Journal Donnerstag, 11. September 2025 – Beifang aus dem Internetz

Freitag, 12. September 2025 um 6:30

Mich wird es bei diesem Datum immer reißen: Nine Eleven. Ein Jahr vor dem 25. Jahrestag sah und las ich gestern allerdings auffallend wenig über die Zerstörung des World Trade Centers in New York durch den Terroranschlag mit zwei Flugzeugen, der zweite Einschlag und der Zusammenbruch der Twin Towers mit Hunderten Menschen darin live übertragen in alle Welt. Die gestrigen Nachrichten waren dominiert von der Ermordung des US-amerikanischen reaktionären Aktivisten Charlie Kirk.

Den Morgen über fühlte ich mich trotz gutem Schlaf (und keinem Tropfen Alkohol seit fünf Tagen) verkatert. Der Marsch in die Arbeit unter drohenden Regenwolken tat gut.

Fast fertig: Seit zwei Jahren wird an diesem Wohnungsgenossenschaftsbau (“Gelber Block” aus den 1930ern) in der Heimeranstraße gearbeitet. An zwei Seiten wurden zwei zusätzliche Geschoße aufgesetzt, an einer Seite eines, es gibt viele neue Balkone. Mir gefällt die Gestaltung, das sieht nach viel mehr Liebe aus als nach nur funktional. Und die Seile an den (neuen) Aufzug-Anbauten weisen auf Begrünungspläne hin. (Nachtrag: Beim heutigen Vorbeilaufen wurde mir bewusst, dass das nur einer von zwei Innenhöfen ist, der Bau ist doppelt so groß wie das, was man auf dem Foto sieht.)

Vormittags setzte Regen ein. Der Regenradar zeigte aber exakt für meinen geplanten Mittagscappuccino im Westend das Ende der Niederschläge an – und also geschah es.

Zu Mittag gab es eine Schüssel voll köstlicher Feigen, außerdem Mango mit Sojajoghurt.

Anstrengender Nachmittag, ich machte dennoch halbwegs pünktlich Feierabend.

Auf dem Heimweg ging ich an einem Tchibo vorbei: Für die Wanderwoche in England kaufte ich mir dann doch eine wirklich wasserabweisende Regenhose; bis zu 9-stündige Wanderungen will ich im möglichen Dauerregen echt nicht nass absolvieren.

Daheim eine Yoga-Runde, bevor ich mir aus frisch geholtem Ernteanteil Abendessen zubereitete (Herr Kaltmamsell wieder aushäusig).

Blattsalat, Gurke, rote Paprika, eine gelbe Tomate in Orangensaft-Haselnussmus-Dressing – alles meins! Nachtisch Schokolade. Früh ins Bett zum Lesen.

§

Wie angekündigt wurde es gestern um 11 Uhr wieder etwas laut: Warntag, in München lärmte es ohne Sirenen nur aus Handys. Vielleicht mögen Sie an der Umfrage des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe dazu teilnehmen?

Selbst fühle ich mich wirklich nicht geschützt, solange es nicht mal ansatzweise Schutzräume für die Bevölkerung gibt (oder auch nur Infos, ob zum Beispiel U-Bahn-Tunnel eine Alternative wären).

Lars Fischer führt auf Spektrum.de aus:
“Der Warntag läuft ins Leere”.

§

“Tele-Hirtin” – ist dann tatsächlich, was einer als Erstes einfällt!
Rainer Wandler in der taz über
“Hirtinnen auf dem Vormarsch in Spanien
Dicht am Tier”.

§

Ich bin mir ehrlich nicht sicher: Ist den Menschen, die ChatGPT täglich nutzen, lediglich nicht bewusst, welche Umweltauswirkungen das hat, oder ist es ihnen egal?
“Umweltverschmutzung durch KI: Superintelligent ins Verderben?”

Eine kurze Anfrage hier oder eine Zusammenfassung im Büro dort: Die Anzahl der KI-Chats steigt von Tag zu Tag. Was dabei die wenigsten Nutzer im Hinterkopf haben: Jede Antwort von ChatGPT und Co. ist mit hoher Rechenleistung verbunden – und dafür wiederum wird wahnsinnig viel Energie verbraucht.

(…)

Während eine E-Mail im Vergleich zu einem Brief jedoch zahlreiche Ressourcen eingespart hat, ist es im Fall von Künstlicher Intelligenz genau andersherum: Ein KI-Gespräch ist ressourcenintensiver als eine Google-Suche.

