Journal Donnerstag, 4. Dezember 2025 – Erste Weihnachtskarte erhellt die Dezember-Düsternis

Freitag, 5. Dezember 2025 um 6:16

Wieder zu früh aufgewacht, wieder im Düsteren aber nicht zu Kalten in die Arbeit marschiert. Und wieder hielt sich das Düster den ganzen Tag.

Beherzt losgearbeitet, nahezu ungestört bis Mittag (ein wenig irritierend, ich checkte mehrfach, ob Telefon, E-Mail und Teams überhaupt funktionierten).

Meinen Mittagscappuccino nutzte ich für ein Abenteuer – was bei mir halt so als Abenteuer zählt: Ich spazierte zu einer neuen Quelle, die mir auf beruflichen Gängen aufgefallen war, in die andere Richtung als sonst immer.

Solche liebevoll Kitsch-affinen Läden (die Untersetzerchen sahen selbstgehäkelt aus) mag ich ja sehr als Alternative zu den coolen, designigen Cafés / Speciality Coffee Orten. Der Cappuccino war, hm, nicht meine Lieblingssorte. Nur wenige hundert Meter von meinen sonstigen Wegen begegneten mir recht andere Menschen als sonst. Die sehe ich mir sicher öfter an.

Späteres Mittagessen am Schreibtisch: Apfel, Quark mit Joghurt, Trockenpflaumen.

Emsiger Nachmittag, darin auch eine interessante Info-Veranstaltung.

Auf dem Heimweg ein wenig Lebensmitteleinkäufe, kurz vor daheim hörte ich aus der Klinik gegenüber mal wieder Gebär-Geräusche – und mir fiel ein, dass “entbinden” auf Spanisch “dar a luz” heißt, also ans Licht geben. Einerseits poetisch, andererseits heißt “luz” ja auch elektrischer Strom, und die Tätigkeit könnte auch Elektriker*innen zugeschrieben werden. Ich hätte SO eine Zukunft auf einer kastilischen Comedy-Bühne!

Daheim standen frisch gebracht zwei Crowdfarming-Kisten: Sowohl die erste Lieferung Orangen also auch mein Jahresanteil Manchego-Käse waren diesmal wie angekündigt und problemlos eingetroffen.

Ebenfalls eingetroffen war die erste Weihnachtskarte – und die auch noch mit selbst gemalten Lesezeichen!

Eine Runde Pilates, dann Brotzeitvorbereitung – und gleichmal die erste Orange aus der großen Kiste. Nachtmahl war aus dem gestrigen Ernteanteil Rote Bete aus dem Ofen mit Linsen (!), Champignons und Feta, sehr gut. Nachtisch Weihnachtsgebäck und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, ich ließ mich von John Steinbeck und seinem Hund Charley auf einen Road Trip durch die USA des Jahres 1960 nehmen.

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Herr Kaltmamsell erwähnte kürzlich eine Geschichte von Ray Bradbury, “There Will Come Soft Rains”, die ich sofort lesen wollte: Sie geht um ein vollautomatisiertes Haus, das seine Abläufe auch nach Verschwinden der Bewohner brav wie programmiert ausführt. Er reichte mir den (selbstverständlich antiquarisch erworbenen Pulp-Papier-)Band Martian Chronicles, in dem sie steht, gleich mit Einmerkerchen an (ich habe Martian Chronicles zwar vor Jahrzehnten gelesen und weiß noch, dass mir der Kurzgeschichten-Zyklus sehr gut gefiel, doch an diese konkrete Geschichte habe ich keinerlei Erinnerung). Die kurze Short Story erinnerte mich an die Meisterschaft von Ray Bradbury, mit der er ganze Welten in wenigen Details vermittelt – und sie las sich in Zeiten von Internet of things gruslig aktuell. Wenn Sie mögen, es gibt sie auch online (PDF-Download):
“There Will Come Soft Rains”.

Es fehlt allerdings die kontinuierliche Auswertung aller Parameter, die mit unserer heutigen Onlineisierung einhergeht, also der Controlling-Aspekt – den sah Ray Bradbury offensichtlich nicht voraus. Und natürlich funktioniert die Geschichte nur ohne Internet, das Haus läuft autonom.

