Journal Samstag, 29. August 2026 – Wie man einmal am Viktualienmarkt richtig nett zu mir war / Wandern von Gauting über Starnberg nach Possenhofen

Sonntag, 30. August 2026 um 9:20

Okaye Nacht, aber müde aufgestanden – zumindest zum versprochenen wolkenlosen Sonnenschein mit kühler Luft, zu kühl für Morgenkaffee auf dem Balkon. Was wiederum wunderbar zu meinen Wanderplänen passte (Herr Kaltmamsell musste wegen doofer körperlicher Unpässlichkeit passen).

Erstmal kümmerte ich mich ums Brotbacken. Der Teig fürs Roggenmischbrot 70/30 entwickelte mords Aktivität, ich befürchtete bereits Übergare und Flachbrote mit Wasserrand.

Ging im Ofen aber nochmal auf –

und erwies sich beim Anschnitt am Abend als sogar besonders fluffig.

Vor Aufbruch zum Wandern ging ich auf eine kurze Einkaufsrunde zum Viktualienmarkt: Ich wünschte mir nach dem Wandern zum Abendessen eine Brettlbrotzeit, dann halt daheim, und für Exotisches wie Presssack zwingt mich das Metzgersterben der vergangenen Jahre in der Innenstadt zur Metzgerzeile.

Aufstieg ans Sendlinger Tor.

In der Metzgerzeile konnte ich meine Einkaufsliste leerkaufen, und wenn ich schonmal da war, schaute ich auch nach einem Gartenblumenstrauß.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich kein gutes Verhältnis zum Münchner Viktualienmarkt habe: In meinen ersten München-Jahren hat man mich einmal zu oft ‘pratzelt (Hochdeutsch: übers Ohr gehauen), und in den vergangenen Jahren gibt es immer weniger interessante Stände, der Markt wird wie seine internationalen Pendants Boqueria in Barcelona und Borough Market in London von der Quelle für gute und saisonale Zutaten immer mehr zur Snackeria für Touristen. Und das zu den legendär absurden Preisen, die auf dem Viktualienmarkt aufgerufen werden (gestern kam ich an Renekloden mit Preisschild 16,99 Euro fürs Kilo vorbei).

Doch ich fand das Standl einer lokalen Gärtnerei (auf der Freifläche ohne hölzerne Hütten – dorthin gehe ich eh noch am ehesten auf der Suche nach saisonalem Obst und Gemüse), daran viele Kübel mit frischen Astern in Rosa- und Lilatönen, hier stellte ich mich hinter die eh nur zwei Kunden vor mir. Und bekam ein so charmantes Viktualienmarkt-Erlebnis wie noch nie. Nach mir kam erstmal niemand, Herr Standler und Frau Standlerin konzentrierten sich ganz auf mich.

Gebunden war erst ein Asternstrauß, weil ich doppelt so viele wollte, band mir Frau Standlerin meinen frisch: “I tua Eana des ganze Grüne glei weg, des is doch sonst immer so a Sauerei in da Küch.” Und wir plauderten, über ihre Freude, hier mit ihrem Onkel zu arbeiten, über die schönen Astern, die dieses Jahr wegen der Hitze nicht so hoch wuchsen wie sonst, über Anbau und Wetter. Während mein Asternstrauß sorgfältig und mit Hingabe gebunden wurde, kam eine greise Kundin hinzu und schaltete sich ein, fragte nach Details der Standl-Arbeit seit Jahrzehnten, bekam gutmütge Antworten, es wurde mit einem Passanten über die Schönheit von Standler*innen und Kundschaft gescherzt.

Resultat: Ich bekam einen mächtigen, wunderschönen Strauß Astern, in den Herr Standler noch eine Karotte steckte, ein paar beim Binden abgefallene Asternköpfe (“Kenna’S in ara Schale tua.”) eigens in Zeitung eingewickelt und den Abschiedsgruß “Beehren’S uns bald wieder!”, der von Herzen klang. Ich war völlig verwirrt. (Und plane tatsächlich einen baldigen gezielten Einkauf dort.)

Als Wanderziel wünschte ich mir die Strecke Gauting-Starnberg, die ich noch nicht aus dem Hochsommer kannte, mit Erweiterung Prinzenweg nach Possenhofen. Zur passenden S-Bahn nach Gauting schaffte ich es nach Abladen meiner Einkäufe nur durch zackigen Marsch; die paar Minuten Verpätung kamen mir grad recht. Merke: Wenn in der MVG-App “München Hauptbahnhof, Gleis 2” angegeben ist, handelt es sich um den S-Bahnhof im Untergeschoß; die Gleise des südlichen Flügels Holzkirchner Bahnhof starten bei Nummer 5.

