Archiv für Juni 2026
Journal Montag, 29. Juni 2026 – Endlich Gewitter
Dienstag, 30. Juni 2026Das Beste kam am Ende des Tages: Gewitter mit ordentlich Regen. Bis dahin:
Start in Arbeitswoche 5 vor Urlaub. Diese enthält drei Abendtermine, das ist für mich zwar willkommene Ablenkung von der Arbeit, aber bereits an der Grenze zu Zusatzbelastung.
Düsterer Himmel beim Aufstehen, aber kaum Abkühlung. Erste Handgriffe des Tages: Hefeteig für Empanada.
Ich überwand mich, die sonst eisern täglichen Bank- und Seitzstütz-Übungen nochmal ausfallen zu lassen: Der Rippenschmerz war wieder stärker geworden, womöglich hatte ich die Pilates-Einheit am Vorabend verfrüht genossen.
Sonniger Weg in die Arbeit (immer noch über die Theresienwiese, die Baustellen dauern an), geordnetes Losarbeiten.
Das Wetter schöpfte die Möglichkeit von Gewittern nicht aus, dennoch wagte ich mich mittags raus auf eine Spazierrunde – und wurde von angenehmen Schattentemperaturen überrascht, der Wind fühlte sich nicht mehr wie aus einem Haarföhn an, sondern erfrischte.
Mittagessen: Apfel, Aprikosen, außerdem Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.
Der Arbeitsnachmittag wurde noch richtig emsig, weil ich endlich die für einen Job nötigen Informationen hatte.
Nach Feierabend war die Temperatur halbwegs erträglich, aber immer noch weit entfernt von angenehm, ich nutzte jede Schattenmöglichkeit des Heimwegs.
Zu Hause eine Runde Yoga (Rippenschmerz immer noch hinderlich) – dass ich dabei ins Schwitzen kam, lag aber allein an der Zimmertemperatur über 27 Grad. Zumindest war ich nicht die in der Küche mit dem heißen Backofen, in dem gerade die Empanada zum Mitbringen für die Generalversammlung des Kartoffelkombinats Dienstagabend buk, das hatte Herr Kaltmamsell übernommen. Der dann auch noch das Abendessen servierte: Orecchiette mit Ernteanteil-Brokkoli. Vor denen ich bereits Salzgürkchen gesnackt hatte.
Schon seit einer Weile grollte Donner, und zur Tagesschau um acht kam endlich, endlich der Regen. Und dann bei Gewitter natürlich in großem Schwall.
Das herrliche Regenrauschen wurde unmittelbar gefolgt von LALÜ.
Nachtisch Schokolade.
Früh ins Bett zum Lesen – voll Vorfreude auf eine Nacht mit Zudeckenbedarf. Die neue Lektüre, Anna Maschik, Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten, nahm mich mit in eine bäuerliche Zeit und Welt, die ich ein wenig aus der Rumplhanni von Lena Christ kannte, diese aber am nördlichen Ende Deutschlands und sehr viel kultivierter erzählt (der Titel des Romans stellte sich bereits als ausgesprochen doof und heischend heraus).
Journal Sonntag, 28. Juni 2026 – Kocherl-Wandern
Montag, 29. Juni 2026Nein, “Kocherl-” passt eigentlich gar nicht, war nur das erste, was mir gleichzeitig mit der Idee für diesen Sonntag einfiel. Die Idee: Um die Zeit, um die im Juli der Münchner Kocherball beginnt, eine Wanderung zu beginnen. Nur halt nicht, weil die Kocherl (= Hausangestellten) nur um diese Zeit frei hatten zum Tanzen, also vor der Arbeit, sondern weil es nur um diese Zeit kühl genug für eine Wanderung sein würde.
Also Wecker auf fünf, der mich nach recht guter Nacht aus tiefem Schlaf riss.
Balkonkaffee für Herrn Kaltmamsell und mich, danach genügte mir Katzenwäsche: Ausgiebiges Duschen samt Körperpflege verschob ich auf den späteren Tag. Als Wanderstrecke hatte ich mal wieder den Auer Mühlbach gewählt, erweitert um Anmarsch von daheim nach Thalkirchen, also die Heilig-Abend-Wanderstrecke. Um sechs Uhr verließen wir das Haus.
Die Morgen-Abkühlung nutzten nicht nur wir: Es waren viele Jogger*innen und Hundespazierende unterwegs, nach sieben umgaben uns schlagartig auch Sportradler*innen. Es wurde ein schönes Gehen in Morgenluft. Das mitgeführte Wasser reichte, zu wenig waren aber überraschen die Toiletten am Weg: Dass das Klohäusl bei Maria Einsiedel außer Betrieb war, brachte mich in Umstände.
