Journal Donnerstag, 18. September 2025 – Sommerabend mit geteilten Tellern

Freitag, 19. September 2025 um 6:44

Gut geschlafen, erst eine Stunde vor Weckerklingeln in Unruhe geraten.

Nach dem Aufstehen Herrn Kaltmamsell zum Geburtstag geherzt und geküsst, Geschenk hatte ich nur ein kleines, nahezu symbolisches.

Schöner Marsch in die Arbeit.

Anspannung am Schreibtisch: Ich war für gestern und heute bei einem Dienst eingesprungen – und hatte auf die Bitte vor ein paar Wochen nicht ehrlich mit “das passt mir eigentlich gar nicht” reagiert, weil ich a) meinen Grund, Unruhe kurz vor Urlaub, für nicht valide hielt, b) die Überheblichkeit, mehr abzukönnen als andere, in diesem Leben wahrscheinlich nicht wegkriege. Selber schuld, musste ich halt leiden. Zudem war am Vortag noch ein unerwarteter Job reingekommen, den ich unterbringen musste.

Emsiger und ein wenig durcheinanderer Vormittag. Ich ging früh raus für Äpfeleinfkauf am Markt und meinen Mittagscappuccino: Jacke braucht ich schon keine mehr, das Wetter war sensationell herrlich. Es sind in München vier Spätsommertage angekündigt, für meine FÜNFUNDREISSIG KILOMETER! in England hingegen 15 Grad und 50 Prozent Regenwahrscheinlichkeit (allerdings ohne Oktoberfest, YAY!)

Zu Mittag gab es einen eben gekauften Apfel Elstar vom Bodensee (köstlich!), eine Banane, Hüttenkäse. Der Nachmittag wurde sehr anstrengend, vor allem wegen des unerwarteten Jobs, der höchste Konzentration erforderte.

Nach Feierabend, es war richtig warm geworden, kam ich gerade rechtzeitig heim, um Herrn Kaltmamsell für unsere Abendverabredung abzuholen: Ich hatte im Vorbeigehen am Platz Am Glockenbach ein Restaurant entdeckt, das attraktiv aussah, Avin, deren Website “wine & modern tapas” ankündigte und bei näherem Blick mit “tapas” sharing plates meinte. Das suchte sich Herr Kaltmamsell aus den drei Lokalen aus, die ich ihm für eine Geburtstagseinladung anbot.

Wir spazierten über den Alten Südfriedhof hin.

Engel mit besonders schöner Abendbeleuchtung.

Im Avin setzten wir uns trotz schönem Außenbereich nach innen: Ich wollte den Gastraum auskosten – direkt am Fenster bekamen wir aber auch den Sommerabend mit Glockenbachviertel-Passant*innen mit (viele Hunde).

Und wir aßen besonders gut, begleitet von spannenden Weinen – so habe ich es ja am liebsten. Herr Kaltmamsell und ich entschieden uns für das gemeinsame Menü “Waitor’s Choice” und bekamen sieben Gerichte in vier Gängen.

Unten Tatar vom Rind, Senfsaat, Gochujang, Chimichurri.
Oben (als “singnature dish” vorgestellt) Lauch im Ganzen, Kaffee Miso, Sesam.

Im Glas dazu ein Grüner Veltliner Salzl aus dem Burgenland, ungewöhnlich frisch und dennoch aromenreich.

Unten Zander mit Passionsfrucht in Beurre Blanc, darüber Rettich – das Sößchen schmeckte sensationell.
Oben Tomaten mit Miso-Dressing.

Wein dazu: Ein interessanter Weißburgunder aus der Pfalz: Aus den Lagen von Christmann.

Unten Ochsenbackerl (zum Löffeln zart) auf Selleriepüree.
Oben Spitzkohl mit Misobutter, Haselnuss, Petersilie – ein weiterer Knaller-Teller.

Dazu ein Merlot, der sich als mein bislang interessantester herausstellte: aus dem Burgenland von Michael Wenzel.

Zum Abschluss ein Tiramisu, dessen leicht säuerlicher Creme ich einen Anteil Frischkäse zur Mascarpone unterstellte (gut!), begleitet von einem Riesling mit Restsüße.

