Journal Dienstag, 15. Mai 2018 – Altes Fahrrad neu
Mittwoch, 16. Mai 2018 um 6:42Früh und müde aufgewacht, nachdem mich Schmerzen lange nicht hatten einschlafen lassen.
Schöner Fußweg in die Arbeit, jeden Morgen genieße ich den weiten Blick auf der Theresienwiese.
Viel Arbeit in der Arbeit (vorm Fenster am Nachmittag ein Regenschauer), gegen Ende auch ein wenig gehetzt, weil ich mit dem Radlschrauber verabredet war.
Anderer Blick auf die Bavaria.
Mein altes Fahrrad war repariert, doch wieder stapelten sich gestern Abend Kauf- und Reparaturinteressierte in dem kleinen Laden. Wir vereinbarten, meine Kaufberatung zu verschieben: Ich hatte ja eh den Neukauf eher am Ende des Sommers geplant und versicherte, dass ich zu niemand anderem gehen werde.
Zumal Herr Schrauber mein altes Fahrrad wieder superfit gemacht hatte, sogar auf meinen Wunsch nach nicht-quietschenden Bremsblöcken eingegangen war: Ich hatte seit Monaten keine Klingel mehr gebraucht, weil selbst leichtes Bremsen grell gequietscht hatte. (Sollten sie von einer Münchner Radlerin an einer roten Ampel scheinbar aggressiv angequietscht worden sein: Das war ich, und ich hab’s echt nicht so gemeint.) Als er bei der Erstbesichtigung neulich auf die abgefahrenen Bremsklötze hinwies, bat ich um möglichst quietschfreie neue. Gestern betonte er, dass er sich in einer Probefahrt dessen versichert hatte. Außerdem: Lenker ein wenig höher gestellt, Bremsen gerichtet, Gangschaltung angezogen, Felgen enteiert, Reifen knackig – beim Heimradeln wollte mir gar nicht mehr einfallen, wozu ich ein neues Fahrrad brauche. Na ja, bis mein Blick auf den völlig verrosteten Lenker fiel.
Nach Einkäufen im Drogeriemarkt (Reisevorbereitung) ging ich zum Abendessen mit Herrn Kaltmamsell aus: Cocktails (Auroom) und Pizza (Italian Shot).
Der Stephansplatz in wunderschönem Licht.
In der Bar eine neue Methode des Eiertrennens gesehen (der Cocktail links verlangte nach einem Eiweiß): Der Cocktailero schüttelte das Ei kräftig, schlug dann an der Spitze ein Fingerkuppen-großes Loch hinein und goß das Eiweiß aus diesem Loch in den Shaker.
Während wir noch an unserer Pizza kauten, gingen draußen Wolkenbrüche nieder. Wir warteten ein leichtes Abklingen des Regens ab und liefen schnell heim.
Telefonat mit meiner Mutter: Sie wird während unseres Irlandurlaubs wieder Wohnung hüten. (Und sich um die armen Pflanzen zweier Pflanzenignoranten kümmern.)
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So organisierter Protest gegen Rechts macht am meisten Spaß beim Lesen: Als wirkungsvoller Schabernack.
“Mit Bier und Schafkopfkarten gegen die AfD”.
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Auf einem Journalisten-Festival hielt investigative Reporterin Alena Jabarine diesen Kurzvortrag:
“Journalisten, nehmt die Masken ab!”
jede Geschichte hat auch ein Making-Of. Das bleibt allerdings meist im Verborgenen, obwohl es oft mehr aussagt als das, was der Zuschauer am Ende präsentiert bekommt.
(…)
Ich wünsche mir, dass wir viel öfter auch das Making-Of erzählen. Dass wir Journalisten zeigen, wie wir recherchieren, wie wir mit Menschen umgehen, wo wir auch mal in der Zwickmühle stecken zwischen Professionalität und Menschlichkeit.
Ich stimme Jabarine von Herzen zu – glaube auch seit einigen Jahren zu beobachten, dass Berichterstattung die Berichterstattenden mehr thematisiert und bilde mir ein, das habe aus dem Bloggen abgefärbt. Zu Transparenz gehört das “Ich” der Berichterstattenden auch explizit – das ist keineswegs Wichtigtuerei.
Denn als Reporter sind wir niemals unsichtbar. So sehr wir uns zurücknehmen, Distanz halten, wir sind da und werden somit zum Teil der Geschichte. Das sollten wir uns eingestehen. Und damit ganz offen umgehen.








