Fasziniert von Bradburys Text recherchierte ich ein wenig drumrum. Der Titel, fand ich heraus, ist auch der Titel des Gedichts von Sara Teasdale – das in der Geschichte gesamt zitiert wird. Damals mit Blick auf Krieg geschrieben, aber halt auch heute in vieler Hinsicht passend.

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“Braune Zwerge: Diese seltsamen Himmelsgestalten”.

Der Astronom Aleks Scholz forscht an Braunen Zwergen – seltsamen Himmelskörpern zwischen Stern und Planet. Seit 25 Jahren beobachtet er das All, viele Nächte lang, um diese Objekte zu finden. Was hat er dabei entdeckt? Wie geht er vor? Und wozu macht er das nur?

Fesselnde Lektüre (es ist ein absoluter Glücksfall, dass hier ein Astrophysiker so gut schreiben kann, dass er auch mal beim Bachmannpreislesen den Ernst-Willner-Preis gewonnen hat). So habe ich nicht nur mehr über Braune Zwerge gelernt, sondern überhaupt über die heutigen Prozesse der Astronomie, zum Beispiel wie Aleks überhaupt an Daten für seine Forschung kommt (nein, er schaut nicht von seinem Arbeitsplatz in Schottland durch ein Teleskop nach oben) und warum das James Webb Space Telescope, das seine Arbeit Anfang 2022 begann, ein game changer war.

Die Welt durch ein neues Teleskop zu betrachten bringt immer Überraschungen – als hätte man bisher in dichtem Nebel gelebt, der sich jetzt zum ersten Mal lichtet. Was eben noch wie ein Baum aussah, ist in Wahrheit ein Kirchturm. Anstatt verrauschter Spektren sehen wir auf einmal Details, die wir so nicht eingeplant hatten. Die neue Klarheit ist überwältigend. Die alten Fragen sind schnell beantwortet. Stattdessen stellen sich sofort völlig neue Fragen.

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Herr Kaltmamsell wies mich auf einen Artikel von 2024 hin über Schaukelparks auf der ganzen Welt:
“Swing Sets Aren’t Just for Kids Anymore”.

Mein Favorit ist ja die 29-Schaukel-Anlage im Moskauer Gorky Park.1

After a certain age, swinging solo loses its thrill.

Ach. In welchem Alter ungefähr muss ich damit rechnen?

  1. Ich denke je-des-mal an den gleichnamige Film mit William Hurt von 1983, wenn ich “Gorky Park” lese oder höre. Nur einmal gesehen, wahrscheinlich im Fernsehen, aber er hat mich nachhaltig beeindruckt. Lange träumte ich davon, einmal im Gorky Park Schlittschuh zu fahren. []
die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 3. Dezember 2025 – Minimales Tageslicht

Donnerstag, 4. Dezember 2025 um 6:29

Heute hatte ich beim Datumtippen bereits den Finger über der 6 für die Jahreszahl: Beruflich stecke ich bereits deutlich im nächsten Jahr.

Eigentlich gut geschlafen, aber zu früh aufgewacht.

Nachtdunkler Marsch in die Arbeit, aber außer mir war auch der Krähenschwarm in meinem Viertel bereits deutlich hörbar wach: Während sich am Dienstagmorgen die Dutzenden Krähen auf den Dächern und kahlen Bäumen um den Beethovenplatz verteilt hatten (ungewöhnlich), saßen sie gestern wie gewohnt auf den Spannseilen der Tollwood-Zelte auf der Theresienwiese. Ihre Silhouetten sahen derart nach Meta Bene aus, dass ich eine Pointe erwartete.
Auf Fahnenkanten im Wind habe ich die Krähen in den vergangenen Jahren auch mal balancieren sehen, in meinem Fall waren es Fahnen am Zirkuszelt, höchst vergnügt.

Verdutzung, als ich im Büro erstmal eine Riesentasse Schwarztee zubereitete: Das am Vortag gekaufte Fläschchen Kondensmilch war mit einem Kronkorken verschlossen. Und meine Sekretärinnenschublade hält nun wirklich eine Menge bereit – ein Flaschenöffner gehört nicht dazu. Zum Glück arbeitete gestern die eine Kollegin vor Ort, bei der ich aus Gründen von Flaschenöffner in irgendeinem Büromöbel ausgehen konnte. Zurecht, sie lieh ihn mir bereitwillig.

