Wandern

Journal Sonntag, 22. September 2024 – Erst hoch, dann runter: Von Valledemossa nach Dejà

Montag, 23. September 2024

Ohne die Überschrift hier im Blog hätte ich Urlaubs-angemessen keinerlei Gefühl für Wochentage – was allerdings auch damit zu tun hat, dass ich mich in einer so durch-touristisierten Gegend aufhalte, dass kein Wochenrhythmus der Einwohner bemerkbar ist: Keine Sonntagsruhe, alle Läden haben auf wie immer. Kein Sonntagsmessengeläut der Kirchen.

Wieder zögerte ich meinen Aufbruch hinaus: Die Wanderung war mit einer Dauer von vier Stunden veranschlagt, Check-in in der Unterkunft am Ankunftsort aber erst um 16 Uhr möglich.

Ich war sehr gespannt gewesen auf den sensationellen Blick aus dem Hotelfenster bei Tagesanbruch – und er lieferte.

Blick von einem erhöhten Fenster auf ein mallorquiner Örtchen aus Sandstein, umgeben von felsigen Bergen, in erstem Morgenlicht

Blick von einem erhöhten Fenster auf ein mallorquiner Örtchen aus Sandstein, umgeben von felsigen Bergen, in frühem Tageslicht

Teil der Morgentoilette war wieder umfassende Mückenspray-Bedampfung: Die Stiche von Freitag an linkem Knöchel und Achillesferse machen sich in den Wanderstiefeln schmerzhaft bemerkbar. Dass ich nach dem Eindieseln eine Weile nicht gut atmen konnte? Verschmerzbar.

Beim Frühstück hatte ich keine Gelegenheit, lediglich um etwas für die Wanderung zum Mitnehmen zu bitten, da stand schon dieses reichliche und liebevoll angerichtete Tablett vor mir.

Aufsicht auf ein Frühstück mit Brot, Joghurt, Obstsalat, Honig, Marmeladen, Guacamole, Tomate, Schinken, Käse, Ei, daneben eine Tasse Cappuccino

Ich machte mir ein Schinken-Käse-Brot zur Brotzeit, nahm zusätzlich das Ei mit. Hauptsache café con leche.

Nach einer weiteren Runde Aussicht-Genießen auf meinem Zimmer verabschiedete ich mich (und erfuhr, dass das Hotel das ganze Jahr über geöffnet ist), erkundete erst mal Valldemosa – am Vortag hatte es ja geregnet. Ich fand den Ort wirklich bezaubernd.

In goldenem Morgenlich schmale gepflasterte Straße, links alte Häuser, rechts eine Mauer und Bäume, dahinter blauer Himmel

Sandsteinkirche im Gegenlicht, dahinter blauer Himmel

Die Kirche, die sich in der Zimmer-Aussicht so hervorragend gemacht hatte.

Ein langes Wasserbecken aus Stein, überdacht und umgeben von Steinbögen, draußen gepflasterte Straße, ein alter Mann geht vorbei

Im Vordergrund ein durchkomponierter Garten mit niedrigen Hecken, Rosen, Büsten, rechts ein großes sakrales Sandsteingebäude

Kartause mit Gartenanlage.

Doch wenn schon jetzt in der Nachsaison ab zehn die Reisebusladungen reindrückten und Bummeln schier unmöglich machten, will ich mir das erst gar nicht zur Hauptsaison vorstellen.

Die Wanderung gestern versprach Abenteuer: In der Wegbeschreibung für die Etappe nach Deià hieß es unter anderem „und klettern Sie über das Tor“. Ich erklärte die Ortsheilige Sante Catalina Thomás zu meiner Patronin des Tages.

Bemalte Kachel mit Heiligenszene - kleine Wanderin vor großem Mönch, der ihr einen Stock reicht - und der Schrift „Santa Catalina Thomas pregau per nosaltres“

Auch in meinem Hotel ein Bildchen von ihr.

Eisentor, links daneben eine Absperrung mit Kette, dahinter Büsche, im Hintergrund felsige Berge im Sonnenlicht

Start gleich mal mit der Anweisung: “Gehen Sie um die Kette herum” – hier ist halt alles Privatgelände, den Wanderweg hat die Verwaltung den Grundbesitzern abgerungen.

Es war eine recht anstrengende Wanderung für mich, denn erst ging’s anderthalb Stunden nur verschieden steil hoch, abschließend anderthalb Stunden steil bis mittelsteil runter: Das ist nicht meine liebste Streckenführung – und ein Grund, warum ich nicht gerne bergwandere, sondern das hügeligen Vorbergland oder Mittelgebirge bevorzuge. Beim reinen Steigen oder Absteigen muss ich mich vor allem in anspruchsvollem Gelände auf den Meter Weg vor meinen Füßen konzentrieren und bekomme für meinen Geschmack (!) zu wenig von der Umgebung mit. Zumindest schaffte ich es gestern, immer wieder für wunderbare Ausblicke anzuhalten.

Steiniger breiter Wanderweg aufwärts zwischen wenigen hohen Nadelbäumen, die sich fast alle sehr nach rechts neigen

Das Bild ist nicht schief (ich hatte eine Wasserwage im Handy zugeschaltet), die Bäume sind es.

Von weit oben Blick auf einen sonnenbeschienen Ort aus Sandsteinhäusern in einem Tal zwischen grün bewachsenen Bergen

Blick zurück auf Valldemossa.

Sehr steiniger Weg aufwärts zwischen Hartlaubbäumen, dahinter blauer Himmel

Steiniger Weg aufwärts zwischen Hartlaubbäumen, einige umgestürzt, dahinter blauer Himmel

Es lagen einige umgestürzte Bäume auf den Wegen, manchmal kletterte ich, manchmal ging ich drumrum. Die Route war streckenweise nicht einfach zu finden, neben dem GPS-Verlauf halfen Markierungen aus Steinstapeln.

Steiniger Anstieg eines Bergs ohne sichtbaren Weg

Kurz vor dem höchsten Punkt der Wanderung waren die Steintürmchen allerdings so viele, dass sie mich verwirrten – ich schlug mich freihändig durch.

Im Vordergrund ein Busch mit kleinen lila Blüten, im Hintergrund einige Bäume, dazwischen blauer Himmel

Blühender Rosmarin – der Duft!

Blick von weit oben auf Meer und Berge, darüber blauer Himmel mit Federwolken

Nach zwei Stunden verordnete ich mir eine Pause zum Ausruhen, abgezählte zehn Minuten Sitzen mit dieser Aussicht.

Links ein Pfosten mit hölzernem Schild "Dejà", daneben ein Pfad, der einen baumlosen Berg hinunter führt, im Hintergrund Meer

Nach einem Stück den Bergrücken entlang ging’s abwärts.

Rechts Bäume, daneben felsiger, steiler Weg bergab, daneben Ausblick auf Meer

Sehr abwärts.

Blick von weit oben einen Berg hinunter, der ins Meer ausläuft, darauf Yachten

Aber mit Aussicht.

Erhöhter Ausblick auf Wald und Meer, darüber dunkle Wolken, links ragt ein dürrer Baum ins Bild

Steiniger Weg abwärts zwischen lichten Bäumen

Über Wald eine Bergkette, deren Grat von Wolken überflossen wird

Jetzt kamen Wolken über die Berge, Ende des Sonnenscheins.

Breiter, heller Wanderweg, rechts einige uralte verdrehte Olivenbäume

Stein-gefasster Wanderweg zwischen Bäumen, im Vordergrund an einer Mauer aus Steinen ein gemauertes Halbrund

Um zwei hatte ich richtig Hunger und setzte mich auf die Steine hier rechts zum Brotzeiten: Birnen, Ei, Schinken-Käse-Brot.

Zwischen Bäumen zwei dunkelfellige Ziegen mit sehr großen Hörnern

Ich bekam Gesellschaft: Ihr Mäh hatte ich schon eine ganze Weile gehört – sind das Mufflons?

Wanderweg abwärts zwischen hellen Nadelbäumen

Über Tore musste ich entgegen der Wegbeschreibung an keiner Stelle klettern – sie wirkte ohnehn an einigen Stellen überholt und wich auch immer wieder vom GPS-Track ab.