Unser Ausblick.

Schöner Spaziergang nach Hause, alle Außentische der Gastronomie besetzt, Sommerabendatmosphäre.

§

Felix Schwenzel fasst seine ersten 50 Tage Abnehmen mit Semaglutid zusammen:
“se­maglut­id tag 51”.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 17. September 2025 – Der Preis der Schnelligkeit

Donnerstag, 18. September 2025 um 6:31

Diesmal nach Aufwachen um vier nicht mehr richtig eingeschlafen, müde aufgestanden.

Erstes Lächeln des Tages (nach dem Anlächeln von Herrn Kaltmamsell zum Guten-Morgen-Kuss) gleich beim Verlassen des Hauses: Ein rotes, ballettös-schlankes Eichhörnchen schritt gerade über den Weg, stob dann vor einem ums Eck biegenden Handwerker auf die Brüstung zum Nachbargrundstück und diese entlang. Ich wiederhole: Sollte eine Eichhörnchen-Begegnung bei mir kein Lächeln mehr auslösen, bringen Sie mich bitte zu einer Ärztin oder einem Arzt.

Ausgesprochen frischer Weg in die Arbeit durch immer dichtere Oktoberfest-Symptome.

Dieser Teil “Tracht” hat es schon mal nicht auf die Theresienwiese geschafft, aufgegeben knapp 100 Meter vorm Ziel.

Im Büro erstmal über Nacht eingetroffene Dringlichkeiten erledigt, dann konnte ich geordnet weitermachen – und unter anderem einen Irrtum korrigieren, der mir erst in dieser Ruhephase bewusst geworden war. Es ist ja durchaus praktisch, schnell im Kopf zu sein. Doch so wie mir meine physische Schnelligkeit blaue Flecken einträgt (weil ich innerlich bereits woanders bin als mein Körper), verstolpere ich mich manchmal auch in intellektuellen Prozessen, weil
Aufgabenstellung – Geschwindigkeitsunschärfe – Ergebnis.
Und sich danach manchmal herausstellt, dass ich im Mittelteil über ein relevantes Detail hinweggeditscht war.

Der Himmel wurde wieder blau-weiß-bunt, auf dem Marsch zu meinem Mittagscappuccino im Westend bekam ich kühle, angenehme Luft zu schnaufen.

Mittagesse wurden Bananen, gelbe Kiwis, zwei Hände voll Nüsse.

Nachmittags erste Urlaubsübergabe: Ich habe ein gutes Jahr nach Umstrukturierung wieder so etwas wie eine Vertretung, dieser Urlaub ist der erste Härtetest.

Nach Feierabend ging ich in schönem, aber eher kühlem Wetter nach Hause, nur ein kurzer Abstecher in einen Obst- und Gemüseladen. An der Heimeranstraße sah ich vor mir eine Krähe laufen, deren Gang mich zum Lächeln brachte: Wie auf einem Laufsteg setzte sie die Füße voreinander, dadurch wackelte ihr Schwanz herzallerliebst.

Daheim Wäscheaufhängen, eine Runde Yoga-Gymnastik, dann begann ich für meinen Wanderurlaub zu packen: Donnerstag und Freitag habe ich nach Feierabend Pläne, und ich wollte wirklich nicht bei meiner ohnehin großen Nervosität unter Druck geraten. Ein paar Pack-Entscheidungen ließ ich aber noch offen.

Nachtmahl war bereits Herr Kaltmamsell am Kochen: Er wollte unbedingt das typisch Yorkshire Gericht tripe and onion ausprobieren, Kutteln in Sauce. Als Gemüse-Ergänzung hatte ich eine große Schüssel Blattsalat mit roter Paprika in Knoblauch-Vinaigrette angemacht.

Tripe and onion schmeckte wie erwartet nicht sehr intensiv, aber dennoch ungewöhnlich – gut! Und der Salat: Ich kann ja echt nicht viel richtig gut, genau genommen nichts – aber Salat kann ich wirklich. (Wie er mir am besten schmeckt.)

Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre ein hoffentlich spannender Verschling-Roman (außerdem habe ich schon lange keine französische Belletristik gelesen sowie bislang eher negative Vorbehalte): Hervé Le Tellier, Romy und Jürgen Ritte (Übers.), Die Anomalie – ging gut los!

Erfreuliches: Ein Tröt erinnerte mich gestern an etwas.

Aber sowas von! eduroam ist ein WLAN-Netz von Bildungs- und Forschungsanstalten im weitesten Sinn in über 100 Nationen. Meinen Zugang habe ich über meinen Arbeitgeber bekommen, der ja ebenfalls mit Forschung zu tun hat. Und so bemerke ich zum Beispiel unterwegs und auf Reisen an meinem Handy, dass ich mich wahrscheinlich in der Nähe eines Uni-Gebäudes befinde, weil mein Handy über ein WLAN online geht. Diese große Verfügbarkeit von Internet-Zugang ist sehr, sehr super.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 16. September 2025 – Noch ein Arbeitstag

Mittwoch, 17. September 2025 um 6:26

Beim Aufwachen nahm ich besorgt die Schmerzen an der rechten wundgescheuerten Achillessehne wahr. Sonst lösen die seit Jahren allzeit präsenten Detailschmerzen meines Körpers ja eher Genervtheit aus (was erlaube), doch für diesen Wanderurlaub brauche ich echt alle Mann (Körperteile) funktionsfähig an Bord (FÜNFUNDREISSIG KILOMETER!).1

Der Tag begann grau und kühl, Herr Kaltmamsell verabschiedete sich zu unchristlich früher Stunde ins neue Schuljahr. Auf meinem Weg in die Arbeit musste ich um die Theresienwiese bereits Slalom um Oktoberfestmobiliar laufen.

Am Schreibtisch wieder Überfall aus dem E-Mail-Postfach.

Analysieren, Sortieren und Wirbeln, während es draußen langsam heller wurde, ich sogar blauen Himmel und Sonnenschein bekam. In dem marschierte ich zu einem Mittagscappuccino im Westend.

Später gab’s am Schreibtisch zu Mittag Feigen (nur mittelgut, weil eher trocken) sowie Quark mit Joghurt.

Anstrengender Arbeitsnachmittag, aber bei gekipptem Fenster mit wohtemperierter frischer Luft, und aus dem Augenwinkel sah ich Sonne und blauen Himmel.

Nach Feierabend marschierte ich zu weiteren Wanderurlaubs-Einkäufen in die Innenstadt: Ich besorgte eine zweite Fleece-Jacke (meine eine alte, gammlige wird für sieben Tage Wanderung nicht reichen) und dann beim Sport Schuster doch zwei Paar Wandersocken – bei sieben Tagen Wandern in Folge stoße ich mit meinem Bestand an doppelt zu tragenden alten Baumwollsocken an Grenzen.

Zu Hause begann ich mit dem Rauslegen von zu packendem für den Urlaub. Eine Runde Yoga-Gymnastik, dann servierte Herr Kaltmamsell das Nachtmahl.

Es gab aus dem Kühlschrank-Bestand Forellen-Kaviar dazu Mini-Blini, Chicoree, Tomaten-Frischkäse, Eier etc. Gut! Dazu bekam ich Informationen zur Struktur von Herrn Kaltmamsells kommendem Arbeitsjahr.

Nachtisch Schokolade, Abendunterhaltung die Schlussfolge Mad Men der zweiten Staffel. Im Bett las ich Jens Notroff, Staub, Steine, Scherben aus, ein wirklich empfehlenswerter und gut lesbarer kurzer Einblick in Stand und Praxis der Archäologie.

§

Robert Redford ist gestorben. Der schönste Mann mit Sommersprossen, den ich je gesehen habe (der zweitschönste lebt in Kastilien und das hoffentlich noch ein paar Jahrzehnte).2 Ich mochte Peter Bradshaws Blick auf seine Karriere im Guardian:
“Robert Redford: the incandescently handsome star who changed Hollywood forever”.

