Journal Freitag, 12. Mai 2023 – #12von12

Samstag, 13. Mai 2023 um 9:50

Am 12. jedes Monats sammelt Draußen nur Kännchen die Blogs, die sich an der Fotoaktion #12von12 beteiligen – bei ihr ist offensichtlich völlig anderes Wetter als in München, denn sie greift für die Beschreibung des Mai zur Floskel “Wonnemonat”. Ich hatte die Aktion bis zum Vormittag vergessen, bekomme dennoch mit etwas Anstrengung 12 Bilder für einen Tagesbericht zusammen.

Endlich mal wieder richtig tiefer und guter Schlaf.

Nachdem ich mich seit Tagen nicht ganz gesund fühlte, inklusive etwas Kopfweh und leichten Atemwegsbeschwerden, testete ich doch mal wieder auf Covid-19.

1 von 12 – Negativer Coronatest

Draußen machte der Regen gerade Pause, ich kam ohne Schirm trocken ins Büro (wie viel vergnüglicher der Fußmarsch in die Arbeit ohne Regen ist!), sah in der Kälte meine Atemwölkchen vor mit. Ich hatte die Temperatur überschätzt: Im Büro griff ich bald zur Strickjacke übers langärmlige Shirt.

Draußen sah die Luft trocken aus, ich vertraute dem Regenradar trotz dunkelgrauer Wolken und spazierte ohne Schirm auf einen Mittagscappuccino. Ein neues Team-Mitglied wurde gerade angelernt und wollte das Cappuccinomachen dem Chef zuschieben, ich bestand mit “aber so lernst du es doch nicht!” darauf, ihn von ihr zu bekommen.

2 von 12 – Cappuccino im Stray

Schmeckte gewohnt gut, und die wacklige Milchschaumkunst darauf (mit vielen Entschuldigungen) war wirklich irrelevant.

Auch auf dem Rückweg blieb ich trocken.

3 von 12 – Der Gollierplatz mit neuem See

Mittagessen zurück am Schreibtisch: Laugenzöpferl vom Zöttl, (vorgeschnittene) Mango mit Hüttenkäse. Auch der Nachmittag im Büro war gut zu bewältigen, wenige Querschüsse.

Ich machte recht pünktlich Feierabend. Erster Einkaufsstopp war der Edeka auf der Theresienhöhe, bei dem ich nicht nur wie geplant Süßigkeiten, Zahnpasta, Eis bekam, sondern auch eine große und schmerzliche Lücke füllen konnte, siehe Bild 8.

4 von 12 – Im Forum Schwanthalerhöhe sah ich die zeitgenössische Form von Pop-up-Stores, einen Bitcoin-Aktionsladen.

Zweiter Einkaufsstopp im Vollcorner, unter anderem für Rotwein zum Abendessen: Es gab Kalbskotelett aus der Pfanne mit gedämpftem Spinat, dazu hatte ich mir von meinem Internet einen österreichischen Zweigelt empfehlen lassen.

5 von 12 – Die Thank-God-it’s-Friday-Skulptur am Beethovenplatz hat bereits Margaritendeko.

Daheim überraschte mich Herr Kaltmamsell mit weiteren Fliedersträußen, diese noch schöner als der erste Strauß, weil mit hübschem Grün darin.

6 von 12 – Flieder in Weiß

7 von 12 – Flieder in Lila, der tatsächlich anders duftete als der weiße

Jetzt formte ich erstmal den Brotlaib für die Stückgare. Ich hatte am Donnerstagabend das Quellstück für ein Roggenschrotbrot angesetzt, mit dem Gedanken gespielt, fürs Kneten des Teigs, das ein Backen am Freitagabend ermöglichte, mittags schnell heimzuradeln. Doch dann war mir aufgefallen, dass das recht bescheuert gewesen wäre, wo ich doch jemanden daheim hatte und das Abwiegen von Zutaten sowie Kneten mit der Küchenmaschine wirklich keine komplizierte Geheimwissenschaft war. Also hatte ich Herrn Kaltmamsell damit beauftragt. Beim Auskippen des Teigs aus der Schüssel auf die Arbeitsfläche stellte sich allerdings heraus, dass ich die nötige Brotback-Erfahrung im Hintergrund unterschätzt hatte: Herr Kaltmamsell hatte das Ergebnis der ersten Knetphase, “bis sich alles vermischt hat”, nicht überprüft. So befand sich einiges unverknetetes Mehl auf dem Schüsselboden, der Gesamt-Teig war nicht homogen.