Ich traue mich schon nicht mehr, auf Mastodon eine Expertisen-Frage zu stellen, zum Beispiel nach der Bestimmung einer Uniform, weil so viele sie sofort einem “KI”-Tool weitergeben.
(Übrigens wird an weniger Energie verbrauchenden LLMs durchaus geforscht.)

§

Musik!

Bohemian Rhapsody geht immer, hier ein Flashmob in Paris in zwei Teilen:

Bohemian Rhapsody – Teil 1.

Bohemian Rhapsody – Teil 2.

via @maske_katja

Mich wundert lediglich, dass so wenige im Publikum mitsingen. (Na gut, haben nicht alle die Übung vieler Jahre aus der Abschlussveranstaltung zur re:publica.)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 10. September 2025 – Ereignisarmer Arbeitstag

Donnerstag, 11. September 2025 um 6:19

Fast wäre ich wieder statt kurz vor Weckerklingeln eine Stunde zu früh aufgestanden, diesmal merkte ich die Verschiebung so schnell, dass ich nach dem Wiederhinlegen nochmal schlief.

Düstergrauer und kühler Morgen (noch sind wir im zweistelligen Temperaturbereich), aber ich kam trocken in die Arbeit.

Dort Einiges nur wenig Spaßiges wegzuarbeiten. Der dunkle Himmel wurde nass, es begann beharrlicher Dauerregen. Darin ging ich unterm Schirm auf meinen Mittagscappuccino, Frischluft- und Bewegungsbedarf stillen.

Zu Mittag gab es Bananen, außerdem gekochte Roggenkörndln mit Joghurt und frischen Feigen.

Anstrengender Nachmittag, ich war sehr erleichtert über Feierabend. Für mein Abendessen musste ich selbst sorgen, Herr Kaltmamsell war aushäusig. Dafür ging ich auf dem Heimweg beim Süpermarket Verdi vorbei: Ich wollte Ofengemüse nachholen, hatte es diesen Sommer noch nicht gegeben. Zucchini waren als einzige Zutat noch vom Ernteanteil übrig (Absicht), dazu zerteilte ich Auberginen, rote Spitzpaprika, Schalotten, vermischte alles mit Cocktailtomaten, Knoblauch, Olivenöl.

Während das Gemüse im Ofen garte, turnte ich Yoga-Gymnastik. Dann gab’s Abendessen – es erstaunt mich immer wieder, wie viel Gemüse in mich passt. Nachtisch Feigen (beim Verdi gab es die kleinen, besten reif aus der Basilicata kiloweise), Schokolade.

Dann doch mal in die Details meiner England-Wanderung geschaut und diese Länge der Tagesetappen in Kilometer gesehen: 19, 27, 35, 21, 29, 18, 18.
Uiuiui, das hatte ich sofort nach Buchung vergessen. Aber ich habe ja noch zehn Tage, um mich innerlich darauf einzustellen. (Bitte wünschen Sie mir, dass es auf den beiden langen Etappen nicht durchregnet, ich hasse es jammerig zu werden und mein Selbstbild als Haudegen loslassen zu müssen.)
Kurzer Schreck, weil im knospenden Strebermapperl für die Reise ein Zugticket fehlte – hatte ich natürlich nur vergessen auszudrucken.

Nebenbemerkung zur Rezeption von Mad Men: Während Herr Kaltmamsell Herrenbekleidungsdinge beobachtet (u.a. wie Don Draper bei jedem Aufstehen das Jacket schließt und beim Hinsetzen öffnet), schaue ich den Sekretärinnen auf die Finger und sehe Parallelen zu meiner Berufstätigkeit: Assistenz heißt wie dargestellt auch Zurückhaltung bei komplett anderem Einschätzen der Lage, und “Wenn du irgendwas brauchst: Ich sitze gleich nebenan” sage auch ich regelmäßig. Korrespondenz ist dank PC allerdings zu 90 Prozent weggefallen, das machen Chef*innen selbst (geblieben ist zumindest in meinem Fall die Korrespondenz, die mit Terminkoordination zu tun hat).

Früh ins Bett zum Lesen, sehr müde früh das Licht ausgeschaltet.

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Vanessa Giese kandidiert ja für das Amt der Bürgermeisterin in Haltern am See, nächsten Sonntag wird gewählt. Und sie bloggt über ihren Wahlkampf (neben Berufsleben und Familie):
“Ein langer Text über Ideen, Dilemmata und Erkenntnisse, Veranstaltungen und Gespräche – und am Ende wie immer Meerschweine”.

Ich empfehle besonders die Absätze unter “Bemerknisse”. (Und natürlich die Meerschweine am Ende.)

