Journal Dienstag, 28. Juli 2026 – Urlaubsvorbereitungen und viel Beifang aus dem Internet

Mittwoch, 29. Juli 2026 um 5:45

Nach mehrfach unterbrochener Nacht deutlich vor Weckerklingeln aufgewacht. Bockig beschlossen, dass der Körper also wohl genug geschlafen hatte.

Pflanzengießen, doch mal wieder Balkonkaffee (in dicker Strickjacke, aber wundervoller Morgenluft), Wäsche aufhängen. Marsch in die Arbeit unter wolkenlos blauem Himmel und in frischer Luft im Sommerkleid.

Am Schreibtisch gemischte Orga, Besprechungen, Ärger. Teilnahme an Geselligkeit, bedrückende Informationen. Mittagscappuccino im Westend, noch vor zwölf war die Temperatur auf Hochsommerhitze gesprungen.

Zu Mittag gab es Hüttenkäse mit Joghurt und Leinsamenschrot (Hüjolei), dann reichlich Kirschen (vielleicht zu viele, Bauch anschließend Fragezeichen-förmig).

Emsiger Arbeitsnachmittag mit Ideen. Das Stockwerks-Sommerfest hatte ich abgesagt (aber erst nach 24 Stunden Bedenken!), meine übersichtliche Menschen-Energie benötige ich für Leute, die mir am Herzen liegen. Der Geräuschkulisse nach wurde Spaß gehabt, das freute mich.

Nach Feierabend fuhr ich mit einer U-Bahn in die Innenstadt. Zum einen besorgte ich ein Mitbringsel für die geplagte Ferienwohnung-Nachbarin in Brighton: Wir werden im selben Apartment unterkommen wie ich vergangenen Oktober, und damals hatte ich ja gelernt, dass die Erdgeschoß-Bewohnerin die einzige feste unter zwei Ferienwohnungen ist – das stelle ich mir wirklich ungemütlich vor. Diesmal möchte ich ihr Pralinen vom Dallmayr mit einer netten Karte vor die Tür stellen.

Außerdem sah ich mich beim Sport Schuster nach Badeschuhen um: Ich würde in Brighton gerne nochmal im Meer schwimmen, diesmal aber anders als vor drei Jahren auf dem Kiesstrand nicht auf allen vieren rein- und rausgehen. Es gab Badeschuhe, allerdings nicht in meiner Größe. Ich beschloss, alte Sandalen mitzunehmen und ihnen durch den Einsatz in Salzwasser den Gnadenschuss zu setzen.

Daheim telefonische Abstimmung mit meiner Mutter zu ihrem Wohnunghüten während unserer Abwesenheit. Dann reichlich Räumen und sonstige Häuslichkeiten. Wieder servierte Herr Kaltmamsell das Nachtmahl: Er hatte die Ernteanteil-Aubergine chinesisch geschmort, es gab sie sauer-scharf mit Reis. Nachtisch Heidelbeereis, Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre Angelika Klüssendorf, Das Mädchen. Der Roman nahm mich mit in eine elende Kindheit der späteren DDR mit prügelnder Mutter und Verwahrlosung.

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Fast schon Routine bei vielen Arbeitgebern:
“PR-Kampagne XY ist jetzt online -> bitte liken und teilen!”

Haben wirklich so wenige Menschen noch ein echtes Leben im Internet? Online-Präsenz = Beruf?
Ich halte diese Aufforderung für problematisch: Wenn die Online-Kanäle von Mitarbeitenden als Werkzeuge des Arbeitgebers genutzt werden – könnten dann nicht alle ihre Posts automatisch in Verbindung mit dem Arbeitgeber gesetzt werden? Auch wenn sie zum Beispiel der offiziellen Policy widersprechen?

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LLMs als Werkzeug in Forschung und Lehre kann man durchaus als Weiterführung des Didaktik-Konzepts Kompetenzorientierung betrachten: Niemand muss mehr Fakten wissen, sondern nur, wo man sie findet. Oder wie man sie erpromptet. Hier das Ergebnis:
“Opinion: I Was Not Allowed To Type Prompts Into ChatGPT During My Chalk Talk And This Is Discrimination”.

via Herr Rau

My own words? I haven’t used my own words since 2022. I’m not even sure I have my own words anymore. When I try to think without a prompt box in front of me, my mind returns only a vague sense of fog and the faint echo of a cursor blinking. My thoughts are not organized into paragraphs. They do not have topic sentences. They are just fragments. Impressions. My job is just… prompt.

