Journal Samstag, 20. Januar 2024 – Die Münchner Post-Moderne*

Sonntag, 21. Januar 2024 um 8:39

Nach reichlich und gutem Schlaf um halb sieben aufgewacht – eine optimale Kombination für diesen Samstag, denn ich hatte Pläne.

Erst mal mein Bett abgezogen, Waschmaschine gestartet. Dann Bloggen über Milchkaffee. Derzeit verwende ich dafür spanischen torrefacto (mezcla 50%), und der haut wieder ganz schön rein. Ein Kaffeebohnenverkäufer in Madrid hatte mir vor Jahren erklärt, dass das Rösten mit Zucker den Koffeingehalt erhöhe: Mir als Chemie-Nullcheckerin ist der Zusammenhang ein Rätsel, doch auch wenn ich das vergesse, merke ich am Puls sehr bald, was in der Cafetera war. Meine anschließende Riesentasse Schwarztee machte ich deshalb lieber vom Entcoffeinierten.

Bettwäsche zum Trocknen über Türen drappiert.

Draußen strahlte der angekündigte wolkenlos blaue Himmel über angekündigtem klirrenden Frost. Zu meiner Schwimmrunde im Olympiabad nahm ich das Rad, denn die Wege sahen frei aus. So war es dann auch, allerdings war die Fahrt ganz schön zapfig, meine Oberschenkel spürte ich bald nicht mehr (egal, Hauptsache warme Füße).

Im Schwimmbecken war viel los, zweimal stießen zu den ohnehin eher vielen Bahnenzieher*innen auch noch Gruppen, die mal am Rand stehend das Wenden erschwerten, mal in hoher Geschwindigkeit Wellen erzeugte. (Mich hätte ehrlich die Motivation zu Schwimmengehen in einer Gruppe interessiert, denn dass andere durch eine Verabredung zum Schwimmen mehr Druck zur tatsächlichen Umsetzung eines Vorsatzen erzeugen, kann ich ja noch nachvollziehen – aber worin liegt der Vorteil, zu siebt ins Becken zu gehen?)

Ich kam gut zu meinen 3.000 Metern, allerdings fühlte sich der Schultergürtel dabei nicht ganz unbeschwert an. Das Heimradeln war deutlich milder: Jetzt wärmte die Sonne, in den geschmolzenen Pfützen blendete sie auch.

Frühstück um halb zwei: Weißbrot mit Butter, Honig, Mandelcreme, Käse (nicht alles auf derselben Scheibe), Granatapfelkerne, Orange.

Nachmittag im sonnendurchfluteten Wohnzimmer mit einer Runde Bügeln, Lesen der Wochenend-Süddeutschen. Ich turnte nochmal die dehnende Yoga-Gymnastik vom Vortag, diesmal ohne dass gleich eingangs alle Zehen in extended child pose schmerzhaft krampften.

Herr Kaltmamsell kehrte von einem Ausflug zu seinen Eltern zurück, wir machten uns fertig zu einer Aperó-Verabredung am Harras mit liebem Besuch aus Goslar. Dorthin spazierten wir um die Theresienwiese herum, unser Ziel war die Bar Seven, die mir als Teil des schönen Postgebäudes aufgefallen war.

Recherche ergab: Wie das Postgebäude am Goetheplatz ist es von der Moderne des damaligen Leiters der Oberpostdirektion München, Robert Vorhoelzer geprägt, in seine Zeit fällt auch der Bau des Postgebäudes an der Fraunhoferstraße und des Paktzustellamts Arnulfstraße. Laut Wikipedia galt Vorhoelzer den Nationalsozialisten als “Baubolschewist” und ging schließlich nach Istanbul ins Exil, der Eintrag listet weitere Bauwerke auf, die er verantwortete.

Die Bar in dem Vorbau am Harras erwies sich als einladend und geprägt von der Tanzschule im Untergeschoß. Wir bestellten Cocktails unserer Jugend.

Angeregte Stunden mit Austausch von Aktuellem, aber auch mit Erinnerungen an Zeiten in Tageszeitungsredaktionen im vorigen Jahrhundert – unsere Geschichten glichen einander auffallend (wie jemand mal ein Volontariat bekam, weil er Koch gelernt hatte und die jährlich für die Redaktion gemästete Sau verarbeiten konnte). Da wir auf die passende U-Bahn zu lange hätten warten müssen, gingen wir zu dritt noch ein Stück zu Fuß bis zur Poccistraße.

Mittlerweile war es neun und ich hatte sehr großen Hunger. So holte ich mir nach vielen, vielen Jahren am Sendlinger Tor mal wieder einen klassischen Döner. Den aß ich aber daheim und auf dem Teller, machte gut satt. Danach Schokolade.

Heute also Demo.

