Beifang aus dem Internetz
Montag, 26. Januar 2026An diesem Wochenende bekam ich kein Ausschlafen geschenkt: Auch gestern wachte ich viel zu früh auf, noch vor fünf, und konnte dann nicht mehr recht einschlafen. Kurz nach sechs gab ich auf.
Sowas wie Tag wurde es zu eisigem Nebel, und es war schon wieder schwer, das Wohnzimmer warm zu bekommen, beide großen Heizkörper auf volle Pulle und sorgfältig geschlossene Zimmertüren halfen nicht.
“In Bayern bleibt es weiterhin frostig kalt.” Ach meia.
Lust auf einen Isarlauf hatte ich dennoch. Diesmal fuhr die Tramlinie 16, die mich Richtung Tivoli brachte, ich stieg an der Paradiesstraße aus.
Körperlich passte alles während der folgenden eindreiviertel Stunden, die Bewegung tat gut, auf den Wegen nur vereinzelt eisige Stellen. Aber zu sehen gab es bei diesem eisigen Nebel halt wenig.
Hier hatte eben noch ein Kormoran das Motiv interessanter gemacht. Aber bis ich das Handy hob, war er abgetaucht.
Zurück daheim wärmte ich mich mit heißer Dusche auf. Doch zum Frühstücken kurz nach eins musste ich wieder im lauwarmen Wohnzimmer frösteln. Es gab zwei dicke Scheiben Brot vom Samstag, eine mit restlicher Guacamole, eine mit Butter und Orangenmarmelade.
Für den Nachmittag hatte ich vage Kino-Pläne, nach einer Runde Bügeln am Fenster im fahlen Winterlicht aber doch keine Lust. Statt dessen las ich herum und ärgerte mich über die nicht wirklich warm zu kriegende Wohnzimmer-Temperatur – die wohl wieder auf unbeheizte, weil unbewohnte Wohnungen über und unter uns zurückzuführen war.
Dafür freute ich mich an den Lilien, die ich mir gegönnt hatte.
Freunde brachten zwei Bergamotten aus Direktimport vorbei, ich freue mich schon sehr auf die Verarbeitung. Draußen begann es zu schneien.
Es fällt mir schwer, bis nach Fasching mit dem Winter-Maulen zu warten.
Fürs Sonntagsessen hatte ich zwei dicke Scheiben Schweinenacken besorgt, Herr Kaltmamsell übernahm die Zubereitung nach Art meiner polnischen Oma. Sogar für Kopytka aus Ernteanteil-Kartoffeln sorgte er, während ich eine Runde Yoga turnte.
Ich steuerte Salat aus den Ernteanteil-Ringelbete bei. Richtiges Sonntagsessen. Nachtisch Schokolade. Draußen schneite es weiter.
Im Bett begann ich neue Lektüre: Sigrid Nunez, For Rouenna.
§
Die protestantische Arbeitsethik erreicht Stellen im Hirn, da kommt bloße Motivation gar nicht hin.
Schreibt Maximilian Buddenbohm. Und es ist ganz erstaunlich, was sie sich unterwegs alles unter den Nagel reißt, was irgendwann mal eigentlich als Vergnügen begonnen hat.
§
Solidarisches Preppen – ich versuche mich in jüngster Zeit zu zwingen, über Katastrophenvorsorge nachzudenken. Nicht weil ich mich um mich fürchte (obwohl ich wirklich sehr, sehr ungern in Winterfrost tagelang ohne Strom auskommen müsste wie die Berliner Verwandtschaft von Herrn Kaltmamsell), sondern um hilfsbereit sein zu können. Für Krautreporter hat Nicole Kauer recherchiert:
“In der Katastrophe retten dich Nachbarn, nicht die Dosensuppe”.
Solidarisch wird das Preppen für Gerriet auch durch eine einfache Tatsache: Wer Wasser oder Lebensmittel hat, benötigt keine Hilfe und bindet keine Rettungskräfte. „Die eigene Vorbereitung bedeutet sogar, im Fall der Fälle selbst helfen zu können.“
Meine ersten Schritte: Aus diesen Tipps von Thomas Wiegold im Techniktagebuch habe ich eine Einkaufsliste erstellt. Mal sehen, wann ich mich dazu bringe, sie auch abzuarbeiten.
§
Eine Liebeserklärung ans Zugreisen:
“Warum wir mit dem Zug reisen”.
Bei mir fängt es mit zwei Zielen beim Verreisen an: 1. möglichst nicht fliegen, 2. nicht autofahren. Und bei der resultierenden Wahl zwischen Fernbussen und Bahn ist mir Zugfahren erheblich lieber. Allerdings profitiere ich davon, dass mich europäische Länder mehr interessieren als weit entfernte. Tagesaktuelle Wunschliste (zufällig gereiht):
– Sizilien
– Bulgarien (eng abgestimmt mit meiner bulgarischen Kollegin)
– Georgien
– Straßburg
– Marseille
– Paris
– Neapel
– Rom
– Kopenhagen
– Belgien (vielleicht angefangen mit Brügge)
– Slowenien
– Steiermark
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Vanessa Giese schreibt über “die Jugend von heute” (Anführungszeichen im Original):
“‘Wie erlebst du die Jugend von heute?'”
Ich schließe mich ihren Beobachtungen komplett an und freue mich über ihre schlüssige Erklärung dafür. Und auch das erlebe ich und lasse mich manchmal davon verunsichern.
Die Jugendlichen, die heute 16 und 17 sind, haben gesellschaftlich bereits Einiges vollbracht: Sie haben Tausende minderjährige Geflüchtete in ihre Schulklassen und Sportvereine integriert, haben eine Pandemie mit zwei Jahren Unterrichtseinschränkungen, Sorgen und Unsicherheiten kompensiert, waren mit einem Kriegsausbruch in Europa konfrontiert, haben erneut Tausende Geflüchtete integriert – und nebenbei mit einiger Wahrscheinlichkeit die Scheidung ihrer Eltern erlebt und eine neue Form von Familie aufgebaut. Über diese Leistungen spricht niemand.
Zumindest widerspreche ich bei manchem Bashing von Älteren: “Die Jugend” ist mit der Lektüre von Lessing überfordert? Das halte ich für keinen Grund zu lästern, denn ich bin sicher, dass “die Jugend” sehr vieles kann und weiß, von dem die bashenden Älteren mindestens so überfordert sind, show some respect!
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Ziviler Widerstand in Minneapolis: Drummers against ICE. Meine tiefe Bewunderung.























































