Journal Donnerstag, 23. Oktober 2025 – Die Krampffrage beim Schwimmen

Freitag, 24. Oktober 2025 um 6:40

Wieder weckte mich das Weckerklingeln in die Unwilligkeit (vier von fünf geschafft).

Zackiges Tempo im Morgenprogramm, da ich den Blogpost noch fertigschrieb und die beiden Fotos vom Abend unterbrachte.

Ich steckte Schwimmzeug ein, weil ich dringend nach überpünktlichem Feierabend ins Dantebad wollte (einzige Schwimmgelegenheit, die ich diese Woche sah), inklusive innigen Wünschen, von Krämpfen verschont zu werden, nachdem es mich beim jüngsten Versuch einer Nach-Arbeit-Schwimmrunde so böse erwischt hatte.

Arbeitsweg in angenehmer Luft und schönem Licht.

Abwechslung am Arbeitsplatz: Meine erste Tasse Tee war ein Earl Grey, WOOHOO!

Emsiger Vormittag. Meinen Mittagscappuccino nahm ich im Haus, Bewegung an frischer Luft holte ich mir mit einer Runde um den Block – gerade noch rechtzeitig, bevor der angekündigte Regennachmittag begann. Schon bei meiner Brotzeit am Schreibtisch (Äpfel, Quark mit Joghurt) prasselte es an die Fensterscheiben. Das ließ mich auf besonders leere Schwimmbahnen hoffen. Zur Krampf-Prophylaxe (da kann ich noch so oft recherchieren, “Für belastungsinduzierte Muskelkrämpfe (…) ist keine pharmakologische Therapie auf ausreichend hohem Evidenzniveau belegt.”) dehnte ich am hochgestellten Schreibtisch im Stehen immer wieder Waden, Fußsohlen, Beinrückseite.

Pünktlicher Feierabend, U-Bahn zum Westfriedhof. Es hatte aufgehört zu regnen, und ich ging von dort auf einer dicken, nassen Laubschicht, aber ohne Regenschirm zum Dantebad. Im mittel frequentierten Schwimmbecken freute ich mich über jede Etappe: Schon 1.000 Meter ohne Krampf! 1.500! 2.000! 2.500! Ich bekam tatsächlich meine üblichen 3.000 Meter voll, ganz wunderbar. Und das in einer sensationellen Herbst-Show: Die umstehenden Bäume hatten reichlich Herbstlaub ins Becken geschickt, ich sah es in der Unterwasserbeleuchtung schwebend gelb strahlen und auf dem Beckenboden in Haufen wabern – ein magischer Anblick. Ein bisschen irritiert war ich manchmal von der Bewegung eines Blatts aus dem Augenwinkel, weil ich fürchtete, gleich in eine andere Schwimmerin zu dotzen. Doch als ich mich nach meiner Schwimmrunde auszog und unter der Dusche zwei kleine Feldahorn-Blätter aus dem Badeanzug klaubte, fand ich das entzückend. (Und hoffe bereits auf eine Wiederholung nächste Woche.)

Wunderbare Anblicke auch jenseits des Beckenrands: Die zunächst bedrohlichen Ackerfurchenwolken rissen auf und ließen sich von der Abendsonne vergolden, bei jeden Atemholen auf den letzten 1.000 Metern ein neues romantisches Gemälde.

Der schöne U-Bahnhof Westfriedhof.

Zu Hause machte ich mich noch vor jedem Auspacken an die Abendessenszubereitung, Herr Kaltmamsell war aushäusig: Aus eben geholtem Ernteanteil gelbe Bete sowie restliche Quitten vom Blech. Ich hatte damit gerechnet, die Bete ohne Schälen in grobe Stücke zu schneiden, doch sie waren so verwachsen mit vielfarbiger Schale und mit Löchern, dass ich recht viel Arbeit mit ihnen hatte. In der letzten Backphase gab ich den Ernteanteil-Fenchel für 15 Minuten dazu. Das alles aß ich mit einem Zitronen-Tahini-Sößchen. Schmeckte wie die meisten meiner Kreationen eher rustikal, aber ok. Nachtisch Schokolade.

Sehr früh ins Bett zum Lesen, ich tauchte wieder ein in die Wiener Ringstraße und ihre Geschichte.

