Wandern

Journal Sonntag, 30. MaiApril 2023 – Wandern mit Besuch am Loisach-Isar-Tal

Montag, 1. Mai 2023

Lang ausgeschlafen, und das auch noch gut – sehr schön.

Gemütlicher Vormittag vor hellgrauer Draußenkulisse mit Wäschewaschen, einer Runde Yoga-Gymnastik.

Ich buchte unsere Ferienwohnung in Brighton – doch für länger als ursprünglich geplant, weil wir den Cotswolds Way in weniger Tagen als ursprünglich geplant gehen werden: Die Unterkünfte entlang des Wegs sind für Ende Juni / Anfang Juli gerne mal schon vergeben. Dennoch fürchte ich keineswegs Menschenmassen auf den Wegen: In manchen Orten am Weg gibt es, wie wir vor sieben Jahren gesehen hatten, halt nur zwei B&Bs.

Fertigmachen fürs Wandern: Wir waren mit zwei München-Besuchern aus Hamburg und Berlin verabredet, die unseren Vorschlag der Runde Icking-Wolfratshausen über Isartal angenommen hatten.

Treffpunkt war das Abfahrtsgleis der S7 unterm Stachus. Ich hatte Frühstück am Bäckerstand Rischart besorgen wollen, doch der war geschlossen – schnelles Ausweichen in den Starbucks, denn irgendwas würde ich unterwegs essen müssen.

Herzliche Begrüßung, den Besuch aus Berlin hatte ich seit vier Jahren nicht gesehen, seinen Mann aus Hamburg seit einem Jahr.

In Icking empfing uns wunderbares Wanderwetter, das die ganze Runde über hielt: Kühl, ohne kalt zu sein, regenfrei und hin und wieder sogar mit Ahnungen von Sonne.

In Schlederloh versteht man was von Diskretion.

Ich genoss es, mit zwei anderen erfahrenen Wanderern unterwegs zu sein: Die beiden kannten andere Pflanzen als ich (sogar treffsicher Waldmeister, bei dem ich mir nie sicher bin, zudem probierte ich auf ihren Hinweis erstmals Blättchen der Knoblauchrauke), erzählten von ganz anderen Gegenden.

Blick aufs Loisach-Isartal, wie erwartet mit recht hohem Wasserstand.

Dorfen mit einer seltenen Sehenswürdigkeit: Öffentlichem Nahverkehr.

Der gewohnte Abstieg nach Wolfratshausen wurde etwas anstrengend: Ein Hohlweg und ein Brückerl über eine anschließende kleine Schlucht waren wegen zahlreicher umgestürzter Bäume eigentlich unpassierbar. Wir entschieden uns für Klettern über die Stämme, denn der Abschnitt war nur kurz und die Alternative wäre ein großer Umweg gewesen.

An der Loisach in Wolfratshausen machten wir auf einer Bank Pause, ich frühstückte eine Zimtschnecke, auch Herr Kaltmamsell hatte etwas dabei.

Flößer und Floßruder.

Zurück über und dann an der Loisach zum Ickinger Wehr war der Weg hin und wieder recht matschig, aber immer noch gut zu gehen.

Wir kamen an den S-Bahnhof Icking pünktlich zur Einfahrt des Zugs zurück nach München, waren etwa dreieinhalb Stunden unterwegs gewesen.

In München hatte der Besuch ein Lokal zum Einkehren ausgesucht, das Craft Beer servierte – ein weiteres Interessensgebiet der beiden. Wir nahmen vom Heimeranplatz einen Bus ins Schlachthofviertel und setzten uns vors True Brew. Dort gab es sehr interessante Biere, ich genoss auf Empfehlung mein Pale Ale Coastline (ich hatte um etwas Hopfiges, Herbes gebeten). Dazu mehr herzliche Gespräche – und die Aussicht darauf, dass die beiden öfter mal nach München kommen würden, unter anderem zum Wandern.

Zurück daheim bereitete Herr Kaltmamsell das Nachtmahl zu: Der Ernteanteil hatte Emmernudeln von einem befreundeten Betrieb enthalten, die Gelben Bete daraus hatte ich morgens bereits gekocht, zusammen mit Feta wurde daraus ein sehr gutes Nudelgericht. Nachtisch Schokolade.

Und ich stellte fest, dass ich schon wieder die Zusammenstellung der Lieblingstweets und -tröts zum Monatsende vergessen hatte. Diesmal hole ich’s halt am Ersten des Folgemonats nach.

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Machen Sie sich lieber keine Hoffnungen auf einen milden Start in den Mai. In Spektrum erklärt Lars Fischer mit einem “dramatischen atmosphärischen Ereignis im Februar”
“Warum es erst einmal kühl bleibt”.