Mal sehen, ob München die geplante Strecke einfach komplett vollstellt. Nein, all die Demos – die 20-Uhr-Tagesschau sprach gestern von insgesamt mehr als 100.000 Teilnehmenden in ganz Deutschland am Samstag (auf tagesschau.de ist sogar von 250.000 die Rede) – können nicht das einzige Mittel sein (hat doch auch niemand behauptet), aber es ist SO wichtig zu zeigen, wo wir stehen. Vor allem in all den kleineren Städten, in denen Tausende auf die Straßen gehen, dabei vor allem in Ostdeutschland (siehe Erfurt, siehe Luckenwalde). Denn die große Mehrheit hier in Deutschland findet unsere liberale Demokratie super und stellt sich gegen diejenigen, die sie gefährden. Wir haben gelernt aus der eigenen Geschichte, aber auch aus der jüngsten in Ungarn, Italien, der Türkei, den Niederlanden. Und jetzt bitte auch die Bundesregierung.

In der taz fasst Sabine am Orde die Argumente für ein Verbotsverfahren gegen die AfD zusammen, die auch meine sind:
“Auf nach Karlsruhe?”

Die AfD würde ein Verbotsverfahren zur Mobilisierung nutzen und sich als Opfer stilisieren.
Darauf kann man wetten. Nur macht die AfD das völlig unabhängig davon, was De­mo­kra­t*in­nen tun. Deshalb eine Gegenmaßnahme zu lassen, ist ein Verzicht ohne Gegengewinn.

* Wortspiel, weil Postmoderne eigentlich was ganz Anderes ist und ich mit meinen versprengten Bildungsbröseln ja irgendwo hin muss.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 19. Januar 2024 – Schnee von verschiedenen Seiten

Samstag, 20. Januar 2024 um 7:44

Gut geschlafen, nachts einmal vom Rumpeln des Schneeräumautos geweckt worden.

Marsch in die Arbeit also wieder im Weißen, zum Glück nicht böse Kalten.

Wir winkten einander zu.

Bei schlechtem Wetter nehme ich gerne den U-Bahnhof unterm Heimeranplatz durch.

Unterwegs sah ich überall leere Parkplätze, sehr wenige Menschen – man hätte einen Feiertag vermuten können.

Auch die Bürogänge einsamer als an Freitagen ohnehin. Ich arbeitete recht konzentriert einiges weg. Bürotemperatur diese Woche übrigens hoch, etwa Blüschen-warm.

Mittags schlüpfte ich zurück in die Schneestiefel, ging einen weiteren Weg zum Cappuccino.

Auferstehungskirche.

Mittagessen am Schreibtisch: Eingeweichtes Muesli/Haferflocken mit Sojajoghurt, Orange.

Nach einsamem, emsigen Nachmittag ließ ich es nicht zu spät werden, noch bei Tageslicht machte ich Feierabend und ging auf Besorgungen (u.a. bestellte Laufhosen bei Tchibo abholen). Es war noch ein paar Grad kälter geworden.

Auf der Theresienwiese hat der Circus Krone Korrektur 25.1.24: der Cirque du Soleil sein Zelt aufgeschlagen.

Daheim die nächste Folge Yoga-Gymnastik: Hauptsächlich Dehnen, und das genau die Bereiche (Sitzen mit schräg ausgestreckten Beinen), die ich nur zentimeterweise dehnen kann.

Bei der Planung des Nachtmahls hatten wir beide festgestellt, dass uns die Lust auf das übliche Freitagsfleisch fehlte, also gab es aus Ernteanteil Ofengemüse (Gelbe Bete, Karotten, Kartoffeln, Zwiebeln, Sellerie) mit restlichem frischen Rosmarin, dazu hatte ich Weißbrot besorgt und machte Petersilien-Schnittlauch-Joghurt. Aperitif davor: Cosmopolitans mit doppelt Cranberry-Saft.

Zum Ofengemüse chilenischer Rotwein, Nachtisch Schokolade.

Wegen großer Müdigkeit früh ins Bett, ich schaffte nicht mal mehr Lesen.

§

Dass vor zwei Jahren in der Schweiz der Präsident der eidgenössischen Impfkommission, Christoph Berger, entführt worden war, hatte ich noch am Rand mitbekommen. Dass der Entführer ein deutscher Impfgegner war und weitere Hintergründe stellen sich jetzt als haarsträubend heraus:
“‘Verdammter Impfstoff, dieses Gift!’: Wie die Entführung des Impfchefs wirklich ablief”.

via @fraubruellen

§

Immer noch bin ich bestürzt über die Mutter, die mir erzählte, wie sie mit ihrem Grundschulsohn zur Heilpraktikerin ging, weil er “einfach so blockiert” war (= Schulnoten nicht zufriedenstellend) und sie “sein echtes Potenzial freisetzen” wollte. Was die Heilpraktikerin dann auch mit craniosacraler Therapie geschafft habe.

Und so freute mich sehr, dass @willsagen einen wundervollen Song von Fee Badenius über “Sehr gut in gar nichts” postete. Denn: Die beste Version meiner Selbst ist diese.

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https://youtu.be/nqchJQyWd6k?si=QYPsCIrj1GS34lgn

Menschen sind verschieden: Wenn es Ihnen Freude bereitet, in was auch immer besser zu werden, sogar die Beste – super, ich feuere Sie gerne an! Nur sollte das keine Pflicht sein.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 18. Januar 2024 – Gänsejagd

Freitag, 19. Januar 2024 um 6:23

Eigentlich gut geschlafen, dann doch erleichtert über das Weckerklingeln gewesen, weil gerade eine Angst-Welle über mir zusammenschlug.

