Journal Mittwoch, 48. Januar 2026* – Vorläufiger Abschluss untenrum
Donnerstag, 29. Januar 2026 um 6:21Endlich mal wieder richtig guter Nachtschlaf. Ich wachte fünf Minuten vor Weckerklingeln auf – von geträumtem Weckerklingeln, lustig.
Meine 90 Minuten zwischen Weckerklingeln und Aufbruch enthalten: Klogang und Schlumpfklamotten anziehen, gegebenenfalls einen Handgriff Häuslichkeit wie Wäscheaufhängen oder Geschirrspülerausräumen, Zubereitung Milchkaffee, parallel Brotzeiteinpacken, Servieren von Milchkaffee an zwei Tische, Gegenlesen und Fertigstellen Blogpost (dabei oft noch Ergänzungen und Recherche, Gefahr des Festlesens), ein wenig Internetlesen (Blogs, Newsletter), Bettmachen, Kleidungrauslegen, Kücheräumen (Kaffeezubereitungs- und -trinkgeschirr), Zeitungholen, Plank-Gymnastik, Morgentoilette (mal mit Haareföhnen, mal ohne), Anziehen, Fertigschminken, Fertiganziehen. Der Teil mit Milchkaffee am Laptop ist mir wichtig: Ich möchte auch ein Leben vor der Arbeit haben.
Der bedeckte Himmel war beim Marsch ins Büro gerade nicht mehr stockdunkel, ich konnte ihn als bedeckt erkennen.
Am Schreibtisch startete ich mit für gestern Morgen Terminiertem, spannende Arbeit.
Als ich zu meinem Mittagscappuccino spazierte, erwischte ich sogar ein wenig Sonne.
Ein Addams-Familienmitglied beim winterlichen Sonnenbad.
Zu Mittag gab es einen Apfel, außerdem Quark mit Joghurt.
Am frühen Nachmittag stempelte ich aus: Arztermin beim Gyn für Zweitmeinung, was mit meiner vollvermyomisierten Gebärmutter passieren kann und soll. Erst als ich den Weg nach Neuhausen recherchierte, merkte ich, dass ich mit Abstand am schnellsten per Radl hingekommen wäre: Die Öffis machten einen enormen Umweg und brauchten doppelt so lang. Egal, jetzt war’s zu spät.
Ergebnis der nochmaligen Untersuchung: Ja, minimalinvasive OP ginge schon, aber es gibt weiterhin keine medizinische Notwendigkeit, zumal die Myome in den vergangenen Jahren nicht größer geworden sind. Wenn ich keine Hormonersatztherapie mehr brauche (dieser Gyn riet, nach ein paar Jahren ein Absetzen zu versuchen), schrumpfen sie höchstwahrscheinlich eh, und meine ohenhin nur vermuteten Beeinträchtigungen könnten zurückgehen. Sollte ich aber den Eindruck haben, dass die Beschwerden zunehmen, könne ich jederzeit für eine OP kommen.
Ich dankte für die zusätzliche Perspektive – und das war ehrlich: In den vorhergehenden Tagen hatte ich erfahren, mit welchen schlimmen Beschwerden, Beeinträchtigungen, Diagnosen sich andere Frauen zu einer Hysterektomie entscheiden; mir war bereits peinlich geworden, überhaupt solch eine Welle zu machen. Nach diesem Gespräch hatte ich das Gefühl, dass sich diese Welle doch für einen vorläufigen Abschluss gelohnt hatte.
Jetzt haben erstmal genug Leute vaginal in mich reingeschaut.
Zurück am Schreibtisch war noch einiges wegzuarbeiten – und nachzuholen: Es hatte nichts genützt, dass ich meine Abwesenheit sorgfältig angekündigt hatte.
Entsprechend später Feierabend, ich marschierte direkt nach Hause. Dort Erledigungen, aber ich fand Zeit für meine Yoga-Einheit.
Die Bergamotte-Schenker hatten auch ein Rezept zur Verwendung mitgeschickt, Herr Kaltmamsell setzte es fürs Nachtmahl um: Linguine mit Bergamotte (Abwandlung Thymian statt Zitronenthymian, etwas Currypulver statt dem noch nie gehörten Currysalz, Mafaldine statt Linguine).
Schon die Düfte beim Kochen waren sehr besonders gewesen, das Ergebnis schmeckte auch besonders und gut. Nachtisch Früchtebrot und Schokolade.
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Für die Chronik: Auf Mastodon habe ich in den vergangenen Wochen vermehrt mit Erklärbär-Männern zu tun, die mir von mir verlinkte Artikel darlegen oder warum ein Scherz von mir in Wirklichkeit auf mangelndem Verständnis beruht. Immer noch viel besser als Attacken und Hass auf anderen Microblogging-Plattformen, zudem mit einem Klick stummgeschaltet (Blocken fände ich überdimensioniert, sollen sie ruhig vor sich hin erklärbärn, ich will es ja nur nicht wissen). Noch bin ich in erster Linie amüsiert über die Bestätigung des Stereotyps.
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Die Studie “Energy demand and decarbonization in 2025 and beyond” ergab gute und schlechte Nachrichten. Eine meiner Ansicht nach zentrale greift Klimareporter heraus:
“KI saugt die Energiewende auf”.
“KI erfordert enorme Mengen an Energie, und das ist äußerst besorgniserregend”, sagte Studienautorin Diana Ürge-Vorsatz, Physikerin und stellvertretende Vorsitzende des Weltklimarates IPCC. Die Welt und besonders Europa habe sich in den vergangenen Jahrzehnten in eine vielversprechende Richtung bewegt.
In einigen Industrienationen habe sich der Trend einer sinkenden Stromnachfrage in den letzten beiden Jahren aber wieder umgekehrt, so die ungarische Klimaforscherin.
Der Rekordausbau der Erneuerbaren wird laut Studie zu einem großen Teil vom rasch wachsenden Energiebedarf der Rechenzentren für künstliche Intelligenz aufgesogen. “Die Erstellung eines nur einminütigen Online-Videos – und das dreimalige Ausprobieren – kann so viel Energie erfordern wie eine Autofahrt über 100 Kilometer”, erklärte Ürge-Vorsatz in einem Interview mit dem Fernsehsender RTL.
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Schönes Bild eines alten Warteraums der Londoner U-Bahn und seine Geschichte – ein Loblied auf die kleinen Leute in Architektur- und Designbüros, die den Alltagskram entwerfen und umsetzen, deren Namen in keinen Geschichtsbüchern erwähnt werden.
* gefühltes Datum siehe @sinnundverstand
1 Kommentar zu „Journal Mittwoch, 48. Januar 2026* – Vorläufiger Abschluss untenrum“
Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)
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29. Januar 2026 um 15:15
Krass, wie sehr sich Morgenroutinen unterscheiden können. Mein Gegenentwurf: Aufstehen, Katzenklo machen, Klogang und Körper-Care, anziehen und los.
Explizit nicht: Nichts essen, nichts trinken, Lunch wird in der Mittagspause geholt, Bett wird bei Heimkehr gemacht, Sport hol ich mir auf der halben Stunde mit dem Rad zur Arbeit. Erster Kaffee auf Arbeit.
Statt “ich möchte ein Leben vor der Arbeit” ist mein Ansatz “ich möchte möglichst viel Leben nach der Arbeit”. Deswegen optimiert auf Geschwindigkeit und Effizienz am Morgen.