Journal Dienstag, 15. August 2023 – Vergewitterter Freibadtag

Mittwoch, 16. August 2023 um 6:31

Gestern ließ ich mich ausschlafen – und schaffte tatsächlich über acht Stunden. Pläne (für mich einzeln) für den Feiertag hatte ich schon, versuchte mir aber einzureden, dass ich nichts davon musste.

Nach einem weiteren angenehmen Balkonkaffee in Sommerferienluft stimmte ich Verabredungen für die kommenden Wochen per Telefon, WhatsApp, E-Mail ab, machte mich dann fertig für eine Laufrunde, die ich wirklich, wirklich klein halten wollte. Um halb zehn heizte die Sonner bereits unangenehm, ich radelte zur Wittelsbacherbrücke und lief von dort Richtung Thalkirchen so konsequent wie möglich im Schatten. Dadurch kam ich auf andere Wege als sonst: Schatten hieß auch weniger Aussicht, das ermöglichte aber ruhigen Gedankenfluss. Es waren besonders viele Läufer*innen an der Isar unterwegs, allerdings, fiel mir gestern auf, vor allem junge Menschen – bislang war ich nur die langsamste Läuferin an der Isar, jetzt werde ich auch die älteste.

75 Minuten Laufzeit waren 15 über leichte Schmerzen hinaus (hamstrings, für die es kein griffiges deutsches Wort gibt, sondern nur Umschreibungen wie hintere Oberschenkelmuskulatur und angeblich “Ischiocrurale Muskulatur” – noch nie gehört), doch über den Tag spürte ich nichts mehr davon.

Weiterer Plan war Freibad, und zwar das wunderschöne Naturbad Maria Einsiedel (aka Einzelbad). Herr Kaltmamsell nahm mein Angebot an mitzukommen. Wir cremten uns daheim nackig gründlich mit Sonnencreme ein, nach ein paar Minuten Einziehen Freibadkleidung drüber.

Radeln nach Süden an der Isar entlang unter vielen, vielen anderen Menschen. Vorm Freibad ergossen sich die geparkten Räder 100 Meter die Straße entlang, aber meine Erfahrung bewahrheitete sich auch diesmal: An den offiziellen Radständern beim Eingang war noch Platz.

Nach Ausbreiten von Decken und Handtüchern auf der sehr gut besuchten Wiese war mir sehr heiß, ich testete gleich mal die Wassertemperatur im Kanal: Wundervoll kühl. Wie erwartet waren die Brombeeren reif, deren Dornenbüsche ein paar Meter Uferbegrenzung des Kanals bilden. Ich pflückte und naschte im kühlen Wasser stehend, fühlte mich Schlaraffenland-artig dekadent.

Das Isarwasser im Kanal hatte gestern eine trübe und rotbraune Färbung, das war mir bereits beim Laufen am Morgen aufgefallen: Es wird an einem lehmigen Ufer flussaufwärts stark geregnet haben. Weitere Nachrichten aus dem Einzelbad: Die Verpflegung ist gerade mühsam, das eigentliche Kiosk-Gebäude ist geschlossen (laut Website “aufgrund eines Pächterwechsels und damit verbundener Umbaumaßnahmen”). Gestern war ein Bratwurststand in Betrieb, allerdings erst ab 14 Uhr und mit einer viele Meter langen Schlange. Es scheint ratsam, Brotzeit selbst mitzubringen. Hinterm Schwimmbecken sah ich noch eine Eisbude.

Ich ließ mich in der Sonne trocknen, hörte Musik. Gerade als ich nochmal den Kanal runtergeschwommen war und beim Frühstück (Apfel, Pumpernickel) zu trocknen begann, wurde der Himmel sehr schnell sehr dunkel. Eine Durchsage informierte, dass für die nächsten beiden Stunden Gewitter angekündigt seien und man im Gewitter-Fall das Bad schließen werde (aus zweiter Hand, ich hatte nichts außer “Gewitter” gehört, weil Musik auf den Ohren, Herr Kaltmamsell informierte mich). Nach nur gut zwei Stunden Aufenthalt packte ich also schon wieder zusammen, da bekomme ich ja schon bei Schwimm-Besuchen in Münchner Bädern mehr Zeit fürs Eintrittsgeld. Ich radelte recht flott heim, erwischte erste Regentropfen.

Hochsommerbeweis: Nach dem Duschen daheim hatte ich nicht das Bedürfnis, meine Haare trockenzuföhnen (Sie erinnern sich an meine Obsession, dass nasse Haare bei mir SOFOCHT Lungenentzündung hervorrufen?), weil mir die Verdunstungskälte wichtiger war.

So saß ich dann mit nackten Beinen auf dem wohltemperierten Balkon, vor dem sanft der Regen in Linde und Ahorn rauschte, fühlte mich wohl. Zwar gedachte ich mitfühlend der Menschen, deren lang herbeigefreute Draußenpläne dieser Regen verdarb, doch runterziehen lasse ich mich dann wieder, wenn es mir passiert. Dass daraus zwei Stunden Landregen wurden, freute mich als SoLawi-Genossenschaftlerin noch mehr.

