Journal Sonntag, 19. Juni 2022 – Hitzebekämpfung und andere Häuslichkeiten

Montag, 20. Juni 2022 um 6:24

Ich hatte mir den Wecker gestellt, um Zeit zum Bloggen zu haben; nach recht guter Nacht (wir hatten das Zimmer – Westfenster ohne Rollläden oder sonstige Hitzesicherung – nachmittags mit einer Stunde Klimaanlage vorgekühlt) wachte ich vorher auf.

Wieder holte ich mir nach dem Duschen aus der Hotel-Lobby einen Kaffee, diesmal mit systematischen Experimenten am Kaffeevollautomaten, um den Cappuccino weniger wässrig schmecken zu lassen: Ich zog die Tasse weg, wenn der Espressostrahl durchsichtig wurde. Fast richtig gut wurde das Ergebnis nach zwei Versuchen, wenn ich einen Cappuccino auf dieses Weise zubereitete und dann noch einen Espresso nachgoss. Bis dahin hatte ich allerdings deutlich mehr Koffein zu mir genommen, als gut für mich war.

Der Morgen wurde bereits wieder sehr heiß. Bei Schwiegers verabschiedeten wir uns mit herzlichem Dank für das wundervolle Augsburg-Wochenende, dann ließen sich Herr Kaltmamsell und ich von meinen Eltern zum Bahnhof fahren. Die pünktliche, übersichtlich besetzte und gut temperierte Regionalbahn brachte uns kurz nach elf aus der Augsburger Hitze in die Münchner Hitze.

Daheim wässerte ich erst mal Pflanzen und packte aus, dann ging ich nochmal ins Heiße, um Semmeln zu holen.

Vor das Frühstück hatte der Tagesplan aber noch einen Liebesdienst gesetzt: Ich buk aus dem Ernteanteil-Rhabarber einen Kuchen mit Baiserhaube für Herrn Kaltmamsell, der Rhabarber liebt. Selbst mag ich Rhabarber ja gar nicht, Baiser respektiere ich nicht besonders (hätte er sich ein bisschen angestrengt, wären köstliche Makronen – bevorzugt Schoko- oder Nuss- – oder Amaretti draus geworden).

Frühstück um zwei: Semmeln. Eine gute Stunde später, nachdem ich den Kuchen aus dem Ofen zog, gab es den zweiten Eiskaffee der Saison.

Urteil des Essers: Sehr gut, aber beim nächsten Mal bitte weniger Zucker in den Rhabarber (Baiser sei ja schon süß) und den Baiser bitte als Gitter aufgespritzt. Mit solchem Feedback kann ich arbeiten.

Der Nachmittag verging (in der verdunkelten und gut gekühlten Wohnung) mit Bügeln, Zeitunglesen und einer Runde Yoga. Zum Nachtmahl gab es Einkäufe vom Augsburger Stadtmarkt: Saibling geräuchert, Saibling kalt geräuchert (letzterer fast so hart und salzig wie geräucherter Schinken), eingelegte Oliven, Kräuterfrischkäse, zum Fisch Meerrettichsahne (geschlagene Sahne hatte ich Füchsin vor dem Süßen von der Eiskaffeesahne abgezweigt), außerdem noch vorhandenen Käse und die erste Ernteanteilgurke der Saison. Nachtisch reichlich Schokolade.

Einiges an Organisieren und Räumen, denn die Klagenfurtreise wollte vorbereitet sein. Unter anderem richtete ich mir ein Nextbike-Konto ein, das scheint in Klagenfurt inzwischen der einzige Zugriff auf Leihradln zu sein. Und für mindestens zwei Gelegenheiten brauche ich während der Bachmannpreis-Lesetage ein Fahrrad.

Bei noch leicht hellem Himmel ins Bett. Da es draußen noch deutlich wärmer war als in der Wohnung, blieben die Fenster erst mal zu.

§

Wenn Sie Zugriff aufs SZ-Magazin haben, empfehle ich sehr die Geschichte über Katharina Grosse (€): Thomas Bärnthaler und Stephanie Füssenich haben die Entstehung eines ihrer riesigen, über-raumgreifenden Wandgemälde begleitet. Nach der Lektüre hat sich meine Auffassung von Kunst mal wieder etwas verschoben (was ich liebe).
“Systemsprengerin”.