Um neun zeichnete sich ab, dass es erstmal nicht mehr Tageshelle als diese Hochnebel-Düsternis geben würde. Gestern blieb es ohne Wolkenloch bei diesem minimalen Tageslicht, im Büro benötigte ich ganztägig künstliche Beleuchtung. Es ist die Jahreszeit der dunkelsten Tage in unseren Breiten.

Trotzdem raus ins Westend auf einen Mittagscappuccino, wie erhofft wirkte die Bewegung erholsam. Zu Mittag gab es Apfel und eingeweichte Haferflocken mit Joghurt.

Ordentlicher Arbeitsnachmittag, nach Feierabend ging ich zum Stachus für Einkäufe.

Daheim startete ich zwischen zwei Yoga-Programmen wieder eine Woche Pilates, auch diesmal hatte ich vergessen, dass die Übungen hier anstrengender sind, unter anderem wegen deutlich mehr Wiederholungen.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den Ernteanteil-Lauch als Eintopf mit weißen Bohnen, sehr gut. Nachtisch Weihnachtsgebäck und Schokolade.

Sehr früh ins Bett zum Lesen. Granta India hatte ich ausgelesen, es gefiel mir sehr gut, weil es zahlreiche Facetten des heutigen literarischen Indiens beleuchtet, das geprägt wird von einem immer deutlicheren Ein-Parteien-System unter Premierminister Narendra Modi und seiner Bharatiya Janata Party (BJP). Wieder legt Herausgeber Thomas Meaney einen Schwerpunkt auf den Aspekt Übersetzung, in diesem Fall vor dem Hintergrund der indischen Vielsprachigkeit: Kurze Zwischenkapitel beleuchten diese Sprachen jeweils aus der Sicht eines spezialisierten Übersetzers oder einer Übersetzerin, jeweils aufgehängt an einem Wort oder Ausdruck in ihrer Sprache, der sich nicht übersetzen lässt. Sehr erhellend.

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Schokolade wissenschaftlich (einige Details nützen auch als Tipps fürs eigene Backen):
“Wie der Schmelz in die Schokolade kommt”.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 2. Dezember 2025 – Wie ich einmal auf einer Gästeliste stand: Berlin in München

Mittwoch, 3. Dezember 2025 um 6:29

Die letzte Stunde vor Weckerklingeln von Ängsten gemartert, zumindest mit einer handfesten Jobliste für die erste Bürostunde aufgestanden.

Draußen nasskalter Nebel, der für märchenhafte Nachtansichten auf der Theresienwiese sorgte.

Arbeitsstart mit der Jobliste aus schlafloser Morgenstunde, nach dem ersten Job unterbrochen von Querschüssen und den nächsten Ausfällen bei eh schon unprofessionell wackliger Struktur. Mit Nebenwirkungen wie Vergessen, eine fertig geschriebene E-Mail auch abzuschicken (eintreffender Querschuss direkt vor Klick auf “Senden”) und Verwunderung über ausbleibende Rückmeldung.

Berufliche Einkäufe ermöglichten mir die erste Frischluftrunde. Nach einigem Werkeln und gerade als sich der Hochnebel verzogen hatte, ging ich für eine zweite Runde raus auf Mittagscappuccino – wäre am liebste ganz weit weiter gegangen.

Entdecke das Selfie!

Zu Mittag gab es später Persimon sowie eingeweichte Haferflocken (mit ein wenig Muesli untergemischt) mit Joghurt. Die Sonne blieb.

Sehr emsiger Nachmittag mit viel Gerenne. Um halb vier kam der Hochnebel zurück und brachte gleich die Dämmerung mit.

Flotter Heimweg mit Besorgung nötigster Lebensmittel, daheim nur kurzes Blumengießen und Brotzeitvorbereiten, denn ich hatte einen Abendtermin: Vor einigen Monaten war ich per instagram-DM in kurzem Austausch mit Katja Berlin (die ich ja schon kannte, als sie unglücklich in einer Agentur saß und ihr Unglück auf Twitter auffallend pointiert und treffend formulierte) – und sie fragte mich, ob sie mich auf ihrer 2025er-Tournee mit den Torten der Wahrheit für München auf die Gästeliste setzen solle. Ich war noch nie auf der Gästeliste bei einer Tournee! Und ich wollte Katja Berlin ohnehin sehr gerne als Show sehen, also bat ich darum. Seither stand der Termin zum Vorfreuen in meinem Kalender, und kurz vor dem gestrigen Abend stellte sich auch noch heraus, dass ich auf dieser Gästeliste mit +1 stand – Herr Kaltmamsell kam gern mit.