An vielen Stellen sahen wir Badende, auch schon hier kurz nach sechs an der Wittelsbacherbrücke.
Wir passierten zahlreiche Flaschensammlungen – am Vorabend und in der Vornacht war offensichtlich reichlich gefeiert worden.
In Thalkirchen ging’s hoch.
In Siebenbrunn bei den Schrebergärten wurde reichlich im Auer Mühlbach gebadet.
Streetart in Giesing
Unterm Nockherberg
An Untergiesinger Altbauten auffallend viele Fenster mit Tüchern verhängt oder gleich mit Rettungsfolie versiegelt: keine Rollläden vorhanden.
Nach ein wenig Warten an der Haltestelle Deutsches Museum brachte uns eine klimatisierte Tram kurz nach neun nach Hause. Dort schnelles Versperren und Abdunkeln der Wohnung, ich ging nochmal raus für Frühstückssemmeln.
Das Feigenbäumchen (Foto vom Samstag) auf unserem Südbalkon hat nicht funktioniert: Das ärmste verbrennt dort, in den vergangenen Tagen warf es immer mehr Blätter ab. Ich rettete es auf den Westbalkon. Nächster Versuch Olivenbäumchen?
Eine weitere Hitzeanpassung: Ich muss Obst im Kühlschrank lagern, wie in Spanien, sonst verdirbt es innerhalb eines Tages.
Kurz nach 11 Uhr wurde ich schlagartig sehr, sehr müde – ich legte mich einfach hin und schlief über eine Stunde. So richtig munter wurde ich danach nicht mehr, das mag aber auch an der Hitze gelegen haben.
Zum Frühstück gab es kurz nach eins Salzgürkchen und zwei Körnersemmeln.
Nachmittag mit Lesen von allem möglichen, unter anderem nach Langem mal wieder einige Stunden am Stück Roman: Ich las Vivian Gornick, Fierce Attachments aus – durchaus interessiert, aber der dominante Duktus einer Psychoanalyse-Sitzung befremdete mich. Draußen zog der Himmel mit Wolken zu, im Westen sogar so dunkel, dass ich auf abkühlendes Gewitter zu hoffen begann. Vergeblich.
Die schmerzenden Rippen waren viel besser geworden, ich gab meinem Bewegungsdrang nach und turnte eine Folge Pilates – große Freude.
Zum Nachtmahl taute Herr Kaltmamsell die eingfrorenen restlichen Rinderippen vom Montag auf, rührte dazu Polenta – richtiges Sonntagsessen. Nachtisch Schokolade.
Eher spät ins Bett, weil ich nicht müde war, zudem weil das zu warme Schlafzimmer mit geschlossenen Fenstern nicht recht lockte.
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Catatonic schreibt über das japanische Konzept/Werkzeug/Zeichen
“Sekimori Ishi”.
Und tut das so abgewägt, dass eine Zusammenfassung oder ein Ausschnitt das Ergebnis verfälschten, lesen Sie bitte selbst. (Mein Erwerbsleben besteht mittlerweile zu 80 Prozent aus solchen Zeichen; ich muss aufpassen, dass sie in meinem echten Leben nicht überhand nehmen.)
Journal Samstag, 27. Juni 2026 – Hitzebedingter Drinnen-Samstag mit Musik-Tipps
Sonntag, 28. Juni 2026Eine sehr schlechte Nacht: Wach hielten mich Rippenschmerzen (bei Bewegung, irgendwann aber auch beim einfachen Daliegen auf dem Rücken), Geschrei im Park, in den frühesten Morgenstunden klingelte jemand bei uns (ich lauschte kurz: war unten am Tor, nicht an der Wohnungstür, also wohl keine Nachbarin – ich sah keinen Anlass aufzustehen, auch nicht Herr Kaltmamsell). Am erholsamsten fühlten sich die anderhalb Stunden Schlaf nach fünf an, und ich träumte auch noch von Kindheitsspanien, schön.
Was mir durch diese Nacht klar wurde: Schwimmengehen ließ ich besser bleiben. Vielleicht würden sich die blöden Rippen durch dieses “Schonen” und “Ruhe” wieder einkriegen, von denen man in alten Romanen hin und wieder liest. Also gemütliche Häuslichkeiten, Kruschen, Bloggen auf dem Balkon an Milchkaffee.
Noch vor neun fühlte sich die Luft von draußen warm statt kühlend an, ich sperrte sie und das Sonnenlicht aus.
