Wandern

Journal Sonntag, 12. Mai 2024 – Nochmal von Ammer- zu Starnberger See gewandert

Montag, 13. Mai 2024

Gut geschlafen, früh aufgewacht, war mir recht. Draußen ein weiterer Sonnentag, wie angekündigt.

So hatte ich nach dem Bloggen noch Zeit zum Internetlesen und Einfrieren des halben Brotes.

Halbierter Brotlaib

Mein Rezept dafür steht jetzt hier.

Und trotzdem schaffte ich eine S-Bahn kurz nach halb zehn hinaus nach Herrsching am Ammersee: Ich wollte die Wanderung vom vergangenen Wochenende in die Gegenrichtung laufen. Da Herr Kaltmamsell arbeiten musste, war ich allein unterwegs.

Problemlose Anreise, ich las unterwegs die Wochenend-SZ.

Dorfansicht mit blühender Robinie, Bach und altem Haus

Herrsching sonnig, verfrühlingt und hübsch.

In einem hellgrünen Wald ein Baum mit verschlungenen Wurzeln

Der knapp einstündige Anstieg nach Andechs durchs Kienbachtal gemütlicher, als ich erwartet hatte – bislang kannte ich diesen Abschnitt nur abwärts.

Von einer Anhöhe Blick auf ein Dorf mit Zwiebelturm in Voralpenlandschaft

Aussicht von Andechs auf Erling.

Frau mit Brille und Kappe vor Voralpenlandschaft

Wander-Selfie!

Barocker Kirchenturm in Weiß mit rosa Ornamenten

Sonnige Wiese mit Weg, im Hintergrund eine Klosteranlage mit Zwiebelturm, im Vordergrund eine Laterne

Hinter Andechs einige Milane beim Termiksuchen, ich sah sie ziemlich nah. Einer rief mehrfach, vielleicht kann ich jetzt Milanrufe identifizieren.

Ich wanderte gemütlich vor mich hin, es waren deutlich mehr Menschen unterwegs als am Samstag vor einer Woche – die meisten davon auf dem Fahrrad, davon ca. 90 Prozent mit Elektroantrieb. Es ging sich wunderbar in milder Luft und angenehmer Sonne ohne Hitze, dafür mit Brise. Ich hatte mich gründlich und hochfaktorig sonnengecremt, wagte also Ärmellosigkeit.

Hinter sonniger Wiesenlandschaft ein Gutshof

Rothenfeld.

Rucksack und Wasserflasche im Schatten eines Baumes

Brotzeitpause am Bacherl in Aschering nach gut zweieinhalb Stunden. Es gab selbstgebackenes Brot mit Frischkäse, den Apfel dazu hatte ich in der S-Bahn einer Frau geschenkt, die um Essen bettelte.

Drei Verkehrsschilder vor einer Hecke, das oberste zeigt ein durchgestrichenes Pferd, dass gerade kackt
Aschering hat ganz eigene Verkehrsprobleme.

Ein paar Mal hörte ich unterwegs einen Kuckuck – definitiv kein Stadt-Sound.

Ab Aschering wurde es wirklich bevölkert, gemütliches und versonnenes Gehen war nicht mehr möglich, und ich schaltete um auf Sport.

Ein lichter, riesiger Laubbaum in der Sonne, links ein Seeufer, rechts im Hintergrund ein Haus, dazwischen Menschen an Bierbänken

Am Maisinger See.

In der Maisinger Schlucht überholte ich viele Familiengruppen, die meisten mit Lagekontrolle beschäftigt, einige mit der Erstellung von Foto-Dokumentation des Ausflugs. Niemand nahm den volltönenden Kuckuckruf wahr und wies Kinder darauf hin (oder fand ihn nicht erwähnenswert?).

In Starnberg musste ich nur wenige Minuten auf die nächste S-Bahn warten (llegar y besar el santo).

Riesiger See in der Sonne, im Vordergrund ein Steg, im Hintergrund Segelboote und im Dunst die Alpenkette

Aber Zeit für ein Abschiedsfoto vom Starnberger See hatte ich. Für die 16 Kilometer hatte ich diesmal mit einer ausgiebigen Pause deutlich unter fünf Stunden gebraucht, das letzte Drittel war ja auch eher Marschieren als Wandern gewesen. Problemlose und pünktliche Heimfahrt.

Daheim Häuslichkeiten und müüüüde. Ich verkniff mir eine späte Siesta, um den Nachtschlaf nicht zu gefährden. Auf dem Balkon las ich – und entdeckte möglicherweise einen frisch gebauten Eichhörnchen-Kobel in der Linde davor.

Zwischen Ästen eines Laubbaums ein welker Laubhaufen, verstärkt mit Holzwolle

Mit seiner Superduper-Kamera machte Herr Kaltmamsell ein Foto davon.

Als Nachtmahl brauchten wir auf: Herr Kaltmamsell briet aus den restlichen Ernteanteil-Kartoffeln Bratkartoffeln, dazu gab es Käsereste.