Im mittleren Drittel der Wanderung waren um mich einige andere Wandergruppen, die sich bestens auf Spanisch, Deutsch, Britisch, Amerikanisch (respektive) unterhielten. Ich fühlte (!) mich gestört, ließ sie alle vorbeiziehen. Was einfach ging, denn sie hatten durchgehend ein zackiges Tempo ohne Blick nach links und rechts drauf – dreimal kamen mir auch richtige Bergläufer*innen abwärts im Galopp entgegen.

Etwas erhöhter Blick auf ein Tal mit Sandsteinhäusern

Deià

Trotz dem langen Rauf und langen Runter fühlte ich mich am Ende der Wanderung nicht verausgabt: Dass ich zur Pension nochmal hochgehen musste, störte mich gar nicht. Dennoch hätte ich arg gerne eine Runde Yoga-Gymnastik zum Dehnen rundum geturnt.

Zuvor hatte ich mich in Deiá umgesehen (nett, aber sehr übersichtlich – so hatte ich es auch vom ersten Besuch vor etwa 25 Jahren in Erinnerung). Als Abendessen hatte ich große Lust auf frische Feigen und Käse: Bekam ich sogar in einem kleinen Laden, sonst hätte ich in einem Restaurant gegessen. (Ich bedaure immer sehr, wenn ich auf meinen herbstlichen Oktoberfestflucht-Wanderungen an reifem Obst an Bäumen vorbeikomme – und dann nichts davon kaufen und essen kann. Siehe Moselsteig, spanisches Baskenland.)

Die Unterkunft stellte sich als sehr schlicht heraus, bis hin zu kein Föhn und kein Becher im Bad.

Kleines, altmodisches Hotelzimmer mit zwei Einzelbetten, vor dem Fenster ist es grün

Diesmal geht der schöne Ausblick in den Garten, ich sah gleich mal eine Mönchsgrasmücke. Doch der Garten bedeutete auch, dass ich frisch geduscht sofort Mückenspray nachlegen musste: Umgehende Attacke von sirrenden Moskitos.

Wochenend-Zeitung gelesen, gebloggt, schon war’s acht und Zeit fürs Abendessen: Wunderbar reife Feigen und ein sehr großes Stück gereifter Käse Mahón. Sehr zufriedenstellend, aber ein milderer Käse hätte tatsächlich besser zu den Feigen gepasst.

Beim abendlichen Lesen kamen die ganz dicken Socken zum Einsatz: Der kühle Boden hätte mir sonst kalte Füße und Frieren bereitet. Schon seit Nachmittag war ich sehr müde, zögerte aber das Zu-Bett-Gehen hinaus, um nicht zu früh aufzuwachen.

§

Ich möchte den Einheimischen hier wirklich nicht noch mehr Mühe machen, aber wenn sie mir bitte auf Spanisch antworteten, wenn ich sie auf Spanisch anspreche? SO schlecht ist es wirklich nicht geworden. Please?
(Katalanisch/Mallorquí-Dominanz unwahrscheinlich: Miteinander sprechen sie sehr wohl Castellano. Und in der Gastro/Hotellerie arbeiten eh – wie bei uns – viele Immigrant*innen, hier oft aus Südamerika.)

§

Der ADFC macht auch dieses Jahre wieder eine Umfrage:
“Und wie ist Radfahren bei dir vor Ort?”

Je mehr mitmachen, desto größer ist die Schlagkraft der Ergebnisse. (Gefördert vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr, Sakratie!)

§

In der Wochenend-Süddeutschen ein wichtiger Hinweis von Naika Foroutan, Leiterin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung, zur deutschen Migrationspolitik:

Die derzeit akute Migrationspanik muss nicht nur vor dem Hintergrund der jüngsten islamistischen Attentate, sondern auch im Wissen um den eklatanten Strukturabbau im letzten Jahrzehnt diskutiert werden. Sparmaßnahmen im Zuge der Schuldenbremse haben seit 2009 zu mangelnden Investitionen in Infrastruktur und Bildung geführt und die Handlungsfähigkeit in Städten und Kommunen geschwächt. Der staatliche Strukturabbau erschwerte die Verwaltung der Zuwanderung ab 2015. Die Zivilgesellschaft sprang in die Bresche und übernahm zentrale Aufgaben, von Unterbringung bis Sprachvermittlung: Wir erinnern uns an die vielen Menschen, die von Bayern bis Bremen die Willkommenskultur formten, die Deutschland auch international in einem neuen Bild erscheinen ließ.

Rückwirkend haben sich im kollektiven Gedächtnis mit der Zuwanderung und der veränderten kulturellen Zusammensetzung des Landes die maroden Strukturen verkoppelt – aus einer Korrelation wurde im Kopf eine Kausalität: „Die Migration ist schuld, dass alles kaputtgegangen ist.“ – „Schaut euch die Krankenhäuser an, schaut euch die Arztpraxen an, schaut euch an, was das für Konsequenzen hat, wenn ein Land durch Migration überfordert wird.“

Journal Samstag, 21. September 2024 – Von Esporles nach Valldemossa

Sonntag, 22. September 2024

Der gestrige Wanderweg erwies sich dann als komplett anders als das am Freitag getestete Stück – umso mehr freute mich, dass ich diesen perfekt ausgebauten Abschnitt am Ankommenstag erlebt hatte. Gestern verlief der Weg nämlich wild und ungestüm, Trockenmauern bekam ich nur wenige zu sehen.

Zum Frühstück war ich am Vortag um eine Wahl zwischen drei Zusammenstellungen gebeten worden; ich kreuzte diejenige an, die als Brotzeit mitnehmbare Bestandteile versprach.

Gastraum mit weißen Wänden, gemauerten Bögen, an der Decke dunkle Holzbalken

Restaurant/Frühstücksraum

Gedecker Frühstückstisch für eine Person mit einer Flasche Orangensaft, einem Teller mit zwei klienen Croissants, einem Teller mit Stücken von Ananas und Melone, mit Zwieback, einem Körbchen getoastetem Weißbrot, einem Brett mit Räucherschinken und Käse, einer Tasse Cappuccino

Aus den Tostadas rechts baute ich mir ein kleines Schinken- und ein noch kleineres Käse-Bocadillo, die beiden Mini-Croissants steckte ich ebenfalls ein. Und freute mich an dem Milchkaffee.

Auf meinem Zimmer las ich noch eine Weile, ich wollte nicht allzu früh aufbrechen: Die Tagesstrecke nach Valldemossa war mit 3,5 Stunden bemessen, was mich sonst schon wieder zu früh an mein nächstes Hotel gebracht hätte. Auch diesen Fernwanderweg hatte ich mit Gepäcktransport gebucht: Dass ich entgegen meinem Selbstbild keine Alles-im-Rucksack-Reisende bin, musste ich schon sehr jung über mich lernen, als ich es ausprobierte – und alles daran hasste. Ich hatte mich vor dem Ausprobieren für jemand gehalten, die auf solche Wanderungen geht. Bitte schauen Sie nicht auf mich herab, ich musste ja auch meinen Frieden damit machen.

Schon in der Nacht hatte ich bemerkt, dass mich einige Moskitos auf meinem Testspaziergang erwischt hatten, ich besprühte mich nach dem Duschen und noch vor dem Anziehen flächendecken mit Anti-Brumm.

Wanderweg in Sonne zwischen Olivenbäumen, Kakteen, Steinmauer

Start der Wanderung. Die 3,5 Stunden Gehzeit erwiesen sich als korrekt (nach zwei Stunden zwang ich mich zu ein wenig Hinsetzen mit Aussicht als Pause), meist ging es deutlich auf- oder abwärts, teilweise so grobsteinig steil, dass ich meine Hände brauchte (für Wanderstöcke habe ich mich ja als zu doof erwiesen, ich verlasse mich lieber auf meine Muskelkraft). Das war durchaus anstrengend, aber eine zusätzliche Stunde wäre schon noch drin gewesen.

Anderen Wanderern begegnete ich kaum – allerdings gleich am Anfang einem in dieselbe Richtung mit Fraternisierungsanwandlungen. Da ich wirklich, wirklich allein gehen wollte (nur so kann ich gucken, fotografieren, denken, entdecken, mein Tempo finden, kurz: entspannen) (Wandern mit Herrn Kaltmamsell kommt dem ein wenig nahe), nothing personal, hatte ich zwei Möglichkeiten:
– Schneller gehen, um vor ihn zu kommen. Das hätte zu einer reinen Sport-Einheit mit dem einzigen Ziel Ankommen geführt. Inklusive dem Risiko Verausgabung.
– Mich immer wieder zurückfallen lassen, bis er aus dem Blick war. Das tat ich dann auch, allerdings mit Anstrengung, da er zunächst immer wieder Abzweigungen verfehlte und ich doch wieder fast gleichauf mit ihm war.