Nachdem ich zum Wäscheaufhängen reingegangen war, zog es mich allerdings nicht mehr zurück auf den Balkon. Ich turnte die nächste Folge Yoga-Gymnastik.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell (alles aus Ernteanteil): panierte Kohlrabi-Schnitzel (gut!), neue Kartoffeln aus dem Ofen, dazu Chinakohl-Kimchi, Rhabarber-Ketchup. Nur die Majo, die ich so gerne zu Paniertem und knusprigen Kartoffeln mag, war fertig gekauft.

Zum Nachtisch stellte ich die restlichen Blaubeeren mit Stracciatella-Eis und Schlagsahne zusammen.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 14. August 2023 – Dritter St. Brück des Jahres mit Hochsommerwanderung

Dienstag, 15. August 2023 um 8:35

Auch an diesem Brückentag (yay!) vorm bayerischen Feiertag Mariä Himmelfahrt1 ließ ich mich von Weckerklingeln wecken: Wir wollten mal wieder von Tutzing nach Herrsching am Ammersee wandern und möglichst noch vor der Hitze los. Ich hatte mir diesen Werktag zum Wandern erbeten, weil ich auf wenig weitere Wanderer hoffte, vor allem aber auch möglichst wenige Radler*innen, die mittlerweile zu weit über der Hälfte mit Elektro-Antrieb diese Strecke (durchaus als Radstrecke ausgewiesen) durchrasen.

Nochmal Balkonkaffee, ich habe etwas nachzuholen.

Und ich wollte vorher noch auf den Viktualienmarkt, weil ich auf instagram Blaubeer-Erntebilder gesehen hatte: Vielleicht hatten sie es dort an einen der Pilz- und Beerenstandln geschafft.

Unterwegs eine sensationelle Entdeckung: Gleich am Anfang der Sendlinger Straße wird ein Madam-Chutney-Imbiss eröffnen! Jetzt gegen 9 Uhr zeigte das Thermometer am Juwelier Fridrich noch 23 Grad an (die nächtlichen Gewitter hatten gut abgekühlt), ich drehte meine kleine Einkaufsrunde sehr entspannt.

Erfolg auf dem Viktualienmarkt: Es gab an einem Stand wunderbar frische Wildheidelbeeren; das Kistl was so klein, dass sie sehr wahrscheinlich eine Stunde später bereits weg gewesen wären. Im Supermarkt besorgte ich gleich noch Sahne dazu. Bestätigung am heimischen Briefkasten: wieder keine Zeitung.

Ordentlich sonnengecremt, Rucksack mit zwei Wasserflaschen, Brotzeit und Wanderjacke (wegen evtl. Gewitter) gefüllt, ab in einen Zug an den Starnberger See.

Auf die Schicht Sonnencreme kam kurz nach Start in Tutzing eine dichte Schicht Anti-Brumm, das Wander-Erlebnis von vor zwei Jahren wollte ich wirklich, wirklich nicht wiederholen.

Die Temperatur war auch jetzt noch angenehm, Boden und Straßen waren noch nass vom nächtlichen Regen und kühlten. Es wurde eine schöne Wanderung, mit Tiersichtungen (unter anderem ein Reh weit vor uns auf dem Weg, das Büsche knabberte, zwei Frösche in einer der vielen Pfützen im Wald, eine besonders schön gezeichnete Mönchsgrasmücke, Schwalben, Kühe verschiedener Rassen), an meinem Körper muckten nur ein wenig die hinteren Oberschenkel. Erst das letzte Drittel des Wegs wurde hochsommerlich warm, doch es gab immer Schatten. Und meine Rechnung ging auf: Wir begegneten gar keinem anderen Wandersvolk und nur sehr wenigen Radler*innen, diese zwar mit E-Antrieb, aber gemütlich unterwegs.

Blick zurück auf den Starnberger See.

Auch dieses Mal mussten wir uns die Umrundung der Deixlfurter Seen erkämpfen, der auf der GPS-Karte eingezeichnete Weg war ein kaum sichtbarer Pfad durch alle möglichen Arten von dichter Vegetation. Eine halbe Stunde lang bereute ich die kurze Wanderhose eh, dann führte der letzte Abschnitt auch noch alternativlos durch ein Brennnesselfeld. Jetzt kenne ich die Folgen: Meine Beine bitzelten den ganzen Tag wie aufwachende eingeschlafene Füße. (Auch die Stellen an den Armen, die ich nicht ganz aus dem Weg brachte.)

Kein Einkehren in Gut Kerschlach, das Lokal Tagesbar war (wie erwartet) geschlossen. In den Liegestühlen davor machten wir kurz nach eins die erste Pause, ich frühstückte Apfel, Vollkornbreze, Pfirsiche. Doch ich vermisste eine Trinkwasserquelle, das tat ich aber auf der ganzen Strecke: Schon jetzt hätte ich gerne Wasser nachgefüllt, gestern wurde ein Tag mit knapp fünf Litern Wasserbedarf.

