Journal Mittwoch/Donnerstag, 24./25. August 2016 – Explosion mit Folgen und Bloggeburtstag

Freitag, 26. August 2016 um 7:06

Muskelkater aus der Hölle. Po, hinterer Oberschenkel, Innenseite Oberschenkel – Gehen fast unmöglich. Das war nicht nur hinderlich, sondern auch seltsam: Selbst wenn ich nicht mehr regelmäßig Hot Iron betreibe, mache ich doch Sport und dabei zweimal die Woche Krafttraining. So heftig und bald hätte ich keinen Muskelkater bekommen dürfen.

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Mittwochmorgen nochmal Kaffee auf dem Balkon. Wir bekommen eine weitere Hochsommerwoche geschenkt, allerdings mit bereits deutlich kürzeren Tagen und kühlen Nächten.

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Ärger in der Arbeit. Ich reagierte auf eine Aufforderung garstig, aggressiv und patzig (nein, nicht beleidigend) – die Wut dieses höchstens 60-sekündigen Austauschs hielt noch Stunden. Ganz eindeutig wurde ich von irgendwas geritten. Das stieg erst am Nachmittag ab und hinterließ den dringenden Wunsch, mich für mein Verhalten zu entschuldigen. Doch das konnte ich erst am nächsten Morgen, ich bat in aller Form um Entschuldigung, mein Verhalten sei komplett unangebracht gewesen und es tue mir sehr leid. Die Entschuldigung wurde mir verweigert: „Zu spät.“
Und jetzt arbeite ich allein in meinem Büro.

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Mittwoch war Bloggeburtstag. Es ist jetzt 13 Jahre alt. Wenn ich davon erzähle, löst es immer noch Verwunderung aus: Zwar muss ich meist „Blog“ nicht mehr erklären, doch immer noch jedes Mal, was mich daran fasziniert, anderen Menschen beim Leben und Denken zuzusehen, mein Leben und Denken ins Internet zu schreiben. Es wird immer noch als ein exotisches Hobby angesehen; allerdings habe ich schon seit Jahren nicht mehr gehört: „Du musst ja Zeit haben.“ Zumindest Leben im Internet ist nicht mehr exotisch.

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Auf Donnerstag die dritte Nacht in Folge sehr schlecht geschlafen, mit mehrstündiger Pause. Zumindest habe ich so endlich The Moonestone ausgelesen, doch den halben Donnerstag verbrachte ich in fast migränehafter Benommenheit und Wahrnehmungsverzögerung.

Gestern Abend für unsere Leserunde Han Kang, The Vegetarian angefangen – in englischer Übersetzung statt in der deutschen, weil sie nur weniger als halb so viel kostet. Geht lesenswert und mit Tempo los.

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Abendessen: Mittwoch Salade niçoise.

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Donnerstag probierte Herr Kaltmamsell aus Kichererbsenmehl Farinata aus, sowas ähnliches wie Socca. Dazu Gurkensalat mit Joghurt. Ausgesprochen köstlich.

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Novemberregen erlebt:
„Die Senioren und die Pokémon“.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 23. August 2016 – Schimmelekel und Biergartenglück

Mittwoch, 24. August 2016 um 7:27

Früh aufgestanden und früh aus dem Haus, um in goldenem Morgenlicht zum Langhantelheben „Hot Iron“ zu radeln. Neue Trainerin (eine dafür ausgebildete), neues Programm inklusive neuer Aufwärmroutine – obwohl es mitten im Quartal war.

Das Programm war gut zu schaffen, wurde gut erklärt. Verzögerungen gab es lediglich durch eine Mitturnerin, die ihren Turnplatz im überraschend vollen Turnsaal direkt vor der Trainerin aufgebaut hatte und die Stunde mit einem Einzeltraining verwechselte: Ständige Kommentare zu den Erklärungen, ständige Statusmeldungen über ihr eigenes Befinden („das habe ich letzte Woche schon gemacht“, „boah, das schaffe ich nicht“, „oh, da merke ich die Zerrung“ etc.). Und die Trainerin ging freundlich kurz darauf ein.