Im Fernsehen fanden wir nichts, das auch nur nebenher erträglich gewesen wäre. Statt dessen las ich weiter in Eribons Eine Arbeiterin, setzte die Lektüre im Bett fort.

Journal Samstag, 4. Mai 2024 – Von Starnberg über Andechs nach Herrsching in unerwarteter Sonne

Sonntag, 5. Mai 2024

Mittelgute Nacht, denn ich wachte immer wieder von Hackebeil-in-der-linken-Gesichtshälfte-Schmerzen auf.

Herr Kaltmamsell schenkte mir den Großteil des gestrigen Tags für eine Wanderung. Darum hatte ich ihn schon vor Wochen gebeten, doch er machte mir wenig Hoffnung: Zu viel Arbeit, außerdem laboriert er immer noch wie seit Monaten an einer Kalkferse, die ihm das Tragen geschlossener Schuhe schmerzhaft macht. Umso mehr freute mich, dass er am Donnerstag ankündigte, er wolle eine Wanderung versuchen. Da hatte ich schon für mich allein die Strecke von Starnberg nach Andechs und Herrsching rausgesucht, von der ich auf meinem Regenabenteuer durch die Maisinger Schlucht erfahren hatte.

Und dann war das Wetter auch noch wunderbar sonnig und warm – wo doch eigentlich bedeckter Himmel und mittelkühle Temperaturen angekündigt waren.

Herr Kaltmamell machte ein wenig Druck, damit wir schon einen Zug um zehn nach Starnberg erwischten.

Draußen Cafétischchen im Sonnenschein, daraud Cappuccinotassen, im Hintergrund ein See mit Passagierschiff

Bei Ankunft gab es erstmal Cappuccino am italienischen Standl am See.

Unter einem Nebentischchen sitzt ein Spatz

Mit Spatzenbegleitung!

Links See, rechts in den See ragend ein Fischerhäusel, die Wand mit hellem Graffiti bemalt

Und dann durch Starnberg in die Maisinger Schlucht und an den Maisinger See. Herr Kaltmamsell zitierte Gedichtfragmente, und ich stellte die These auf: So wie es heute Menschen gibt, die die Welt nur durch den Bildschirm ihres Smartphones wahrnehmen, gab es früher(TM) welche, die die Schönheit der Natur und der Jahrezeiten nur durchs Gedichtelesen wahrnahmen und selbst gar nicht rausgingen und hinsahen.

Sonnige Landschaft mit hellgrüner Wiese, hell ergrünten Bäumen, knallbaluem Himmel mit weißen Haufenwolken

Rechts seichter Bach, links Wiese und Weg, umgeben von ergrünten Bäumen

See, in den einige Stufen mit Holzgeländer führen und in dem sich blauer Himmel mit weißen Wolken spiegelt

Vom Maisinger See bogen wir diesmal nicht wie sonst Richtung Pöcking ab, sondern gingen weiter nach Andechs.

Weite Landschaft mit Wiese im Vordergrund und dunstige Alpenkette im Hintergrund, darüber weiß-blauer Himmel

Runder Verkehrsspiegel vor blauem Himmel, in dem sich zwei Wanderer fotografieren

Durch Aschering.

Siedlung in der Sonne hinter Bäumen und einer Wiese

Hinter Rothenfeld (Ableger der JVA Landsberg am Lech) machten wir nach gut zweieinhalb Stunden Pause und Brotzeit.

In der Sonne zwischen zwei Bäumen eine Bank, darauf sitzt ein Wanderer

Es gab Apfel und Käsebrot (aufgetautes selbst gebackenes mit Manchego). In dieser Gegend waren die Bäume und Büsche noch nicht so weit wie in München, ich bekam reichlich Fliederduft – so wie überhaupt herrliche Frühlingsdüfte, Farben (grüner wird’s nicht!) und Anblicke. Die Vogelwelt legte sich ebenfalls ins Zeug: Wir sahen einen Graureiher, Falken, Bussarde, unter anderem. Und viele Hühner: Hinter Maising und vor Andechs passierten wir Wiesen, auf denen fahrbare Hühnerhütten standen, umgeben von Hühner…herden.

Nach Andechs kamen wir aus einem ganz anderen Winkel als gewohnt – aber eigentlich der korrekten Richtung, nämlich entlang dem Pilgerweg mit Kreuzwegkapellen.

Schattiger Wanderweg durch Laubwald

Sonnige Wiese, weit im Hintergrund eine Klosteranlage mit Zwiebelturm

Derselbe Anblick näher, jetzt mit links einem gemauerten Kreuzweghäuschen

Jetzt am Himmel: Reichlich Segelflugzeuge.

Die barocke Klosterkirche im Sonnenschein von außen

Die Aufnahme der Andechser Wallfahrtskirche hat die Perspektive so brutal verzerrt, dass ich sie nicht mehr wegkorrigiert kriege – und sie gleich lasse.