Lassen Sie sich nicht von der geringen Größe der Hütte täuschen: Sie war randvoller Kühe.

Am Kloster Andechs kamen wir nach drei an, machten im Schatten nochmal Pause.

Die restlichen anderthalb Stunden der Tour führten uns durch schattigen Wald an den Ammersee, den wir ein schönes Stück entlang gingen. Der See war hitzedunstig verhangen, an den Kiesbuchten lag viel Badevolk. In Herrsching besorgten wir nach 21 Kilometern Wanderung Getränke-Nachschub (dem Seewasser hatte ich dann doch nicht genug getraut).

Fahrt zurück mit einmal Umsteigen, weil derzeit die S-Bahn-Stammstrecke zwischen Pasing und Ostbahnhof wegen Bauarbeiten gesperrt ist (irgendwann müssen die halt sein).

Daheim meine derzeit tägliche Yoga-Folge, dann gründliches Abduschen der Sonnencreme-Mückenspray-Schweißschicht. Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell morgens aus gesammelten Gemüseresten und Parmesanrinde aus Gefriere Brühe gekocht, darin gab es ein Mitbringsel eines gebürtig Ulmer Freundes: Maultaschen vom Bunk in Ulm.

Hervorragend. Zum Nachtisch servierte ich Blaubeeren mit halb geschlagener Sahne, Schokolade passte aber auch noch hinterher.

Gestern Abend blieb die Hitze in der Stadt: Als ich zu Bett ging, ließ ich Fenster und Balkontüren der Wohnung noch geschlossen.

  1. Nehmen Sie diesen Feiertag nicht auf die leichte Schulter, hier ein wenig Bildungsbloggen, wenn ich schon als Ungläubige davon profitiere: Der katholischen Kirche (der offiziellen – die einzelnen Katholik*innen legen sich ihre Glaubensinhalte erfahrungsgemäß ja ganz individuell und unverbindlich zurecht) ist die Himmelfahrt Mariens, wenn auch nirgends in der Bibel erwähnt, sogar eines der seltenen Dogmen wert:

    Die römisch-katholische Kirche hat in der Frage der leiblichen Auferstehung ein Dogma, also eine unfehlbare Entscheidung des Papstes für die römisch-katholische Glaubenslehre, erlassen. 1950 erklärte Papst Pius XII. die “leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel” zum verbindlichen Glaubensinhalt.

    Quelle und mehr Hintergrund []

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 13. August 2023 – Winziger Yoga-Fortschritt

Montag, 14. August 2023 um 7:58

Nach einer guten Nacht nach Langem mal wieder ruhig, heiter und erholt aufgewacht – eine halbe Stunde vor Weckerklingeln (weil Pläne), was einen besonders schönen und gelassenen Morgen ermöglichte.

Bloggen über Milchkaffee, Wasser, Schwarztee, dann Internetlesen. Einmal hob ich den Blick, schaute kurz in die Linde vorm Balkon, deren sonnenbeschienene Blätter sich in der Brise besinnlich bewegten. Doch die Besinnung schaffe ich mal wieder nicht, mein Blick ging nach kurzer Wahrnehmung zurück zum Bildschirm.

Der Badspiegel zeigte: Ich hatte am Samstag beim Sonnencremen vor dem Schwimmen offensichtlich einen Finger-breiten Streifen links neben dem Nasenflügel ausgelassen. Der war jetzt lustig rötlich.

Wir waren mittags bei Schwiegers verabredet, noch vor neun radelte ich zur Isar für eine Laufrunde. Es war ein heißer Tag angekündigt, doch jetzt kühlte die Luft beim Radeln noch meine nackten Schultern und Arme angenehm, auch an der Isar verhinderten verdunstender Morgentau und feuchter Boden Hitze.

Ich lief wundervoll leicht von der Wittelsbacherbrücke zum Hinterbrühler See und zurück, auf dem Rückweg gegen leichten Wind, der ein Stechen der jetzt höher stehenden Sonne wegpustete.

Nach Duschen und Ankleiden nahmen wir einen Zug nach Augsburg, wurden am Bahnhof Haunstetter Straße von Herrn Schwieger abgeholt. Das Mittagessen hatte Herr Kaltmamsell am Samstag und gestern gekocht und brachte es mit: Drei Currys, die er besonders gut macht.

Von links: Palak Paneer (Spinat mit selbst gemachtem Frischkäse), Aloo Gobi (scharfes Blumenkohl-Kartoffel-Curry), Butter Chickpeas (Kichererbsen in der Sauce für Butter Chicken). Sie erfreuten uns alle viere. Dazu machte Frau Schwieger einen Würtemberger Riesling auf, der gut passte.

Frau Schwieger servierte danach auch den ersten Zwetschgendatschi der Saison mit Sahne – und überraschend süßen Zwetschgen.