§

Stadtbild-Themen, ich weiß derzeit gar nicht, woher all die Wolken nehmen, aus denen ich falle.1
“»Mein Gesicht gehört mir« – und keinem Influencer”.

Großzügige Spenden und Geschenke für Menschen auf der Straße – das ist für viele Influencer*innen eine sichere Bank, um Likes und Reichweite zu bekommen. Aber hilft das den Menschen wirklich, denen geholfen werden soll? Oder verzweckt es Menschen für Content?

via Crocodylus

Felix Neumann hat dazu mit Martin Lauscher gesprochen, dem Leiter der Bahnhofsmission Essen.

Lauscher: Wenn wir Videos mit Leuten sehen, die wir kennen, fragen wir, ob wir es ihnen zeigen dürfen. Wir fragen nach: Wissen Sie, dass sie da im Netz zu sehen sind? Ist das für Sie in Ordnung? In manchen Fällen von Menschen mit psychischen Erkrankungen arbeiten wir auch mit deren Betreuerinnen und Betreuern zusammen. Aktuell haben wir einen Fall, in dem eine hochgradig psychisch erkrankte Frau betroffen ist. Da haben wir die gesetzliche Betreuerin informiert und sie gebeten, rechtliche Schritte im Sinne ihrer Mandantin zu prüfen.

§

Es sterben immer noch Tausende Menschen auf der Flucht übers Mittelmeer, das hat keineswegs aufgehört, nur weil es dieser Umstand nicht mehr in die Schlagzeilen schafft.
“Unbegleitet auf der Flucht”.

Viele Minderjährige fliehen allein übers Mittelmeer. Was NGOs, eine Psychologin und ein Seenotretter von ihrer Arbeit mit ihnen berichten.

§

“POV: Du bist ein Problem im Stadtbild”.

§

Die Britin Susie Dent schwärmt auf BBC4 vom Deutschen, u.a. vom Wort “Nacktschnecke”.

via @kid37

  1. War den Metaphernversuch wert, finde ich. []
die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 22. Oktober 2025 – Wie ich dann doch einmal ausflippen musste / Sauhund an den Kammerspielen

Donnerstag, 23. Oktober 2025 um 6:29

Als der Wecker mich aus hochinteressanten Träumen holte, war mein erster Gedanke: Drei von fünf Arbeitswochenwecken geschafft.

Das Aufstehen selbst gestaltete sich körperlich mühsam, meine schiefe und marode Lendenwirbelsäule plagt mich derzeit mit muskulären Schmerzen rundum, die über den Tag auch lustig die Beine runterziehen, mal das eine, mal das andere – ich weiß exakt, wie sich die Bewegungsform “hüftsteif” anfühlt.

Draußen war es düster mit nassen Straßen, doch ich sah niemanden mit Regenschirm vorm Haus. Als es gleich beim Losgehen tröpfelte, kehrte ich dennoch um und holte einen Schirm aus der Wohnung – der dann doch nur als Talisman fungierte, das Tröpfeln hörte gleich wieder auf.

Im Büro fühlte ich mich erschlagen und müde, vielleicht gerade weil das Adrenalin der vorhergehenden Arbeitstage fehlte und ich im Grund ruhig Dinge abarbeiten konnte.

Schon bald kam ich ohnehin beruflich raus an die frische Luft und spazierte zu einer Informationsveranstaltung. Dort litt meine schmerzende Kreuz- und Hüftgegend sehr unter den provisorischen Stühlen, doch ich erfuhr Interessantes.

Auf dem Rückweg verlor der Regenschirm seine Funktion als Talisman und hielt Regen von mir fern.

Sehr später Mittagscappuccino in der hauseigenen Cafeteria, entsprechend lang stand ich dafür an.

Spätes Mittagessen (Granatapfelkerne mit Joghurt, Hüttenkäse), weil mir ein Ausflippen zur eigentlichen Essenszeit den Appetit verdarb: Eine Ermahnung war die eine Umdrehung zu viel im Wahnsinn der Kombination Bundesreisekostengesetz/Bundesrechnungshof/Reiseabrechnung-Software, und nein, ich werde auch künftig nicht überprüfen, ob das einzige bezahlbare Hotel für eine Dienstreise nach München auch wirklich innerhalb des Münchner Stadtgebiets liegt. Abbekommen hatte dieses Ausflippen jemand, die wirklich nicht Schuld an dieser Kombination trägt, das tat mir leid. (Wo ich doch sonst im Arbeitsleben versuche, dem Bild des archaischen Kouros zu entsprechen.)