Anruf bei Bazon Brock, emeritierter Professor für Ästhetik und Kulturvermittlung in Wuppertal. »Grosse ist eine denkende Künstlerin in der Tradition von Duchamp, keine Malerei-Pathetikerin«, sagt Brock. »Sie gehört nicht zur Tradition der Malschweine wie Van Gogh oder Jackson Pollock.« Grosse betreibe Malerei, die den Zusammenhang zwischen Bild und Nichtbild zum Gegenstand mache, indem sie die Grenzen dazwischen aufhebe, das habe vor ihr noch niemand gemacht.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 18. Juni 2022 – Augsburg mit Wassertürmen und Kiss me Kate auf der Freilichtbühne

Sonntag, 19. Juni 2022 um 8:53

Morgens holte ich mir nach dem Duschen und Anziehen in der Hotel-Lobby einen Automaten-Cappuccino, auf den mich mein Vater am Vorabend hingewiesen hatte: Bloggen also in Morgenkaffee-Begleitung.

Es war ein heißer Tag angekündigt, Herr Kaltmamsell und ich machten uns mit meinen Eltern kurz nach neun zu unserem geplanten Spaziergang durch die Augsburger Innenstadt auf. Und wie es halt so ist, wenn Menschen, die sonst nie Öffentliche Verkehrsmittel nutzen, mit Öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind: Es gab eine Panne. Die Straßenbahn von Haunstetten blieb nach wenigen Halten kaputt liegen, auch ein Neustart der Systeme half nicht. Wir stiegen alle aus und liefen zehn Minuten zu einer anderen Straßenbahnlinie.

Die brachte uns endlich zum Königsplatz, ab da glichen Herr Kaltmamsell und ich ab, was sich wie in den vergangenen 23 Jahren verändert hatte, seit wir fortgezogen waren.

Erstes Ziel war der Stadtmarkt, auf dem wir uns ausgiebig umsahen. Ich erkannte Vieles wieder, freute mich aber auch über Veränderungen.

Metzgerhalle.

In der Fischzeile kauften wir Räucherfisch, in der Feinkosthalle beim Stand von damals Kleinigkeiten. Spaziergang Richtung Fuggerei.

Nach einem weiteren fehgeschlagenen Versuch, online eine passende Manomama-Jeans zu kaufen, nutzte ich die Gelegenheit, den einzigen Offline-Manomama-Laden zu besuchen und Jeans anzuprobieren. Jetzt weiß ich: Derzeit gibt es kein Modell, das mir passt, irgendwas steht immer seltsam weg. Vermutlich wären für mich die Herren-Schnitte geeigneter, aber die gibt es nicht in meiner derzeit so niedrigen Größe. (Völlig in Ordnung, ein solch kleiner Hersteller kann ja nicht für alle Körperformen produzieren.)

Maximilianstraße mit Rathaus.

Meine Eltern waren mit Herrn Kaltmamsell schon mal vorgegangen Richtung Elias-Holl-Platz, an dem meine Studentinnenwohnung gelegen hatte. Ich traf sie an im Gespräch mit dem Wirt, der mittlerweile das Lokal führt, über dem ich gewohnt hatte: Seit zehn Jahren ist das sein spanisches Restaurant mit Feinkostverkauf. Er konnte mir einiges Interessantes erzählen über die Leute von damals und wie sich das Lokal warum verändert hatte (und warum nicht).

Meine Eltern wollten die Fuggerei besichtigen, die dieses Jahr 500. Geburtstag feiert, also gingen wir dorthin und sahen uns um.

Ich kannte diese erste Sozialsiedlung schon, doch mir gefiel aktuell sehr gut, wie die beiden Museen den Blick darauf richteten, dass Bedürftigkeit keine Schande ist, dass sie viele Gesichter hat, dass sie nicht übersehen werden darf.

In einem Schaufenster an der Jakoberstraße gesammeltes (durchaus gewöhnungsbedürftiges) Augschburgerisch.

Für den frühen Nachmittag hatten wir Tickets zu einer Führung durch den wichtigsten Teil des Augsburger UNESCO Weltkulturerbes: Zu den Wassertürmen des Jahrhunderte-alten Wassermanagement-Systems.