Journal Samstag, 29. April 2023 – Energisches Aprilwetter beim Wandern um die Loisach-Kochelsee-Moore

Sonntag, 30. April 2023

Nicht gut und zu wenig geschlafen, schon um sechs aufgewacht – dabei hatte ich doch gar nicht so viel Alkohol getrunken. Wie vorhergesagt hatte der Regen aufgehört.

Wäsche aus der für morgens programmierten Waschmaschine aufgehängt, nach Bloggen und Morgenkaffee war Zeit für Aufbruch: Ich plante mit Herrn Kaltmamsell eine Rundwanderung von Benediktbeuern über Kochel am See – hatten wir vor vier Jahren schon mal gemacht, da glaubte ich noch dem Orthopäden, meine Hüftbeschwerden kämen von den LWS-Bandscheiben.

Die Anfahrt war ein wenig anstrengend, weil wir in Tutzing in Schienenersatzverkehr umsteigen mussten. Herr Kaltmamsell kam unterwegs auf die Idee, dass wir doch eigentlich Kochel zum Start- und Endpunkt der Wanderung machen könnten, zumal der Stichweg-Abschnitt von und nach Benediktbeuern eh langweilig war. Außerdem versprach die Gastronomie für abschließendes Einkehren in Kochel mehr.

Die fast einstündige Fahrt von Tutzing nach Kochel mit dem Bus über Land und durch die Orte war interessant. Unter anderem überraschte mich Penzberg als reizvoller, lebendiger Ort mit offensichtlich Geschichte (Bergbau), Läden, Gastronomie, umfassender Infrastruktur, wir fuhren auch an der berühmten Moschee vorbei. Mögen Bahnschienen durch schönere Landschaft führen als Straßen – von Orten außer Großstädten bekommt man auf Zugreisen halt nichts mit.

In Kochel setzten wir uns erst mal ins neue Café im Schusterhaus (Karte mit Bowls und Veganem) auf einen Cappuccino (gut!), Stärkung fürs Wandern, gingen dann den Rundweg gegen den Uhrzeigersinn, also erst mal nach Osten hinauf ein wenig auf den Berg.

Wir bekamen schöne Aussichten, glucksende Bächlein, blühende Bäume und Wiesen (viel Gelb von Löwenzahn und Sumpfdotterblumen sowie Schlüsselblumen), an Fauna Milane und Bussarde am Himmel, über den Wiesen und an den Häusern Schwalben, in Gewässernähe reichlich Bachstelzen. Auf dem Boden sah ich eine große graue Eidechse verschwinden, auf den Weiden, die wir kreuzten, standen Kühe, wir passierten wie schon vor vier Jahren auch diese seltsamen gefleckten Schafe mit Schlappohren.

Das Wetter hielt nur zweieinhalb Stunden, lieferte dabei sogar immer wieder Sonnenschein. Gerade als wir nach einer Bank für eine Brotzeitpause suchten, zog übers Gewerbegebiet Benediktbeuern eine böse schwarze Wolke, die nicht nur Regen, sondern auch zwei kurze Hagelschauer brachte.

Da ich jetzt um halb drei aber sehr hungrig war, stellten wir uns zum Brotzeiten in den Windschatten einer Scheune, ich frühstückte Apfel und Nussschnecke. Eine Bank zum Ausruhen fanden wir dann nach Regenende an der Loisach.

In Kochel.

Über Kochel.

Eine Rinder-Situation, zum Glück ohne Kälber. In unserer Partnerschaft bin ich ja ich dafür zuständig, meinen Mann vor großen Tieren zu beschützen, zum Beispiel vor Kühen auf dem Wanderweg. Wir gingen also langsam und ruhig an den Rindern vorbei, freundlich grüßend, ließen uns anstarren.

Blick auf Benediktbeuern.

Übers Kochel-Loisacher Moor.

An der Loisach, die sehr hoch stand – und die wir am Sonntag an anderer Stelle wiedersehen werden, wenn wir mit Besuch zwischen Icking und Wolfratshausen gehen.

Am Ende unserer Wanderung von gut 15 Kilometern in viereinhalb Stunden waren wir noch nicht wieder hungrig genug fürs Einkehren in Kochel. Jetzt regnete es ausdauernd und heftig; wir setzten uns an den Bahnhof und verbrachten die 40 Minuten bis zum nächsten Bus mit Lesen.

Zurück in München holten wir uns auf dem Heimweg Abendessen beim Servus Habibi. Hier hatte es offensichtlich nicht geregnet, nicht nur das Lokal selbst, sondern auch die Außentische an Schwanthaler- und Schillerstraße waren voll besetzt.

