Journal Donnerstag, 12. August 2021 – Luxemburger Besuch, Trezza Azzopardi, The Hiding Place

Freitag, 13. August 2021 um 6:50

Gut geschlafen, aber zu kurz. Beim Weckerklingeln ist es jetzt noch fast dunkel: Ich muss nachts die Rollläden nicht mehr herablassen, weil mich die Morgensonne nicht mehr weckt.

Arbeitsweg in einem weiteren herrlichen Sommertag, nur leicht dunstig. Am Himmel sah ich noch einmal zwei, einmal einen Mauersegler am Himmel, ganz weit oben.

Mittags Orange, Feigen, Maracuja mit Sahnequark.

Immer noch happy über die Erfindung von Oberschenkelbändern (Bandelettes) und über deren Erwerb – Röcke und Kleider ohne Strumpfhosen machen jetzt auch bei Hitze im Sommer so richtig Spaß. Allerdings stelle ich bei der jüngsten Erwerbung (also vor drei Jahren) Qualitätsmängel fest: Die Silikonschicht löst sich in Fetzen.

Auf dem Heimweg kurze Einkäufe beim Vollcorner: Kefir, Quark, Hüttenkäse.

Zu Hause hatte ich noch Zeit für eine Runde Yoga mit Rückenübungen, derzeit zwickt es ein wenig im Kreuz, bevor es klingelte: Der Besuch aus Luxemburg kam zum Abendessen. Der Ernteanteil hatte die Zutaten für Gazpacho geliefert (die genaue Zusammenstellung ergibt sich erfahrungsgemäß nur einmal im Jahr) Herr Kaltmamsell hatte ihn bereits kaltgestellt. Während er und Besuch auf dem Küchenbalkon Aperol Spritz in der einsetzenden Abenddämmerung tranken, verarbeitete ich den Blattsalat aus Ernteanteil und rührte ein Tahini-Dressing.

Jetzt stand die Sonne tief genug, dass wir im Wohnzimmer alle Rollläden hochziehen konnten und die Balkontür öffneten. Es gab Gazpacho, zum Salat servierte Herr Kaltmamsell Spaghetti mit Agretti und gerösteten Pinienkernen. Nachtisch war Schokolade aus Luxemburg, der Besuch hatte von der legendären Konditorei Oberweis die Sorten mit karamelisierte Mandeln, mit gerösteten Haselnüsse sowie Mandelpraline mit Sesamkrokant mitgebracht – sensationell.

Frau Brüllen beschreibt ihre aktuelle Lektüre mit “nix, was mich gefühlsmässig besonders mitnimmt”, und vielleicht sollte das in nächster Zeit mein Hauptkriterium bei der Auswahl werden: The Hiding Place von Trezza Azzopardi, das ich gestern auslas, ist zwar richtig, richtig gut – aber das Elend dieser bitterarmen Kindheit unter maltesischen Einwanderern im Cardiff der 1960er, ohne Verbündete und unter bösartigen Geschwistern, ist schon belastend. Die Struktur des Romans zeichnet vergrabene entsetzliche Erinnerungen nach. Das meiste wird aus der Ich-Perspektive der ein- bis fünfjährigen Dolores erzählt, die viele Details wahrnimmt (aus dem titelgebenden Versteck), aber uninterpretiert oder falsch eingeordnet/gewichtet wiedergibt (es wird sogar aus ihrer Perspektive als Baby erzählt, das nach vielen Töchtern endlich ein Sohn hätte werden sollen – und eine so bittere Enttäuschung ist, dass man sich scheut, es dem gewalttätigen Vater auch nur mitzuteilen).

Andere Passagen sind aus der Perspektive der komplett überforderten Mutter erzählt, weitere aus der des Vaters, der die Familie mit seiner Spielsucht in noch größeres Unglück bringt. Viele der sachlich erzählten Details legen eine Interpretation nahe, die sich erst gegen Ende als falsch erweist: Als sich einige der mittlerweile erwachsenen Geschwister zur Beerdigung der Mutter treffen (und sind dann noch schlimmer, als es vorher geschildert, oder besser angedeutet wurde).

