Journal Dienstag, 15. März 2022 – Gelbes Draußenlicht durch Sahara-Sand

Mittwoch, 16. März 2022 um 6:32

Die Nacht verlief ordentlich.

Der Tag wurde hell zu bedecktem Himmel und trockenem Boden, im Briefkasten keine Zeitung.

Nachdem die beiden riesigen Kastanien vorm Haus ein paar Nächte als Schlafbaum für einen Krähenschwarm gedient hatten (siehe Vollverkackung des Bodens drunter), haben sie jetzt wohl ausgedient, und Herr Kaltmamsell wird morgens nicht mehr von Krähengeschrei geweckt.

Grauer Gang in die Arbeit, aber weiterhin kein Regen. Drei Schwäne über die Theresienwiese fliegen sehen.

Arbeit mit einigen menschlichen Begegnungen. Mittags gab es ein Stück Käse, den restlichen Rote-Bete-Salat und eine Orange.

Am Nachmittag wurde das Licht draußen immer seltsamer. Immer intensiver gelb und gleichzeitig düster dämmerte es durch die Wolken: Es war wieder Sahara-Sand unterwegs.

Büroblick, hier ein Blick auf den Münchner Marstallplatz.
(Dabei finde ich die Fotos gar nicht so beeindruckend – instagram-Filter haben mich verdorben.) Nachmittags regnete es dann auch noch ein bisschen.

Temperatur-Achterbahn gestern in 20-Minuten-Amplitude – die x Mal Jacke an, Jacke aus fallen eigentlich schon unter Sport.

Der Feierabend wurde eher später, weil spät noch etwas zu erledigen war. Ich ging ohne Umwege heim (vorbei an Sahara-Sand-schmutzigen Autos), denn es gab etwas zu backen. Zwischen den Backschritten nahm ich mir die Zeit für eine Runde Yoga – ziemlich verwackelt.

Als Abendessen erfüllte mir Herr Kaltmamsell wieder einen Wunsch: Shakshuka. Nachtisch Schokolade.

In Bayern werden die Corona-Maßnahmen erst mal nicht aufgehoben – das erleichtert mich. Ich wäre sonst weder zum Schwimmen noch in Restaurants gegangen, das hätte mich geschmerzt. Zwar halte ich es für unwahrscheinlich, dass wir am Ende der Übergangsfrist am 2.4. ein Wellental im Infektions-Hoch erreicht haben, doch bis dahin kann ja noch ein Umdenken stattfinden.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 14. März 2022 – Gesammelte Schnippsel, weiter mild

Dienstag, 15. März 2022 um 6:33

Nachtschlaf ok, Quälfreiheit ist immer gut.

Sonniger Start in den Tag, auch wenn bereits für den Morgen schlechtes Wetter angekündigt war. Auf dem Weg in die Arbeit waren Mütze und Handschuhe weiterhin nützlich, aber die leichte Sorte.

Unhektischer Tagesstart, am Wochenende war es ruhig geblieben. Mittags gab’s Rote-Bete-Salat, Apfel und Orange.

Das schlechte Wetter stellte sich weiterhin nicht ein, fand ich in Ordnung (obwohl ich ein paar Tage milden Landregen wirklich gut fände). Auf dem Heimweg ließ ich Mütze und Handschuhe stecken. Ich erledigte ausführliche Lebensmitteleinkäufe, außerdem besorgte ich Drogeriewaren.

Zu Hause startete ich nach Auspacken und ein paar Back-Handgriffen ein neues Yoga-Programm von Adriene, auf Empfehlung 31 Tage Revolution von 2016. Ich konnte mich gut auf den langsamen Anfang einlassen.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Spaghetti Carbonara, Nachtisch Süßigkeiten

Der Sonntagsspaziergang hatte uns in Schwabing zur Kirche St. Sylvester geführt. Die barockisierende Hauptkirche neben der alten aus dem 14. Jahrhundert stammt aus den 1920ern – was erst auf den zweiten Blick an den Wand- und Deckenmalereien offensichtlich ist: Ich war fasziniert von der stilistischen Mischung Neue Sachlichkeit (wie praktisch, dass ich von einer Kunsthistorikerin begleitet wurde, die sie korrekt einordnen konnte) und Hollywood-Sandalenfilm – laut Wikipedia Kasein-Malereien von Ernst Kozicz, 1939/40. 2020 erschien ein ausführliches Buch über die Geschichte der Kirche von Sibylle Appuhn-Radtke, hier die Besprechung in der Süddeutschen.