Blick auf einen Aussichtspunkt mit Menschen und einem riesigen christlichen Kreuz, im Hintergrund sonnige Landschaft mit Alpenkette

Nähere Aufnahme dieses Aussichtspunkts, im Mittelpunkt eine Frau mit Fahrradhelm von hinten, die gerade mit ihrem Handy die Aussicht fotografiert

Diesmal gingen wir durch die Kienbachschlucht runter nach Herrsching – und waren pünktlich zur Abfahrt der S-Bahn am Bahnhof.

Blaues Holzhäuschen mit einer Verkaufsluke unter einem blühenden Apfelbaum im Sonnenschein, drumrum Menschen

Nachtrag: Nahezu unerträglich idyllischer Kiosk in Herrsching.

Sonnenbeschienener Hügel mit Bäumen, oben lugt ein Zwiebelturm in den blauen Himmel, unten steht eine Mariensäule

Weiterer Nachtrag: Herrsching.

Das waren etwa 16 Kilometer in knapp fünf Stunden gewesen mit einer ausführlichen Pause, auch Herr Kaltmamsells Körper hatte ohne große Schwierigkeiten mitgemacht.

Ab dann wurde es zäh, am Wochenende hemmen Baustellen an der Stammstrecke den S-Bahn-Verkehr. Hauptspaß war diesmal das Umsteigen in einen Regionalzug in Pasing. Exakt um die Abfahrtzeit schickte uns eine Durchsage zu einem anderen Bahngleis – großes Rennen vieler Menschen. Eine Minute nach Ankunft dortselbst schickte uns eine weitere Ansage zurück zum ursprünglichen Gleis, an dem der erwartete Zug bereits stand. Allgemeines Fluchen und Keuchen, ich leistete mir Amüsement.

Daheim Zeitunglesen auf dem Balkon, eine Folge Yoga-Gymnastik mit Rundum-Stretch. Vom Nußbaumpark tönte Musik: Derzeit finden die Kulturtage Ludwigvorstadt Isarvorstadt statt, der Nußbaumpark ist der Festplatz.

Zum Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell einen Eintopf aus Schwarzen Bohnen (getrocknet vom Kartoffelkombinat-Partnerbetrieb Biohof Lex), Ernteanteil-Lauch, geräucherten roten Paprika, Mandeln, Ernteanteil-Kartoffeln, den er im Guardian als “leek and beans romesco” gefunden hatte – er schmeckte hervoragend (zufällig vegan). Zum Nachtisch gab es erst Brandy Alexander, dann Schokolade.

Im Bett eine neue Lektüre: Nele Pollatschek, Dear Oxbridge: Liebesbrief an England. Zum Schlafen schloss ich dann lieber das Fenster und sperrte die herrliche Frühlingsluft aus: Nach lauter Musik kam lautes Abbauen vom Nußbaumpark und von der Straße vor meinem Fenster.

Journal Karsamstag, 30. März 2024 – Freundinnenwanderung durch Sahara-Dunst und Fehlerkultur Rumtopf

Sonntag, 31. März 2024

Guter Schlaf – und das trotz des reichlichen Alkohols am Vorabend. Draußen war es ungehörig warm, aber seltsam diesig.

Aufgeregtes Fertigmachen für die Wanderverabredung: Frau Bruellen war in der Gegend und schenkte mir den Tag für eine Würm-Wanderung von Gauting nach Starnberg.

Wir trafen uns am Pasinger Bahnhof, dort kreuzten sich unsere S-Bahn-Anfahrten von Osten und Westen. Ich hatte bereits meine leichte Jacke abgelegt, der Karsamstag 2024 kam in Südbayern mit T-Shirt-Wetter.

Spuren verschiedener historischer Epochen.

Große Freude beim Wiedersehen, Schneemassen hatten mich ja um das vorherige gebracht.

Die S-Bahnen nach Gauting fuhren etwa alle 20 Minuten, keine davon zur Fahrplanzeit, wir nahmen einfach die nächstbeste. Bei Ankunft in Gauting setzte sich das seltsame Wetter fort: Es war sehr warm, über dem Wald gegenüber der Anhöhe des Bahnhofs lag eigenartiger Dunst – das war wohl der angekündigte Saharasand.

Obwohl wir mittlerweile tief im Gespräch waren und das die nächsten Stunden auch blieben, gab es schöne Wanderanblicke, von Sommergoldhähnchen (nicht meine erste Sichtung und Identifikation, vielleicht merke ich sie mir jetzt endlich) und vielen Blümchen (meine Begleiterin erwies sich als ausgesprochen firm) über sehr lang schon tote Tiere, einen Falken bis zu vielen anderen Vögelchen, einer flauschigen Katze, die sich in einem Vorgarten räkelte, glitzernder Würm mit viel Totholz aus dem vergangenen Winter.

Ans Fotografieren mussten wir einander in all dem intensiven Austausch aktiv erinnern, wir wollten ja beide Andenken mitnehmen.

Königswiesen.

Auf einem Bankerl bei einer wilden Wirtschaft im Mühltal machten wir kurz Pause.