Interessanterweise erzeugt Azzopardi in diesem ersten Roman von 2000 die würgend hoffnungslose Atmosphäre, indem gerade nicht Gefühle vorkommen oder innere Vorgänge. So wie man beim Stolpern erst den Stoß registriert und dann den Schmerz, bleibt es hier bei der Beschreibung der Stöße – es herrscht fast durchgehend die Erstarrung des Entsetzlichen. Und ich fand gut, dass am Ende auch nicht alle Lebenswege zu Ende erzählt werden, einige wichtige Personen bleiben als schmerzhafte Lücke; sie sind verschwunden und werden das im Leben der Hauptperson Dolores auch immer bleiben.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 11. August 2021 – Mit Luxemburger Besuch am Chinesischen Turm

Donnerstag, 12. August 2021 um 6:42

Sehr unruhige Nacht, die ich mit geschlossenem Fenster begann, weil mich sonst das ausdauernde Gröhlen einer Männergruppe im Nußbaumpark wachgehalten hätte. Mehrfaches Aufwachen, bei einem davon öffnete ich das Fenster wieder. Nach dem Aufwachen kurz vor halb fünf schlief ich nicht mehr ein. Gefühl mittlerer Verkaterung durch den ganzen Vormittag.

Nach ein paar Wolken beim Sonnenaufgang war der Himmel auf meinem Weg in die Arbeit knallblau.

Keine Mauersegler mehr, weder morgens noch abends – jetzt sind sie wohl weg.

Zu Mittag gab’s eine kleine Gurke, die restlichen Karotten und Kartoffeln vom Vorabend, Pflaumen. Das war ein bisschen viel und resultierte in Bauchweh. Zusätzliches Horchen in den Körper, wann der Muskelkater vom Vorabend einsetzen würde, es waren ja dann doch ungewohnte Bewegungen und Belastungen dabeigewesen. Zu meiner Überraschung fiel er aus.

Pünktlicher Feierabend, weil neuer Besuch in der Stadt war, diesmal aus Luxemburg. Ich nahm die U-Bahn zum Hauptbahnhof und traf mich mit Herrn Kaltmamsell an seinem Hotel. Gemeinsame U-Bahn zum Odeonsplatz, von dort spazierten wir durch den sommerlichen Hofgarten und Englischen Garten zum Biergarten am Chinesischen Turm, vorbei an dicht bespielten und belegten Wiesen, Badenden, berittener Polizei, Picknicks. Allerdings war immer noch deutlich weniger los als in Zeiten mit prä-pandemischem Tourismus.

Der Biergarten selbst sah durch die Umbauten für Corona-Kontrollen deutlich anders aus (umzäunt wie alle im Moment, aber auch zweigeteilt mit Gasse mittendurch), war gut genutzt, aber ebenfalls sichtlich Touristen-arm. Eher schon glaubte ich bei den vielen nicht Deutsch sprechenden Einheimischen Besuch sitzen zu sehen; Merkmal: es wurde sehr viel erklärt zu Umgebung und Biergarten an sich – wie an unserem Tisch halt auch. Herr Kaltmamsell und ich besichtigten und befreuten erst mal die vielen Mitbringsel aus Luxemburg: spannende Schokoladen, Lektüre und Wein – Letzterer ein Fru Georges Schiltz Terraphon, der nicht wie die sonstigen Luxemburger Weine an der Mosel wächst, sondern am viel luxemburgerischen Flüsschen Sauer.