Das Wanderwetter war perfekt mit Sonne und lediglich milder Temperatur. Dennoch suchte ich auch gut sonnengecremt den Schatten. Der Körper beschwerdefrei, die Landschaft sonnenbunt. Dennoch dauerte es diesmal sehr lange, bis mir das Wandern half runterzukommen, eigentlich spürte ich erst in der letzten Stunde ab Starnberg die ersehnte Leichtig- und Fröhlichkeit.

Dieser GPS-Track führt ja erstmal eine ganze Weile durch Gauting selbst, hat mir ganz bezaubernde Schleichwege verraten.

Man kreuzt ein paarmal die Würm auf Holzbruckerln. Auf einem blieb ich stehen und suchte in der Würm nach Fischen (erfolgreich), als eine andere Bruckerl-Guckerin mir zurief: “Da sitzt ein Eisvogel!” Ich folgte ihrer ausgestreckten Hand und sah ihn von einem Ast auffliegen. Wie wunderbar! Ich dankte herzlich – so macht man das nämlich, man gibt besondere Sichtungen weiter (ich war verunsichert gewesen, weil ich schon mehrfach irritierte Blicke darauf geerntet hatte).

Reismühle

Verzauberter Weg entlang der Würm. Ich sah eine Weile einer Wasseramsel zu, die an einem bemoosten Ast herumpickte, dabei entzückend knickste.

Weg von der Würm Richtung Leutstetten, erster Blick auf den Starnberger See, einst Würmsee.

Nach gut zwei Stunden erstes Ausruhen auf einem Bankerl an der Villa rustica; Appetit hatte ich noch keinen. Über den Wiesen hörte ich erst und sah dann zwei Bussarde Thermik-kreisen.

Unterführung nach Perchta, am Uferweg nach Starnberg.

Hier war reger Besucherverkehr, aber noch weit vor Überlaufenheit. Dennoch bekam ich für meinen verspäteten Mittagscappuccino keinen Platz am Tisch (zugegeben: weil ich mich nirgends dazusetzen wollte).

Hoch zum Prinzenweg, Blick zurück auf Starnberger See im Sommerlicht.

Brotzeitblick, kurz nach drei setzte ich mich zur großen Pause. Die geschenkte Karotte hatte ich gleich eingesteckt; eigentlich vertrage ich seit einiger Zeit rohe Karotten nicht und bekomme Bauchweg davon, doch in meinem Grant beschloss ich, es einfach nochmal zu probieren. Wenn ich davon Bauchweh bekam, geschah es mir gerade recht, und der Hunger wäre trotzdem weg, und wenn nicht – umso besser. Ich greife vor: kein Bauchweh, ich könnte es also mal wieder versuchen. Außerdem aß ich mitgebrachte Mango mit Sojajoghurt.

Prinzenweg

Nach den Birkengeschwistern, die mir vor vielen Jahren beim ersten Vorbeiwandern von der Maisinger Schlucht aufgefallen waren, hielt ich gezielt Ausschau: Sie wirkten sehr krank, wie so viele Birken dieses Jahr. Dabei wirkte die Landschaft, durch die ich gestern wanderte, gar nicht ausgedörrt.

Nach knapp fünf Stunden Wanderung kam ich am S-Bahnhof Possenhofen an. Einige durchgesagte Zug-Ausfälle (Weiche, Stellwerk, Diesdas), doch nach einer halben Stunde Warten fuhr mich eine zurück nach München. Ich fühlte mich gut durchbewegt und angemessen körpermüde.

Zu Hause Räumen, Körperpflege, bis Herr Kaltmamsell von letzten Einkäufen zurück kam. Wir einigten uns als Alkohol des Abends auf Cuba libre, der mich wieder beim ersten Schluck in mein Jugend-Spanien beamte.

Den Abendessenstisch deckte ich mit einem Teller verschiedener Käsen, einem Teller Pressack rot und weiß, Schweinskopfsülze, schwarzgeräuchertem Schinken, frischem Brot, Butter, Tomaten. Sehr gutes German Abendbrot.

Abendunterhaltung: Die Dolly-Parton Doku “Everybody’s Darling” in der arte-Mediathek.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 28. August 2026 – Von bacherlwarm bis fröstlig, mit Lerchenschwumm

Samstag, 29. August 2026 um 7:52

Eine gute Nacht, bei früherem Weckerklingeln war ich eigentlich noch nicht damit fertig.