  1. Ich höre erst auf damit zu nerven, wenn ich sie hinter mir habe. []
  2. Und die Referenz für mein Argument gegen Verjüngungsversuche durch drastische Operationen: Will ich altern wie Costa Cordalis oder Robert Redford? []
die Kaltmamsell

Journal Montag, 15. September 2025 – Sonnentag mit viel Himmel

Dienstag, 16. September 2025 um 6:22

Eigentlich war ich recht gefasst mit Blick auf die letzten fünf Arbeitstage vor Urlaub, Unruhe sah ich eher außerhalb der Arbeitszeiten voraus. Schöner Marsch in die Arbeit in milder, Luft, es waren bis zu 23 Grad angekündigt.

Doch dann fuhr ich meinen Rechner hoch und sah ins Postfach.

Als ich nach anderthalb Stunden Wirbeln wieder zu mir kam, überlegte ich, ob es statt Wirbeln eventuell auch geordnetes Abarbeiten über den Tag getan hätte: Nein, nicht wirklich. Wenn andere zwei Tage arbeiten und sich daraus Aufträge an mich ergeben, sind sie am dritten Tag bereits dringend geworden. Außerdem geht es dabei oft um zu organisierende Besprechungstermine, deren Beteiligte sehr viele Termine haben – ich muss also so schnell wie möglich Lücken nutzen, bevor eine andere es tut.
(Doch nein: Das wird mich weiterhin nicht dazu bringen, ebenfalls am Wochenende zu arbeiten.)

So ging’s allerdings lustig weiter, es war viel Wirbelns. Mittagscappuccino nur schnell in der neuen Inhouse-Cafeteria. Das Personal dort spricht Italienisch, ich lernte gestern das italienische Wort “Buttabreze”. In der vorherigen Inkarnation der Cafeteria herrschte Kroatisch, mein einziges Wort Kroatisch: Buttabrece.

Dennoch riss ich mich los für eine Runde um den Block, das Wetter war gar zu schön – und wie sich draußen herausstellte, auch kurzärmlig mild.

Abschluss der Runde: Obsteinkäufe. Zu Mittag gab es also nach einer Scheibe Brot Kiwi und Feigen.

Es wurde nachmittags überraschend windig. Und ich nach einigen Stunde Weiterackern sehr erschöpft. Das ist wohl diese Urlaubsreife, von der man immer wieder hört? (FÜNFUNDREISSIG KILOMETER!)

Heimweg über einige Einkäufe. Es war sommerlich und überraschend warm (die Marien-Apotheke am Heimeranplatz zeigte 26 Grad im Schatten an), ich kam ins Schwitzen.

Zu Hause nahm ich mir aber die Zeit für eine sportliche Runde Yoga-Gymnastik. Und für ein Telefonat mit meiner Mutter – Sie dürfen gerne einen Daumen drücken, dass am Mittwoch im Krankenhaus alles glatt geht.

Als Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell den Ernteanteil-Fenchel im Ofen mit einer Bröselkruste überbacken:

Deutlich schmackhafter, als ich mir das vorgestellt hatte.

Haushaltliches statt Mad Men, im Bett mehr Spannendes zu zeitgenössischer Archäologie von Jens Notroff.

Gestern erreichte mich die Einladung des Münchner Wahlamts zur Wahlhilfe bei der Kommunalwahl 2026. Da ich die zweitägige Anstrengung des Wahlhelfens 2020 noch sehr lebhaft in Erinnerung habe (damals im März erschwert am Wahltag in den Anfängen der Corona-Pandemie durch zahlreiche Abmeldungen unter Wahlhelfenden), zögere ich mit meiner Anmeldung.

§

Apropos Kommunalwahl: Haltern am See hat leider doch künftig keine Bürgermeisterin, die aus dem Blog kam, Vanessa Giese. Auch wenn über 30 Prozent der Stimmen “aus dem Stand für eine ‘zugezogene’, fraktionslose(!) Frau(!!) in so einem Ort ein phantastisches Ergebnis” ist.

Vanessa berichtete gestern in ihrem Blog:
“Der Tag nach der Wahl”.

§

Die Entstehung dieses Texts durfte ich mitverfolgen:
“Ich bin ein Teilchen: Zu einer Theorie der Quantendidaktik”.