Zu einer Einkaufsrunde wollte ich mich aber doch aufraffen, schon im Vorgriff auf Montag: Dienstagabend nehmen Herr Kaltmamsell und ich an der Generalversammlung unseres Kartoffelkombinats teil (verlegt vom bisherigen Sonntag in der Hoffnung auf mehr Interesse der Genossenschaftler*innen), wenn wir uns am Buffet beteiligen wollten, musste die Vorbereitung bei zwei Vollzeit-Arbeitstätigen langfristig durchgeplant werden. (Wir wollen vegetarische Empanada mitbringen, den Teig setze Montagmorgen ich an, die Fertigstellung übernimmt Montag nach der Schule Herr Kaltmamsell.)
Wie angekündigt und erwartet war es bereits vormittags brüllend heiß, besorgt sah ich auf meiner Einkaufsrunde die vielen Vorbereitungen des gestrigen CSD. Eine Folge der aktuellen Extremhitze: auffallend viele Menschen mit Regenschirmen als Sonnenschutz.
Wieder fühlten sich das Aufschließen der Haustür und das Betreten des kühlen Treppenhauses beim Heimkommen wie Rettung an. Das war’s definitiv mit draußen für den Tag. Ich verdunkelte die Wohnung gründlich.
Ab Mittagszeit unablässiger Hubschrauberlärm über Münchens Zentrum. Ich hoffe, die filmten den CSD nicht nur, sondern sprühten Wasser auf die armen Mäuse.
Zu Mittag gab’s Apfel, Orange, Aprikosen, Flachpfirsich mit Joghurt – obwohl mein Hunger-Bauchweh fast von Müdigkeit übertrumpft wurde, aber ich wusste, dass ich hungrig nicht schlafen kann. Zu einer ausgiebigen Siesta legte ich mich danach hin.
Im immer noch komplett abgedunkelten Wohnzimmer die Wochenendzeitung gelesen, halt mit Deckenlicht. Dann probierte ich Bügeln – ging überraschend gut, ich schwitzte nur wenig mehr als untätig sitzend.
Zum Nachtmahl wieder vor allem Gemüslichkeiten:
Frische Salzgürkchen sowie Kimchi aus Herrn Kaltmamsells Produktion, restlicher Fenchelsalat, außerdem Sardinen-Aufstrich mit Brot. Dazu den spritzigen Rosé by nature von Pittnauer aus Gols.
Nachtisch Eiscreme und Schokolade.
Die ARD sendete einen Brennpunkt (ja: haha) nach der Tagesschau zur Brutalhitze mit neuen deutschen Höchstwerten in der Allzeit-Temperaturmessung: Wissenschaftliche Experten (Mobilität, Gesundheit) gaben ihre Einschätzung, was dringend getan werden muss zum Schutz der Bevölkerung. Ich konnte schier die Tausenden Klimaaktivist*innen seit vielen Jahren fuchteln und “HABEN WIR DOCH GESAGT!” fluchen hören. Selbst amüsierte ich mich ehrlich darüber, dass platzende Autobahnbeläge ein Tempolimit erreichten, mit dem vernünftige Stimmen bislang nie durchkamen.
Später als sonst, aber an diesen langen Tagen immer noch bei mittelhellem Himmel ins Bett zum Lesenn, ich sah den sich füllenden Mond aus den Baumwipfeln des Parks vorm Schlafzimmerfenster steigen.
Für Sonntag hatte ich eine Unternehmungs-Idee, Herr Kaltmamsell war bereits darauf angesprungen. Freuen Sie sich schon auf den Bericht über: Kocherl-Wandern.
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Eva Wolfsangel ist eine respektierte und erfolgreiche Journalistin mit Fachgebiet IT. Sie belegt leider mit Beispielen aus eigener Erfahrung, wenn Sie schreibt:
“KI und das Ende des Journalismus”.
Manche Medien und Journalist:innen nutzen KI, um Informationen aus dem Netz zu scrapen, maschinell daraus Beiträge zu verfassen und als eigene auszugeben. Damit schaufelt sich die Branche ihr eigenes Grab.
(Ich würde wirklich echt ehrlich viel lieber schöne Geschichten über “KI”-Anwendungen verlinken – zum Beispiel diese über einen “Anrufmanager”. Schon wieder für mich nicht relevant, Telefonieren ist eine sehr seltene Anwendung meines Handys.)