Auch diesmal begann mein Muskelkater schon am Abend.

Im Sommermorgen in die Arbeit geradelt.

Zu meinen Aufgaben gehörte wie schon in der Woche zuvor und am Montag Aussortieren und Wegwerfen mehr als zehn Jahre alter Rechnungen. Und auch die gestrige Charge war verschimmelt.

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Der letzte Lagerort war trocken, doch ganz offensichtlich sind viele Regalmeter Ordner irgendwann sehr nass geworden – und nie ausgetrocknet. Ich hatte mir am Wochenende Atemschutz besorgt: Zwar halte ich mich in Gesundheitsdingen nicht für übervorsichtig, aber Schimmelsporen mag ich nicht in großen Mengen in den Atemwegen.

Zuhause wartete schon Herr Kaltmamsell auf mich: Zusammen spazierten wir zum Flaucher-Biergarten. (Zu Fuß wegen Pokémon, schon klar, oder?)

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An der Wittelsbacherbrücke wurde gerade gefilmt, für „München Mord“.

Wir aßen am Flaucher eine typische leichte Biergartenmahlzeit (Spare Ribs und Schweinshaxe zu zwei Maß Radler) und genossen es. Ein Genuss war auch der Heimweg zur blauen Stunde mit herrlichen Sommerabendgerüchen.

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Die derzeitige Auseinandersetzung zwischen Automobilzulieferer Prevent und Volkswagen beobachte ich besonders interessiert. Es ist der erste Mal, dass ein Zulieferer sich wehrt gegen die ausgesprochen unfairen Konditionen, mit denen die Automobilmarken arbeiten. Mir hat vor vielen Jahren ein Artikel in der brand eins die Augen geöffnet – na ja, offen waren sie da schon, denn ich betreute als PR-Beraterin einige Automobilzulieferer.
„Wenn der Kunde jede Rechnung kritisiert“.

Der Titel ist deutlich harmloser als die Geschichte dahinter. Und fairer ist der Umgang seither wohl nicht geworden.
Zusätzlich lernen wir derzeit bei dieser Gelegenheit die Bedingungen für Kurzarbeit, gell?

(Anlass für großen Dank an brand eins fürs kostenlose Online-Archiv: Ich fand den Artikel mit zwei Stichworten – und konnte ihn hier zum Lesen verlinken. <3)

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Bei Futurezone regt sich Florian Aigner auf:
„Die Krankheit als Sprache der Seele
Mit einer Krankheit will uns die Seele etwas mitteilen, behaupten Esoteriker. Kann sich die Seele nicht ein bisschen freundlicher ausdrücken?“.

Die Seele ist offenbar so etwas Ähnliches wie eine grummelige alte Großtante, die nie klar sagt was sie will, aber an unserem Leben permanent etwas auszusetzen hat.

In einem Punkt haben diese Seelenkrankheitsschwurbler schon recht: Emotionale Probleme können sich in körperlichen Leiden äußern, und psychosomatische Erkrankungen können eine schlimme Sache sein. Aber alle Krankheiten irgendwelchen seelischen Balancestörungen zuzuschreiben, ist nicht nur falsch, sondern auch noch dumm und gefährlich. Es gibt nun mal Krankheiten mit einer eindeutigen, messbaren, physischen Ursache, die bekämpft werden muss. Viren und Bakterien lassen sich nicht mit bedeutungsschwangeren Worten wegdiskutieren, und wenn man Medikamente braucht, dann helfen keine weisen Sprüche.

Danke! Die Vorstellung, man sei im Grunde selbst schuld an Erkrankungen, haben ganz offensichtlich sehr viele Menschen bereits so verinnerlicht, dass ich letzthin eine Kollegin im Büro stehen hatte, die aussah wie das Leiden Christi in Schmalz rausgebacken, aber hilflos mit den Händen wedelte: „Ich verstehe das nicht! Jetzt kommt diese Bronchitis schon wieder, dabei habe ich doch gar keinen Stress mehr!“