§

Ja, ich habe den Bosnien-Krieg damals live mitverfolgt – doch einen Überblick habe ich dadurch natürlich nicht bekommen. Umso interessierter las ich diese Analyse (eines Teilaspekts) von Sead Husic in der taz:
“30 Jahre Dayton-Abkommen
Von Milošević zu Trump”.

Was sich in Bosnien abspielte, war kein Rückfall in überwunden geglaubte Formen, wie der Philosoph Giorgio Agamben 1995 schrieb. Vielmehr handelt es sich um blutige Vorboten einer kommenden Ordnung, die sich weltweit durchsetzen würde, sofern die Prinzipien, auf denen sie fußt, nicht infrage gestellt würden. Kollektive ethnische Exklusivität statt individueller Bürgerrechte. Eine Verschiebung der juridisch-politischen Ordnung unter Rückgriff auf Ausnahmezustände. So wie der Westen in Bosnien handeln würde, sähe seine eigene Zukunft aus.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 9. September 2025 – Erster Nebel

Mittwoch, 10. September 2025 um 6:20

Beim ersten Klogang kurz nach vier (!) sah ich verdutzt, dass das Draußen im dicken Nebel lag.

Nach Aufstehen die Kuriosität: Gebürtige Ingolstädterin knipst Nebel – als hätte ich in den 20 Jahren meines Lebens in diesem Nebelloch an der Donau nicht genug davon gesehen.

Unpassend zum Nebel fühlte sich die Milde auf dem Marsch in die Arbeit an.

Im Büro Vielfältiges, ich fühlte mich sehr unruhig. Mittagscappuccino nicht zu weit weg im Westend, es war deutlich frischer geworden. Am Vormittag zog der Himmel immer dunkler zu, nachmittags regnete es.

Zu Mittag gab es Banane, Roggenbrot aus eigener Produtkion, viel kleine reife Feigen.

Nachmittags mehr Emsigkeit, ich schloss den Arbeitstag wieder reichlich erledigt ab.

Heimweg unter düsterstem Himmel, doch die Regendrohung verschonte mich bis zu Hause.

Dort griff ich erstmal zu einer Vase:

Ich hatte mir einen mächtigen Blumenstrauß geschenkt, wollte Farbe und Schönheit in der Wohnung.

Yoga-Gymnastik bestand aus Ruhe, Schnaufen, Dehnen, war gestern in Ordnung.

Fürs Abendessen war ich zuständig: Ich machte Kaiserschmarrn zu dem wunderbaren Zwetschgen-Latwerge, das Herr Kaltmamsell aus Früchten von Elterns Baum gekocht hatte. Und Kaiserschmarrn heißt bei uns immer noch weder fluffig noch karamelisiert, das hier ist kein Dessert. Er gelang mir ausgesprochen gut. Und es passte noch Schokolade hinterher.

Nach einer Folge Mad Men neue Lektüre im Bett, diesmal als E-Book gekauft: Jens Notroff, Staub, Steine, Scherben, ein populärwissenschaftliches Fachbuch über Archäologie. Gleich in den Anfangskapiteln wird Indiana Jones zitiert: Der Autor ist offensichtlich glaubwürdig.

§

@croco wies mich auf ein hochinteressantes historisches Werk in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg über Heimsport hin:
Haus-Gymnastik für Mädchen und Frauen: eine Anleitung zu körperlichen Übungen für Gesunde und Kranke des weiblichen Geschlechtes von 1890.

denn gerade Mädchen und Frauen, deren natürlicher Bewegungstrieb durch sogenannte Anstandsrücksichten, unvernünftige Kleidermoden, Vorurteile und mangelhafte Veranstaltungen in trauriger Weise eingeschränkt wird, bedürfen der Gymnastik zur Erhaltung ihrer Gesundheit in allerhöchstem Maße, weit mehr noch als Knaben und Männer, welchen jene Schranken nicht gezogen sind

Wie großartig wäre es, das in einer Online-Gruppe einmal ganz durchzuturnen! Im Vorwort heißt es zwar, man brauche auch “Reck und Schaukelringe” – dafür könnten wir ja gemeinsam eine Lösung suchen.
Ach was: Lasst uns die ganz große Influencerinnen-Welle starten! Mit eigener Sportkleidungslinie! Zielgruppen (neben Spinnerinnen wie uns): Trad-Wives, Homöopathie-Gläubige, Trump-Wählerinnen, Früher-war-alles-besser-Überzeugte – ein riesiger Markt!

die Kaltmamsell

Journal Montag, 8. September 2025 – Wieder ein Montag

Dienstag, 9. September 2025 um 6:22

Nach guter Nacht 20 Minuten vor Weckerklingeln aufgewacht – das war mir mit Aussicht auf Geschirrspüler-Ausräumen und Wäscheständer-Abnehmen ganz recht.