Ich hatte Aussicht auf den Starnberger See versprochen, gibt es sonst von dieser Anhöhe kurz vor Leutstetten – gestern durch den seltsamen Dunst nicht wirklich.

Über Percha gingen wir zum See – und als wir an den Dunst selbst gelangten, wurde es schlagartig kühl. Zu meiner Überraschung: Ich hatte die Wärme des spanischen Calima erwartet. Dennoch setzten wir uns wie geplant zu einem Café an der Uferpromenade, jetzt halt in Jacken: Ich hatte am Wochenende zuvor entdeckt, dass es italienisches Gebäck anbot, also gab es je ein (gutes) Canolo zu Espresso und Cappuccino mit Blick auf den diesigen See.

Gegen drei nahmen wir eine S-Bahn zurück nach Pasing, dort bekam ich wunderschöne selbstgestrickte Socken (mein drittes Paar aus diesen Nadeln, und ich liebe sie sehr) und Schweizer Schokolade geschenkt. Abschied auf hoffentlich bald, es zeichnet sich tatsächlich ein baldiges nächstes Mal ab.

Auf dem Heimweg vom Hauptbahnhof erledigte ich noch kleine Einkäufe, zu Hause wandelte ich meine Aufgekratztheit in Häuslichkeiten um, unter anderem fettete ich die in der Vorwoche patschnass gewordenen alten Wanderstiefel gründlich ein.

Ich turnte eine sportliche Runde Yoga-Gymnastik, während Herr Kaltmamsell wieder fürs Abendessen sorgte: Ein Teil des Blaukrauts aus Ernteanteil wurde Risotto.

Als Aperitif testeten wir eine Idee zur Verwendung unseres unessbaren Rumtopfs. Denn: Ich hatte ja vergangenen Herbst einen Trockenfrüchte-Rumtopf angesetzt (kannte ich aus Vergangenheit), und irgendwas redete mir ein, dazu müsse ich Stroh-Rum verwenden, und zwar 80-prozentigen. Wie wir wissen, gibt es keine misslungenen Experimente, aus allen lässt sich etwas lernen. Aus diesem zum Beispiel: Das wird ungenießbar, weil viel zu scharf, auch mit nachgekipptem Zucker, und die Trockenfrüchte werden nicht weich. Gestern mixten wir die Flüssigkeit, mit der man möglicherweise kleine Säugetiere töten kann, als Longdrink mit Eis und Orangensaft, und hurra! das schmeckte gut. Dazu knabberten wir libanesische Nüsschen, die ich auf dem Heimweg besorgt hatte.

Als Vorspeise gab es die Pastete vom Vorabend, 24 Stunden Festwerden und Durchziehen hatte sie noch besser gemacht. Das unten ist süßer Senf, der ausgezeichnet dazu passte.

Und das Blaukraut-Risotto mit etwas Orangenabrieb und einem Klecks Mascarpone – sehr gut. Es passte nicht mehr viel Schokolade hinterher.

Im Fernseher ließen wir den Eberhofer-Krimi Sauerkrautkoma laufen – und ich bin hiermit für einen Oscar für Location Scouting: So viele authentisch hässliche Häuser, Wohnungen, Einrichtungen, Landschaften in Bayern! Auch sonst fiel mir wieder die ausgesprochen originelle Kamera-Arbeit auf.

§

Wussten Sie, dass Tulpen tanzen können?

Journal Samstag, 23. März 2024 – Abgesoffene Wanderung durch die Maisinger Schlucht

Sonntag, 24. März 2024

Gut und lang geschlafen, ich zog den Rollladen zu einem sonnigen Morgen hoch.

Doch wie angekündigt bedeckte sich der Himmel bald. Ich merkte, dass meine Wanderlust auch eine Wanderung in Regen und Sturm einschloss, außerdem war für die Nacht zum Sonntag eine Rückkehr des Winters vorhergesagt, Regen erschien mir immer noch besser als Schnee und Graupel, also los nach Starnberg und durch die Maisinger Schlucht.

Ich nehme vorweg: Da hatte ich mich insgesamt verschätzt. Es regnete energisch. Die superduper Wanderjacke schützte zwar vor nassem Oberkörper und Kopf, doch die Wanderhose ist im Gegensatz zur Jacke nicht dazu gedacht, Regen abzuhalten: Sie zeichnet sich lediglich dadurch aus, dass sie besonders schnell trocknet. Wofür es aber wenigstens hin und wieder eine Regenpause braucht. Blöderweise regnete es durch, und das heftig. Nach einer Stunde, ich war gerade am Ende der Maisinger Schlucht, hatte ich nasse Socken, gegen Wasser aus nasser Hose helfen auch keine ziemlich dichten Lederwanderstiefel. Und nach anderthalb Stunden spürte ich, wie sich meine Unterhose aus der Wanderhose nass sog, jetzt wollte ich wirklich einfach nur heim.

Angefangen hatte das Ganze mit Durcheinander im S-Bahn-Verkehr: Notarzteinsatz auf der Stammstrecke (es ist unwahrscheinlich, dass ich die Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke noch erlebe, die solche Durcheinander reduziert).