Ausruhen über köstlichem Essen, wir hatten beide den Eindruck, dass es seit unserem letzten Take-away von Servus Habibi noch ausgefeilert und besser geworden war (Zhug dabei, ungewöhnliches sauer eingelegtes Gemüse, auf dem Labneh auch getrocknete eingelegte Tomaten).

Überraschung des Abends: Herr Kaltmamsell sah die ersten Mauersegler am Himmel, rief mich sofort auf den Balkon, um seine Sichtung zu verifizieren.

§

“Wie Bankenkrisen entstehen, einfach erklärt”.

Der Artikel hält, was die Überschrift verspricht: Nicht nur habe ich die Erklärung verstanden, ich habe sie sogar gern gelesen.

Journal Montag, 3. Oktober 2022 – San Sebastián 19: Flysch-Wanderung von Deba nach Zumaia

Dienstag, 4. Oktober 2022

Unruhige Nacht mit albigen Träumen von der Arbeit – was ich ihr wirklich übelnehme.

Gestern gingen wir auf die dritte Wanderung unseres Baskenland-Urlaubs, und zwar durch den Geopark der baskischen Küste. Unser Rother-Wanderführer Baskenland nennt sie “Entlang der Flyschküste von Deba nach Zumaia”.

Ich bitte Sie, “Flysch” liest sich nun wirklich wie ein selbsterfundenes Wort – gibt’s aber echt ehrlich als Gesteinsformation: Der Wikipedia-Eintrag dazu hilft allerdings wie die meisten Geologie-Einträge bei Wikipedia Laien wie mir nicht viel weiter, weil ich über die Hälfte der Begriffe in der Definition “bezeichnet in der Geologie eine marine sedimentäre Fazies, die meistens durch eine Wechselfolge von Tonsteinen und grobkörnigeren Gesteinen (typischerweise Sandsteine) repräsentiert ist” ebenfalls nachschlagen muss. Vielleicht dann doch selbsterfunden.

Egal, wir nahmen vormittags bei mittelsonnigem Wetter einen Euskotren nach Deba, sahen bereits während der 50-minütigen Fahrt interessante Landschaft (grüne Hügel und Wald, Gemüsegärten, Reiher, Möwen, dazwischen reichlich Industrie und Wohnblocks – Baskenland halt). In Deba setzten wir uns noch in einen Bar auf dem Dorfplatz (reger Betrieb) auf einen café con leche, dann ging’s gleich mal supersteil hoch.

Diese Flysch-Geschichte sorgte dafür, dass wir auf den 19 folgenden Kilometern und fünf Stunden nach Zumaia ausgesprochen ungewöhnliche Küstenanblicke zu sehen bekamen, gleichzeitig abwechslungsreiche Wege, viel Auf und Ab (meine App zählte am Ende 150 Stockwerke). Allerdings auch viele weitere Wander*innen: Der größte Teil der Tour war auch Jakobsweg, und an einigen Stellen grenzte sie an Auto-Parkplätze, die zusätzliches Publikum beitrugen. Oft mussten wir Platz machen, denn so manche*r Wander*in schien mit schmalen, sehr steilen Streckenabschnitten an den Rand der Überforderung zu geraten, selbst mit Wanderstöcken, da wollten wir nicht auch noch für Stress sorgen.

Side Show Tierwelt: Kühe, Schafe, Ziegen, Hunde, viele Eidechsen, eine Blindschleiche, viele Rotkehlchen, dazu Grasmücken, Spatzen, Amseln, Krähen, Falken, Rotkehlchen-kleine Vögelchen mit hellgelber Unterseite (?).

Das Wetter war eigentlich sehr schön, doch es lag wieder dieser Dunst über der Küste, der manche Sicht bereits auf 50 Meter trübte. Petitessen, ich kann die Wanderung wirklich empfehlen (allgemeine Fitness und Wanderstiefel vorausgesetzt).

Steiler als Treppen neben der Pelotas-Halle von Deba hoch (wieso ist es eigentlich so schwer, die Steilheit von Wegen fotografisch einzufangen?).

Auch sehr steil, nur halt runter – echt ehrlich:

Alte Wandernweisheit:

Steigste rauf,

kannste runtergucken.

Bild: Herr Kaltmamsell.

Da unten wurde gesurft:

(Eine Sorte Wanderer, die einer im Chiemgau nicht begegnet.)

Flyschige Wege:

Brotzeit um drei:

Äpfel und Gebäck, das wir in einer Pastelería am Bahnof Amara in San Sebastián gekauft hatten. Meine Rosinenschnecke war aus buttrigem Blätterteig und sehr gut.