I tried to explain this to the committee. I told them that the chalk talk format was outdated and did not reflect the realities of modern scientific practice. I noted that in my actual job, I would have access to AI tools at all times, and that evaluating me without those tools was like evaluating a carpenter without allowing them to use a hammer. I pointed out that memorizing information is not the same as understanding it, and that my ability to construct effective prompts demonstrated a sophisticated grasp of my field.

(…)

I was not offered the position.

In the rejection email, the committee cited “concerns about independent thinking” and “questions about foundational knowledge.” Independent thinking? I think independently all the time. Just last week, I independently decided to ask ChatGPT to “compare the advantages and disadvantages of optogenetic versus chemical-genetic approaches for my research” and then I independently selected the option that sounded best. That is independence. That is scientific judgment. The AI presents options; I choose among them. This is the same thing humans have always done, except the options used to come from reading papers, which is slow and inefficient and, frankly, boring.

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Geschenkter Krautreporter-Artikel 1: Die aktuellen Waldbrände in Frankreich und Spanien haben ein dort nie erlebtes Ausmaß. Und ich lese viele Erklärungs-Reflexe, die mich skeptisch machen. Deshalb empfehle ich:
“Waldbrände, verständlich erklärt”.

Den Klimawandel können wir nicht sofort aufhalten, wie wir mit unseren Wäldern umgehen und auf Brände reagieren, könnten wir aber sofort ändern.

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Na, Sie wollen doch sicher auch wissen, was Altphilologie-Professorin und Homer-Übersetzerin Emily Wilson zur aktuellen Nolan-Verfilmung zu sagen hat. Hier sehr, sehr ausführlich (ich habe viel über die Vorlage von Homer gelernt) in der London Review of Books:
“An Uncomplicated Man”.

Am öftesten zitiert sah ich daraus:

Nolan’s Odyssey lacks many of the elements that make the poem great. It has nothing convincing to say about time, memory, history, war, or about the relationship between one warrior’s glorious return and the lives of his family, adversaries, comrades, friends and neighbours. It lacks psychological, emotional, political and ethical depth. Its narrative structure is gimmicky. The writing is abysmal. None of the characters has convincing motivation for their actions or words. There are no sex scenes, and all the food looks horrible.

Aber Wilson äußert auch ihre Freude, dass sich durch die Aufmerksamkeit für diese Verfilmung ihre Odyssey-Übersetzung verkauft wie geschnitten Brot und sich voraussichtlich mehr Menschen für das Studienfach Altphilologie entschieden werden.

(Insgesamt geht die Rezeption in meinem Blickfeld erstaunlich weit auseinander: Zwischen SAUGEIL! und VOLL SCHEISSE! sehe ich nichts.) (Ich bin immer noch desinteressiert.)

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Vielleicht doch für mehr Menschen interessant, als ich vor der Lektüre dieses Krautreporter-Artikels gedacht hätte, deshalb hier geschenkt:
“Viele Menschen unterschätzen ständig, wie sympathisch andere sie nach einem Gespräch finden. Das ist sogar durch Studien belegt.”

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Und dann noch eine Geschichte zum Freuen.
“99-jährige Mathematikerin löste Problem, an dem Generationen scheiterten”.

Das Spezialgebiet von Mathematikerin Joan Birman ist Knotentheorie, genauer:

Ihre Arbeiten machten das bis dahin eher randständige Gebiet der Zopftheorie überhaupt erst populär.

Wer den Originalaufsatz von Bharathram, Birman, Brendle nachlesen will (PDF):
“The Burau representation is faithful for n = 4″.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 27. Juli 2027 – Regnerischer Lerchenschwumm und Arbeitstag

Dienstag, 28. Juli 2026 um 6:10

Letzte Arbeitswoche vor Urlaub, ab sofort zähle ich Tage.

Wecker auf früher wegen Schwimmplänen, nachts hatte ich mal wieder das Fenster wegen irrem Gebrüll im Park schließen müssen.

Die Wettervorhersage stand seit dem Vortag auf Bewölkung und Regen, also schlüpfte ich in einen Badeanzug (statt Bikini mit mehr freier Besonnungsoberfläche für Vitamin-D-Produktion) und nahm eine Bademütze mit gegen Frieren wegen Wind. Die Luft war aber mild.

U-Bahnhof-Kiosk am Westfriedhof (sah ich vergangene Woche morgens zum ersten Mal in Betrieb). Oder doch ein Raumschiff?

