Theater

Journal Montag, 19. Oktober 2026 – König Lear am Residenztheater: Mangelndes Shakespeare-Vertrauen

Dienstag, 20. Oktober 2026

Gut und tief geschlafen, aber bei Weckerklingeln war es definitiv nicht genug gewesen.

Unter anderem war mir wie zu erwarten beim Einschlafen die König Lear-Inszenierung vom Sonntagabend im Kopf herumgegangen. Das eigentliche Stück hatte mich an diesem Abend eher unberührt gelassen, angekommen waren bei mir vor allem die Bühnenmittel (Bühne Marlene Lockemann). Und hier spielte die beeindruckende Hauptrolle der kreisrunde Bühnen-füllende Ring mit Landschaft oben und Räumen in Gestellen unten, in ständiger, langsamer Bewegung, eingeführt im zweiten Akt durch den vertriebenen Edgar, der die Pfade oben entlang taumelt und dabei seine Verwandlung in Tom erzählt. Davor schon war es eine Wand mit in vielen Richtungen beweglichen Drehtüren gewesen, die riesig vor dem Zuschauerraum auf der Bühne stand und für die verschiedenen Verbindungen der Personen und Handlungsstränge genutzt wurde.

Doch Regisseurin Elsa-Sophie Jach beließ es nicht dabei. Dass nahezu durchgehend Live-Musik vom Bühnenhintergrund erklang, muss heutzutage wohl so, inklusive zweimal Live-Gesang. Aber dass immer wieder verschiedene Leinwände herabgelassen wurden, Live-Video-Projektionen aus Bühnenwinkeln darauf übertragen – über die vielen Jahre seit Einführung als Erzählmittel auf den Bühnen gerät das in meinen Augen zur inhaltsleeren Marotte, vor allem hier: Das Mittel der Soliloqui IST doch bereits ein Ins-Zentrum-Stellen einer Figur und ihrer Gedanken, da brauche ich ihr sprechendes Gesicht nicht auch noch acht mal fünf Meter groß gefilmt auf eine Leinwand projiziert.

Nicht nur deshalb habe ich den Eindruck, dass der Inszenierung das Vertrauen in Shakespeare fehlte, der eigentliche kraftvolle und bilderreiche Text ging fast unter. Immer noch eine Interpretationsebene, immer noch eine Vermittlungstechnik – die vielen Ansätze und Ebenen führten unterm Strich zum Eindruck der Unentschlossenheit. Lasst die Figuren doch mal in Ruhe reden! Ja, der gefeierte Manfred Zapatka als Lear bekam oft Raum für seine Worte, aber selbst er nicht immer, weil Kostüm oder Filmung sie überlagerten. Vielleicht hatte Vincent zur Linden als Narr da sogar mehr Texteskraft (die Doppelbesetzung auch als Edmund gefiel mir sehr gut).
Schauspielerisch beeindruckte mich am meisten Pia Händler als Regan: Sie lebte den Text statt ihn vorzutragen – das mag ich als Kind der 80/90er-Renaissance-Theatre-Company halt (damals war es Inszenierungs-Mode, den Blankvers nahezu zu ignorieren).
An den Besprechungen der Inszenierung gefiel mir die von Christoph Leibold für den Bayerischen Rundfunk:
“Seltsam unpolitisch: Der neue ‘Lear’ am Residenztheater”.

Außerdem zum Festhalten: Was anders ist am Resi als an den Kammerspielen. Am Resi gab es ein aufwändiges Programmheft zu kaufen, für die 2,50 Euro steckten sogar ein paar Postkarten mit Fotos aus der Inszenierung dabei. An dem Kammerspielen ist das gedruckte Programmheft mittlerweile eher dünn und kostenlos, die Informationen findet man breiter und ansprechender online auf der Website. An den Tischen für Programmheftverkauf wurde auch Merchandise angeboten, sehe ich mir nächstes Mal genauer an.

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Überraschen mild dampfiger Weg in die Arbeit.

Die kopfwehige Benommenheit wurde mir am Arbeitsplatz bald doch zu doof, ich griff zu Ibu.

Geschäftiger und unruhiger Arbeitsvormittag, Mittagscappuccino aus der Cafeteria, damit ich in der Mittagspause raus auf Einkäufe gehen konnte: Der riesige HIT in Fußweite bot auch die Cocktailkrischen an, die auf der Einkaufsliste standen.

Zu Mittag gab es Ananasstücke aus derselben Quelle, außerdem Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot. So ganz wach und munter wurde ich einfach nicht.

Entsprechend zäh fühlte sich der Arbeitsnachmittag an.

Nach Feierabend war es deutlich kälter geworden. Ich ging über Lebensmitteleinkäufe beim Vollcorner heim.

Zu Hause hatte ich trotz müder Benommenheit Lust auf Pilates, das nochmalige Üben meines Bloglesungstexts aber verschob ich auf Dienstagabend.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Ernteanteil-Karotten auf meinen Wunsch als Laksa, als würzige chinesische Suppe – eine sehr aufwändige Suppe mit vielen nur aufwändig zu bekommenden Zutaten.

Blöderweise schmeckte das ganz ausgesprochen köstlich, ich werde das wieder essen wollen.

Nachtisch Schokolade.

Sehr früh ins Bett zum Lesen und frühen Lichtaus.