Bahnhof unseres Zielorts Zumaia:

Wir erwischten wieder gerade pünktlich einen Zug zurück nach San Sebastián, sahen diesmal aus dem Fenster viele Reiher und Kormorane.

Nachtmahl bereiteten wir uns selbst zu: Es gab callos a la madrileña (aus der Dose, im Supermarkt gekauft) mit restlichem Brot, dazu die restlichen Markttomaten mit Zwiebel. Ich wünschte, ich könnte diese wunderbaren Zwiebeln auf Vorrat nach München mitnehmen – den baskischen Piment d’espelette bekomme ich daheim sehr einfach, nicht aber die spanischen süßen und aromatischen Zwiebeln. Und nein: Was in Bayern als Metzgerzwiebeln angeboten wird, ist nicht dasselbe. Nachtisch war restlicher Käsekuchen, außerdem viel Schokolade.

Beim Wandern viel an @journelle gedacht, am Wochenende hatte die Trauerfeier für sie stattgefunden – und wäre ich nicht auf Reisen, hätte ich sicher auch den Weg nach Hamburg genommen.

Journal Dienstag, 27. September 2022 – San Sebastián 12: Ein Stückerl Camino

Mittwoch, 28. September 2022

Eine etwas unruhige Nacht mit unangenehmen Träumen, macht bei all dem guten Schlaf nichts aus.

Wir planten eine weitere Wanderung, auch wenn für den Tag wechselhaftes Wetter angekündigt war: Das bedeutete für gestern wenigstens regenfreie Abschnitte, Mittwoch und vor allem Donnerstag war durchgehender heftiger Regen vorhergesagt.

Den verregneten Vormittag verbrachte ich mit Morgenkaffee, Wäschewaschen, Bloggen, einer Runde Yoga, einem café con leche im vertrauten Bar, Brotzeit- und Desserteinkäufen in der kleinen Eck-Panadería/Pastelería.

Wir vertrauten dem Regenradar und brachen mittags in Wanderausrüstung auf: Wir wollten das Stück Camino Santiago ab San Sebastián westwärts wandern.

Auf der ersten halben Stunde entlang der Concha wurden wir noch angeregnet, dann erst wieder Stunden später auf der zweiten Hälfte der Strecke – völlig ok.

Beginn unseres Stücks Camino de Santiago am Fuß des Monte Igueldo. Mir fiel ein, dass mein Vater vor 20 Jahren hier gegangen sein musste, als er kurz nach seiner Pensionierung mit zwei Freunden den Jakobsweg ab der französischen Seite der Pyrenäen bis Santiago de Compostela gewandert war – er erzählt bis heute von seinen Erlebnissen, und ich höre sie immer wieder gerne.

Die Wanderung war gut zu machen und bereitete Vergnügen; für knapp 19 Kilometer brauchten wir mit einer Brotzeitpause fünf Stunden. Wir bekamen einiges an Tieren geboten: Im heftigen Wind an der Küste Greifvögel zwischen den Möwen, einen riesigen mit hellbrauner Oberseite sahen wir direkt vor uns aus einer Wiese starten (sicher kein Milan – vielleicht sogar ein Adler?), Falken, Schwalben, Krähen, Spatzen, Grasmücke, Kühe, Pferde, Schafe. Zudem sahen wir besonders viele Obstbäume mit Früchten: Ich weiß jetzt, wie Kaki- und Kiwibaum aussehen, dazu kamen vertraute Apfel-, Esskastanien-, Pfirsichbäume, auch einen Weingarten passierten wir. Was es in dem schlechten Wetter nicht gab: Weite Aussichten in die Berge, da alles von Wolken und Regen verschleiert war. Dann wiederum: Kaum andere Wanderer, wir begegneten genau zwei (der Ausrüstung nach echte Jakobsweg-Pilger*innen).

Meine Zufriedenheit mit der neuen Wanderhose ist mittlerweile leider getrübt: Die Einstecktaschen fürs Smartphone sind seitlich so weit unten angebracht, das sich das Gerät zu weit runterleiert – und beim Gehen außen unangenehm ans Knie dotzt. Ich hielt mein Smartphone deshalb die meiste Zeit lieber in der Hand.

Blick zurück auf den Monte Igueldo.

Kiwis am Baum.

Kühe auf Weide und Herr Kaltmamsell pointing at things.

Meine Brotzeit um halb drei nach einem köstlichen Apfel vom Samstagsmarkt: ein lazo, Blätterteiggebäck mit ordentlich Aprikosenmarmelade drauf.

Bankerl hat man ja leider nicht am Camino, wir waren froh um zwei trockene Steine, auf die wir uns setzen konnten.

Wir kamen an Unmengen Esskastanien vorbei – die mich in dieser Dichte auf dem Weg an Tribbles erinnerten (und die sehr spitze Stacheln haben, wie ich beim Versuch merkte, eine in die Hand zu nehmen).