Vorher gab es Mittagessen: Wir ließen uns im zauberhaften Gastgarten der Wolfsklause nieder, die derzeit als italienische Osteria Albero Verde bewirtschaftet wird. Ich aß ganz ausgezeichnete Rigatoni mit Salsicce und Pilzen, trank eine große Flasche Wasser dazu.

Die Führung durch die Wassertürme war superspannend, ich hatte davor keine Ahnung gehabt, wie technisch ausgefeilt Ausburg schon in der Rennaissance zu sauberem Trinkwasser gekommen war.

Start am Brunnenmeisterhaus.

Blick nach oben in den kleinen Wasserturm (das eigentliche technische Gerät war nach der Stilllegung Ende des 19. Jahrhunderts leider entfernt worden, Zeichnungen und Modelle machten die Abläufe nachvollziehbar).

Blick in den Handwerkerhof.

Originale Stuckdecke im großen Wasserturm. Das Gestell deutet das verschwundene oberste Geschoß mit Wasserbecken an.

Graffiti gab es immer schon.

Abschließend sahen wir auch Wasser: Dieser Bach war damals zweigeteilt in Trinkwasser (aus Quellen im Siebentischwald) und Antriebswasser aus dem Lech für die Schaufelräder, die das Trinkwasser hochpumpten.

Jetzt war es richtig böse heiß geworden. Wir fuhren mit einer (problemlosen) Tram zurück zum Hotel und schnauften aus.

Abendprogramm: Die Premiere von Kiss me Kate in der Freilichtbühne am Roten Tor – die mir aus meinen Augsburger Jahren vom Vorbeiradeln vertraut war, in der ich aber möglicherweise noch nie eine Vorstellung gesehen hatte.

Bereits feingemacht spazierten Herr Kaltmamsell und ich mit meinen Eltern zu Schwiegers – die als Vor-Theater-Snack kalte Platten auffuhren, dass sich der Tisch schier bog, von Vitello tonnato über Schinkensortiment, Schmalz und Eiern bis Tomaten, Gürkchen, Karotten bis zu einer ausladenden Käseplatte samt Birne und Trauben. Zu ein paar Gläsern Bitter Lemon (hatte ich ewig nicht mehr getrunken, schmeckte mir gestern ganz ausgezeichnet) aß ich große Mengen vielerlei Käse, knabberte Gemüse, schloss mit Trauben ab.

Fahrt zum Roten Tor mit Bus und Tram, uns blieb nach Ankunft noch reichlich Zeit, Theaterpublikum zu gucken. Für die Chronik festgehalten: Die Kleidung für solch eine Freiluftpremiere hatte ein großes Spektrum von Strand-Outfit inklusive Flipflops oder Wander-Funktionsoutfit mit kurzen Hosen über Alltagskleidung bis (kurze) Abendgarderobe mit glänzenden bis glitzernden Materialien (Damen) und Anzug mit offenem Hemdkragen (Herren).

Frau Schwieger hatte als geübte Freiluftbühnen-Besucherin Weiches für die Eisengittersitze dabei – zum Glück für alle, es wäre sonst wirklich unbequem geworden. Und dann verbrachten wir zweieinhalb ausgesprochen vergnügliche Stunden mit durchwegs hochklassigen und enthusiastischen Darsteller*innen, liebevollem Bühnenbild (alle Elemente zum Drehen für die jeweilige Erzählebene), perfektem Sound (das Orchester saß im linken Kulissenteil, man sah es durch den Torbogen). Dass die Handlung des Musicals heute schmerzlich aus der Zeit gefallen wirkt (ein Mann muss widerspenstige Frauen nur so lange schlagen und einsperren, bis sie sich in ihn verlieben), versuchte ich einfach auf die unrealistische Ebene von sprechenden Tieren wie in König der Löwen zu stellen.

UND! Wir bekam zu meiner großen Überraschung und Freude sogar Steptanz zu sehen! Deswegen hier der Abschluss mit der unvergleichlichen Ann Miller (Schauspielen? nein, nicht für ein Fünferl – aber meine Güte konnte die Frau TANZEN) in der ikonischen Verfilmung von genau diesem Cole-Porter-Musical mit “It’s too darn hot” (das man auch in der Augsburger Inszenierung mitgenommen hatte).