Meine letzte Analystin hat mich damit auch verlässlich auf die Palme gebracht: „Hmmm, gerade jetzt eine Erkältung… Das sollten wir uns mal ansehen…“ (Nein, als nächstes hob sie keineswegs ein Holzstaberl und untersuchte meinen Rachen.)

die Kaltmamsell

Journal Montag, 22. August 2016 – kein neues Telefon

Dienstag, 23. August 2016 um 6:27

Lebhaft geträumt, unter anderem den Klassiker, dass ich auf eine neue Schule kam (als Schülerin) und mich verspätete. Probleme beim Hinfinden im regnerischen Wetter, dann im Schulhaus den Klassenraum nicht gefunden, während des Suchens überlegt, ob ich trotz Verspätung einfach reingehen kann und mein Herumirren als Entschuldigung zählt. (Klassiker im Sinne von Menschenträumen, selbst träumte ich das ziemlich sicher zum ersten Mal.)

Außerdem noch irgendwas mit einer Freundin in Berlin, die mich im Traum finanziell über den Tisch zog. Da schlief ich aber bereits so flach, dass ich mir gleichzeitig Sorgen machte, dieser Traum könnte meine Zuneigung zu dieser Freundin trüben (die mich noch nie auch nur ansatzweise betrogen oder belogen hat).

In der Arbeit rabenschwarze Laune, aus Anlass und wegen berufsalltäglicher Lästigkeiten (Leute, die ungefragte meine Jobs machen, Leute, die wegen angeblicher Zuständigkeiten zu mir geschickt werde – die ich gerne übernehme, wenn man mich fragt, die aber bislang keineswegs meine Zuständigkeiten sind. Was sich natürlich alles als Missverständnis herausstellte.).

Nach Feierabend nahm ich eine U-Bahn in die Stadt: Ich wollte mir über meinen Mobilfunkvertrag ein neues Smartphone holen, damit Herr Kaltmamsell mein jetziges übernehmen und endlich absturzfrei (oder so gut wie) Pokémon spielen kann. Derzeit spielt er auf einem alten Tablet, das für die neue Software nicht wirklich ausgelegt ist.

Doch als ich im Telekomladen dran kam (Ich war eine Weile irritiert herumgestanden, weil ich den Bedienungsprozess nicht erkannt hatte: Am Eingang steht ein Pult, an dem man sein Anliegen vorträgt, dann bekommt man eine Über-Puck-große Scheibe, die vibriert, wenn man drankommt. Es taucht ein Verkäufermensch auf, der einen abholt. Nur dass dieses Pult unbesetzt war, als ich den Laden betrat und ich deshalb wie in jeden Laden einfach durchgegangen war. Eine Dame nach mir war so auch anstandslos bedient worden.), stellte sich heraus, dass die Angebote im Laden deutlich anders waren als auf der Website, und zwar deutlich teurer. Ich ging ohne neues Handy heim, Herr Kaltmamsell wird noch eine Weile warten müssen.

Daheim duftete schon eine Lasagne aus dem Ofen, dazu gab es ein Glas Weißwein. Nachtisch war Mangoeis mit Rumkirschen. Der Anruf meines Vaters endete nach nur zwei Sätzen, da eine Krankenschwester etwas von ihm wollte – puh. Meine Mutter hatte ich am Telefon nachmittags schnell auf andere Themen bringen können.

Die heimische Internetverbindung setzte aus, also ging ich noch vor neun ins Bett und las ausführlich (jetzt ist aber mal gut mit Wilkie Collins‘ Moonstone!).

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Katrin Scheib berichtet mal wieder aus Russland.
„Pokémon und Kokain – zu Besuch in Irkutsk“.

Irkutsk also. Die Stadt, bei der der es sich auszahlt, neulich im Russischunterricht die Steigerung von Adjektiven durchgenommen zu haben, um nun sagen zu können: Это самый скучный город в России – es ist die langweiligste Stadt Russlands.

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„Giving up alcohol opened my eyes to the infuriating truth about why women drink“.

Vieles in dieser Schilderung liest sich spezifisch US-amerikanisch, doch überlegenswert ist:

Maybe all that wine is an Instagram filter for our own lives, so we don’t see how sallow and cracked they’ve become.