Eine reiche Gemeinde war das wohl schon länger; heute zeugen Bronze-Reliefs samt Gedenktafeln für verstorbene Chorleiter und Pfarrer davon, dass Geld ganz sicher nicht knapp ist.

Diesen Bereich zwischen Leopoldstraße und Englischem Garten will ich seit Jahren genauer erkunden; immer wenn ich zufällig durchkomme, fällt mir die ganz besondere Mischung aus Villen, leicht angegammelten Einfamilienhäusern, Kirchlein, Wohnblöcken aus den 1950ern und Grünflächen mitten in München auf.

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Szenisches Fragment:
Wie auf dem Schwieger-Familientreffen das launige Gespräch auf Superhelden kam und Superhelden-Fanboy Herr Kaltmamsell ausgerechnet da nicht im Zimmer, sondern auf dem Klo war. Woraufhin ich natürlich anfeuern musste: “Ihr habt vermutlich noch genau eine Minute für dieses Thema, ohne euch längere Vorträge zu jedem einzelnen Detail einzufangen, also redet SCHNELL!”

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texas-jim arbeitet außerhalb seines studierten Berufs weiterhin in der Landwirtschaft seiner Vorfahren. Diesmal hat er Hafer gesät und berichtet Details – inklusive Bedeutung für ihn ganz persönlich.
“Heller als tausend Sonnen”.

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herzbruch hat die unfundierten Alleswisser in Talkshows satt, die jetzt auch noch alles über die Zukunft des Ukraine-Kriegs wissen.
“13.03.2022”. (Überschriften sind ab sofort aus.)

Mit den Mitteln der Logik kommt selbst jemand mit Doktor in Logik ja nicht so weit in der aktuellen Weltfriedensthematik. War bislang irgendetwas logisch an dem, was Putin gemacht hat? Ich möchte das gar nicht beantworten, ich kann nur für mich feststellen: Für mich, also Doktor in Logik im Ringelpulli im Sessel sitzend, ist zwischen dem 24.2. und heute kein einziger Zug von Putins Seite irgendwie logisch nachvollziehbar gewesen, und dann ist es ja Verschwendung von Rechenkapazität, jetzt über einen nach Wahrscheinlichkeiten und Logik vorhersagbaren weiteren Verlauf nachzudenken. Also lasse ich das sein.

Nun habe ich keinen Doktor in Logik, nicht mal irgendeinen Doktor (Gedenksekunde für meinen alternativen und abgebrochenen Lebensweg als berufliche Literaturwissenschaftlerin, der mich sicher auch unglücklich gemacht hätte, aber auf eine ganz andere Art und Weise). Aber gerade bei solch einem komplett durchgemenscheltem Thema wie Tagespolitik höre ich mir Prognosen von überhaupt niemandem ernsthaft an. (Unernst vielleicht gradmal die von Uroppa Krawuttke, der SELBST JA NOCH VOR STALINGRAD LAG!)

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Kluge Worte von Grünen-Parteivorsitzender Ricarda Lange (ebenfalls in einer Talk-Runde, aber es gibt ja auch welche mit echten Gesprächen), warum Sie nicht mehr auf Angriffe auf ihr Äußeres reagiert – und ich wünsche von ganzem Herzen, dass diese Angriffe auch nicht an sie rankommen (illusorisch, ich weiß, dennoch Wunsch).

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Lassen Sie sich von einer richtig guten Tanzszene aus dem japanischen Musical DANCE WITH ME von 2019 überraschen.

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All die Details in der Bibel, zu denen man nicht nachhaken sollte, weil sie natürlich nicht wörtlich gemeint waren. Und ich begann mich schon zu gläubigen Zeiten zu fragen, was die Kriterien für die anscheinend doch wörtlich gemeinten waren.

