Journal Samstag, 29. Mai 2021 – Laufen in Thalkirchen, Schrankeinräumen

Sonntag, 30. Mai 2021 um 8:00

Es war ein strahlender Sonnentag angekündigt (aber kühl), der sich allerdings zunächst mit vielen Wolken zierte. Meine Nacht hatte wieder eine Schlafpause unterbrochen, doch ich holte bis halb acht nach.

Entsprechend spät kam ich nach ausführlichem Bloggen und Morgenkaffee zu meinem Sport, einer kleinen Laufeinheit. Ich radelte zum Tierpark Hellabrunn und stellte mein Rad dort ab, lief zur Großhesseloher Brücke, hinauf (Puls mal richtig hoch) und hinüber, auf der anderen Isarseite zurück, bis 45 Minuten rum waren. Den Rest zum Fahrrad spazierte ich.

Das funktionierte gut, und ich kam in Spürweite der Ruhe, die ich durch längere Laufstrecken finden kann. Beim Laufen waren kurze Ärmel genau richtig, doch schon nach dem Dehnen brauchte ich für den Spaziergang zurück und auf dem Rad meine Jacke. Viele Menschen unterwegs, das wird bei steigenden Temperaturen nicht besser werden.

Auf dem Heimweg holte ich Frühstücksemmeln. Nach dem Duschem beim Frühstück näherte ich mich dem Balkonsitzen mit zumindest einem offenen Fenster, doch selbst das wurde schnell zu kühl.

Die nächsten Stunden über räumte ich den Wandschrank ein. Es passte tatsächlich alles rein, was ich mir erhofft hatte, außerdem kann ich stolz verkünden: Endlich habe ich meinen Kleiderbestand genug reduziert, dass ich nicht mehr Teile davon jahreszeitlich im Keller verstauen muss: Ein paar Jahre minimale Neukäufe, Auftragen des Bestands bis zu Verschleiß und Abgeben nicht wirklich geliebter oder nicht wirkliche passender Stücke. Dennoch besitze ich Einiges, was ich nur alle paar Jahre trage, von Minimalismus kann also keine Rede sein.

Auch einen Bereich für Sportausstattung gibt es jetzt, sogar mit Platz für weitere Hanteln. Die Zahl herumstehender Umzugskartons ist deutlich gesunken, das Kammerl (aka Fitnessraum, aka Gästezimmer) kann einer endgültigen Nutzung zugeführt werden: Es bekommt Regale für alle Schuhe und wird zudem Heimat für die Schmutzwäsche-Säcke sowie Koffer, für Bügelbrett, Wäscheständer, Leiter.

Statt KaffeeundKuchen holte ich zum ersten Mal in diesem Jahr Eis in der Nachbarschafts-Eisdiele, einer ganz klassischen, uncoolen, italienischen: In mitgebrachten Schälchen Spaghettieis für ihn, für mich drei Kugeln mit Sahne. Wir sind jetzt bei 1,40 Euro für die Kugel.

Abendessen war die zweite Hälfte Lasagne vom Vorabend, dazu zum einen Tomaten mit Basilikum und Ricotta Salata drübergerieben, zum anderen einem spanischen Bio-Garnacha aus der Anbauregion Madrid, den ich im Vorbeigehen mitgenommen hatte und der mir so mittel schmeckte. Nachtisch ein paar Erdbeeren und Schokolade.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 28. Mai 2021 – Schrank von innen

Samstag, 29. Mai 2021 um 9:00

Auch wenn ich vorher und nachher gut schlief, machte mich eine lange unruhige Nachtphase morgens benommen und schon auf dem Weg in die Arbeit bleischwer.

Aber: Nicht nur regnete es morgens nicht, ich bekam auf dem Fußweg in die Arbeit blauen Himmel und schrillende Mauersegler überm Westend. Der Tag war dann mehr sonnig als wolkig, allerdings weiterhin kühl.