Es war seit dem Schmelzwasser-Vortag noch ein wenig wärmer geworden, ich ging in leichtem Regen in die Arbeit.

Dort ein sehr emsiger Vormittag, vor einem Mittagstermin huschte ich raus auf den Markt, um Käse fürs Abendessen zu besorgen, die für gestern angekündigten 11 Grad Höchsttemperatur hatte es da locker. Der Mittagstermin war dann ein geselliger mit Essen, ich bekam gemüsige Wraps, eine sehr gute Mini-Quiche und Walnussbrot.

Auch der Nachmittag abwechslungsreich: u.a. Info-Veranstaltung online, Unterstützung bei völlig Fachfremdem.

Draußen regnete es energisch, doch als ich Feierabend machte, war die Temperatur so weit gesunken, dass es nass schneite.

Auf dem Heimweg beteiligte ich mich an der Gänsejagd, die ich mit Herrn Kaltmamsell vereinbart hatte. Denn: Ich hatte in der vergangenen Saison für meinen Geschmack nicht genug Gans bekommen. Es gibt nämlich Menschen, die mehr als einmal Gänsebraten in der Weihnachtszeit für zu viel halten. Außerdem hat das Christkindl Herrn Kaltmamsell eine Fett-von Nichtfett-Trennkanne gebracht, die eingesetzt werden will. Nur dass halt die Gänsesaison wirklich vorbei ist. Unsere einzige Hoffnung war eine von Weihnachten übrige gefrorene Gans, und die jagten gestern Herr Kaltmamsell und ich quer durch die Gefriertruhen der Supermärkte. Uns war sehr bewusst, dass wir in die praktisch nie schauen: Zum einen kaufen wir ja immer frisch ein, zum anderen ist unser Gefrierschrank hinderlich klein.

Nachmittags hatte Herr Kaltmamsell zumindest schonmal die Entdeckung von Gänsekeulen und -brüsten vermeldet. Ich sah beim Edeka Theresienhöhe nach: Nur Keulen. Beim Lidl: Nichts Gänsiges. Aber dann beim Edeka Schwanthalerhöhe: Polnische Hafermastgänse, gleich zwei Stück, ich brauchte aber nur eine. Und ich lernte beim Suchen in den Gefrierabteilungen der Supermärkte, wie viel höher der Anteil an Fertiggerichten und -gebäck in Gefriertruhen ist, seit ich als Studentin regelmäßig Fisch, Suppengemüse, anderes Gemüse gefroren gekauft hatte.

Daheim ließ ich mir von Herrn Kaltmamsell gratulieren, dann turnte ich eine Runde Yoga-Gymnastik. Nachtmahl war Portulak aus Ernteanteil und Käse vom Markt, zum Nachtisch Schokolade.

Im Bett startete ich als nächste Lektüre Alasdair Gray, Poor Things, dessen Verfilmung gerade in die deutschen Kinos kommt: Ein Wiederlesen nach dem ersten Mal kurz nach Erscheinen des Buchs 1995, und ich habe zu dieser konkreten, wunderschönen Ausgabe eine ganz persönliche Geschichte, die ich nach Abschluss der Lektüre erzählen werde (habent sua fata…).

§

Dass in Video-Calls Bücherwände zu den vertrauensweckenden Hintergründen gehören, sprach sich schnell herum. Der Guardian weiß aber, dass die Ausstrahlung von Buchregalen auf die Wahrnehmung der Persönlichkeit nicht bei der schieren Existenz aufhört:
“Shelf-absorbed: nine ways to arrange your bookshelves – and what they say about you”.

Wir hier sind demnach:

4. Alphabetically shelved books
Nice effort, try-hard, but if a book has been properly curated and read, it need never be reread. Arranging your books in a way that implies you might want to find them again suggests you just don’t get this. Besides, many sequentially alphabetical books just don’t look right together. Use your eye, not your brain.

Ich fühle mich unfair angepinkelt, denn diese Sortierung war das Ergebnis reiflicher Überlegung von zwei Menschen, die vor über 25 Jahren ihre umfangreichen Bibliotheken vereinten. Damit wir in den zu Höchstzeiten 40 Quadratmetern Buchregalen überhaupt etwas finden konnten, war ein System nötig. Und wir entschieden uns für eines, das wir so ungefähr aus der Uni-Bibliothek kannten und unterteilten in Fiktion (darin nach Sprachen, diese jeweils alphabetisch nach Autor*in) und Non-Fiction (diese nach Sachgebieten, nicht sehr trennscharf, darin wiederum alphabetisch). Extra kamen Reihen.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 17. Januar 2024 – Eisregen und wirklich exotisches Essen

Donnerstag, 18. Januar 2024 um 6:26

Endlich mal wieder eine gute Nacht, sie hätte ruhig länger als bis zum Weckerklingeln dauern dürfen.

Glatteis war angekündigt, Glatteis bekamen wir. In Nieselregen verließ ich das Haus und sah sofort das verdächtige Krakelee auf dem Boden: Hier löste sich gerade eine Eisschicht. Mit festem Blick auf den halben Meter vor meinen Stiefelspitzen ging ich also sehr vorsichtig in die Arbeit, war beim Kreuzen der Theresienwiese froh über den liegengebliebenen Schnee, der unter einer Eisglasur für Trittsicherheit sorgte.