Ich machte trotzdem laut Rezept weiter, formte aber nur einen großen Laib, um meinen Backstein nutzen zu können, war gespannt aufs Ergebnis. Jetzt stolzes Vorzeigen meines Jagderfolgs beim Edeka:

8 von 12 – Seit über einem Jahr herrscht Mangel an Dijonsenf (Ernteausfall wegen Dürre in Kanada, von dort beziehen französische Produzenten ihre Senfkörner), in München bekam man zumindest an einigen Stellen (lang nicht so vielen wie zuvor) die kleinen Gläschen unseres Lieblingsherstellers Maille. Die 500-Gramm-Gläser, die wir locker innerhalb weniger Monate wegverbrauchen, hatten wir schon lange nicht mehr gesehen, Herr Kaltmamsell checkte regelmäßig die Supermarkt-Regale. Weil mir eingefallen war, dass er dabei nie in den Edeka auf der Theresienhöhe kommt, sah ich nach – und fand gleich zwei Gläser. Großes Hurra!

Während der Stückgare des Brotlaibs turnte ich Yoga-Gymnastik. Meine Hüften mögen derzeit nicht so recht, die rechte, operierte ist in den vergangenen Tagen immer wieder heiß (was ich daran merke, wie kühl sich das Handy anfühlt, wenn ich es in die hintere Hosentasche stecke).

Herr Kaltmamsell bereitete das Nachtmahl zu, zur Feier des Wochenendes auch den Aperitiv.

9 von 12 – Es gab Manhattan perfect, gleich nachdem ich den Brot-Teigling eingeschossen hatte.

10 von 12 – Kalbskoteletts vom Eisenreich am Viktualienmarkt (wo solche Bestellungen zu hören sind) – besonders rührend das Petersilienblättchen zur Deko.

11 von 12 – Köstliches Nachtmahl. Der Zweigelt vom Heinrich hatte trotz Einschenken bereits eine Stunde zuvor Spitzen und schmeckte für sich recht sauer, nicht aber in Kombination mit Fleisch und Spinat – ein guter Begleiter. (Und sehen Sie, wie hell es draußen zu Abendessenszeiten noch ist? Trotz dunkelgrauem Himmel? So schön!)

Zum Nachtisch gab es Erdnuss-Eis, außerdem Schokolade.

12 von 12 – Das Brot hatte sich im Ofen ordentlich verhalten, Anschnitt gibt es erst am Samstag.

Früh ins Bett zum Lesen, ich schloss Rebecca Makkai, I have some questions for you ab und überlegte, warum ich davon eher unterwältigt war.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 11. Mai 2023 – Return of the Gummistiefel

Freitag, 12. Mai 2023 um 6:36

Aufgewacht zu Regenrauschen – so viel Regen immer wieder und jetzt am Stück gab es hier schon lang nicht mehr. Ich schaute im eigenen Blog nach: Zuletzt vor zehn Jahren, 2013, sah es in München ähnlich aus – bis hin zu Hochwasser. Ich erinnere mich auch deshalb so lebendig daran, weil das der Sommer meines Auszeit-Jahres war, den ich mir anders vorgestellt hatte. Und weil ich mir irgendwann dann doch das erste Paar Gummistiefel seit Kindheit gekauft hatte.

Zu diesen Gummistiefeln griff ich gestern, um nicht wieder so nass im Büro einzutreffen wie am Mittwoch. Hätte ich mein Deutschlandticket schon, wäre ich vielleicht für den Arbeitsweg in einen Bus gestiegen. Sollte ich es im Juni dann nicht mehr für Regentage benötigen, wäre ich aber keineswegs beleidigt.

Den ganzen Tag über arbeitete ich doppelt: Ich nahm an einer Konferenz mit wirklich wichtigen Themen und Informationen teil, musste dafür also Energie und Aufmerksamkeit aufbringen. Doch die Konferenz wurde über MS Teams online veranstaltet, und mein E-Mail-Postfach explodierte gerade: Gleichzeitig schaffte ich also ein paar Dutzend Dinge weg, trieb plötzlich aktuell gewordene Projekte voran, koordinierte und organisierte auf verschiedenen Kanälen. Ich war überrascht, dass ich das gestern schaffte, eigentlich habe ich ja gerade eine Phase, in der mich praktisch alle Sinneswahrnehmungen überfordern und mein Hirn regelmäßig brüllt “ICH WILL BITTE NICHT SEHEN HÖREN RIECHEN DENKEN!”.