Durch die offenen Fenster und Türen kam bacherlwarme Luft herein, ich setzte mich für meinen Morgenkaffee auf den Balkon ins Dunkle.

Am Dantebad standen deutlich mehr Menschen an als an meinen bisherigen montäglichen Lerchenschwümmen.

Blick links aufs 50-Meter-Becken, rechts das Sprudelbad.

Tatsächlich war auf den beiden Schwimmbahnen auch durchgehend mehr los. Ich ärgerte mich über eine Rückenschwimmerin auf der Nebenbahn, die nicht auf ihrer Bahn blieb, sondern mir beim Schwimmen mit ihrer linken Hand in den Bauch boxte. Das dritte Mal machte mich so böse, dass ich ihr auflauerte und ebenfalls rübergriff, an ihren Rücken fasste. Auf mein dreimaliges lautes “AUA!” hatte sie davor nicht reagiert, davon erhoffte ich mir mehr. Tatsächlich war sie dann weg.

Schnelles Fertigmachen in der Umkleide, reibungsloser Arbeitsweg mit schnellem Anschluss, ich stempelte noch früher ein.

Schnelles Losarbeiten, ich hatte nichts verpasst. Nach langem mal wieder: Symptome von Chlorschnupfen, hatte ich sehr gar nicht vermisst.

Auf meinen Mittagscappuccino ging ich in überraschender Hitze und durch überraschend völlig leere Straßen.

Kurz darauf kam ein kleiner Regen durch, nachmittags wurde es ernsthaft regenfinster, und es regnete so richtig. Zu Mittag gab es Mango (Erntebeginn bei Crowdfarming, und auch diesmal hatte ich die Langfaser-Textilsorte an Mangos erwischt – oder kann man die Fasrigkeit mit einer bestimmten Nachreifmethode verhindern?) mit Sojajoghurt, außerdem die Anteile Flachnektarinen, die sich nicht für Schimmeln statt Nachreifen entschieden hatten.

Freitäglich pünktlicher Feierabend, der Regen hatte die Luft massiv abgekühlt: In Sommerkleidchen und Sandalen war sie fröstlig. Außerdem fühlte ich mich unangehm gereizt. Freitagabend- und Wochenendeinkäufe beim Vollcorner, schwer mit Schwimmzeug und Lebensmitteln bepackt ging ich nach Hause; zumindest brauchte ich keinen Regenschirm.

Daheim Sauerteig für samstägliches Roggenmischbrot angesetzt, bevor ich eine Folge Yoga turnte (darin mittlerweile erwartetes Scheitern an crow pose UND half moon, aber im Kopf machte ich sie beide mit).

Zum Nachtmahl gab es nach Langem mal wieder Kuh auf Wiese: Ich hatte ein dickes Entrecôte besorgt, das Herr Kaltmamsell briet, dazu gab es Ernteanteil-Salat und -Tomaten. Vorher rührte der Herr einen Manhatten Dry, dazu öffnete ich eine Flasche mallorquiner Rotwein Binigrau.

Der Alkohol tat mir gut und besänftigte endlich die Gereiztheit. Nachtisch Süßigkeiten aus der sich leerenden Kiste, doch ich hatte absichtlich noch nicht nachgekauft, um meine Süßkram-Eskalationen ein wenig einzuschränken. Schönes Plaudern mit Herrn Kaltmamsell. Früh sehr müde und betrunken zu Regenrauschen ins Bett.

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Unser Kartoffelkombinat in der Frankfurter Rundschau – ich freue mich sehr, dass manche mich so eng damit verbinden, dass sie mich darauf hinwiesen, danke!
“Kartoffelkombinat versorgt 2.500 Münchner Haushalte”.
(Aber auch bei der Frankfurter Rundschau: Kletternde Thermometer. Vielleicht wohnen die in Zeitungsverlagen?)

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@heibie beschreibt in seinem Blog ein schönes Münchner Projekt, was man mit Parkplätzen in Großstädten noch so machen kann (außer Sitzplätzen und Bäumen).
“Stelzenhaus, Essen auf Rädern und Reacher”.

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Nochmal Dolly Parton, heute geht es um die unerwarteten unter ihren Liedern. Kennen Sie zum Beispiel diesen “PMS Blues” von ihr? Live-Aufnahme von 1994 mit johlendem Publikum, jede Textzeile pures Gold.