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Beim Bügeln hörte ich wieder die Playlist mit aktueller deutschsprachiger Musik, die eine sehr bewanderte Freundin unter dem schönen Titel “Grundsolide Schlager” zusammengestellt hatte (schon ihre Mixtape-Titel vor 30 Jahren waren so schön). Besonders gefallen haben mir und seien deshalb weitergegeben:
1. Mine: Unfall
https://youtu.be/68YHpI1-mN0?si=VLwVkjlG7jC7IS5j
Vor allem wegen des besonderen Schlagzeugs (die Texte von Mine mochte ich aber eh durchwegs).
2. Sorry3000: Hinterm Kreisel
https://youtu.be/WFWNBcbplnA?si=xv8zxLJRKFanOmVk
Mich faszinieren am Text und seiner Erzählhaltung die scheinbare Naivität der Beschreibung, die Betonung von Respekt für Unterschiede (“Ich find’s schön, dass ihr euch damit wohlfühlt”), aber dann halt doch das Stehen zu nicht verhandelbaren Werten (“aber ihr wisst schon”).
3. Anna Buchegger: Wos i nit bin
https://youtu.be/PwhBZfUH-EE?si=ChGkJvi8w6smcTbg
Wieder ein fasnizierender Text (an eine Schwester gerichtet?) – und wie schön, auf welchem Niveau es Musik in Dialekt gibt.
Journal Freitag, 26. Juni 2026 – Lindenblütenkleben und Too darn hot!
Samstag, 27. Juni 2026In dieser Nacht störten die Sturzfolgen dann doch meinen Schlaf – allerdings schwer abzugrenzen vom zwickenden und bis ins rechte Knie stechenden LWS-Schmerz (KÖRPER!).
Die Lindenblüte ist fast vorbei, nur an der Nordwest-Ecke der Theresienwiese rieche ich sie noch.
Von den abgeworfenen Blüten auf dem Foto nahmen die Sohlen meiner Sandalen etwa ein Drittel mit: fest angepappt von Blattlauskleber.
Die Theresienwiese weiter verbaustellt und mit Absperrgittern versehen, diese aber an den wichtigsten Passagen noch nicht verschlossen.
Das Büro erleichternd temperiert, Arbeit vorhanden, aber machbar.
Irgendwas ritt mich mittags und ließ mich das Haus für einen Mittagscappuccino im Westend verlassen (ich verdächtige den Schrittzähler, aber ich wollte auch eine Postkarte einwerfen). Und siehe da: Jetzt fühlte sich der leichte Wind sogar noch erfrischend an. Im Schatten.
Total gestelltes Foto, so sitze ich nie beim Cappuccino-Trinken.
Zu Mittag gab es die erste Minigurke aus der Kartoffelkombinat-Gärtnerei (mit Salz, weil bei all dem Trinken Salz nicht vergessen!), Ernteanteil-Apfel (langsam nimmt der Geschmack der letztjährigen Ernte trotz phänomenaler Lagertechnik ab), Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.
Am Nachmittag erreichte mich ein Arbeitsauftrag, den ich sehr gern erfüllte: Erbeten war eine Aufstellung von Daten zu einem Thema, bei dem ich mich immer wieder lächerlich überstrukturiert fühle, weil das doch eh niemanden interessiert, solange alles läuft. Fast hätte ich Fanfaren geschmettert beim Rausziehen der Ordner.
Ich war mehrere Stunden konzentriert und sehr fröhlich beschäftigt. Auch hatte ich viele Ideen, wie man diese Daten zielführend nutzen könnte, aber das gehört bereits nicht mehr zu meiner Rolle als nur die Sekretärin.
Draußen war es wie angekündigt prügelheiß, aber ich musste ja nach Hause kommen. Wieder nutzte ich U-Bahnhöfe für ein geschätztes Fünftel meines Heimwegs, ging langsam, absolvierte Lebensmitteleinkäufe im Vollcorner und der Balkanbäckerei, schlug lieber einen Umweg, wenn ich dadurch Schatten abgreifen konnte. Auf dem letzten Viertel des Wegs erinnerte ich mich dennoch intensiv an die kleinen Kinder, die sich einfach auf den Gehweg setzen und sich weigern, auch nur einen Schritt weiter zu gehen – ich konnte diesen Impuls sehr stark fühlen.
Daheim musste ich mich erstmal sammeln. Fürs Abendessen hatte ich mich zuständig erklärt, hobelte Ernteanteil-Fenchel zu einem Salat mit Orangen, Kichererbsen, Zitronensaft, Olivenöl. Während dieser durchzog, turne ich Yoga – die blöden Rippenschmerzen vom Sturz waren dann doch stärker statt schwächer beworden und beeinträchtigten mich. Restliche Anrichtung des Abendessens:
Bei geschlossenen Fenstern und nach Westen herabgelassenen Rollläden gab es Netzmelone mit Jamón ibérico, Balkanbrot, Fenchelsalat – und vor allem dazu tinto de verano: Schon der erste Schluck transportierte mich ins Kastilien meiner Kindheits-Familienurlaube. Nachtisch Schokolade, die eine oder andere waren Kühlschrank-gekühlt.