Das gefällt mir als Erklärung für mich sehr gut: Allabendlicher Alkohol, um zu überpinseln, dass das Leben ziemlich gescheitert ist. Wobei ich, sie erinnern sich, es zunächst mal ja gar nicht haben wollte.

Caveat:

Newly sober women have a lot of wonderful qualities, but lack of judginess not one of them.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 21. August – Garmisch-München

Montag, 22. August 2016 um 6:41

In Garmisch hatte es über Nacht heftig geregnet, das Bergpanorama hing voller Wolken. Aber auch das kann Garmisch.

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An manchen Ecken schien die Zeit stehen geblieben.

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Wir sahen auch an der kleinen Rehaklinik vorbei, die meinen Vater ab Dienstag wieder in vollen Einsatz bringen soll.

Beim Auschecken war ich umschwirrt von Amateurradprofis in hochinteressanter und sehr teuer aussehender Kunstfaserkleidung von den Haarspitzen bis um die Füße, ihre Renngeräte unterm Arm.
Wir frühstückten mit Gepäck wieder bei Hoffmanns, diesmal wegen schlechten Wetters drinnen.

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Pralinenkauf beim Konditor Krönner – wir hörten mit, wie eine Fremdenführerin erzählte, dass dies hier das älteste Konditorengeschlecht Bayerns sei. Die Pralinen stellten sich nach dem Abendbrot als durchaus empfehlenswert heraus.

Diesmal nahmen wir den Bus raus in die Garmischer Klinik, um meinen Vater nochmal zu besuchen. Er ist weiterhin bester Dinge, fühlt sich gut versorgt – ihm fällt aber durchaus auf, dass selbst Schwesternschülerinnen manchmal die 12 Stunden Ruhe zwischen Schichten nicht einhalten: Personalmangel.

Bus zum Bahnhof, Zug heim nach München.

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Zuhause kruschen und räumen, die eine oder andere Stunde Bügeln. Dann brachte ich mal wieder ein Säckchen Urlaubskassenkleingeld zum Einzahlen, verlängerte den Heimweg, um über den frisch Regen-gewaschenen Südfriedhof Pokémon zu jagen. Über einen Pokéstop entdeckte ich ein Grabmal mit frischer Rose – so hieß der Stop.

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Das hier war mir aber schon vor Wochen und ohne Pokéstop aufgefallen.

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Das Abendessen bestritt wieder Herr Kaltmamsell. Er wagte sich nochmal an Spaghetti carbonara – und diesmal waren sie perfekt.

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Wie ist es eigentlich als Online-Redakteur im Lokalen? Michael Würz vom Zollern-Alb-Kurier schildert seine vergangenen beiden Jahre:
„Wie wir mit der Hetze fertig geworden sind“.

Da waren echte Heldinnen und Helden am Werk. Was mich unglaublich erleichtert:

Ich habe mir (…) die Mühe gemacht und auf alle Nachrichten und E-Mails sehr ausführlich geantwortet, erklärt, wann ich von der Auseinandersetzung erfahren habe, was ich dann getan habe, mit wem ich telefoniert habe. Warum es nicht sinnvoll ist, ungeprüfte Informationen zu verbreiten. Und dass eine halbe Stunde eine lange Zeit für jemanden ist, der auf eine Nachricht wartet, aber eine kurze für jemanden, der versucht, die Polizei ans Telefon zu kriegen, die gerade ihren größten Einsatz des Jahres zu koordinieren hat. Mit einigen der Leser hatte ich daraufhin längere Zeit Kontakt; sie zeigten ernsthaftes Interesse an der Arbeit unserer Redaktion, von der sie – teils jahrzehntelange treue Abonnenten – keine große Vorstellung hatten.

Das ist nicht vergnügungssteuerpflichtig, aber auch nicht – wie wir lange Zeit dachten – ein Kampf gegen Windmühlen. Im Gegenteil. Einige der Leser, die uns damals unterstellt hatten, ungefähr alles vertuschen zu wollen, melden sich heute regelmäßig auf der Facebookseite unserer Zeitung zu Wort und machen, wie wir scherzhaft sagen, einen guten Job. Wir beobachten mit Freude, wie sie nunmehr ihrerseits – nicht nur beim Flüchtlingsthema – anderen Lesern erklären, wie wir arbeiten, uns in Schutz nehmen und neuerdings sogar unsere Paywall verteidigen.