Ankunft in Starnberg. Aussicht war aus.

Nachdem mein Weg sich mit dem zweier anderer Wanderer mehrfach gekreuzt hatte (es waren für das Sauwetter überhaupt erstaunlich viele Wandernde unterwegs, ich begegnete fünf weiteren), sprachen sie mich an: Ob ich auch nach Andechs ginge? So erfuhr ich, dass es eine Wanderung Starnberg-Andechs gibt. Wir waren uns einig, dass eine halbe Stunde ohne Regen unserer Kleidung gut täte.

Da das Vergnügen der Draußenbewegung im Regenströmen weniger lang anhielt als vorhergesehen, plante ich um auf Rückfahrt bereits vom S-Bahnhof Possenhofen und strich den Rückweg nach Starnberg über Prinzenweg. Am Bahnhof informierte mich die Anzeige, dass die nächste S-Bahn erst in einer halben Stunde kommen würde, also dreht ich eine Runde durch Pöcking, um nicht zu frieren. Als ich zurück zum Bahnhof kam, war diese S-Bahn gestrichen. Nun verlegte ich mich auf die nächste S-Bahn in die Gegenrichtung nach Tutzing, von dort würde es neben S-Bahnen auch Regionalzüge nach München geben.

Es war schließlich dieselbe S-Bahn, die mich zum Stachus brachte: Weder Fahrpläne noch Angaben in der MVV-App stimmten, das war die nächste Verbindung. Obwohl der Wagen geheizt war, fühlte ich mich durch und durch kalt, die mitgenommene Zeitung war nass und unlesbar, meine klammen Finger konnten eh nicht blättern.

In München hatte es aufgehört zu regnen, ich ging schnell nach Hause und ließ mir ein Bad ein: Ah, das heiße Wasser brachte Gefühl in Füße und Hände zurück. Die armen nassen Wanderstiefel stopfte ich mit (trockenem) Zeitungspapier aus, genau dafür (und für Umzüge) hat man ein Print-Abo. Frühstück um halb drei war dann die eigentlich als Wanderbrotzeit besorgte Nussschnecke, davor ein Apfel. Kurz darauf prasselte es schon wieder gegen die Fenster.

Bügeln unter erschwerten Bedingungen: Eigentlich ist die Haltung am Bügelbrett genau die, in der mein Kreuz derzeit brüllend schmerzt. Ich versuchte also mal Bügeln im Sitzen, gibt genug Menschen, die das immer so tun. Oah, nee, komplexere Stücke wie Blusen kriege ich so nicht in den Griff. Ich wechselte also mehrfach zwischen Stehen und Sitzen. Dabei hörte ich ein BBC-Stück von 2018, zum 40. Jahrestag des Hörspielstarts von Hitchhiker’s Guide Through the Galaxy:
“Don’t Panic! It’s The Douglas Adams Papers”.
Am meisten lernte ich daraus über die damalige BBC (z.B. taucht genau eine Frauenstimme in der Doku auf).

Erdnusskeksteig gekneten für ein Treffen in der Arbeit, Yoga-Gymnastik mit nur Dehnen. Zum Abendessen gab es nach ein paar libanesischen Nüsschen Rahmspinat mit Kartoffeln – irgendwas fehlte, es schmeckte sehr beilagig. Aber ich wurde angenehm satt. Dann noch Schokolade.

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Hatte ich verpasst: Andrea Diener bloggt wieder! Das darf sie “Newsletter” nennen, so lang sie möchte.

In “Aufblasflamingos und andere Obsessionen” schreibt Andrea:

Auf Urlaubsfotos, die ich mag, müssen Menschen abgebildet sein, nicht nur Sehenswürdigkeiten. Und zwar alle Menschen. Solche, die man kennt, wegen der persönlichen Erinnerungsfunktion. Aber auch solche, die nur zufällig im Bild sind.

Nicht nur bei Urlaubsfotos. Ich möchte mich sehr nicht in eine Reihe mit Fotografinnen des Kalibers von Andrea Diener stellen, ich knipse wirklich einfach nur herum, doch wenn möglich warte ich mittlerweile immer darauf, dass mir jemand ins Bild läuft, fährt, radelt – weil Menschen und Geräte das Foto zeitlich verankern. Auch das ein Beitrag zu “Ja, jetzt ist das langweilig. Aber in zwanzig Jahren!”

An den beschriebenen “trigger” kommen bei mir fotografierende Menschen heran, die halte ich besonders gern fotografisch fest – mit dem Problem, dass ich mich eigentlich nicht traue, fremde Menschen ohne ihre Einwilligung zu fotografieren. Wenn ich mich das traue, traue ich mich wiederum nicht, das Foto zu veröffentlichen – zumindest ist der Augenblick festgehalten.

§

Die Übertragung von Literatur ins Medium Film ist immer spannend. Hier lässt sich Fatih Akin zu seiner Verfilmung von Tschick ausfragen – ich habe eine Menge gelernt.