Diesmal wurde die Tür zum Schwimmbad bereits wenige Minuten vor sieben geöffnet. Brachte aber wenig, da das Eincheck-Terminal erst ab 7 Uhr bedienbar war.

Auf meine fast leere Schwimmbahn schien zunächst sogar die Sonne, doch bald zog der Himmel zu, und auf den zweiten 1.000 Metern regnete es eine Weile – gar nicht unangenehm.

Sehr guter Schwumm, auf den letzten 1.000 Metern (nach Klo-Unterbrechung – der Morgenkaffee trieb) war ich so schön im Status Schwimmen, dass ich mir ein Ende schier nicht vorstellen konnte. Das Thermometer zeigte über der Sprudelschnecke 20 Grad an.

An der Stempeluhr meines Bürohauses war ich wieder deutlich vor Kernzeit, und ich legte am Schreibtisch umgehend los: zum Glück keine unangenehmen Überraschungen.

Regnerischer Vormittag, der zudem recht kühl wurde. Doch mittags zog es mich raus, ich marschierte eine Runde um die Blöcke. Mittagessen Bananen, Skylei (-jo- war aus). Zeitungslektüre dazu leider beschränkt, weil meine Papierzeitung morgens nicht geliefert worden war und ich nur ein wenig in den frei zugänglichen Meldungen der Süddeutschen-Website rumlas.

Arbeitsnachmittag mit Aufgaben und Menschlichem, das Wetter sehr wechselhaft mit Regendrohung.

Den Heimweg genoss ich in milder Luft und immer wieder Ahnung von Sonne. Daheim eine Runde Yoga, ich ließ mich zur Abwechslung mal wieder von Jessica Richburg mobilisieren.

Zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell den Ernteanteil-Chinakohl zu einem Pastagericht (mit einem Mascarpone-Rest statt Sahne, funktionierte sehr gut), ausgesprochen wohlschmeckend.

Da ich auf dem instagram-Account der Woidlerin Petra gesehen hatte, dass die Blaubeeren reif sind, hatte ich Herrn Kaltmamsell gebeten, auf dem Viktualienmarkt danach zu suchen.

Das, liebe Kinder, sind Blaubeeren, norddeutsch Heidelbeeren. Nicht die Haselnuss-großen Kugeln in Müsli-„Bowls“. Es gab sie zum Nachtisch leicht gezuckert und mit Schlagsahne – Ultra-Luxus!

Im Bett Arthur Schnitzlers Novelle Fräulein Else ausgelesen – die Theaterinszenierung, die mich so beeindruckt hatte, hat schon das Wichtigste rausgeholt. Die Erzählform in innerem Monolog war gut gemacht, doch bis zum Schluss haderte ich mit dem Wissen, dass sich hier ein über-60-jähriger Mann die Gedanken und Gefühle einer 19-jährigen vorstellt. Ein Künstler kann natürlich erfinden, was er will, doch das sagt meist viel über seine Zeit aus.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 26. Juli 2026 – Ausklingende Hombroich-Seligkeit

Montag, 27. Juli 2026 um 6:02

Noch vor Wecker (weil Abreisetermin) aufgewacht, deutlich mehr Partykater wegen vielem und intensiven Menschenaustausch als Alkohol-Kater, ganz ohne Kopfweh. Zu meiner Erheiterung schmerzten meine Sitzbeinhöcker von den vielen Stunden auf der harten, lehnenlosen Bierbank, anders formuliert: Mir tat der Arsch weh.

Abschied von den liebevollen Ausstattungsdetails des Gästhauses Kloster.

Ein wenig versuchte ich mich noch bei Aufräumen und Abwasch nützlich zu machen – wie in vermutlich jeder Gruppe hatten sich sehr schnell einige wenige besonders darum gekümmert (mit Beteuerung, sie machten das gern), ich hatte am Samstag geradezu Tücke anwenden müssen, um für Spül- und Räumarbeiten eine Helfer-leere Küche zu nutzen.

Unsere Rückreise brauchte ein zusätzliches Umsteigen, um nach Düsseldort Hauptbahnhof zu gelangen, wir verabschiedeten uns früh und sehr herzlich – auch bei einigen Menschen, die ich erst an diesem Wochenende kennen und mögen gelernt hatte. Dieses Wochenende war ein riesiges Geschenk für mich. (Langjährige und innige Freundschaft: Wenn zum Anekdotenschatz der Freundinfamilie Geschichten aus meiner Familie gehören.)