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https://youtu.be/H8Ac6d05a7A

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 13. März 2022 – Frühlingslauf, Frühlingsspaziergang, Eisbecher draußen

Montag, 14. März 2022 um 6:28

Gut geschlafen! Vor allem nach Mitternacht, nur noch zweimal aufgewacht. Um halb sieben wäre ich sogar aufgestanden, doch eh ich mich versah, war ich nochmal eingeschlafen bis kurz vor acht.

Draußen weiter brachialer Frühlingsausbruch. Auf meinen Isarlauf wagte ich mich ohne Mütze und Handschuhe, setzte aber die Sonnenbrille auf. Stellte sich als genau richtig heraus.

Als Strecke an der Isar hatte ich mich für eine entschieden, die ich schon seit Jahren nicht mehr gelaufen war: Von der Wittelsbacherbrücke Richtung Innenstadt. Hier hatte ich vor 16 Jahren meine Lauferei begonnen, doch später waren mir diese Wege immer zu voller Menschen gewesen.

Erst mal Blumenbewunderung auf dem Alten Südfriedhof.

Blick von der Wittelsbacherbrücke Richtung Deutsches Museum.

Müller’sches Volksbad, davor die Ludwigsbrücke weiterhin mit Bauarbeiten, Abschluss ist Ende dieses Jahres geplant.

Mauersteg und Maximiliansbrücke.

Blick zum Föhringer Wehr.

Blick vom Föhringer Wehr nach Norden, Wasserstand sehr niedrig.

Das Laufen war mir superleicht gefallen, als liefe ich die ganze Zeit etwas abwärts. Nur die letzten 15 Minuten der insgesamt 100 zogen sich. Interessant fand ich, wie andere Läufer*innen die Temperatur eingeschätzt hatten: Ich sah ein breites Spektrum von Wollmütze, Schal, Handschuhen bis nackte Beine und Trägershirt. Vom Tivoli nahm ich eine Tram nach Hause, die Wartezeit darauf nutzte ich für Dehnen.

Abschließende Blumenbewunderung im Nußbaumpark.

Kurzes Frühstück nach dem Duschen: Die letzte Avocado aus Crowdfarming und Mohnzelten.

Dann holte ich das Fahrrad heraus: Ich war an der Universität zu Spaziergang mit anschließendem Einkehren verabredet und möchte Öffis jetzt lieber gründlicher meiden – so erpicht bin ich dann wieder nicht darauf, meine Omega-Infektion hinter mich zu bringen (derzeit drei Risiko-Begegnungen auf der Corona-Warn-App, die jüngste vom Samstag, ich habe die volle U-Bahn im Verdacht).

Spaziergang durch den Frühling im Englischen Garten, den Mantel immer wieder geöffnet. Wie erwartet war sehr viel los, doch das störte uns nicht beim Plaudern und beim Austausch über hochkomplizierte Forschungsförderung auf EU-Ebene, über Tagesaktuelles, Umzüge, Familie.

Für KaffeeundKuchen steuerten wir die Münchner Freiheit an. Das gleichnamige Café hat jetzt einen ausgedehnten Außenbereich (vier Kellner groß), wir standen ein paar Minuten Schlange für einen Tisch – und saßen dann tatsächlich (!) draußen (!), die unbelaubten Bäume ließen genug Sonne durch. So fiel meine Wahl dann auch nicht auf Kuchen oder Torte, sondern den ersten Eisbecher der Saison.

Aber es war halt erst Frühlingsanfang, bis ich mich um fünf von der Verabredung verabschiedete, war mir kalt geworden. Umso beherzter marschierte ich zu meinem Fahrrad am Geschwister-Scholl-Platz, Slalom laufend durch die vielen Spaziergänger*innen an der Leopoldstraße.

Daheim setzte ich Rote Bete aus Ernteanteil auf für Brotzeit, bereitete dann Sauerkraut zu fürs Abendessen, ebenfalls aus Ernteanteil, damit es genug Zeit fürs Weichkochen hatte. Bis Fertigstellung Rote-Bete-Salat und Abendessen (es gab Bauernwürscht zum Kraut, Herr Kaltmamsell verarbeitete die Ernteanteil-Kartoffeln zu Püree) las ich die Wochenend-Süddeutsche. Nachtisch wieder Süßigkeiten, zum Tagesabschluss Räumen für die Arbeitswoche und Putzmannmontag.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 12. März 2022 – Der erste echte Frühlingstag

Sonntag, 13. März 2022 um 8:58

Ich wachte in Herrn Kaltmamsells Zimmer auf: Nachdem die Nacht bereits durch Glutattacken und Krämpfe zerstückelt worden war, hatte mich auch noch sein Schnarchen neben mir vom Einschlafen abgehalten – ich nahm mein Kindle (als Lesestoff für den Fall, dass ich komplett nicht mehr schlafen können würde) sowie mein Kopfkissen und zog um. Tatsächlich schlief ich dann drei Stunden am Stück bis kurz vor sieben.