Vom Ausschank holte ich Getränke und Riesenbreze, dann in einer neuen Runde das Abendessen: Schnitzel mit Pommes, Bratwurst mit Pommes, Obatzten. Wir saßen und plauderten, bis es sehr deutlich dämmerte, spazierten durch den immer noch belebten Englischen Garten zurück

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Als Kartoffelkombinatlerin weiß ich inzwischen, warum in der Landwirtschaft immer gejammert wird: Irgendwas ist halt auch immer. 2020 war es in unser Gärtnerei in Spielberg zu trocken, die Niederschläge konnten die tiefe Bodentrockenheit durch die Dürre der Vorjahre nicht ausgleichen. Und 2021 war das Frühjahr sehr lange kalt, bis jetzt ist das Wetter deutlich zu nass. Und so sind die Tomaten in den Gewächshäusern so stark von Pilzen befallen, dass uns das Gärtnerei-Team auf massive Ernteausfälle vorbereiten musste. Dafür wird es viel Kohl geben (und Auberginen und Paprika). Vielleicht mögen Sie drei unserer Gärtner*innen selbst zuhören (hinter Kamera und Mikrofon ist Gründer und Vorstand Daniel):

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https://youtu.be/HtuaG_bpmWg

Hier übrigens unsere Ernteplanung mit aktuellem Stand, darin auch gelistet die Parnter-Gärtnereien, von denen wir zur Vernetzung und Risikostreuung ebenfalls Gemüse beziehen.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 10. August 2021 – Zurück im Sportverein

Mittwoch, 11. August 2021 um 6:36

Nach guter Nacht noch vor dem Wecker aufgewacht. Draußen dämmerte ein Sonnentag – die Tage sind bereits deutlich kürzer und beginnen später.

Erst mal Häuslichkeiten in Form von Wäscheaufhängen, Pflanzengießen, Brotzeitpacken, Zeitungholen.

Arbeitsweg unter knallblauem Himmel, ich ließ die Jacke daheim.

Geschäftiger Vormittag mit unruhigen Aussichten.

Zu Mittag gab es eine Banane sowie Kefir/Hüttenkäse mit frischen Pflaumen aus der elterlichen Reihenhaussiedlung, in der die Gemeinschaftsflächen mit Obstbäumen bepflanzt sind – ein bisschen Almende.

Ich hatte Sportzeug eingepackt, um nach der Arbeit endlich mal den Vereins-Crosstrainer zu nutzen (und meinen Mitgliedsausweis abzuholen). Morgens hatte ich zwar keine rechte Lust, doch die Aussicht darauf, wie gut ich mich nach dem Strampeln fühlen würde, samt Gelegenheit, dabei mal wieder Musik zu hören, gaben genug Schub. Ich zog mich bereits in der Arbeit schnell um (man wird immer noch gebeten, das Umziehen und Duschen möglichst daheim zu erledigen), spazierte nach Feierabend über den Bavariapark und die sommerliche und tatsächlich heiße Theresienwiese zum MTV in der Häberlstraße.

An meinen Mitgliedsausweis kam ich erst nach ein wenig Herumirren bei der Infotheke, schneller fand ich die Fitness-Galerie wieder. Eine Trainerin registrierte mich zur Kontaktnachverfolgung, gab mir meine eigene Sprühflasche zum Desinfizieren der Geräte, dann durfte ich auf Crosstrainer, Stepper und an der Rudermaschine schwitzen, Musik auf den Ohren und Blick auf die renovierte Halle, in der Badminton trainiert wurde (die ersten 20 Minuten bestand das Training aus Aufbauen der Netze). Das war wirklich schön, ich lip-synchte mich durch Lieblingslieder.

Rechts hinten die Ausdauergeräte, die ich genutzt hatte; hinter mir und auf der linken Galerie die Kraftttrainigsgeräte und Hanteln sowie sonstiges Spielzeug aller Arten und Formen. Durchs Fenster gegenüber sieht man den Kletterbereich.

Auf dem verschwitzten Heimweg kurzer Stopp im Drogeriemarkt, durch die beginnende Dämmerung in sommerlicher Luft nach Hause. Herr Kaltmamsell war aushäusig, ich kochte mir zum Abendbrot die restlichen Kartoffeln und Karotten aus Ernteanteil, ließ sie abkühlen, während ich duschte. Etwas Butter dran, restliche Petersilie untergemischt. Nach dem Essen war ich schlagartig sehr müde.