Jetzt allerdings war es herrlich. Entgegen der Wettervorhersage erstmal eine Stunde sonnig, erst dann zog der Himmel langsam zu. Die Temperatur blieb mit etwas über 20 Grad perfekt, manchmal ging sogar ein wenig Wind.

Handfläche mit einer leutend roten, walnussgroßen Frucht

Wie schon am Vortag sah ich diese unbekannten Früchte, am Baum sehen sie so aus:

Blattwerk mit mehreren solchen Früchten

Recherchen ergaben: Erdbeerbaum (also der madroño, an dem der Bär im Wappen Madrids lehnt). Und die kann man wohl essen, werde ich bei der nächsten Begegnung versuchen.

Holzpfosten mit neuem Holzpfeil, beschriftet "Valldemossa 5,5 km"

Zwischen Bäumen ein Posten mit weißen Pfeil auf schwarzem Grund

Luxuriöse Beschilderung/Wegmarkierung. In sehr steilen, steinigen Abschnitten und in Geröll mit Bäumen wurde sie allerdings spärlich und ich griff zur Orientierung auf die GPS-Karte des Wander-Organisators zurück.

Steiniger Wanderweg zwischen dürren Bäumen

Weg aus großen Steinen steil nach oben Richtung Bäume und blauen Himmel

Schmaler Wanderweg, rechts ein paar dürre Bäume und ein Abhang

Selfie von Frau mit Schirmmütze zwischen Bäumen, sie blickt nach rechts

Bäume auf steinigem Untergrund, zwischen ihren dünnen Stämmen leuchtet das Blau des Meers

Erster Blick aufs Meer durch Bäume.

Von oben weiter Blick auf Wald und mehr, links ragt ein weißer Felsen herein

Steil abfallender Hohlweg zwischen Felsen und Bäumen

Noch ein steil abfallender Hohlweg zwischen Felsen und Bäumen

Auf Fotos sieht man nie, wie gach es rauf oder runter ging. Hier zum Beispiel brauchte ich dann doch meine Hände.

Weiter Ausblick auf hügeligen Wald

Diesiger Ausblick auf Wald und Meer, dazwischen erahnt man eine Stadt

Blick auf Palma (das müssen Sie mir jetzt einfach glauben, es war sehr dunstig).

Felsiger Wanderweg zwischen Bäumen, gemächlich absteigend

Blick von oben auf ein Tal zwischen mediterranen Bergen, darin ein Städtchen mit Sandsteinhäusern

Blick auf mein gestriges Ziel Valldemossa.

Sehr schmaler Wanderweg mit dunklem Boden, links Abhang

Sound-Besonderheiten: Mal Hahnkrähen, mal das Röhren einer Verbrennerauto-Rallye.

Im letzte Drittel kam mir eine größere Gruppe Brathendl-gebräunter Menschen etwa in meinem Alter entgegen, in leichter Sportkleidung und ohne Taschen, der eine oder die andere eine kleine Wasserflasche in der Hand. Sie fragten mich auf Fremdsprach-Englisch, ob der weitere Weg schön sei. Ja, sei er, sie würden allerdings hin und wieder klettern müssen und ihre Hände brauchen. (Ich hoffte, dass sie damit genug Informationen für eine Entscheidung hatten, waren ja erwachsen.)

Valldemossa erwies sich (im Gegensatz zu Esporles) als rein touristisch, aber wirklich hübsch. Im kleinen Altstadt-Boutiquehotel entdeckte ich allerdings bei Ankunft kurz nach eins, dass mein Koffer nicht eingetroffen war. Anruf beim beauftragten Transportdienstleister, Rückruf auf Deutsch mit schwäbischem Akzent: Verkehrsprobleme, Koffer wird noch gebracht.

Ich machte mir an der “Honesty Bar” des Hotels (alles bereitgestellt, man trägt in eine Liste mt Zimmernummer ein, was man genommen hat) einen Mittagscappuccino, sah mir mein Zimmer dann zumindest an.

Blick von einem erhöhten Fenster auf ein mallorquiner Örtchen aus Sandstein, umgeben von felsigen Bergen

Sensationelle Aussicht.

Brotzeit um zwei die beiden Mini-Bocadillos und Mini-Croissants.

Um meinen Koffer abzupassen, setzte ich mich in die Lobby – die Rezeption war ab halb zwei nicht mehr besetzt. Ich las Zeitung, währenddessen begann es zu regnen. Aber! Ich sah auch einen Gecko vorbeihuschen!

Als ich meinen Koffer endlich hatte (der Transportmann überschlug sich mit Bitten um Verzeihung), ging ich erstmal unter die schöne Dusche, um Schweiß, Sonnenmilch, Mückenspray, Gestank abzuwaschen. Dieses Frische- und Sauberkeitsgefühl habe ich nach der täglichen Morgendusche NIE. In ein Kleid geschlüpft, Wanderregenjacke übergeworfen: Da ich keine Lust auf Auswärtsessen hatte, besorgte ich im einzigen Supermarkt am Ort mein Abendbrot.

Brotzeit war wohl nicht genug gewesen, ich erlebte eine meiner seltenen Fress-Attacken: Eine halbe Tüte Mischnüsse ging drauf (eigentlich samt einer Tüte Trockenfeigen und drei Eiweißriegeln die eiserne Ration für alle Fälle – dann war das halt so ein Fall).

Mit Laptop setzte ich mich zum Lesen ans Fenster und guckte immer wieder in die Hammer-Aussicht.

Weiterer Blick auf dieses mallorquiner Örtchen aus Sandstein, umgeben von felsigen Bergen, jetzt mit düsterem Hintergrund

Derselbe Blick auf das mallorquiner Örtchen aus Sandstein, umgeben von felsigen Bergen, jetzt mit goldenem Abendlicht auf einingen Häuser- und Kirchturmspitzen

Derselbe Blick auf den Ort, jetzt in Abenddämmerung

Sah einen Turmfalken auf dem Nebendach landen. Wolken über die Berggipfel fließen. Es dunkel werden. Hörte Stimmen der vorbeispazierenden Menschen, das Rauschen des Verkehrs auf der Landstraße, den Start von Samstagabend-Partymusik in einem Lokal. Roch Holzfeuer, gebratene Koteletts. Einmerker für einen Schreib- und Denk-Retreat: Valldemossa, Hotel Ca’s Papa, Zimmer 3.

Mein Abendessen bestand aus Birne, roter Paprika, einer Empanada mit Gemüsefüllung, Joghurt: Gut und sättigend, es passten nur noch wenige Schokonüsse hinterher.

Journal Samstag, 17. August 2024 – Regenwanderung am Chiemsee, aber fast ohne Regen

Sonntag, 18. August 2024

Das lange Wochenende zerrinnt mir in den Fingern, und ich fürchte mich schon vor dem Arbeitsmontag, ab dem ich mich im Gegensatz zu den vergangenen Wochen nicht mehr auf das lange Mariä-Einschulungs-Wochenende freuen kann. Auf den Wanderurlaub zur Oktoberfestflucht gelingt es mir nicht recht mich zu freuen, im Vordergrund steht das Gruseln vor der zweitägigen Anreise per Zug (mit Umsteigen in Paris) und Fähre ab Barcelona mit Übernachtung in Barcelona.1

Auf gestern hatte ich gut geschlafen, mich von Wecker wecken lassen, denn vor der geplanten Wanderung wollte ich fürs Abendessen noch Auberginen im Ofen garen und dann bei niedrigerer Temperatur Kirschtomatenhäften angaren. Was ich auch tat. Das Draußen wie angekündigt kühl und düster, in meinen Balkonkaffee regnete es kräftig rein. Was das Wetter unterm Strich zu gutem Wanderwetter machte: Mit Herrn Kaltmamsell wollte ich mal wieder am Chiemsee den Obst- und Kulturwanderweg Ratzinger Höhe gehen.