Es wurde hell zu schönem Wetter, in der Morgenkühle marschierte ich ins Büro. Unterwegs fielen mir einige Besonderheiten dieses Arbeitsmontags ein, anstrengend, aber nicht wirklich unangenehm.

Erster Cappuccino in der wiedereröffneten Haus-Cafeteria: Gut!

Mittags die Mastodon-Timeline der Nacht hinterhergelesen: So viele wundervolle Fotos von der Mondfinsternis am Vorabend! Hier ein Liebling aus Nürnberg. Außerdem verließ ich das Haus für einen schnellen Marsch um den Block in herrlich milder Wanderluft, inklusive Obsteinkauf.

Zu Mittag gab es am Schreibtisch Apfel, Banane, Feige, Nüsse, Hüttenkäse.

Recht hochtouriger Arbeitsnachmittag, für die letzten beiden Stunden hatte ich eigentlich keine Energie mehr, musste aber.

Zu Feierabend war es kühler geworden, ich ging über Einkäufe im Vollcorner und beim Drogeriemarkt heim. Dort nach Auspacken Yoga-Gymnastik, viele Haltungen werden wohl nie weniger anstrengend werden.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell vereinbarungsgemäß nochmal sommerlichen Wurstsalat, dazu selbstgebackenes Roggenbrot.

Nachtisch Schokolade, gemeinsame Abendunterhaltung eine Folge Mad Men.

Früh ins Bett zum Lesen: Ich las Caroline Peters, Ein anderes Leben aus. Es ist ein spannendes und buntes Familienleben, auf das die Ich-Erzählerin anlässlich des Todes ihres Vaters zurückblickt – nur vage chronologisch, wie Erinnerungen eben verlaufen, und auch über Erinnerungen denkt sie nach, vor allem im Abgleich zu denen ihrer beiden Schwestern, die jeweils eigene Väter haben. Im Mittelpunkt des Rückblicks steht die gemeinsame Mutter Hanna, die als Kind noch den Krieg erlebt hat, davon geprägt wurde, eine Künstler-Natur und Dichterin, deren Eigenwilligkeit irgendwann nicht mehr in die Rolle von Ehefrau und Mutter passte. Ich mochte den eigenen Tonfall der Erzählstimme, dessen Sprache angenehm fern von Stereotypen und Klischees blieb, lernte gerne diese Familiengeschichte kennen.

§

Was wichtig ist:

Seit ich Hundebesitzer bin, mache ich das ständig, dieses Hallosagen mit fremden Leuten und irgendeinen netten Kommentar abgeben, entweder über das Wetter, die schweren Pakete oder irgendwas Lustiges, wenn man sich beispielsweise im Weg stand. Der Kiezstraßenfeger der BSR hebt seinen Arm auch von der anderen Straßenseite zum Gruß, er sagt etwas Unverständliches zu mir, ich antworte etwas Unverständliches und wir heben wieder den Arm und sagen: „Schönen Tach noch.“ So sind wir Hallosager. Mit Hunden, es gibt sie aber auch ohne Hunde.

Bei Mek, der gerade seine Jahrzehnte Bloggen drucken hat lassen:
“So, 7.9.2025 – Blogbuch, Mond”.

Uns, die wir ein paar Semester Linguistik abbekommen haben, fällt dazu die “phatische Funktion” von Sprache ein. (In der professionellen Kommunikation erkläre ich sie gerne mit “Hauptsach’ d’Luft scheppert”.)

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 7. September 2025 – Keks-Test

Montag, 8. September 2025 um 6:36

Der Morgen war leider viel zu kalt für einen Balkonkaffee, in dieser Saison komme ich nicht über Nummer 28 hinaus.

Die kühle Sonne wurde noch etwas wärmer, ich freute mich auf eine Laufrunde an der Isar (Joggen beansprucht ja ganz andere Muskeln als Wandern). Auf Radfahren hatte ich allerdings keine Lust: U-Bahn zum Odeonsplatz, von dort lief ich durch Hofgarten und Englischen Garten zur Isar nach Unterföhrung und zurück zum Tivoli. Auch wenn es etwas wärmer wurde, blieb die Temperatur sportfreundlich, die Sonne angenehm.