Ein wenig Lesen im Bett, durch die offenen Fenster wehte fast eine echte Sommernacht.

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Von vergangenem Jahr im österreichischen Standard, die Autorin verwies aber darauf, dass sie das heute noch genau so schreiben würde:
“Klimarettung
Warum Ihr Bio-Einkauf nicht die Welt rettet”.

Ich will keine Einkaufstipps, ich will keine Life-Hacks, und ich will schon gar keine Empfehlungen für nachhaltige Produkte. Das wird die drohende Umweltkatastrophe nicht aufhalten. Ich will wirklich die Umwelt retten, nicht nur selbst das Gefühl haben, “halt irgendwas getan zu haben”. Gute Vorsätze und ein Biojoghurt reichen nicht.

Ein striktes Umweltgesetz hingegen, dass es Unternehmen verbietet, auf Kosten der Umwelt zu wirtschaften, kann wirklich etwas verändern. Denn es setzt nicht mehr auf Freiwilligkeit und nicht mehr auf den einzelnen Konsumenten. Es nimmt jene in die Verantwortung, deren Handeln weitreichende Folgen hat: die großen Firmen.

Ich will Umweltgesetze, die so streng sind, dass die Vorstände von Konzernen wie Shell oder Gazprom die Entwicklung nicht weiter ignorieren können, weil sie ihr Unternehmen umbauen müssen. Ich will Standards und Richtlinien, die es Firmen unmöglich machen, unsere Umwelt für ihren Profit zu zerstören.

(…)

In österreichischen Unternehmerkreisen heißt es oft, zwei Dinge sind sicher: der Tod und die Sozialversicherungszahlungen. Ich möchte, dass eine dritte Sache hinzukommt: die Kontrollen der Umweltbestimmungen. Denn nebenbei geht in der Diskussion um Nachhaltigkeit eine wichtige Wahrheit unter: Nur 100 Unternehmen sind für über 70 Prozent der Treibhausgasemissionen zwischen 1988 und 2015 verantwortlich, 25 von ihnen für über die Hälfte. Darunter finden sich etwa Gazprom, Exxonmobil und BP, um exemplarisch drei Firmen zu nennen.

(Ich kriege einfach Gerhard Polt, “Der Revolutionär” von 1999 nicht aus dem Kopf. Dabei war das sogar noch ohne Klimaschutz.)

§

Wissenschaftsjournalistin Johanna Bayer guckt Reality-TV unter einem ungewöhnlichen Blickwinkel: Was sind im heutigen Deutschland die tatsächlichen Gepflogenheiten, wenn Gäste bewirtet werden – im Vergleich zu dem, was als Norm für gutes Benehmen gilt.
“Das perfekte Dinner bei VOX: Deutschland, wie es isst”.

§

Der Leser*innen-finanzierte Nachrichtendienst Übermedien hat mal wieder ein ganz heißes Eisen angefasst: Was machen bei Mehrfachmoderationen im Fernsehen eigentlich die Leute, die gerade nicht dran sind?
“Der schweigende Dritte.”

Machtlos ob dieser investigativen Wucht haben die Tagesthemen klein bei gegeben und zeigten die ganze Wahrheit:
“Tagesthemen-Moderatoren backstage”.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 9. August 2021 – Weltklimarat versaut meine Rentenpläne

Dienstag, 10. August 2021 um 6:41

Sehr gut geschlafen, hätte nur länger sein dürfen. Draußen kühl und sonnig, ich traute mich in Sommerrock und Sandalen, brauchte aber eindeutig eine Jacke. Den Besuch hatte ich schon am Vorabend verabschiedet.

Überm Westend nochmal deutliches Mauersegler-Schrillen.