Fast so früher Feierabend wie geplant: Gestern Abend war die erste Theaterabo-Vorstellung der Spielzeit in den Kammerspielen terminiert, die Energie dafür würde ich nur durch Arbeitsende vor vier aufbringen.

In der Heimeranstraße hielt ich den herbstlichen Höhepunkt der Bodenblätterbuntizität fest, einen Regenschirm brauchte ich zum Glück nicht.

Einkäufe, Umweg über Goetheplatz für Briefmarken in der dortigen Post: Zum letzten Mal, ab 18.11. gibt es dort keine Post mehr. Ich las die Ankündigung beim Warten mit sinkendem Herzen (also würde ich hier keine Weihnachtspost mehr abwickeln können), der freundliche Schaltermann wies mich auch darauf hin. Bleibt von daheim aus noch die Post am ehemaligen Hauptbahnhof.

Bis daheim war ich heiser, weil ich in eine LALÜ!!!-Flut von Polizeiautos geriet, gegen die ich zusätzlich zu Ohrenzuhalten irgendwann nur noch anbrüllen konnte (musste trotzdem weinen).

Häuslichkeiten, dann buchte ich mit Herrn Kaltmamsell an meiner Seite die Bestandteile unseres Berlin-Ausflugs – fast, denn als ich an die Kabarettkarten nicht rankam, ohne mir im Theater ein Online-Benutzerkonto anzulegen, rastete ich wieder aus. Gestern konnte ich nicht noch einen menschenfeindlichen Wahnwitz vertragen, ein weiteres Benutzerkonto mit einem weiteren Passwort (ich verwalte derzeit ungefähr 300 davon) ist absolut unnötig. Wie sich umgehend zeigte, als ich unsere Friedrichstadtpalast-Karten über Paypal kaufte: ohne Benutzerkonto.

Eine Einheit Yoga, zum etwas vorverlegten Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Ernteanteil-Karotten aus dem Ofen sowie Stangenbohnen aus dem elterlichen Garten: Sie hatten sich dieses Jahr sehr viel Zeit gelassen mit dem Wachsen, wir bekamen die gesamte Ernte des Sonntags geschenkt.

Gegeben wurde an den Kammerspielen Sauhund nach dem Roman von Lion Christ (Theaterstücke werden im Theater ja praktisch nicht mehr gespielt), die gespielte “Fassung” von Ludwig Abraham, Hannah Baumann, Florian Fischer, Elias Krischke, Annette Paulmann, Tobias Schuster, Edmund Telgenkämper, also ein Gruppendrama. Das Thema, “80er in München: gay, vom Land, lebenshungrig”, las sich schonmal attraktiv, 1h 40min Aufführungsdauer ebenfalls.

Der Abend passte dann genau zur Beschreibung, erzählte die Geschichte von Flori aus Wolfratshausen in den 1980ern in München, freundlich und naheliegend inszeniert, mit nichts Neuem zum Thema (wobei es mir ja doch jedesmal das Herz zerreißt, wenn es um die grausige Schneise geht, die Gevatter AIDS in dieser Zeit schlug – inklusive dem unmenschlichen Sonderweg der bayerischen Politik dazu). Die Übertragung von Romanform auf die Bühne griff hauptsächlich zum Erzählmittel aufgesagter Romantext. (We want theater play.)

Einiges sah nach Sparmaßnahmen aus: Die drei hervorragenden Darster*innen Elias Krischke, Annette Paulmann (<3), Edmund Telgenkämper spielten alle Rollen, umgezogen wurde sich viel auf der Bühne, ein einziges Bühnenbild ohne Chichi oder Gewackel aus einer Wand mit Fotos aus der Zeit, die nacheinander und zum Schluss alle erschienen. Der Zuschauerraum zu 80 Prozent gefüllt, das freute mich.

Schöner Heimweg durch die ruhige, milde Herbstnacht, unter anderem vorbei an der Synagoge.