Mittlerweile waren bedrohliche Wolken aufgezogen, es gab Unwetterwarnungen. Herr Schwieger fuhr uns zurück zum Zug, in München dräuten die Wolken nicht ganz so bedrohlich.

Unterwegs las ich Bov Bjergs Der Vorweiner aus, daheim bügelte ich eine Weile, um darüber nachzudenken. Ich bin sehr, sehr, sehr gespannt, was das Feuilleton darüber schreiben wird. Und sie werden darüber schreiben, der Mann war für den Deutschen Buchpreis nominiert. (Ab sofort sammle ich Die Besten FAQs, erster Eintrag hier.)

Auch gestern schaffte ich die Yoga-Folge zum Datum. Winziger Fortschritts-Moment bei crow pose: Bislang war meinem Körpergefühl ein Rätsel, wie das funktionieren sollte, wo der Hebel lag, was ich überhaupt mit welchem Schwerpunkt balancieren sollte. Beim gestrigen Versuch erhaschte ich ein Fitzelchen Antwort auf diese Fragen, als ich kurz beide Beine abheben konnte – inklusive dem Begreifen, wie weit mein Weg zu Stabilität in dieser Haltung ist, dass ich sie sehr wahrscheinlich nie erreichen werde (was völlig ok ist und keinerlei Makel: es geht ja, wenn ich das richtig verstanden habe, darum, Bewegungen und Haltungen auszuprobieren und zu erfahren, nicht ein sportliches Ziel zu erreichen).

Zum Abendessen Reste: Tomaten, Gurke, selbstgebackenes Brot, Mibuna – Blattsenf, wir versuchten ihn wie die Meerschweine von _dieliebenessy zu knabbern (wohl nur mit Anmeldung bei instagram anschaubar), ziemlich anstrengend. Nachtisch Schokolade.

Im Bett neue Lektüre begonnen, das aktuelle Granta 164, Last Notes. Dadurch erfahren, dass Herausgeberin Sigrid Rausing mit dieser Ausgabe aufhört.

§

Corona? Welches Corona?
Lars Fischer war so nett, einen wissenschaftsjournalistschen Überblick über die aktuelle Lage und den Stand der Forschung aufzuschreiben (mit sauberer Nennung von Quellen und informierter Einordnung).
“Steigende Corona-Zahlen, neue Varianten und das Impf-Update”.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 12. August 2023 – #12von12 in Sommer reloaded

Sonntag, 13. August 2023 um 7:51

Heute halbherzige Teilnahme an #12von12 (hier Erklärung), denn mein Tagesablauf warf wenig Fotografables ab. Sammlung der Beiträge vom August 2023 hier.

Ich habe ja versprochen, nie über einzelne nicht gelieferte Ausgaben meiner Süddeutschen zu meckern. Gestern war das die vierte nicht gelieferte Ausgabe innerhalb von zwei Wochen, jetzt darf ich. Zumal wieder mal die SZ-Seite für Reklamationen nicht funktionierte, ebenfalls nicht zum ersten Mal in den vergangenen Wochen.

1 von 12: Statt Wochenend-Süddeutsche Ärger.

Trotz Verzichts auf Espresso am Vorabend war die Nacht eher unruhig, der viele Alkohol halt. Ich wachte zu früh auf, dadurch ging zumindest der Vorteig des 7-Pfünder-Brots nicht viel länger als im Rezept angegeben.

Erstmal Brotteigdinge (Zutaten abwiegen, Küchenmaschine beim Kneten überwachen, Teig abdecken und Knethaken reinigen) und Pflanzengießen.

2 von 12: Balkonkaffee an einem eindeutigen Sommermorgen.

3 von 12: Nach Teigruhe und Stückgare stürzte ich den Teigling auf den Brotschieber – verhielt sich sehr gut (war schön aufgegangen, behielt seine Form und war elastisch). Ab in den Ofen.

Geduscht und Schwimmzeug gepackt.

4 von 12: Eine halbe Stunde vor Fertigbacken verließ ich das Haus Richtung Dantebad, ums Rausholen des Brots kümmerte sich Herr Kaltmamsell.

Gestern war komisches Wetter. Beim Schwimmen (3.000 Meter ohne auch nur Frösteln, sehr super) war der Himmel fast durchgehend bewölkt, ich stellte mich auf Streichen des Sonnenbads ein weil keine Sonne. Schon beim Verlassen des Beckens immer mehr blauer Himmel, nach dem Duschen nahezu wolkenlos. Also legte ich mich eingecremt in die Sonne, es war heiß.

5 von 12: In den kühlen und regenreichen Wochen hatte sich der Rasen des Dantebads in ein sattes Grün erholt. Rechts der Kiosk, Quelle des Frittenfettdunstes überm Schwimmbecken (gestern nicht sehr schlimm).

Ich hörte ein Stündchen Musik in der Sonne, immer wieder sanft gekühlt von einer Brise, packte dann zusammen. Beim Heimradeln suchte ich den Schatten, die Sonne stach böse.

6 und 7 von 12: Der 7-Pfünder sah hervorragend aus (Farbe der Krume in Echt deutlich goldener).