Zu Mittag gab es in einer Konferenzpause Pumpernickel mit Butter, Mango mit Joghurt.

Nachmittags weiter in der Konferenz (und gleichzeitig im explodierten Postfach, zumindest kam kaum Neues rein), draußen regnete es pausenlos und traurig weiter. Für einen Vortrag zu aktuellem Heißen Technik-Scheiß, Info aus erster Hand, weil gehalten von einem echten Heißer-Scheiß-Technikforschenden, konzentrierte ich mich aber ganz auf die Konferenz – und wurde mit voll spannenden Heißer-Scheiß-Infos belohnt. (De facto arbeite ich ja in einer Heißer-Scheiß-Organisation, nur halt in der Verwaltungszentrale, und bekomme deshalb nicht immer genug Heißen Scheiß für meinen Technik-Appetit mit.)

Nach Feierabend stapfte ich unterm Schirm und in Gummistiefeln direkt nach Hause. (Diese Billig-Gummistiefel ermöglichen nur Stapfen, auch mit Einlegesohle.)

Eine Runde Yoga, dann verarbeitete ich den Salat aus Ernteanteil mit einer zugekauften grünen Paprika und Tahini-Dressing zu Abendessen. Herr Kaltmamsell buk getoastete Sandwiches im Sandwich-Toaster mit Tomate und Käse. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, Rebecca Makkais I have some questions for you zieht sich – und hat leider gar nichts von der Genialität ihres überragenden The Great Believers.

§

Auf Twitter sah ich an retweeteten Links, dass ich nicht die einzige war, die Nachrufe auf @dooce las. Hier einer aus der US-Blogwelt, der auch ihre zuletzt fragwürdige Haltung in der Öffentlichkeit anspricht:
“Heather Armstrong, aka Dooce, has Died”.

She wrote about her life in a way that seemed shocking and deviant to me at the time, throwing mud on the shiny gleaming idea that motherhood was a sanctified state of perfection. She was crass and hilarious as she dismantled expectations and declared that so much of what we were taught to aspire to was largely horse manure, and she was funny while she did it. Every influencer, every family channel, every monetized site trying to maintain an existence as a form of independent media can trace its history back to Dooce. She was more famous than the biggest channels on TikTok, more famous than the YouTubers with the most subscribers, more relevant at the time than any Instagrammer – without any of those forms of social media to build her audience and her community. Dooce was “just a blog,” and it was massive.

Lesenswert fand ich auch ein Interview von 2018 mit ihrer ältesten Tochter Leta, damals 14 Jahre alt, in Slate. Endlich fragte jemand mal das Kind einer Bloggerin, die ihr Familienleben öffentlich verkaufte, wie das so ist.
“When Your Mom Is ‘Mommy Blogger’ Heather Armstrong aka Dooce”.

(“Endlich” nicht nur wegen des grundsätzlichen Problems, mit welchem Recht Eltern ihre Kinder ins Internet stellen, sondern weil ich mir regelmäßig bei öffentlichen Aussagen von Eltern über ihre Kinder denke: “Dazu wüsste ich gerne die Sicht des Kindes.”)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 10. Mai 2023 – Nächste Runde Lindy Hop / Ein weiteres Loch in der Blog-Welt

Donnerstag, 11. Mai 2023 um 6:40

Auf dem Weg in die Arbeit regnete es heftig, und der Wind sorgte dafür, dass ich trotz großem Schirm teilweise richtig nass wurde. Im Büro war ich also erstmal damit beschäftigt, das Regenwasser aus dem unteren Drittel meiner Kleidung und aus Schuhen mit Papiertüchern aufzusaugen.

Ich saß und lief eine Weile barfuß herum, beschloss vor dem Klogang aber, dass meine Socken an den Füßen schneller trocknen würden. Was auch funktionierte: Die Socken waren nach einer Stunde trocken, Jeansbeine (bis auf den Saum) nach anderthalb – nur die Turnschuhe brauchten sehr lang. Am Donnerstag soll es so regnerisch bleiben, aber noch kälter werden: Das sieht nach Ersatz-Kleidung und -Schuhen fürs Büro aus.