Bis dato hatte ich zu meiner Bestürzung annehmen müssen, dass sachliche Erklärungen völlig nutzlos seien. Sind sie wohl nicht immer, zum Glück.

via @spreeblick

die Kaltmamsell

Journal Freitag/Samstag, 19./20. August 2016 – Garmisch

Sonntag, 21. August 2016 um 8:53

Ich hatte mich am Freitag für nach Feierabend mit Herrn Kaltmamsell am Zug verabredet: Plan war, in Garmisch meinen Vater im Krankenhaus zu besuchen (neues Knie) und zu wandern. Allerdings war schlechtes Wetter vorhergesagt, wir würden flexibel sein müssen.

Von Garmisch hatte ich nur vage Vorstellungen. Meine Besuche hatten sich in der Vergangenheit aufs örtliche Kino beschränkt (davon unten mehr), an den Rest hatte ich kaum Erinnerungen (gab es nicht gegenüber vom Kino eine Pizza Hut?).

Unterkunft hatte ich in der Altstadt gebucht; auf der Karte sah der Ort so übersichtlich aus, als könne kein Weg länger als 20 Minuten dauern. Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte. Schon vom Bahnhof (pünktliche Ankunft, allerdings in einem unklimatisierten Backofen) zum Marienplatz gingen wir 20 Minuten – durchgeschwitzt von der Bahnfahrt durchaus anstrengend.

Das Restaurant, dass ich vorher recherchiert hatte, war dann aber wirklich nah: Vaun.
Ich aß Kürbismousse mit Zwetschen, Staffelseerenke mit Kräutersaitlingen und Asiareis, dazu lernte ich Welschriesling aus der Steiermark, von Skoff. Schmeckte mir sehr gut, passte wunderbar zum Kürbis, ist nicht verwandt mit Riesling. (Was die Empfehlerin nicht wusste.)

Am Samstag ausgeschlafen, zu sonnigem Sommerwetter aufgewacht.

Dafür, dass ich aus Oberbayern komme, empfinde ich Alpen-hohe Berge schon als sehr exotisch. Na gut, aus dem nördlichsten Oberbayern. Tatsächlich konnte ich schier nicht mit BOAH!-Fotos aufhören.

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Zudem sieht Garmisch an jedem Eck wie ein 50er-Jahr-Film aus, statt der omnipräsenten Damen in Niquab erwartet man Peter Alexander mit Band auf einem Pferdewagen oder Heinz Erhardt an Pettycoat-Mädel. Vielleicht halt ein 50er-Film von Buñuel.

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Vor allem aber gibt es in Garmisch dieses Kino:

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Als ich Ende der 80er, Anfang der 90er in Augsburg studierte, waren amerikanische Streitkräfte in beachtlicher Stärke in Garmisch stationiert. Und für sie liefen in diesem Kino US-Filme nicht nur unsynchronisiert, sondern auch immer bereits zum US-Start. Regelmäßig packten wir das eine im Freundeskreis vorhandene Auto voll und fuhren auf zwei bis vier Filme nach Garmisch. Mit einer Pause für Pizza in der Pizza Hut gegenüber. Hier sah ich unter anderem Jurassic Park und Sliver.

Gestern frühstückten wir unter Obstbäumen im Garten des Hoffmanns.

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Doch langsam wurde ich unruhig: Wir wollten vor unserer Wanderung über Kochelbergalm und Partnachalm ja noch meinen Vater im Krankenhaus besuchen, und für den Nachmittag war ein Wetterumschwung angekündigt. Der Routenplaner von Google Maps gab trocken an, dass es zur Klinik zu Fuß knapp 4 Kilometer und eine gute dreiviertel Stunde waren. Wir hasteten los.