Zu Hause gab es um drei erstmal Frühstück: Zwei dicke Scheiben frisches Brot mit Butter, eine mit Tomate, eine mit Mibuna (Blattsenf) aus Ernteanteil belegt. Dann eine große Runde Körperpflege inklusive Pediküre mit allem, also Entfernung Nagellack, Nägelschneiden und -feilen, Füße einweichen, Hornhaut- und Nagelhautbearbeitung, Unter-, zweimal Farb-, Überlack.

8 von 12: Dieser Nagellack-Entferner war mir für den so schwer wegzukriegenden Glitzerlack empfohlen worden: Jawoll, damit geht es viel besser.

Am Nachmittag mehr komisches Wetter, mal düster (angenehm milde Temperatur auf dem Balkon), mal sonnig (sofort unerträglich heiß).

9 von 12: Schon am Vorabend die ersten Seiten gelesen, jetzt voll eingestiegen in die Lektüre von Bov Bjergs neuem Roman Der Vorweiner (Wochenendezeitung gab’s ja keine.) Der Verlag bittet darum, vor 31. August nichts darüber zu veröffentlichen, aber ich verrate schon mal, dass ich mit meiner Interpretation des Marketing-Texts sehr wahrscheinlich richtig lag.

Am Ende des Nachmittags die Tagesfolge Yoga-Gymnastik, ziemlich anstrengend, weil mit viel Balance.

10 von 12: Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Salade niçoise, darin Eisberg-Salat und Kartoffeln aus Ernteanteil. Er schmeckte hervorragend, und auf dem Balkon hatte es jetzt die perfekte Temperatur.

Nachtisch Pfirsich und restliche Mirabellen, dann Schokolade. Auf dem Balkon auf eine Fledermaussichtung gewartet – mit Erfolg.

11 von 12: Wie immer freute ich mich bei jedem Vorbeigehen am Anblick des Blumenstraußes, denke oft daran, schaffe aber einfach keinen regelmäßigen Kauf.

12 von 12: Früh ins Bett zum Weiterlesen, Deckenlicht nötig, weil meine Nachttischlampe nicht hell genug für Papierlektüre scheint.

§

Die Gastarbeit-Generation ist längst im Rentenalter – und im Pflegealter. Wie sich Pflegedienstleister darauf einstellen (im besten Fall):
“Kultursensible Pflege.
‘Wir müssen die Kultur verstehen'”.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 11. August 2023 – Wochenabschluss im Broeding / Barbie und ich

Samstag, 12. August 2023 um 9:26

Ich hatte den Wecker ein wenig vorgestellt, nachdem es am Vorabend für meine Verhältnisse spät geworden war.

Draußen versprach der Morgen den angekündigten Sommertag: Ich ging in Sonnenschein in die Arbeit, braucht aber noch eine Jacke.

Mittags raus auf einen Cappuccino, jetzt roch es tatsächlich nach Sommer und Sommerferien, auch das Licht und die Farben passten dazu.

Als Mittagessen gab es Tomaten, Pumpernickel mit Butter, Mirabellen (von letzteren möglicherweise zu viel, aber bei Happen-großem Obst kriege ich den Teller-Leeressen-Mechanismus nie weg, siehe Kirschen, Erdbeeren).

Kaum wurde es wieder Sommer, fiel mir bei meinen Wegen über die Büro-Gänge auf: Ich hätte gerne Sandalen mit Schmatzschutz.

Nach pünktlichem Feierabend ging ich über Vollcorner (Zutaten fürs geplante Brot) nach Hause. Dort Yoga-Gymnastik und Vorabend-Handgriffe fürs 7-Pfünder Hausbrot.

Für den Abend waren Herr Kaltmamsell und ich verabredet: Wir trafen uns mit zwei Freunden im Broeding zu großem Menü mit Weinbegleitung.

Eigentlich hatte ich den angekündigten Temperaturen nicht getraut, doch im Hinterhof des Broeding war es gestern Abend und bis in die Nacht tatsächlich warm genug für Jackenfreiheit. Wir genossen also den lang vermissten Sommerabend (ich hatte ja die Hitzewochen Ende Juni / Anfang Juli im kühlen England verbracht). Nachtrag: UND wir sahen nochmal einen eindeutigen Mauersegler am Himmel.

Eigenmächtig vom Smartphone aufgenommen.

Beim Aperitif brauchte ich die letzte Reserve Besonnenheit auf und bestellte den alkoholfreien (und köstlichen) Rhabarber-Ingwer-Drink, aber dann ging ich mit den anderen drei all in.

Als Gruß aus der Küche gab es Melonen-Gelee mit Kalb, Estragon, Pumpernickel – ein köstlicher Happen.

Der erste Gang war mein Favorit: Starnberger Seerenke wie Matjes eingelegt (die würde ich gerne nachbauen) mit wundervollem, leicht scharfen Weißkraut, gegrillter Papaya und Stangensellerie. Weinbegleitung: Ebner-Ebenauer Riesling Alte Reben, der sehr wenig nach Riesling schmeckte und sich ausgezeichnet mit dem Kraut unterhielt.