Spaziergang zwischen Zuckerrüben- und Stoppelfeldern in milchigem Sonnenlicht nach Holzheim Neuss, wo uns von einer Haltestelle Holzheim Bahnhof (nicht zu verwechseln mit dem Zug-Halt) ein Bus zum Neusser Hauptbahnhof brachte. Ab jetzt fuhren wir Schiene, zunächst nach Düsseldorf. Genug Umsteigezeit für einen Cappuccino, bevor wir in unseren ICE nach München stiegen. Beim Warten darauf sah ich nach Nachrichten: Dass irgendwas mit dem CSD in Berlin war, hatte ich bereits nachts von Gästen mitbekommen (von denen einige ihre Beteiligung an diesen Feiern dem Geburtstagswochenende geopfert hatten). Jetzt erwischte mich das Attentat mit zu diesem Zeitpunkt einer Toten und vielen Verletzten, großes Entsetzen.

Im ICE-WLAN fertig gebloggt. Beim Hochladen der Bilder musste ich zwar deutlich länger warten als daheim, aber es funktionierte. Frühstück um zwei: Ich hatte mein Brotzeitglas von der Hinfahrt mit Partysalat-Resten gefüllt.

Die Farben der Landschaft vor dem Zugfenster sahen bereits sehr nach August aus. Drinnen im Ruheabteil wurde mit Abfragen auf die theoretische Führerscheinprüfung gelernt, außerdem Kleinkindtum sehr vergnügt krähend gefeiert. Und es war mir zu warm. Ein anderer Passagier sprach die Schaffnerin darauf an, doch die konnte nur erklären, dass die Klimaanlage bereits am Anschlag laufe. Willkommen in der nächsten Hitzewelle.

Pünktliche Ankunft in München, Heimweg in Sonne und angenehm kühlem Wind.

Den Restnachmittag verbrachte ich mit Räumen, Textilpflege (ich fürchte, diese riesigen Rotweinflecken kriege ich nie aus meiner weißen Jeans), Lektüre der Wochenend-Süddeutschen. Während ich Pilates turnte, eine Folge mit Schwerpunkt Mobilisierung, verarbeitete Herr Kaltmamsell die ersten Ernteanteil-Roten-Bete der neuen Saison zu einem Risotto.

Köstlich betig, der Thymian (Ernteanteil) und die gerösteten Mandelblättchen machten sich ganz ausgezeichnet. Nachtisch Fruchtgummi und Schokolade.

Müde früh ins Bett zum Lesen, noch einige Zeit mit Arthur Schnitzlers Fräulein Else verbracht.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 25. Juli 2026 – Geburtstagsfeier in der Raketenstation Hombroich, Teil 2

Sonntag, 26. Juli 2026 um 12:09

Mit Freundinnen und Freunden so viel Zeit verbringen, dass auch mal nichts passiert, dass man sich auch mal zurückzieht und erst nach einer Weile wiederkommt – das hatte ich lange nicht mehr und genoss es sehr. Gestern war ein wundervoller Tag mit herrlichem Sommerwetter und einer Flut von Eindrücken.

Zu diesem Anblick wachte ich auf. Und über den Tag hatte ich Gelegenheit zu begreifen, wie sehr unsere Unterkunft und der Ort des Geburtstagswochenendes, das Gästehaus Kloster in der Raketenstation Hombroich, Teil des gestalterischen Gesamtkonzepts Hombroich ist.

Die beiden Programmpunkte des Tages waren nur der Besuch der Museumsinsel Hombroich und das Abendessen mit Konzert – genug Zeit für Gemächlichkeit. Nach dem Aufstehen bloggte ich erstmal, trank viel Wasser gegen die deutliche Verkaterung. Frühstückbestandteile standen im Esszimmer, jemand hatte Porridge gekochte, man versorgte sich selbst, setzte sich wieder an den Biertischen im Hof zusammen.

Es war fast schon Mittag, als eine größere Gruppe hinüberspazierte, eine andere mit dem Auto fuhr zur Insel Hombroich: Sie ist ein weitläufiges Museum, eingerichtet in den 1980ern von Karl-Heinrich Müller für seine Kunstsammlung. Die Landschaftsgestaltung mit dem Fluss Erft ist Teil davon, tragender Teil des Museumskonzepts sind auch die nur scheinbar schlichten Backstein-Bauten von Erwin Heerich (die alle “Begehbare Skulptur” heißen).

Die nächsten Stunden erkundeten wir allein, zu zweit, in größeren Gruppen das Museumsgelände.

Die Cafeteria.

Im Labyrith, dem größten Ausstellungsbau der Insel.