Eintrübung des Arbeitstags: Die Cafeteria ist seit gestern geschlossen, es gibt vorerst keinen richtig guten Cappuccino mehr im Haus.

Weiterhin fühlte ich mich nicht richtig gesund, litt vor allem unter Bauchweh. Aber, wie Hanns Dieter Hüsch feststellte: Was von allein kommt, geht auch wieder von allein.

Das Mittagessen bestand aus Äpfeln sowie Pumpernickel mit Butter.

Den ganzen Tag über regnete fast pausenlos heftig (in der Wettervorhersage heißt das “ausdauernder Regen”), wehe die Landwirtschaft freut sich nicht.

Heimweg über nur einen kurzen Zwischenstopp im Drogeriemarkt für Eiweißriegel: Für den Wanderurlaub wollte ich eh welche besorgen, und dann konnte ich gleich gestern einen brauchen. Unser Tanzkurs, Block C, beginnt nämlich erst um 20.10 Uhr. Bis danach um halb zehn halte ich fürs Abendessen nicht durch, doch wenn ich bereits davor zu Abend äße, käme mir das Gegessene bei diesem doch recht sportlichen Tanzen leider hoch. Ich versuchte es also mit einer Überbrückung in Form eines kleinen Eiweißriegels und hoffte auf leichte Verdaulichkeit.

Davor turnte ich nach drei Tagen Pause wieder Yoga.

Kurz vorm Aufbruch zum Tanzen schlimme Nachrichten: @dooce ist tot, Heather B. Armstrong, die US-Urbloggerin, ihres war eines der allerersten Blogs, das ich überhaupt las. 2016 hatte ich sie auf der Bühne der re:publica gesehen.

Aber erst mal verdrängt, denn wir gingen ja zum Lindy Hop – wieder unterm Schirm und in der Hoffnung, in den zehn Fußminuten zur Tanzschule an der Sonnenstraße nicht zu nasse Schuhe zu bekommen.

Dieser Block C stellte sich als etwas ganz Anderes heraus als die beiden Blöcke zuvor, in denen wir Six-Count und Eight-Count zu eher gemütlichem Tempo getanzt hatten: Jetzt war Charleston angesagt, dessen Grundschritt vor allem aus Kicks besteht – um mit schneller Musik mitzuhalten. Diese Kicks dienten schon mal zum Aufwärmen. Wir lernten Grundschritt (in neuer Position zueinander, statt dem V bei Six-Count und Eight-Count erfordern die Kicks ein direktes Stehen voreinander, sonst tritt man einander) und erste Abläufe, mit wechselnden Partner*innen (dabei sah ich zum ersten Mal einen männlichen Follower). Ich fand auch dabei alles supereinfach, doch für die Leader war es das ganz offensichtlich nicht. Beim letzten Tanz landete ich wieder bei Herrn Kaltmamsell, wir versprachen einander Üben. Der Eiweißriegel erwies sich übrigens als perfekter Snack vorher, er bereitete mir keine Probleme.

Heimweg wieder unterm Schirm, die Pfützen waren größer geworden.

Fürs Abendessen hatte Herr Kaltmamsell eine große Auswahl bereitgestellt. Zwar hatte ich keinen Hunger, doch ohne Essen würde der mich sicher im Schlaf einholen. Also machte ich mir ein Sandwich mit Blauschimmelkäse und Tomate – hin und wieder liebe ich diesen weichen, gummigen, blenden weißen Sandwich-Toast sehr.

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Große Liebe für Lucille Ball, die schon in den 80ern nichts Harmloses in grabschenden Männerhänden sehen konnte:
“Take your hands off her”.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 9. Mai 2023 – Start in die Schnitzelgarten-Saison

Mittwoch, 10. Mai 2023 um 6:30

Eigentlich ganz gut geschlafen, in den Morgenstunden gestört durch Schnarchen – des Bettgenossen, aber auch meines (genau meine Horrorvorstellung: als Superempfindliche gegen Schnarchgeräusch nie wieder schlafen zu können, sobald ich selbst schnarche).

Ich stand auch munter auf, doch auf dem (sonnigen!) Weg in die Arbeit meldeten sich die Bauchschmerzen wieder – und brachten neben leichter Übelkeit große Erschöpfung mit.