Sonniger Morgen mit Bettwäschewaschen (bisher funktioniert das ohne Trockner eigentlich ganz gut, das zusätzliche Zimmer in der neuen Wohnung zahlt sich aus), Bloggen und Milchkaffee.

Ich machte mich fertig für eine Schwimmrunde, vorher brachte ich noch Schuhe zur Schusterin in der Müllerstraße.

Radeln durch die Sonne zum Dantebad: Es war warm genug geworden, dass ich meine dicken Skifäustlinge gegen Fingerhandschuhe tauschte.

Vor und im Dantebad überraschend viele Leute, auch in Umkleide und Dusche (eine sechsköpfige Frauengruppe kann beim derzeitigen Bedarf nach Abstand alles blockieren). Im Becken ging es aber trotz vieler Schwimmer*innen friedlich zu. Dass ich mich mitten auf der Bahn einmal fürchterlich verschluckte, lag am Wind, der Wellen aufwühlte. Ich beließ es dennoch bei meinen 3.000 Metern im Sonnenschein, weil sich meine Zehen schon nach 2.000 Metern immer wieder zu lustigen, aber schmerzhaften Krämpfen krallten.

Auf dem Rückweg hielt ich an für ausführliche Einkäufe im Supermarkt fürs Abendessen. Und weil ich eh schon mal da war, Käse und Obst (hungrig einkaufen ist super – nie bringe ich mehr wunderbare Leckereien mit, über die ich mich später sehr freue). Es war richtig mild geworden und roch ganz eindeutig nach Frühling – endlich, hurra! Vor unserem Haus hatte ich schon vor ein paar Tagen Veilchen entdeckt.

Daheim versorgte ich den Strauß Tulpen, an dem ich nicht vorbeigekommen war, verräumte Einkäufe, hängte nasses Zeug auf. Mit Herrn Kaltmamsell nahm ich eine U-Bahn bis zur Endhaltestelle Moosach: Unser griechisches Olivenöl aus Solidarscher Landwirtschaft (vermittelt von unserem Kartoffelkombinat) war eingetroffen, in einem Innenhof konnten wir es abholen. Ich hatte zwei zusätzliche Hände mitgenommen, da ich vier Kanistern bestellt hatte statt der zwei im Vorjahr – dachte ich. Meine Angabe “vier Kanister” löste Verwirrung aus, da ich auf der Bestellliste mit nur zwei eingetragen war: Die supergeduldigen Organisator*innen sahen nach und konnten belegen, dass ich tatsächlich statt zweimal einen ganzen tatsächlich zweimal einen halben Ernteanteil bestellt hatte. Doch ich wurde beruhigt, es seien noch zwei Kanister übrig, die ich mitnehmen und nachträglich begleichen könne. Es war mir ausgesprochen peinlich, dieses Durcheinander ausgelöst zu haben – offensichtlich hatte ich beim Bestellen mal wieder um eine Ecke zu viel gedacht.

Die U-Bahn war sehr ungenehmen voll, aber meine Corona-Warn-App zeigt ohnehin in leuchtendem Rot immer weitere Risikobegegnungen an (zudem meldet Deutschland täglich 200 bis 250 Corona-Tote, die vor gar nicht allzu vielen Monaten noch große und breite Sorge begründet hätten), es ist wirklich nur eine Frage der Zeit, bis auch mich eine Infektion erwischt. Das kalkuliere ich inzwischen bei allen Plänen für die nächsten Wochen ein: Dass ich sie wegen Quarantäne oder Erkrankung nicht umsetzen kann. Aber offiziell ist Corona in Deutschland ja am 20. März vorbei – bis dahin werden wir uns alle ganz schön mit Krankwerden und Genesen beeilen müssen.