Meine Pläne fürs Wochenende kalkulieren die Stunden nach Sonnenaufgang ein, zu anderen Zeiten habe ich nicht vor, die Wohnung zu verlassen. Irgendwelche Vorteile muss meine Lerchennatur ja haben, wenn ich schon nie Geschichten aus dem Nachtleben erzählen konnte und kann (kurze Ausnahmen bei Hochverliebtheit und zu Studienzeiten für Poker-Nächte).
Lesen im Bett (Schlafzimmertemperatur trotz aller Prävention über 26 Grad): Vivian Gornicks Fierce Attachments nahm mich mit in die 1980er Jahre und zu den jüdischen New-York-Bewohnerinnen, deren Mütter noch den Zweiten Weltkrieg erlebt hatten, in eine Wohnblock-Frauengemeinschaft mit sehr eigenen Regeln.
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Auf Mastodon sah ich über die Kommentare dazu die Lesungen zum Bachmannpreis vorbeifließen. Die Kommentare zu und Zitate aus Lena Schättes Text ließen mich aufhorchen, denn es geht ums extreme Dicksein. Ist dann auch ein sehr lesenwerter Text, hier das PDF:
“Was wir tragen”.
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UI! Die aktuelle Meisterstunde portraitiert den Mann, der meinen Bräter (den schönsten der Welt) gefertigt hat:
“Künstler Berthold Hoffmann über seine gusseisernen Kochgeräte:
“Die einfache Form bündelt Energie'”
Zusätzlich gibt es Fotos aus der Gießerei – und aus einem vergangenen Beruflseben weiß ich: Gießerei-Fotos sind immer Schmankerl; eines von damals habe ich drucken und rahmen lassen, es hängt in unserem Wohnungsflur.
(Ich hatte ganz vergessen, dass Berthold Hoffmann seinerzeit meinen verlinkten Original-Blogpost von 2008 sogar selbst kommentiert hatte. Achja – andere Blog- und andere Kommentierzeiten.)
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Der Film war nicht gut, aber interessant mittelmäßig.
Mit solchen Filmkritiken kann ich etwas anfangen, diese von Southpark über den Horrofilm Backrooms.
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Gardenwithjohnny goes Celeste Barber. Manche “Influencerinnen” sind ja bereits ihre eigene Parodie – danke! (Das nächste Mal aber im Kleidchen, bitte.)
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Um es mit der großen Naturphilosophin Ann Miller zu sagen (die meiner Erinnernung nach damit in diesem Blog bereits auftrat):
TOO! DARN! HOT!
https://youtu.be/WS_YAKZH3lw?si=pjAuowD9JHB6xEJ2
Journal Donnerstag, 25. Juni 2026 – Heiß, heiß, heiß
Freitag, 26. Juni 2026Sogar eine besonders gute Nacht: Die Folgen des Sturzes störten nicht, ich schlief schnell ein, wachte nur zweimal auf, schlief bis Weckerklingeln. Schon beim ersten Aufwachen um halb eins hatte es draußen genug abgekühlt, dass ich Fenster und Türen öffnete.
Die allmorgendliche Bank- und Seitstützerei gestalteten sich durchaus unangenehm wegen der Sturzfolgen, war aber mit Z’sammreißen machbar – ist ja nichts kaputt.
Aber auf dem Weg in die Arbeit war es bereits kurz nach sieben unangenehm warm – das kenne ich nicht mal von Madrid. (Schrieb sie, die zuletzt als 16-jährige einen August in Madrid erlebte und keine Ahnung hat, wie’s da im Moment so ist.)
Auf der Theresienwiese weiterhin viele große Baustellen, dennoch waren bereits die Absperrungen aufgestellt, nur schmale Durchgänge ermöglichten mir noch das Kreuzen. Ich erkläre mir das so: Der Aufbau des Oktoberfests ist zwar wegen der Baustellen noch nicht möglich, doch die Absperrzaunfirma hat halt einen Vertrag fürs Absperren am 25. Juni, aus.
Ein Hoch auf die Kühldecken im Büro, es ließ sich prima losarbeiten – bald auch in höherem Tempo als geplant, weil Querschüsse.