Was mich besonders begeisterte: Selten so perfekt für Kunst ausgeleuchtete Räume erlebt.
Allerdings für mich irritierend (aber gewollt und Teil des Konzepts): Kein Exponat auf der gesamten Insel wird bezeichnet oder ist mit sonst einer Information versehen. Ich ertappte mich dabei, auf Gemälden nach wenigstens einer Signatur oder Jahreszahl zu suchen – so sehr bin ich an andere Präsentation gewöhnt.

Der Turm.

Die ziemlich sicher größte Platane, die mir je begegnet ist (Herr Kaltmamsell dient dem Größenabgleich). Ohnehin trafen wir immer wieder auf beeindruckende Bäume und Gartenabschnitte.

Ein Nutria, der uns später auch auf einem Weg begegnete. Später erfuhren wir, dass man diesen Nutria kennt und er fester Bestandteil des Hombroich-Erlebnisses ist.

Orangerie

Graubner-Pavillon von innen.

Graubner-Pavillon von außen.

Ein weiteres Ausstellungsgebäude namens Schnecke.

Rückweg zum Gästehaus wieder zu Fuß geschlendert.

Gegen drei hatte ich endlich richtigen Frühstückshunger und holte mir eine große Portion des bunten Couscous-Salats mit Gemüse, Trauben, Feta vom Vorabend. Es gab jetzt auch verschiedene Kuchen, zum Teil von nahe wohnender Familie der Jubilarin gebacken und mitgebracht, zum Teil vormittags in der Küche des Gästehauses gebacken.

Sonniger und im Schatten dennoch angenehmer Nachmittag mit Plaudern, Ausruhen, Handyladen – bis der angelieferte Grill in Betrieb genommen wurde. Ich schenkte mir wieder schöne Weine ein (allerdings achtete ich auf Beschränkung und ließ den Rotwein wegen Katerverursachungsverdacht ganz aus), aß ungeheure Mengen gegrilltes Fleisch (Steaks, Ribs, Hähnchen, Wurst), dazwischen aber auch einen Teller Gemüse.

In erster Dämmerung um neun (das Foto ist viel zu hell) gab es es ein kurzes und schönes Konzert einer Liedermacherin mit Tenorsaxophon-Begleitung – aus den Gesprächen des Tages wusste ich, dass nicht nur die Jubilarin aus der Musikindustrie kommt. Ich lernte weitere Gäste kennen, erfuhr eine spanische Einwanderergeschichte, viel auch aus der Familiengeschichte der Jubilarin: Ein Geburtstagsgeschenk ihrer Schwester war ein Kistlein mit Briefen und Fotos gewesen, dass sie im Nachlass ihrer gemeinsamen Mutter zu ihrer Geburt und ihrer Kindheit gefunden hatte.

Eine neu hinzugekommene Gästin fragte die Jubilarin, seit wann und woher wir einander kennten – und aus der Antwort erfuhr ich die Geschichte unserer Freundschaft mal aus ihrer Sicht. Das war hochinteressant und an einigen Stellen überraschend.

Nicht ganz so spät wie am Vorabend und deutlich weniger alkoholisiert zog ich mich mit Herrn Kaltmamsell zum Schlafen zurück.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 24. Juli 2026 – Geburtstagsfeier in der Raketenstation Hombroich, Teil 1

Samstag, 25. Juli 2026 um 9:46

Was für ein großartiger Einstieg in ein Geburtstagsfeier-Wochenende!

Für richtig guten Schlaf waren es ein bis zwei Aufwachen zu viel. Von draußen kam es sehr kühl reingeweht, die für Samstag angekündigten 30 Grad in München konnte ich mir nur schwer vorstellen.

Fertigpacken für das Geburtstagsfeier-Wochenende in der Raketenstation Hombroich, ich würde mich mittags mit Herrn Kaltmamsell am Zug treffen und nahm das Gepäck gleich mit. Weil ich eh eine Jacke mitnehmen wollte (Feier-Location eher ländlich), trug ich sie schon auf dem Weg in die Arbeit – und war sehr froh drum.

Mal wieder hörte ich ein “Ich mag keine Menschen” von jemandem, der wirklich freundlich und umgänglich ist – und fand heraus, dass auch hier die Corona-Einschränkungen zu dieser Erkenntnis geführt hatten: Die erzwungene Vereinzelung bewirkte beim ihm spürbar mehr Wohlfühlen. (So wie andere dadurch merkten, wie sehr ihr Wohlbefinden von menschlichen Kontakten abhängt.)