Eine zeitgemäße Didaktik kann sich nicht den Erkenntnissen der Quantenwissenschaft verschließen. Sie öffnet uns vor allem bei zwei Dingen die Augen, bei der Quantenverschränkung und der Quantenunbestimmtheit.

Meine Anregung, den Grundgedanken zum Sachbuch-Bestseller 2026 auszuarbeiten, lief ins Leere.

§

Als Fangirl bin ich total voreingenommen, empfehle dennoch dieses Interview mit Dunja Hayali:
“Dunja Hayali über Gesprächskultur
‘Sie können gerne eine andere Meinung haben'”.

(OBWOHL SIE GEGEN EIN TEMPOLIMIT IST!)

Was sie antreibt:

Verstehen wollen, ohne Verständnis zu haben.

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Heute als Abschluss nichts Launiges, sondern eine Faust in den Bauch.

Maximilian Buddenbohm macht sich die Mühe festzuhalten, welch elende Anblicke ihn als Bewohner der Hamburger Bahnhofsnähe treffen. Es ist ein Hinsehen in Wörtern, das Gegenteil von gleichgültigem Wegsehen, und meiner Überzeugung nach im Gegensatz zu einem Foto ohne entwürdigenden Voyeurismus. Ich bin ihm dankbar, denn selbst schrecke ich immer wieder vor solchem Hinsehen in Wörtern zurück, will lieber, dass ich das gar nicht gesehen habe – und es dadurch aus der Wirklichkeit entferne. (Selbst wenn ich deutlich weniger Schlimmes um meine Wohnung im südlichen Münchner Bahnhofsviertel sehe. Doch Spritzensetzen gibt es inzwischen immer offener und an unerwarteten Orten.)
“Noch drei unliebsame Bilder”.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 14. September 2025 – Letzter Regenlauf vor Urlaub

Montag, 15. September 2025 um 6:24

Nach guter Nacht vom 7-Uhr-Läuten des Kirchturms St. Matthäus aufgewacht, seine Glockentöne begleitet von Regenrauschen.

Nach einer Weile hörte der Regen auf.

Nach dem Bloggen bat ich Herrn Kaltmamsell um Unterstützung bei einer weiteren Vorbereitung meiner South-Downs-Wanderung: Karten-App der Wander-Agentur auf dem Handy installieren (erst jetzt, weil zeitlich begrenzte kostenlose Test-Anwendung), inklusive Back-up mit einem weiteren GPS-Track. Die Agentur hatte in den Unterlagen eine Anleitung zur Karten-App geschickt, doch es würde wie immer Komplikationen geben – und ich erhoffte mir von Herrn Kaltmamsell nicht nur fachlichen Beistand, sondern auch die Sicherheit, dass nicht einfach ich mich blöd anstellte.

So war es dann auch: Das Anlegen eines Kontos und der Download der Wanderroute erforderten einiges unangekündigtes Rumgeklicke und boten Anwender-feindliche Überraschungen. Aber zu zweit schaffte ich es, bekam auch in meiner gewohnten Karten-App das Doppel der Route.

Wie schon vor einem Jahr bei der Mallorca-Reise gestaltet sich die Reisevorbereitung so aufregend, dass ich die eigentliche Wanderung als Erleichterung und Entspannung vor Augen habe (wobei: FÜNFUNDDREISSIG KILOMETER!).

Letzter Isarlauf vor Urlaub: Ich nahm eine U-Bahn nach Thalkirchen.

Genug Zeit für ein U-Bahn-Spiegelselfie.

Die um den Bauch gewickelte leichte Regenjacke brauchte ich bald: Als trockener Abschnitt wurden mir lediglich die ersten 25 Minuten geschenkt; dann setzte Regen ein und blieb in unterschiedlichen Stärken bis zum Ende meiner Runde. Ein weiterer Eintrag in der langen Liste meiner Regenläufe 2025. Weil es nicht kalt war, litt ich nicht darunter – na gut, gegen Ende war mir schon sehr bewusst, wie viel mehr Spaß das Laufen (Körper gestern 1A, praktisch keine Beschwerden) (Kreuz ist halt immer) ohne Regen und nasse Kleidung bereiten würde.