Mittagscappuccino aus der Cafeteria, weil über Mittag eine Online-Besprechung stattfand, ausufernd. Doch auch danach blieb ich im Haus, jetzt war es mir wirklich zu heiß draußen: Jedes auch noch so leise Fensteröffnen erzeugt Backofengefühle.
Zu Mittag gab es Linsensalat vom Vorabend, außerdem Aprikosen und Flachnektarinen (deren reifes Fleisch sich so schwer vom Kern löste, dass ich sie über der Spüle in der Teeküche essen musste).
Fast vergessene Auswirkung der Hitze: Meine Denkgeschwindigkeit sank. Zum Glück musste ich gestern keine Hochleistung erbringen.
Aber die Sturzfolgen entwickelten sich erfreulich: Die Beschwerden wurden weniger statt wie erwartet erstmal mehr. Die Rippen sind wohl doch nicht geprellt (habe bei anderen gesehen, wie schlimm das ist), der blaue Fleck am Ellbogen hält die Größe, schwillt ab und fühlt sich lediglich verlegen an.
Vor dem Heimweg graute mir, half aber nichts. Zumal ich gestern auch noch zuständig war fürs Abholen des Ernteanteils, Herr Kaltmamsell war Abitur feiern (fein gekleidet, wie sich das gehört, wegen Respekt), dieses Jahr verabschiedete er besonders viele seiner Schüler*innen ins Leben nach dem Gymnasium. Also schlich ich in Prügelhitze, selbst der Wind war heiß, und mit so viel Schattenanteil wie möglich zum Gemüseabholen und dann damit heim – in die angenehm temperierte Wohnung.
Jetzt aber Test der Kombination Sturzfolgen und Yoga: Ging, ich jodelte nur bei Heuschrecke und beim Aufstehen von der Matte – die Rippen.
Herr Kaltmamsell aushäusig -> ALL THE SALAT ARE BELONG TO ME. Kräftige Blätter, die vertrugen das schwere Joghurt-Dressing, ich mischte zugekaufte Tomaten und zwei gekochte Eier unter. Sehr gut. Nachtisch Eiscreme (Buttermilch-Zitrone) und Schokolade.
§
Vanessa hat mit Familie und Soldat einen “Tag der Bundeswehr” besucht und berichtet.
Auch mir ist seit einigen Jahren bewusster, dass “die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist und wir alle ihr Auftraggeber sind” – spätestens seit dem Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan ab 2001, als sich erwies, wie überhaupt nicht ausgestattet diese unsere Parlamentsarmee dafür war und sich zum Beispiel die Soldaten Wüstenausrüstung hastig selber kauften. Diese gehörte zu den vielen Welten, die mir in dieser Anfangszeit des Bloggens ein Blog erschloss, nämlich das Militärblog “Augen geradeaus!” vom darauf spezialisierten und erfahrenen Journalisten Thomas Wiegold. Und so begrüße ich es, dass die Bevölkerung jetzt bereiter ist, sich mit dem Thema Bundeswehr zu beschäftigen – wenn der Grund ein gewachsenes Verantwortungsbewusstsein für diesen Teil unserer Demokratie ist (wie bei Vanessa) (und Faszination von Technik kann ich immer nachvollziehen). Doch bei jeder Waffenbegeisterung und Priorisierung von Gewalt gruselt mich wie eh und je.
Journal Mittwoch, 24. Juni 2026 – Reiher überm Glockenbachviertel
Donnerstag, 25. Juni 2026Der Reiher, den ich am Anfang meines Lerchenlaufs beim Abbiegen von der Pestalozzistraße an den Westermühlbach am Himmel sah, war zwar nicht das Wichtigste des Tages, gibt aber die schönste Überschrift her.
Nach mittelunruhiger Nacht (dreimal Aufwachen, beim zweiten Mal um halb zwei öffnete ich Fenster und Türen nach draußen, irgenwann brauchte ich sogar eine echte Decke) ließ ich mich extrafrüh wecken: Lust auf einen Isarlauf vor der Arbeit.
Ich kam ein paar Minuten später los als ideal in meiner Tagesplanung, weil ich noch ein paar getrocknete Wäschestücke verräumte und den Geschirrspüler leerte, dennoch meine täglichen Bank- und Seitstützübungen durchzog.
An der Isar war schon jetzt auffallend viel los: Es wurde sportgeradelt, gejoggt, Hund gelüftet. Nach einer kleinen Weile mit störenden Schmerzen um den Hüftgürtel kam ich in einen schönen Fluss, genoss nochmal den Duft von Lindenblüten, das herrlich klare Licht der schrägen Morgensonne.