Journal Sonntag, 18. Oktober 2026 – Erstes Mal Resi-Abo

Montag, 19. Oktober 2026

Guter Nachtschlaf, das war schön. Dennoch stand ich unwillig auf, ich wäre gerne länger in der Selbstabwesenheit des Schlafs geblieben.

An allen Fenstern weiterhin Wespen, die die Scheiben vollkotzen, am schlimmsten an den Küchenfenstern.

Den Berlin-Urlaub nach Jahreswechsel vorläufig fertig gebucht: Unterkunft, An- und Abreise (hin und zurück ohne Umsteigen inkl. Platzreservierung 102,96 Euro für zwei Personen mit BahnCard 25 – wirklich unschlagbar) (PLUS der Spannung, wie und wo die Fahrt dann tatsächlich verlaufen wird!), Vorstellungstickets sind gekauft, Museumsbesuche sondiert und geplant. Bleibt nur noch die Kulinarik: Welche Restaurants sollen uns erfreuen, wo wollen wir uns selbst versorgen.

Wie geplant ging ich nochmal raus auf eine Laufrunde. Diesmal ließ ich mich von einer U-Bahn an die Universität fahren und lief von dort durch den Englischen Garten an die Isar und auf meine übliche Strecke nach Norden. Über allem lag Dunst, anfangs auch feinster Nieselregen, das machte den Lauf klamm und kalt. Doch er bereitete mir dennoch Freude, ich lief nahezu beschwerdefrei und leicht.

Monopteros von unten.

Und von oben.

Nach Biergarten ist vor Christkindlmarkt.

Indian Summer am Föhringer Ring (auch ein schöner Romantitel).

Die Tages- und vor allem Essensplanung war auf den Theaterbesuch am Abend ausgerichtet, erstmals als Resi-Abonnentin hatte ich um 18:30 Uhr König Lear – gleich mal über drei Stunden, ich musste also vorher zu Abend essen. Auf diese Inszenierung war ich wirklich gespannt, zuletzt hatte ich ja 2015 bei König Lear in den Kammerspielen echte Schweine bekommen – die galt es also zu toppen.

Erstmal aber Frühstück kurz nach eins: Letzte Feigen und Trauben mit Käse.

Nachmittag vertändelt und verlesen, dazwischen Häuslichkeiten, unter anderem Wechsel Sommer- gegen die Winterschuhe aus dem Keller.

Zum Nachtmahl zu Pflegeheim-Zeiten um halb sechs servierte Herr Kaltmamsell aus dem Ernteanteil-Blumenkohl Aloo Gobi (sehr gut), mit einem mächtigen Miso Chocolate Cookie stellte ich sicher, dass ich bis Bettgehen keinen Hunger mehr bekommen würde.

Die hohen Absätze machten mich langsam, den Weg zum Residenztheater beschleunigte ich mit einer Station U-Bahn-Fahrt.

Jetzt also Wechsel von den städtischen Kammerspielen ins Bayerische Staatstheater, ganz andere Atmosphäre der Räume, bei diesem Mal ganz anderes Publikum (es wurde viel mehr geschaut – mag an dem viel größeren Foyer gelegen haben, nach Langem senkte ich den Altersdurchschnitt im ausverkauften Zuschauerraum – mag aber an dem Sonntagabendtermin gelegen haben).

Mit Pause. Und Käfer-Gastronomie mit vorbestellt eingedeckten Tischen oben, kannte ich sonst nur von Opernbesuchen.

Schweine bekam ich diesmal keine im König Lear, an Tieren nur das elektrische Spielzeug-Reittier des Narren. Dafür eine ausgesprochen opulente und teuer aussehende Inszenierung, Details morgen.

Nach fast dreieinhalb Stunden verlief die Garderoben-Ausgabe etwas holprig, ich nahm wieder eine U-Bahn, um schneller ins Bett zu kommen.

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Diesen empfohlenen Artikel bei Krautreporter hätte ich fast nicht gelesen, weil er so weit von meiner Lebenswirklichkeit entfernt ist. Oder, und deswegen las ich ihn dann doch, weil das Thema eine meiner tiefsten Ängste anspricht: Verschuldung.

Denn das, wurde mir klar, ist lediglich die Kehrseite meines aktiven Desinteresses an Geldanlage, an dem leichten Ruch, den es für mich (!) hat, Geld aus Geld zu machen (vielleicht finde ich mal heraus, woher diese kontrafaktische emotionale Reaktion kommt). Selbst mein Konto überzogen habe ich zuletzt wohl am Anfang meines Studiums und hörte damit auf, als ich mich darüber ärgerte, der Bank dafür Geld zu zahlen – wo ich doch sonst eher unterdurchschnittlich Probleme dabei habe, Geld für Blödsinn auszugeben. Wenn ich künftig knapp bei Kasse war, schränkte ich mich eben ein und schaute, dass ich möglichst schnell Geld verdienen konnte. Richtige Schulden hatte ich noch nie im Leben; offensichtlich wünschte ich mir nie etwas so sehr, dass ich dafür einen Kredit aufgenommen hätte – obwohl das ja sogar steuerlich gefördert wird, Invesitionen bedeutet, die Wirtschaft am Laufen hält, meinen Eltern die Verwirklichung ihres Traums vom eigenen Haus ermöglichte etc. etc. Irgendwas in mir fürchtet sich enorm vor der Abhängigkeit und dem Commitment, die automatisch dazu gehören.