Der Körper machte gut mit – so dass ich ihn überschätzte: Die letzten 15 Minuten der über eindreiviertel Stunden waren zu viel, LWS, Hüften und alles dazwischen jammerten.

Anscheinend trug ich gestern mein einnehmendstes Gesicht: Noch nie wurde ich auf einem Isarlauf so oft von Entgegenlaufenden lächelnd gegrüßt. Schön!

Heimweg ab Tivoli statt mit Tram (Baustelle Maxmonument) mit Bus zur Giselastraße und von dort mit der U-Bahn bis zum Sendlinger Tor.

Nach dem Duschen bekamen meine Beine eine Einheit Selbstbräuner aufgecremt: Ihre Farbe war mir zu weit entfernt von der Wanderbräune des Oberkörpers, und ich plane noch ein paar Arbeitstage mit Kleid und nackten Beinen.

Frühstück um zwei auf dem Balkon: Ein Tellerchen Apfel- und Nektarinenstücke, ein Tellerchen Tomaten mit Weissacher Käse (gute Kombi), eine Scheibe selbstgebackenes Roggenbrot mit Butter und Zuckerrübensirup.

Ein halbes Stündchen Siesta, bis die Waschmaschine für Wäscheaufhängen durch war.

Seit einiger Zeit befinde ich mich im Besitz von Haschkeksen, hausgebacken. Ohne große Neugier hatte ich mich schon seit vielen Jahren gefragt, ob Cannabis für mich die bessere Alternative zu Alkohol sein könnte, vor allem in Zeiten, in denen Alkohol sehr oft bei mir Migräne auslöste. Aber damals wäre es anstrengend und illegal gewesen, Cannabis zu besorgen, die Hürde war mir die Antwort nicht wert.

Seit 1. April 2024 ist Cannabis teillegal (es ist kompliziert). Nächste Hürde: Ich wollte nichts rauchen, nie mehr irgendwas. Blieb der Komsum oral. Und das habe ich gestern ausprobiert, erstmal mit einem halben Keks (schmeckte deutlich danach, wonach die Graswolken riechen, die ich regelmäßig quere) und unter Aufsicht von Herr Kaltmamsell.

Wie angekündigt tat sich ziemlich lang gar nichts. Erst nach anderthalb Stunden begann eine leicht schwindelige Benommenheit, über die nächste Zeit verzögerte sich die Wahrnehmung (z.B. das Läuten der Kirchenuhr… ah, fünf Uhr). Da ich eigentlich gerade auf dem Balkonn beim Zeitunglesen war, kam mir das ungelegen (Herr Kaltmamsell informierte mich, dass als angemessene Beschäftigung nach Cannabis-Konsum ja auch Fernsehen und Chipsessen gelten). Die Benommenheit glich durchaus der durch Alkohol, auch der trockene Mund.

Laut Herrn Kaltmamsell gelten als angenehme Begleiterscheinung von Cannabis Euphorie und das Gefühl, ganz viel Zeit zu haben. Darauf wartete ich vergeblich. Und überhaupt wartete ich bald nur noch darauf, dass ich nüchtern würde (wie in lang vergangenen Zeiten nach Anstoß-Prosecco im Büro zur Mittagszeit).

Waren insgesamt vielleicht einfach nicht die idealen Umstände – als würde ich Alkohol zum ersten Mal ohne irgendeinen Zusammenhang probieren, unter Laborbedingungen. Vielleicht ein weiterer Versuch als Party.

Nach gut drei Stunden spürte ich, wie die Wirkung immer weiter abnahm.

Fürs Abendessen hatte Herr Kaltmamsell aus der Lameng Lauch und Mangold aus Ernteanteil mit viel Bechamel und Mozzarella zu einer Gemüselasagne verarbeitet.

Schmackhaft, wärmend und sättigend. Nachtisch Schokolade. Abendunterhaltung Mad Men.

Aus unserer Wohnung hatten wir gen Südosten einen Logenblick auf die Mondfinsternis: Der Vollmond stand zwischen Park und dem Turm von St. Matthäus. Wir sahen ihn an fast wolkenlosem Himmel vollverschattet, dann von links die immer größer werdende helle Sichel.