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https://www.youtube.com/watch?v=IsB9jG8rVHo

Aus der Reihe hier im Guardian mit weiteren großartigen, aber weniger bekannten Songs, die ein genaues Hinhören auf den Text verdienen.
“Backwoods Barbie and the ‘God almighty’ PMS Blues: Dolly Parton’s 10 best deep cuts”.

via Herr Kaltmamsell

Oder wie Margarete Stokowski im Spiegel nachruft (€):
“Sie hätte das kommunistische Manifest schreiben können, aber Karl Marx nicht »9 to 5«”.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 27. August 2026 – Endlich Hirschgarten

Freitag, 28. August 2026 um 6:10

Herr Kaltmamsell und ich führen ja seit einiger Zeit eine Liste (er auch physisch) von Unternehmungen, die nur bei Sommerwetter funktionieren, und auf der sind dieses Jahr erstaunlich viele noch nicht unternommen, wenn man die bisherige Länge und Intensität des Sommers bedenkt.

Okaye Nacht, ich fühlte mich aber nicht ausgeschlafen. Freude allerdings über die frische Zimmertemperatur, die mir Einmummeln in die (ganz leichte) Sommerdecke erlaubte.

Die Morgenröte rutscht langsam zurück hinter St. Matthäus; im Höchstsommer findet sie einige Wochen links außerhalb meines Blickfelds statt.

Trotz Morgenfrische marschierte ich jackenlos ins Büro; es waren 30 Grad für den Tag angekündigt, die wollte ich nicht durch Jackenrumschleppen belasten.

Emsiger Vormittag, ich war trotz Augustruhe nützlich.

Mittagscappuccino unweit vom Markt am Georg-Freundorfer-Platz, anschließend aber wieder kein Käsekauf auf dem Markt, weil der Stand immer noch urlaubsabwesend war. Die Luft war bereits deutlich sommerlich, zu unangenehme Sonne aber durch Schleierwolkenfilter verhindert.

Mein Mittagessen bestand aus Nektarinen, Aprikosen, Renekloden, außerdem Skyjolei.

Nachmittag Online-Seminar mit einigen Erkenntnissen, kurz vor Feierabend kratzte ich nochmal meine Konzentration für einen Querschuss zusammen.

Direkter Weg nach Hause in schwülwarmer Luft unter dichten Wolken: Ich war mit Herrn Kaltmamsell zum Abendessen im Hirschgarten verabredet, diesen Punkt von unserer Sommerunternehmungsliste hatten wir noch nicht durchgenommen. Trotz der Schwüle zeigte der Regenradar weder Gewitter noch Niederschlagsgefahr an, ich verließ mich darauf.

Wir nahmen eine Tram raus zum Hirschgarten, und zu meiner großen Freude wurde sogar Steckerlfisch angeboten – hatte ich unter der Woche wirklich nicht erwartet. Die Makrele war auch noch frisch gegrillt und saftig!

Ausschenker an der Bierschänke auf die Frage eines Herrn, ob es auch Halbe gebe: “Naa. Mir san a Biergarten, koa Kindergarten.” (Gibt es im Hirschgarten natürlich schon, aber an Ausgaben, wo man auch andere Getränke bekommt.)

Hirsch bei der Arbeit.

Blasmusik gab es auch, sogar besonders gute und leicht unkonventionelle (Blas & Band, gleichmal notiert, man weiß ja nie, wann man mal eine anständige Musi braucht) – ein Stück nur knapp am Pasodoble vorbei.

Medienmix auf den Notenständern.

Sehr satt von der Tram nach Hause geschaukelt worden. Dort wirbelte ich noch ein einige Zeit Vorbereitungen für Freitag, ich wollte ein weiteres Mal vor der Arbeit Schwimmen.

Ein wenig Süßigkeiten als Dessert.

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Nochmal Dolly Parton – und ich freue mich sehr darüber, wie viele Menschen jetzt überrascht merken, dass sie großartig war.

1977 interviewte Barbara Walters Dolly Parton – zwei Welten trafen aufeinander. Und es war nicht etwa die toughe und erfahrene Reporterin, die dabei gut wegkam. Communication Coach Alexander Lyon analysiert, warum das so ausging und was man hier von Dolly Parton lernen kann.

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https://youtu.be/dwtzw0s-5BI?si=im7ZZi78VnvB9Qr6

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Auch Tim Curry ist mit 80 Jahren gestorben (für mich weniger überraschend, ich wusste um seinen Schlaganfall 2012 und seinen schlechten Zustand).