Andere Fußgänger*innen wirkten ähnlich konzentriert, Radler schoben eher. Definitiv die Art Knistern unterm Schuh, die ich nicht brauche. Ich finde es allerdings superfaszinierend, wie präzise solche Wetterlagen heutzutage prognostiziert werden.

Es regnete über den Morgen und Vormittag ernsthaft, der Boden sah vom Bürofenster aus verdächtig glatt aus, mittags änderte ich also meine Cappuccino-Ausflugspläne zu Cappuccino bei Nachbars: Die bessere Wahl, denn zwischen gestreuten Flächen lag immer noch dickes, nasses Eis.

Als Mittagessen gab es Vollkornbrot mit Butter (die letzten Scheiben, nächstes Mal kaufe ich wieder Pumpernickel), zwei Orangen.

Bis zum Feierabend hatte es das Glatteis aber weggeregnet und -geschmolzen, ich kam problemlos über ein paar Lebensmitteleinkäufe nach Hause.

Dort eine Folge Yoga-Gymnastik, bevor es zum exotischen Abendessen ging. Man muss beim Essen ja auch mal auf Risiko gehen. Würmer probieren, Heuschrecken. Oder im Münchner Ratskeller “Grünkohl & Bremer Pinkel” bestellen.

Einen Moment lang wartete ich darauf, dass der Grünkohl noch serviert würde, dann sah ich das Grüne unter dem gebratenen (! – es ist nicht schön, was das mit der Haut macht) Pinkel. Nichts davon hatte mit dem zu tun, was ich in Bremen gelernt habe, das Vollbad in Standard-Bratensauce war auch keine gute Idee. Ich werde nächsten Winter eine Grünkohlreise nach Norddeutschland antreten müssen.

Satt wurden wir, und zur Tagesschau saßen wir schon wieder daheim.

Im Bett Sina Pousset, Schwimmen ausgelesen, es wurde nicht besser, leistete sich dann auch noch angestrengte Enthüllungen im Abgang.

§

Solidarische Landwirtschaft bedeutet für mich auch, viel mehr Informationen über die Anbaubedingungen und aktuellen Einflüsse meines Gemüses und Obsts zu bekommen. Als Kartoffelkombinats-Genossin sorgt mindestens der wöchentliche Newsletter Kartoffeldruck dafür, gestern erhielt ich einen Lagebericht von Crowdfarming mit sehr gemischten Neuigkeiten – kein Wunder, Nachrichten von der extremen Dürre in Spanien waren ja auch nach Deutschland gelangt:
“Danksagung zur Ernte 2023”.

§

Mein Feminismus feiert auch Musik-Ikonen, die zum Rhythmus ihrer künstlichen Fingernägel singen.

§

Sigi Schwab ist gestorben, und ich erfuhr es erst gestern aus der Zeitung.

Ich kannte ihn auf Platte und im Konzert in erster Linie aus den 80ern, als er mit der Percussion Academia tourte.

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https://youtu.be/5-vqW8VE8D4?feature=shared

Aus dem Nachruf in der Süddeutschen erfuhr ich, dass er in die internationale Musikgeschichte mit einem Scherz einging:

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https://youtu.be/bWOsijt0wgY?feature=shared

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 16. Januar 2024 – Routine-Dienstag mit Ausflug in die Blutenburgstraße

Mittwoch, 17. Januar 2024 um 6:33

Nicht ganz so unruhige Nacht, aber unruhig genug, dass ich mich an ein paar wüste Träume erinnere.

Auf dem Weg in die Arbeit unter klarem Himmel suchte ich angestrengt nachdenkend nach einem Arbeitsauftrag für jemanden, der sonst nicht zu tun hat und sich langweilt, das war auch ein nächtlicher Unruhefaktor gewesen (und ist es immer wieder in meinem Arbeitsalltag).

Fast idealer Arbeitstag mit genau dem richtigen Maß an Emsigkeit und Abwechslung: Recherchen mit Ergebnis, etwas gelernt, kleinere Ideen gehabt, Reinfliegendes sofort einsortieren und verarbeiten können, Themen geklärt, genetworkt (!).

Keine Zeit für Mittagscappuccino, zumindest aber für Zeitungslektüre beim Mittagessen: ein Kanten selbstgebackenes Brot, Granatapfelkerne mit Joghurt.

Über Mittag zog der Himmel zu und verlegte sich wieder auf geschlossen und grau.

Nach Feierabend machte ich einen größeren Umweg, um zu ein wenig Bewegung zu kommen: Ich ging in die Blutenburgstraße zu dem kleinen Laden Donosti und kaufte dort baskischen Wein Txakoli (die Sorte Gorrondona hatte mir von den drei Test-Flaschen am besten geschmeckt), außerdem Café torrefacto und Turrón. Nach Hause spazierte ich die ganze schmale Blutenburgstraße lang, die einen sehr lebendigen und heimeligen Eindruck macht.

Zu Hause Yoga-Gymnastik, als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch Shakshuka – ein Genuss. Nachtisch zu viel Süßigkeiten.