Mittagscappuccino im Westend, allein der Aufenthalt draußen war herrlich. Beim Verlassen des Bürohauses hörte ich und sah dann auch am Himmel zwei Turmfalken, einer wohl ein Jungtier. Und übers Westend sausten die Mauersegler.

Mittagessen am Schreibtisch: Karottensalat, zwei superaromatische und saftige Birnen mit Hüttenkäse.

Am Nachmittag Info-Veranstaltung und Software-Schulung, Letztere aus verschiedenen Gründen sehr anstrengend.

Gestern legte ich meinen Heimweg so, dass ich am Hauptbahnhof mal wieder ein Automatenfoto für mein Projekt aufnehmen konnte. Doch auch diesmal fraß der Automat Geld ohne Foto: Eine Münze nahm er nicht an, die bereits eingeworfenen Münzen gab er nicht mehr her. Ich ärgerte mich.

Die nächsten Erledigungen klappten: Roggenschrot (*zack* enthält ein Paket von Donath nicht mehr ein Kilo, sondern 750 Gramm. Was kommt als Nächstes? Ein halbes Pfund Butter mit 200 Gramm?) und Mangos. UND: Das Wetter hielt. Der Umschwung zeichnete sich zwar schon mit Wolken und etwas Wind ab, doch ich konnte mit Herrn Kaltmamsell den Plan umsetzen, zum Abendessen in den Schnitzelgarten zu gehen.

Mein Gorgonzola-Cordonbleu schmeckte ganz hervorragend, die Pommes waren die besten seit Langem. Doch nein, wir schaffen das schon seit einiger Zeit nicht mehr ganz, ich hatte ganz rentnerisch eine Plastikdose für den Rest dabei. Ich merkte, dass sich meine Stimmung deutlich aufgehellt hatte, große Erleichterung.

Daheim ging noch Schokolade zum Nachtisch.

Herr Kaltmamsell hat derzeit eine dunkelblutige Stelle auf der linken Seite der hohen Stirn, die für mich aussieht, als habe ihn ein Auftragskiller mit gezieltem Schuss getötet. Weil ich dazu sofort wusste, wie Schauspieler als so getötete im Film immer ähnlich spielen (ganz kurzes Innehalten, stummes Umfallen): Gibt es an Schauspielschulen eigens Kurse für verschiedene Todesarten? Und ist der Auftragskillertod durch Kopfschuss in die Stirn überhaupt realistisch gespielt?

§

Ein Tweet über kindlichen Lesehunger und seine Fortsetzung auf Mastodon. (Warum sollte dabei relevant sein, ob die Bücher auf Papier oder auf Bildschirm gelesen werden?)

§

Es hat hier schon lange keinen Tanz mehr gegeben (auf den Tänzer Musa Motha stieß ich durch ein Vogue-Modefoto).

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https://youtu.be/CuAPZSTTBX4

die Kaltmamsell

Journal Montag, 8. Mai 2023 – Graue Laune passend zum Wetter

Dienstag, 9. Mai 2023 um 6:22

Mittelgute Nacht, ich schlief kaum tief.

Aufgestanden zu grauem Himmel, aber es war mild. Auf dem Weg in die Arbeit tröpfelte es mich an.

Keine zwölf Stunden nach Schließung sah das Frühlingsfest bereits halb abgebaut aus.

Grottige und missgünstige Laune.

Im Büro emsiger Vormittag ohne Zerren an meinen Nerven.

Mittagessen war mitgebrachter scharfer Karottensalat (Ernteanteil) mit frischem Koriander, dann gab es Mango und Orange mit Sojajoghurt.

Zur schlechten Laune kam nachmittags Ungehaltenheit über Schmerzen: Bauchweh, Kreuzweh, Hüftweh rechts – was sollte das bitte?

Nach Feierabend ging ich unter weiterhin grauem Himmel und in Temperaturen, die eine Jacke notwendig machten, nach Hause. Umweg über Einkäufe: Lebensmittel beim Vollcorner, bei einem Drogeriemarkt Bürobedarf – und eine neue Wasserfilterkanne. Nach sicher 15 Jahren leckt die vorhandene durch einen kleinen Riss im Boden.

Daheim rasches Räumen: Es kam Übernachtungsbesuch. Zu dritt setzten wir uns zum Abendbrot zusammen, es gab das selbstgebackene Brot vom Sonntag, einen großen Teller Käse, Tomaten, Gürkchen, Paprika, Radieserln.