Die 7-Tages-Inzidenz von Corona-Infektionen sinkt weiter, in München sogar schneller als im Bundesdurchschnitt. Ab nächster Woche braucht man unter anderem zum Einkaufen in keinem Geschäft mehr Termin und aktuelles Testergebnis, ebenso wenig für Außengastronomie, für Museen und Zoos braucht man keinen Termin mehr, Testpflicht entfällt für Freibäder und Fitnessstudios. Jetzt noch ein bisschen höhere Temperaturen bitte.

In meiner Mittagspause (Vollkornbrot, Orange mit Hüttenkäse) entdeckte ich die charmante Hommage der Süddeutschen an die nimmersatte Raupe:

Löcher im Layout der “Panorama”-Seite.

Auf dem Heimweg ein kurzer Abstecher in den Vollcorner, um wundervoll duftende heimische Erdbeeren für die Drinks zum Feierabend-Einläuten zu besorgen.

Zu Hause wischte ich aber erst mal den neuen Wandschrank durch (Empfehlung des Schreiners), außen und innen.

Des Schrankes Innenleben (ich habe mich zu Fotografieren auf eine Leiter gestellt), zur Orientierung nochmal die Außenansicht.

Ein bisschen räumte ich ihn auch ein, stellte gleich mal fest, dass ich die linke Kleiderstange für meine ganz langen Kleider höher brauche (sollte leicht verstellbar sein).

Jetzt aber Händehoch Wochenende mit Erdbeer-Gin-Tonics!

Bei aller Kälte genieße ich die langen Tage schon sehr. So war es zum Beispiel noch hell genug, als Herr Kaltmamsell auf die Straße guckte und beobachtete: “Das ist doch keine Taube!”

Richtig: Auf der Straßenlaterne vorm Wohnzimmerfenster saß ein Turmfalke – den ich leider nur schnell mit meinem Smartphone festhalten konnte, denn bis Herr Kaltmamsell seine erwachsene Kamera geholt hatte, war er bereits weggeflogen.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell Lasagne gemacht, mit einer Haferflocken-Bolo. Schmeckte sehr gut, ich vermisste das Hackfleisch nicht.

Zur Abendunterhaltung folgte ich einem Tipp von Christian: Wir guckten eine arte-Doku über 40 Jahre Indiana Jones.

§

Linguistik-Professorin Herzbruch war so freundlich, eine fachliche Abhandlung zu bloggen:
“Exkurs Gendern”.

Die Kernpunkte, von ihr strukturiert (ich empfehle aber den ganzen Artikel):

1) Die deutsche Grammatik

Der allergrößte Teil der Linguist:innen befasst sich ausschließlich mit diesem beobachtbaren Regelsystem einer Sprache, nicht mit der Normierung dessen. Die Begriffe “richtig” und “falsch” kommen in der täglichen Praxis üblicherweise nicht vor, das ist nämlich ein von Menschen obendrübergestülptes Bewertungssystem, welches komplett losgelöst ist von der Frage, wie Sprache funktioniert. Und – und das kann ich kategorischer formulieren – niemand beschäftigt sich wissenschaftlich mit der Frage, ob etwas schön oder nicht schön ist. Es gibt sehr viele konkurrierende Prinzipien, die auf Sprachstruktur einwirken. Die Frage, ob konservative Politiker:innen etwas schön finden, ist keines davon. Da kann ich Sie beruhigen.

(…)
2) Sprachwandel

Sprachwandel ist für Linguist:innen dieser Welt niemals ein Zeichen von Verfall, Verrohung oder Verlotterung, sondern einzig und allein die Normalität. Es gibt im Prinzip nichts Spannendes mehr darüber zu sagen, was nun noch passiert, ist Inventarisierung, Beschreibung, Erklärung. Bricht sich nun also ein neues sprachliches Phänomen Bahn, passiert sowohl “in der Grammatik” als auch “für die Linguistik” exakt gar nichts. Neue Dinge können beschrieben werden, und das ist ja erst einmal schön. Sonst: Nüscht. Alle schlafen gut.