Sein Dr. Frank N. Furter in der Rocky Horror Picture Show hat mich als Teenager tief geprägt: Dass ich Tim Currys ganz konkrete Darstellung nicht im geringsten als unmännlich empfand, wird mir erst jetzt bewusst (RRRRRRRrrrrr). Extra Applaus für das Make-up von Pierre La Roche (und für Costume Designer Sue Blane).

Deswegen empfehle ich auch Ihnen den intensiven Genuss hiervon:

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https://youtu.be/ZCZDWZFtyWY?si=9alJBhwFJK6VHwa0

(Warum war ich eigentlich nur einmal bei einer Vorführung in den Münchner Museum Lichtspielen? Und das vor 40 Jahren? Wobei ich die Musik zu dieser Zeit bereits komplett auswendig konnte, der Soundtrack hatte es über meine damalige Freundin Andrea längst in mein Jung-Mädchen-Zimmer geschafft. Und wie viele Altersgenoss*innen habe auch ich eine Schul-Geschichte: Wie wir unsere – feine, elegante frankophile – LK-Englisch-Leistungskursleiterin dazu brachten, den Film mit uns anzuschauen, ca. 1985. Uns an ihrer kompletten Entgeisterung ergötzend.)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 26. August 2026 – National treasure Dolly Parton

Donnerstag, 27. August 2026 um 6:22

Endlich mal wieder eine gute Nacht mit spürbar tiefen und langen Schlafphasen.

Aufgestanden zu Regentröpfeln und Kühle, doch bereits auf dem Weg in die Arbeit (in Turnschuhen, nicht Sandalen) wurde die Luft zwischen den vereinzelten Regentropfen langsam wärmer.

Emsiger Arbeitsvormittag, ich konnte mein Gehalt wert sein.

Mittags zum Sanitätshaus gehuscht, um endlich mein Rezept für neue orthopädische Einlagen einzulösen. Jetzt brauchte ich schon keine Jacke mehr. Bei dieser Gelegenheit zum Mittagscappucino abgebogen: Wegen langer Schlange weitergebogen zu einer selten genutzten Quelle.

Was mich freute: Es wachsen mir Ideen für den Bloglesungstext.

Zu Mittag gab es Banane, Zuckeraprikosen, rote Aprikosen, Renekloden (so gut!), außerdem Skyjolei.

Geordneter Arbeitsnachmittag, auf dem Heimweg war es fast schon sommerlich warm.

Zu Hause Yoga, wieder sportlich. Vor dem Abendessen war noch Zeit, ich setzte mich auf den Balkon zum Lesen.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell einen Quiche-Teig aus der Gefriere aufgebraucht für eine Gemüse-Quiche.

Sehr gut! Nachtisch Süßigkeiten, Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, beschienen durchs offene Fenster vom Vollmond am Sommernachthimmel.

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Dolly Parton war eine Jahrhundert-Begabung, sowohl als Musikerin als auch als echter Mensch.
Die Social-Media-Kanäle, in denen ich lese, waren und sind voll von Trauerbekundungen – in einem Maß und einer Breite, wie ich es noch nie erlebt habe. Niemand in den USA kam dem Status national treasure wohl näher als Dolly Parton – und hatte es sich verdient.

Mir ist am stärksten in Erinnerung geblieben, wie sie in einem Interview die Frage beantwortete, woher ihr Look eigentlich kam. Da erzählte sie, dass es in der verlassenen und bitterarmen Gegend Pittman Center, Tennessee, in der sie groß wurde, eine Frau gab, deren auffallende Aufmachung sie als kleines Mädchen unendlich bewunderte: Laute Farben, Glitzer, kurze Röcke, hohe Schuhe, riesige Haare. Dass man ihr erklärte, das sei die town tramp, die Dorf-Nutte, hinterließ genau gar keinen Eindruck: Genau so wollte sie einmal aussehen, fertig.
Diese Offenheit und diese selbstgewisse Subversivität bewunderte wiederum ich an Dolly Parton bis zuletzt.

Deshalb als meine Verneigung:

Dolly Parton Breaks Down 11 Looks From 1975 to Now | Life in Looks | Vogue

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https://youtu.be/ohvN75BaY1I?si=RX0YhyiFJMQmM_cp

Zudem ein ausführlicher Nachruf auf die Musikerin Dolly Parton im Guardian:
“Dolly Parton’s peerless career turned country music cliches inside out”.