Gestern nahmen wir also eine U-Bahn zur Münchner Freiheit und spazierten zum Lustspielhaus; dass man dort an Tischen saß und gutes Essen vor der Show bekam, wussten wir von einem vorherigen Besuch.

Bei mir gab es Spaghetti mit reichlich Garnelen, ganz ausgezeichnet. Vor allem aber gab es dann Katja Berlin.

Ich hatte mir nicht recht vorstellen können, wie man aus lustigen Grafiken eine Show macht, stellte sich heraus: Es war im Grunde eine Lesung – die ja bei Grafiken auch nicht klassisch funktioniert -, thematisch mit Hintergründen, Überleitungen, Zusatzpointen. Und das funktionierte ganz wunderbar, war erwartbar klug und amüsant, ich fühlte mich die zwei Stunden lang bestens unterhalten. Katjas Tournee ist fast zu Ende, Empfehlung, wenn Sie sie noch in Hamburg oder Rostock erwischen können.

Das Publikum vorwiegend weiblich, aber sogar mehr männlich durchsetzt als erwartet, Herr Kaltmamsell und ich waren am oberen Ende des Altersschnitts.

Nicht zu spät verließen wir das Lustspielhaus vorbei am rege besuchten Büchertisch und fuhren heim, die Nacht kalt und trocken.

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Zwei Wiederbloggerinnen, großes HURRA!
1. Die Lu auf Miagolare
2. Frau Mutti

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Eine kluge Erklärung, warum viele sich gegen Vielfalt und ihre immer größere Sichtbarkeit wehren (aka the ‘anti-woke’ movement), in einem Tiktok-Filmchen anhand eines recht alten Cartoons.

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Sie sagen Flugtaxi, ich sage Flugfahrrad.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 1. Dezember 2025 – Dann doch Christkindlmarkterei

Dienstag, 2. Dezember 2025 um 6:25

Noch früherer Wecker, aber er erlöste mich eh aus Angst-Achterbahnfahrt. Draußen Regen.

Der hatte freundlicherweise bei meinem vorgezogenen Aufbruch in die Arbeit aufgehört, ich konnte meine Arbeitserledigung trocken absolvieren, hatte eh keine Hand für Regenschirm frei. (Und nur sehr umständlich für dringend nötiges Ohrenzuhalten bei sehr nahem LALÜ!)

Im Büro die nächste Hiobsbotschaft, mittlerweile war ich aber eh abgestumpft und in der inneren Emigration.

Armseliger Mittagscappuccino (lauwarm) in der Cafeteria, nach weiterem Helfen und Laufen gab es zu Mittag Apfel, Persimon, Trockenpflaumen, Nüsse – da der Verlauf und die Essmöglichkeiten am gestrigen Tag unklar gewesen waren, hatte ich darauf verzichtet, Verderbliches einzupacken.

Richtig hell wurde es eh nicht, Abenddämmerung setzte kurz nach zwei ein. Nachmittags drückte ich mich dann doch kurzfristig um die Erfüllung von Geselligkeitspflichten.

Freuen konnte ich mich auf eine Verabredung nach Feierabend, auch wenn ich dem Vorschlag des Orts entnahm, das sie mit Heißgetränken im Draußen und mit thematischem Umfeld Christkindlmarkt zu tun haben würde. Ebenfalls erfreulich: Davor stand ein längerer Fußmarsch bei Temperaturen über Null.

Schöner und wohltuender Marsch, liebe Gesellschaft am Glühstand des Viktualienmarkts, Abgleich von Weihnachtsplänen (Herr Kaltmamsell und ich haben keine, das ist irgendwie ums Eck und vorbei).

Ich bekam einen selbstgebackenen Stollen geschenkt – den nicht ich gebacken hatte!

Abendessen gab es auf dem Heimweg am Christlkindlmarkt Sendlinger Tor.

Klassisches Christkindlmarkt-Menü: Erster Gang Bratwurst, zweiter Gang Pommes. Daheim noch Panettone und Schokolade.