Am Chiemsee war für gestern hin und wieder Regen angekündigt, bevorzuge ich bei Wandertouren im August statt Hitze. Ein wenig fürchtete ich mich vor “Gewitter möglich”, doch wir wanderten ja nicht in den Bergen, sondern eigentlich immer in Reichweite von Schutz. Kurz vor zehn nahmen wir ab München Hauptbahnhof (Überschrift im Lokalen der gestrigen Süddeutschen zu den Folgen der Baustelle – €: “Wo, bitte, ist hier eigentlich der Hauptbahnhof?”) eine Regionalbahn Richtung Salzburg, wie gewohnt dicht gefüllt.

Gleich nach Ankunft in Prien bekam ich in der Bäckerei Miedl gegenüber meinen Mittagscappuccino, Herr Kaltmamsell ein Frühstück, wir beide einen letzten Klogang vor Wanderstart. Die dunkelgrauen Regenwolken sonderten bereits ein paar Tropfen ab, nach der ersten halben Stunde Gehen holten wir gegen den deutlicheren Regen unsere Superduper-Wanderjacken heraus. Doch diese Viertelstunde Regen sollte auf unserer Wanderung die einzige Nässe von oben bleiben (von unten nasses Gras und regelmäßig Matsch), statt dessen schwitzten wir in schwüler Luft enorm, und ich war sehr froh über die Ach-egal-schadet-ja-nicht Sonnencremung. Auch weil diese Route viele Wegstücke ohne Sonnenschutz hat, sie ist wirklich keine Hitzestrecke.

Wir hatten den Weg fast für uns allein, begegneten nur hin und wieder Radler*innen, Ansässigen beim Spazieren. Was möglicherweise einen Grund hatte außer Wetter und Samstag: Der Weg wirkt derzeit ungepflegt. An einigen Abzweigungen fehlten die Hinweisschilder (ich kenne die Route von zahlreichen Wanderungen darauf inzwischen auswending, Sie als Leser*innen dieses Blogs anhand der Fotos vermutlich auch, und Herr Kaltmamsell guckte im Zweifel auf den GPS-Track), zweimal mussten wir gestürzte Bäume über-/unterklettern.

Alte Kirche mit spitzem Turm hinter befahrener Straßenkreuzung und vor düsterem Himmel

Aufbruch in Prien bei Regen.

Asphaltierter, nasser Weg rechts von einer Kuhweide mit Kühen, ganz lins ein Wegkreuz

Steiniger, breiter Gebirgsbach zwischen Bäumen

Neben reichlich Kühen gab es zu sehen: Rehe, in der Prien eine Forelle, am Himmel ein Falke, Krähen, Schwalben, Bussarde, auf den Wiesen viele Katzen, in den Dörfern Spatzen, Rotschwänze, Schafe.

Seitlicher Blick auf Weinreben an einem Hang, im Vordergrund ein hözerner Steg und eine gemauerte Kreuzweg-Station

Weinberg hinter Prien

Wanderweg durch Nadelwald

Blick einen niedrigen Hügelkamm entlang, auf den kleinere Obstbäume stehen, auf ein Dorf mit spitzem Kirchturm

Greimharting und seine Birnbäume. In der schwülen Luft hatte ich nach nicht mal einer Stunde die erste Wasserflasche leer getrunken; ich folgte einem kürzlichen Tipp und füllte sie im Greimhartinger Friedhof auf -> wo Friedhof, da Wasserhahn.

Alter schwarzer Grabstein mit zahlreichen Namen in goldener Frakturschrift, darunter „Hier ruht im Herrn und erwartet den Tag seliger Auferstehung eine Priestermutter Frau Therese Rupp“, und „Margarete Rupp Unterhambergerbäuerin“

Außerdem guckte ich mich unter den Gräbern um, Friedhöfe finde ich immer spannend. Und plädiere bei dieser Gelegenheit wieder dafür: Schreiben Sie auf die Grabsteine Ihrer Hinterbliebenen doch bitte so viele Informationen, wie der Geldbeutel hergibt, Historiker*innen werden Ihnen lang dankbar sein. Anlässlich der Bestattung ihrer Mutter erzählt Gaga Nielsen ihre eigenen Überlegungen dazu.

Morastiger, fast nicht zu erkennender Pfad zwischen Büschen und Bäumen, blockiert durch große Äste

Unwegsamer Weg

Obstweg heißt aber weiterhin: Ganz, ganz viele beschilderte Obstbäume am Weg. Und welche Pracht das war! Apfel-, Birn- und Zwetschenbäume hingen berstend voll Früchten. Diese Gegend scheint dieses Jahr zu den Witterungsgewinnern zu gehören, denn vor wenigen Tagen hieß es: “Die Obstbaubetriebe erwarten eine weit unterdurchschnittliche Menge.”

Erhöhter Blick über Wiesen hinaus auf dem Chiemsee, rechts im Vordergrund ein fest installiertes Fernglas

Hier die Aussicht von der Ratzinger Höhe auf den Chiemsee – nach unten war die Sicht sogar besonders gut.

Blick hinunter auf leicht hügelige Landschaft mit Wiesen und wenig Wald, kurz vorm Horizont ein See, links im Vordergrund abgewendet ein Wanderer mit roter Kappe

Blick über eine Straßenkehre hinaus auf tiefer liegende hügelige Landschaft mi See, links entfernt ein Dorf mit eckigem, burgartigen Turm

Und hier auf den Simssee. Links sehen sie einen Wehrkirchenturm, er ist weithin sichtbar und fiel mir immer in den Ausblicken auf. Irgendwann recherchierten wir ihn: Das ist die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Hirnsberg. Diesmal dachte Herr Kaltmamsell rechtzeitig daran, dass wir uns die ansehen wollten, auch wenn nur eine Straße hinführt.

Der Haken: Diese Straße war gestern durch eine riesige Baustelle unten im Tal komplett gesperrt, nicht umgehbar. Wir suchten auf allen verfügbaren Karten eine Weile nach einem alternativen Weg, gaben dann aber auf. Das nächste Mal halt.

Rechts Wanderbank mit Blick auf Wiese, dahinter ein Apfelbaum mit roten Früchten, ganz weit im Hintergrund ein Dorf mit eckigem Turm

Nach knapp zweieinhalb Stunden machten wir Brotzeitpause (Apfel und Rest des Picknick Pies von Donnerstagabend) – mit Blick auf die unerreichbare Kirche. Schöne restliche Wanderung, lediglich mit einem Tick zu viel Sonne.

Roter Apel an einem Baum, der ein großes Loch hat, in dem eine Hornisse sitzt

Aber weiterhin mit viel Obst (und hier Hornisse).

In Prien kamen wir gerade rechtzeitig zu einem Zug zurück an den Bahnhof. Das waren laut meinem Smartphone knapp 17 Kilometer in viereinhalb Stunden. Wir fühlten uns beide fit, keine Schäden oder besondere Schmerzen (halt wieder Wanderkrätze, aber mei).

Bei Ankunft in München erleichterte mich die nicht zu warme Außentemperatur: Mit Blick auf den angekündigten Regentag hatten wir die Wohnung nicht durch Verdunkelung gegen Sonne geschützt. Zum Glück hatte sie sich nicht aufgeheizt.

Unter der Sonnencreme-Mückenspray-Schweiß-Schicht freute ich mich sehr auf eine Dusche, doch erstmal bereitete ich die Streusel für Apple Crumble vor, diesmal mit gemahlenen Mandeln und mit Mohn: Wir hatten von Nachbarn nahezu geschmacksneutrale Äpfel aus eigenem Anbau bekommen. Dann aber Dusche!

Das Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell zu Ende: Pasta (Paccheri) mit Auberginen, Tomaten und Mozzarella nach einem Rezept aus Rachel Roddys An A-Z of Pasta.

Blick in große schwarze Pfanne, darin große Nudeln, kleine Tomatenhälften, Basilikumblätter, Mozzarellafetzen

Interessantes Nudelformat (jedes Exemplar ein ganzer Mund voll), guter Geschmack – aber die Aubergine geht neben den Tomaten fast unter. Nachtisch Crumble: Die Kombi Mandel-Mohn schmeckte mir sehr gut.

Früh ins Bett zum Lesen.