Zwischen Waldwirtschaft und Pullach (im Bild) pritschelte es ganz schön, und das auch noch in der unangenehmsten Form: inlusive Windböen.

Nasse Heimkehr, die eingeweichte Haut der Füße nutzte ich gleich mal für Fußpflege: Nägel und Hornhaut wurden wanderfreundlich gekürzt, geschliffen, gefeilt. Den restlichen Körper wärmte ich in einem Vollbad und säuberte ihn darin. (Meine aufgescheuerten Achillessehnen werden doch bis in einer Woche, also bis Wanderstart heilen? Oder? ODER?)

Frühstück um zwei: Eine dicke Scheibe Brot mit Butter und Zuckerrübensirup, außerdem Mango mit Joghurt.

Ausführliches Telefonat mit meinem Bruder: Ich lernte unter anderem übers Kajakfahren (wie niedlich eingetuppert in ihre Kajaks die Leute auf den Fotos vom Kurs aussehen, die er mir gleich danach schickte!), über Berlin, über Basketball.

Sonntagstüchtigkeit: Bügeln, die Sommerkleidung ist jetzt bereit für ihren Einsatz 2026 (schnüff).

Kurzer Sonnengenuss auf dem Balkon.

Yoga-Gymnastik gestern zackig, und dann auch noch mit Balance – es war viel Wackelns.

Zum Nachtmahl zauberte Herr Kaltmamsell aus den kleinen Ernteanteil-Zucchini ein köstliches Pasta-Gericht (geraspelt mit viel Butter und Spaghetti, der Ernteanteil-Oregano passte gut). Nachtisch viel Schokolade. Abendunterhaltung Mad Men.

An diesem Wochenende habe ich alles erledigt, was ich mir vorgenommen hatte – ein ordentliches Gefühl. Auch mal festhalten!

§

Berit Glanz ordnet in einem Essay den Aktivismus des ermordeten Rechtsextremen Charlie Kirk in größeren Online-Zusammenhang ein und beschreibt eine unheilvolle Parallel-Welt.

Diese Internet- und Memekultur mit ihren vielen Symbolen um und nach der Tat müssen die Ermittlungen (und die Berichterstattung) dekodieren und auf dem Schirm behalten:
“Brainrot Morde oder wie man einen Abgrund überwindet”.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 13. September 2025 – Abschied vom Sommerschwimmen

Sonntag, 14. September 2025 um 8:33

Lang geschlafen, in der letzten Phase lebhaft geträumt – von Büroräumen in Polen und dass die dortige Kultur durch stark verwurzelte abergläubische Rituale sich deutlich von unserer deutschen unterschied. Aber auch unruhig geschlafen, den Alkoholabbau gemerkt – ein Martini und ein Glas Wein waren doch wirklich nicht viel?

Durchs späte Aufstehen verschob sich der Vormittag ein wenig: Nach Bettwäschewaschen, -aufhängen und nach Bloggen kam ich später als sonst los zu meiner Schwimmrunde. Ich nahm eine U-Bahn zum Westfriedhof für meinen Abschiedsschwumm im Dantebad; wenn ich aus dem Englandurlaub zurück bin (FÜNFUNDDREISSIG KILOMETER!), ist bis zum nächsten Sommer das Olympiabad meine Schwimmheimat (bis auf hoffentlich das eine oder andere Schwimmen im Schneefall).

Entgegen der Vorhersage (“bewölkt”) schien durchgehend die Sonne. Mein Körper funktionierte 3.300 Meter lang hervorragend, mein Kopf wollte allerdings gerne Hamsterrad-Panik zur England-Reise in einer Woche produzieren – Ergebnis unter anderem: Ich werde mich beim Packen ganz auf die Wanderwoche konzentrieren, u.a. alle beiden Paar gut eingelaufene Wanderstiefel mitnehmen. Die zweite Woche in Brighton bin ich dann halt eine von diesen typisch deutschen Funktionskleidungs-Touristinnen. Aber Schwimmen im Sonnenschein war so oder so ein sehr erfreulicher Abschied.