§

“The Architecture and Planning of Fascist New Towns in Sardinia”.

via @sauer_lauwarm

Weil’s darin erwähnt wird, erinnerte ich mich: Meine Tante Barbara, Schwester meiner Mutter, hatte ja nach Italien geheiratet und war exakt in einem dieser Mussolini-Orte in den pontinischen Sümpfen gelandete, Pontinia. Das prägte durch die Familienurlaube dort lange mein Italien-Bild, und ich verstand als Kind und Jugendliche wirklich nicht, was die Deutschen immer mit ihrer Italien-Begeisterung hatten.
(Später gefolgt vom Unverständnis für deutsche Grappa-Begeisterung – den ich nur als Selbstgebrannten vom Bauernhof kannte, geschmackliche Alternative zu Rattengift.)

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 21. Oktober 2025 – Arbeitstag rumgebracht

Mittwoch, 22. Oktober 2025 um 6:21

Letzter Teil der Nacht etwas unruhig, doch ich schlief bis Weckerklingeln. In der letzten Halbschlafphase hatte ich die Idee für einen Kurztripp nach Berlin gleich nach Silvester – mit Besuch des Kabarettistischen Jahresrückblicks und der neuen Glitzer-Show im Friedrichstadtpalast.

Arbeitsweg in schon arg Düsterem, ich freute mich auf die kurze Phase Morgenhelle nach Zeitumstellung – bis es dann wirklich winterdunkel wird bis März.

Emsigkeiten im Büro, einen neuen, eigentlich schnellen Auftrag schrieb ich sofort auf meine Jobliste, um schon nach 30 Minuten Arbeitstag etwas wegstreichen zu können.

Ohnehin viel zügiges Abarbeiten, einen kurze Moment lang hatte ich überhaupt nichts Ekliges auf meiner To-do-Liste.

Außerdem entwickelte sich in meinem Hirn die Berlin-Idee weiter und erhellte schonmal durch Vorfreude meinen Tag.

Mittagscappuccino im Westend, es war schön hell und überraschend mild.

Zu Mittag gab es eine Avocado, außerdem ein Stück Empanada vom Vorabend (dieser Hefeteig schmeckt auch am nächsten Tag noch richtig gut).

Der Nachmittag war anstrengend. Ich musste mich sehr ärgern (wenigstens nicht über mich, das ist das Schlimmste) und mir immer wieder vorsagen: Es hängt kein Menschenleben davon ab. Es hängt kein Menschenleben davon ab. Es hängt kein Menschenleben davon ab.

Nach Feierabend spazierte ich in weiterhin herrlicher Herbstluft und wunderschönem Licht nach Hause, Einkaufsabstecher nur in den Drogeriemarkt.

Daheim Häuslichkeiten, Yoga, Brotzeitvorbereitung.

Herr Kaltmamsell servierte den Ernteanteil-Chinakohl in zwei Varianten:

Mapo Tofu links, mit Karotten (Ernteanteil), Sojahack und Sechuanpfeffer rechts – beides hervorragend. Nachtisch nochmal Ofenquitte mit griechischem Joghurt und Honig, Schokolade.

Der Fernseher blieb sogar zur Hintergrundberieselung aus, auch fürs Berlinreisebuchen waren wir beide zu erschöpft. Lieber pflegte ich Freundschaften und ging früh ins Bett zum Lesen.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 20. Oktober 2025 – Weiteres Herbsteln

Dienstag, 21. Oktober 2025 um 6:19

Deutlich vor Weckerklingeln aufgewacht, da ohnehin Häuslichkeiten vor Arbeit anstanden, nutzte ich die Zeit: Getrocknete Wäsche verräumen, Hefeteig für die abendliche Empanada ansetzen (Herr Kaltmamsell würde abends die Fertigstellung mit Ernteanteil-Mangold übernehmen).

Herr Kaltmamsell war schon fort in die Arbeit, als ich seinen großen Warnzettel für den Putzmann sah: Wegen Leitungsarbeiten wurde das Wasser gestern vormittags abgestellt. Woraufhin ich die eben eingeschaltete Geschirrspülmaschine wieder ausschaltete, ich hatte die Wasserabstellung vergessen.

Das Wetter wackelte zwischen düster und wolkig mit blauen Löchern. Ich bin sehr bereit für die Zeitumstellung, damit Morgen- und Abendlicht wieder zu meinem Gefühl passen.