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Künstlerin Katja Kelm hat in Hamburg einen Vortrag über ihre vier letzten Arbeitsgruppen gehalten und wie sie entstanden sind. Freundlicherweise hat sie ihn zusätzlich aufgenommen.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/z9VNJjaLRCU?si=lpg9WEoSuKwL5G7G

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 25. August 2026 – Unterschätzte Regenkühle

Mittwoch, 26. August 2026 um 6:24

Von keinem der vielen Zwischenaufwachen fühlte ich mich wirklich gestört, freute mich sogar beim Blick auf die Uhr, wie viel Zeit noch bis Weckerklingeln vor mir lag. Doch als er klingelte, war ich unterschlafen und gerädert.

Düsterer Himmel, kalte Luft. Ich schlüpfte dennoch in ein kurzärmliges Kleid und in Sandalen. Letzeres erwies sich über den Tag als zu gewagt, für obenrum hatte ich wenigstens meine Jeansjacke.

Der Arbeitsvormittag war ausreichend geschäftig, doch ich merkte die ruhige Ferienzeit. Draußen setzte Regen ein und blieb fast bis Feierabend, vor allem wärmte der Tag nie über 17 Grad.

Ärger mit Online-Kauf: Ein Pulli sollte am Montag von DHL geliefert werden, ich hatte den Lieferweg ab Bestellung mitverfolgt und um Ablegen vor der Tür gebeten. Doch auf die Nachricht “Sendung kommt heute” folgte “wird zurückgesendet”: Angeblich war ich unter der Lieferadresse (an der ich seit 27 Jahren wohne, an die DHL erst am Freitag zuvor ein Paket geliefert hatte) nicht zu finden. Also hatte ich am Montag eine Alarm-Mail an den Versender geschrieben, vereinbarte gestern erneute Zusendung – die hoffentlich klappt. Zum einen kann ich diesen Pulli wirklich gut brauchen, zum anderen will ich nicht schon wieder auf den bereits bezahlten Lieferkosten sitzen bleiben.

Die Last des Seins: Gestern war ich gereizt UND missgünstig gestimmt, was zu (inneren) gehässigen Reaktionen auf praktisch alles an den Menschen um mich herum führte – logische Konsequenz verstärkter Selbsthass, denn so will ich wirklich nicht sein, eigentlich sollte überhaupt niemand so sein.

Die Mittagszeit nutzte ich für eine U-Bahn-Fahrt zum Café Fausto: Espressobohnenkauf plus Mittagscappuccino. Unterm Regenschirm waren die Fußwege deutlich weniger idyllisch als auch schonmal, und weil ich dreimal 10 Minuten auf U-Bahnen/Anschlüsse warten musste, dauerte meine Abwesenheit deutlich länger als geplant; nächster Einkauf lieber wieder nach Feierabend. Zumal ich keine Zeitung dabei hatte, gestern war mein Exemplar nicht zugestellt worden, ich musste irgendwas im Internet lesen. Und hatte in meinen Sandalen kalte Zehen.

Aber ich bekam meinen Mittagscappuccino aus einer besonders schönen Tasse.

Mittagessen Banane, Zuckeraprikosen, rote Aprikosen, überreife Renekloden, außerdem Skyjolei. Das Loch vom ehemaligen Backenzahn fühlt sich bereits fast völlig verheilt an, doch ist mir beim Kauen seine Abwesenheit sehr bewusst: Sein unterer Gegenpart mahlt ins Leere. Ich bin immer noch nicht darüber hinweg. Zumal ich jetzt sogar einen Zahn weniger als Herr Kaltmamsell im Mund habe, wo er doch der mit den legendär schlechten Zähnen ist und ich die mit den guten bin!

Auf dem Heimweg kam ich auf den Gedanken, mir vielleicht doch ein Implantat für diesen Zahn zu leisten: Er könnte durch seine Unkaputtbarkeit eine Art Poller für die andere Zähne darstellen. Wenn ich den Backenzahn kaputtgeknirscht habe, liegt er auf der Knirsch-Betroffenheit ganz weit vorn. Wenn an dieser Stelle etwas weniger Empfindliches sitzt, kommt nicht gleich der nächste dran?

Der Regen hatte jetzt aufgehört, die Kälte war geblieben. Ich marschierte zügig, um in meinen Sandalen nicht zu frieren, besorgte unterwegs Milchprodukte beim Vollcorner.

Zu Hause Yoga, wieder angenehm anstrengend: Das 30-Tage-Programm “Move” von Adriene ist derzeit genau das richtige.

Der frische Ernteanteil war aufgegessen, Herr Kaltmamsell bereitete aus getrockneten Schwarzen Bohnen eines länger zurückliegenden Ernteanteils mit zugekauften Auberginen (immer ein Liebling) Abendessen. Sehr gut.