Um halb vier setzte ich mich endlich zum Frühstücken: Semmeln, spontan gekaufter Käse (!), eine Mohnzelte. Das machte mich angenehm bettschwer: Ich legte mich hin zu einem Schläfchen – für das ich mir das Bettzeug von Herrn Kaltmamsell lieh, meine Überzüge waren noch nicht trocken. Eine Stunde Tiefschlaf.

Nach Internet- und Zeitunglesen hatte ich genug verdaut für eine Runde Yoga.

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https://youtu.be/kJ_bm5NCWTs

Mal eine andere Vorturnerin mit anderem Yoga, danke für den Hinweis an Micha. Mir war beim Titel “Intermediate to Advanced” klar gewesen, dass ich vieles nicht können würde, aber ich wollte halt mal bei den Großen mitmachen und war neugierig. (Außerdem hatte ich mit schnellem Durchklicken des Videos sichergestellt, dass der für mich machbare Anteil groß genug war.) Das war dann sehr anstrengend, ich kam so sehr ins Schwitzen wie noch nie zuvor bei Yoga. Mal sehen, ob ich Kopfstand oder Balancieren nur auf zwei abgewinkelten Armen jemals machen werde – muss ja nicht.

Herr Kaltmamsell hatte mein Wunsch-Abendessen gekocht:

Garnelen-Curry mit dem bayerischen Reis, den wir in Eching gekauft hatte. Der Reis schmeckte gut, er war im Reiskocher eher kernig geworden, eignet sich wahrscheinlich besser für Risotto. Nachtisch Süßigkeiten.

Abendunterhaltung: Die beiden letzten Folgen der zweiten Staffel Beforeigners, waren in Ordnung (das ist von mir ja schon ein riesiges Lob, dass ich eine Fernsehserie überhaupt gucke).

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 11. März 2022 – Restebacken: Mohn

Samstag, 12. März 2022 um 8:01

Nachts nicht auffallend häufig aufgewacht, bei Weckerklingeln dennoch Gefühl der Erschlagenheit.

Nochmal strahlendster Sonnenmorgen, nochmal knackiger Frost auf dem Weg in die Arbeit.

Am Bavariapark sah ich die Magnolienknospen wachsen, die Kastanienknospen aber sind noch ganz klein (wie es sich um diese Zeit im Jahr gehört).

Gut strukturierter und machbarer Arbeitstag. Mittags gab es Hüttenkäse, Banane, Orange mit Joghurt. (Wird Frugalismus bereits als Ernährungsideologie vermarktet? Definiert als ungemischte Speise? Nicht zu verwechseln mit Trennkost?)

Nach Freitags-frühem Feierabend ging ich direkt nach Hause, trotz Sonne und ohne Wolken biss mich der Wind auf der Theresienwiese böse. Ich hatte Pläne: Waldviertler Mohnzelten. Eine angebrochene Packung Mohn musste weg, so kam eins zum anderen, Sie kennen das. Obwohl der Rest Mohn nur aus 140 Gramm bestand und ich auch die anderen Zutaten für die Füllung runterrechnete, reichte Sie für die Gesamtmenge Teig (den ich mir auch als Basis für Quarktaschen sehr gut vorstellen kann).

Als ich das erste von zwei Blechen in den Ofen schob, gab es Alkohol, erst mal in Form von Gin Tonic. Alkohol ist toll: Die Anspannung und die schlechte Laune des Tages waren in wenigen Minuten weg.

Herr Kaltmamsell kochte das Nachtmahl. Er hatte sich vom Metzger zu ungewöhnlichen Schnitten Rindfleisch zum Braten beraten lassen und herausgefunden, dass es auch in der Metzgerkunst Entwicklungen gibt: Das Flat Iron Steak aus der Rinderschulter wurde erst vor Kurzem als Teil zum Braten entdeckt, davor galt es nur schmorbar, vor allem als Sauerbraten. Es wurde tatsächlich sehr zart und schmeckte hervorragend intensiv (links auf meinem Teller).