Früh ins Bett zum Lesen, Sina Poussets Schwimmen ist auf eine schlechte Weise seltsam (ich glaube ihr keine einzige der Romanfiguren, habe nicht eine der skizzierten Umgebungen vor Augen, die Handlung wirkt angestrengt konstruiert), das wollte ich bald weghaben.

§

Der Guardian ordnet die lautstarken deutschen Proteste von Landwirt*innen international ein.
“Why Europe’s farmers are protesting – and the far right is taking note”.

Autor Ajit Niranjan fasst die Demos in den Niederlanden, in Belgien und in Irland (zu hohe Nitratwerte im Boden durch Massentierhaltung), Spanien (Bewässerungsbeschränkungen in anhaltender Dürre), Frankreich (Regulierung des Einsatzes von Pestiziden) und jetzt auch in Deutschland unbarmherzig zusammen:

In recent years, farmers in western Europe have fought with increasing ferocity against policies to protect the planet that they say cost too much.

Übersetzt: In den vergangenen Jahren widersetzen sich Landwirte in Westeuropa immer heftiger gegen eine Politik zum Schutz des Planeten, weil der Preis dafür ihrer Meinung nach zu hoch ist.

Die Unterwanderung dieser Proteste durch rechtsextreme Populisten ist ebensowenig Deutschland vorbehalten: In den Niederlanden wurde eine rechte Landwirtschaftspartei gegründet, nicht nur in Deutschland werden Verschwörungstheorien nach Jahrhunderte bewährtem Muster verbreitet. Außerdem weist Niranjan auf die Spaltung der konservativen Kräfte im Europaparlament hin.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 15. Januar 2024 – Möglicherweise das prägendste Buch meiner Lesegeschichte: Friedrich Torberg, Die Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlands in Anekdoten

Dienstag, 16. Januar 2024 um 6:18

Immer wieder hatte ich behauptet, dass ich Die Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlands in Anekdoten von Friedrich Torberg alle paar Jahre lese, doch Nachschlagen bei mir selbst (-> Blog) ergibt, dass die letzte Lektüre mindestens 15 Jahre her sein muss.

Es war schon ein enormer Zufall, der mir dieses Buch seinerzeit in die Kinderhände gelegt hat. Meine Mutter hatte es sich in meiner Erinnerung auf einen Lesetipp in der Brigitte hin gekauft, das allein eine Ausnahme, denn meine Mutter kaufte sich sonst keine Bücher. Ziemlich sicher bin ich, dass sie es auf einen Urlaub bei meiner Tante in Italien mitnahm. Wenn Die Tante Jolesch 1975 erschien, war ich also neun oder zehn, als ich es zum ersten Mal las. Damals wusste ich bereits einiges über den Massenmord des Naziregimes an Juden (das Wort “Holocaust” wurde erst deutlich später benutzt), meine Mutter hatte mir schon früh kindgerecht davon erzählt (ob der Anlass eine Frage von mir war? meine Mutter berichtet, dass ich ständig zu allem möglichen fragte), und jetzt erlebte ich anhand der Buchlektüre eine jüdische Welt vor diesem Menschheitsverbrechen – ich war ungeheuer fasziniert und bin es im Grunde bis heute, fieberte mit jedem Detail mit. Friedrich Torberg war halt mein Karl May, man sucht sich’s nicht aus.

Die jüngste Lektüre erinnerte mich daran, wie viele Wörter ich hier lernte. Und wie viele der beschriebenen Welten später eine Entsprechung in meinem Leben bekamen. In der Tante Jolesch las ich zum Beispiel erstmals die Beschreibung einer Zeitungsredaktion; später war ich es, die Polizeiberichte verarbeitete, in meiner Zeit beim Lokalradio sogar eines sehr früh morgens persönlich abholte und bei dieser Gelegenheit die Einsatzzentrale gezeigt bekam. Später sowie über die Jahrzehnte meiner Berufstätigkeit kam ich zum Schluss, dass Tageszeitungsredaktionen und -verlage tatsächlich eine überdurchschnittliche Quote an Spinner*innen und Käuzen versammeln – und das sagt jemand, die in mehreren PR-Agenturen tätig war. Viel an meiner Lesegeschichte verlief entlang Autoren, die in diesem Buch auftauchten, meine Wien-Besuche ohnehin.

Diesmal schrieb ich beim Lesen mit. Und bemerkte, dass die für mich relevanten Zitate in zwei Kategorien fallen: Die einen, die ich regelmäßig anwende. Die anderen, die ich regelmäßig assoziiere, die aber auf einen wirklich passenden Einsatz noch warten (und ich rechne nicht unbedingt mit einer Gelegenheit).

Ich notiere hier die wichtigsten Zitate und ihre Bedeutung für mich persönlich. Den Kontext müssen Sie sich schon selbst holen, zur Hilfe (und für mich als eine Art ganz individuelle Konkordanz) habe ich die Seitenzahlen in der oben abgebildeten Ausgabe hinterlegt, nämlich in der einzig relevanten, Dießen 1975 (mit mindestens zwei Tippfehlern).

“Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist.”
Tante Jolesch (S. 17)
Zutiefst wahr und regelmäßig anwendbar. Wird oft unkorrekt zitiert.

“Alle Städte sind gleich, nur Venedig is e bissele anders.”
Tante Jolesch (S. 22)
Ja.