Das wichtigste aber: Herr Kaltmamsell probierte Dutch Baby aus, also Yorkshire Pudding in Süß mit Tahini-Sahne und Beeren.

Frisch gebacken und ungefüllt.

Gefüllt. Hatte deutlich mehr von Mehlspeise als von Dessert, schmeckte aber gut – ich mag aber auch Yorkshire Pudding.

Erschütterung beim Tagesschau-Gucken: Nachricht vom Tod Dolly Partons – es gibt niemand Vergleichbares, wie ungeheuer traurig. Die Welt brauchte sie doch im Moment ganz besonders.

Früh ins Bett zum Lesen.

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Eine besondere Anekdote von Gaga zur angeblichen Unsichtbarkeit nicht mehr junger Frauen.
“30. Juli 2026”.

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Den instagram @womaninstreet bespielt gerade eine bemerkenswerte Fotografin: Corna Fean, @cornafeanlynam. Sie erfasst besonders intensiv Spiegelungen (die mich sonst in Street Photography ehrlich gestanden mittlerweile als manieristisch nerven), hier ihre erste Serie aus Dublin, im Text dazu erklärt Conra auch ihre Faszination mit Spiegelungen und Überlagerungen.

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Ein zeitgenössischer Loriot-Jünger (“Das Bild hängt schief”).

die Kaltmamsell

Journal Montag, 24. August 2026 – Aber Lerchenschwumm

Dienstag, 25. August 2026 um 6:26

Nach guter Nacht (ich fürchte, Ohrstöpsel plus geschlossene Fenster sind mittlerweile Voraussetzung für Ruhe) etwas früherer Wecker: Schwimmpläne vor der Arbeit. Allerdings fühlte ich mich überraschend müde.

Doch Schwimmen im Dantebad war so glorios wie erhofft: Die Sonne stieg am wolkenlosen Himmel langsam über das Wirtschaftsgebäude (Thermometer über Sprudelschnecke hatte bei Schwimmstart 16 Grad angezeigt) und verglitzerte immer größere Teile des Beckens, die Bahnen wurden zunächst mittelrege genutzt, auf den letzten 1.000 meiner 3.000 Meter hatte sich selbst dieser Verkehr gelichtet. Ich schwamm leicht und flüssig, verließ das Wasser hoch erfrischt. Gut gelaunte Körperpflege, nahtlos passende U-Bahnen verhalfen mir zu einem Einstempeln um 09:22 Uhr.

Im Büro erstmal alles bis dahin angefallene weggewirbelt. Dann Längerfristiges geordnet angegangen – Schwimmbeseeltheit führte zum Gefühl: So lange ich noch nicht mit Kolleg*innen gesprochen habe, ist das Wochenende noch nicht ganz vorbei. Was leider geblieben war: die Müdigkeit.

Das Wetter war herrlich: sonnig ohne Hitze. Mittags genoss ich das Draußen bei einem Marsch um die Blöcke.

Zum späten Mittagessen gab es Ernteanteil-Gurke, Hüttenkäse, Birnen (die auch eine Woche nach Kauf nicht nachgereift waren).

Auf dem Heimweg war das Wetter immer noch sehr angenehm; ich ging über Obsteinkäufe beim Süpermarket Verdi.

Zu Hause eine längere Folge Yoga.

Fürs Nachtmahl hatte sich Herr Kaltmamsell davon inspirieren lassen, dass Ernteanteil-Kartoffeln übrig waren, es noch einen Rest Frischkäse gab und er beides zu Kartoffelpü kombinieren wollte (plus Kräuter, da gibt es wohl einige Rezepte). Dazu brauchte es natürlich etwas als Hauptsache: Herr Kaltmamsell entschied sich für Hackbraten, und dabei für ein englisches Rezept mit eingearbeitetem Spinat. Das Ergebnis war rundum wohlschmeckend, frischer Thymian und Basilikum machten sich ausgezeichnet im Pü, der Spinat sehr gut im würzigen Hackbraten.

Nachtisch einige überreife Renekloden mit Buttermilcheis. Und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, das neue Granta 176: American Berserk war eingetroffen – mal sehen, was ein Literaturmagazin aus dem aktuellen Elephant-im-Porzellanladen-tum herausholt.

§

Hier gab es schon viel zu lange nichts mehr vom Gott des Hula Hoop, Daniel Middel – er kann auch Klassik!