Aus meinem Leben will ich einfach nur mit einer schwarzen Null herauskommen, auch materiell.

Wie so eine ganz normale Verschuldung aussieht (ich kenne jemanden, die mal in der Gehaltsabrechnung eines mittelgroßen, hochseriösen Unternehmens arbeitete und erzählte, dass der Prozent-Anteil von Mitarbeitenden mit Gehaltspfändung zweistellig gewesen sei) und wie der Weg hinaus, berichtet Marcus Ertlel, hier der Geschenk-Link:
“Ich war total verschuldet. Hier ist der Text, den ich gebraucht hätte.”

Journal Donnerstag, 16. Juli 2026 – Eurydike und Orpheus an den Kammerspielen

Freitag, 17. Juli 2026

Mit brennenden Augen aufgewacht, die auch leicht gerötet waren: Während des Theaterabends hatte ich den Eindruck, dass Zugluft zwei Stunden lang meine Augäpfel austrocknete – das konnte doch unwahrscheinlich das Dauerfächern der Sitznachbarin gewesen sein? (Es wurde ohnehin um mich herum viel gefächert, vor allem mit dem Programmheft, dabei fand ich den Zuschauerraum wirklich nicht sehr warm.) Allerdings neige ich dazu, mir mit den Fingern in die Augen zu fassen (das lernte ich, als am Anfang der Corona-Pandemie bei noch unbekannten Übertragungswegen auch davor als möglicher Infektionsquelle gewarnt wurde): Ich mag mir irgendwas reingetappt haben, was mit dem Zugluft-Erlebnis im Theater lediglich koinzidierte.

Draußen ein frischer Sommermorgen, nach eigentlich Schauerdrohnung war recht plötzlich Regenfreiheit angekündigt. Ich wählte also ein ärmelloses Sommerkleid, schlüpfte aber für den Arbeitsweg in ein leichtes Jäckchen.

Eine Demonstration, warum der Aufbau des Oktoberfestes so viel länger dauert als der von Ihrem Volksfest: Die “Bierzelte” sind echte, mehrgeschoßige Häuser mit einzementiertem Holzgerüst.

Emsiger Arbeitsvormittag mit dem einen oder anderen Querschuss, aber gemütlich Zeit für einen Mittagscappuccino im Westend – Spaziergang unter wolkenlosem Himmel und in angenehmer Luft ohne Schwüle.

Zu Mittag gab es ein Glas milchsauer eingelegtes Blaukraut und wieder weniger Roggenvollkornbrot als geplant, weil schon satt.

Arbeiten am Nachmittag halt bis Feierabend. Nichts zu besorgen, also direkter Weg nach Hause. Dort turnte ich eine weitere neue Folge Pilates mit Gabi Fastner, ganz schön fortgeschritten (will heißen: ich machte nicht alle “und wer’s ein bisschen fordernder haben will”-Varianten mit). Auf Wiedervorlage.

Donnerstag ist Ernteanteil-Hol-Tag ist Salattag, und für den bin ich zuständig. Es gab Lollo bianco und Minigurken aus Ernteanteil mit Joghurt-Dressing sowie zugekauften Tomätchen und Eiern. Dann noch Käse mit Trauben und Nektarine, Nachtisch Schokolade.

Der Himmel wurde immer bedrohlicher düster. Lesen im Bett zu erstem Blitzeleuchten.

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Zurück zum Theaterabend am Mittwoch, zurück zum Spiel mit dem Orpheus-und-Eurydike-Mythos. Die Variante der Münchner Kammerspiele heißt Eurydike und Orpheus mit dem Untertitel “Musiktheater über die Hoffnung auf unsterbliche Liebe”. Und so wurde praktisch der gesamte Text von den Darstellenden gesungen – unmelodiös und mit wenigen Instrumenten (vom Band) untermalt, eher wie Rezitativ-Passagen in Opern.

Orpheus ist hier die Leiterin einer Klinik, die Menschen einfriert, um sie zu einem Zeitpunkt wieder aufzutauen, an dem sie geheilt werden können. Ihre Ehefrau Eurydike erfährt nach der ersten (Liebes-)Szene bei der morgendlichen Routineuntersuchung (durch den Haus-Androiden Amor), dass sie nur noch sechzig Minuten zu leben hat. Es beginnt ein Ringen um die Nutzung dieser Zeit – und um die Möglichkeiten, die Kryokonservierung einer Verlängerung der Liebe in die Unendlichkeit bietet.

Neben den Protagonistinnen treten auf:
Hades (eine dunkel geschminkte Frau mit beeindruckendem Wagenrad-Hut), die Herren Charon und Kora als Kryo-Chirurgen sowie Cerberus (eine Dame in Soldatenuniform, die – wie auch sonst die Kostüme – die Mode in der Zeit um den 1. Weltkrieg evozierte). Mit zwei Hand voll Humor dazu wäre das eigentlich eine recht typische Aufstellung von Terry Pratchett, unter anderem in dem Changieren zwischen der emotionalen Ebene der großen Liebe und den gesellschaftlichen Implikationen technischer Errungenschaften.