Im Büro legte ich zackig los, der halbe Arbeitstag musste für alles reichen. Pünktlich um Mittag eingepackt, U-Bahn zur Haltestelle Hauptbahnhof. Mit Herrn Kaltmamsell den sehr langen ICE Richtung Essen bestiegen; unsere Sitzplätze lagen im vordersten Wagen, der gerade noch an den Bahnsteig passte. Pünktlich abgefahren.

Hopfencheck in der Holledau.

In einem pünktlichen ICE, der mit fast 300 Stundenkilometern die Autos auf der parallel verlaufenden Autobahn überholt, konnte ich zwischen Ingolstadt und Nürnberg dem Zungerausstreck-Impuls Richtung Fenster nicht widerstehen. Uns begleitete sommerblauer Himmel.

Pünktliche Ankunft in Düsseldorf, von dort brachte uns eine Regionalbahn nach Neuss Holzheim. Und das letzte halbe Stündchen zum Gästehaus der Raketenstation Hombroich spazierten wir zu Fuß.

Nach Herzen und Küssen der Freundin, die wenige Tage davor 60 geworden war, und erstem Hallo an die anderen Gäste bezogen wir unser schlichtes, schönes Zimmer – und stürzten uns ins Feiern.

Köstliches Essen, das einige Gäste gekocht hatten (große Selbstversorgerküche), wunderbare Weine dazu (mein Favorit war der rote Didier Desvignes Brouilly Retour aux Sources), vor allem aber Unterhaltungen. Unter anderem erzählte mir die Jubilarin, wie es mit der einen oder anderen Bekanntschaft und Freundschaft aus unseren gemeinsamen Studientagen weitergegangen war.

Erst deutlich nach Mitternacht kam ich ins Bett.

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Southpark reist weiter in Litauen und berichtet von einem weiteren Tag in Vilnius – mit hochinteressanten Eindrücken und Informationen:
“27-07-23 Eishockey, Basketball, Deportationen (Vilnius)”.

In der Sowjetunion gingen Menschen zur Toilette und kamen danach nicht wieder. Sie waren dem KGB in die Hände gefallen. In Litauen gingen Menschen zur Toilette und kamen nicht wieder. Sie waren der Toilettentechnik zum Opfer gefallen. Aber das passierte erst auf dem zweiten Teil der „Vilnius in Soviet Times“-Tour, die harmlos begann.

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Gabriel Yoran, der das Buch Die Verkempelung der Welt geschrieben hat, im Interview mit Matthis Füssler, Geschäftsführer des Schweizer Werkbunds, über Dinge, Gestaltung und Konsum:
“Ein Bund gegen Schund”.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 23. Juli 2026 – Unauffälliger Arbeitstag

Freitag, 24. Juli 2026 um 6:16

Eher unruhige Nacht, aber ich kam zu Schlaf.

Gemischtes Sommerwetter war vorhergesagt, ich wagte mich nochmal in Kleidchen und Sandalen. Und fröstelte auf dem Weg in die Arbeit nur ein bisschen.

Die Mauersegler waren noch da! Sowohl über meinem Wohnviertel als auch über dem Westend flogen schrillend große Schwärme.

Auf der Theresienwiese wird weitergebaut.

Hochkonzentrierter Arbeitsvormittag, doch für meinen Mittagscappuccino im Westend hatte ich gerade einen Durchschnaufer. Draußen war es sonnig, aber weiterhin kühl.

Mittagessen: Nüsse, Honigmelone, Ayran.

Auch gestern gab es einen Feierabend. Nach diesem spazierte ich in weiterhin kühler Luft nach Hause.

Neues vom Heimeranplatz: Aus dem früheren langjährigen Blumenladen Las Flores wird also ein Friseurladen.

Besorgungen unterwegs und am Stachus.

Fortschritt auch auf der Baustelle vorm Haus.

Daheim endlich mal wieder Yoga, jetzt bin ich mit Adrienes “Flow” nochmal durch (minus Folge 30 ohne Ansagen) – mache ich eher nicht wieder.

Donnerstagssalat aus Ernteanteil war diesmal ein Kopf Eisbergsalat. Den gab es mit Minigurken und Orangensaft-Haselnussmus-Dressing. Außerdem Käse und dann Schokolade. Dazu Abstimmung mit Herrn Kaltmamsell zu Freitag und unserer Reise nach bei Düsseldorf für eine große Geburtstagsfeier.

In später Abenddämmerung sah ich nochmal Mauersegler am Himmel und zwischen den Bäumen vorm Balkon reichlich Fledemäuse.

