Journal Dienstag, 6. Dezember 2016 – Nikolausnachhilfe

Mittwoch, 7. Dezember 2016 um 6:28

Herr Kaltmamsell war am Vorabend extra noch aus dem Haus gegangen, um einen Schokoladennikolaus für die netten Nachbarn zu besorgen, die uns zu allen Anlässen Aufmerksamkeiten vor die Tür stellen. Ich hatte ihn mit dem Hinweis verabschiedet, dass er ja nicht nur einen kaufen müsse, da andere Menschen *Augengeklimper* sich ja auch *Augengeklimper* über Schokonikoläuse zu Nikolaus *Augengeklimper* freuen.

Und so stand gestern völlig überraschend morgens in der Küche neben der vorbereiteten Cafetera ein handgefertigter Bio-Schokonikolaus.
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Theresienwiese in der 2. Adventswoche.

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Wintersonne. Es war ein kalter, wolkenlos sonniger Tag – doch der Luxemburger Besuch hing im Erdinger Moos fest, wo am (angeblich) Münchner Flughafen wegen dichten Nebels gar nichts ging.

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Sagen Sie mal: Wohne ich im einzigen Haushalt meiner Internetblase, in dem überhaupt nicht weihnachtlich dekoriert wird? Nicht mal aus Trotz, sondern wegen egal?

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Wieder ein Tag, an dem ich sowas von nicht geschafft habe, meiner Stellung angemessen die Klappe zu halten.

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Die Erkältung war gestern lästig genug, mir Mitleid zu sicher, aber bei weitem nicht schlimm genug für einen Krankheitstag daheim. Morgensport wäre zwar wirklich nicht möglich gewesen, doch Fußweg hin und zurück fühlte sich gut an. Auf dem Heimweg holt ich mir Erkältungslikör für guten Nachtschlaf.

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Foodies unter sich in meiner Twitter-Timeline. (Team Weißwein.)

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Und du?

die Kaltmamsell

Journal Montag, 5. Dezember 2016 – Kranke Atemwege

Dienstag, 6. Dezember 2016 um 6:31

In den letzten Jahren hatte ich mich daran gewohnt, dass ich zu Weihnachten den totalen Stimmungsrappel mit Fluchtbedürfnis bekommen, dafür aber den Advent genieße.
Auch davon muss ich mich wohl verabschieden: Es ist gerade mal 2. Advent durch, und ich habe das ganze enorm satt. Das kann nicht nur an der kleinen Bronchitis liegen, von der gerade meine unteren Atemwege schmerzen.

Ach ja: Der Winter hängt mir auch zum Hals raus. Schwester.

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Auf dem Heimweg gemerkt, dass ich noch kränker war als gedacht – verärgert knickte ich die Sportpläne für den nächsten Morgen: Dafür würde ich nicht genug Luft haben. Heim geschlichen, Resteessen zum Nachtmahl, früh ins Bett.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 4. Dezember 2016 – Gib meinen Turnübungen Tiernamen!

Montag, 5. Dezember 2016 um 8:48

Gestern spazierte ich in eisiger Hochnebeltrübe zum Sport am Ostbahnhof, zunächst für ein halbes Stündchen Krafttraining, Geschmacksrichtung „Functional Training“. Die Vorturnerin erklärte sehr gut und hatte allerliebste Bezeichnungen für die Übungen. Als nach „Seestern“ (auf dem Bauch liegend Arme und Beine schräg hochrecken) und „Pissing dog“ (im Vierfüßlerstand Bein abgewinkelt heben) auch noch „Kicking crab“ (Vierfüßlerstand, rechten Arm und linkes Bein gleichzeitig strecken) angekündigt wurde, freute ich mich sehr und meinte, eine Turnstunde „Animal Moves“ würde ich ganz sicher frequentieren. Ich weiß, die Herrschaften von der Yoga-Fraktion können da nur wissend lächeln, doch jetzt hat die Vorturnerin für nächsten Sonntag eine halbe Stunde ausschließlich mit Tiernamenübungen angekündigt: Da muss ich hin!
(Nächste Stufe: Pokémonnamen-Krafttraining.)

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Auf dem Heimweg setzte ich mich auf eine Bank und hielt meine Telefonverabredung mit meinem Bruder ein: Christkindlwünsche der Familie einholen. Damit ich mitschreiben konnte, befleißigte ich mich einer Technik, die ich mir von Hijabträgerinnen abgeschaut hatte: Ich steckte das Telefon an der Ohrmuschel unter meine fest anliegende Mütze. Funktionierte wunderbar.