Den Namen einer alten Bekannten gelernt: Wiesen-Flockenblume.
Wer Streetart festhalten will, muss schnell sein: So sah der Ort vor einer Woche aus, das in dieser Umgebung fast zynisch wirkende “Heimat” ist verschwunden.
Bis ich nach nicht mal der Hälfte meiner Runde auf dem Damm beim Flaucher schon wieder stolperte und stürzte. Diesmal klappte das Abrollen nach links nur im Ansatz, ich musste erstmal sitzenbleiben und mich sammeln. Ein Läufer und eine Läuferin sahen unabhängig voneinander nach mir, bis klar war, dass ich mich nicht verletzt hatte und weiterlaufen konnte. Was ich dann in geplanter Weise tat, jetzt aber dann doch immer wieder innerlich “Scheiße” fluchend.
Am Ende meiner Runde hielten mich auch noch ungnädig rote Fußgängerampeln auf, nach Körperflege und Anziehen hatte ich ebenfalls Pech mit Ampeln und musste lange auf die eigentlich als Abkürzung gedachte U-Bahn warten: Arbeitsanfang stark verzögert.
Die linke Rippenseite und die Schwellung des linken Arms am Ellbogen schmerzten beim Atmen / bei Bewegung (in Ruhe nicht, und ich habe mir ja gemerkt: dann ist nichts kaputt), die Handballen hatten auch etwas abbekommen, weil eben nicht wirklich abgerollt. Vor allem machte mich der erneute Unfall aber niedergeschlagen und bedrückt: Da stimmt doch irgendwas nicht. Und sehr wahrscheinlich irgendwas, was sich weder einfach so diagnostizieren noch beheben lässt. Ich müsste halt besser aufpassen und die Füße beim Joggen mehr heben – aber Selbst- und Körpervergessenheit gehören doch zu den zentralen Attraktionen meiner Lauferei. Zudem verdüsternd: Wenn ich gleich nach dem Sturz die Folgen so deutlich spürte, konnten die nächsten Nächte und Tage ja lustig werden.
Apropos lustig: Die fortgesetzten Schmerzen um LWS und Hüfte wollte mein Körperhirn (oh doch, das gibt es) auch gleich mit dem Sturz verbinden, ich musst ihm in expliziten Gedanken klarmachen, dass ich mit denen bereits aufgestanden war und sie nicht davon herrühren konnten. Außerdem war ich mit schmerzendem linken Daumen aufgestanden, er hatte sich wahrscheinlich im Schlaf unter Kissen/Kopf verkantet. Auch den musste ich meinem Körperhirn als Sturzverletzung ausreden.
Mit dieser Grundlaune arbeitete ich Wegzuarbeitendes weg, ließ mir aber auch von einem London-Urlaub erzählen.
Noch hielt mich die Hitze nicht von Mittagscappuccino im Westend ab, doch angenehm war der Weg nicht.
Zu Mittag gab es auch gestern Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot, außerdem Aprikosen und Flachnektarinen.
Mittel-emsiger Arbeitsnachmittag, körperlich eingeschränkt fühlte ich mich vor allem von der schmerzenden Rippe unter der linken Brust (Prellung? sehr lustig, wie sofort das Nies-Versuche abbricht).
Rumfragen und Rumsuchen nach möglichen Ursachen der Stolperei beim Joggen ergab unerfreuliche Möglichkeiten. Fußheberschwäche würde zu meinen LWS-Problemen passen. Ich brauche eh wieder neue orthopädische Einlagen, also holte ich mir einen Termin in der orthopädischen Sammelpraxis.
Heimweg wieder mit U-Bahnhof-Wegen und über einen Lebensmitteleinkauf schon für Freitag: Das Wochenende soll mit tinto de verano gefeiert werden.
Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig. Ich überredete mich zu Pediküre mit einmal alles.
Es ist übrigens keineswegs so, dass Tampons mit der Menopause ihren Nutzen völlig verlieren.
Ob und wie Pilates oder Yoga mit Sturzbeschwerden funktionierten, würde ich erst Donnerstagabend herausfinden.
Als Abendessen machte ich mir Linsensalat aus Dosenlinsen, Tomaten, Gurke, Paprika. Nachtisch 1 war ein Stückchen restliche Wassermelone, Nachtisch 2 Schokolade und Sirupwaffeln.