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https://youtu.be/eSm1FqDyUX0?si=UMrbtwxmmqWMwS9c

Nebeninformation: Es gibt eine Website Tschickucation, eine Initiative der Familie Herrndorf, mit Schulmaterial zum Thema:

Du liest „Tschick“ im Deutschunterricht? Dann kann dir diese Seite helfen, den Roman besser zu verstehen.

§

Abschließend eine Durchsage der Sprach-Hausmeisterin (ich glaube, die kommt jetzt öfter vorbei und der ist deskriptive Linguistik total wurscht):
Es heißt “Mundpropaganda”.
In den vergangenenen Monaten begegnet mir immer wieder “Mund-zu-Mund-Propaganda” – was soll das bitte sein? Tröpfcheninfektion?
Nein, der Duden kennt auch nur “Mundpropaganda”.
(Sie dürfen mich hier übrigens jederzeit auch hausmeistern. Vielleicht können wir sogar streiten! Mit solchen Nebensachen könnten wir Streiten üben.)

Journal Faschingsdienstag, 13. Februar 2024 – Winterwanderung zwischen Ammer- und Starnberger See

Mittwoch, 14. Februar 2024

Diesmal wieder eine recht zerhackte Nacht, doch endgültig wachte ich erholt auf.

Das angekündigte freundliche Wetter nutzten Herr Kaltmamsell und ich für eine erste Wanderung: Die Route zwischen Herrsching am Ammersee und Tutzing am Starnberger See waren wir noch nie im Winter gegangen.

Nach kurzem Brotzeitkauf (Bäckereiangestellte alle zumindest angedeutet maskiert) nahmen wir die S-Bahn nach Herrsching. Dort starteten wir mit einem guten Cappuccino (in lokaler Bäckerei, da die beiden italienischen Cafés/Eiscafés Richtung See geschlossen waren) und gingen erstmal fast eine Stunde am See entlang.

Das wurde eine schöne Wanderung in kühler Luft (ich brauchte fast durchgehend Mütze und Handschuhe, mit Thermo-Rolli und Fleece-Jacke unter der superduper Wanderjacke und in Winter-Jogginghose war ich richtig gekleidet), wir bekamen auch Sonne zu sehen. Doch es war eine eindeutige Winterwanderung: Keine Düfte, die einzigen Blümchen Schneeglöckchen, nur wenige Vögel hörbar und sichtbar. Zu Anfang sahen wir allerdings Milane, später eingezäunte Hirsche, einen ansitzenden Habicht (?), zu meiner Überraschung Kühe.

Eingezäunte Hirsche, im Hintergrund Erling und Andechs.

Wir sahen viel Schnee- und Windbruch, kein Wunder.

Brotzeitpause nach knapp drei Stunden, ich hatte Mango mit Sojajoghurt im Glas dabei, aß außerdem ein Laugenzöpferl.

Ein weiterer gescheiterter Versuch, wie in der Wanderkarte ausgewiesen zwischen den Deixlfurter Seen durchzukommen. Am Ende dieser Wiese hätte wir uns wieder ohne sichtbaren Pfad rechts quer durchs Gestrüpp schlagen müssen, das ließen wir diesmal bleiben, kehrten um und folgten der Straße.

Auf diesen Ausblick auf den Starnberger See freue ich mich jedesmal.

Gut 20 Kilometer in fünfeinhalb Stunden mit einer Pause waren vielleicht etwas überambitioniert für den Start in die Wandersaison gewesen, wir fühlten uns beide recht erledigt. Zurück nach München brachte uns eine schnelle Regionalbahn, vom Hauptbahnhof nach Hause genehmigten wir uns eine Tram (darin zahlreiche Maschkerer).

Für Abendessen sorgte wie geplant Herr Kaltmamsell: Er verwandelte den Wirsing aus Ernteanteil mit Zwiebel, viel Käse, Sahne, Eiern zu einem Auflauf.

Schmeckte sehr gut, ich freute mich schon auf die zweite Hälfte am Mittwochabend. Nachtisch Schokolade.

§

Im Techniktagebuch: Telefonieren ist einerseits einfacher geworden, andererseit komplizierter, vor allem aber verschieden kompliziert für Menschen aus der Generation Stationärapparat und aus der Generation Smartphone.
“Telefonieren ist fast kostenlos. Meistens. Aber man sollte trotzdem aufpassen”.
“Andere Generationen, andere Fragen über das Telefonieren”.

§

Fotograf Maxime Michelet inszeniert Geschwister und ihre Beziehung zueinenander, mit interessanten Ergebnissen.
“‘I got the sense the youngest child would always win’: sibling relationships – in pictures”.

Journal Mittwoch, 1. November 2023 – Allerheiligen überm Tegernsee

Donnerstag, 2. November 2023

Yep, das war zu viel Alkohol am Vorabend gewesen, ich wachte trotz reichlich begleitendem Wasser mit Kopfweh und Kater auf. Und das wird wieder passieren: Wenn ich dann mal wirklich Lust auf Alkohol habe und die Gelegenheit, viele spannende Weine kennenzulernen, dann möchte ich das auch nutzen.