(…)
3) Gendern

“Genus ist nicht gleich Sexus” ist deutlich zu einfach. Zu argumentieren, grammatisches Geschlecht habe nichts mit biologischem Geschlecht zu tun, ist inzwischen anhand diverser Studien mit ganz unterschiedlichen Versuchsaufbauten widerlegt.

(…)
4) Und jetzt?

Mitgemeint ist nicht mitgedacht. Das führt zu Benachteiligung. Und die führt zu nachvollziehbarem Unwohlsein und Unmut bei vielen Menschen, und das sollte nun beantwortet werden. Eine Lösung muss her.

Das wollen Sie aber möglicherweise gar nicht lesen (ist streckenweise auch richtig fachlich), weil Sprache ein so großartiges Feld für Rummeinen aus dem Bauch raus ist – das könnten sie nach der Lektüre dieses Posts vielleicht nicht mehr so einfach.

Einen verbreiteten Irrtum möchte ich noch aufklären: Nein, es gibt in Deutschland keine zentrale Stelle/Behörde/Institution, die “korrektes Deutsch” festlegt. In Frankreich gibt es die Académie française, die bis heute ein normatives französisches Wörterbuch erarbeitet, das Pendant fürs Kastilische ist die Real Academia Española. Sowas gibt es fürs Deutsche nicht. Wir haben lediglich seit 2004 den Rat für deutsche Rechtschreibung mit dem Auftrag, “die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren und die Rechtschreibung auf der Grundlage des orthografischen Regelwerks im unerlässlichen Umfang weiterzuentwickeln” (was ja schon mal bei ß/ss in der Schweizerischen Schreibung nicht klappt). Der gibt aber kein Nachschlagewerk oder Wörterbuch heraus.

Und der Duden? Der ist eine Publikation des Duden-Verlags mit dem Ziel, die deutsche Gegenwartssprache zu erfassen. Jeder Organisation, jeder Firma steht es frei, die Schreibung der eigenen Publikationen daran auszurichten.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 27. Mai 2021 – Der wahrscheinlich schönste Einbauschrank der Welt

Freitag, 28. Mai 2021 um 6:39

Nachts zwischen zwei Aufwachen schlief ich über vier Stunden am Stück, das war schön. Nach Aufwachen um fünf allerdings nicht wieder eingeschlafen, das war doof.

Aufgeregter Morgen, ich richtete alles für die Schreiner her. Draußen regnete es ungerührt, beim Radeln in die Arbeit erwischte ich aber eine Phase mit nur leichtem Tröpfeln. Mittlerweile müssten wir doch über “der Bauer braucht den Regen” hinaus sein, ich glaube, jetzt brauchen die Felder auch mal wieder Sonne zum Wachsen.

In meiner Mittagspause radelte ich schnell heim zum Grüß-Gott-Sagen, bis dahin musste mich Herr Kaltmamsell per Twitter-DM mit Live-Details versorgen:
“Kleineres Bohren (hatte morgens noch Sicherungskasten freigeräumt, gute Idee), hauptsächlich Herauftragen aller Elemente.”
“Sie besprechen Dinge, unaufgeregt.”
“Sie messen.”
“Man bohrt etwas.”
“Jetzt sägen und schneiden und messen und basteln sie. Dinge werden passend gemacht.”
Ich geriet in Regen, konnte aber wirklich ein paar Worte mit zweien der drei Schreinerei-Herren wechseln. So aufregend!

Das Mittagessen zurück im Büro: Vollkornbrot mit Kochkäs, ein Apfel.

Im Lauf des Nachmittags riss der Himmel auf, das Wetter spielte vorübergehend weiß-blauen Himmel. Doch dann wurde es wieder düster und regnerisch.