Zu Hause brauchte ich überraschend (und beunruhigend) lange fürs Warmwerden nach zwei Stunden Glühmarkt-Rumstehen, so richtig wirkten eigentlich erst Bett und Wärmflasche.

Es wird weiter zu Bücherbesitz gebloggt (ich finde es zauberhaft, wenn sich ein Thema langsam durch Blogs der alten Schule zieht), aktuell zum Beispiel bei Vanessa Giese und gestern bei Herrn Rau im Lehrerzimmer. Im ersten Kommentar darunter erwähnt kid37 die Konzentration auf Nischenthemen “(Den Kanon findet man ja überall.)” – das gefällt mir als Besitz-Motivation und lässt mich an zwei Bereichen meines Bestands festhalten: Zum einen habe ich besonders viele Bücher von Blogger*innen, sie stehen abseits der sonstigen alphabetisch nach Autor*in sortierten Literatur. Zum anderen verschiedene Ausgaben von Agustín Gomez-Arcos’ Roman Ana Non – den ich in deutscher Übersetzung aus dem Französischen während meines Studiums auf einem Grabbeltisch vorm Buchladen Pustet in Augsburg entdeckte, sehr mochte, gleich mal in einem passenden Hauptseminar in spanischer Literatur für eine Hausarbeit vorschlug (der Dozent, Prof. Thomas Scheerer, kannte den Roman nicht, war aber offen) (und ich damals noch furchtlos und überzeugend). Ana Nein wurde schon damals nicht mehr aufgelegt (-> Grabbeltisch), ich sah mich verpflichtet, ihn zu retten. Später suchte und kaufte ich über Online-Anitiquariate weitere Ausgaben. Doch eben sehe ich, dass es im Berliner Instituto Cervantes 2022 sogar ein “literarisches Treffen” dazu gab. Und Rezensionen auf Goodreads weisen darauf hin, dass der Roman auf Spanisch rege rezipiert wird. Vielleicht muss ich ihn nicht mehr retten, es handelt sich um keine Nische mehr? No na, vielleicht solange er auf Deutsch vergriffen ist.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 30. November 2025 – 1. Advent mit diesem und dem

Montag, 1. Dezember 2025 um 6:08

Gut und reichlich geschlafen.

Fast klarer Himmel bei Sonnenaufgang, dann fahles Sonnenlicht durch Wolkenschleier.

Es hatte weiterhin Plusgrade, für meinen Isarlauf griff ich zu leichter Mütze und kurzärmligem Laufshirt unter der Winterlaufjacke. Handschuhe brauchte ich aber. U-Bahn nach Thalkirchen, von dort Lauf nach Süden. Körper spielte gut mit, ein angenehmer Lauf bis rein nach Pullach und zurück.

Interessantes neues Gebäude am Campingplatz Thalkirchen.

In Echt deutlicher sichtbar: die verschneite Alpenkette.

Abschließender Semmelkauf vorm Thalkirchner U-Bahnhof beim Bäcker Wünsche.

Die U-Bahn zurück in die Innenstadt auffallend voll – Christkindmarkt-Tourist*innen?

Frühstück kurz nach zwei: Avocado (nicht wie geplant als Semmelbelag, denn statt zu cremig war sie zu gummig gereift, ich aß gesalzen die Brocken, die ich mit einem Kaffeelöffel aus der Schale prokelte), Apfel, Körnersemmeln mit Butter und Marmelade.

Eigentlich schmökerte ich noch an meinem Laptop, als mir einfiel: Wenn ich die Wochenendzeitung lesen wollte, brauchte ich Tageslicht, und das war an Wintertagen knapp. Schnell schlug ich die Zeitung auf. Zu spät: Ab 16 Uhr war es zu dunkel, und unser Esstisch, an dem ich las, ist nicht auf Lesebeleuchtung ausgerichtet, mit dem Putzlicht an der Decke ging’s grade so.