Mir gefiel das gut, auch wenn die Handlung am Ende für meinen Geschmack eine Schleife zu viel hatte und der Singsang stellenweise an meinen Nerven zupfte. Doch Annika Neugart sowie Elisabeth Nittka machten ihre Sache in den Hauptrollen mehr als gut, und die Video-Einspielungen am Bühnenhintergrund waren eine sinnvolle weitere Erzählebene.

Auf dem Heimweg kamen mir auf der Maximiliansstraße beeindruckend festlich-elegant gekleidete Menschen entgegen (aus einer Veranstaltung der Opernfestspiele? es ist erstaunlich schwierig, online bereits vergangene Veranstaltungen zu finden), vor allem die Damen hätte ich gerne viel genauer angesehen. Die Outfits inklusive Styling (Haare! Schuhe! Taschen!) kamen allerdings sichtlich aus einer Preis-Liga, die mir ein “Tolles Kleid!”-Kompliment im Vorbeigehen wegschüchterten.

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Kathrin Passig entdeckt auf Feldwegen
“Die Rückkehr der dritten Spur”.

Vor dem Auto und dem Traktor waren Wege durch die Landschaft gleichmäßiger abgenutzt. (…) Wenn man Wege mit einem einspännigen Pferdefuhrwerk befährt, sorgt das Pferd dafür, dass auf dem Mittelstreifen kein Gras wächst. Und auch zu Fuß gehende Menschen beschränken sich nicht auf zwei Spuren rechts und links.

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Große Liebe für David Steinitzens Einstieg in die Besprechung von Christopher Nolans neuem Die Odyssee (€):
“Beim Zeus, was für ein Film”.

Durch den ausführlichen Artikel weiß ich jetzt, um welche Sorte Film es sich handelt, vielen Dank. Sehen will ich ihn weiterhin nicht. (Herr Kaltmamsell hat erst kürzlich die vielbeachtete englische Odyssee-Übersetzung von Emily Wilson gekauft. Deutlich interessanter. Nachträgliche Korrektur: Diese Übersetzung hat er schon länger, aber kürzlich die der Illias gekauft.)

Journal Mittwoch, 15. Juli 2026 – Bruderblog-Empfehlung und einstweiliger Abschied von den Kammerspielen

Donnerstag, 16. Juli 2026

Neue Blog-Empfehlung!

Heute darf ich hier endlich darauf hinweisen: Mein Bruder Daniél fährt vom oberbayerischen Etting (bei Ingolstadt) nach El Olmillo (in Zentralspanien) – mit dem Fahrrad. Und er bloggt darüber:
Etting -> El Olmillo.

Es gibt bereits ein paar Posts über die Vorbereitungen, der RSS Feed funktioniert – und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie Daniél zur Seite stehen.
(Hier ein Kinderbild, falls Sie einen Niedlichkeits-Schubser benötigen.)

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Eigentlich guter Schlaf, doch ich konnte die kühlenden Nachtstunden nicht für Belüftung des Schlafzimmers ausschöpfen: Um halb zwei weckte mich heftiges und ausdauerndes Brüllen, Schreien und Kreischen aus dem Park – Fenster zu.

Beim Aufstehen sah ich den Straßen und Wegen an, dass es nachts geregnet hatte. Weitere dunkle Wolken ließen mich für den Arbeitsweg zum Schirm greifen, doch ich kam trocken ins Büro (und freute mich am Mauerseglerschrillen, jetzt sind ihre Tage bei uns gezählt.)

Dort brühte ich die erste Tasse Milky Oolong meines Lebens auf: Am Dienstag hatte jemand auf Mastodon nach Einkaufsquellen gefragt, ich fand heraus, worum es sich überhaupt handelte, das klang attraktiv, und eine Einkaufsquelle lag auf meinem Weg. Ja, angenehmer grüner Tee, der wenig nach Grüntee schmeckt – aber mit dem Effekt, den ich von allen Grüntees kenne: Ich trinke die sehr große Tasse sehr schnell leer.

Mittags eine Marschrunde um die Blöcke. Der Himmel zeigte gerade ein bisschen Blau zwischen den Wolken, schon wurde es gnadenlos schwül, und ich kam ordentlich verschwitzt zurück an meinen Schreibtisch. Dort gab es zu Mittag Nektarinen, Aprikosen und weniger Roggenvollkornbrot, als ich gedacht hatte, weil ich mich schon so voll fühlte.

Abends stand mein letzter Theaterbesuch auf Basis Kammerspiel-Abo an, ein letztes Mal machte ich deshalb mit Unterstunden Feierabend. Ab der nächsten Spielzeit fallen meine Abo-Termine auf Sonntage und im Residenztheater.

Auf dem gemütlichen Heimweg kaufte ich fürs Abendessen ein. Daheim las ich auf dem Balkon und genoss den frühen Feierabend, abenso bei einer Runde Pilates.

Als Abendessen richtete ich Trauben, Nektarinen, Aprikosen, Tomätchen sowie vier Käsen an, außerdem aßen wir die letzten Salzgürkchen aus aktueller Produktion.

Mein vorerst letzter Abo-Kammerspielbesuch führte mich in Eurydike und Orpheus, “nach einem Libretto von Robert Bolesto mit Musik von Jan Duszyński” – und der Regisseurin Anna Smolar wohl als zentraler Autorin. Autor*innenschaft bei zeitgenössischem Theater (von wem ist das Stück eigentlich?) ja immer sehr komplex.