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/usM3w18Fdtw?t=77

Am Klavier übrigens in dieser Szene Cole Porter selbst, den Ann Miller zum Schluss mit Namen anspricht.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 17. Juni 2022 – St. Brück mit Ausflugstart in Augsburg

Samstag, 18. Juni 2022 um 8:04

Nacht war ok, ich konnte nach ein paar Mal Wachwerden immer wieder schnell einschlafen.

Wieder war es früh am Morgen warm genug für einen Balkonkaffee (aber nur knapp, auf die Dauern fror ich). Dabei wurde ich von einem Buchfink angebrüllt, der sich auf den Sims gesetzt hatte.

Sportplan für den angekündigten Hochsommertag war Schwimmen. Weil ich auch diesen Tag eng durchtakten musste, radelte ich kurz nach neun los zum Dantebad. Dort freute ich mich über die lockere Besetzung der Schwimmbahnen, auch war fast kein Spielzeug in Anwendung – dann fiel mir der Grund ein: Es war ja Freitag und eigentlich ein Arbeitstag. Ein HOCH! auf St. Brück.

Taktung und Pläne hin oder her: Ich nahm mir Zeit für eine gut eingecremte Runde Sonne und hörte dabei Musik. Als ich das Dantebad kurz vor eins verließ, füllte sich die Liegewiese gerade zügig. Es war heiß geworden, ich suchte an roten Ampeln Schatten.

In der Maxvorstadt kaufte ich Espresso auf Vorrat sowie Semmeln fürs Frühstück. Auf der Heimfahrt musste ich mir wegen Baustellen-Straßensperren nördlich des Bahnhofs wieder einen neuen Weg suchen – und ärgerte mich. Denn die Verkehrsplanung für Radlverbindungen zwischen dem südlichem und dem nördlichem Bahnhofsviertel ist schlicht eine Katastrophe. Der Bahnhofsplatz ist seit vielen Jahren Baustelle, vor Start des Bahnhofsumbaus war ja das Tiefgeschoß S-/U-Bahn/Tiefgarage saniert worden. Die Situation für den Radverkehr nord-süd: Halsbrecherisches Schlängeln zwischen Autos beim Passieren des Bahnhofs oder große Umwege wegen halbseitiger Sperrung von Luisenstraße oder Schillerstraße, durch welche Alternative man gerade durchkommt, ist jedesmal ein Abenteuer. Wenn nicht gezielt der Radverkehr eigens geplant wird (es gibt auf der Nordseite durchaus Schleichwege abseits des Autoverkehrs), bleibt das bis mindestens 2030 so, also bis zum angestrebten Abschluss des Hauptbahnhof-Umbaus. Ich werde mir einen Antrag für die nächste Bürgerversammlung überlegen, den Fahrradverkehr bei Umleitungen künftig zu priorisieren. Denn es gibt ja einen Lichtblick: Bei der Sanierung der Paul-Heyse-Unterführung war der Radverkehr offensichtlich kein Nebengedanke, sondern eigene Überlegungen wert gewesen. Selbst in den Bauabschnitten, in denen Autos durch ein Nadelöhr fahren mussten, wurden großzügige Radlspuren freigehalten.

Zu Hause (Herr Kaltmamsell hatte alles Hitze-abweisend verdunkelt) lud ich nur kurz ab, ging dann zu einem kurzen Freundestreffen in der Nähe: Es gab Dinge abzusprechen, einander kurz auf neuen Stand zu bringen.

Schnelle Supermarkteinkäufe für Sonntag. Daheim um drei endlich Frühstück: Semmeln und Flachpfirsiche. Duschen und Anziehen, Packen für den nächsten Ausflug: Wir verbringen das Wochenende mit meinen Eltern bei Schwiegers in Augsburg, sie hatten meinem Vater zum 80. Geburtstag zwei Tage Programm dort geschenkt und uns dazugeladen.

Also setzten wir uns in einen Zug nach Augsburg (fürs Protokoll wg. 9-Euro-Ticket: Bislang habe ich nur einmal eine Nahverkehrsverbindung voll erlebt, und die auch nur jeder-Sitzplatz-besetzt-voll), der spärlich besetzt und wohl gekühlt war. Herr Schwieger holte uns ab, nach kurzem Stopp am Hotel fuhren wir weiter in einen Biergarten. Dort großes Hallo – und Diskussionen, ob ein Biergarten, in dem man keine Brotzeit mitbringen darf, überhaupt Biergarten heißen darf.