Nach Feierabend radelte ich schnell heim, verpasste die Schreiner aber knapp. Sie hinterließen: Einen Einbauschrank, der noch viel atemberaubender ist als erhofft.

Ich machte alles mal auf und atmete Holzduft ein. Über die nächsten Tage räume ich ihn ein – und dann kann endlich unser restliches Zeug verplant werden.

Zum Abendessen gab es Salat aus Ernteanteil und Käse, Nachtisch Schokolade.

§

Der Schöpfer der Kleinen Raupe Nimmersatt, Eric Carle, ist gestorben (war sogar der Tagesschau eine Meldung wert). Das war meine liebste Kindergeschichte neben Pippi Langstrumpf (stark, autark): Unmengen köstlicher Sachen essen und dadurch wunderschön werden.

Aus dem Nachruf erfuhr ich, dass die Kleinen Raupe Nimmersatt 1969, zwei Jahre nach meiner Geburt erschien – ich bin also Leserin der allerersten Kleinkind-Generation.

Und “Aber satt war sie noch immer nicht” eignet sich für so viele, auch ess-ferne Situationen – Dank an den Übersetzer ins Deutsche, Viktor Christen, der als Verlagslektor das Buch und seinen Autor wohl für Deutschland entdeckt hat. Ich finde den deutschen Titel auch viel schöner als das original englische The Very Hungry Caterpillar.

Ich recherchierte den englischen Originaltext. “But he was still hungry” ist zum einen erheblich weniger kraftvoll als “Aber satt war sie noch immer nicht”, das man beim Vorlesen als Kind so schön mitsprechen konnte, zum anderen aber und vor allem: Im Englischen “he”! Damit hätte ich mich sicher nicht so stark identifiziert wie mit der Raupe. Gleich mal als Beispiel zur Seite legen, wenn wieder mal jemand behauptet, im Deutschen gebe es ein “grammatikalisches Geschlecht”, das klar vom natürlichen abgrenzbar sei und keine Bedeutung trage. – Ernsthaft: Mich würde eine Untersuchung interessieren, ob die Rezeption des Buchs bei Kindern geschlechterspezifisch anders war/ist im englischen und deutschen Sprachraum. Zumindest bilde ich mir ein, dass in deutschen – eher launigen – Kolumnen regelmäßig Frauen das Buch referenzieren, ich mich aber nicht an Ähnliches im englischen Medien erinnere. – ZACK! Hausarbeitsthema

§

Im bayerischen Deutsch-Abitur drehte sich eine wählbare Aufgabe um einen sehr lesenswerten Zeit-Essay von 2020:

“Reden bedeutet Risiko”.

Soziologie-Professorin Teresa Koloma Beck thematisiert und analysiert eine heikle Situation:

Das Sprechen über diskriminierende und stigmatisierende Sprache macht uns verletzlich. Gerade deshalb ist es so wichtig, es zu tun.

(…)

Darüber, was wie gesagt werden kann und wer wie bezeichnet werden sollte, wird in letzter Zeit wieder heftig gestritten. Zu Recht. Denn Sprache dient nicht nur der Verständigung. Sie beeinflusst, was wir denken und uns vorstellen können und damit auch, wie wir die Welt und uns selbst in ihr erfahren und wie wir uns anderen Menschen zuwenden können. In diesem Sinne ist Sprache hochpolitisch.

(…)

In der kritischen Auseinandersetzung mit stigmatisierender und diskriminierender Sprache geht es also – anders als die Gegner der sogenannten Political Correctness es häufig darstellen – um sehr viel mehr als persönliche Be- und Empfindlichkeiten. Es geht um Möglichkeiten sozialer und politischer Teilhabe. Diese sicherzustellen ist in Demokratien von zentraler Bedeutung. Darum ist die Debatte um angemessene Bezeichnungen richtig und wichtig.