“Wie soll es mir gefallen am Balkan?”
Frau Zwicker (S. 23)
Vernichtendstes Urteil über einen Aufenthaltsort überhaupt.

“Was andere Mädchen Verhältnisse haben, geh ich in Vorträge.”
junge Dame, Blaustrumpf (S. 27)
Wandelte ich zu Studienzeiten für mich ab: Was andere Mädchen abends ausgehen, les ich Bücher.

“Was setzt du dich hin Kartenspielen mit Leuten, was sich hinsetzen Karten spielen mit dir?”
Die alte Kisch (S. 29)
Eine einleuchtende Variante von Groucho Marx’ “Ich mag keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnimmt.”

“Ich habe hier nicht gebadet – ich bin nach Hause geschwommen.”
Dschingo Deutscher (S. 48)
Assoziiere ich heftig bei Aare- und Rheinschwümmen mit Wickelfisch, am heftigsten aber bei Benjamin David, der in der Isar zur Arbeit schwamm. Warte noch auf eine Gelegenheit, selbst mal in Echt nach Hause zu schwimmen.

“Die Zahl der von mir angebrunzten Kaffeesieder ist Legion.”
Ernst Stern (S. 55)
Dabei habe ich mittlerweile novemberregen vor Augen.

Essen kann man das nicht. Ich bitte um Entschuldigung.”
Frau Löwenthal (S. 65)
Darauf spielt Herr Kaltmamsell regelmäßig an, es ist immer sehr lustig. (You had to be there.)

“Wo ist das Gestrüpp für den Buben?”
Vater Taussig (S. 67)
Bei jeder ganzen Artischocke, die hier auf den Tisch kommt.

“Tse. Des wird ja net zum Derscheißen sein, morgen…”
Fritz Imhoff (S. 71)
Nach jedem wirklich nennenswerten Gelage. Wie mir jetzt auffällt, ist das letzte solche schon lang her.

“Es sind noch ein paar da, die sagen, Zwetschgenröster ist kein Kompott!” Und schüttelt drohend die erhobene Faust: “Aber ich kenn sie alle!!”
Herr Neugröschl (S. 79)
Oft bei willkürlichen Grundsatzfragen assoziiert.

“Schimpferint, dum zahleant.”
Der alte Schwarz (S. 83)
Alltag im Geschäftsleben.

“Ich hab ihm onanieren gelernt.”
Herr Feldmann (S. 90)
In meinem vorvorigen Berufsleben berichtete mein Chef von einer sehr vergleichbaren Situation im Haus des Finanzvorstands. Und mein Kleinhirn überholte mit quietschenden Reifen das Großhirn, um mich genau diesen Satz laut zitieren zu lassen. Hastig schob ich die Gesamtanekdote hinterher, schenkte dem Chef auch am nächsten Tag das Buch, kann aber bis heute nur hoffen, das mein Ansehen keinen dauerhaften Schaden genommen hat.

“Gott ist gerecht.”
Fremdling (S. 118)
Oft verwendet.

“Freilein. Bis in einer kleinen Weile werde ich brechen!”
Tommi Plessnik (S. 119)
Regelmäßig, aber eher von Herr Kaltmamsell angeführt.

“Steh schön grad, mein Kind. Damit der Herr Professor sieht, wie schief du bist.”
Eine Mutter (S. 121)
In der Zeit mit kaputter Hüfte bei jedem neuen Orthopäden/Untersuchungsberechtigten vor mich hin gemurmelt.

“Grießen mußt du. So lange grießen, bis du sie im Bett hast.”
Der rote Krasa (S. 133)
1a Tipp bei Freund*innen, die von einem neuen Schwarm berichteten. Lang her.

“Ich nähre mich von reinem Selchgift.”
Dr. Schreier (S. 141)
Schlachtschüssel-Begleitsatz.

“… da kann es schon passieren, daß man einmal die Wahrheit schreibt.”
Dr. Rudolf Keller (S. 158)
Ist das nicht in jeder Redaktion eine Standard-Entschuldigung?

“Von was wird geräädet? Vom Väägeln”
Milada Kratochvil (S. 161)
Nie angewendet, oft im Kopf gehabt.

“Mit Genuß und Belehrung gelesen!”
Professor Lutz Steiner (S. 164)
Mein Lieblings-Feedback nach Gegenlesen.

“Solche Stücke sollten öfters geschrieben werden.”
Redaktionsdiener Reimer (S. 168)
Sicher mehr als einmal nach einem Theaterbesuch und auf die Frage “Und, wie war’s?” gesagt.

“In die entgegengesetzte.”
Alfred Polgar (S. 195)
Diese Zitat habe ich schon eingesetzt und zwar in genau derselben Situation und Absicht wie im Original. Hier bin ich unsicher, ob ich froh sein soll (weil eigentlich eine Ohrfeige) oder traurig (weil unverstanden), dass sie beide Male nicht fruchtete.

“Kellnerpunkt”
(S. 196)
Nach ein paar Versuchen nur noch im Kopf angeführt, weil die Erklärung so mühselig war.

“Jetzt hab i an Masochisten – der haut z’ruck.”
Böhmische Liesel (S. 201)
In Torberg-vertrautem Kreis und bei passender Situation ein Brüller. Wirklich.