Ich marschierte in milder Luft zum vorerst letzten Mal an die Maximilianstraße (die auch weitgehend verbaustellt ist – wollt ihr jetzt auch doch die Luxus-Tourist*innen verprellen?) ins Theater.

Niemand benötigte gestern die Garderobe (und wohl auch nicht die “Rollstuhlrampe”).

Leb wohl, unbequemer Sitz Reihe 5, Platz 4, dich werde ich sicher nicht vermissen.

Gestern sah ich von dort aus die Musiktheater-Variante des alten Orpheus-und-Eurydike-Themas (neben der Garderobe ist auch das Programmheft seit einigen Jahren gratis), dazu morgen mehr (vorab: auf jeden Fall interessant).

Nach Hause mit schmerzendem Po und Kreuz in anhaltender Milde und mit Fußballguck-Geräuschen aus offenen Fenstern und Türen: Gestern wurde das zweite Halbfinale der aktuellen Männerfußball-WM ausgetragen.

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Southpark macht Urlaub und fährt dazu von Berlin nach Osten: Erstmal ein paar Tage Warschau, jetzt ist er in Litauen. Wenn Sie mitfahren möchten: Hier beginnt seine Reise.
Für mich klingt das ausgesprochen attraktiv: Bahnfahren, das Teil des Urlaubs und der Eindrücke ist, eine spannende und exotische Urlaubsgegend – die vor allem nicht bereits durch Must-see- und Fotos auf allen Medien, social oder nicht, tot-stereotypisiert wurde. Vielleicht schaffe ich es in diesem Leben noch, auf diese Weise Bulgarien oder Georgien kennenzulernen. Wobei mir seit meiner Westerwald-Wanderung (sehr empfehlenswerter Fernwanderweg mit gepflegten, schön designten Routen) klar ist: Urlaub wirklich abseits von Tourismus-Hotspots bedeutet fehlende Tourismus-Infrastruktur; Bequem-Reisende wie ich müssen da jedesmal abwägen.

Erst kürzlich war ich ins Gespräch mit jemandem geraten, die tatsächlich Reisen so absolviert, wie ich es bis dahin nur aus Medienberichten kannte (und ehrlich gesagt nicht ganz von erwachsenen Menschen geglaubt hatte): Influencer-Destinationen, dort die Liste von instagram-Ansichten abhaken, indem man selbst diese Ansicht auf instagram postet. Ich find schön, dass sie sich damit wohl fühlt, aber… genau das führt zu Over-Tourism (“in den Urlaub fahren, um praktisch nichts erlebt zu haben”).

Journal Pfingstsonntag, 24. Mai 2026 – Der erste heiße Sommertag / Theaterwechsel

Montag, 25. Mai 2026

Weckerwecken, um genug Zeit für mein Tagesgrogramm zu haben, aufgestanden nach einer eher unruhigen Nacht mit teils hochspannenden Träumen (leider keine Erinnerung daran, nur ans interessierte und positive Gefühl dabei).

TOP 1: Bloggen – am Samstag hatte ich mich lediglich zu Bilder-Download und Stichpunkten aufgerafft, musste also schreiben, Bilder auswählen und bearbeiten, gegenlesen.

TOP 2: Pflanzengießen. Der zweite Feigen-Versuch auf dem Küchenbalkon nach Süden scheint zu klappen, aber brutaldirekte Sonne mögen wohl wirklich nur Kakteen so richtig.

TOP 3: Isarlauf, aus Vernunftgründen (und weil ich mich danach nicht vor Abfahrt zur Mittagesseneinladung hetzen wollte) nur 90 Minuten. Mit abschließendem Brotkauf fürs Abendessen.

PFINGSTrosen auf dem Alten Südfriedhof.

Nachwuchs-Robinie beim Tierpark Hellabrunn – genauso wenig duftend wie ihre Verwandtschaft, was ist los? Das Laufen war schön und angenehm, es täte meinem Körper so viel besser, könnte ich zwei- bis dreimal wöchentlich 80 bis 90 Minuten laufen statt einmal fast zwei Stunden. Und vor zehn war die Luft auch lediglich angenehm warm, noch nicht heiß.

TOP 4: Wasserwechsel für die Rosentagsrosen.

TOP 5: Fahrt mit Herrn Kaltmamsell nach Augsburg, der gekühlte Regionalzug war bereits angenehm. Die lieben Schwiegers luden uns in ein italienisches Restaurant am Rand von Haunstetten ein, ich aß auf der schattigen Terrasse gute Penne mit Spargel und Tomate. Den abschließenden Espresso gab’s bei Schwiegers, dazu Plauderei, das war schön.

Zurück in München fühlte sich die Hitze gerade noch erträglich an, die Aussicht auf weiter steigende Temperaturen allerdings bedrückend. Auf dem Heimweg kam uns in der Schillerstraße ein Mann mit Vogelkäfig entgegen (Kopf intonierte umgehend Zauberflöte), darin saß auf einer Sittich-Schaukel schaukelnd eine Kohlmeise, die einen fröhlichen Eindruck machte. Wir Großstädterinnen wundern uns ja eher selten.