  1. Hier, bitte: Das ist dieses ständig geforderte Verlassen meiner Komfortzone, wehe ich komme nicht als besserer Mensch zurück. []

Journal Montag, 5. August 2024 – #wmdedgt von Herrsching nach Dießen

Dienstag, 6. August 2024

Am 5. jedes Monats sammeln sich geneigte Tagebuchblogposts um die Frage von Frau Brüllen: “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?”, #wmdedgt, im August 2024 hier.

Nach gutem Schlaf früh aufgewacht – das freute mich trotz Urlaub, weil ich mich als Morgenmensch im ersten Drittel des Tages immer am lebendigsten fühle.

Dichte und hohe Stangenbohnen auf einem Balkon

Stangenbohnen auch schon fit.

Trotz düsterem Himmel setzte ich mich zum Morgenkaffee auf den Balkon, doch nach eben diesem zog ich mich fröstelnd zurück ins Drinnen.

Mein Plan für diesen Urlaubstag war schon lange eine Wanderung mit Herrn Kaltmamsell gewesen; diesmal dachte ich halbwegs rechtzeitig daran, ihn darüber zu informieren, nämlich bereits einige Tage vorher. Mit Hoffnung auf wenige andere Menschen wollten wir ein wenig um den Ammersee herum gehen, nämlich von Herrsching nach Dießen. Die Anreise war einfach: S-Bahn nach Herrsching. Zurück würden wir von Dießen ein Stück Schienenersatzverkehr benötigen – aber wir hatten ja beide frei.

Die S-Bahn war angenehm wochtäglich dünn besetzt. Zeitunglesen (ich habe für die Urlaubswoche wieder auf online umgestellt) wurde allerdings zunächst verhindert, weil sich die SZ-App nicht mehr an mich erinnerte und ein frisches Log-in haben wollte, die im Handy gespeicherten Daten aber als falsch deklarierte. Meine (verschlüsselt notierte) Passwort-Liste hatte ich natürlich nicht dabei. Also erstmal Passwort zurückgesetzt etc. trallala, dann endlich Zugriff. Am Abend stellte sich heraus, dass die gespeicherten Daten korrekt gewesen waren, die Online-Verwaltung der Süddeutschen ist also weiterhin ein Saftladen. (Dass es sich um ein derartiges Cookie-Monster handelt, dass ich im ganz normalem Firefox nicht mal an die Reklamations- oder die Urlaubs-Funktion rankomme und nur dafür jedesmal Chrome starte, erwähnte ich?)

Beim Aussteigen in Herrsching am Ammersee war das Wetter Vorhersage-gemäß bedeckt und mild, es ging ein leichter Wind: Perfektes Wanderwetter, und ich war in ärmellosem Oberteil genau richtig gekleidet. Dazu trug ich eine lange Hose, um vor dem Wachsenthaar-Termin Kratzer und sonstige Wunden zu vermeiden. Diesmal ging ich möglichst wenig Risiko ein und besprühte mich gleich nach dem Aussteigen und noch am Bahnsteig gründlich mit Mückenspray, ich finde Mückenstiche wirklich, wirklich unangenehm, empfinde sie eher als Schmerz denn als Jucken.

Ich hatte mir Brotzeit eingepackt, Herr Kaltmamsell brauchte noch eine: Dafür und für einen überraschend guten Cappuccino steuerten wir in Herrsching die Bäckerei Kasprowicz an.

Stehtisch in einer Bäckerei, darauf zwei Bäckereitüten und zwei Tassen Cappuccino, im Hintergrund eine schicke Bäckereitheke mit Verkäuferinnen und Kundschaft

Das erste Stück am Ammersee entlang, eine knappe Stunde, kannte ich von unseren Wanderungen Richtung Andechs und Starnberger See, darauf freute ich mich schon.

In einem großen See steht ein Pfahl, darauf steht eine kleine Möwe, im Hintergrund ragt ein Steg in den See

Renovierte Gründerzeit-Villa zwischen alten Bäumen, zum Spazierweg ein moderner Metalllzaun

Ein altes Haus mit spitzem Dach ragt ins Bild bis an den See

Leuchtend rose Blütenstände in einer hohen Wiese, im Hintergrund ein Streifen See, in dem ein schwarzer Hund steht

See mit einem Baum im Vordergrund, weit weg am gegenüberliegenden Ufer ein Ort mit sehr großer Kirche

Blick auf unser Ziel Dießen.

Ab dann wurde es spannend und neu, zunächst eine Weile weiter am See entlang. Außer uns praktisch keine anderen Fußgänger, auf dem Weg wurde geradelt – gerademal nicht so viel, dass wir nicht ständig auf der Hut sein mussten.

Aus niedrigem Wald ragen zusammengeimmerte Bretter, über die Wasser fließt, links davon ein Schild "Wasserbaustelle"

Wasserbaustelle

Jetzt ging es allerdings fast eine Stunde eine Straße entlang, dann auch auf einer Straße.

Schmaler bräunlicher Fluss längs, von Bäumen und Büschen gesäumt, darüber dunkle Wolken

An der namensgebenden Ammer links, wir verließen den See.

Blick über eine nahezu eingewachsene Rastbank auf schmalen Fluss, der hier über ein paar Steine fließt, darüber dunkle Wolken

Eine Rastbank neben großem Baum und vor ebener Landschaft

Nach zweieinhalb Stunden machten wir Pause, wir trafen fast auf die Minute auf ein passendes Bankerl mit Blick auf Raisting. Ich hatte eingeweichtes Muesli mit Joghurt dabei, außerdem eine hervorragende Nektarine (diese zu Herrn Kaltmamsells Amüsement im Schraubglas tranportiert, doch ich wollte sehr gerne Plastiktütenmatsch verhindern). Die Wolken wurden immer weniger, immer mehr Sonne schien – und machte sofort sehr warm

In Dießen kamen wir wenige Minuten vor Abfahrt am Schienenersatzbus an. Das waren etwa 14 Kilometer in knapp vier Stunden mit einer Pause – fast alles brettleben und ausschließlich auf breiten Wegen, viele davon asphaliert, das geht halt schnell.

Selfie von einem älteren Männer- und Frauengesicht, beide mit kuren Haaren und Brille

Der Bus schlängelte sich über teils erstaunlich schmale Straßen und viele Halte (darunter Sankt Ottilien, zu dem mir seine Geschichte als jüdisches Krankenhaus und Sammelort für Displaced Persons 1945-48 einfiel, da wollte ich ja unbedingt mal eigens hin – es gibt sogar öffentliche Rundgänge) bis Geltendorf, dort Regionalbahn nach München Hauptbahnhof. Ich machte mich direkt auf den Weg zu Lebensmitteleinkäufen, Herr Kaltmamsell ging kurz nach Hause zum Frischmachen, holte dann den Leih-Smoking für die Hochzeit ab.

Ich freute mich auf gründliche Säuberung unter der Dusche, stellte allerding beim Ausziehen wie befürchtet fest: reichlich Wanderkrätze an beiden Unterschenkeln. Ich baue darauf, dass sie in den fünf Tagen bis zur Hochzeit verschwunden ist. Ja, die gestrige Strecke hätte ich auch in Turnschuhen sicher gehen können, doch die Wanderstiefel erleichtern das Gehen mit ihrem Halt und verteilen die Anstrengung über mehr Beinmuskulatur. Nach Dusche und herrlich frischer Kleidung las ich ein wenig auf dem Balkon, ging dann zu einer Einheit Yoga-Gymnastik rein – tat wieder SO gut.

Fürs Nachtmahl hatte ich ein Rezept aus der Wochenend-Süddeutschen aufgehoben, Thema Tomaten, vor allem aber zum Aufbrauchen des letzten Stück Ernteanteils: Salbei.

Ein Teller mit Spahetti, hellen Tomatenstücken, Semmelbröseln, frittiertem Salbei

Schmeckte ganz hervorragend: Die Tomaten in dieser Zubereitung intensiv und gemüsig, ich mag Salbei, der Knaller aber war der Parmesan für Arme, also die gerösteten Semmelbrösel (die das Gericht zufällig vegan machten), herrlich knusprig. Nachtisch Schokolade.