Kalte Gurkensuppe (die, wie alle kalten Gemüsesuppen derzeit, “Gazpacho” genannt wurde) mit hervorragender geräucherter Lachsforelle und Tagetes-Öl. Dazu im Glas ein Tement Sauvignon Blanc, aber vom Schiefergestein (Kitzeck-Sausal), sehr untypischer, rasser Sauvignon-Blanc-Geschmack.

Mit Couscous gefüllte Zucchiniblüte, dabei gegrillte Aubergine und roter Mojo. Das Dunkelgoldene dazu, das besonders schön mit dem Mojo harmonierte, war ein ungarischer Wein: Mad Bomboly Dulo 2007, ein sehr trockener Furmint aus der Weinregion Tokaj.

Den Hauptgang vergaß ich zu fotografieren (oder ich hatte den Auslöser nicht energisch genug gedrückt: es kommt regelmäßig vor, dass ich Aufnahmen später nicht auf dem Handy habe): Sous-vide-gegartes Rind mit Semmel-Stoppelpilz, roten Zwiebeln, Sommertrüffel und Kartoffelpüree. Der Rotwein dazu war mein Liebling des Abends: Ein ungewohnt frischer Grassl Bärnreiser aus dem österreichischen Carnutum.

Zum Käsegang gab es den laut Sommelier einzigen Rotwein aus der Wachau: Den Pinot noir Knoll Blauer Burgunder.

Dazwischen ein Eiserl: Basilikum-Sorbet, Geschmacksbombe.

Wundervolles Dessert (auch für mich Restaurant-Dessert-Skeptikerin): Weißes Schokoladen-Kurkuma-Mousse mit dunkler Ganache und Beeren – Kurkuma und weiße Schokolade erwiesen sich als ausgezeichnete Kombi. Dazu gab es eine Kracher Trockenbeeren-Auslese – wieder ungewöhnlich, nämlich in Rot (laut Sommelier eignen sich rote Trauben dafür eigentlich nicht so gut, denn ihre Schale ist dicker, mit dem Risiko, dass nicht nur die erwünschten Edel-Schimmelpilze durchdringen).

Die Herren genossen abschließend Espresso, ich war ein zweites Mal am Abend vernünftig und erhöhte durch Verzicht die Aussicht auf eine ruhige Nacht. Durch eine weiterhin milde solche spazierte ich mit Herrn Kaltmamsell zurück zur U-Bahn vom Rot-Kreuz-Platz, kam knapp vor Mitternacht ins Bett.

§

Meine Barbie-Vergangenheit nachgereicht:

Mit klassischen Puppen konnte ich nie etwas anfangen. Möglicherweise fehlten mir schlicht von Geburt an Fortpflanzungswunsch-Hormone, doch es gab immer Spiele, die mich mehr interessierten, als Mutti zu spielen – am liebsten spielte ich mit den vielen anderen Kindern im Wohnblock Rollenspiele: Zauberwelten (selten – aber ich redete zwei Nachbarsmädchen erfolgreich über Tage ein, in einem bestimmten Baum lebe eine Fee, mit der nur ich mich unterhalten könne – die doofe Mutter von einem der Mädchen ließ mich auffliegen), Cowboy-und-Indianer, aus dem Stockbett von Manuela und Alexandra wurde ein Schiff. Wir spielten durchaus auch Vater-Mutter-Kind – ich erinnere mich zum Beispiel, wie wir mit frisch gemähtem Rasen Grundrisse von Wohnungen legten. Als Requisiten nutzten wir dafür auch Spielzeug, doch ich kann mich an keine Puppen erinnern, denn die Babys in diesen Familienspielen spielten wir selbst.

Doch mit elf, zwölf, mittlerweile wohnte ich nicht mehr in dem Haus mit den vielen Kindern, traten Barbies in mein Leben. Ich erinnere mich an Nachmittage im Gerolfinger Eigenheim-Spielkeller einer Mitschülerin, an denen wir uns ausschließlich mit Barbies beschäftigten. Und dabei war tatsächlich zentral, dass diese Figur ein autarkes Leben hatte: Ein Barbie-Haus besaß zwar keine von uns, aber meiner Erinnerung nach hatte die Mitschülerin ein Barbie-Wohnmobil, das fungierte im Spiel halt als Haus. An weitere Details unserer Barbie-Spiele erinnere ich mich nicht, nur an meine Zuckerfee-Barbie in entsprechender Ballett-Kleidung (das könnte sie gewesen sein, vielleicht auch diese hier), die ich ziemlich sicher zu Weihnachten bekommen hatte – meine erste Begegnung mit diesem Ballett (die Musik, stellte sich später heraus, kannte ich allerdings bereits als Zwischenmusik von Märchen-Schallplatten). Zudem erinnere ich mich, dass diese Kleidung sehr unpraktisch fürs Spielen war, sie passte überhaupt nicht zu den Rollen, die ich der Figur zuschrieb. Wodurch ich herausfand, wie scheißteuer original Barbie-Kleidung war (ich guckte im Spielzeugladen danach), und wie aufwändig und fiselig, sie selbst zu schneidern (ich glaube, meine Hobby-schneidernde Mutter weigerte sich).