Lange Abschnitte des Wegs waren sehr matschig, definitiv keine Tour für Turnschuhe.

Laut unserem Wanderführer eine Straße aus dem Mittelalter.

In unserem Zielort Orio kamen wir auf den Punkt genau zur Abfahrt des Regionalzugs zurück nach San Sebastián an. (Sonst hätten wir halt eine halbe Stunde warten müssen.)

Auf dem Heimweg zu unserer Ferienwohnung hielt ich an der Casa del café an, um Vorräte für hier aufzufüllen und mich auch gleich für daheim einzudecken, nämlich mit dem für Spanien typischen torrefacto, was hier mit Zucker gerösteter Kaffee ist. Ich bekam bei der Gelegenheit den Tipp, ihn nicht allein zu mahlen, da der Zucker die Mühle verkleben könne.

Fürs Abendessen steuerten wir eine empfohlene Bodega an – die aus allen Nähten vor Touristen platzte, keine Aussicht auf einen Sitzplatz oder überhaupt geruhsames Essen. Statt dessen gingen wir in das Lokal, in dem wir unseren Morgenkaffee trinken, und bekamen zu einem Glas Txakoli anständige Raciones Ensaladilla rusa, Calamares fritos und richtig gute Albóndigas (über die Kartoffeln sehen wir mal hinweg).

In der Ferienwohnung wartete als Dessert eine weitere tarta de queso auf uns, diese aus der Panadería/Pastelería vom Morgen: eine interessante Kombination von Sahnigkeit und leicht. Favorit ist weiterhin die Version vom Markt.

Journal Montag, 19. September 2022 – San Sebastián 4: Wandern auf den Biozkorna-Pass

Dienstag, 20. September 2022

Zu unseren Plänen für den Baskenland-Urlaub gehörte unbedingt Wandern, wir hatte die Ausrüstung dabei. Außerdem hatte ich den Rother-Wanderführer Baskenland durchgearbeitet nach Touren, die man mit Öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann, vier davon ausgesucht und Herrn Kaltmamsell am Sonntag vorgestellt. Er entschied sich als erste für die anspruchsvollste Tour mit 750 Höhenmetern: Eine Rundwanderung über den Pass von Biozkorna, Start am Bahnhof von Brinkola.

Ich war extra früh aufgestanden, um den Blogpost über den Sonntag fertigzustellen, hatte aber unterschätzt, wie voll der Tag gewesen war, und geriet dennoch in Eile. An den Bahnhof kamen wir auch so früh genug, um unterwegs und dort noch Brotzeit zu besorgen (Äpfel, Empanada de atún) – und nach vergeblichen Versuchen, mit dem QR-Code der vortags per App gekauften Tickets auf meinem Handy-Bildschirm zu den Gleisen zu gelangen, das Personal um Hilfe zu bitten. Stellte sich heraus, dass der QR-Code lediglich dazu dient, am Fahrkarten-Automaten Tickets aus Papier ausgeben zu lassen: Sie erst haben den Magnetstreifen, der die Türen zu den Gleisen freigibt (Personal sehr nett).

Foto: Herr Kaltmamsell.

Mit neuer Wanderhose, die überm Po zwei Gummischlaufen für das Verräumen der Wanderjacke hat: Erwiesen sich tatsächlich als sehr praktisch, die Jacke benötigte ich nämlich letztendlich nicht.

Der Pendlerzug brauchte für die 44 Kilometer nach Brinkola regulär 75 Minuten, weil er unterwegs sehr, sehr oft hielt – aber wir sind ja im Urlaub und guckten viel aus dem Fenster. (Maskendisziplin im Zug bei fast 100 Prozent, auf der Rückfahrt stiegen auch mal zwei Seguridad-Herren zu und kontrollierten).

An der Endstation Brinkola waren wir mit einer weiteren die letzten Fahrgäste. Der Bahnhof besteht aus lediglich einem Durchgang und verfügt nicht mal über einen Fahrkartenautomaten. So einsam sollte es über die ganze Wanderung bleiben: Wir begegneten nur am Anfang einmal weiteren Wanderern, außerdem dreimal Geländeradlern – das war’s, herrlich. Und das Wetter tat uns mit Sonne und lediglich milder Wärme den Gefallen, ideal zu sein.