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 23. August 2026 – Rückreise vom Westerwald / Amal El-Mohtar, Max Gladstone, This Is How You Lose the Time War

Montag, 24. August 2026 um 5:57

Auf dem sehr komfortablen Gästebett der Freunde im Westerwald nicht so lange geschlafen, wie ich hätte können. Dafür mit viel Zeit für Morgentoilette und Vorbereitung des Blogposts.

Überraschender Nebelblick, laut Gastgebern der erste solche der Saison.

Wir hatten noch Frühstückszeit, bekamen mehr vom spannenden Haus gezeigt und aus seiner Geschichte erzählt. Es gehört sogar ein Poolhaus dazu! (Ich kenne Leute mit Poolhaus.) (Auch wenn ich ihnen die Bezeichnung erst beibringen musste.)

Zeit für Abschied, wir wurden zum Bahnhof Au (Sieg) chauffiert.

Mit Legende-tauglicher Gleisnummerierung. Abschied mit vielen Umarmungen und mit vollem Herzen.

Unsere Rückfahrt enthielt einen zusätzlichen Umstieg – zusätzliches Risiko, doch wir waren beide gelassen, hatten gestern eh nichts mehr vor und genug Beschäftigung bei uns.

Der Abschnitt Siegburg-Frankfurt wurde spannend: Würde die Verspätung den Anschlusszug noch erreichbar machen? Auch wenn die App der Meinung war: nein, und auch wenn die Zugbindung bereits aufgehoben war, befolgten wir eine der erprobten Regeln des Bahn-Fernverkehrs: Es immer drauf ankommen lassen und ans Anschlussgleis eilen. Voilà! Der ICE nach München stand noch da.

Die Sitze dicht gepackt, wir mussten leider zwei bereits sehr eingerichtete Menschen von unseren reservierten Plätzen bitten (alles in aller Freundlichkeit allerseits). Mittagscappucino bekam ich aber nicht, der Speisewagen war zurückgeworfen auf nur Filterkaffee (auffallenderweise lud auch niemand per Durchsage dorthin ein, kein “sie gerne erwartet”).

Zur Brotzeit um eins hatte ich mir vom Frühstückstisch eine Schinkensemmel mitgebracht und eine Birne, genoss beides (immer noch mit kleinen Bissen und eher vorsichtigem Kauen auf der Seite ohne Loch von rausgerissenem Backenzahn).

München empfing uns mit Sonne und milder Luft, nach einer Runde Räumen und einem halben Stündchen Siesta setzte ich mich zum Lesen auf den Balkon.

Eine Folge Yoga, zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell den Erntanteil-Mangold zu einem Nudelgericht mit Linsen.

Sehr gut! Dazu Ernteanteil-Tomaten mit Basilikum, Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, This Is How You Lose the Time War von Amal El-Mohtar und Max Gladstone ausgelesen. Startet mit einem Wirbelwind an indirektem Erzählen, aus dem der Hintergrund zweier sehr unterschiedlicher Gemeinschaften an Zeitreisenden hervorgeht, die die Zeitläufte im Sinne ihrer sehr unterschiedlichen Interessen beeinflussen. Eine Kriegerin (“agent”) nimmt aus einem Impuls heraus den Kontakt mit ihrem Gegenpart der anderen auf; es entsteht ein Austausch, dessen Medienformen allein schon super-kreativ abgefahren sind, innerweltlich aber herrlich stringent. Die Handlung wird sehr spannend, ist jedoch so dicht erzählt, dass ich mein Lesetempo immer wieder bremsen musste, weil meist jeder Satz zählt, Passagen-weise jedes Wort. Ein echter Ritt, der sich für mich sehr lohnte – ich hatte dringend mal wieder nicht-realistisches Erzählen gebraucht.

§

Ein Nachruf – nicht nur auf eine liebe Nachbarin, sondern auch auf eine ländliche oberbayerische Ära.
“Briefe an die nahe Ferne ( 27 )
Die Schmiedrosi ist heimgegangen.”

Sie konnte unglaublich gut mähen, sehr ruhig und gleichmäßig, Schnitt für Schnitt und ich seh sie noch, wie sie früher bei uns vorbeigegangen ist, mit dem Häuerl (übersetzt: sowas ähnliches wie eine Harke) über der Schulter, hinaus aufs Feld, da hatte sie am unteren Ende des Kartoffelackers einen Krautgarten. Weißkraut, Blaukraut, Ranner(Rote Beete) waren angebaut und mußten behäuerlt werden.

(Aufschreiben, alles aufschreiben!)

die Kaltmamsell