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Gestern wurde ich auf die Blogserie “Mad Style” hingewiesen, die die Entwicklung der Kleidung/Kostümierung (hauptsächlich) der weiblichen Figuren in Mad Men dokumentiert, hier zum Beispiel Peggy, Staffel 1:
“Mad Style: Peggy Olson, S1 Part 1”.

via @cupidissimo

§

Wir kennen Eleanor Morton noch als gelangweilten Fremdenführer. Jetzt aber:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtube.com/shorts/8-lgJX3npiQ?si=S3Ghp7kJJ1WcrLyj

Zum Beispiel Microsoft mit seinem gschissenen Copilot. KRIEGT ERSTMAL EUER OUTLOOK AUF DIE REIHE! (Letzte Woche jammerte mir jemand vor, ihre gesamte E-Mail-Postfachansicht sei schon wieder zerschossen, die sie sich halt mit den angebotenen Möglichkeiten für sich eingestellt hatte. Sie müsse jedes einzelne Postfach wieder neu einrichten.) Wisst ihr, was das Arbeitsleben wirklich einfacher macht, Microsoft: Sich auf Kalender und E-Mail-Verkehr verlassen zu können, das macht das Arbeitsleben WIRKLICH EINFACHER!

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 6. September 2025 – Tegernseer Höhenweg in Spätsommersonne

Sonntag, 7. September 2025 um 9:11

Zerstückelte Nacht, unterm Strich bekam ich aber wegen kein Wecker genug Schlaf. Es wurde wolkenlos blau Tag, allerdings scheißkalt. In Summe wunderbares Wanderwetter, und Wandern war der Plan des Tages: Nach gemütlichem Morgen mit Bloggen und Lesen wollten wir den Tegernseer Höhenweg ab Gmund und mit Ziel Tegernsee wandern.

Gut sonnengecremt und mückengesprayt.

Die Anfahrt dauerte länger als geplant: In der sicheren Überzeugung, dass der Zug erst in Tegernsee geteilt wird, hatte ich uns in einen falschen Zugteil gesetzt. So sicher, dass ich fast protestiert hätte, als wir an einem Endbahnhof Schliersee alle gebeten wurden, den Zug zu verlassen.

Während Herr Kaltmamsell recherchierte, welche schönen Wanderungen es am Schliersee gab, suchte ich nach einer Möglichkeit, doch noch Gmund zu erreichen: Es gab einen Bus für die 10 Kilometer dorthin in nur wenigen Minuten. Die dann 20 Minuten waren, die Verspätung wurde kontinuierlich wachsend angezeigt – egal: Wir kamen doch noch nach Gmund, und Herr Kaltmamsell konnte mit Jahrzehnten Übung gut damit umgehen, dass ich mich eine Zeit lang über meine Blödheit grämen musste.

Bahnblick

An einer Gmunder Eisdiele bekam ich meinen Mittagscappuccino, damit war die Welt halbwegs eingerenkt. Bei eh traumhaftem Wetter.

Mangfall kurz vorm Tegernsee – wir entdeckten kleinere Fische.

Herr Kaltmamsell las am Wegesrand ein Schild zu “Käse-Automat” – wir bogen sofort dorthin ab.

Der Automat in der einladenden Hütte bot eine Auswahl Käse der Naturkäserei Tegernseer Land, wir kauften ihm einen Weissacher ab, “Weichkäse in Salzlake gereift” las sich sehr attraktiv.

Wie schon beim ersten Begehen dieser Route war auf dem Stück zwischen Gmund und Tegernsee sehr viel los, es ist offensichtlich auch für Spaziergänge beliebt. Erst ab Tegernsee wurde es deutlich ruhiger auf dem Höhenweg, vermutlich auch weil er ab hier anspruchsvoller wird mit Steigungen und Gefälle. Die Temperatur war perfekt, nur in sportlicher Bewegung brauchte man keine Jacke. Alle beteiligten Körper fühlten sich fit an, wir bekamen Ausblicke, zudem als Tiershow viele, viele Kühe, Schafe, Ziegen, Hühner (ich mag Hühner; Tauben auf dem Balkon verbietet unsere Hausverwaltung vehement, aber vielleicht wäre sie für Balkonhühner offen?). Außerdem begegneten wir auffallend vielen sehr kleine Hunden – ist das der aktuelle Trend? Mir versetzt es ja immer einen kleinen Stich, wenn die Besitzer*innen ihre Winzeltiere bei ungewünschten Richtungen an der Leine in die Luft hochziehen – ist es nicht bedrohlich fürs Hunderl, wenn es sich so wenig selbstbestimmt bewegen kann? Selbst ein Meerschwein würde ich nicht ohne Not einfach hochheben.

Immer wieder kamen wir ins Plaudern, auch über die Figuren in der Serie Mad Men, deren Zeichnung mir sehr im Kopf rumging, vor allem die unglaublich vielschichtige von Peggy Olson.