Für mich gab’s zu einem Hugo das Brotzeitbrettl – klarer Favorit auf der Speisenkarte, sobald ich “Presssack” las.

Für den abendlichen Absacker setzten wir uns auf den Balkon bei Schwiegers, tranken Cremant, beobachteten Mauersegler am Himmel, identifizierten per App die Flugzeuge, die dazwischen Kondensstreifen erzeugten, sahen beeindruckende Taubenschwänzchen (Wikipedia: “Zahlreiche vermeintliche Kolibrisichtungen in Europa gehen auf Beobachtungen an dieser Schmetterlingsart zurück.” hihihi) und sehr, sehr viele (mutmaßliche) Brachkäfer.

Spaziergang zum Hotel in herrlich kühler Nachtluft – die es leider nicht so recht ins stickig heiße Hotelzimmer schaffte.

§

Es hört nicht auf: Immer wieder muss man die eigentlichen Heldinnen der Geschichte ans Licht zerren. Danke, Terra DCKS.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/D2O0wUIZEQI

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, Fronleichnam, 16. Juni 2022 – Mühlenwanderung mit Familie im Schuttertal

Freitag, 17. Juni 2022 um 8:04

Doofe Nacht, diese hatte nach Langem sogar wieder ein Loch, in dem ich halt Roman las.

Wegen Plänen hatte ich mir den Wecker gestellt. Zum ersten Mal war es warm genug für Balkonkaffee.

Die Pläne: Eine Mühlenwanderung im Schuttertal mit Familie, zwischen Wolkertshofen und Nassenfels. Nach Hitzesicherung der Wohnung (Rollläden runter, Fenster zu bis auf die in den kühlen Lichthof) nahm ich mit Herrn Kaltmamsell eine Regionalbahn nach Ingolstadt (so früh war sie schön leer und ohne Personen im Gleis auch pünktlich), meine Eltern holten uns ab. Auf dem Weg nach Wolkertshofen kam ich erstmals durch das riesige neue Einkaufsviertel im Westen der Stadt, wohin Ingolstadt mittlerweile all die Geschäfte und Gastronomie ausgelagert hat, zu denen die Bürger*innen vor 20 Jahren noch in die Innenstadt fuhren. Die Folge (wie im Vorbild USA und Einkaufs-Mall): Ausgestorbene Innenstadt mit viel Leerstand, allgemeine Freude über die Möglichkeit, endlich direkt vor allen Einkaufs- und Essgelegenheiten parken zu können.

Start und Endpunkt der Wanderung war das Gasthaus Stark, daran gleich der erste historische Hinweis.

Das Anfangs sommerlich sonnige Wetter wurde sehr wacklig, immer wieder spürten wir Tropfen, einmal mussten wir uns vor einem energischen Regenschauer unterstellen. Die zweistündige Runde selbst war ganz zauberhaft, neben schönen Mühlen sahen wir weite Ausblicke auf Felder (Kartoffeln, Saubohnen, Zuckerrüben, Gerste) und viele spannende Vögel: Bussard, Falken, Schwalben, Lerchen, Störche, Mauersegler.

Schutter bei der Kunstmühle Husterer.

Alte Grenzmarkierung der früheren Regierungsbezirksgrenze Oberbayern/Schwaben/Mittelfranken.

Unterhaidmühle, Egweil (Aussprache “Öhwe”).

Neben Wegkreuzen und Marterl trafen wir auch einen säkularen Ort für Halt und Besinnung an – Volksbesinnlichkeit? (Andererseits haben ja viele Orte mit Fremdenverkehr mittlerweile offizielle “Philosophen”- oder “Achtsamkeits-“Wege angelegt, wohl als unreligiöse Alternativen zu Kreuzwegen und katholischen Andachtsorten.)

Wasserschloss Nassenfels mit Storchennest und Storch, kurz nachdem uns ein Regenschauer unter ein Vordach der stilistisch sehr international diversen Einfamilienhaus-Neubausiedlung von Nassenfels getrieben hatte.

Wolkertshofen.

Einkehren im Gasthof Stark.