In der Woche zuvor hatte ich gelesen, dass das Residenztheater sein Programm für die neue Spielzeit vorgestellt hatte – JETZT müsste doch endlich der Kauf eines Abos möglich sein (in den Monaten davor hatte ich mehrfach vergeblich danach gesucht). Und tatsächlich war es das. Also kündigte ich mein Kammerspiele-Abo, ab Spielzeit 2026/2027 bin ich Resi-Abonnentin. Ich nutzte den Wechsel gleich für einen Wechsel von Mittwoch auf Sonntag: Früherer Beginn der Vorstellungen, kein Arbeitstag davor, und an Sonntagabenden habe ich wirklich praktisch nie etwas vor. Aufregende Neuerungen nach 17 Jahren Kammerspiel-Abo! (Ich erinnerte mich, wie es zur Entscheidung für ein Mittwochs-Abo gekommen war: Damals machte ich noch viel Sport im Sportstudio, und an Mittwochfeierabenden gab es dort NIE etwas für mich Interessantes.)

Jetzt Gymnastik, Start eines 30-Tage-Programms von Adriene, diesmal wieder “Flow”. Nochmal stelle ich mir vor, dass ich ab und zu Pilates mit Gabi Fastner einschiebe – der ich jetzt endlich auch regelmäßig ein wenig Geld überweise, das fühlte sich anständig an.

Fürs Abendessen hatte ich mich verantwortlich gemacht: Ein Rest Meatballs aus der Gefriere ergab Meatball Sandwiches, dazu Asiasalat aus Ernteanteil. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zu langem Lesen, Louise Erdrich, The Sentence findet einen weiteren überraschenden Umgang mit dem Thema native Americans im weitesten Sinn und ist lustig. Wohlige Aussicht auf einen weiteren freien Tag.

Journal Samstag, 9. Mai 2026 – Genossener Frühsommermaiensamstag

Sonntag, 10. Mai 2026

Recht lang geschlafen, aufgewacht mit der Freude, dass jetzt aber wirklich Wochenende und frei war. (Außer Pflichtpläne wie Schwimmen, Einkaufen, Laufen, Bügeln, Kochen.)

Ich fühlte mich verkatert, nahm das aber hin, weil halt der Preis des freitäglichen Wochenend-Feierns. Bis mir einfiel, dass ich ja gar nicht gefeiert hatte, seit einer Woche gar keinen Alkohol getrunken.

Amüsement über Verpackungsbetrug: Der linke “VORRATSPACK” enthält drei Stück weniger als der rechte normale eines anderen Herstellers, das obere Drittel des linken ist schlicht leer.

Die angekündigte strahlende Sonne versteckte sich noch gründlich hinter Wolken, doch bis zu meinem Aufbruch zur Schwimmrunde war sie rausgekommen. Sensation des Morgens: Obwohl ich am Vorabend keine dritte Ibu des Tages genommen hatte, war ich nahezu schmerzfrei. Nicht mal der mehr als warme Morgenkaffee löste Zahn-Toberei aus. Und schon begann etwas in mir mir Vorwürfe wegen der Riesenwelle mit Arztterminen zu machen, die ich gestartet hatte. Bis die Schmerzen und die Berührungsempflindlichkeit des zuletzt hauptsächlich schmerzenden Zahns sich doch wieder meldeten, ich war paradoxerweise erleichtert: Doch nicht nur angestellt. Und warf eine Ibu ein.

Gründliches Sonnencremen mit Hilfe von Herrn Kaltmamsell, gemütliches Radeln zum Dantebad, noch war ich um Jacke und Halstuch froh. Ich hatte extra Zeit mitgebracht, denn: Die Münchner Bäder stellen ihr Kassensystem jetzt und in den nächsten Monaten um, das Dantebad gehört zu ersten beiden umgestellten (wohl der Grund der besonders frühen Schließung für den Umbau zum Sommerbetrieb). Die Kommunikationskampagne dazu hatte mich früh erreicht, ich hatte Details nachgelesen. Und tauschte gestern meine bisherige aufladbare Bäderkarte gegen die neue. Das funktionierte etwas manueller als erwartet: Im Kassenbereich des Dantebads nahm eine SWM-Angestellte an Extra-Tischchen meine alte Karte entgegen und füllte mit mir ein Papierformular für die Rücküberweisung des Guthabens auf mein Konto aus. Dann ging ich wie eine Neukundin an die Kasse und kaufte eine neue Bäderkarte, belastete sie mit 100 Euro. Dort bekam ich auch einen Tipp für die Bedienung des neuen Eingangs-Automaten: Jetzt hält man die Karte nicht nur davor, man muss den Eingangswunsch zusätzlich durch ein”Ja”-Tippen auf einem Bildschirm bestätigen.

Schwimmen war schön: Becken gerade nicht zu stark beschwommen, und in exakt diesen anderthalb Stunden schien die Sonne von wolkenlosem Himmel. Allerdings fühlte ich mich die ganze Zeit müde, erklärte mir das wieder reflexhaft mit dem freitäglichen Wochenend-Feiern – das es auch weiterhin gar nicht gegeben hatte. Auf der allerletzten Bahn meiner 3.000 Meter ein Wadenkrampf, der mir jede Lust auf eventuelle Zusatzmeter nahm.