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Herzbruch ist zwar körperlich immer noch kaputt, und diese Dinge sehen nicht positiv aus.
Aber zum einen hat sie kürzlich ihren 50. Geburtstag gefeiert, dass es die Mosel rauf und runter gekracht hat. Zum anderen hat sie eine professionelle Meinung zur deutschen Gesundheitspolitik. Und als sie mal eben nicht aufpasste, schrieb sie diese in ihr Blog – zu unserem Glück:
“Wenn man schonmal die Logindaten für diese Seite hier hervorgekramt hat, kann man natürlich auch direkt einmal alles sagen, was gesagt werden muss.”

§

Dass ein Treiber für den KI-Boom die Halbleiter-Industrie sein könnte, deren Rechen-Power sich durch technischen Fortschritt seit einiger Zeit nicht mehr so recht verkauft – darauf wäre ich nicht von allein gekommen. Doch die Ausführungen von Kristian Köhntopp sind selbst für eine Laiin wie mich nachvollziehbar:
“Moore’s Law und die AI Blase”.

Der IT-Markt, mit dem viele von uns groß geworden sind, ist seit ungefähr 2015 vorbei.

Was wir gerade beobachten, ist eine Reihe von Blasen, getrieben von Investorenverzweiflung. Da ist sehr viel Kapital, das nicht weiß wohin, aber Erträge liefern muss. Ein Teil gehört Einzelinvestoren. Ein anderer Teil steckt in Fonds, mit denen eine Generation Boomer ihren Ruhestand finanzieren will.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 22. Juli 2026 – Lerchenlauf / Arzt am Ende der Galaxie / Arbeit / Pediküre / Schnitzelgarten

Donnerstag, 23. Juli 2026 um 6:23

Das war gestern ein sehr voller Tag. Aber ich setzte alle Pläne um, ohne mich gestresst oder genervt zu fühlen.

Wecker auf extrafrüh, denn gestern war die beste Chance der Woche auf einen Lerchenlauf: Wegen eines vormittäglichen Arzttermins ganz weit draußen würde ich morgens von daheim aus arbeiten, davor passte wunderbar eine Laufrunde an der Isar.

Ich wachte kurz vor Weckerklingeln auf und freute mich sofort über die Aussicht auf Laufrunde. Draußen war der wolkenlose Himmel dämmrig, der Tagesanbruch wandert bereits deutlich nach hinten. Ich war auf niedrige Temperaturen gefasst und reaktivierte mein Merino-Laufshirt (immer noch ungewaschen und unstinkig, ich bin beeindruckt).

Das Licht war sensationell, die Laufzeit verflog geradezu, kaum hatte ich ein paar Fotos gemacht, klingelte mein Handy schon für Halbzeit (40 Minuten) und umkehren. Kurz davor Sichtung eines Mäuseleins direkt auf dem Weg vor mir, SO NIEDLICH.

Wittelsbacherbrücke gestern mit Krähen-Deko.

Beim Heimkommen wurde die Baustelle am Haus gerade von zwei Herren betrieben, ich musste ein wenig um Gruben hangeln, um zur Haustür zu kommen.

Letzte Handgriffe Morgentoilette am hochfahrenden Arbeitsrechner – der auch diesmal in Homeoffice-Umgebung mehrere Neustarts und 20 Minuten benötigte, bis ich arbeitsfähig war (währenddessen schon mal gepackt für später und die Wohnung fertiggeräumt).

Rechtzeitig für Arzttermin am Ende der Galaxie Abbruch der Arbeit, Arbeits-Laptop eingesteckt. Die Öffentlichen Verkehrsmittel verkehrten (ist ja egal, wenn ich statt der geplanten eine sehr verspätete S-Bahn erwische, die zur Planzeit fährt), auch wieder los kam ich in guter Zeit, noch deutlich vor Mittag saß ich an meinem Büroarbeitsplatz und packte dort an. Mittagscappuccino aus der Cafeteria, um mal ein bisschen PEPP! in meinen Arbeitstag zu bringen, bestellte ich EINEN GROSSEN.

Online-Besprechungen, dann Mittagessen: Nektarine, Nüsse, Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Emsiger Nachmittag, jemand hatte schlechte Nachrichten bekommen, ich versuchte sie durch Unterricht abzulenken.

Pünktlicher Feierabend: Ich hatte einen Vor-Urlaub-Pediküre-Termin (schon jetzt fühlte es sich an, als sei ich nicht am selben, sondern am Vortag an der Isar gelaufen). Auf dem Weg durchs Westend (jetzt war es warm) aufmerksames Horchen: Nein, keine Mauerseglerpfiffe mehr, die letzten hatte ich Dienstagmorgen gehört.