Die Gespräche mit dem Gast hatten mich aufgemuntert, dennoch fühlte ich mich total erledigt und ging früh ins Bett.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 7. Mai 2023 – Endlich Maiensonnensonntag

Montag, 8. Mai 2023 um 6:21

Gut geschlafen, aber mehr als acht Stunden brauchte ich wohl nicht. Und wild geträumt, ganz schlimme und schmerzhafte Todesarten (von anderen), zum Glück jedesmal ein wenig aufgewacht und anders weitergeträumt.

Nochmal dieses Mischbrot gebacken, wieder mit ein paar Abwandlungen. Nach einem weiteren Durchgang zur Sicherheit werde ich es bei meinen Rezepten notieren: Ich finde es praktisch ein Brot-Rezept zur Hand zu haben, das nicht mindestens einen Tag Vorlauf braucht (nur genug Sauerteig-Fütterung).

Das Wetter sah herrlich aus, der Mai, der bekanntlich alles neu macht, hängte leuchtend grüne Blätter an die Bäume. Ich radelte zu einem Isarlauf nach Thalkirchen, lief in Frühsommersonne. Nachdem ich vor zwei Wochen für meine Laufrunde noch die Winterleggings, lange Ärmel und Weste benötigt hatte, war ich jetzt in Caprihose und kurzen Ärmeln unterwegs – Träger-Oberteil hätte sogar gereicht. Es umgaben mich herrliche Düfte, dominierte von Flieder.

Leider wollte ich nicht so recht ins selbstvergessene Traben kommen, seit gut einer Woche ist in mir irgendwas Betrübliches, was sich aber nicht konkretisieren will.

Überraschung im Isarwerkkanal gleich hinterm Wehr Maria Einsiedel: Eine Bisamratte.

Auch eine Art Baumwipfelweg (Isarhochufer).

Die Sicht auf Pullach wächst immer weiter zu.

Beim Passieren der Waldwirtschaft auf dem Rückweg: Steckerlfischdüfte.

Das Naturbad Maria Einsiedel aka Einzelbad sah startklar aus.

Winter- gegen Sommerschuhe getauscht – zu meinem großen Gefallen besitze ich nur so viel Kleidung, dass sie gesamt (und ungequetscht) in meinen Kleiderschrank im Schlafzimmer Platz findet und ich kein Zwischenlager im Keller benötige. Nicht mal für den Wintermantel.

Porung gleichmäßig: Mein Sauerteig tut seinen Job nach mehrfachem Auffrischen und Füttern wieder ordnungsgemäß.

Zum Frühstück frisches Brot – wenn man auf Obst und Joghurt verzichtet, gehen sogar drei dicke Scheiben (frisches Brot mit knuspriger Kruste lässt sich doch nicht dünn schneiden!).

Dann erwies mir Herr Kaltmamsell einen weiteren riesengroßen Gefallen: Er lotste mich durch den Antrag eines neuen Führerscheins (bis 2033 muss jeder Führerschein, der vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurde, in den neuen EU-Führerschein umgetauscht werden, gestaffelt nach Geburtsjahrgängen, heuer sind wir dran). Selbst hatte er ihn und alle seine Nebenanträge bereits online durchgespielt, ich wiederum hatte durch erfolgreichen Antrag der Bayern-ID und meinen neuen Personalausweis bereits eine (sehr dünne) Basis gelegt.

Nicht mal eine halbe Stunde Spaß mit App-Downloads und -Aktivierung, Passwörtern, Ausweis-Koppeln, weiteren Passwörtern, Hinterlegen des neuen Ausweises, Fotos von Personalausweis, Führerschein, Passfoto, Unterschrift, Upload von alldem, Online-Zahlung, E-Mail an die seinerzeit (1985) ausstellende Behörde – und schon muss ich nur noch auf die Bestätigung der ausstellenden Behörde warten, um den Antrag abzuschließen. Bei aller Freude darüber, dass der Vorgang überhaupt online möglich ist: Ich bezweifle, ob ich ihn ohne die Anleitung und die Geduld des Herrn Kaltmamsell überhaupt begriffen und dann durchgehalten hätte. Da ich mich für einen in Online-Dingen routinierten Menschen halte, mag ich mir gar nicht vorstellen, wie dieser Vorgang auf Menschen wirkt, für die “online” nur aus WhatsApp besteht.