§

Anderer Leut’ Lebenserinnerungen:
“als ich Torwächter in einem niederländischen Schloss war”.

Die Macht der Buttermöhren.
(Erwähnte ich, dass ich Blogs toll finde?)

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 10. August 2023 – BARBIIIIIIIEEEEE!

Freitag, 11. August 2023 um 8:48

Ich war seit Längerem mit einer sehr weltläufigen Internet-Bekanntschaft, die es vor ein paar Monaten beruflich nach München verschlagen hat, und mit Herrn Kaltmamsell zum Barbie-Gucken verabredet und hatte für gestern Abend Tickets im Cinema besorgt. (Wegen dieser Verspätung hatte ich bislang auch noch keine Rezensionen oder Analysen des Films gelesen, wollte ihn möglichst wenig vorbelastet sehen.)

Der so lange vorbefreute Film erwies sich als gemischtes Erlebnis.

Einerseits:
Ich amüsierte mich die knapp zwei Stunden lang, hatte viel Spaß und Vergnügen, lachte mehrfach laut.
Die Schauspieler*innen waren sensationell, angefangen mit Margot Robbie und Ryan Gosling, auch America Ferrera, und Kate McKinnon bringt mich ja schon durch schiere Anwesenheit in einem Film zum erfreuten Quietschen.
Bühnenbild, Maske und Kostüme erwiesen sich als mindestens so großartig wie erhofft, die Texte enthielten einige wirklich gute Pointen.

Andererseits:
Ausgerechnet das Drehbuch von Greta Gerwig empfand ich als mangelhaft. Es schien mir unentschlossen, welche Geschichte es eigentlich erzählen wollte, erklärte mir seine Anliegen (Pink-Washing im Kapitalismus vs. wirklichem Kampf für Frauenrechte / irreale Ansprüche an Frauen / Patriarchat als Seuche / finde dich selbst im traditionellen US-amerikanischen Sinn) zu explizit und ein paar mal zu oft. Die Handlung, die sich anfänglich abzeichnete, wurde schnell aufgegeben, statt dessen kippte der Film in eine Nummernrevue (was nicht schlecht sein muss!), in der für meinen Geschmack Ken zu viel vorkam, die Managerbrigade von Mattel nach dem ersten Lacher komplett überflüssig war. Und gegen die vielen besinnlichen Vorträge am Schluss bin ich eh allergisch.

Zusammengefasst: Ich wünschte, der Film wäre eine konsequente Nummernrevue gewesen und hätte seine ideologischen Anklänge charmanter indirekt durchscheinen lassen.
(Bin schon sehr gespannt auf all die Rezensionen, die ich zum Hinterherlesen abgespeichert habe.)

§

Der restliche Tag:

Wieder nach Aufwachen vor fünf nochmal tief eingeschlafen, Weckerklingeln als unangenehme Störung empfunden.

Nachts hatte es nochmal geregnet, doch schon auf dem Marsch in die Arbeit glaubte ich das Wärmerwerden der Luft zu spüren.

Die Büros um meines waren gestern wieder überraschen gut gefüllt. Bei mir war es aber so ruhig, dass ich sogar die Posten auf meiner Jobliste anpackte, die ich seit Monaten von Liste zu Liste übertrage.

Mittags lief ich auf den Markt am Georg-Freundorfer-Platz (wirklich im Schweinsgalopp, Bauarbeiten am Bürohaus zwangen mich zu einem Umweg), kaufte im Sonnenschein an einem Gärtnerei-Standl Tomaten, neue Äpfel und Mirabellen. Mittagessen zurück am Schreibtisch: Pumpernickel mit Butter, Nektarinen.

Nachmittags stieg mir hin und wieder der Duft meines aktuellen Parfums (Aesop Eidesis) in die Nase und erfreute mich: Es riecht ungewöhnlich stabil, verändert sich nach dem Auftragen nicht.

Aktueller und bislang stärkster Motivator, meine Tagespläne darauf abzustellen, dass Yoga reinpasst (was ich bislang nicht sehr gemacht habe – wenn’s nicht klappte, dann halt nicht): Zufällig habe ich diese Wiederholung von Adrienes 30-Tage-Programm Move an einem ersten des Monats gestartet, seither stimmen Datum und Nummer der Folge überein, ich muss nie nachdenken oder gegenchecken, welche drankommt. Das gefällt mir. Doch diese Harmonie bleibt nur erhalten, wenn ich jeden Tag eine Folge turne.