Vicki Baum, Zwischenfall in Lohwinckel ausgelesen, wirklich schön und indirekt ausgesprochen informativ für den Zeithintergrund (1930 veröffentlicht). Immer wieder aufregend: Auswahl der nächsten Lektüre (die beiden Romane von meiner Wunschleseliste, die mich aktuell sehr interessieren und die ich auch in der Stadtbibliothek fand, sind erst im Juli verfügbar, konnte ich lediglich vormerkten). Sollte möglichst nicht zu nah an der zuletzt gelesenen sein (sonst komme ich durcheinander) und zu aktuellen Neigungen passen. Es wurde Vivian Gornick, Fierce Attachments.
Schlagartig bleimüde, selbst Zähneputzen kostete Anstrengung. Ob sich der Sturz auf das Bettliegen auswirken würde?
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Die laufende Männerfußball-WM belästigt mich so wenig wie noch kein Fußball-Großereignis zuvor: Keine Leinwände in Biergärten, auf die Spiele übertragen werden, wenn ich gerade gemütlich biergarteln möchte, nachts keine Polonaise hupender Autos in Hörweite (wurde der “Corso” von der Lindwurmstraße wegverlegt?). Danke schön!
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Der Bayerische Rundfunk versucht es hartnäckig mit dem, was menschliche Entscheidungen am wenigsten beeinflusst: Fakten. Zum Glück, denn dafür haben wir ja Journalismus. Genauso blauäugig empfehle ich:
“#Faktenfuchs: Klimawandel oder ‘Sommer wie früher’?”
(Auch wenn ich selbst mittlerweile hilflos einfach das Thema wechsle, wenn selbst wirklich kluge Wissenschaftsredakteurinnen mit “früher gab es auch schon heiße Sommer” daherkommen.)
“Das, was früher seltene Ereignisse waren, sind jetzt gewöhnliche Sommer. Das, was ohne Klimawandel unmöglich gewesen wäre, sind jetzt die neuen Extremereignisse”, sagte die Physikerin Friederike Otto vom Grantham Institute for Climate Change am Imperial College London dem Science Media Center.
Karsten Haustein, Meteorologe und Klimawissenschaftler an der Universität Leipzig, erklärt, woran das liegt: “Erwärmung durch verschwindende Schmutzpartikel und der Treibhauseffekt überlagern sich, das führte dazu, dass sich innerhalb von 50 Jahren die Temperaturen um zwei Grad erhöht haben”, sagte er dem #Faktenfuchs. “Global hat sich Stand 2025 der Planet um 1,4 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmt. Alles menschengemacht, daran gibt es keinen Zweifel mehr.”
In Westeuropa, auch Deutschland, ist der Effekt sogar deutlicher. “Da liegen wir bei 2,5 Grad mehr seit vorindustrieller Zeit”, sagte Haustein. Davon seien knapp über zwei Grad seit Mitte der 1970er dazugekommen – dem gerne zitierten “früher”.
(…)
Stephan Lewandowsky ist Professor für Kognitionspsychologie an der University of Bristol und derzeit an der Universität Potsdam Leiter des Projekts Protecting the Democratic Information Space in Europe. Er beschäftigt sich in seiner Forschung damit, wie Falschinformationen sich verbreiten und was dazu führt, dass Menschen wissenschaftliche Belege akzeptieren oder nicht – auch in Bezug auf den Klimawandel.
Der Vergleich von “Sommer heute” mit “Sommer früher” greife an einer wesentlichen Stelle an, die uns alle betreffe: an der Kluft, die sich auftut zwischen unserem eigenen Erleben und Statistik. Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist, dass Datenauswertung und Statistik für viele Menschen eher etwas Fremdes ist. “Die Menschen wachsen nicht mit dem Wissen über das Messen von Dingen auf. Das ist für die meisten Menschen nicht wirklich wichtig in ihrem Leben”, sagt Lewandowsky. “Und genau das macht es für manipulative Politiker sehr einfach, das auszunutzen. Und andere dazu zu bringen, diese Ideen nachzuplappern.”
Erinnerung ist kein Abbild der Statistik – und auch nicht ihr ErsatzGerade beim Klima ist die Auswertung von Daten aber zentral. Beate Ratter ist Expertin für Klimaanpassung und Professorin für Integrative Geographie an der Universität Hamburg und Abteilungsleiterin am Helmholtz Zentrum Hereon. Sie sagt: “Klima ist eine Statistik, Klima ist ein dreißigjähriger Mittelwert.” Aber: “Eine Statistik können Sie nicht fühlen. Was Sie fühlen, sind Einzelereignisse, mit denen Sie etwas verbinden.”
















