Gemütlich auf dem Sofa die Wochenend-Süddeutsche gelesen. Während unser Abendessen garte, übte ich mit Herrn Kaltmamsell Lindy Hop: Nächste Woche starten wir Teil 3 unseres Tanzkurses.

Nachtmahl: Kalbsrahmgulasch mit Kartoffelpü, ich hatte Ruccola-Salat beigesteuert.

In der Dämmerung vom Balkon endlich Fledermäuse gesehen, davor hatte ich lediglich Herrn Kaltmamsells Information über Sichtung.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 6. Mai 2023 – Coronation Party

Sonntag, 7. Mai 2023 um 8:20

Gut und tief geschlafen, zu freundlichem Wetter aufgestanden.

Nach Wäscheaufhängen und Bloggen über Morgen-Milchkaffee buk ich Scones, doppelte Menge, die ich zu den Krönungsfeierlichkeiten mitbringen würde – plus Clotted Cream, die Herr Kaltmamsell im Frischeparadies im Schlachthofviertel erjagt hatte (Kaufhof am Marienplatz hat sie nicht mehr).

Wenn ich diese Albernheit schon mitmachte, dann zu meinen Konditionen (die mir Herr Kaltmamsell erleichterte, indem er auf meinen Wunsch eine Krone besorgt hatte) und als republikanische Vertreterin der Kolonien. Ich mag Motto-Partys.

Blöderweise entglitt mir in der Küche eines der kostbaren Gläser mit Clotted Cream, und der Fliesenboden tat seinen Job: kaputtmachen.

Reaktion von Herrn Kaltmamsell übrigens, als ich ihm die Einladung zur Coronation Party vorlas: “Hat sowas von Fußballspielgucken, wovon ich auch nichts verstehe.”

Um zehn waren wir bei unseren Gastgebern, die wir fast ein halbes Jahr nicht mehr gesehen hatten und die mit einem riesigen Frühstück die Absurdität des Anlasses zelebrierten. Zu meiner großen Freude hatte ich schon vor 11 Uhr Frühstücksappetit, und so aß ich Semmeln, Leberkäs, Käse, Bratwurst, Scones mit Marmelade, Käsestangen, trank Cappuccino, Tee und Wasser.

@kscheib hatte uns ein Coronation Bingo zusammengestellt.

Es kam gleichzeitig mit dem Prosecco zum Einsatz (weil ich es bis dahin vergessen hatte).
Später wurde auch noch Krönungstorte serviert, und zwar köstliche Friesentorte.

Um halb vier war dann aber wirklich alles rum. Königs zogen sich zurück, um hoffentlich die Füße ein bisschen hochzulegen, wir verabschiedeten uns. Ein ganz klein Wenig hatte ich davon geträumt, der englische König würde gleich im Anschluss an die Krönung zurücktreten, weil “to be honest”, das Ganze dann doch reichlich überholt “and a bit silly” sei – wäre der perfekte Moment gewesen, der nie wiederkommt.

Auf dem Heimweg (mild, am Himmel Mischung aus Wolken aller Farben und Wolkenlöcher) zweigte ich zum Verdi Süpermarket für Einkäufe ab – und entdeckte ein Kistlein mit hellen Zwiebeln einer spanischen Firma, auf der “dulce” stand, also süß. Ich nahm eine mit.

Schweren Herzens ließ ich die letzte Gelegenheit fahren, die Nifften alle drei im Chorkonzert zu sehen und zu hören (einer tritt danach aus) – doch am Sonntag würde ich für einen Übernachtungsgast am Montag vorräumen müssen, und sehnte mich zudem nach ein wenig Ruhe (meine Art von Ruhe).

Eine Runde Yoga-Gymnastik, Spaziergang die Sonnenstraße runter zur Packstation: Ein Päckchen, das für Montag angekündigt war, war bereits gestern in unserer Abwesenheit eingetroffen und lag nun dort zur Abholung bereit.

Fürs Abendessen war wieder Appetit da: Es gab Romanasalat mit Tomaten – und der speziellen Zwiebel. Was soll ich sagen? Hurra! Süße spanische Zwiebeln haben’s zum Verdi geschafft! Dann noch ein Stück Käse, Nachtisch ein wenig Schokolade.

Der Flieder beduftete weiterhin das Wohnzimmer.

die Kaltmamsell