Tatsächlich wurde das erst mal ein kurzer Besuch: Mein Vater hatte um 11 Uhr einen Physiotermin, er konnte uns gerade noch versichern, dass es ihm gut ging. Wir verabredeten uns für nach dem Wandern.

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So eine Skischanze ist schon ein eher absurdes Sportgerät.

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Kochelbergalm mit Fischweiher (und Hühnern und mächtigen Gänsen und Schweinen).

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Mittagspause auf der Partnachalm: Ich hatte Spaghetti Bolognese, Herr Kaltmamsell abgebräunten Leberkäse mit Kartoffelsalat. Ich hoffe, wir haben den Kellner durch Anwesenheit, Hunger und den Wunsch zu zahlen nicht zu sehr belästigt.

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Verlass dich niemals auf ein Wörterbuch.

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Partnachklamm von oben.

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Wir üben Selfie. (Irgenwann klappte es besser.)

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Partnachklamm von drinnen.

Das Wetter schlug wie vorhergesagt um. Als wir kurz vor vier wieder in die Klinik kamen, hatten uns erste Regentropfen angespritzt.

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Unglaublich, was die Medizin heute kann. Mein Vater stand bereits zwei Tage nach der OP wieder auf eigenen Beinen (unterstützt von Krücken, na gut).

Der Regen war stärker geworden. Doch Herr Kaltmamsell wies darauf hin, dass wir jetzt in geschützter Umgebung testen konnten, wie regendicht unsere Wanderjacken und -hosen tatsächlich waren – wir gingen die knappe Stunde zu Fuß zum Hotel. (Ergebnis: Nach einer halben Stunde Starkregen wird man auch innen nass.)

Und Abendessen gab es aus Nostalgiegründen gegenüber vom Garmischer Kino: in der Pizza Hut. Cheese Crust ist möglicherweise eine der akzeptableren Erfindungen der Nahrungsmittelindustrie.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch/Donnerstag, 17./18. August 2016 – Bankgeschäfte und Beifang aus dem Internet

Freitag, 19. August 2016 um 7:08

Jetzt hebt er dann doch die Hand zum Abschied, der Sommer. Gestern regnete es mehrfach kräftig, war den ganzen Tag düster und bedeckt.

Mittwochmorgen eine halbe Stunde Gymnastik für Bauch und Rücken, fühlte sich anstrengend an.

Mittwochabend nahm ich einen weiteren Schritt meines Kontowechsels in Angriff und schwitzte eine Stunde über der Auflistung aller Stellen, mit denen ich per Lastschrift oder Dauerauftrag in Verbindung stehe. Bankgeschäfte sind halt wirklich keine Routine für mich.

Anschließend gab es zum Nachtmahl Ernteanteil.

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Salat mit Gurken und Tomaten (und einer zugekauften milden Zwiebel), gebratene Zucchinischeiben.

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Am gestrigen Donnerstagmorgen eine Runde Crosstrainerstrampeln – ich komme sonst diese Woche nicht mehr zu Ausdauersport.

Für meine Radlfahrten erwischte ich zum Glück immer Regenpausen. Nach Feierabend Termin in meiner künftigen Bank; jetzt fehlen nur noch wenige Schritte, bis ich nicht mehr an das Thema denken muss.

Zum Nachtmahl mehr Ernteanteil.

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Gebratener Mangold – inklusive dem Grün der roten Beete, die botanisch dieselbe Pflanze ist. Dazu in Schweineschmalz gebratene Bratkartoffeln.
(Zum Nachtisch müssen Sie sich immer Schokolade, Schokonüsse, Fruchtgummi etc. vorstellen.)

Wieder früh ins Bett, um dort noch eine Stunde zu lesen.

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Die erfolgreiche US-Komikerin und Autorin Sara Benincasa reagiert auf die anonyme Frage: „Why did you gain so much weight?“
„Why Am I So Fat?
A man wrote to me to ask why I gained weight. Here’s my response.“

First things first, thank you for not threatening to rape me! I get rape threats because I’m a woman on the Internet.

via @misscaro

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Eine schöne Bahngeschichte bei Spon, Gegengift zu einer dort kürzlich veröffentlichten Bahnnöhlgeschichte.
„Würzburg-Hamburg: Bahn-Mitarbeiter können auch nett sein – und wie“.