(…)

Immer mal wieder werde ich in Gesprächen im privaten oder beruflichen Umfeld aufgefordert, als eine Art Zeugin über rassistische Erfahrung in Deutschland zu berichten. Dann versuche ich klarzustellen, dass ich zwar gern über meine persönlichen Erfahrungen Auskunft gebe, diese jedoch in keiner Weise repräsentativ sind; dass ein Gespräch mit mir keine abschließenden Antworten liefern, sondern nur ein Mosaikstein in einem Bild sein kann, das es zusammenzusetzen gilt. Rassismuserfahrungen sind vielgestaltig. Und die öffentliche Debatte über die Vielfalt des Phänomens hat in Deutschland eben erst begonnen.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 26. Mai 2021 – Wandschrankdämmerung

Donnerstag, 27. Mai 2021 um 6:47

Mittelgute Nacht, aber mehr geschlafen als in der Nacht zuvor.

Regen erst auf dem Heimweg von der Arbeit, davor war es lediglich grau und kühl, dazwischen ein Sonnenstrahl. Da mag ich noch so oft und detailliert auf die Wettervorhersage schauen: Es will sich kein Wetter abzeichnen, bei dem ich mich um einen Schwimmtermin im Schyrenbad, dem nächst gelegenen Freibad, bemühen würde: Dazu müsste es schon deutlich um die 20 Grad haben. Und auch die wiedereröffneten Biergärten sind bei Höchst(!)temperaturen von 16 Grad unattraktiv. Konzentriere ich mich also auf Wanderpläne.

Vor der Arbeit klopfte ich bei den Handwerkern in unserer alten Wohnung (es wird mit einer weiteren Renovierungsdauer von drei Monaten gerechnet, die haben wirklich alles rausgerissen bis auf die Mauern, selbst Heizkörper sind entfernt): Ich kündigte die Schreiner mit Wandschrank an, genauer ihren Platzbedarf im Hinterhof, der wegen der Wohnungsbaustelle jetzt immer mit Handwerkerwagen zugeparkt ist.

Geordneter Bürotag mit besserer Konzentration, mittags gab es Vollkornbrot mit Butter, außerdem Orange und Grapefruit.

Zurück zu Hause räumte ich mit Herrn Kaltmamsell mein Zimmer zu großen Teilen aus, verschob die verbleibenden Teile: Am Donnerstag wird der Wandschrank montiert. Ausgerechnet dieser Tag eignet sich aus Gründen besonders schlecht für mich zur Heimarbeit, also wird Herr Kaltmamsell (Schulferien) daheim und ansprechbar sein. Ich werde mit dem Rad in die Arbeit fahren, um notfalls in 20 Minuten zur Stelle sein zu können.

Gestern hatte ich die Ruhe für Yoga, die Einheit 24 von Adrienes “Breath” trainierte besonders den unteren Rücken und Hüftstabilität.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Spaghetti Carbonara, schmeckte sehr gut. Nachtisch Schokolade.

Ich ging früh ins Bett zum Lesen, Markus Ostermairs Roman Der Sandler nahm mich mit in den Alltag eines Obdachlosen im heutigen München.

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Immer gut für eine sympathische Nummer: Die #weilwirdichlieben-Kampagne der Berliner Verkehrsbetriebe BVG. Hier ihre Cover-Version von “Allein allein”.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/QKSoW8fIN5c

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Fische benehmen sich auch nicht unbedingt erwachsen beim Streiten.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 25. Mai 2021 – Müder Arbeitsbeginn

Mittwoch, 26. Mai 2021 um 6:21

Nach Langem mal wieder eine so richtig schlechte Nacht.

Die Folgen erwischten mich aber erst am Nachmittag im Büro, als die dringensten und unangehmen Sachen erledigt waren und ich die letzten beiden Stunden mit hirnlosem Datenbank-Zeugs verdaddeln wollte: Bleischwere Lider, benommenes Hirn.

Der Regen machte gestern ein wenig Pause, kurz vor meinem Gang in die Arbeit hörte er auf. Aber es blieb sehr kühl.