Mein wehes Schienbein wird kontinuierlich weniger weh, obwohl ich es nicht betont schone (d.h. Tagesschrittdurchschnitt weiterhin >12.000). Ob das an der Diclofenac-Salbe liegt oder an drei Tagen mit Tape oder ob das zwei Wochen nach der auslösenden Wanderung auch ohne so gewesen wäre, lässt sich nicht beurteilen. Ich bin einfach erleichtert.

Zum Mittagessen gab es Pumpernickel sowie sehr süße Pfirsiche mit Kefir.

Dass Altern mit immer mehr und immer lauter knackenden Gelenken verbunden ist, wusste ich ja. Doch seit einigen Tagen knackt mein linkes Schlüsselbein immer wieder, und das überrascht mich dann doch. (Zumindest ängstigt es mich nicht, anders als rumpelnde und knirschende Wirbel.)

Auf dem Heimweg Einkäufe im Vollcorner, es war mild, aber nicht sommerlich warm. Zu Hause eine kurze, zackige Runde Yoga.

Herr Kaltmamsell hatte zum Abendessen Ernteanteil-Gemüse (Frühlingszwiebeln, Gemüsezwiebel, Aubergine, Tomaten) und Brotreste mit Käse, Petersilie und Sahne zu einem Auflauf verarbeitet, der sehr gut schmeckte.

Am Himmel überm Nußbaumpark schrillten und flogen Mauersegler.

Nachtisch Süßigkeiten. Beim Balkoncheck in der Dämmerung Fledermäuse gesichtet.

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Ein paar handfeste Tipps bei Krautreporter mit blöder Überschrift – der Propaganda-Begriff “Lügenpresse” ist komplett deplaziert:
“Lügenpresse: So erkennst du Fake News”.

via hmbl

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Der Film CODA erzählt die Geschichte des einzigen hörenden Familienmitglieds in einer Familie von Gehörlosen, und als erster Film ist er von vornherein mit Untertiteln für Gehörlose ausgestattet – sonst müssen Gehörlose erst mal nach Vorstellungen mit Untertiteln suchen und benötigen dafür spezielle Brillen und Geräte, die noch dazu nicht zuverlässig funktionieren.
“‘CODA’ breaks new ground for deaf movie theater-goers”.

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https://youtu.be/C6R7eI_HhvU

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Gestern gab’s den Bericht des Weltklimarats IPCC: Bereits 2030 droht eine Erderwärmung um 1,5 Grad – zehn Jahre früher als bisher prognostiziert. Ich kann mir also künftig das “tja, es sind eure Kinder und Enkel, die das betrifft” verkneifen und belege als Vorbereitung auf die Rente lieber Kurse im Umgang mit brutaler Hitze sowie Fluten. (Erklären Sie mir gerne nochmal, warum für Ihre Wahlentscheidung im September der Punkt “Umgang mit der Klimakatastrophe” nebensächlich ist.)

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https://youtu.be/0Yrut5I6iK8

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 8. August 2021 – Grillen bei Eltern 2021

Montag, 9. August 2021 um 6:29

Vom Wecker geweckt worden: Ich hatte am Vorabend vergessen, Brot zu backen, musste das also am Morgen nachholen – und weil wir inklusive Besuch bei meinen Eltern mittags zum ersten Grillen des Jahres eingeladen waren und der Teigling noch mindestens zwei Stunden gehen und dann gebacken werden musste, bedeutete das frühes Aufstehen.

Doch das Brot misslang und ging im Ofen nicht richtig auf, vermutlich hätte es morgens dann doch länger gehen müssen.

Ich packte den Laib dennoch ein, vielleicht würde er durchs Grillen besser.

Das Wetter war grau und kühl, ich nahm an, dass wir bei meinen Eltern drinnen sitzen würden. Eine Regionalbahn fuhr uns durch satt grüne Augustlandschaft, der Hopfen stand wunderschön. Und es wurde immer sonniger, je weiter wir uns von München entfernten.

Beim meinen Eltern trafen wir auf die lieben Schwiegers und bekamen erst mal Aperol Spritz im herrlichen Garten.