Zudem hatte er sich einen Tafelspitz mit Fettrand (rechts auf meinem Teller) als unkonventionelles Pfannenfleisch empfehlen lassen, in Südamerika sei der Schnitt unter dem Namen Picanha typisches Grillfleisch. Auch das schmeckte gut, fiel nur im Vergleich mit dem Flat Iron Steak ab. Dazu gab es cremige Polenta mit gebratenen Pilzen und roter Paprika, im Glas ein spanischer Rotwein Prometus aus Castilla León. Nachtisch Süßigkeiten.

§

Jetzt kann ich endlich erklären, warum ich trotz neuer Rekordzahlen zu den (noch) nicht Covid-19-Infizierten gehöre: Ich bin einfach zu hübsch für Corona.
“Coronavirus-News: Neue Studie! Sind schöne Menschen besser vor einer Corona-Infektion geschützt?”
(Wunderbares Beispiel, an dem man Datengewinnung und -interpretation von Studien analysieren kann.)

§

@Buddenbohm hat mich auf einen Twitter-Account gebracht, den ich umgehend abonniert habe: @DancerOnFilm mit täglichen Tanzschnipseln aus Filmen – Balsam für die bittere Timeline.

Gestern zum Beispiel mit Sara Montiel und ihrem “Los Piconeros” aus dem Film CARMEN LA DE RONDA von 1959. Olé.

(Und die Kleider/Röcke aus den 20er- bis 40er-Musicals will ich eigentlich alle haben.) (Welche Farben würden Sie zum Beispiel für dieses von Ruby Keeler vorschlagen?)

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 10. März 2022 – Yoga-Tempi

Freitag, 11. März 2022 um 6:36

Diesmal wieder eine zerhackte Nacht, wir sind ja hier nicht im Paradies.

Der Tag startete strahlend und sonnig. Ich genoss den Marsch in die Arbeit, auch wenn es weiterhin knackig frostig war.

Straffer Arbeitsrhythmus am Vormittag, ich gewann ein paar kleinere Kämpfe mit dem neuen IT-System.

Mittags gab es restliche Falaffel vom Vorabendessen, außerdem einen Kopf Radiccio frisch geschnippelt mit Balsamico-Dressing.

Die sonnige Wolkenlosigkeit hielt den ganzen Tag an. Bei aller Kälte und aller Frühlingssehnsucht ist mir sehr bewusst, wie lange es schon nicht mehr geregnet hat. Auch während der Stürme gabe es ja lediglich ein paar Duscher, der Boden braucht aber viele Tage sanften Landregen (meine landwirtschaftlichen Vorfahren – wie sie jede statistisch hat, mal näher, mal ferner – schlagen brutal durch).

Amüsement des Tages: Wie schon am Vortag eine Anruferin auf meinem Privat-Handy, die sich auf Englisch als “Europol” meldete. Meine “German ID” sei gestohlen worden und ich müsse jetzt Dinge tun (auf Tasten drücken). Gestern von einer anderen Telefonnummer als am Vortag – mir fällt auf die Schnelle nicht ein, welcher Scam das sein könnte.

Recht pünktlicher Feierabend, denn ich hatte einen Friseurtermin, wieder absichtlich vor die Phase “Oh Gott ich brauche dringend einen Friseur” gelegt. Ich spazierte in sinkender Sonne durchs Westend und über die Hackerbrücke an den Stiglmaierplatz, ließ mir die Haare ratzekurz schneiden. (Vielleicht fällt mir auch mal wieder etwas anderes ein, aber jetzt halt erst mal nicht.)

Dennoch war ich früh genug für eine Runde Yoga daheim. Ich hatte mir eine Rundum-Folge des 30-Tage-Programms Breath von Anfang 2021 ausgesucht – und war überrascht, wie viel ruhiger und langsamer Adriene hier turnt. Während ich bei Move immer wieder vermisst hatte, auch mal eine Bewegung oder Haltung auskosten zu können, weil es gar so sportlich zuging, war mir dieses Tempo jetzt viel zu langsam, ich ließ die letzten Minuten sogar aus Ungeduld weg.

Nachtmahl von Herrn Kaltmamsell: Das Glas Ratatouille aus dem vorwochentlichen Ernteanteil erhitzt und serviert mit Spiegeleiern, dazu machte ich den Postelein-Salat aus gestern geholtem Ernteanteil an. Nachtisch Süßigkeiten, Abendunterhaltung die nächste Folge Beforeigners, dann gucke ich die Staffel halt durch.

