Journal Dienstag, 28. Juli 2026 – Urlaubsvorbereitungen und viel Beifang aus dem Internet
Mittwoch, 29. Juli 2026 um 5:45Nach mehrfach unterbrochener Nacht deutlich vor Weckerklingeln aufgewacht. Bockig beschlossen, dass der Körper also wohl genug geschlafen hatte.
Pflanzengießen, doch mal wieder Balkonkaffee (in dicker Strickjacke, aber wundervoller Morgenluft), Wäsche aufhängen. Marsch in die Arbeit unter wolkenlos blauem Himmel und in frischer Luft im Sommerkleid.
Am Schreibtisch gemischte Orga, Besprechungen, Ärger. Teilnahme an Geselligkeit, bedrückende Informationen. Mittagscappuccino im Westend, noch vor zwölf war die Temperatur auf Hochsommerhitze gesprungen.
Zu Mittag gab es Hüttenkäse mit Joghurt und Leinsamenschrot (Hüjolei), dann reichlich Kirschen (vielleicht zu viele, Bauch anschließend Fragezeichen-förmig).
Emsiger Arbeitsnachmittag mit Ideen. Das Stockwerks-Sommerfest hatte ich abgesagt (aber erst nach 24 Stunden Bedenken!), meine übersichtliche Menschen-Energie benötige ich für Leute, die mir am Herzen liegen. Der Geräuschkulisse nach wurde Spaß gehabt, das freute mich.
Nach Feierabend fuhr ich mit einer U-Bahn in die Innenstadt. Zum einen besorgte ich ein Mitbringsel für die geplagte Ferienwohnung-Nachbarin in Brighton: Wir werden im selben Apartment unterkommen wie ich vergangenen Oktober, und damals hatte ich ja gelernt, dass die Erdgeschoß-Bewohnerin die einzige feste unter zwei Ferienwohnungen ist – das stelle ich mir wirklich ungemütlich vor. Diesmal möchte ich ihr Pralinen vom Dallmayr mit einer netten Karte vor die Tür stellen.
Außerdem sah ich mich beim Sport Schuster nach Badeschuhen um: Ich würde in Brighton gerne nochmal im Meer schwimmen, diesmal aber anders als vor drei Jahren auf dem Kiesstrand nicht auf allen vieren rein- und rausgehen. Es gab Badeschuhe, allerdings nicht in meiner Größe. Ich beschloss, alte Sandalen mitzunehmen und ihnen durch den Einsatz in Salzwasser den Gnadenschuss zu setzen.
Daheim telefonische Abstimmung mit meiner Mutter zu ihrem Wohnunghüten während unserer Abwesenheit. Dann reichlich Räumen und sonstige Häuslichkeiten. Wieder servierte Herr Kaltmamsell das Nachtmahl: Er hatte die Ernteanteil-Aubergine chinesisch geschmort, es gab sie sauer-scharf mit Reis. Nachtisch Heidelbeereis, Schokolade.
Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre Angelika Klüssendorf, Das Mädchen. Der Roman nahm mich mit in eine elende Kindheit der späteren DDR mit prügelnder Mutter und Verwahrlosung.
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Fast schon Routine bei vielen Arbeitgebern:
“PR-Kampagne XY ist jetzt online -> bitte liken und teilen!”
Haben wirklich so wenige Menschen noch ein echtes Leben im Internet? Online-Präsenz = Beruf?
Ich halte diese Aufforderung für problematisch: Wenn die Online-Kanäle von Mitarbeitenden als Werkzeuge des Arbeitgebers genutzt werden – könnten dann nicht alle ihre Posts automatisch in Verbindung mit dem Arbeitgeber gesetzt werden? Auch wenn sie zum Beispiel der offiziellen Policy widersprechen?