Im Büro ein sehr emsiger Vormittag, doch diesmal konnte ich mir das Stress-Kopfweh nicht erklären: lediglich Business as usual. Folglich bekam es auch kein Ibu, das unberechtigte Kopfweh.

Mittagscappuccino im Westend, das wunderschöne bunte Laub lag an vielen Stellen bereits deutlich mehr auf dem Boden, als an den Bäumen zu hängen. Ich freute mich an der milden Luft, der Ahnung von Sonnenlicht, dem Duft des frisch gefallenen Laubs.

Zu Mittag gab es Mango mit Sojajoghurt, restliche kleine Feigen, ein paar Nüsse.

Nachmittag bis über beide Ohren in der Adressdatenbank: So viele schlimme Namen, so viele bezaubernde Adressen.

Nach Feierabend nahm ich U- und S-Bahn zum Isartor: Beim Globetrotter gab ich meine Meindl-Wanderschuhe ab zum Einsenden an den Hersteller, der bitte die sich lösenden Nähte reparieren möge (meine Schusterin wollte das nicht tun, weil sie nur durch das gesamte Material stechen könne, der Hersteller habe spezielle Maschinen). Am Servicepoint recherchierte man die voraussichtlichen Kosten (50 Euro) und Dauer (8 Wochen) der Reparatur und nahm mir die Stiefel ab; fertig werden sie mir nach Hause geschickt.

Spaziergang nach Hause durch die Abenddämmerung und milde, schöne Herbstluft.

Diesmal hatte ich keine Lust auf eine Pilates-Woche zwischen zwei 30-Tage-Yoga-Programmen, sondern startete sofort Adrienes “Flow”.

Im Internet das erste Weihnachtsgeschenk gekauft.

Herr Kaltmamsell hatte mit meinem Teig Empanada gemacht, er entschied sich wegen geringerer Füllung als im Rezept vorgesehen für zwei einzelne:

Schmeckte hervorragend, dieser Teig ist wirklich super.

Zum Nachtisch gab es Ofenquitten mit griechischem Joghurt und Honig. Und dann noch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, wegen großer Müdigkeit früh Lichtaus.

§

Mal wieder ein Kaltmamsell-Foto-Rückblick!

Vor zehn Jahren:

Vor 20 Jahren:

§

Für die Süddeutsche haben diesmal Roman Deininger und Christiane Lutz herausgefunden, dass überall außer im deutschsprachigen Raum das Filmmusical Sound of music ein Generationen-übergreifender Hit ist und jede Assoziation mit Salzburg dominiert (€):
“Vergesst Mozart, vergesst die Festspiele”.

Ein wenig gehört meiner Meinung nach aber schon zur Allgemeinbildung, nicht überrascht zu sein, wenn vor allem Englischsprachler*innen “Edelweiß” für eine uralte deutsche (östereichische, von weiter weg eh dasselbe) Weise halten.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 19. Oktober 2025 – Kirchweihgans im Klosterbräu

Montag, 20. Oktober 2025 um 6:29

Nachtschlaf ein wenig gestört durch Leute, die um halb zwei im Park gegenüber bei lauter Musik feierten. Ich blieb auch deshalb etwas länger wach, weil ich diesen Musikstil noch nie gehört hatte und nachhorchte: Richtung Hiphop, aber mit auffallend klapperndem Schlagwerk, Tak Tak Tak. (Weil ausgerechnet uns Anwohnende kürzlich der Vorwurf eines Journalisten traf, man brauche nicht in die Innenstadt ziehen und dann ländliche Stille erwarten: Selbst wohne ich praktisch mein gesamtes Erwachsenenleben in Innenstädten, während des Studiums sogar über einer Kneipe. Ich glaube beurteilen zu können, in welchem Rahmen man auch dort Nachtruhe erwarten darf.)

Vorsichtshalber hatte ich einen Wecker gestellt, da ich mit Herrn Kaltmamsell zu einem kirchweihsonntäglichen Familiengeburtstag eingeladen war. Er weckte mich tatsächlich, doch ich fühlte mich ausgeschlafen.

Marsch zum Bahnhof in trockener, aber sehr kühler Luft. Vom Ingolstädter Nordbahnhof holte mein Bruder uns mit dem Familienauto ab, auf der Fahrt zu meinen Eltern bekamen wir den Beweis aus der Familie erzählt, dass die meisten Unfällen im Haushalt passieren – großer nachträglicher Schrecken über eine lebensgefährliche Situation, Sorge um die Verunfallte.