Für gestern hatten Herr Kaltmamsell und ich eine Wanderung geplant, weil erstens beide Zeit (das ist bei einem Vollzeit arbeitendem Lehrer an einem Feiertag nicht selbstverständlich), zweitens schönes Wetter angekündigt. Ausgesucht hatte ich den südlichen Tegernseer Höhenweg, weil der nicht allzu lang ist und wir ihn noch nicht im Herbst gegangen waren.

Wir nahmen einen Zug nach Tegernsee um elf, der sehr gut gefüllt war, manche mussten stehen. In Tegernsee ließen wir den Strom an Wanderer*innen vor, setzten uns erst noch auf einen Cappuccino in ein Café. Der tat mir wirklich gut: Nach starker Müdigkeit auf der Fahrt (der Kater) wurde ich jetzt munter. Die Landschaft war in diesem Licht und zu dieser Jahreszeit ein Genuss.

Blick nach Bad Wiessee und auf die Klinik, die mich nach der Hüft-TEP Reha-versorgt hatte.

Blick nach Rottach-Egern.

Eine Herde kleiner, sehr langzotteliger Rinder mit langen Hörnern, von denen einige die Hörner aneinander ausprobierten.

Kurz nach zwei Brotzeit in Rottach-Egern auf einem Bankerl an der Rottach: Ein Apfel und die Quarktasche, die ich frisch am Bahnhof gekauft hatte. Obwohl die erste Mahlzeit des Tages, war das zu viel gewesen, ich fühlte mich überfressen.

Gut zwölf Kilometer in gut drei Stunden.

Der Zug zurück nach München war schon 15 Minuten vor Abfahrt knallvoll, wir waren froh um bequeme und stabile Stehplätze. Doch ich hatte ja meine aktuelle Lektüre dabei, Achtsam morden von Karsten Dusse, und freute mich über die Gelegenheit, darin länger am Stück zu lesen. Ich bin immer noch ausgesprochen angetan, bei dieser Art Humor hätte man noch vor wenigen Jahren anerkennend gefragt: “Der ist doch bei Twitter!” Weil zumindest in meiner Timeline diese (vorgebliche) Weltsicht und Scherze typisch waren.

Daheim Häuslichkeiten und eine Runde Yoga-Gymnastik. Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch LINSEN, diesmal Beluga-Linsen mit Pasta.

Ganz köstlich. Nachtisch mit Herzen-Sterne-Brezen – die gehen ja nur in Dreier-Einheiten.

§

Mayim Bialik versucht zu vermitteln, wie sie sich als Jüdin seit dem 7. Oktober fühlt, wie sich wahrscheinlich sehr viele Juden in den USA (und auf der ganzen Welt) fühlen, die erleben müssen, dass nach dem Hamas-Massaker Tausende Menschen in ihrer Heimat und an ihren Heimat-Universitäten die Auslöschung des jüdischen Volks fordern. Ich mag mir nicht ansatzweise vorstellen, wie das ist.
Hier ihr Video auf instagram.

via @eliyahhavemann

Journal Samstag, 23. September 2023 – Oktoberfestflucht mit Jungbrunnen-Weg und Folgen unterlaufener Urlaubsgegenden

Sonntag, 24. September 2023

Gestern musste ich mich mehrfach daran erinnern, dass Samstag war – diesen Grad der Verurlaubung hatte ich seit vielen Jahren nicht mehr erreicht, ich weiß IMMER, welcher Wochentag ist.

Nacht wieder mit Mosquito-Unruhe, obwohl ich mich diesmal bereits vor dem Zu-Bett-Gehen flächendeckend mit Anti Brumm eingesprüht hatte. Und gestochen hat mich mindestens ein Vieh auch!

Ab sechs Angst und Sorgen (all die Details, die ich noch für den Berlin-Aufenthalt regeln musste!) (in Wirklichkeit genau ein Kontakt zur Ferienwohnungs-Vermieterin), ich stand lieber auf.

Für den Tag war trockenes Wetter angekündigt, allerdings ein paar Grad niedrigere Temperatur (einstellig) als in der mittelfristigen Vorhersage. Ich zog lieber zwei Shirts unter meine Wanderjacke, startete kurz vor zehn eine wieder längere Tour, nämlich den Jungbrunnen-Weg.

Er führte vor allem baumlose Höhen entlang, was immer wieder weite Ausblicke ermöglichte, allerings pfiff mir dabei auch ein unangenehm schneidender Wind um die Ohren. Die Wege waren schön und abwechslungsreich, ich kam durch Ortschaften mit samstäglicher Umtriebigkeit, wurde herzlich gegrüßt.

Überraschung: Schon zu meiner ersten geplanten Pause um zwölf hatte ich derart Hunger, dass ich mein erstes Pumpernickelbrot mit Frischkäse aß – gestern hatte ich zum Glück zwei dabei. Mein Körper spielte hervorragend mit, nicht mal der Nagel des linken kleinen Zehs, der am Vorabend vor Schmerzen getobt hatte (Ursache rätselhaft, in den Wanderschuhen hat er doch sogar besonders viel Platz), muckte auf.