Heimradeln unter herrlichstem blau-weißen Himmel mit Umweg über einen Bäcker Wimmer: Ich wollte dringend nach langer Pause mal wieder deren Kernige (Handsemmeln mit Karotten und Körnern). Nerviges Stop-and-Go-Radeln, gestern war wieder Tag der Roten Ampel.

Frühstück um zwei mit zügigem Esstempo, um nicht vor Ende all der Dinge, die ich zu essen plante, satt zu sein. Das klappte: Hausgemachtes Weißkraut-Kimchi, zwei Körnersemmeln mit Butter und Marmelade, letztes Kirsch-Tapioka mit Vanille-Dickmilch. Großartig, ich genoss alles davon sehr. Und hatte selige zehn Minuten danach, bis sich mein Bauch drückend empörte, dass das ja wohl zu viel gewesen sei.

Lesen und Häuslichkeiten (u.a. Umstellen auf Sommerbettzeug, wegen leichterer Winterbettdecke nicht mehr so dringlich wie früher), aber es zog mich nochmal raus ins herrliche Wetter. Ich nahm einen schwieriger zu bekommenen Posten auf unserer Einkaufsliste als Anlass, zur Schwanthalerhöhe zu spazieren, bekam das Gesuchte (großes Glas Dijon-Senf, bisherige Quellen führten nur kleine). Wenn ich schon mal zu Öffnungszeiten in der Gegend war, besuchte ich den Laden von Wir2liebenWein, um zwei Lieblinge nachzukaufen. Wie immer wurden mir Probierschlücke angeboten, und da es mir noch zu früh für Alkohol war, bestanden diese aus Beispielen des alkoholfreien Angebots an fermentierten Getränken. Sehr gut! Jetzt weiß ich, was ich bei der nächsten festlichen Gelegenheit als Alternativen zu Schaumwein und Wein anbieten werde.

Daheim setzte ich mich lesend auf den Balkon (genau richtige Temperatur, dass auch Sonnenschein sich angenehm anfühlte), turnte vor dem Abendessen eine wohltuende Einheit Pilates, immer wieder entzückt von Gabi Fastners Lob “fleißig!”.

Ich öffnete die nachmittags geholte Flasche Amphoren-Rosé Pittnauer Dogma: Der aktuelle Jahrgang mit neuem Etikett, aber immer noch ein Knaller. Dazu arabische Nüsschen.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch (er hatte mir nach Aufessen des Ernteanteils angeboten, ein Pasta-Gericht zu bestellen) Mafaldine mit Aubergine und Ricotta salata, ganz wunderbar. Nachtisch Erdbeeren und dann Schokolade. Insgesamt wieder zu viel.

Im Fernsehen ließen wir auf 3sat die aktuelle Mephisto-Inszenierung der Münchner Kammerspiele laufen, die ich in meinem Abo vor einem Jahr bereits gesehen hatte. In diesem Fall funktionierte das Filmen überhaupt nicht: Auf der Bühne spielt alles im Theater, auf der Bühne, hinter der Bühne – verfilmt wirkten die Schauplätze der Szenen statt dessen beliebig, die Inszenierungsidee war nicht erkennbar. Dadurch wirkte auch das meiste andere durcheinander und beliebig. Man könnte die (sehr guten) Konzepte hinter dieser Inszenierung schon auch filmisch umsetzen, aber halt mit ganz anderen, filmischen Mitteln.

Vor dem Zu-Bett-Gehen holte ich mir noch einen Schwung Fledermausflattern zwischen den Bäumen vor Herrn Kaltmamsells Fenster – SO NIEDLICH!

Journal Freitag, 8. Mai 2026 – Josef Hader bringt mich zum Nachdenken über Erzählhaltungen im Kabarett

Samstag, 9. Mai 2026

Schlaf nur wenig unruhig (bei jedem halben Aufwachen Schmerz- und Lage-Check) und nur wenig zu kurz, noch ein Glück (!) half Ibu auch in dieser Nacht gegen die Zahn-Sperenzchen.

Aufgestanden zu freundlichem Wetter, das sich beim Marsch in die Arbeit allerdings als knackig kalt herausstellte.

Bilderbuch-Biergarten am Bavariapark.

Morgens ein anstrengender Termin, aber auch morgens: schwächer werdender Schmerz! In Kombination mit Ende des Termins ein Enorphin-Schub.

Die Frühlingsluft zog mich mächtig raus: Mittagscappuccino im Westend.

Nach einigen verspäteten Tätigkeiten (Verspätung nicht von mir verursacht) gab’s zu Mittag Trockenpflaumen sowie Quark mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot.

Geregelt abzuarbeitender Nachmittag, pünktlicher Feierabend. Ich nahm U-Bahnen zum Candidplatz, um im Caffe Fausto unsere Espresso-Vorräte aufzufüllen, zurück am Sendlinger Tor ein paar Lebensmitteleinkäufe fürs Abendbrot.

Daheim empfingen mich Blütenpracht und -duft:

Herr Kaltmamsell hatte auch dieses Jahr geschafft, mir Flieder zu besorgen.