“Räuber, Mörder, Kindsverderber
gehen nur zu Doktor Sperber”
Dr. Hugo Sperber (S. 207)
Oft nützlich in der Zeit, als im Freundeskreis Jura-Staatsexamen abgelegt wurden.

“Friedrich, mein Geschoß!”
Dr. Hugo Sperber (S. 210)
Jedesmal im Kopf, wenn ich auf diesen Vornamen stoße. Was heutzutage selten passiert.

“Caróbua”
“Chabanachta”
Dr. Hugo Sperber (S. 213)
Einsatz in meiner Poker-Phase. Am Tisch saß meist auch Gisi, die jedes Jolesch-Zitat zuordnen konnte, meist noch ergänzen.

“O Sie ostjüdische Mißgeburt! (…) Welches Ghetto hat Sie ausgespien?!”
Dr. Hugo Sperber (S. 215)
Selbe Szenerie, Ärger über verlorenes Spiel.

“Die Genesis, liebe Frau, ist nicht interessant.”
Dr. Hugo Sperber (S. 217)
Oft in meinem Kopf. Auch in Online-Meetings.

“Abortfrau mit erweitertem Kompetenzbereich”
Dr. Hugo Sperber (S. 217)
Mein Rollenvorbild beim Wiedereinstieg ins Berufsleben nach meiner Auszeit.

“Merken Sie nicht, dass Ihrer Anwesenheit lediglich dekorative Bedeutung zukommt?”
Dr. Hugo Sperber (S. 220)
Habe ich mich nie laut sagen getraut.

“Herr Staatsanwalt, wann soll mein Klient eigentlich einbrechen?”
Dr. Hugo Sperber (S. 220)
Gegenüber nahestehenden Menschen, denen man gerade gar nichts recht machen konnte.

“Ich habe oft mitten im Satz meine Weltanschauung ändern müssen…”
Franz Molnár (S. 234)
Das habe ich schon so oft zur Illustration meines Sprachniveaus im Spanischen angeführt, dass ich bis eben die Quelle vergessen hatte.

“My music isn’t lovely.”
Arnold Schönberg (S. 286)
Bei jeder Begegnung mit unangenehm atonaler Musik.

“Das Beste lassen stehn.”
Frau Paula (S. 308)
Sehr oft verwendet, zwischen Herrn Kaltmamsell und mir praktisch jedesmal, wenn auf dem Teller oder im Glas etwas übrig bleibt.

Außerdem verschaffte mir diese jüngste Lektüre der Tante Jolesch die Erkenntnis, dass ein paar von Torberg überlieferte und lieb gewonnene Zitate gar nicht darin vorkommen (sondern vermutlich in Die Erben der Tante Jolesch), zum Beispiel:
– Arkasse hatten wir schon bessere.
– Schreiben Sie doch mal einen Bestseller. (Alma Mahler-Werfel zu Friedrich Torberg)

§

An sich kann ich durchaus “hilft ja nix”, aber ich musste mir eingestehen, wie sehr mich winterliche Dunkelheit und eisige Kälte derzeit belasten und ein Gefühl des Gefangenseins erzeugen. Im Hellen und Warmen fühle ich mich gelassen und frei. (Große Hitze sperrt mich übrigens ebenso ein.)

Die Nacht war ok, der Weg in die Arbeit nicht zu kalt. Erwartbarer Büro-Montag mit Besprechungsvormittag. Mittags verlängerte ich meinen Marsch zum Cappuccino bei Nachbars ein wenig und warf eine Postkarte ein. Bei dieser Gelegenheit sah ich am Horizont sogar einen Streifen blauen Himmel, davor und danach übte dieser sich wieder in trübem Hochnebel-Grau.
Zu Mittag gab es Apfel und Vollkornbrot mit Butter.

Über den Nachmittag wurde mir immer trüber, Winter tut mir sowas von nicht gut. Mit hängenden Flügeln und in leichtem Schneefall ging ich nach Hause, besorgte unterwegs Obst als Brotzeit für die nächsten Tage.

Daheim erreichte mich die Antwort meines Bundestagsabgeordneten: Er teilt meine Sorge um die Demokratie, setzt sich aber lediglich für “eine kritische Prüfung der AfD durch das Bundesamt für Verfassungsschutz” ein. Das ist mehr als nichts, vor allem bei einem CSU-Parteimitglied.

Am Sonntag um 14 Uhr geht auch München gegen rechts auf die Straße (Route wird noch veröffentlicht).

Eine Folge Yoga-Gymnastik, die mir gut gefiel, die mache ich nochmal. Währenddessen war der Schneefall dichter geworden.

Nachtmahl aus edlen Resten: Bœuf Bourguignon aus der Gefriere mit frischen Nudeln, außerdem Asiasalat aus Ernteanteil mit zugekaufter roter Paprika. Nachtisch Schokolade.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 14. Januar 2024 – Schwarzgefärbt, unentspannter Eislauf

Montag, 15. Januar 2024 um 6:22

Eine Nacht mit Loch: Kurz vor halb drei begann mindestens eine Glocke von St. Matthäus zu läuten und tat das dann zehn Minuten lang (Kurzschluss?). Danach schlief ich lang nicht mehr ein. Doch ich konnte ja ausschlafen und tat das bis halb acht.