Pünktlicher Feierabend, denn es gab ja Abendpläne – vor denen ich, siehe oben, noch eine Folge Yoga-Gymnastik unterbringen wollte. Das klappte auch, gegen Magenknurren aß ich einen Eiweißriegel und eine Hand voll Mirabellen. Dann nahmen wir eine U-Bahn zum Cinema und guckten mit der Internet-Bekanntschaft (der Herr hatte es sogar in ein blassrosa Outfit geschafft) Barbie.

Wir hatten alle drei noch nicht zu Abend gegessen, spazierten also nach Filmgucken rüber in den Löwnbräukeller (zum Draußensitzen im Biergarten war es mir zu frisch). Ich bestellte zu meinem alkoholfreien Weißbier Kalbskopfsülze mit Bratkartoffel, Letztere sehr gut, die Sülze allerdings stark unterwürzt. Diskussionen über den eben gesehenen und andere bunte Filme, Abenteuergeschichten aus des Neu-Münchners Weltläufigkeit.

§

Wie Leute arbeiten, die an echten historischen Sanskrithandschriften forschen.
“Routine (Beijing)”.
(Blogs sind toll.)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 9. August 2023 – The best-laid schemes

Donnerstag, 10. August 2023 um 6:31

Nach überraschendem Aufwachen vor fünf nochmal so tief eingeschlafen, dass ich auf das Weckerklingeln sehr unwillig reagierte.

Erstmal Check, wie es den Island-Urlaubenden geht. Ich genieße es sehr, die Reise in eine für mich völlig exotische und abschreckende Gegend mitzuerleben.

Draußen Regen, bleiern grauer Himmel. Ich hatte meinen Sportrucksack gepackt, Plan war weiterhin sehr früher Feierabend und eine Schwimmrunde im Dantebad – egal bei welchem Wetter.

Unterm Schirm in die Arbeit, im Westend eine neue arithmetische Erkenntnis einsammelnd. Der Regen hielt an, in wechselnder Stärke, bis zum frühen Nachmittag.

Für meinen Mittagscappuccino huschte ich zur Nachbarsfirma-Cafeteria.

Vormittags Schreibtischarbeit mit der Not-Strickjacke aus dem Unterschrank zwischen Hemd und Jeansjacke, sonst hätte ich gefroren – dieses Büro ist aber auch besonders kalt: Das wusste ich vor meinem Umzug hier hinein vom täglichen Post-Verteilen, wenn ich beim Öffnen der Tür immer das Gefühl hatte, eine Kühlkammer zu betreten.

Zu Mittag gab es gekochten Buchweizen mit Joghurt und eine Nektarine. Und dann wie geplant: Feierabend kurz nach Kernzeit, ich stempelte um 15:15 Uhr aus.

Mit der U-Bahn zum Westfriedhof.

Hatte ich zuletzt spät nachts: Einen ganzen alten U-Bahn-Waggon für mich.

Wie sagt Yoga-Lehrerin Adriene immer am Anfang ihrer 30-Tage-Programm-Folgen: “The hardest part is over – you are here.” Stellt sich heraus: Das lässt sich nicht aufs Schwimmen übertragen.

Ich fragte sogar nach, um ganz sicher zu sein, dass ich meine Schwimmpläne aufgeben musste: Ja, das war das Becken bei den Tribünen. Nein, das Wasser im anderen, kleinen 50-Meter-Becken war nicht so warm, sondern drei Grad kälter. Das hätte also Frieren bedeutet. Ich war genervt, wenn auch nicht tief enttäuscht.

Auf der Tramfahrt in die Innenstadt haderte ich kurz, ob ich nicht auch so zumindest 2.000 Meter geschafft hätte. Doch dann erinnerte ich mich daran, dass mir frierendes Schwimmen wirklich keinen Spaß macht, und um Spaß geht’s mir ja.

Also drehte ich ab Stachus eine Runde Lebensmitteleinkäufe, nahm zur Launeaufhellung auch Blumen mit.

Daheim eine Runde Yoga-Gymnastik, bevor ich mit Herrn Kaltmamsell zum Abendessen außer Haus ging: Er hatte sich chinesisches Essen im Mai Garten gewünscht, von dem wir seit Jahren nur Gutes hören. Wir spazierten in die Buttermelcherstraße und bekamen tatsächlich das beste chinesische Essen bisher in München.

Oben als Vorpeisen Schweinemagensalat mit wunderbaren Gewürzen und Kräutern sowie sauer-scharfe Suppe (aß nur Herr Kaltmamsell, der sie für so lala befand). Unten links Auberginen nach Sichuan-Art, wunderbar saftig und aromatisch. Unten rechts Ma Po Tofu – oft gegessen, kocht auch Herr Kaltmamsell gut, aber nie mit so vielen und überraschenden Geschmacksnoten.

Zurück daheim noch Schokolade, ich holte die Tagesschau nach.

Gestern fand ich heraus, warum ich meine aktuelle Lektüre, Julie Orringers Transatlantic, so schwer fand: So heißt die Netflix-Fernsehserie, aber Orringers Romanvorlage The Flight Portfolio – kein Wunder, dass es sie scheinbar nicht in der Stadtbibliothek gab.

die Kaltmamsell