Ganz hervorragendes Essen, der Gasthof nennt nicht nur alle (Bio-)lieferanten sowie den Jäger dieser Rehkeule, sondern macht eindeutig wirklich alles selbst: Der Wirsing knackig und mit leichter Sahnesoße, die Birne bewies allein schon durch ihre intensive Nelken-Note, dass sie nicht aus der Dose kam. Dazu gab es zwei alkoholfreie dunkle Weizen vom Lammsbräu.

Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher in den Brudergarten: Am Kirschbaum, den ich im März hatte blühen sehen, waren Kirschen reif. Jetzt schien die Sonne ziemlich heftig, aber Kirschbrocksonnenbrand Ehrensonnenbrand.

Auf der Rückfahrt Fabio Geda, Verena von Koskull (Übers.), Ein Sonntag mit Elena ausgelesen. Mir gefiel das Undramatische der einfachen Geschichte: Ein Witwer hat für die Familie seiner erwachsenen Tochter gekocht, doch diese muss kurzfristig absagen. Er ist enttäuscht und geht raus auf einen Spaziergang, lernt am Skaterpark eine Frau mit Teenagersohn kennen, lädt die beiden zum ausgefallenen Familienessen ein. Für einen Nachmittag lassen diese Fremden sich aufeinander ein.

Besonders wird diese einfache Geschichte, weil sie technisch liebevoll erzählt wird, nämlich mit der Stimme der zweiten erwachsenen Tochter aus einigen Jahren Abstand. Sie erzählt ihre Sicht auf ihren Vater mit, auf die ganze Familie, auf ihr eigenes Heranwachsen, ihr jetziges Leben. Ich mochte es, für einige Stunden von Übersetzerin Verena von Koskull nach Norditalien mitgenommen zu werden.

Daheim war die Wohnung angenehm kühl, ich nahm mir Zeit für ausführliche Pediküre. Und richtete meine Nägel mit dem Lack nach Langem mal wieder wie ein Kindergartenkind zu.

Mich ereilte ein ungewohnter Fressflash, der mich Flachpfirsiche (gut!) und Salzmandeln verschlingen ließ.

Eine Runde Yoga, bevor Herr Kaltmamsell das Nachtmahl servierte: Pak Choi aus Ernteanteil asiatisch aus der Pfanne mit restlichen Kartoffeln vom Vorabend, reichlich Schokolade.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 15. Juni 2022 – Richtig guter Bubbly ohne Alkohol

Donnerstag, 16. Juni 2022 um 6:52

Unruhige Nacht mit mehrfachem Aufwachen.

Bisherige Impffolgen: Schmerzen an der Einstichstelle. (Nachmittags brach ich nochmal meinen persönlichen Rekord auf der Corona-Warn-App: Sieben Risikobegegnungen. Werde also auch weiterhin täglich testen und sehe keinen Anlass, das Tragen einer FFP2-Maske in bemenschten Innenräumen und bei mangelndem Abstand zu anderen aufzugeben.)

Auf dem Weg in die Arbeit strahlende Sonne, Cirruswolken überm Blau, aber sehr kühl – ich brauchte eine Jacke.

Diese Sommermorgendüfte bei Kühle! (Ganz anders riecht es bei Morgenwärme.)

Der Hausbau auf der Theresienwiese geht weiter. Nur noch wenige Wochen bis zu Sperrung wegen allgemeinem Oktoberfestaufbau.

Erneuerter Ärger:
Allerorten lese ich Aufforderungen zum Blutspenden, der Mangel sei bedrohlich. Ich checkte also nochmal, ob ich weiterhin als potenzielle TSE-Überträgerin (Rinderwahn) ausgeschlossen bin, weil ich 1991/1992 in Großbritannien gelebt habe: Ja, bin ich, hier die aktuelle Hämotherapierichtlinie der Bundesärztekammer als PDF, siehe S. 18. Solange hierzulande kein Test der Spende auf TSE (wie in UK) eingeführt wird, der Herrn Kaltmamsell und mich als mehr denn willige zu tatsächlichen Spender*innen macht, kann der Mangel ja so schlimm nicht sein.

Neues Feature meines Onlinelebenes: Ich habe die Freuden des Blockens kennengelernt. Auf Twitter muss ich das ja nicht, weil mein Account privat ist und ich jede*n Follower einzeln freischalten muss. Was ich auch bei leisestem Zweifel eher nicht mache. In der Folge muss ich mich nicht mit unsachlichen Angriffen herumschlagen. Doch das bewirkt auch, dass mich Gemeinheiten in instagram-Kommentaren besonders verstören. Doch jetzt blocke ich die Absender-Konten einfach (bislang reine Stänker-Accounts mit null eigenen Einträgen, aber auf privat gestellt), das ist ein wirklich schönes Gefühl.