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Carolin Emcke hat die Festspielrede zur Eröffnung der Ruhrtriennale 2016 gehalten:
„Vom Übersetzen“.

Selten hatte ich so wenig Zutrauen zu öffentlichen Reden als Instrumenten der Verständigung wie in diesen finsteren Zeiten.

Wann hat das begonnen, dass ungefiltert und hemmungslos jede innere Unanständigkeit heraus gepoltert werden darf, ganz gleich wie verletzend, ganz gleich wie schamlos, ganz gleich wie falsch?

Doch dann spricht sie über Aufklärung und über Anstand. Ihre Rede endet mit einem Appell für saubere Hosen.

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Bedrückend und sehr informativ:
„Leben mit einer Angststörung
Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle“

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„Die Schwimmerin, die über ihre Periode spricht, zeigt, wie sehr wir uns nach Normalität sehnen“.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 16. August 2016 – Grieche statt Biergarten und Familienpokémon

Mittwoch, 17. August 2016 um 6:28

Die Gerüche auf dem Fußweg in die Arbeit waren immer noch sommerlich, hatten aber bereits eine Note Herbst.

Ein Kollege will seit Wochen rausfinden, wann ich Geburtstag habe. Ich verweigere ihm die Auskunft, aber irgendwie erinnert er sich an August. So schenkte er mir gestern einfach zu meinem Geburtsmonat etwas.

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Ich war sehr gerührt. (Aber möglicherweise gestalte ich die Unterhaltungen auf dem Bürogang zu monothematisch.)

Nachmittags erreichte mich die Absage einer Essenseinladung am Freitag bei Herrn Kaltmamsell und mir. Ich war enttäuscht, da ich mich auf die Gäste gefreut hatte, plante aber gleich um: Wir hatten am Wochenende meinen Vater im Krankenhaus in Garmisch besuchen wollen – nun werden wir schon am Freitag anreisen. Ich buchte uns eine Unterkunft (kleiner Zwischenschreck, da sich das Buchungsdatum in der Stunde geändert hatte, die der Suchergebnisreiter im Browser unbearbeitet offen war, und ich so erst mal das falsche Wochenende buchte – doch die umgehende Stornierung funktionierte).

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Weiterhin das Bedürfnis, die Sommertage und -abende zu nutzen. Doch gestern blieb ich auf dem Weg zum Biergarten des Paulander Bräuhauses doch lieber beim Griechen Molos draußen hängen: Ich hatte nicht so sehr Lust auf Bier und Fleischiges.

Wir ließen erst Mal Vorspeisen für zwei servieren:

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Ich musste zum Fotografieren aufstehen, die Vorspeisen waren durchgehend köstlich. Danach gab’s noch gegrillte Babycalamares.

Zurück daheim rief ich meine Mutter an: Die Nachrichten nach der OP meines Vaters waren beruhigend. Später rief Neffe 1 an, um sich nach meinem Pokémonstatus zu erkundigen. Der 15jährige ist trotz Sommerferien erst auf Level 11, weil ihm verboten wird, auf Spaziergängen aufs Handy zu schauen. Er wird mir nun Screenshots seiner besten Pokémon schicken – weil ich kein Whatsapp installiert habe (mittlerweile keineswegs grundsätzliche Abwehr, sondern der eine Kanal zu viel, den ich mir nicht antun möchte), halt per E-Mail („wenn ich wieder an meine E-Mail darf“).

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Prof. Harald Lesch untersuchte aus wissenschaftlicher Perspektive die Aussagen zum Klimawandel im Afd-Wahlprogramm – und fing sich damit ordentlich Hate Mail ein. Woraufhin er auch dieses Phänomen wissenschaftlich beleuchtete.
„Erklären statt pöbeln
‚Sehr hässliche Hassmails'“.

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„Wer kümmert sich eigentlich um die tausenden Userkommentare, die Medien täglich bekommen?“

Ein schönes Gruppeninterview im Zeit Magazin, in dem es keineswegs nur um Hater geht.

die Kaltmamsell