Faschingsurlaub in Wien gebucht: Mit einem Besuch mitten im Februar und dem erwartbar greislichen Wetter möchte ich meine neue Liebe auf die Probe stellen. Ein Hotelzimmer, auf das ich mich freue, hatte ich recht schnell gefunden und problemlos reserviert. Die Bahnreise gestaltete sich (HERRGOTTSACKRAZEFIX) schwieriger. Wir wohnen wieder Nähe Wien Westbahnhof, also fahren wir doch gleich mal direkt dorthin. Eine perfekte Verbindung war schnell gefunden, doch die DB-Website sagte “Preisauskunft nicht möglich”. Auch bei der ÖBB tauchte die Verbindung auf, doch ohne Link zum Ticketkauf. Es stellte sich heraus: Eine eigene Bahngesellschaft mit eigener Website. Von. Mir. Aus. (WTF)
Dort also Auswahl und Kauf durchgejuckelt – mehrfach, weil verwirrendes Preissystem. Um ganz am Ende zu landen bei

Jetzt hänge ich halt bis zur Beantwortung meiner Anfrage an diesen Service in der Luft, ob ich Tickets gekauft habe oder nicht.

Abschlussfolge Yoga (für mich, die tatsächliche Folge 30 ohne Ansagen lasse ich aus), Montagsvorbereitungen mit schwerem Herzen, das wird kein Spaß. Dafür habe ich für Montagabend und Dienstagabend schon Schönes vor.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den Ernteanteil-Sellerie als Schnitzel und ein wenig Chinakohl als Salat (der Rest wird Kimchi).

Früh ins Bett zum Lesen, Wecker auf noch früher gestellt, weil Arbeitserledigungen.

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Casino bloggt über ihre erwachsenen Söhne und
“Lichtlein”.

es gibt einen gestaltbaren anteil der kindheitserinnerungen, wie wichtig es ist, das gut zu machen.

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In meiner Lebensphase des Komplettumbruchs scherzte ich ja, ich würde auf Korbflechterin umlernen (einerseits weil ich Korbflechten und Handwerk wirklich attraktiv finde, andererseits als Scherz, weil ich halt von Geburt an eine Kopfwerkerin bin). Umso mehr faszinieren mich Menschen, die dieses Handwerk zur Kunst weiterentwickelt haben.
“Flechtwerkgestalter Emmanuel Heringer über Entwicklung: ‘Hinausgehen und Zurückkommen – vielleicht ist es das'”.

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In Warschau werden Muscheln als Teil eines Frühwarnsystems bei Wasserverunreinigung eingesetzt. Klingt zu abgefahren, um wahr zu sein (wir verantwortungsbewussten Online-Menschen sind auf genau sowas geeicht), also ging Tom Scott mit seinem Team vor drei Jahren nachsehen.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/i0RkEs3Xwf0?si=2uVOiWgOKasuPkYu

Spoiler: Es stimmt. (Und Polnisch-Sprechende kommen auf ihre Kosten.)

die Kaltmamsell

Lieblings-Breviloquia* November 2025

Sonntag, 30. November 2025 um 18:10

Hurra! Wieder rechtzeitig daran gedacht!
Wir starten mit Mastodon.

Danach ein wenig Bluesky.

*siehe

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 29. November 2025 – Besonders großer Schwimmgenuss

Sonntag, 30. November 2025 um 8:23

Recht gut geschlafen, vor allem lang.

Gemütlich gebloggt, Wasserfilter gewechselt, mit dem ersten, kalkärmsten Wasser eine große Kanne malzigen Schwarztee English Breakfast für Herrn Kaltmamsell und mich aufgebrüht.

Besonders große Freude auf eine Schwimmrunde – auch wenn sich mein Plan nicht umsetzen ließ, im Dantebad draußen im Sonnenschein zu schwimmen. Mangels Sonnenschein. Statt dessen nahm ich eine U-Bahn zum Olympiabad.

Die Luft war unter bedecktem Himmel deutlich milder geworden: Die Straßen und Wege nass statt frostig, Handschuhe nicht unbedingt nötig.

Es wurde eine traumhafte Schwimmrunde – ausnahmsweise für die Seele statt für den Körper (der problemlos mitspielte), ich wurde ruhig und fröhlich, meine Gedanken suchten sich lauter helle Themen und Vorhaben. Im letzten Viertel meiner 3.000 Meter erspähte ich auf dem metallenen Beckenboden einen Schlüssel, ganz klar ein Spindschlüssel. Kurzer Check: Meiner hing noch am Bändel mit der Spindnummer ums rechte Fußgelenk, also vermisste ihn jemand anders. Beim nächsten Passieren tauchte ich ihn hoch, schwamm damit an den Beckenrand und legte ihn bis zum Ende meiner Strecke neben den Startblock, merkte mir die Nummer 4 der Bahn, plante Abgeben an der Kasse. Doch als ich das Wasser verließ, beseelt von dem schönen Schwimmerlebnis, war der Schlüssel fort – hoffentlich weil der oder die Vermissende ihn dort gefunden hatte.