Es war dann doch draußen gedeckt, auf der Terrasse unterm riesigen Sonnen-/Regenschirm. Dort bekamen wir vom Grill Garnelen mit Aioli, Chorizo, Wammerl (= Schweinebauch), Lammkoteletts und Lammrücken, dazu Salat aus gerösteten Paprika, gegrillte Tomaten und Auberginenscheiben, Kartoffel- und Bohnensalat – sowie das mitgebrachte Brot, das dann doch nicht ganz misslungen, sondern lediglich feinporiger war als geplant. In den Gläsern Weißwein und Bier, nach dem Essen selbstgemachter Limoncello und Pacharán zum Espresso. Angemessene Zeit später servierte meine Mutter KaffeeundKuchen: Zitronen-Frischkäse-Torte. Es schmeckte rundum köstlich.

Das Schönste aber: Ausgelassene Fröhlichkeit unter allen Beteiligten. Es wurden Geschichten erzählt, von früher und sehr früher, aber auch von kürzlich, man verglich Ruhrgebiet, Bayern, Schwaben, Österreich, Berlin.

Nachmittags zog es dann aber doch bedrohlich dunkel zu, wir mussten vor Regen nach drinnen fliehen. Auf den Rückweg zum Bahnhof machten wir uns in einer Regenpause – die trügerisch war, denn schon nach ein paar Metern goss es energisch und wir wurden trotz Schirmen reichlich nass. Also fröstelten wir ein wenig im Zug nach Hause und mussten uns dort wie schon am Vorabend erst mal abtrocknen und umziehen.

Den Abend verbrachten wir gemütlich lesend – und mit letzten Gesprächen, am Montag reist der Besuch ab.

Auf der Zugfahrt und vor dem Einschlafen ließ ich mich von Trezza Azzopardis Roman The Hiding Place ins Cardiff der 1960er mitnehmen, las gerne über ein Familienleben unter maltesischen Einwanderern und in einer fremden Halbwelt.

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Ranga Yogeshwar hat die Antworten auf die wichtigsten Fragen und Ängste zur Corona-Impfung zusammengefasst. Ruhig, freundlich und sachlich.

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https://youtu.be/gT9z-l77ZYk

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 7. August 2021 – Sonnenbrand im Olympiapark, Schwimmhäute im Hirschgarten

Sonntag, 8. August 2021 um 8:23

Wohlig ausgeschlafen, zu einem sonnigen Tag erwacht. Gemütlicher Morgen mit Bloggen, Morgenkaffee und Internetlesen.

Als der Besuch aufstand, richtete ich Frühstück her. Während der Besuch frühstückte, duschte ich, zog mich an und verließ das Haus für ein paar Einkäufe.

Der Himmel bedeckte sich, und als der Besuch sich eine Besichtigung des Olympiaparks wünschte, steckten wir dafür vorsichtshalber Regenjacke und Schirm ein.

Für den Hinweg wählte ich die U-Bahn, weil man beim Näherkommen vom U-Bahnhof Olympiazentrum aus die schöne Alpen-Anmutung der Silhouette sieht.

Erst mal schauten wir ins Olympiabad: Die Glasfront ist wieder frei!

(Draußen sieht man die Leinwand und die Bestuhlung des Sommerkinos.) Noch ist einiges Baustelle, aber jetzt fehlt wirklich nicht mehr viel für den Abschluss der jahrelangen Sanierung.

Auch im Olympiapark gibt es derzeit wie auf Theresienwiese und Königsplatz Volksfest mit Karussells, Riesenrad und Fressbuden, in jetzt wieder schönem Wetter war überraschend viel los.

Besuch ist ja dafür da, dass man die eigene Heimatstadt besser kennenlernt: Ich besichtigte zum ersten Mal das Olympiastadion (wegen Umbauten gibt es derzeit leider keine Führungen). Mich überraschte, wie klein mir das Stadion erschien, man ist heute andere Dimensionen an Sportstätten gewohnt. Aber schön ist es schon.