Mittagessen Vollkornbrot mit Butter, außerdem Mango und Maracuja mit dem letzten Rest Schafsjoghurt.

Es häufen sich Impf-Meldungen von Kolleginnen und Kollegen, ein beruhigendes Zeichen.

Auf dem Heimweg Lebensmitteleinkäufe, vor allem für die nächsten Brotzeiten.

Zu Hause endlich mal wieder ein Runde Schuhe geputzt, vor allem zur Lederpflege und damit zur Verlängerung der Lebensdauer.

Corona-Selbsttest. Auch mein Arbeitgeber stellt welche, ich erhöhe auf zweimal die Woche, damit wirklich auf den letzten Metern vor Immunisierung nichts schief läuft (gestern wieder von Bekannten erfahren, die sich nach der ersten Impfung infizierten, wieder war ein kleines Kind Überträger).

Herr Kaltmamsell hatte den halben Ferientag in der Küche gestanden und servierte italienische Gemüse-Antipasti (teils im Ofen gegart, teils in der Pfanne) sowie Ernteanteil-Kartoffeln als Pommes aus dem Speisefön (schmecken auch bei noch so sorgfältiger Zubereitung aus dem Air Fryer wie Backofen-Pommes). Nachtisch bayerische Erdbeeren (gut!) und Schokolade.

Ich war so bleiern müde, dass mich die Vorbereitung der Mittwochs-Brotzeit große Anstrengung kostete, und ging sehr früh ins Bett.

die Kaltmamsell

Journal Pfingsmontag, 24. Mai 2021 – Regenruhe

Dienstag, 25. Mai 2021 um 6:43

Nacht mit einer unruhigen Phase, aber mittlerweile zählt alles ohne echte Wach-Unterbrechung als gute Nacht.

Das Draußen grau und kühl, aber regenfrei. In der Wohnung brauchte ich den ganze Tag zur Jeans einen dicken Wollpulli über Shirt und zwei paar Socken an den Füßen.

Nach ausführlichem Bloggen und Morgenkaffee dachte ich über den Sport des Tages nach – doch ich hatte in den vorhergehenden Tagen so viel gejoggt, gewandert, kraftgehoben, dass ich gegen einigen inneren Widerstand zu dem Ergebnis kam, dass das Klügste gar kein Sport wäre (unter Vorbehalt von Yoga am späteren Nachmittag, das ist ja wohl kein Sport). Da saß ich aber dumm da: Was machte ich statt dessen?

Es wurde dann vormittags Räumen, Bügeln, Putzen (der alte Wäschetrockner wusste vermutlich gar nicht, wie ihm geschah, als er nach 23 Jahren Einsatz bei uns mal gesäubert wurde, außen und innen, so richtig mit Schwamm und Spüli).

Frühstücksemmeln holte ich beim Bäcker noch trocken, doch bald begann es wieder zu regnen.

Nach dem mittäglichen Frühstück wurde ich müde, legte eine Siesta ein, holte mir dafür eine zusätzliche Decke gegen’s Frieren.

Ich las eine Weile Buch, dann war mir doch nach frischer Luft. Es tröpfelte lediglich, in den vergangenen Wochen habe ich eine britische Einstellung zu Niederschlag entwickelte: Das ist doch kein Regen! Ich ließ den Schirm daheim.

Über Sonnenstraße und Promenadeplatz zur Briennerstraße, ich blieb immer wieder an Schaufenstern stehe. Hofgarten, Tal, Viktualienmarkt, Sendlinger Straße nach Hause. Außengastronomie rege genutzt, auch wenn die Thermometer 15 Grad anzeigten. Dieses Jahr komme ich gar nicht aus meiner Winterkleidung raus.

Kastanien-Nachwuchs am Hofgarten.

Daheim machte ich mir heißen Tee und fuhr den Arbeitsrechner hoch, um meine E-Mails nach Stinkbomben zu scannen. Keine gefunden, das wird am Dienstag ein geordneter Arbeitbeginn.