Draußen vorm Olympiabad standen und gingen um die Olympiahalle viele Menschen, an den Eingängen einsortiert mit Schildern in Gold, Silber, VIP etc., aber ich sah keine erklärenden Veranstaltungsplakate. Zurück daheim fand ich heraus, dass ein “Motivations- und Businesscoach” ihr Ziel war. Wieder eine komplett fremde Welt mit sehr unterschiedlichen Menschen: Ich konnte äußerlich keine verbindenden Merkmale identifizieren, weder Alter noch soziale Schicht; na ja, richtig abgerissen sah niemand aus. (Ich stelle mir unter der Berufsbezeichnung ja sowas wie einen Wanderprediger vor. Aber was zitiert er anstelle der Bibel?)

Nach dem Aussteigen am Sendlinger Tor erledigte ich beim Alnatura noch die Einkäufe von unserer Liste, Spülmittel holte ich im dm des U-Bahn-Untergeschoßes (gerade für solche Einzel- oder Wenig-Einkäufe mag ich die Selbst-Kassen ja sehr; inklusive Spiel-Gefühl). Das Thermometer an der Marien-Apotheke zeigte fast 10 Grad an.

Daheim ließ ich gleich mal die milde Luft durch die offene Balkontür, dann Auspacken und Häuslichkeiten. Frühstück um halb drei: Apfel, selbstgebackenes Brot (aus der Gefriere) mit Avocado, Persimon. Als ich damit ins Wohnzimmer kam, flatterte darin ein Kohlmeislein herum, dass sich durch die offene Tür hereinverirrt hatte. Zum Glück stellte es sich als kluges Meislein heraus und fand schnell den Weg nach draußen, bevor es in Panik und Scheißerei geraten konnte, hinterließ nur auf dem Esstisch ein winziges dunkles Flaumfederchen.

Stollenbacken, zweiter Teil. Vor zwei Wochen konnte ich mir noch vorstellen, dieses Jahr mal wieder so richtig Weihnachtsplätzchen zu backen, doch ich fürchte, diese Energie ist mit dem Stollenbacken bereits aufgebraucht (zu Schneeflocken, zufällig vegan, reicht sie aber mindestens noch).

Ein schöner Nachmittag mit sogar aus dem Fenster schauen und Freude darüber, dass ich NICHT arbeiten musste. Eine Runde Yoga, das 30-Tage-Programm Flow geht zu Ende.

Zum abendlichen Aperitif rührte ich Negronis, auf die ich beim Yoga große Lust bekam, zum Ausprobieren mal mit Kakao-Gin: Passte überraschend gut, der Negroni schmeckte dadurch sehr vanillig. Dazu arabische Nüsschen.

Nachtmahl inspiriert von den roten Zwiebeln im Ernteanteil: Flammkuchen nach Nicky Stich (die ich in meinem Internet sehr vermisse). Nachtisch Vanilleeis mit Armagnac-Zwetschgen, Schokolade.

§

“Schon mal von den Dachauer Prozessen gehört?”

Das aktuelle “Buch zwei” der Wochenend-Süddeutschen (€) befasst sich mit dem Gebäude 9241 im hintersten Winkel eines Hochsicherheitsgebiets der Polizei, am Rand der Stadt Dachau.

Anders als bei den Nürnberger Prozessen standen hier zwischen 1945 und 1948 nicht die Hauptkriegsverbrecher, sondern gewöhnliche Deutsche vor Gericht.

Fast 2000 SS-Männer, KZ-Täter und NS-Ärzte wurden angeklagt. Heute lagert die Polizei im ehemaligen Gerichtssaal Partyzelte. Ein Besuch im Abstellraum der Geschichte.

(Und dabei hatte ich ja schon einen Roman gebraucht, Annette Hess, Deutsches Haus, um mich erstmals mit den Frankfurter Auschwitz-Prozessen zu befassen, so sehr wird die Aufarbeitung von Nazi-Verbrechen im Gericht durch die Nürnberger Prozesse dominiert.)

die Kaltmamsell