Die Wanderung selbst erwies sich als wunderschön. Der Aufstieg bot die angekündigten atemberaubenden Aussichten, je höher, desto weiter. Wir sahen Tiere, verschiedene Landschaften von Wiesen über Mischwald bis Nadelwald, dann Gebirgiges, glucksende Bachläufe, alte Häuser. Apropos Tiere: In der Wegbeschreibung war mehrfach von Almen die Rede, wir hörten auch schon bald Kuhglocken. Doch die zugehörigen Tiere erwiesen sich als kleine Pferde, die wir überall in den Wäldern und bis ganz oben auf dem Pass von Biozkorna antrafen. Geboten bekamen wir zudem neben Schafen auch Eidechsen, in der Luft auf den Thermiken Greifvögel, darunter ziemlich sicher auch Geier.

Der Aufstieg war hervorragend markiert. Wir brauchten die Beschreibung aus dem Rother-Wanderbüchl nur, um Sehenswertes nicht zu verpassen (wobei die Reihenfolge auch mal von der tatsächlichen abwich). Doch auf den ersten anderthalb Stunden des Abstiegs wären wir ohne die GPS-Daten, die der Rother-Verlag zum Download bereitstellt, aufgeschmissen gewesen: Es gab keinerlei Markierungen, die Beschreibung war mehr als vage, und alle paar Minuten verzweigte der Weg und erforderte eine Entscheidung. (Aufgabenteilung: Wanderbüchl ich, GPS-Track Herr Kaltmamsell.)

Brinkola.

Der kleine Stausee Barrendiola, den man von oben gut sieht.

Von Weitem sagte ich noch: “Schau mal, ein Gerippe. Mal sehen, von welchem Tier es ist.” Und hielt das für einen Scherz, da ich irgendein Maschinenteil erwartete. Beim Näherkommen stellte sich heraus: Tatsächlich ein Gerippe, und zwar von einem Rind. Einen Tierkadaver von dieser Größe mitten auf dem markierten Wanderweg mitten im Wald hatte ich wirklich nicht erwartet. Er roch auch deutlich.

Die Kuhglockenträger.

Pause machten wir nach zweieinhalb Stunden Wanderung, nämlich auf dem höchsten Punkt, dem Pass. (Was unaufmerksam von mir war, mein Mitwanderer wäre eigentlich bei diesem teilweise recht steilen Aufstieg schon vorher pausenbedürftig gewesen. Was ich erst am Sinken seiner Laune merkte.)

Im Windschutz eines Felsens gab es Apfel und Empanada, beides sehr wohlschmeckend.

Übrigens hier ein Tipp: Wenn Sie auf einem hohen baskischen Berg niedrig wachsende Minze sehen: Nicht die Blättchen herzhaft zwischen den Fingern zerreiben, sind Brennnesseln. #fürSiegetestet

Kurz vor Brinkola kamen wir durch eine kleine Siedlung mit restaurierten und beschilderten Häusern: Eine ehemalige Schmiede.

Am Bahnhof Brinkola mussten wir 40 Minuten auf den nächsten Zug zurück warten, doch wir waren beide erschöpft genug, dass Sitzen schon mal gut tat: In knapp sechs Stunden waren wir 17 bergige Kilometer gewandert, mit einer ausführlichen Pause.

Als Nachtmahl entschieden wir uns für Ferienwohnungsessen. In San Sebastián kauften wir im Supermarkt des Mercado San Martín ein, und so gab es dann baskischen Käse, Tomatensalat (nachgereift vom samstäglichen Markteinkauf) mit Zwiebel (so gut!), Maisbrot (leider enttäuschend), Rotwein extremeño vorm Fernseher.

Nachtisch: Restliche Geburtstagstorte, Schokolade.

Fernsehen war sehr interessant. Zum Beispiel weil der Schwerpunkt der Nachrichten gestern der Jahrestag des Vulkanausbruchs auf La Palma war. Hauptproblem sind demnach die giftigen Gase, die immer noch verhindern, dass viele in ihre Häuser zurückkehren können – und die befragte Vulkanologin erklärte, dass es für diesen Fall einfach noch keine Erfahrungswerte gibt, die Prognosen ermöglichen würden. Zweitwichtigste Meldung: Die spanische Basketball-Männermannschaft hat die Europameisterschaft gewonnen. Berichterstattung über die gestrige Bestattung von Queen Isabel II gab es schon auch, Hauptaugenmerk allerdings darauf, dass der amtierende spanische König Felipe VI direkt neben dem emeritierten Juan Carlos saß, sie wohl ein erstes Mal nach über zwei Jahren zusammen zu sehen waren, dass also das britische Protokoll eingehalten wurde.

Journal Sonntag, 28. August 2022 – Wandern von Herrsching nach Tutzing, vom Regen in die Sonne

Montag, 29. August 2022

Unruhige Nacht, aber nach den vielen guten steckte ich die problemlos weg.