Erfreut wurde ich auch durch den Anblick in der Frauendusche: Gestern sammelten sich dort zufällig die eisernen Schwimmerinnen jeden Alters, entsprechend sah ich nackte Körper mit hochkontrastiger Schwimmkleidungsmarkierung.

Auf der Heimfahrt kaufte ich am Stiglmaierplatz Brot fürs Frühstück in der neuen Bäckerei, die sich durch gute Semmeln hervorgetan hatte: eine Bauernkruste.

Hm. Wenn‘s von mir wäre, würde ich es als missraten betrachten mit seiner viel zu dichten Krume und vereinzelten großen Löchern (zu kurze Stückgare?). Zumindest ein Beweis, dass dort handwerklich gearbeitet wird. Garantiertes Gelingen geht nur mit Hilfsmitteln.

Frühstück um zwei auf dem Balkon (in Strickjacke): Gelbe Kiwi, Tomatenbrot, Kimchi, Marmeladenbrote. Dann war ich sehr satt und müde. Zu müde für Zeitungslektüre, ich legte mich auf eine kurze Siesta ins Bett.

Dann aber konnte ich mich auf die Wochenend-Süddeutsche konzentrieren.

Abends war ich verabredet: Mit einem alten Berufskontakt, zu dem die Verbindung fast abgerissen wäre; da ich aber oft an sie dachte, hatte ich mich vor ein paar Wochen gemeldet. Ich hatte einen Tisch in einem Lokal von meiner Mal-ausprobieren-Liste reserviert: Im Obalski am Schyrenbad. In der milden Luft ging ich zu Fuß hin.

Herzliches Wiedersehen, sehr schöner Abend. In den fast drei Jahren, die wir einander verpasst hatten, war viel Wasser die Isar hinabgeflossen und hatte Veränderungen mitbracht:
– Beruf – große Schlagzeilen im Wirtschaftsteil der Medien haben konkrete Auswirkungen auf Individuen
– Familie – neben Kindern auf dem Weg ins eigene Leben waren alterstypisch die Verfassung und Versorgung der Eltern unser Thema
– aber auch Genüsse in Restaurants, auf Reisen.

Die Genüsse auf dem Tisch vor uns:

Ich startete mit einem Drink, der von einem Hauch Pfirsich aromatisiert wurde, bestellte als Vorspeise die Tagesempfehlung Ceviche von Gelber Makrele, die Begleitung hatte Saiblingstartar.

Hauptspeise war bei uns beiden Pulpo, bei mir mit Kartoffelpü, bei ihr mit Brokkoli in Haselnuss.

Ich hatte noch Platz für Nachtisch und aß einen (unfotografierten) Cheesecake mit Waldbeeren, der mich mit einer hauchdünnen gebrannten Zuckerkruste überraschte, sehr gut.

Heimweg nicht zu spät, wieder genoss ich ihn zu Fuß.

Isarkioskbetrieb

Wittelsbacherbrücke

Herr Kaltmamsell war sogar noch wach – jetzt am Ende seiner Sommerferien schafft er es auch über die magische 22-Uhr-Grenze hinaus.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 12. September 2025 – #12von12

Samstag, 13. September 2025 um 8:59

Ein Freitag, der mich an der Aktion #12von12 teilnehmen ließ: Wir erzählen unseren Tag im Blog mit 12 Fotos, es sammelt das Blog Draußen nur Kännchen.

Wieder eine recht gute Nacht: Wegen blutig gekratztem Ekzem im Gehörgang durch Ohrstöpsel-Benutzung hatte ich die dritte Nacht in Folge ohne geschlafen, dafür bei geschlossenen Fenstern gegen Draußen-Lärm.

1 von 12: Morgenmilchkaffee vor Einschenken/Aufgießen.

2 von 12: Letztes gezieltes Auftragen von Sommerkleidung (die weißen Jeans hatte ich bereits zweimal getragen, nach gestern sollten sie reif für die Waschmaschine – läuft gerade – und dann fürs Einwintern sein).

Draußen war es kühl, doch für den Weg in die Arbeit reichte ein leichter Janker.

3 von 12: Schöner Himmel und goldene Morgensonne überm Georg-Freundorfer-Platz.