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LLMs als Werkzeug in Forschung und Lehre kann man durchaus als Weiterführung des Didaktik-Konzepts Kompetenzorientierung betrachten: Niemand muss mehr Fakten wissen, sondern nur, wo man sie findet. Oder wie man sie erpromptet. Hier das Ergebnis:
“Opinion: I Was Not Allowed To Type Prompts Into ChatGPT During My Chalk Talk And This Is Discrimination”.
via Herr Rau
My own words? I haven’t used my own words since 2022. I’m not even sure I have my own words anymore. When I try to think without a prompt box in front of me, my mind returns only a vague sense of fog and the faint echo of a cursor blinking. My thoughts are not organized into paragraphs. They do not have topic sentences. They are just fragments. Impressions. My job is just… prompt.
I tried to explain this to the committee. I told them that the chalk talk format was outdated and did not reflect the realities of modern scientific practice. I noted that in my actual job, I would have access to AI tools at all times, and that evaluating me without those tools was like evaluating a carpenter without allowing them to use a hammer. I pointed out that memorizing information is not the same as understanding it, and that my ability to construct effective prompts demonstrated a sophisticated grasp of my field.
(…)
I was not offered the position.
In the rejection email, the committee cited “concerns about independent thinking” and “questions about foundational knowledge.” Independent thinking? I think independently all the time. Just last week, I independently decided to ask ChatGPT to “compare the advantages and disadvantages of optogenetic versus chemical-genetic approaches for my research” and then I independently selected the option that sounded best. That is independence. That is scientific judgment. The AI presents options; I choose among them. This is the same thing humans have always done, except the options used to come from reading papers, which is slow and inefficient and, frankly, boring.
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Geschenkter Krautreporter-Artikel 1: Die aktuellen Waldbrände in Frankreich und Spanien haben ein dort nie erlebtes Ausmaß. Und ich lese viele Erklärungs-Reflexe, die mich skeptisch machen. Deshalb empfehle ich:
“Waldbrände, verständlich erklärt”.
Den Klimawandel können wir nicht sofort aufhalten, wie wir mit unseren Wäldern umgehen und auf Brände reagieren, könnten wir aber sofort ändern.
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Na, Sie wollen doch sicher auch wissen, was Altphilologie-Professorin und Homer-Übersetzerin Emily Wilson zur aktuellen Nolan-Verfilmung zu sagen hat. Hier sehr, sehr ausführlich (ich habe viel über die Vorlage von Homer gelernt) in der London Review of Books:
“An Uncomplicated Man”.
Am öftesten zitiert sah ich daraus:
Nolan’s Odyssey lacks many of the elements that make the poem great. It has nothing convincing to say about time, memory, history, war, or about the relationship between one warrior’s glorious return and the lives of his family, adversaries, comrades, friends and neighbours. It lacks psychological, emotional, political and ethical depth. Its narrative structure is gimmicky. The writing is abysmal. None of the characters has convincing motivation for their actions or words. There are no sex scenes, and all the food looks horrible.
Aber Wilson äußert auch ihre Freude, dass sich durch die Aufmerksamkeit für diese Verfilmung ihre Odyssey-Übersetzung verkauft wie geschnitten Brot und sich voraussichtlich mehr Menschen für das Studienfach Altphilologie entschieden werden.
(Insgesamt geht die Rezeption in meinem Blickfeld erstaunlich weit auseinander: Zwischen SAUGEIL! und VOLL SCHEISSE! sehe ich nichts.) (Ich bin immer noch desinteressiert.)
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Vielleicht doch für mehr Menschen interessant, als ich vor der Lektüre dieses Krautreporter-Artikels gedacht hätte, deshalb hier geschenkt:
“Viele Menschen unterschätzen ständig, wie sympathisch andere sie nach einem Gespräch finden. Das ist sogar durch Studien belegt.”
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Und dann noch eine Geschichte zum Freuen.
“99-jährige Mathematikerin löste Problem, an dem Generationen scheiterten”.
Das Spezialgebiet von Mathematikerin Joan Birman ist Knotentheorie, genauer:
Ihre Arbeiten machten das bis dahin eher randständige Gebiet der Zopftheorie überhaupt erst populär.
Wer den Originalaufsatz von Bharathram, Birman, Brendle nachlesen will (PDF):
“The Burau representation is faithful for n = 4″.




















































