Journal Sonntag, 18. Januar 2026 – Maximilian Schafroth, Wachse oder weiche in den Kammerspielen
Montag, 19. Januar 2026 um 6:26Gut und lang geschlafen, darin ein ausführlicher Traum, der mich denken ließ: “Das ist aber mal ein interessanter Traum!” Worum es ging, weiß ich aber nicht mehr.
Wieder wurde es zu eisigem Nebelgrau Tag.
Aufziehender Muskelkater wie vorhergesehen, sogar schon vor der klassischen 24-Stunden-Frist. Dass auch die Bauchmuskeln betroffen waren, beleidigte mich zunächst ein wenig, denn Rumpf trainiere ich nun wirklich sehr konsequent – allerdings, das fiel mir dann ein, nicht plus Hantelgewicht wie am Samstag.
Ich fühlte mich fit genug für eine Laufrunde, also probierte ich das aus.
Während Herr Kaltmamsell für die diesjährige Orangenmarmeladenproduktion sorgte, brachte mich eine U-Bahn nach Thalkirchen, von dort aus lief ich mit nur wenigen eisglatten Passagen nach Süden, kehrte auf der Großhesseloher Brücke um und lief ganz nach Hause (Zwischenstopp am Ende beim Bäcker Wimmer für Frühstückssemmeln). Die gut anderthalb Stunden gingen problemlos, mein Kreislauf war nicht mehr von Erkältungsinfekt belastet, der Gesamtkörper fühlte sich mit der Bewegung in leichtem Frost gut an.
An drei Stellen sah ich Eisbader*innen in der Isar, eine schwamm sogar richtig, Respekt.
Frühstück kurz vor zwei: Apfel, Clementinen, zwei Körnersemmeln mit Butter und Marmelade.
Eine Runde Textilpflege, genauer: Ich flickte an zwei dicken Strumpfhosen die Löcher zu, die meine rechte große Zehe gerissen hatte. Mir blieb gerade mal Zeit für die Lektüre der Wochenendzeitung, bevor ich zur nachgeholten Theatervorstellung in den Kammerspielen aufbrach, ich hatte meinen Abo-Termin von Maximilian Schafroths Wachse oder weiche von Dezember auf diesen Sonntag verschoben. Ein Vorteil: Die Vorstellung begann schon um 16 Uhr, das kam meinem Sonntagsrhythmus sehr entgegen.
Es wurde ein wirklich netter Abend in vollbesetztem Saal, in dem das Publikum mit Volksmusik vom Trio Reiwas (ohne Schlagzeug) empfangen wurde: Schafroth hatte ein kabarettistisches Stück mit viel Musik geschrieben über Landwirtschaft im Allgäu, spielte selbst einen selbstausbeuterischen konventionellen Landwirt am Rande des Burn-outs (selten thematisiert), baute einen Demeter-Landwirt ein, besserwisserische Städter, einen Baywa-Vertriebler, eine alteingesessene Gutsbesitzerin mit spinnertem Neffen. Ich glaubte halt schon zu merken, dass da jemand am Werk war, der den Alltag in der heutigen bayerischen Landwirtschaft gut kennt. Und er selbst kam ungemein liebenswert rüber, freute sich am Ende nach Schlussapplaus darüber, dass tatsächlich Leute außerhalb MVV-Radius angereist waren und sich mit denen innerhalb mischten (er hatte davor Handzeichen erbeten), darum sei es ihm doch gegangen. Und ich freute mich wie immer darüber, allgäuer Dialekt auf einer Bühne zu hören, ich halte ihn für unterrepräsentiert.
In etwas knackigerem Frost spazierte ich nach Hause, mehr als rechtzeitig fürs Abendessen (diese Sonntags-Vorstellungszeit ist wirklich ideal): Herr Kaltmamsell hatte ein Carrot Bake zubereitet, auf der Basis der Ernteanteil-Karotten, die ich ja seit einigen Jahren roh leider nicht mehr vertrage.
Drumrum Einbrenn mit Knoblauch und Kapern, drüber eine Semmelbrösel-Käse-Mischung. Mir schmeckte das gut als eine ungewöhnliche Variante Karotten-Auflauf, Herr Kaltmamsell war nicht überzeugt.
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Prognosen sind gefährlich, aber ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass dieses Foto in die Geschichte eingeht.
Fotograf John Abernathy wurde in Minneapolis bei einer Demo von der Gestapo Angehörigen der United States Immigration and Customs Enforcement (ICE) niedergeworfen. Um zu verhindern, dass ICE ihm seine Kamera wegnimmt, warf er sie einem anderen Fotografen, Pierre Lavie, zu – der diesen Moment festhielt.
Regelmäßig wird ja in meinem Blickfeld das Fehlen von großen US-Protesten gegen das Trump-Regime kritisiert; mich beeindruckt der mannigfaltige zivile Widerstand gegen die militanten Einschüchterungen, vor allem durch ICE. Hier ein kleines Beispiel: Bürger*innen lösen ihren Auto-Alarm aus, wenn sie ICE-Angehörige in ihrer Wohngegend bemerken – und signalisieren damit zum einen “Wir sehen euch!”, zum anderen warnen sie vor den Deportationen der ICE.
2 Kommentare zu „Journal Sonntag, 18. Januar 2026 – Maximilian Schafroth, Wachse oder weiche in den Kammerspielen“
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19. Januar 2026 um 8:54
Wir waren gestern nachmittag auch in den Kammerspielen und fanden das Stück wirklich sehenswert und es hat großen Spaß gemacht!
Das Foto geht mir total unter die Haut.
Liebe Grüße, Sabine
19. Januar 2026 um 9:34
Seltsam, ich kenne das Foto ohne die rosa-gelben Dinger. Ist das bereits als Fake im Umlauf?