Nachtrag: Die gebuchte Supersparpreis-Zugverbindung zur Hochzeit nach Essen gibt es seit einigen Wochen nicht mehr, die Nachricht der Bahn, “Fahrplanänderung”, verwies auf eine “Reiseempfehlung” mit zweimal Umsteigen, unsere Platzreservierung existierte nicht mehr. Gestern entdeckte ich eine wesentlich bequemere Alternative München-Essen, stellte sicher, dass die “Fahrplanänderung” auch wirklich eine Aufhebung der Zugbindung bedeutete und zahlte nochmal eine Platzreservierung für eine Fahrt ohne Umsteigen. Die Rückreise gibt es ebenfalls nicht mehr, in diesem Fall folge ich aber der Empfehlung, die auch die Platzreservierung übernommen hat. Alltag des Bahnreisens in Deutschland.

Im Bett las ich weiter Helena Adler, Die Infantin trägt den Scheitel links, freute mich am nächsten Kapiteleinstieg:

Meine Mutter rastet nicht, habe ich immer geprahlt. Und wenn sie rastet, rastet sie aus.

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Bericht über den ersten Bundeskongress der Omas gegen Rechts.
“Widerstand statt Ruhestand”.

Journal Samstag, 27. Juli 2024 – Hochsommerwandern auf einer vergessenen Route

Sonntag, 28. Juli 2024

Wunderbar ausgeschlafen.

Der gestrige Balkonkaffee war angenehm mild, doch schon bald kündigte sich Hitze an. Meine Wochenendzeitung fand ich nach Wochen Suchspielen endlich wieder dort, wo sie hingehörte: Im Briefkasten.

Wir hatten eine Wanderung geplant und machten uns verhältnismäßig früh startklar, die Wohnung versperrten wir mit Rolläden und geschlossenen Außenfenstern gegen die Hitze.

Unser Ziel war Icking, eine Station vor Wolfratshausen. Wir waren auch deshalb früh aufgebrochen, weil die S-Bahn gestern nur alle 40 Minuten ging (Bauarbeiten – schon in Ordnung, wann sollen sie die denn sonst machen, wenn nicht in den Ferien?). Mit uns reisten viele, viele Pfadfinder*innen quer durchs Kinder- und Jugendalter; ich versuchte möglichst viel von dem, was ich bei Frau Brüllen über ihre Pfadi-Söhne gelernt habe, zu entdecken (Aufnäher!). Interessant fand ich allein schon mal die Kleidung: Von kompletter Kluft bis Zivil mit nur Pfadi-Halstuch war alles dabei. Es war wohl ein großes Treffen, die jungen Leute schienen einander gerade erst kennenzulernen.

Andere auffällige Mitreisende: Menschen mit luftlosen Schlauchbooten und Rudern. Den vereinzelten Hochsommersamstag (für Sonntag war Regen vorhergesagt) nutzten offensichtlich viele dafür, sich die Isar hinuntertreiben zu lassen (bange Erinnerung an die schwimmenden Wummer-Discos bei Grünwald vor einem Jahr – die sich als grundlos erwiesen).

Wir planten eine Wanderrunde, die wir besonders gut kannten, weil schon so oft gegangen, vor gut einem Jahr mit Besuch – diesmal wollten wir sie mit einem Stück vom Ickinger Wehr entlang der Isar nach Schäftlarn erweitern: Ein Wegweiser am Ickinger Wehr hatte mich auf die Idee gebracht. Im April 2023 mit Besuch war das Stück über Wolfratshausen bis zum Waldlehrpfad runter in den Ort wegen umgestürzter Bäume unpassierbar, wir mussten klettern. Doch ein Jahr sollte genügt haben, den Weg wiederherzustellen.

Womit ich nicht gerechnet hatte: Dass es die restliche Wanderroute fast nicht mehr geben würde.

Wir stiefelten vom Ickinger Bahnhof den vertrauten Weg am Sportplatz vorbei; zunächst sah alles aus wie gewohnt.

Wanderer in sonnigem Wald von hinten

Hier stach mich die erste Mücke, ich holte gleich mal das immer mitgeführte Anti-Brumm aus dem Rucksack und sprühte mich gründlich damit ein. Kurz darauf verschwand der Wanderweg fast im Bewuchs, die Ausschilderung wurde sehr rar.

Fast nicht sichtbarer Pfad in sonnigem Grün

Und ab dann mussten wir die erinnerten Abzweigungen oft suchen: Fast alle Wegweiser waren weg, die Wege offensichtlich lange nicht genutzt.

Weiter Rasen mit vereinzelten riesigen Bäumen, him Hintergrund zwei eingeschoßige dunkelrote Häuser, ein Auto

Interessantes Anwesen am Rand von Schlederloh – der Zaun zum verschwindenden Wanderweg verfallen.

Blick von oben auf ein weites Tal mit Flüssen und Auenwald

Ausblick auf die Puplinger Au. Noch war der Himmel hauptsächlich bewölkt.

Eine Hand voller Brombeeren, im Hintergrund Brombeerranken

In Dorfen klassischer Wander-Snack: Wilde Brombeeren am Wegesrand.

Hohlweg in grünes Tal

Hohlweg zur 2023 versperrten Passage nach Wolfratshausen.

Pfad in ein Tal mit Steg, auf der gegenüberliegenden Seite Stufen hinauf mit Handlauf

Niegelnagelneuer Steg und neu befestigte Stufen.

Tischchen in Café mit zwei Tassen Cappuccino, im Hintergrund die Theke des Cafés mit einem Kunden davor

Im Wolfratshausen waren wir gerade mal anderthalb Stunden unterwegs, eigentlich zu früh für eine Pause. Wir ließen uns dennoch zu einem Mittagscappuccino nieder, ich füllte meine eine bereits geleerte Wasserflasche auf.

An der Loisach entlang stiegen wir hoch zurück Richtung Icking, genossen Aussichten. Hier war der Weg wieder gut sichtbar, aber nicht mehr ausgeschildert. Wir begegneten auch keinen anderen Wanderern, lediglich ein paar Gelände-Radlern.

Blick hinunter auf ein breites Tal mit Wald, im Hintergrund schemenhaft eine Bergkette

Blick vom Riemerschmid-Park auf den Zusammenfluss Isar-Loisach. Danach drehten wir eine Zusatzschleife, weil wir die Abzweigung zu den Stufen hinunter an die Loisach zunächst verfehlten. Herr Kaltmamsell suchte mit Online-Karte: Sie war so zugewachsen, dass wir sie ohne Wegweisen gar nicht hatten sehen können.

Abwärts führender Pfad im Wald mit vielen Wurzeln und einem kleinen Baumstamm quer, ein Wanderer von hinten, der gerade darüber steigt

Blick von ben auf einen querenden Pfad, fast völlig versperrt von dem Wurzelballen eines gestürzten Baums, links davon ein Wanderer, im Hintergrund zwischen Bäumen das Grün eines Flusses

Der Abstieg wird offentsichtlich nicht mehr viel genutzt.

Zwischen Bäumen links und rechts hinter Fluss das weiße Gebäude eines Wehrs, rotes Ziegeldach

Ickinger Wehr.

Auf sonnenbeschienenen Kiesbänken eines Flusses bauen Menschen in Badekleidung Boote zusammen, einige sind schwimmen bereits auf dem Fluss

Dahinter wohl der Start zum Isartreiben, für das die Leute ihre Schlauchboote dabei hatten. Ohne Diskogewummer, einfach nur gleitend und plätschernd, mit fröhlichem Lachen und Kreischen. Mittlerweile waren die Wolken verschwunden, die Sonne strahlte und heizte ungehindert.

Der Wegweiser Richtung Schäftlarn warnte explizit, dass der Weg in schlechtem Zustand sei, und riet zur Alternativroute über Icking. Wir fühlten uns abenteuerlustig und gingen ihn dennoch. Er war dann tatsächlich mühsam, weil zugewachsen und nicht freigeräumt.

Blick von der Seite auf den sonnigen Fluss, am anderen Ufer eine Kiesbank mit Menschen, dazwischen ein Schlauchboot

Bankerl zum Brotzeiten gab es hier natürlich keine, wir setzten uns nach drei Stunden an eine Uferkante mit diesem Ausblick. Es gab Mirabellen und Nussschnecken.

Danach wurde der Weg die Isar entlang immer mühsamer. Irgendwann waren wir das Klettern über oder unter blockierende Baumstämme leid und suchten einen bequemeren Weg über GPS und Online-Karte. Fanden wir auch – nur dass ein Bach durchführte. Dann mussten wir halt durch, Schuhe und Socken in der Hand.