Abendessen gab es früher als sonst: Wir hatten Tickets für einen Kabarett-Abend mit Josef Hader in den Kammerspielen. Ich bereitete aus Ernteanteilsalat und -Radiserln (plus die schönsten Radiserl-Blätter) mit Orangensaft-Haselnussmus-Dressing Salat zu, Herr Kaltmamsell briet zugekauften grünen Spargel sowie Grillkäse – der, wie sich herausstellte, vielleicht grillbar, sicher aber nicht bratbar war und einfach wie anderer Käse zerlief. Trotzdem gutes Abendessen.

Die Kammerspiele waren gestern ausverkauft, ich hatte Mitte März nur noch wenig Auswahl gehabt und mich für die letzte Reihe entschieden. Im Theater Erinnerung an meinen allerersten Besuch der Kammerspiele: 1986 Dieter Dorns Inszenierung von Der zerbrochne Krug. Damals hatten wir die letzte Reihe gewählt, weil a) billig und b) man für bessere Sicht auf die Bühne aufstehen konnte, ohne jemandem die Sicht zu verstellen.

Um uns herum alte Leute, also wie wir: Herr Kaltmamsell und ich dürften exakt im Altersdurchschnitt dieses typischen Kabarettpublikums gelegen haben. Und sahen Hader on Ice.

Ein gutes Programm mit über die beiden Stunden immer größerem körperlichen Einsatz – und es brachte mich dazu, über die verschiedenen Formen von Ein-Personen-Kabarett nachzudenken, also über das kabarettistische Ich. Hier ein erster Versuch der Einteilung in drei kabarettistische Erzählhaltungen:

1. Kabarettist*in trägt pointierte Texte vor, in denen es vor allem auf Analyse und Sprache ankommt, Bühnen-Ich und Person sind offensichtlich identisch. Beispiele: Dieter Hildebrandt und seine Generation politischer Kabarettist*innen, Hanns Dieter Hüsch, Sarah Bosetti.

2. Schauspiel mit offensichtlichem Schlüpfen in andere Figuren, oft inklusive Kostümierung, die Figuren werden damit karikiert, entblößt, der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Beispiele, die mir einfallen, überschneiden sich mit Comedy: Luise Kinseher, Waltraud und Mariechen, Monika Gruber (glauben Sie es oder nicht: die war mal gut), Misfits.

3. Haders Technik wiederum wird gerne mit “dem Publikum den Spiegel vorhalten” umschrieben: Das machte Gerhard Polt in seinen langen besten Zeiten, Helmut Qualtinger auf die bösartigste und meisterlichste Weise immer. Hader erzählt so vor sich hin, witzelt oder schimpft über Umstände, verlockt das Publikum immer wieder dazu, sich mit dieser Persona zu identifizieren – bis es dann vielleicht doch die eine oder andere eskalierende Übertreibung nicht mehr mitgeht. Aber Schimpfen auf entlegene Gegenden, die romantisiert werden, aber in Wirklichkeit dann doch gruslig sind? Geht immer.

Nur manchmal ist das kabarettierende Ich offensichtlich weit entfernt von Josef Hader, zum Beispiel als Verschwörungs-Mystiker oder wenn er das Zerbrechen seiner letzten Ehe mit einer sehr jungen Frau berichtet und die Beziehungs-Interaktion über zwei bis drei Generationen darlegt. Dabei wechselt Hader nicht mal den Habitus: Er stellt sich zur Verfügung für diese Geschichte, die man ihm – wüsste man nicht, wer er ist – bei einer flüchtigen Bekanntschaft als seine abnehmen würde.

Draufgebracht hat mich ein kurzer Abschnitt im Programm, in dem er sich über Facebook-Gruppen lustig machte, inklusive Lästern, wie zu viel Zeit die Leute dort ja wohl haben müssen: Der irritierte mich als 15 Jahre veraltet und offene Türen einrennend – außer Hader äffte damit eine bestimmte seit vielen Jahren immer nur wiederholte und nachgeplapperte Haltung zu Online-Plattformen nach.

Und er hatte sowohl Bühne als auch Publikum im Griff, auch wenn Hader immer stärkere Alkoholisierung und Kontrollverlust spielte. Der Abschlussapplaus toste – aber nur genau so lang, wie Hader es zuließ, bevor er uns alle nach Hause schickte.

Herr Kaltmamsell und ich waren von Arbeitswoche und überhaupt völlig erledigt; während ich mir in der Pause noch Nachtischschokolade beim Heimkommen wünschte, war ich dann tatsächlich daheim um elf nur noch froh, ins Bett zu kommen.

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Entzückende 20 Minuten Sally Fields:

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https://youtu.be/GwSnqkV7eY0?si=gdsYuFHruPV1a6-3

via @joel.lu

Fields stellt sich als jemand heraus, mit der ich mich sehr gern einen Abend lang unterhalten würde (zum Beispiel über Teilchenphysik) – das geht mir bei den allerwenigsten Hollywood-Schauspielerinnen so. Unter anderem wegen ihrer sehr klugen Reflexionen darüber, was öffentlicher Ruhm und stardom bewirken, auch über ihr Schauspielen.

Schade, dass sie nicht über Not Without My Daughter spricht – der mein Bild von ihr lange Zeit und fälschlich dominierte. Und nicht über ihre Rolle in Emergency Room, die mir zeigte, was sie drauf hat. Kann ich sie ja bei unserem gemeinsamen Abend fragen.