Nach Feierabend spazierte ich zu Einkäufen in der Stadtmitte; es war mittlerweile so warm, dass ich Schatten suchte.

Zu Hause Yoga, während Herr Kaltmamsell Nachtmahl kochte: Kräuterkartoffeln mit neuen Kartoffeln aus Ernteanteil, dazu gebratener Camembert und Ofenkäse.

Endlich erstes Abendessen auf dem Balkon, die Temperatur war genau richtig.

Vor allem aber hatte Herr Kaltmamsell einen Sparkling Tea gefunden, den unsere Berliner Gewährsfrau für guten Geschmack, @FrauIndica, empfohlen hatte: Copenhagen Sparkling Tea weiß. Laut ihr gibt es ein immer größeres richtig gutes Angebot an alkoholfreien Getränken, die sich auch als Begleitung zu fine dining eignen – Reaktion auf eine nachwachsende Generation, die immer öfter gar keinen Alkohol mag.

Tatsächlich: Schmeckte ganz ausgezeichnet (Duft nach Jasmin und Lindenblüten, im Grunde passend zur derzeitigen Natur, feinperlig, Geschmack erinnerte auch ein wenig an das Kräutrige von Almdudler), kann ich mir hervorragend als Begleitung zu asiatischen Speisen mit Kokosmilch und leichter Schärfe vorstellen.

Diese wundervollen längsten Tage des Jahres, an denen der Himmel um 22 Uhr noch nicht ganz dunkel ist (und das passende Wetter, um das überhaupt zu sehen).

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 14. Juni 2022 – Impf 4

Mittwoch, 15. Juni 2022 um 6:33

Eine fast richtig gute Nacht, ich wachte eine halbe Stunde vor Weckerklingeln munter auf, beim Morgenkaffee gleich mal ein paar Erledigungen erledigt. (Am Wochenende hatte ich festgestellt, dass auch in der nächsten Generation eine Lerche nachgewachsen ist, die sich bereits in jungen Jahren ärgert, dass die wirklich spannenden Freundesdinge nachts unter Eulen und damit ohne sie stattfinden. Aber: “Ich LIEBE die Morgenstunden!” That’s the spirit.)

Erschütternder Anblick auf dem Weg in die Arbeit:

Jetzt ham’s sogar dem ADAC die Autos gecancelt!

In der Arbeit zackig Arbeit.

Mittags gab es Apfel, Hüttenkäse und die ersten Aprikosen der Saison – wohl zu früh, denn obwohl etwas weich und nicht grün, schmeckten sie nach gar nichts.

Ich ließ den Arbeitstag nicht zu spät werden, da ich Pläne hatte: Impf 4 (kurze Erinnerung, wie leidenschaftlich ich im Vorjahr meinen Impftermin herbeigesehnt hatte). Die als Abstand zur Booster-Impfung empfohlenen sechs Monate waren eigentlich schon im Mai umgewesen, meine SafeVac-App hatte mich sogar erinnert. Doch erst die vielen Risikobegegnungen in der Corona-Warn-App, die in Deutschland wieder steigenden Inzidenzen und die hohe Wahrscheinlichkeit der Herbst-Welle mit neuen Omikron-Untervarianten hatten mir bewusst gemacht, dass ich sehr Zusatzschutz begrüße. Zumal ich nächste Woche mit der Bahn zum Bachmannpreislesen nach Klagenfurt fahre und diese im ORF-Studio verfolgen möchte.

Das am praktischsten gelegene Impfzentrum ist nach Schließen der Anlage auf der Theresienwiese das Impfzentrum am Marienplatz; dort kann man einfach hingehen und sich impfen lassen. Also spazierte ich in dem gestrigen wundervollen Frühsommertag (sonnig und warm) zum Marienplatz. Im Impfzentrum am Eck des Rathauses war absolut nichts los, ich begründete mein Auftauchen an der Anmeldetheke mit: “Damit euch nicht fad wird.”