Draußen regnete es. Wir hatten eine Wanderung geplant und waren uns einig, dass die auch bei Regen sehr gut funktionierte: mal wieder vom Ammersee zum Starnberger See. Angekündigt war eh nur leichter Regen, wir besitzen beide eine superduper Wanderjacke, kalt war es auch nicht, also los.

Die Anfahrt nach Herrsching war wegen Stammstreckensperrung (wie an praktisch jedem Wochenende wegen Bauarbeiten – irgendwann müssen sie halt gemacht werden) ein bisschen kompliziert: Eine knallvolle Regionalbahn brachte uns nach Pasing, von dort ging die nur locker besetzte S-Bahn nach Herrsching – dauerte insgesamt halt 20 Minuten länger.

Wie erwartet regnete es in Herrsching leicht. Erst mal sprühte ich mich sehr, sehr gründlich mit Anti-Mückenmittel ein: Auf dieser Wanderung in Gegenrichtung war ich im Jahr zuvor so fürchterlich zerstochen worden wie noch nie im Leben. Auf dem Weg zum See holten wir uns in der Bäckerei Kasprowicz Brotzeit – an den beiden Bäckereien im Münchner Hauptbahnhof (nur zwei wegen Bahnhofumbau, das wird noch Jahre so bleiben) hatten mehr als zehn Meter lange Schlangen gestanden.

Nach dem ersten Stück entlang dem Ammersee ging es links hoch in den Erlinger Forst. Regen mal etwas mehr, mal etwas weniger – nie störend. Schon jetzt zeigte sich der Nebeneffekt des Wetters: Keine Radler*innen, vor allem keine E-Bikes. Auf der gesamten Wanderung mussten wir nur zweimal den Weg mit entgegenkommenden Radwander-Gruppen teilen.

Dafür sahen und hörten wir besonders viele Vögel. Möglicherweise sah ich meine erste Goldammer: ein brauner Vogel mit quietschgelbem Kopf verschwand neben mir im Gebüsch. Außerdem: Ein startender Bussard, zwei rufende im Flug am Himmel, Eichelhäher, Schwalben, Kühe, Damwild, aber auch zweimal wilde Rehe am Waldrand, auf dem Weg Schnecken, darunter mehrfach leuchtend orange Nacktschnecken, die ich fire slugs taufte. Flora: Mit sinkendem Herzen sah ich die ersten Herbstzeitlosen, mit Vergnügen naschte ich Brombeeren, auffallenderweise sahen wir nahezu keine Pilze – es war bislang zu trocken dafür.

Zum Kloster Andechs wanderten wir nicht hoch – wir kennen es ja schon und hatten weder so früh Lust auf Rast, noch würde sich im Regen die Aussicht lohnen. Statt dessen drehten wir eine ausführliche Runde durchs schöne Erling am Fuß des Klosterbergs.

Weiter über die baumarmen Weiten Richtung Machtlfing. Ich genoss das Gehen sehr – aus irgendeinem Grund gingen wir ausgesprochen flott, ich musste uns immer wieder bremsen, schließlich wollten wir ja nicht komplett erschöpft in Tutzing ankommen.

Hier machten wir nach zweieinhalb Stunden Brotzeit. Ich aß Äpfel und eine ganz hervorragende Mohnschnecke. Der Regen war versiegt, ab jetzt wurde es immer heller.

Durch den Kerschlacher Forst nach Gut Kerschlach.

Hier war die sonst komplett zugeparkte Stange rechts Radl-frei. Wir hatten gerade erst Brotzeit gemacht, deshalb auch hier kein Stopp.

Jetzt kam sogar die Sonne heraus. Ein schwieriger Abschnitt war bei jeder unsere Wanderungen zwischen den Seen das Passieren der Deixelfurter Seen. Diesmal fand Herr Kaltmamsell eine sehr schöne Route – nur für das Kreuzen einer Siedlung brauchen wir noch eine Alternative: Beim Verlassen sahen wir an Schildern, dass die Leute, die dort wohnen, das eigentlich nicht möchten.

Wegen dieser abschließenden Aussicht hatte ich diesmal die Richtung Starnberger See gewählt.

Am Tutzinger Bahnhof mussten wir nur kurz auf einen Zug warten.

Auch diese Regionalbahn war sehr voll, aber wir standen mit bequem Platz um uns rum. In gut fünfeinhalb Stunden waren mit mit einer Pause etwa 21 Kilometer gewandert.

Daheim gab’s zum Nachtmahl Reste vom Vorabend (ein wenig Ochsenbackerl mit reichlich Colcannon, Tomaten-Pfirsich-Salat, Flan mit Himbeersauce) sowie Schokolade.