Nachtmahl war die Fortsetzung von Sonntagabend, nur der Hackbraten kalt und das Kartoffel-Kraut-Pü als Pflanzerl rausgebraten. Nachtisch Schokolade.

Wir ließen auf meine Bitte den neuen Bremen-Tatort mit neuer (interessanter) Besetzung laufen, ich guckte aber nicht allzu konzentriert: Es galt für den Arbeitstag zu räumen, Brotzeit vorzubereiten.

Urlaub zu Ende. War ein schöner Urlaub, der sich mangels Reise- oder Unternehmungsgelegenheiten ein wenig anfühlte wie Schulferien als Kind: Lesen, Zeit haben, rausgehen, mehr lesen, bisschen was erledigen, wozu sonst keine Zeit ist oder nur mit Hektik. Wenn ich mehr andere zum Spielen rausklingeln hätte können, wär’s noch besser gewesen, aber mei.

§

Die Bundesregierung möchte das Sozialgesetzbuch ändern und die Dauer von Psychotherapie nach groben Rastern festlegen. Christian beschreibt in seinem Blog, wie ein typischer Weg in die Psychotherapie aussieht, unter anderem am eigenen Beispiel, und warum diese Änderung eine deutliche Verschlechterung darstellen würde:
“23.5.2021 – #RasterPsychotherapie”.

die Kaltmamsell

Journal Pfingstsonntag, 23. Mai 2021 – Würmspaziergang Gauting nach Starnberg

Montag, 24. Mai 2021 um 8:29

Ausgeschlafen, zu Regen aufgewacht.

Meine persönliche Innenausstatterin, Mutter, hatte mir aktuelle Ausgaben der Zeitschrift Schöner Wohnen zur Inspiration mitgebracht, die sah ich durch (ewige Liebe für deren Podcast-Titel Sofa So Good, genau mein Humor). Das mit der Inspiration funktioniert manchmal tatsächlich: Die haben ihren Holzschemel ins Bad gestellt? Gute Idee, der steht hier eh etwas heimatlos rum, brauche ich mich nicht immer auf den kalten Badewannenrand setzen.

Die großen Einrichtungsideen, die hier präsentiert werden, scheitern aber fast durchgehend an meinen superspießigen Praxis-Einwänden. Beispiel freistehende Badewannen: Sehe ich seit vielen Jahren in den örtlichen Bädergeschäften, schauen sensationell toll aus. Und doch frage ich mich halt: Wo lege ich da meine Seife ab? (Nachfrage bei Twitter ergab: Hocker danebenstellen.) Und mein Badetuch? Wie dusche ich mich abschließend ab, ohne das Bad unter Wasser zu setzen? Oder die echte Wohnung in Stockholm, von einer Frau bewohnt, die von 350 qm Wohnfläche (Familienhaus) auf 49 qm (Single-Innenstadtwohnung) reduzierte: Die Kleidungsnische mit den sieben Kleidern und den fünf Blazern ist ja nett (gelernt: “begehbarer Kleiderschrank” heißt es, wenn um die Kleiderstange kein Schrank ist), aber wo ist die restliche Kleidung? Die Unterwäsche, die Socken, die Pullis, die Sportkleidung, die Schlafanzüge? Wenn ich vor einem Fotoshooting 80 Prozent meines Zeugs aus der Wohnung entfernte und ins Treppenhaus stellte, könnte ich wahrscheinlich auch ästhetische Aufnahmen machen.

Spannend finde ich auch immer die Ausstattungsideen für Miniwohnungen – aber der Schreiner-Maßeinbau für das 29-qm-Apartment in Berlin Schöneberg kostet sicher so viel, dass das drei Jahre die Mietdifferenz zu einer 50-qm-Wohnung begleicht.