Nach Pausen musste ich mich jeweils durch eine Weile zackiges Marschieren aufwärmen, erst gegen Ende des Wegs hatte die Sonne wirkliche Wärmkraft. Wirkung des kalten Winds: Zurück in der Wohnung glühte mein Gesicht noch Stunden nach. Na gut, ein bisschen bin ich bereit für Herbst.
(AUF DEM FELD
DIE KÜRBEN)

Viele Greifvögel gestern am Himmel, ich sah immer wieder Falken, einmal sogar drei gleichzeitig. Und ein paar Krähen auf einem kahlen Baum gegen den Himmel als Scherenschnitte – so gehört sich das. Außerdem wie schon in den Tagen davor: Schmetterlinge, ganz viele! (Vielleicht sogar ein Trauermantel.)

Aufbruch im Düsteren, Blick zurück auf Bad Steben.

Doch die ersten blauen Flecken zwischen den Wolken zeigten sich bald.

Auch gestern viel toter Wald. Wir können halt Romantik.

Im Hintergrund vor den Windrädern ein dominanter Solarpark.

Auf der Frankenwarte war ich ebenfalls schon vor vier Jahren gewesen.

Ich passierte aber auch lebendigen Fichtenwald.

Auf diesem Bankerl über Bobengrün (wenn die Grüns auch noch mit dir verwandt sind, Sabine, solltest du unbedingt mal vorbeischaun) machte ich um halb drei richtig Brotzeit mit Apfel und Pumpernickel. Auch hier schnitt der Wind unangenehm, ich zog zum Schutz die Kapuze hoch.

Brotzeitblick.

Auch gestern: SO VIELE ÄPFEL!

Herrlich federndes Moos unter den Stiefeln. Nach 21 Kilometern in gut sechs Stunden mit zwei Pausen war ich zurück in der Ferienwohnung – und kam zum ersten Mal nicht ins Kalte: Die Heizung hatte ich nur auf niedrigster Stufe angelassen, möglicherweise wärmten die umliegenden, ebenfalls geheizten Wohnungen? Diesmal hätte ich eine weitere Stunde Wandern gut geschafft – war dennoch froh ums Hinsetzen und Schuhe-Ausziehen.

Zum Abendessen brauchte ich Reste auf. Und lernte unter anderem, dass in Rührei mit Käse gar nicht beliebig viel Käse passt. Schwedenspeise freestyle erledigte restliche Milch, Joghurt, Frischkäse – na gut, Puddingpulver musste ich extra kaufen, irgendwas ist ja immer.

Abendunterhaltung: Sigrid Nunez, A Feather on the Breath of God ausgelesen (wunderbar geschrieben und etwas ganz Besonderes, dass ich unwillig über schon wieder unerwartet Autofiktion statt wirklich Erfundenes war, ist nun wirklich kein fachlicher Kritikpunkt), eine weitere Folge This is going to hurt (and hurt it did – ich identifiziere mich ungenehm mit Adams autodestruktivem Beziehungsverhalten). Im Bett begann ich neue Lektüre: Für Patrick deWitt, The Librarianist hatte ich mich in der Stadtbibliothek auf die Warteliste eingetragen, jetzt stand es zur Verfügung. Und jetzt aber wirklich völlig Ausgedachtes.

Fazit von vier Tagen Wandern um Bad Steben: Das hier ist eine wirklich schöne Gegend und für Wanderfreudige großartig. Auch am gestrigen Samstag (Wochenende!) begegnete ich keinen anderen Wandersleuten – wenn ich mal die kleine und die große Gruppe ganz am Anfang ausnehme, die aber andere Routen liefen. Das ist ein deutlicher Gegensatz zu den Wandergegenden südlich von München oder zum Bayerischen Wald, in denen ich zudem ständige Radler*innen ausweichen muss. Große Empfehlung für Menschen, die von überlaufenen Wandergebieten genervt sind. Zumal der gute Bahn-Anschluss weitere verlockende Gegenden in der Nähe auch ohne Autofahrten erschließt.

Allerdings haben diese Ruhe und dieses Für-sich-sein einen Preis (wie ich ihn auch vor fünf Jahren auf dem herrlich einsamen und wunderschönen Westerwaldsteig zahlte): Abwesenheit von Gastronomie, vor allem unterwegs. Am Wochenende mag man noch Glück haben, dass Gaststätten in durchwanderten Orten geöffnet sind, wenn überhaupt vorhanden. Doch an Werktagen keine Chance: Ausflugslokale lohnen sich halt erst ab einem gewissen Grad der Überlaufenheit. Wenn man in einem Kurort wie Bad Steben unterkommt, ist zumindest abends für anständiges Essen gesorgt, kulinarische Offenbarungen (oder auch nur saisonale, lokale Zutaten) sollte man aber nicht erwarten.