Reserviert war die Kirchweihgans im Klosterbräu in Bergen (das dortselbst so konsequent “Baring” ausgesprochen wird, dass es sogar so auf Plakaten fürs Dorffest steht) bei Neuburg – der sich als eine ganz entzückende Anlage mit Hotel herausstellte: In die Küche kann man durch Fenster vom Kreuzgang aus schauen, der Innenhof, das ehemalige Refektorium und auch der Rest sind sehr liebevoll hergerichtet. Wir wurden herzlich empfangen und bewirtet: Es gab eine ganze Gans für uns alle, Knödel, Blaukraut und Sauce wurden großzügig nachgeliefert.

Dazu Gespräche über Körperlichkeiten – nicht nur altersbedingt, sondern halt gerade dominant. Aber auch über das Befinden der ausgeflogenen Nifften.

Anschließend fuhren wir über die Ingolstädter Peripherie (die sich in den vergangenen Jahrzehnten so verändert hat, dass ich komplett die Orientierung verlor) zu meinen Eltern.

Meine Mutter hatte zu Kirchweih Auszogne gebacken, die gab es zu Kaffee und Tee (ich passte nach der reichlichen Gans plus Spätburgunder). Mehr Infos darüber, was im Mittelteil passiert war.

Zurück fuhren Herr Kaltmamsell und ich in einem sehr vollen Regionalzug, ergatterten aber beim Aus- und Zustieg von Passagieren am Ingolstädter Hauptbahnhof je einen Sitzplatz (eiserne Regel: den ersten Sitzplatz nehmen, den man sieht, nicht nachdenken). Ich las das aktuelle Magazin fluter. (Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung).

Meiner Meinung eine sehr gute Ausgabe, besonders feiere ich das Titelfoto (Meerschwein!).

Daheim kümmerte ich mich um meine seit zwei Jahren eingetragenen Wanderschuhe, säuberte und fettete sie. Nächste Woche bringe ich sie zum Reparieren, einige Nähte lösen sich.

Eine halbe Stunde Yoga, dann Brotzeitvorbereitung, ich hatte sogar Abendessensappetit: Avocado, Karottenkuchen.

Im Bett neue Lektüre, weil Papierbuch mit Leselicht um den Nacken: Hertha Hurnaus, Gabriele Kaiser, Maik Nowotny (Hrsg.), Maschinenräume. Hinter der Kulisse der Wiener Ringstraße – ein Geschenk des Mitherausgebers. Welch großartige Idee, über acht Jahre die Orte an der Ringstraße zu erforschen, zu besichtigen und zu fotografieren, die man genau nicht sieht, die den Betrieb der sichtbaren aber erst ermöglichen.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 18. Otkober 2025 – Standardsamstag in Herbstfarben, Beifang aus dem Internetz

Sonntag, 19. Oktober 2025 um 7:55

Wunderbar ausgeschlafen, weit über Arbeitsweckerklingeln hinaus.

Bettwäschewaschen, Bloggen, gemütlicher Morgenkaffee, Karottenkuchen mit Frischkäse-Icing gefüllt und bedeckt.

Die Wettervorhersage hatte einen sonnigen Tag angekündigt, ich liebäugelte mit Draußenschwimmen im Dantebad. Doch der 18. Oktober hatte die Nachricht nicht bekommen (oder zu spät, nachmittags kam die Sonne raus), unter bedecktem Himmel fuhr ich lieber ins Olympiabad.

Sag ich doch: Herbstlaub macht alles schöner, auch das schöne Olympiagelände.

Die Schwimmbahnen waren samstaglich mittel beschwommen, ich reihte mich ein und kraulte meine 3.000 Meter recht vergnügt.

Neuer Badeanzug – zum zweiten Mal getragen. Dieser passte jetzt wirklich, nämlich: Das gleiche Modell hatte ich vergangenes Jahr in Türkis gekauft, beim Sport Schuster und mit Anprobieren. Da hatte es sehr stramm gesessen, aber ich dachte: Muss ja so. Als ich ihn dann aber einige Male so richtig beim Schwimmen trug, stellte sich der Grad der Strammheit als unangenehm heraus. Der Griff zum alten Badeanzug zeigte mir lediglich, dass ich wirklich einen neuen brauchte, er war ziemlich ausgeleiert. Und da kam ich auf eine Idee: Ich könnte doch das zu kleine Modell einfach eine Nummer größer kaufen! Das tat ich dann online.