Meine erste Herbstzeitlose dieses Sommerendes.

Verwirr-Foto am Aussichtspunkt Paraplui-Pavillon: Das untere ist die Tafel mit Beschriftung der Sehenswürdigkeiten. Oben zentral: der Wallberg.

Hier machten wir nach zwei Stunden Wanderung um halb drei Brotzeit: Ich aß einen Apfel und eine Mohnschnecke.

Die Rottach, anders als im Winter mit Wasser.

Selfie mit Rottach-Egern als Hintergrund.

Schloss Tegernsee

Bei Wanderende am Bahnhof Tegernsee behauptete mein Handy, das seien über 20 Kilometer gewesen – konnte ich bei viereinhalb Stunden Wegzeit mit viel Aufwärts und Abwärts nicht glauben: Das letzte Mal waren nur 16 Kilometer gezählt worden, deutlich wahrscheinlicher.

Wir waren so rechtzeitig im Zug zurück, dass wir uns einen Sitzplatz aussuchen konnten: Sehr willkommen, wir waren beide erschöpft. Ereignislose Fahrt nach München, unterwegs einigten wir uns darauf, Biergartenpläne fahren zu lassen und statt dessen daheim zu brotzeiten.

Aperitif Negronis, dann gab es zu selbstgebackenem Roggenmischbrot aus der Gefriere Käse (unter anderem den Weissacher aus dem Automaten, mild und sehr gut), Tomaten, Kimchi, südtiroler Speck.

Im Glas ein Gemischter Satz: Durch die Weinberge von Fuhrgassl-Huber waren wir im Wien-Urlaub gewandert, ich hatte sofort zugegriffen, als ich ihn im Wiener Supermarktregal entdeckte. Schmeckte frisch und gut, war aber nichts Besonderes.

Nachtisch Schokolade, Abendunterhaltung eine Folge Mad Men. Müde und erschöpft früh ins Bett, beschienen vom noch fast volleren Mond durchs Schlafzimmerfenster (Sonntagabend gibt es hier eine Mondfinsternis, ich hoffe sehr auf halbwegs klaren Himmel).

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 5. September 2025 – #WMDEDGT

Samstag, 6. September 2025 um 8:22

Fünfter des Monats – Antwort auf das #WMDEDGT (Was machst du eigentlich den ganzen Tag?) von Frau Brüllen!

Donnerstagabend hatte ich mir endlich die Unterlagen der Wanderagentur für den ersten Teil meiner Oktoberfestflucht nach Südengland angesehen, befasst mich also endlich auch mit den B&Bs, die für mich gebucht worden sind. Und schon träumte ich davon, in Brighton anzukommen und erstmal auf Hotelsuche gehen zu müssen, mit sehr wenig Erfolg, weil alles ausgebucht war oder ich keine Ansprechperson fand.

Womit ich mich für diese Reise tatsächlich noch befassen muss: Wie und wo ich von London St. Pancras nach Winchester komme und wie ich das bezahle.

Aufstehen in letzter Nachtdunkelheit. Der Freitag würde noch so voller Arbeit stecken, dass sich kein rechtes #TGIF-Gefühl einstellte (das u.a. immer mit Vorfreude auf Alkohol am Abend einher geht).

Das Wetter war unwirtlich kühl, grau und regnerisch, in die Arbeit marschierte ich bei Regentröpfeln.

Statt meine frühe Ankunft für die Vorbereitung von Unterlagen zu nutzen, sah ich meinem Computer 45 Minuten bei Update-Versuchen und Neustarts zu, nochmaligen Update-Versuchen, weiteren Neustarts. Aber dann legte ich endlich los, bekam ordentlich was weg, hatte sogar Ideen (die von der guten Sorte: die nicht viel zusätzliche Arbeit verursachen).

Es regnete immer wieder heftig, dennoch zog es mich auf meinen Mittagscappuccino raus ins Westend für ein wenig Bewegung an der frischen Luft, ich ging halt unterm Regenschirm. Das Durchlüften bezahlte ich mit nassen Schuhen und teilnassen Socken – wie gut, dass ich ein paar neue Turnschuhe zum Wechseln und Einlaufen in der Arbeitstasche hatte.

Zu Mittag ein Obstfest: Die mehligen Aprikosen versenkte ich geschnippelt in Sojajoghurt, außerdem gab es einen saftigen Apfel, geschenkte Zwetschgen aus Kolleginnen-Garten (sehr gut), zwei Flachnektarinen, die deutlich besser schmeckten, als ihre Härte vermuten ließ. Spätsommer ist super!