Allerdings höre ich mich bei diesem Thema an wie meine Mutter, die beim Anblick von Haute-Couture-Modeschauen kritisierte: “Das kann doch niemand tragen!” Die Einrichtungsideen in Einrichtungszeitschriften sind wahrscheinlich ebenso wenig fürs echte Leben gedacht wie Haute Couture, sondern einfach Kunst.

Plan war gestern, mit Herrn Kaltmamsell den Rest der Würm-Wanderung Pasing-Starnberg zu spazieren, also zwölf Kilometer von Gauting nach Starnberg. Die Wetterradare sagten Regen-Ende für Mittag voraus, also planten wir entsprechend.

Zum Frühstück gab es den Rest Linsen vom Vorabend, außerdem Erdbeeren und Orange mit Schafjoghurt. Um halb zwölf regnete es noch heftig, unterbrochen von einem Hagelschauer. Doch um halb eins war Ruhe, und von der S-Bahn nach Gauting aus sahen wir bereits bayerisch blau-weißen Himmel. Ich mag es, wenn das Wetter sich so angenehm an die Vorhersage hält.

Erste Sensation beim Verlassen der Ortsgrenze Gauting: Auf einem entsprechenden Sportplatz trainierten Buben Baseball, an verschiedenen Stationen und so richtig wie im Fernsehen (Nachrecherche ergab: Das waren die Gauting Indians). (AbEr DIe dEUtScHe lEiTKuLtUr!) (Spass.)

Das Würmtal und vor allem die Würm selbst sind wirklich ungemein malerisch. Wir versuchten so oft wie möglich direkt am Bach zu gehen, egal wie matschig. Herr Kaltmamsell lotste uns aber auch den Schlossberg hinauf: Mühsam, denn Mountainbike-Reifen hatten den Pfad in einen einzigen Morast verwandelt.

Immer wieder kamen wir durch sonnige Abschnitte mit Wiesen und energischem Grillenzirpen, im letzten Drittel genossen wir herrliche Ausblicke. Weitere Attraktion: Die Villa Rustica bei Leutstetten, Fundamente eines römischen Gutshofs, der etwa im 2. Jahrhundert n.Chr. aufgegeben wurde. Schön auch der Abschnitt über Holzplankenwege durchs Leutstettener Moos. Am Himmel Mauersegler und Schwalben.

Viele, viele Radler*innen, der Weg ist aber auch als Radwanderweg markiert. Ein Wanderurlaub im Naturpark Bayerischer Wald wurde vor allem deshalb attraktiv, weil dort Radeln wohl nur auf eigens gekennzeichneten Wegen erlaubt ist. Wenn sich daran gehalten wird (lassen Sie mir vorerst meine Illusionen, die allen sonstigen Erfahrungen widersprechen), könnte dort gedankenversunkenes Wandern ohne ständiges Lauschen auf Fahrradgeräusche und Blicke über die Schulter möglich sein.

Die Starnberger Uferpromenade war gut besucht, inklusive der jetzt wieder geöffneten Außenbereiche von Cafés und Restaurants.

Crossover Hipster-Holdrio. Die Wirtschaft sah dann tatsächlich exakt so aus und hörte sich so an, wie das Design des Schildes verhieß: Biergarten ausgestattet mit Sperrmüll, Motown-Musikbeschallung, Speisen und Getränke aus Streetfood-Wagen. Alles in der Typografie und der Beschriftungstechnik angelegt.

Einbettl.

Zurück daheim begrüßten uns die Rosentagsrosen als Leuchtobjekt.

Ich füllte eine Waschmaschinenladung und gönnte mir eine Yoga-Folge mit viel angenehmem Dehnen (die neuartigen Rückenschmerzen der vergangenen Monate wollen aber einfach nicht weggehen, ich werde dann doch Physiotherapie bemühen müssen), Herr Kaltmamsell übernahm die Küche.

Es gab nochmal Maibowle, als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell englischen Hackbraten mit Kartoffel-Weißkraut-Stampf. Nachtisch reichlich Schokolade.

die Kaltmamsell