Wie angekündigt schaute ich nach dem Aufstehen in nassen Schneefall vor dem Schlafzimmerfenster.
Also Weg in die Arbeit unterm Regenschirm, mit eher vorsichtigen Schritten, denn der Schneematsch machte den Boden rutschig.

Vormittags berufliche Einkäufe. Inzwischen regnete es, das wenige Weiß verschand, und insgesamt fühlte sich das Draußen so unfreundlich an, dass ich keine Lust auf einen Marsch zum Mittagscappuccino aufbrachte. Also lauwarmer Cappuccino aus der Cafeteria.
Zu Mittag gab es Orange (oh je, meine Sauer-Überempfindlichkeit ist noch nicht ganz vorbei, die Orange schmeckte mir theoretisch, doch ich musste mich zum Essen überwinden), Papaya, außerdem Mango mit Sojajoghurt – die angefrorenen Crowdfarming-Mangos waren nach zwei Wochen nur wenig nachgereift, die schwarzen Punkte auf der Schale gleichzeitig größer geworden, unter der Schale verholztes Fruchtfleisch.
Am frühen Nachmittag sah ich ganz kurz die Ahnung von Blau zwischen Wolken am Himmel, bevor um drei die Abenddämmerung einsetzte.
Emsigkeiten und Unangenehmes, dafür reichten meine Work-around-Fähigkeiten für überraschende Recherche-Ergebnisse.
Nach pünktlichem Feierabend brachte ich auf dem Heimweg Freunden ein Geschenklein vorbei. Zu Hause erstmal Kuchenbacken: Ich mag den traditionellen englischen Früchtekuchen sehr, wollte aber mal nicht die üppige Festtagsvariante (die in England traditionell in allen superduper dekorierten Torten für höchste Feiern wie Hochzeiten steckt, also Vorsicht), sondern eine etwas leichtere, also folgte ich Delia Smiths Rezept für Dundee Cake aus ihrem Klassiker-Buch, das mir Kochen beigebracht hat.

(Zu faul gewesen, abends noch schnell die Mandeln zu schälen.)
Ich stelle fest, dass in der verlinkten Online-Version das Rezept aus dem 35 Jahre alten Buch etwas angepasst wurde: Zutaten identisch (inklusive dem ultimativen Horror für Zitronat-Orangeat-Verächter*innen: kandierte Belegkirschen), aber Mehl, Butter, Zucker, Eier werden jetzt einfach zusammengerührt, statt wie damals erstmal ordentlich Luft in Butter, Zucker Eier zu schlagen – nachvollziehbar, denn die heben eh kaum die 450 Gramm Trockenfrüchte, dafür muss das Backpulver ran. Und die Backzeit wurde von 2 bis 2,5 Stunden auf 1 3/4 Stunden reduziert.

Bei mir waren es gestern zwei Stunden, etwas weniger hätte tatsächlich gereicht. (Foto vom nächsten Morgen.)
In der Backzeit eine Einheit Pilates, dieses halbe Stündchen Gymnastik am Feierabend tut mir rundum gut.
Jetzt festliches Wochenendfeiern: Am Viktualienmarkt sind Meyer-Zitronen eingetroffen, Herr Kaltmamsell hatte zwei mitgebracht, und aus einer wurden zum Aperitif Whiskey Sours. Dazu arabische Nüsschen.
Dafür, dass es bei uns traditionell Freitagabend Kuh auf Wiese gibt (Steak mit Salat), kam das dieses Jahr ausgesprochen selten auf den Tisch. Aber gestern.

Dazu öffnete ich eine Flasche Côte du Rhône.
Kurze Unterbrechung, als der Feueralarm an der Dielendecke vor der Küche losging: Herr Kaltmamsell achtet darauf, beim scharfen Anbraten des Fleisches die Küchentür zu schließen, doch gestern hatte er vergessen, nach dem Servieren die Herdplatte unter der Pfanne auszuschalten – der Feueralarm hatte also exakt seinen Job getan. Dafür kippte ich beim Abräumen mein volles Wasserglas über den Tisch, das Gleichgewicht im Universum war wiederhergestellt.
Nachtisch Weihnachtsgebäck und Schokolade. Abendunterhaltung: Da wir beim Rumschalten im Fernsehen gar nichts Erträgliches fanden, griffen wir doch nochmal zur Fernsehserie Mad Men – die mich gegen Ende der dritten Staffel verloren hatte, als Don Draper schon wieder eine Affäre begann, diese mit einer Lehrerin, und mich das überhaupt nicht interessierte. Also wieder ein wenig Werber-Welt in den 1960ern, ich bekam sogar Werbungs-Fachgesimpel.
§
Olivera Stajić hat den Podcast eines bosnischen “Kindes des Kriegs” gehört und schreibt über
“Vergewaltigung als Waffe”.
via @miracorvino
Sexualisierte Gewalt in Kriegen ist drastisch schlecht dokumentiert, weil sich Betroffene aus Angst, Scham, Stigmatisierung oft niemals melden.
(…)
Alen ist in Bosnien eines der wenigen, inzwischen erwachsenen, Kinder, die wissen, unter welchen schrecklichen Umständen sie gezeugt wurden, und öffentlich darüber reden. Er ist Mitglied der 2015 gegründeten Organisation Zaboravljena djeca rata (Vergessene Kinder des Krieges) und konnte in dieser Rolle 2019 bei der UN-Versammlung in New York reden. In seiner Rede sprach er auch davon, dass im Bosnienkrieg Frauen und Mädchen auch von den Angehörigen der UN-Friedenstruppen vergewaltigt wurden.
Seit der Veröffentlichung seines Buches reist Alen durch alle ehemaligen Länder Jugoslawiens und spricht über sein Leben. Damit bricht er mehrfach Tabus: Er spricht in den Städten der Täter über Kriegsverbrechen und thematisiert Vergewaltigung in einer Gesellschaft, in der Frauen deswegen noch immer stigmatisiert sind.
Die Scham muss die Seite wechseln. 
die Kaltmamsell