Frau von hinten mit Rucksack, die einen Bach durchquert, am anderen Ufer Bäume

Bild: Herr Kaltmamsell

Blick von im Bach den Bach entlang, Sonnenschein, Bäume

Blick aus der Mitte des Bachs.

Wanderer mit roter Kappe, der gerade aus einem Bach klettert

Der Weg wurde dann ein wenig bequemer, nach einem weiteren Aufstieg gab es schöne Aussicht.

Herr Kaltmamsell navigierte uns per Online-Karte zum S-Bahnhof Ebenhausen/Schäftlarn, durch ganz andere Landschaft als bisher.

Sonniger Kiesweg zwischen Bäumen, rechts Viehweide

Hochsommerliches Sonnenlicht und knallblauer Himmel, Kiesweg, rechts Bäume, links ein abgeerntetes Stoppelfeld

Ich hatte die ursprüngliche Wanderung auch deshalb gewählt, weil ich wusste, wie schön schattig sie ist. Dieses letzte, neue Stück hingegen erwies sich als weitgehend Schatten-frei, jetzt war es eher unangenehm heiß. Den Bahnhof erreichten wir genau richtig für die nächste S-Bahn, sehr erfreulich. Das waren gut 15 Kilometer in knapp fünf Stunden mit zwei Pausen.

Rückweg in der S-Bahn mit vielen Frauen in Glitzer, oft in Mehr-Generationen-Paarung: Menschen auf dem Weg zum Taylor-Swift-Konzert. Ja, ich habe eine Meinung – nämlich überhaupt kein Problem damit, die Leute ihren friedlichen, fröhlichen Spaß und das Gemeinschaftsgefühl genießen zu lassen. Weder gröhlen noch kotzen sie oder behindern den Alltag von Innenstädten wie Fußballfans, ihr Hobby dominiert auch nicht auf Wochen das gesamte Fernseh- und Zeitungsprogramm. Und mehr Glitzer in der S-Bahn begrüße ich ausdrücklich. Die Musik der angehimmelten Taylor Swift kenne ich genausowenig wie andere zeitgenössische Popmusik, zu der habe ich tatsächlich keine Meinung.

Seit einer ganzen Weile freute ich mich auf eine gründliche Reinigung unter der Dusche, nach dem Mix Sonnencreme, Mückenspray, Schweiß, Staub und Pflanzenteile fühlte ich mich so dreckig wie schon lang nicht mehr. Kurze Einkäufe auf dem Heimweg vom Hauptbahnhof, jetzt konnte ich mich unter fließendem Wasser säubern, so richtig mit rundum Waschlappen. Das Resultat fühlte sich großartig an (all die Kratzer an den Beinen haben jetzt noch acht Tage zum Heilen bis zur nächsten Wachsenthaarung). Nur fühlte ich mich wie nach der Wanderung davor reichlich erledigt und hätte mich am liebsten erstmal Schlafen gelegt. Das kann ich gerne auf die Hitze schieben, die aber so schlimm auch wieder nicht war – wieso bin ich denn plötzlich so unfit?

Gemütliches Internet-Lesen im angenehm kühlen Wohnzimmer, außerdem kochte ich nochmal Panna cotta, diesmal mit Abkühlen unter Rühren, bevor ich sie in Förmchen füllte; mal sehen, ob das ein Absetzen der Gelatine verhindert.

Zum Nachtmahl baute Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil-Rote Bete und -Stangensellerie mit zugekauften Pfirsichen einen Salat nach, den wir in Berlin beim Feinkost Lindner gekauft hatten, ich rührte das Dressing dazu. Und die Bete-Blätter kamen gebraten auch noch dazu, hier verkommt nichts. Wenig.

Gedeckter Tisch mit weißem Teller voll Stücken Rote Bete, Stangensellerie, Pfirsich, dahinter eine Schüssel davon, rechts ein Glas Rosé

Schmeckte sehr gut, dazu gab es Pittnauer Rosé Dogma. Nachtisch Schokolade.

Im Bett begann ich (mit Leselampe um den Hals, weil nach Langem mal wieder Papierbuch ohne Selbstbeleuchtung) das neue Literaturmagazin Granta: Siginificant Other. In seinem Vorwort spoilert Herausgeber Thomas Meany gleich mal einige der Geschichten im Band – macht ihn mir nach seinem ungeschickten Einstieg mit dem Themenband Deutschland wirklich nicht sympathischer.

§

TexasJim hat wieder Ferien auf dem Bauernhof gemacht – allerdings wie immer im Traktorsitz. Und denkt darüber nach, warum ihm das so viel bedeutet.
“Vorwärts leben, rückwärts verstehen, hat meine Oma einst gesagt”

Ein völlig fremder Alltag. Und doch bilde ich mir ein, alles zu verstehen.

Wie so oft stelle ich mich in einen Supermarkt am Bahnhof und sehe den Leuten zu, wie sie mit Lebensmitteln hantieren, sie drücken, werfen, und dann immer zum noch Bunteren greifen, und ich denke an den Haufen Erbsen in der Halle und an den heißen Tag voll Mühen, die uns allein ihre Ernte gekostet hat, bis wir spät in der Nacht am Festzelt vorbeifuhren, an den blinkenden Lichtern und der Musik, und dann frage ich mich, wie eigentlich alle anderen klarkommen, aber sicher bin ich mir nicht.

Journal Sonntag, 14. Juli 2024 – Tegernseer Höhenweg mit vielen, vielen anderen

Montag, 15. Juli 2024

Gut und lang geschlafen, nach Aufwachen kurz vor sechs nochmal so tief, dass ich kaum rauskam aus dem Schlaf. Der Morgen startete kühl, zu kühl für Balkonkaffee.

Haarige Dinge: Nach diesem und dem vorherigen Haarschnitt (aus derselben Hand) gab es praktisch keine Übergangsphase zwischen frisch geschnitten und brauche dringend einen neuen Haarschnitt. Auch diesmal schien meine Haarpracht (ernst gemeint, ich habe sehr dichtes und dickes Haar, finde ich gut – möglicherweise bin ich die einzige Frau, die nicht mit ihrem angeborenen Haupthaar hadert, auch nicht mit der Farbe; nein, auch damit geht nicht jeder erdenkliche Schnitt, jede Frisur, aber ich habe schon eine besonders große Auswahl) von einem Tag auf den anderen zu explodieren, ich hatte wieder Bärenfell-Gefühle, das Trockenföhnen dauerte schlagartig doppelt so lang. Doch der nächste Haarschnitt ist auf kurz vor der Jahrhunderthochzeit terminiert, ich werde noch drei Wochen aushalten müssen.

Plan für gestern war eine Wanderung mit Herrn Kaltmamsell, ausnahmsweise am deutlich bevölkerteren Sonntag statt am Samstag, weil er am Vortag durch eine Einladung verhindert war. Ich hatte den Tegernseer Höhenweg ausgesucht, inklusive einem Zusatzstück am Anfang von Gmund aus. Das Wetter war als sonnig und nicht zu heiß angekündigt. Um halb zehn machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof, da brauchte ich noch ein Hemd überm ärmellosen Shirt.

Ein Mann und eine Frau in Wanerkleidung fotografieren sich im Spiegel in einer Wohnung

Der Zug Richtung Tegernsee (ein Dreierzug mit zweimal Teilung dorthin) war 15 Minuten vor Abfahrt bereits gut besetzt.

Unter einem Schild "München Hbf" steht draußen ein roter Zug, der mit Graffiti besprüht ist

Stehen mussten die Passagier*innen aber erst ab dem Halt am Harras.

Alpenlandschaft mit See und Bäumen, im Vordergrund Wiese

Hallo Tegernsee (See)!

Schmuckes altes Fachwerk-Bahnhofsgebäude, davor ein Schild "Gmund" darauf zu gehen viele Menschen

Hallo Gmund! Die vielen Leute wollten zum Glück nicht alle auf dem Tegernseer Höhenweg nach Tegernsee (Ort). Aber deutlich mehr davon, als mir lieb war. Ich merkte, dass ich viel weniger oft zum schlichten Rumschauen stehenblieb, als ich ohne Wander*innen vor und hinter mir getan hätte.

Blick zurück nach Gmund.

Der Sonnenschein hielt nur anderthalb Stunden, dann kamen dichte und dunkle Wolken über die Alpenkette. Doch das Wetter ersparte uns Gewitter und Regen.