Frühstück… na gut: Mittagessen um halb drei war der restliche Ernteanteil-Endiviensalat mit restlicher süßer Zwiebel, darauf hatte ich mich die ganze Schwimmrunde hindurch gefreut. Und auch diesmal mit Tahini-Dressing, Tipp: Salatdressings mit frischem Zitronensaft profitieren eigentlich immer von ein wenig geriebener Zitronenschale.

Dann noch zwei große Stücke Passion Cake.

Nach Langem erwischte mich mal wieder Chlorschnupfen, heftig und gleich im Anschluss. Da ich lange nicht mehr erkältet war (zwei Jahre?), checkte ich gleich mal den Nasenspray-Bestand: Noch gedeckt.

Über den Nachmittag wurde das Wetter immer schöner.

Ich ging nochmal kurz raus für Einkäufe – und sah gleich vor dem Haus auf der Mauerbrüstung zum Nachbargrundstück einen Marder laufen! Er war so nett, am Ende der Mauer noch ein Momentchen stehen zu bleiben und sich nach mir umzugucken, so war ich ganz sicher (weißer Bauch, zierliches spitzes Köpfchen).

Zum Aperitif Martini mit X-Gin (mit Kakaobohnen- und Gewürznelken-Würzung), meine aktuelle Lieblingsversion.

Als Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell Quitten und Ernteanteil-Aubergine mit Lammschulterstücken im Römertopf kombiniert.

Sehr gutes Abendessen (erster Einsatz von schwarzen getrockneten Zitronen, eine interessante Note). Nachtisch Süßigkeiten.

§

Mek erzählt, wie er als Südtiroler Scheidungskind seine Heimat besucht.
“Fr, 17.10.2025 – Dorf des Vater, Fahrstil”.

§

Sie erinnern sich an Gary Larson? Ja?
1. Sie sind alt.
2. Sie freuen sich über die Nachricht, dass er wieder ein bisschen zeichnet.

§

Da schau her: Gestern war Weltmenopausentag. Ich feierte mit @justbeingmelani und ihrem
We do not care club.
“We are having a staff meeting. Leave us the hell alone.”

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 17. Oktober 2025 – Frauenformen in Wanderausrüstung

Samstag, 18. Oktober 2025 um 9:05

Unwillig vom Wecker geweckt worden, ich hätte gerne länger geschlafen (WEHE ich wache am Samstag von allein zu Arbeitstagzeiten auf!). Fassungslosigkeit, dass das noch nicht mal eine Woche seit Urlaubsende war.

Selbstaufmunterung: Ich hatte eine kleine Styling-Idee, inspiriert von der TV-Serie Mad Men.

Halstücherl! An meiner Kiste mit Tüchern bediene ich mich fast nie. (Hoffentlich mag ich das Foto oben nicht nur, weil ich darauf schlank und langbeinig wirke.)

Herbstlaub macht alles schöner, auch das Bauloch in der Ligsalzstraße (beim Abriss wurde das Nachbargebäude beschädigt, seit zwei Jahren steht alles still).

Am Schreibtisch Mittelunangenehmes – es war eher struktureller Ärger, der mir auch gestern am fünften Tag in Folge Stress-Kopfschmerzen bereitete: Ibu wie Smarties, dazu bleierne Müdigkeit.

Meinen Mittagscappuccino nahm ich im Haus, ging dann auf Frischluft-Runde um den Block inklusive schnellem Discounter-Einkauf (damit ich nach der Arbeit möglichst bald daheim war und Zeit zum geplanten Kuchenbacken hatte).

Nach weiteren Anstrengungen gab es köstliches Mittagessen: Granatapfelkerne mit Joghurt, frische kleine Feigen.

Mit Mühe den Arbeitsnachmittag hinter mich gebracht. Andere beenden die Arbeitswoche erfolgreich mit freigegebenen Konzepten oder Weltfrieden, aber ICH! schickte zuletzt den 1-Stunden-Termin raus, um den ich 5 Tage lang zwischen 4 Teilnehmenden gerungen hatte (Jubel aber erst, wenn er tatsächlich stattgefunden hat).