Der Krieg in der Ukraine taucht hier praktisch nicht auf. Nicht, weil er mich nicht beschäftigen würde (ich informiere mich zum Beispiel deutlich aktiver als Herr Kaltmamsell). Sondern weil ich a) keine Ahnung davon habe, weder vom Krieg dort noch vom Fliehen, und b) komplett hilflos und gelähmt bin. Aktueller Status: Die russischen Streitkräfte attackieren die Städte weiter, Zerstörung und Opferzahlen sind hoch, allein nach Polen sind bereits anderthalb Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 9. März 2022 – Unterkunftjagd

Donnerstag, 10. März 2022 um 6:32

Wieder ein ERST?! Mittwoch.

ABER! Ich hatte hervorragend geschlafen; als mich der Wecker weckte und ich erst mal vom Bett aus in den Himmel mit erster Ahnung von Licht schaute, wurde mir klar, dass ich durchgeschlafen hatte, ohne ein einziges Aufwachen. (Offensichtlich nur ein temporärer Aussetzer des Östrogenschwankens, schon ab Vormittag war im Büro wieder Temperatur-Achterbahn.)

Klarer, sonniger Morgen, immer noch KALT. Bockig trug ich meine Drinnen-Schuhe auch auf dem Weg in die Arbeit und kam mit eisigen Zehen im Büro an.

Erst mal ruhige Arbeit, viele Abstimmungen. Mehr hätte ich auch nicht geschafft, meine Konzentrationsfähigkeit war die eines fünfmonatigen Welpen.

Mittags gab es einen Rest Weißkraut mit Nudeln vom Vorabend, Banane, Orange.

Der Nachmittag wurde ein wenig anstrengend, mit eh schon schlechter Laune noch anstrengender, denn: Auch die zweite reservierte Unterkunft in Berlin machte einen Rückzieher.

Nach Feierabend ging ich auf direktem Weg über die Theresienwiese nach Hause; während ich beim Verlassen des Bürogebäudes eine Ahnung von Frühling im Abendlicht gerochen hatte, biss mich dort wieder der Wind in die Wangen.

Daheim suchte ich auf verschiedenen Ferienwohnungsplattformen weiter nach Unterkunft in Berlin und schickte nach Absprache mit Herrn Kaltmemsell die dritte Anfrage. Auf Yoga hatte ich keine Lust, statt dessen flickte ich einen Unterziehpulli (nach 15 Jahren löste sich eine Halsnaht, Unverschämtheit), bevor ich unser Abendessen bestellte: Ernteanteil war aufgegessen, ich holte etwas von Servus Habibi.

Falaffel unten, Labneh und Brotfladen für mich, Aubergine mit Rinderhack oben, Labneh und Brotfladen für Herrn Kaltmamsell.

Erleichterung noch vor der Tagesschau: Die Bestätigung der Wohnungsbuchung traf ein, wir kommen im Juni also in Berlin Friedrichshain unter.

Abendunterhaltung war Folge 3 von Beforeigners, dann versuchte ich mal eine andere Bildbearbeitungs-Software (nämlich die mitgelieferte meines MacBooks), um das Qualitätsproblem nach Verkleinerung zu lösen.

§

Schuhauszieh- und Schuhanbehalt-Wohnungen: Fürs kosmische Gleichgewicht hier die Polemik einer vehementen Auszieherin. (Wobei ich von Anfang an Kulturen mit integralen Schuhgebräuchen aus der Überlegung ausgeklammert hatte – selbstverständlich berücksichtige ich die jederzeit und richte auch mein Styling als Gast darauf aus.) (Und ich würde mich über Fotos eines Cocktail-Abends im Haus der Auntie Chih-Mei der Autorin freuen: Cocktailkleid an house slippers.)
“Here’s why your shoes will be staying the hell out of my house”.
Vielleicht liegt der Schlüssel der Unterteilung in der Art der Einladungen, die für diese Wohnungen ausgesprochen werden? Wer zu großen Familienfeiern, zu Dinner Parties, Cocktailpartys einläd, hat eher eine Schuhanbehalt-Wohnung?

die Kaltmamsell