Erstmal startete ich eine Waschmaschine zum Schwarzfärben: Ich hatte festgestellt, dass meine schwarze Standardhose (ich mag sie nicht Jeans nennen, denn das setzt in meinen Augen eine bestimmte Stoffart voraus) nicht mehr wirklich schwarz war. Für ihre Funktion als anständige Hose (zumindest eine Weile, sie geht nach zwei Jahren auch ein wenig aus der Form), sollte sie wieder die richtige Farbe bekommen. Um die 600 Gramm Stoff vollzubekommen, auf die das Färbemittel ausgelegt ist, warf ich ein schwarzes Baumwoll-Shirt dazu, das ebenfalls ins Graue spielte (bereits zum zweiten Mal nachgefärbt: vor 15 Jahren hatten Eddie-Bauer-T-Shirts eine wirklich sensationelle Qualität, damals noch 100% Baumwolle) (vielleicht auch heute noch, das kann ich nicht beurteilen).

Der Tag wurde richtig hell, inklusive Sonne, ich freute mich besonders auf eine Laufrunde an der Isar. Dazu nahm ich eine Tram zum Tivoli, stieg aber schon einen Halt früher aus. Die Wege an der Isar Richtung Norden war dann nicht so richtig lauffreundlich: Die wenigen Sonnenstrahlen der vorhergehenden Tage hatten festgetretenen Schnee angeschmolzen, der Frost hatte ihn zu Eis gemacht. Ich sah also nicht sehr viel von der sonnigen Umgebung, hörte Vögel mehr als dass ich ihnen hinterhergucken konnte, denn mein Blick war fest auf den Weg vor mir gerichtet. Joggen in Trippelschritten und mit immer wieder aktiver Erinnerung, auch mal zu atmen.

Was ich mir aber gezielt ansah: Die vieljährige Baustelle an der Max-Joseph-Brücke, die bei meinem letzten Besuch von Weitem abgeschlossen wirkte.

Stellte sich heraus: Immer noch nicht ganz, es bleibt spannend.

Auf dieser Isarseite lief ich bis zur Emmeramsbrücke, kreuzte dort und lief weiter bis zum Kirchturm Unterföhring, auf dieser Isarseite zurück bis Paradiesstraße. Wegen der beschriebenen Glätte war das ganze eher unentspannt, ich sehnte mich nach leichterem Boden.

Auf der Rückfahrt mit der Tram stieg ich schon in der Müllerstraße aus, um im Glockenbachviertel Semmeln zu besorgen. Daheim kurzes Bügeln des noch feuchten schwarzen T-Shirts und der Hose, erst dann Duschen. Frühstück kurz vor halb drei im sonnigen Wohnzimmer bestand aus zwei Körnersemmeln und einer Orange, alles sehr köstlich.

Über den Nachmittag machte sich Muskelkater im linken Schulterbereich breit; ich erklärte mir das mit dem gestrigen Fall vom Fahrrad, denn von der Schwimmeinheit konnte das, trainiert wie ich derzeit bin, wohl kaum herrühren.

Auf dem Sofa las ich Torbergs Tante Jolesch aus, machte mir viele Notizen für den zugehörigen Blogpost.

Nächste Folge Yoga-Gymnastik, dass es nur um ein bissl Dehnen und sonst Entspannung ging, war mir gestern sehr recht.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Aloo Gobi, mit viel Aloo (Ernteanteil) und ein bisschen Gobi (Rest von Mittwochabend).

Gut! Nachtisch Schokoladenpudding, für mich mit Orangenmarmelade und für Herrn Kaltmamsell mit Rumtopf. Zweiter Nachtisch Süßigkeiten.

Social Media ist nicht nur Einigeln in Vertrautem und eigener Blase (wer schreibt bitte immer wieder diesen Schmarrn?), sondern auch, dass man wegen den Leuten, mit denen man im Internet abhängt, Kontakt zu Themen bekommt, die sonst komplett außerhalb der eigenen Wahrnehmung lägen. So gucke ich wegen herzbruch völlig artfremd Handball (!): Weil sie sich darüber begeisterte, dass die Männer-Mannschaft eines winzigen Landes (Faröer Inseln) der Männer-Mannschaft eines großen Landes (Norwegen) mit großen Menschen völlig überraschend Paroli bot und das sehr spannend war, hier der Sportschau-Spielbericht, den ich von vorn bis hinten angesehen habe. Durch dieses Angucken konnte ich auch noch besser nachvollziehen, dass Handball ein Sport ist, der sehr weh tut.

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Isolde Ruhdorfer beleuchtet für Krautreporter Mechanismen und Einfluss von Tiktok auf Nachrichtenkonsum – im Guten wie im Schlechten. Ich darf Ihnen den Artikel schenken.

“Die Teenie-Querdenker:innen”.

Die Gen Z politisiert sich auf Tiktok. Wegen der Plattform glauben mehr junge Menschen an Verschwörungsideologien. Aber Tiktok bietet auch eine Chance: mehr Aufmerksamkeit für vergessene Konflikte.

die Kaltmamsell