Die Farben von Olympia ’72 mag ich besonders gern und schleiche seit zwei Jahren um ein Turnschuh-Modell, das damit designt ist.

Dann spazierten wir in großer Schleife auf den Olympiaberg (aufgeschüttet zwischen 1948 und 1957 aus den Trümmern und Ruinen des Zweiten Weltkriegs), analysierten ausführlich die Aussicht (Alpen leider nur schemenhaft am Horizont) und verbrannten uns in der inzwischen überraschend intensiven Sonne Ausschnitte und Nacken. Am Himmel Mauersegler und Schwalben.

Mit einer weiteren großen Schleife durch den Olympiapark vorbei an See und Fernsehturm spazierten wir zur Tramlinie 27: Auf dem Heimweg zeigte ich dem Besuch durchs Fenster noch ein wenig Schwabing und Maxvorstadt.

Nur kurzes Ausruhen daheim: Da für den Abend Gewitter angekündigt waren, machten wir uns bereits mitten am sonnigen Nachmittag zum Biergarten auf, und zwar zum Hirschgarten. Herr Kaltmamsell nahm mit seinem Monatsticket die Straßenbahn, Besuch und ich radelten. Doch schon während der knappen halben Stunde Anfahrt per Fahrrad verdunkelte sich der Himmel sehr schnell und der Wind frischte auf. Noch hoffte ich, dass auch dieses Grau wie am Mittag ohne Auswirkungen verschwinden würde, doch das war halt doch vorzeitig der angekündigten Regen.

Wir holten uns Getränke und setzten uns ans Hirschgehege (erst mal enttäuschend wenige Tiere zu sehen), während um uns herum die Menschen bereits vor den dunkelgrauen Wolken und dem immer stärkeren Wind flohen, die ersten Tropfen fielen. Wenn wir doch aber Biergarten haben wollten! Herr Kaltmamsell holte Brezn und Hendl, und mir schmeckte meine Hälfte ganz besonders gut (knusprig, saftig, frisch) – doch bei den letzten Bissen hielt Herr Kaltmamsell bereits einen Schirm über mich, damit ich nicht nass wurde. Wir zogen noch unter einen Baum und hofften weiterhin, dass das nur ein Schauer war – “Da hinten ist’s schon hell!”. Vergeblich, es regnete immer heftiger und ausdauernd. Nach schnell geleerten Getränken verteilten wir die Verkehrsmittel um: Der Besuch wurde zur Straßenbahn geschickt, Herr Kaltmamsell und ich nahmen unsere Räder.

Es war eine nasse und kalte Heimfahrt, es regnete bis in die Nacht. Wir verbrachten den Abend zunächst mit Trocknen und Aufwärmen, dann mit Lesen, einem Abendbrot-Snack und mehr Lesen.

Blödes Augustwetter – aber ich weiß zu schätzen, dass kein Sturzregen und kein Hagel dabei waren.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 6. August 2021 – Antrittsbesuch neues Volkstheater

Samstag, 7. August 2021 um 9:15

Früher Wecker wegen Arztbesuch, ich war sogar schon davor wach.

Ich musste selbst ohne Termin gar nicht lang in der Praxis der Hausärztin warten. Sie untersuchte mein Schienbein und konnte mich schnell beruhigen: Reizung des Tibialis-Muskelansatzes am Schienbein, kein Zusammenhang mit Mückenstichen. Frau Doktor überlegte ausführlich mit mir, wie es dazu wohl hatte kommen können (wahrscheinlich ein kleinerer Umknicker des Fußes gepaart mit ein, zwei Kilometer zu viel Wanderung). Therapie: Diclofenac-Salbe (die gereizte, entzündete Stelle liege dicht genug unter der Hautoberfläche, dass der Wirkstoff sie erreichen könne), bei abendlicher Schwellung Lymphflüssigkeit sanft Richtung Herz ausstreichen, Schonung (mmmh…), für den Wanderurlaub empfahl sie Tape (mit genauer Anleitung dafür) zur Unterstützung – und nachdem sie mein Urlaubsziel erfahren hatte, bekam ich auch noch Tipps für ihren geliebten Bayerwald (u.a. auf den Lusen zu gehen).