Anstrengender Nachmittag, weil eine Tätigkeit, die eigentlich auch von Ungelernten ausgeführt werden könnte, den Einsatz einer technischen Plattform erfordert, für deren Bedienung man studiert haben sollte.

ABER! Langsam beruhigte sich das Wetter wie angekündigt. Nach Feierabend kam ich über Süßigkeiten- sowie Vollcorner-Einkäufe trocken nach Hause. Dort erstmal Yoga-Gymnastik – die core-Folge strengte mich mehr an als erwartet.

Mal wieder fühlte ich mich nach einer (nicht mal besonders heftigen) Arbeitswoche fix und alle – was mich wieder zum Nachdenken über Lebensarbeitszeit brachte. Derzeit plane ich, in sieben Jahren mit 65 in Rente zu gehen – zwei Jahre vor dem für meine Alterskohorte geltenden Rentenalter. Mein Vater ging mit 60 in Rente (zwei Jahre vor den damaligen 62, ermöglicht durch ein Programm seines Arbeitgebers). Er hatte allerdings in die Rentenversicherung eingezahlt, seit er mit 16 seine Lehre antrat. Obwohl ich davor bereits viele Jahre bis zum sehr niedrigen Lebenunterhalt Geld mit Arbeitstätigkeit verdient hatte, zahlte ich (mit Ausnahme von zwei Jahren Volontariat) erst ab 30 in die Rentenkasse ein – das allein verpflichtet laut meinem Gewissen zu längerer Erwerbstätigkeit. Schließlich war für mich schon immer (schon als Jugendliche) sehr viel klarer als für viele Zeitgenoss*innen: Wovon ich leben möchte, in der mir angenehmen Qualität, und was ich haben möchte, muss ich mir halt durch Erwerbstätigkeit verdienen. Mir diesen Lebensunterhalt als (dann hoffentlich noch) gesunde und fitte 65-Jährige von der Staatsgemeinschaft zahlen zu lassen (der größte Posten des deutschen Bundeshaushalts ist Jahr für Jahr der Zuschuss zur Rentenkasse), fühlt sich ein wenig schmarotzerisch an. Es ist kompliziert.

Jetzt aber erstmal Alkohol.

Ich schüttelte uns Whisky Sour, für Balkonsitzen war es allerdings viel zu kalt.

Zum Essen öffnete ich eine Flasche weißen Uhudler, Herr Kaltmamsell hatte sich ein Testpaket der Winzerei Mirth schicken lassen: Wir schmeckten sofort die Gemeinsamkeit mit dem roten Uhudler davor – das ist also der typische Geschmack.

Abendessen war ein Mais-Festival: Herr Kaltmamsell hatte die Begeisterung für das Mais-Gericht der Wiener Rosebar als Inspiration für Käse-gefüllte Arepas sowie Brei aus frischen Maiskörnern genommen.

Vor allem der Brei aus frischen Maiskörnern schmeckte mir ganz ausgezeichnet, die Arepas aber auch. (Der Wein passte nicht dazu – mir fällt auch nicht viel als Begleitung zu diesem Wein ein.) Nachtisch Schokolade, Abendunterhaltung zwei Folgen Mad Men – die zweite Staffel bewirkt nicht mehr die ungläubige Begeisterung, die das meisterliche Zeichnen dieser Welt und seines Personals in der ersten bei mir ausgelöst hatte.

Im Bett las ich noch ein wenig, beschienen von Fast-Vollmond an klarem Himmel durchs Schlafzimmerfenster.

§

Immer-schon-Bloggerin Creezy wird bald 60 und schaut zurück, was in diese konkreten sechs Jahrzehnte Leben in Berlin gepasst hat – sehr persönlich reflektiert:
“I’m Growing Old!”

§

Die Deutsche Hirnstiftung hat ihre Patienten-Leitlinie zu Migröne aktualisiert, auch für Laien verständlich, mit Kapiteln unter anderem zu Therapien und Prophylaxe inklusive Einordnung in die Evidenzlage (der blutdrucksenkende Wirkstoff Candesartan zum Beispiel, in dem ich die Ursache meiner relativen Migränefreiheit seit Beginn der Einnahme sehe, fällt unter “Medikamente mit geringerer Evidenzlage”):
“Leitlinie Therapie der Migräne für Patientinnen und Patienten”. (PDF)

Ich stolperte lediglich darüber, dass Migräne-Kopfschmerz definitorisch als “pulsierend-pochend” beschrieben wird: Das war meiner nie.

die Kaltmamsell