Dieselben Angaben wie bei den vorherigen Covid-19-Impfungen wurden abgefragt, meine Spritze bekam ich im 1. Stock. Den Impfstoff konnte ich frei wählen, man wollte mir nicht mal sagen, wovon mehr da ist, was weg muss. Also zufällig BionTech, wie bei Impf 1 und 2, ärztliche Anweisung war lediglich “bitte 48 Stunden schonen”. Herr Kaltmamsell war gestern mit Moderna viertgeimpft worden und hatte erheblich mehr Auflagen mitbekommen.

Auf dem Heimweg kaufte ich am Obststandl Rindermarkt noch Erdbeeren für Nachtisch.

Corona-Impfung wirkt bekanntlich nur voll, wenn man ein Impf-Foto veröffentlicht.

Daheim erst mal eine Runde Yoga. Zum Nachtmahl gab es den Salat und die Petersilie aus Ernteanteil (wegen Fronleichnam am Donnerstag gab es den schon am Dienstag) mit harten Eiern und Joghurt-Dressing.

Dann große Mengen köstlicher Erdbeeren, dann Süßigkeiten

§

@nicolediekmann, Hauptstadtkorrespondentin beim ZDF, hat das Antragsbuch zum anstehenden AfD-Parteitag gelesen und gibt in einem Twitter-Thread interessante Einblicke.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 13. Juni 2022 – Montagmontag und #Lindwurmessen

Dienstag, 14. Juni 2022 um 6:07

Mal wieder ein erster Arbeitstag nach Urlaub, der die Wirkung von Angst als Abführmittel bewies. (Das hat die Natur sicher gezielt so eingerichtet als Gegenmittel gegen Reiseverstopfung im vorhergehenden Urlaub.) (Spass.)

Die Nacht davor war so zerstückelt wie lange nicht mehr, Aufwachen im Stundentakt. In den frühen Morgenstunden schlug das Wetter um, ab da regnete es immer wieder bis in den Vormittag. (Die Bäurin freut sich.) Für den Weg in die Arbeit brauchte ich meinen Regenschirm.

Wenn der Münchner Merkur sowas propagiert, besteht vielleicht doch Hoffnung für die Energiewende.

Den ganzen Tag hatte ich mit Kreislauf-Kapriolen in Form von Schwindel zu kämpfen, trotzdem ordentlich was weggeschafft. (Glaube ich.)

Mittags zwei Äpfel und Pumpernickel mit Butter (immer noch kein Überdruss).

Nachmittags kam ich mit etwas Zentralem nicht voran, weil der dafür nötige Mensch komplett in anderer Arbeit untergeht.

Parallel dieses nervige Horchen in Körperlichkeiten, ob es mir endlich besser geht. Doch bis zum Feierabend blieb ich unangenehm wacklig.

Auf dem Heimweg ein paar Einkäufe im Obstladen. Zu Hause eine dringend nötige Einheit Yoga, dann spazierte ich mit Herrn Kaltmamsell an die Lindwurmstraße zur nächsten Etappe #Lindwurmessen. (Nachtrag zur Klärung: Wir haben vor, uns einmal durch die Lindwurmstraße hoch und runter zu essen, Vorbild ist #MangiaRosi durch die Rosenheimer Straße.)

Nach Streetfood-türkisch und italienisch wurde es thailändisch – oder so ähnlich, das ist halt der durchschnittliche Nachbarschafts-Asiate, ich verbinde weder Wok noch Sushi mit Thailand (haben aber Tom Kha Gai auf der Karte). Immer wieder kamen Menschen für Mitnehm-Essen vorbei, es gab aber neben uns weitere Hinsetz-Gäste.

Herr Kaltmamsell aß erst mal einen Teller gemischte Vorspeisen, wir tranken Lemongrass-Minztee.

Ich hatte mich auf knusprige Ente gefreut und bestellte sie mit gebratenen Reisnudeln (schmeckte, ok, war halt eine Fettbombe mit wenig Gemüse), Herr Kaltmamsell aß knusprige Ente mit Erdnuss-Kokos-Sauce. Nachtisch gab es daheim in Form von Süßigkeiten.

Unter düsteren Gemütswolken früh ins Bett zum Lesen, Fabio Geda, Verena von Koskull (Übers.), Ein Sonntag mit Elena geht schnell weg.

die Kaltmamsell