Archiv für Juni 2026

Journal Sonntag, 31. Mai 2026 – Sommerhitze unvermutet

Montag, 1. Juni 2026

Ok geschlafen, nur leicht verkatert nach der Feier eines 60. Geburtstags am Vorabend aufgewacht.

Der Morgen draußen sonniger und wärmer als angekündigt, auch ein Gewitter und Regen hatte es nachts nicht gegeben.

Balkonkaffee, die beiden neuen Wasserschüsselchen auf der Brüstung wurden zumindest von einer Amsel und einem Amslerich bereits besucht – beide besonders hübsch und mit einer besonders gekrümmten Oberschnabelspitze, ich bildete mir ein, sie individuell zu erkennen.

Ein Isarlauf würde in Hitze stattfinden, aber ich hatte großen Bedarf an Kopffreikriegen nach dem Vorabend mit Reizüberflutung und innerer Blockade. Schon beim Radeln zum Friedensengel fühlte sich jeder Sonnenstrahl wie ein Fausthieb an, ich nutzte beim Laufen alles, was ich an Schatten kriegen konnte. Ohnehin lief ich so benebelt, dass ich erst nach über einer Stunde den ersten fotografierenswerten Anblick wahrnahm.

Unter der Leinthalerbrücke.

Der Trampelpfad unten an der Isar versprach mehr Schatten als der Schotterweg weiter oben.

Und tatsächlich hatte sich hier sogar Matsch gehalten. Das Laufen strengte mich an und ich war sehr durstig, genehmigte mir ein paar Handvoll Wasser von einem sprudelnden und eingefassten Zufluss. Das waren am Ende ein paar mehr als die geplanten 100 Minuten, doch das Wechseln zum Gehen, das ich meinem Körper mehrfach angeboten hatte, wurde nicht angenommen. Heimradeln in Hitze mit heimischem Wasserhahn vor Augen, es waren gar nicht mal so viele Leute unterwegs (verreist wegen Pfingstferien?).

Die Müncher Robinien sind allen Ernstes duftlos verblüht, in mir regt sich leichte Empörung. Jetzt müssen die Linden aber echt hinmachen.

Zu Hause Wassertrinken, Körperpflege inklusive Pediküre, auch eine große Tasse lösliche Gemüsebrühe trank ich für Salznachschub. Frühstück um halb drei: Etwas Rote-Bete-Salat aus Ernteanteil mit frischem Ernteanteil-Majoran (was halt nicht in das Schraubglas für die Montagsbrotzeit passte), überreife Mango (überraschend, denn die Schale war grün geblieben) mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot. Der Himmel hatte zugezogen, donnernd gegrollt, aber nur ein paar Tropfen Regen gespendet.

Ausführliches Brudertelefonat. Beim anschließenden Internetlesen fühlte ich mich so abgrundtief müde, dass ich mich trotz fortgeschrittenem Nachmittag ein wenig hinlegte.

Eine Yoga-Folge 6, nach einem sonnigen Abschnitt war es draußen wieder düster geworden, erneute Hoffnung auf Regen.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Agretti aus Ernteanteil als Pastagericht, ganz wunderbar. Nachtisch Marzipan und Schokolade. Jetzt regnete es wirklich, Hoffnung auf Ausdauer.

Früh ins Bett zum Lesen. Die Aussicht auf eine Drei-Tage-Woche deutlich weniger belastend als auf fünf Tage, schau an.

§

Manches ist immer noch wie früher. Leider GANZ früher.
Im österreichischen Bezirk Neusiedl warnte die Polizei ganz offiziell vor “fahrendem Volk”.

“Schließen Sie keine ‘Haustürgeschäfte’ ab”, heißt es darin: “Lassen Sie keine fremden Personen in ihr Haus oder ihre Wohnung. Notieren Sie sich, wenn möglich, eventuelle Fahrzeugkennzeichen und Personenbeschreibungen!”

Irene Brickner im Standard:
“Besuch bei durchreisenden Roma in Parndorf: Sie sind zu Recht misstrauisch”.

via crocodylus

Beim selber Hinschauen und Nachhaken (wie sich das für Journalismus gehört) stellt sich dann sogar sehr Interessantes heraus:

Die Gruppe gehöre zum Umfeld der Evangelischen Mission “Vie et Lumière”, die in der 1950er-Jahren in Frankreich entstanden ist, sagt er: einer evangelikalen, stark an der Bibel orientierten Glaubensgemeinschaft, deren Mitglieder nicht nur Sinti und Roma sind, sondern auch Menschen aus vielen anderen Gruppen: Kalderasch, Lovara, Kalé und andere. Allein in Frankreich haben sich rund 100.000 Personen diesem Glauben angeschlossen.

(…)

Evangelikale Glaubensrichtungen ziehen derzeit europaweit auch unter Roma und Sinti viele Menschen an. Das habe wohl mit den weniger hierarchischen Strukturen der Freikirchen zu tun, die das Predigen in der eigenen Sprache und das Singen traditioneller Volkslieder erleichtern, sagt Mirjam Karoly, Politologin und Mitglied des Volksgruppenbeirats für Roma und Sinti in Österreich. In der Regel haben Roma und Sinti die Religionen ihrer Heimatländer übernommen: katholisch in Österreich, orthodox in Serbien, muslimisch in der Türkei. Der Trend zu den Freikirchen sei insofern etwas anderes, auch wenn es dazu keine Forschungsdaten gebe.

§

Mit dem Werk von James Krüss bin ich groß geworden: Sein Buch der sieben Sachen zum Staunen und zum Lachen hat bislang alle Aussortieraktionen überstanden, und die Verfilmung von Tim Thaler hat mich tief geprägt. Auch über den Autor hatte ich einiges gelesen – doch ein zentrales Detail seines Lebens ging auch in den Artikeln zu seinem 100. Geburtstag unter: James Krüss liebte Männer und musste mit den gesellschaftlichen Folgen kämpfen.
“James Krüss zum Hundertsten: Queerness zwischen den Zeilen”.

(Allein schon, dass sein langjähriger Lebenspartner verschwiegen wird, zeigt in meinen Augen, dass Krüss’ Schwulsein sehr wohl relevant ist.)