Weg in einem Wald, hinter dem man Sonnenschein sieht

Blick auf einen sommerlichen See vor Bergkulisse

Blick auf See vor Berg

Diesen Aussichtspunkt hatte ich als Brotzeitort angepeilt, doch wir waren eine Stunde früher dort als nach der Wegbeschreibung berechnet – zu früh für Brotzeithunger, wir gingen weiter. Nach zweieinhalb Stunden Wanderung, jetzt bereits deutlich im Tegernseer Höhenweg Süd, den wir schon kannten, setzten wir uns auf eine Bank im Wald. Ich brotzeitete ein Glas mitgebrachten Quark mit Joghurt und Nektarinen.

Abschüssiger Wanderweg mit einer tiefen Furche, ein Wanderer von hinten

See-Ufer, daran ein Bootshaus, dahinter alte schöne Gebäude

Zurück in Tegernsee (Ort). Nach den Angaben der Beschreibungen hatte ich sechs Stunden für die Route veranschlagt, doch wir waren bereits nach weniger als fünf Stunden für die gemessenen 16 Kilometer mit einer Pause zurück am Bahnhof. Wo mit uns viele, viele Menschen in den Zug zurück nach München stiegen, wir bekamen keinen Sitzplatz mehr. Der mir sehr recht gewesen wäre, denn meine Beine waren nach recht zackigem Auf und Ab müde (wahrscheinlich schneller als sonst gegangen, weil keine Gelassenheit) – wir fühlten uns überhaupt alle beide erstaunlich erledigt für die eher übersichtliche Wanderung. Die Luft auf dem Weg nach München war im Zug durch die vielen Menschen stickig, doch es herrschte gute Stimmung. Ich las auf dem Handy Vicki Baums Memoiren weiter (um mich herum auffallend viele Buchleser*innen).

Wie geplant stiegen wir schon an der Donnersbergerbrücke aus und nahmen eine Tram zum Hirschgarten fürs Abendbrot – und hinkten beide auf den letzten Metern zum Biergarten heftig: Herr Kaltmamsell laboriert immer noch an seiner Ferse (auch wenn er betont, dass sie besser wird), mir machte gestern nach der Ruhehaltung auf der Rückfahrt besonders meine Plantarfasziitis rechts zu schaffen.

Zu meiner großen Freude war der Steckerlfischstand Fischer Vroni in Betrieb, und bei Ankunft waren gerade Makrelen fertig gegart: Ich kaufte eine. Herr Kaltmamsell besorgte Radlermaßen und Breze, für sich einen Schweizer Wurstsalat.

Durch einen Zaun in ein Tiergehege fotografiert, darin sieht man einige Hirsche

Biergartentisch mit gegrillter Makrele, Wurstsalat, Riesenbreze, zwei Maß Radler, neben Tisch Zaun, durch den man einen Hirschen erahnt

Eine wunderbar saftige Makrele, gute Breze, gutes Radler. Und ich genoss das Biergartentreiben um mich herum, im Hirschgarten finde ich es besonders vielfältig und heimelig.

Mit einer Tram fuhren wir nach Hause, einige Passagier*innen in Fußballtrikots mit spanischer Flagge erinnerten mich daran, dass gestern das Finale der Männerfußball-EM ausgetragen wurde.

Daheim Räumen, Vorbereitung des Arbeitstags, Käsekuchen und Schokolade zum Nachtisch. Ich ließ im Fernsehen den zweiten Downton-Abbey-Kinofilm laufen, zumindest die erste halbe Stunde sah recht langweilig aus.

Journal Pfingstmontag, 20. Mai 2024 – Sonnige Maienwanderung nach Aying

Dienstag, 21. Mai 2024

Guter und langer Schlaf.

Eines der seltenen Male, dass mir Bloggen die Tagespläne durchkreuzt: Bis ich nach Spülmaschine-Ausräumen und Wäsche-Aufhängen den ausführlichen und viel bebilderten Blogpost fertiggestellt hatte, waren zwei Stunden vergangenen, es blieb keine Zeit mehr für die geplante Gymnastik vor Wanderung.

Denn wandern wollte ich in diesem herrlich sonnigen, aber bei Weitem nicht heißen Maienwetter mit Herrn Kaltmamsell von Kirchseeon nach Aying, das hatten wir schon ein paar Mal gemacht.

Anfahrt mit einmal Umsteigen in Trudering, an diesem Wochenende war wieder S-Bahn-Stammstrecke für den Bau der zweiten solchen gesperrt.

Weg in hohem Laubwald, durch den Sonne leuchtet

Von Kirchseeon aus bogen wir gegen zwölf gleich mal in wundervollen Wald. Doch bald stellten wir fest, dass wir schon hier falsch abgebogen sein mussten, wir waren nicht mehr auf dem GPS-markierten Weg. Nun gut, die ursprüngliche Wanderung aus dem Büchlein Wandern mit dem MVV hatte ja nie durchgehend geklappt, vor Schlacht mussten wir immer auf Straßen ausweichen. Herr Kaltmamsell lotste uns also in einem Bogen nach Moosach, dann folgten wir eine Weile der gewohnten Route, umgingen aber das Straßenstück weiträumig im Wald.

In einem sehr feuchten Waldstück war ich froh drum, dass seit einer besonders vermückten Wanderung das Schnackenschutzspray in meinem Wanderrucksack wohnt: Nach einer ersten Attacke besprühte ich mich damit rundum, bis ich glänzte – Schluss mit Stecherei.

Am Himmel immer wieder Bussarde, Milane, Falken. Auf dem Boden Kühe, ein Schaf.

Blauer Himmel über soniger Landschaft mit schmalem asphaltiertem Weg

Schöne, sonnige Landschaft mit Brise.

Wanderer von hinten, der auf einem schmalen Pfad durch eine schattige Wiese geht, davor ein sonniges Stück, dahinter Wald

Waldwege auch mal schmal.

Dorf aus Häusern mit roten Dächern unter knallblauem Himmel

Niederseeon.

Wald mit Wladweg, der eine einzige riesige Pfütze ist, links Wanderer

Manchmal kamen wir auch an unpassierbare Wege, schließlich hatte es in den vergangenen Tagen mehrfach geregnet. Nach zweieinhalb Stunden wollte ich Brotzeitpause machen, doch das einzige Bankerl, an dem wir vorbeikamen, war bereits besetzt – und die Herrschaften sahen aus, als hätten sie es sich gerade erst richtig gemütlich gemacht. Es wurden also drei Stunden und drei Uhr, bis wir in Kastenseeon an der Straße eine schattige Sitzgelegenheit fanden. Ich aß einen Apfel (aus Ernteanteil ein Granny Smith aus heimischem Bio-Anbau – ich war überrascht, dass die bei uns angebaut werden, und dann auch noch schmecken) und eine Breze – wollte nicht zu viel essen, um meinen Appetit beim abschließenden Einkehren zu erhalten.

Der gewohnte Weg von Lindach nach Aying war energisch gesperrt: Er sei wegen Wiederherstellungsarbeiten unpassierbar. Da wir dieses Stück durch den Wald gut kennen, beschlossen wir ihn dennoch zu gehen: Bei Unpassierbarkiet würden wir einfach in den Wald ausweichen. Doch der gesamte Weg war frei und fertig wiederhergestellt, keine Spur von Arbeiten; vielleicht hatte man vergessen, die Sperrung aufzuheben.

Straße, die zwischen Hecken auf eine Zwiebelturmkirche zuführt, rechts ein moderner Brauereiturm

Ankunft in Aying. Der Biergarten war auch kurz vor fünf gut besucht. Gestern sah das Brotzeitbrettl so aus.

Auf einem Tisch ein Holzbrett mit Wurst, auf beiden Seiten kleine weiße Teller mit Brot

Da schon beim letzten Mal kein Presssack dabei gewesen war, bestellten wir diesen einzeln.

Viereckiger weißer Teller, auf dem strahlenförmig halbe Scheiben weißer und roter Presssack liegen

Zum Vergleich: Das Brotzeitbrettl im selben Lokal 2018:

Und 2021:

Reibungslose Heimfahrt, diesmal direkt bis Stachus. Daheim noch zum Nachtisch Schokolade.

Joseph Roth, Hiob ausgelesen – hat mir sehr gut gefallen, mehr folgt.