Ich startete meinen Arbeitstag mit überdurchschnittlich großem Unwillen – den ich mir wirklich nicht erklären konnte, denn die Hauptaufgabe des Tages war eine, die mir immer Vergnügen bereitet (journalistische Online-Recherche, die ich regelmäßig zuliefere).

4 von 12: Einer der ersten Handgriffe am Arbeitsplatz – eine Kanne Kräutertee aufbrühen, gestern Lindenblüten.

5 von 12: Ich trug neue Turnschuhen, über die ich mich sehr freue – die aber zu meiner großen Überraschung (ich hatte sie bereits testgetragen) auf dem Marsch in die Arbeit meine Achillessehnen wund gerieben hatten (meine Minisöckchen reichten nicht so weit hoch). Selbstverständlich enthält meine magisch Sekretärinnen-Schublade auch Plaster. Allerdings, wie ich herausfinden musste, zu alte Pflaster, deren Klebstoff nicht mehr ausreichend klebt – die Pflaster wanderten und zerwuzelten, ich musste immer wieder korrigieren.

Trotz düsterem Himmel blieb es trocken, ich testete auf meiner Marschrunde um den Block eine weitere Cappuccino-Quelle in einer noch ungetesteten Ecke Westend.

6 von 12: Der Cappuccino war mir persönlich einen Tick zu heftig, ich spürte seine Wirkung noch einige Stunden danach.

7 von 12: Zu Mittag gab es diese köstliche Feigen (die jetzt wirklich weg mussten – wer nach reifem Obst ruft, muss nach Kauf schnell essen) sowie Mango mit Sojajoghurt.

8 von 12: Zweites Treppentraining des Tages, Blick auf Gleisarbeiten am Bahnhof Heimeranplatz.

Auch nachmittags gab es noch einiges zu tun, ich fühlte mich aber fit und konzentriert, erntete mal wieder ein “das ging aber schnell!”.

Freitagspünktlicher Feierabend, ich ging über Schokoladeneinkäufe beim Aldi heim.

9 von 12: Oktoberfest eine Woche vor Ausbruch, die Baugitter ums Gelände jetzt auf der Westseite Theresienhöhe mit Sichtschutz versehen – möglicherweise will man dadurch die entlarvenden Fotos vom Geschehen auf dem Kotzhügel minimieren.

10 von 12: Yoga-Gymnastik des Tages, immer noch Adrienes 30-Tage-Programm “Move”. Anstrengendere Übungen als für meine gestrige Erschöpfung ideal, aber ich halte hiermit fest, dass es mir immer noch keine Probleme bereitet, auf dem Rücken liegend (und den unteren Rücken fest auf den Boden gepresst haltend) die gestreckten Beine zwischen Senkrechte und Waagrechte zu bewegen – zumindest so wenig oft, wie man das in diesem Yoga-Programm tut.

Jetzt aber: WOCHENDEEEEEEE!

11 von 12: Herr Kaltmamsell rührte auf meinen Wunsch zum Anstoßen Dirty Martinis – in Ermangelung grüner Oliven halt mit schwarzen.

12 von 12: Als Vorspeise richtete ich Ernteanteil-Tomaten mit Ernteanteil-Oregano (Salz, Pfeffer, Olivenöl) an, sehr gut.

Dreingabe 13 von 12: Ebenfalls auf meinen Wunsch hatte Herr Kaltmamsell Short Ribs geschmort, dazu Zitronen-Polenta gerührt – köstlich. Im Glas der restliche Lemberger, den er zum Schmoren verwendet hatte.

Nachtisch Eiscreme und Schokolade, Abendunterhaltung zwei Folgen Mad Men – wenn die Abschweifungen in andere Bundesstaaten und weg von der Werbewelt noch ausführlicher werden, verliert mich die Serie.

§

Seit einer Weile verfolge ich auf instagram (ich weiß…) den Kanal von @schwimmbadtourist, der genau das zeigt, was der Name vermuten lässt.

Hier ein Filmchen zweier einsamer Lagen von oben.

Die wunderschönen Wellen, die er allein im Becken macht!
(Ich fürchte, ich bin fürs Freiwasser verloren.)

die Kaltmamsell