Auf dem Heimweg besorgte ich Frühstückssemmeln und Brot für abends, in der Apotheke Salbe und Tape. Freude über die Balkonvögelchen.

Auch Kleiber und Baumläufer habe ich dort schon gesehen.

Den Vormittag mit dem Besuch verplaudert und verfrühstückt. Es regnete immer wieder, doch um zwölf schien sich das Wetter zu fangen: Wir wagten uns raus (nach Anwendung der Salbe probierte ich gleich mal das Tapen nach Anleitung der Ärztin aus).

Ich lenkte den Besuch ins Schlachthofviertel, denn ich wollte nach dem neuen Volkstheater schauen. Das Feuilleton der Süddeutschen hatte einen langen Artikel über die Fertigstellung veröffentlicht und recherchiert, welche schwarze Magie dafür gesorgt hatte, dass das Projekt nicht nur fristgerecht, sondern im veranschlagten Budget fertiggestellt wurde (€): “Das Wunder von München”. Kurzfassung: Sehr sorgfältiges und ausführliches Leistungsverzeichnis, keine Änderungen unterwegs, respekt- und vertrauensvoller Umgang von Bauunternehmer, Architekt und Baureferat, außerdem waren alle beteiligten Personen von Anfang bis Ende die gleichen. Hier das Blog zum Neubau mit vielen Details. Mir gefiel der Bau schon mal von außen sehr und ich freue mich auf den ersten Besuch einer Vorstellung.

Von hinten.

Von der Seite (die Werkstätten haben Türen direkt zur Straße, eine war offen, darin saß jemand und machte gerade Pause).

Detail an der Eingangstür mit Besuch.

Durch Glockenbachviertel und Gärtnerplatzviertel mäanderten wir zum Viktualienmarkt, Einkäufe für den Abend beim Herrmannsdorfer und im Tölzer Käsladen – die Käseeinkäufe wieder mit umfassenden Hintergrundinformationen, ich weiß jetzt unter anderem, warum es den Manchego-artigen Vilstaler gerade nicht gibt, dass immer mehr handwerkliche Käsereien direkt vermarkten, dass der Donauwörther Landkäs der eigentlich typischste ursprüngliche bayerische Käse ist und wodurch sich die Herstellung des Tegernseer Camenberts von dem Rohmilch-Camenmbert unterscheidet, den ich kaufte. (Und ich wusste wieder, warum ich so gern dort einkaufe.)

Zwar hatte ich immer noch keinen Appetit, doch die Leberkässemmel, auf die mich der Besuch einlud, schmeckte.

Über ein paar Einkäufe beim Eataly gingen wir heim. Das wehe Schienbein war nach drei Stunden zu Fuß deutlich weniger geschwollen als in den zwei Wochen zuvor – meine innere Forscherin hätte ja lieber Salbe und Tape einige Zeit getrennt ausprobiert, um herauszufinden, was von Beidem wirkt, aber das würde halt zu lange dauern.

Inzwischen hatte die Sonne für Wärme gesucht, ich konnte die Fenster wieder offen lassen.

Den Nachmittag verbrachte ich mit Lesen und einer kleinen Siesta, bis es Zeit fürs Abendbrot war: Käse, Wurst, Berliner Balkontomaten, frische Salzgurken, die Herr Kaltmamsell am Vortag eingelegt hatte. Der Besuch trank Bier, Herr Kaltmamsell teilte sich mit mir eine Flasche Pouilly-Fumé. Zum Nachtisch Espresso mit herrlich aromatischen Amaretti, die der Besuch stellte.

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Enno Park schlüsselt auf, warum der Protest aus Sachsen-Anhalt gegen das Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Rundfunkbeitrag so gefährlich ist und an den Grundfesten des Grundgesetzes rüttelt.

die Kaltmamsell