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Seit ich als Teenager dieses ikonische Foto von ihr sah, von der Schönheit gefangen wurde und nicht fassen konnte, dass das eine junge Frau in den 1920er war, faszinierte mich der Stummfilm-Star Louise Brooks. Der New Yorker hat derzeit ein sehr, sehr langes Portrait dieser ungewöhnlichen Person und ihrer Filme freigeschaltet, geschrieben 1979 von Kenneth Tynan, der Brooks auch als 71-Jährige interviewte:
“Louise Brooks tells all”.

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Croco hat eine großartige Tiktok-Liste zu den Filmfestspielen in Cannes zusammengestellt, Thema Kleider aus Autos puhlen:
“Tüll und Wally”.
(DAS LILANE! Das war doch mal ein Wurfzelt?)

Journal Samstag, 30. Juli 2022 – Verkatert am Tegernsee, Pimm’s Trifle

Sonntag, 31. Juli 2022

Ja, das war ein astreiner Kater gestern Morgen, ich büßte ordentlich für den zu vielen Alkohol am Freitagabend. Aspirin und Milchkaffee zum Bloggen, es war zu kühl zum Draußensitzen.

Fürs Abendessen machte ich Kartoffelsalat, auf das Pimm’s Trifle kam die nächste Schicht (custard, wir hatten sogar Bird’s im Haus).

Herr Kaltmamsell und ich hatten eine Wanderung geplant, in Anbetracht unseres körperlichen Zustands (er war auch nicht besser beinander als ich) entschieden wir uns für eine kurze Strecke: den Tegernseer Höhenweg, den wir schon mal im Januar gegangen waren. Bis ich nach Duschen und Packen bereit zum Aufbruch war, ging es mir zum Glück deutlich besser.

Auf dem Weg zum Bahnhof kaufte ich uns Brotzeit. Im Zug zum Tegernsee hatte ich 9-Euro-Ticket-Menschenmengen befürchtet, doch die Wagen war nur licht besetzt. Auch in Tegernsee selbst keine Touristenscharen, die ich in der Hochsaison erwartet hatte.

Beim Bahnhof setzten wir uns zu einem zweiten Morgenkaffee (um eins), dann begannen wir noch im Ort den Aufstieg.

Weil ich wusste, dass wir hier den schönsten Ausblick hatten, setzten wir uns bereits kurz darauf zur Brotzeit. Ich aß Aprikosen und eine Nussschnecke. Und dachte umsummt von Wespen daran, die Schicht Insektenspray aufzulegen, die ich daheim vergessen hatte.

Gemütliches Wandern über und um Rottach-Egern herum, wir begegneten auch nicht mehr Wandervolk als im Januar. Herr Kaltmamsell schnaufte etwas mehr als sonst, meine Wanderfreude wurde ein wenig durch Rückenschmerzen gemindert – ganz fit waren wir halt nicht.

Auch wenn sich immer wieder bedrohliche schwarze Wolkenberge türmten, blieb das Wetter stabil und angenehm. Erst in Rottach-Egern wurden wir ganz kurz leicht angeregnet.

Nach guten drei Stunden gelangten wir wieder an den Bahnhof Tegernsee. Auf der Rückfahrt (auch hier nicht viel los) holte mich der Kater nochmal ein, ich schlief eine halbe Stunde tief. Bei Ankunft in München seltenes Gelüst auf Steckerleis, ich holte mir am Kiosk eines mit Salzkaramell innen und Schoko-Nuss-Ummantelung.

Fürs Abendessen war ja ich zuständig. Ich bereitete den Teig für Fleischpflanzerl vor, schrieb diesmal mein Standard-Rezept im Blog auf. Vor dem eigentlichen Braten hatte ich noch Zeit für eine kurze Runde Yoga, die erwartungsgemäß gut tat.

Dazu allerdings nicht wie geplant den Pittnauer Rosé Dogma Natural Wine, weil ich eigenartigerweise ü-ber-haupt keine Lust auf Alkohol hatte.

Zum Nachtisch das Pimm’s Trifle, das als letzte Schicht gesüßte Schlagsahne bekommen hatte.

Wir stellten fest: Ja, das kann man sehr gut machen! Also dieses Grundrezept, Sherry durch Pimm’s ersetzen, Dosenobst durch frische Aprikosen/Nektarine/Orange/Birne/Erdbeeren, angereichert durch ein Stückchen Gurke in Würfelchen und ein Dutzend Minzblätter.

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Kate Bush hatte gestern Geburtstag – und wieder tanzten Menschen auf der ganzen Welt für sie. Als Kate Bush verkleidet. Zum Beispiel in Sydney, aber auch sonst überall auf der Welt. (So schön! Auch wenn meine Lieblingsversion die vom Ukulele Orchestra of Great Britain bleibt.)