Heimweg mit schönen Füßen, ich holte Herrn Kaltmamsell für Abendessen im Schnitzelgarten ab.

Nein, wir schafften unsere Cordonbleus nicht (jemand hat morgen Brotzeit), aber das war sehr gutes Abendessen.

Der Himmel über dem Biergarten.

Daheim gab es als Nachtisch Honigmelone – fast so gut wie die meiner Kindheitsurlaube in Spanien. Und ein wenig Schokolade.

Im Bett die nächste Lektüre: Arthur Schnitzler, Fräulein Else. Berühmt für die Erzählweise in stream of consciousness, doch ich fand vor allem reizvoll, wie sich der über-60-jährige Schnitzler das Innenleben einer 19-jährigen ausmalte.

§

Maximilian Buddenbohm als Hamburgbewohner in Bahnhofsnähe bekommt es täglich mit, ich als Anwohnerin des Münchner Nußbaumparks (in deutlich geringerem Umfang) ebenfalls: Deutsche Großstädte haben ein massiv wachsendes Drogenproblem.

Gestern widmete die Süddeutsche Zeitung ihre Seite Drei dem Thema Crack und dem Zürcher Modell des kontrollierten Konsums (€):
“Eine Crack-Pfeife am Klettergerüst”.

Um Crack geht es auch in diesem ausführlichen Text (mit vielen, vielen Quellen am Ende) von Stefan A K Weichelt, Schwerpunkt Frankfurt.
“Willkommen in Zombieland”.
Hier mit der zusätzlichen Bitterkeit, dass Frankfurt in den 1990ern die Heroin-Krise in den Griff bekam – eben mit demselben Modell, das auch Zürich anwendet. Aber:

Für Heroinabhängige gibt es Methadon, Buprenorphin, in der Schweiz sogar ärztlich verschriebenes Heroin. Für Crack gibt es: nichts. Kein zugelassenes Substitut, keine etablierte medikamentöse Behandlung. Der Werkzeugkasten, mit dem Frankfurt einst zum Vorbild wurde, passt nicht mehr zum Schloss.

Er beschreibt das Vorgehen in Frankfurt, in Paris, in Brüssel, São Paulo – nennt sie “Freiluftlabore der Verdrängung”.

Verdrängung funktioniert nicht, das ist die vielleicht am besten belegte Erkenntnis der europäischen Drogenpolitik. Die Menschen lösen sich nicht auf, wenn man sie wegschiebt. Sie tauchen hundert Meter weiter wieder auf, kränker als zuvor, weil unterwegs der Kontakt zu Ärzten und Sozialarbeitern abreißt.

An dieser Stelle lohnt ein Blick auf eine Zahl, die in keinem Influencer-Video vorkommt und die man zweimal lesen muss. 2023 starben in Frankfurt, der Stadt mit Deutschlands größter offener Drogenszene, 32 Menschen an ihrer Sucht. In München, wo das Straßenbild ordentlich ist und keine Crackpfeifen aufblitzen, waren es 86.

München hat keine Konsumräume. Bayern hat sie als Bundesland nie zugelassen, ebenso wie die Hälfte der deutschen Länder. Konsumiert wird trotzdem – nur eben in Parks, auf Bahnhofstoiletten, in Wohnungen, dort, wo niemand einen Notruf absetzt, wenn jemand aufhört zu atmen. Das Elend ist nicht kleiner, es ist nur besser versteckt. Und im Versteck stirbt es sich leichter.

Was allen, auch uns Anwohnenden bei der Betrachtung gemein ist: Bestürzung und komplette Ratlosigkeit. Weichelt nennt zumindest ein paar Ansätze, die schonmal funktioniert haben – die allerdings nichts weniger als einen gesellschafltichen Umbau bedeuten.

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Bei Frau Klugscheisser Schulbuchbeispiele von “Ist doch nix passiert!”, also Belästigungen von Frauen und Mädchen, die sie in ihrer alltäglichen Freiheit einschränken: Keine soll sich so wehren müssen, so vorbereiten, ausrichten müssen. Vor allem Menners: Bitte lesen.
“Ampersand”.

§

Workaround beim Kampf gegen Chatbots.

Geheimtipp beim Kampf gegen Chatbots von xkcd.

Bei mir half schon mehrfach beherztes Singen, um Service-telefonisch an einen echten Menschen zu kommen.

die Kaltmamsell