Herbstlaub macht alles schöner, auch den ohnehin schönen Blick aus meinem Büro.

Heimweg ohne Umwege, dort buk ich unter Beteiligung von Ernteanteil-Karotten nach Jahren mal wieder englischen Passion Cake. Während er im Ofen war, turnte ich Yoga. Dann aber endlich Wochenende!

Herr Kaltmamsell hatte Lime Juice gefunden und rührte Gimlets (der klassische Rose’s Lime Juice ist englisch und nach Brexit schwierig zu bekommen). Die Quitten sind Deko, haben aber eine Geschichte: Meine Quittenfee tauchte dieses Jahr zerknirscht auf – der Baum sehe ganz schlecht aus, es gebe nur wenig Ernte. Von der bekam ich aber ab, und zwar diese duftenden Früchte.

Die beiden kleinen Hokaidokürbisse aus Ernteanteil verarbeitete Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch zu Kürbis-Salat mit Pilzen und geschmorten Äpfeln – eines unserer Standard-Kürbisrezepte. Kürbis muss niemand mögen, doch ich wundere mich ein bisschen über Leute, denen zu Kürbis nur Suppe einfällt: Die gibt es bei uns seit Jahren nicht mehr, weil wir so viele interessantere Verarbeitungsformen kennen – und sei es nur geröstete Kürbisspalten aus dem Ofen.

Köstlich! Dazu im Glas ein Pouilly-Fumé Elisa. Nachtisch Süßigkeiten, dazu eine Folge Mad Men – die mich in dieser dritten Staffel allerdings immer weniger interessiert.

§

Antrag: Wenn meine neuen Wanderstiefel (<3<3<3) von Hanwag “Tatra Lady” heißen, möge die Nicht-Lady-Version künftig “Tatra Sir” benannt werden.

ODER! Die bisherigen Standardversionen von Kleidung, Schuhen, Wanderausstattung werden “Bär” genannt, die bislang als “Lady” gekennzeichneten neu “Gemse”. Dann finden vielleicht auch zierliche Männer gleich etwas wirklich Passendes (breiter konstruierte Frauen greifen schon länger zu den Männer-Versionen).

So fing mein Gedankengang an, über seine Diskussion auf Mastodon erfuhr ich allerdings, dass es gerade bei Sport- und Trekking-Ausrüstung echte Fortschritte gibt, die auf tatsächlich weibliche Anatomie (grobe Muster, Individuen immer speziell) Rücksicht nimmt.

Erstmal das Negativ-Beispiel Laufschuhe:
“There’s a ‘critical’ design flaw in women’s running shoes, warn scientists”.

via @sista_ray

Meine erste Begegnung mit dem “‘shrink it and pink it’ approach”: Nimm das an Männern getestete Männer-Modell, mach es einfach kleiner und rosa – das berücksichtigt genau nicht die durchschnittlichen Bedürfnisse und anatomischen Gegebenheiten von Frauen.

Der Schweizer Ausrüster Bächli hat in seinem Kundenmagazin die aktuellen Entwicklungen von Anbietern im Bergsport zusammengefasst, inklusive Illustrationen von (durchschnittlichen) anatomischen Unterschieden:
“Pink it and shrink it?”

via @fraubruellen

Das erklärt, warum ich seinerzeit beim Durchprobieren von Tagesrucksäcken fürs Wandern bei einem “Damen”-Modell von Deuter landete, es ist tatsächlich angepasst. Allerdings finde ich den Brustgurt noch verbesserbar, für optimale Kraftverteilung müsste er bei mir tiefer sitzen, doch da wird er unangenehm. Für Frauen mit Brüsten müsste man vielleicht ganz anders denken (zwei Riemen über Kreuz?).

Was allerdings, und damit komme ich zurück zum Eingangsgedanken, nichts an meiner Bitte ändert, die Frauenversion nicht mit “Lady” zur Abweichung von der (selbstverständlich männlichen) Norm zu machen, sondern die Männerversion halt dann “Sir” zu nennen.

§

Bissken PEPP! ins Büro bringen. Zum Beispiel mit
Corporate Goth

via @kid37

§

“Lifegoal: So leben, dass zuletzt alle traurig und froh für mich sind.”

die Kaltmamsell