Daheim backte ich zügig die zweite Charge Chrsitstollen, die für die deutsche Verwandtschaft – der Ofen musste rechtzeitig für die Abendessenbereitung frei werden. Zum Frühstück gab es auf dem Heimweg besorgte Semmeln und einen Granatapfel: Beim Lieblingssüpermarket gibt es seit einiger Zeit zwei Sorten Granatäpfel, süße und saure. Die mit „sauer“ gekennzeichneten entsprechen in Aussehen und Geschmack meiner Granatapfelerwartung, letzte Woche nahm ich aus Neugierde auch mal einen süßen mit, der kleiner und heller aussieht. Auch die Kerne waren heller (könnte aber am Reifegrad gelegen haben) und schmeckten tatsächlich süß – allerdings nur das, sie schmeckten nicht wirklich nach Granatapfel. Vielleicht könnte man die Kerne des süßen und sauren Granatapfels mischen.

Vorbereitungen der Abendeinladung zusammen mit Herrn Kaltmamsell: Der Gast aus Luxemburg hatte sich Bayerisches gewünscht, es gab Schweinsbraten.

Beim Kochen hörte ich auf dem Internetradio BBC Radio 1 – schönste Partymusik, ich fühlte mich wieder wie 23 (als ich in Wales Radio 1 kennengelernt hatte).

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Es bleibt sehr bitter für Nachwuchsakademikerinnen:
„Things people tell you in academia“.

Man hat den Eindruck, dieses Thema ist dir nicht wichtig. Da kann man dich schon mal vergessen. Dir nicht Bescheid sagen. Dich nicht nennen. Dich nicht einladen oder mitnehmen. Es wird nicht wieder vorkommen, versprochen. Aber wir wussten es ja nicht besser.
Es ist etwas aggressiv, wie du dich einbringst. Wie du daran erinnerst, dass du dazugehörst und mitgearbeitet hast. Wie du darauf pochst, erwähnt zu werden. Das kommt nicht so gut an, dieses ständige Fordern, verstehst du? Du bist doch jetzt schon so lange hier. Du weißt doch, dass manchmal Leute vergessen werden. Da darf man sich nicht so leicht kränken lassen.

§

Eine interessante und rührende Geschichte: Michael Chabon, der Romanautor, den ich für The Yiddish Policemen’s Union und The Amazing Adventures of Kavalier & Clay sehr schätze, begleitet seinen 13-jährigen Sohn Abe zu Pariser Modeschauen.
„My Son, the Prince of Fashion“.

Abe was just a kid who loved clothes. He loved talking about them, looking at them, and wearing them, and when it came to men’s clothing, in particular the hipper precincts of streetwear, he knew his shit. He could trace the career path of Raf Simons, from Raf to Jil Sander to Dior and now to Calvin Klein. He could identify on sight the designers of countless individual articles of men’s clothing—sneakers, shirts, jackets, pants—and when he didn’t know for sure, the guesses he made were informed, reasoned, and often correct. He seemed to have memorized a dense tidal chart of recent fashion trends as they ebbed and flooded, witheringly dismissing a runway offering as “fine, for 2014” or “already kind of played out last year.” His taste as reflected in the clothes he wore was impeccable, interesting, and, in its way, fearless.

(…)

From the moment he became himself, what made Abe different—from his siblings, from classmates, from most of the children who have ever lived—was the degree of comfort he felt with being different. Everybody wants to stand out from the crowd, but so few of us have the knack, and fewer still the stomach for bearing up under the crush of conformity. It was always Abe’s rare gift not just to stand out, and bear up, but to do those things with panache. And the way in which he expressed his difference most reliably, and with the greatest panache, was through dressing up.

via @fragmente

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 3. Dezember 2016 – Besuch aus Luxemburg

Sonntag, 4. Dezember 2016 um 8:28

Gestern bekam ich Besuch aus Luxemburg und hatte Gelegenheit, ihm ein wenig München zu zeigen. Unter anderem fuhr ich zum ersten Mal Christkindltram – und wurde prompt ge-Wham-t.

Der Münchner Himmel zeigte sich von der strahlendsten Seite, im Sonnenschein reihten wir uns in die adventsamstäglichen Menschenmassen ein. Nur ganz schön kalt war es. Wir wärmten uns bei Topfenstrudel im Tambosi auf (so lange es das noch gibt). Ich genoss es sehr, mit jemandem in meiner Stadt unterwegs zu sein, der schon aus beruflichem Hintergrund einen ganz anderen Blick auf die Schaufensterauslagen hat – unter anderem erlebte ich zum ersten Mal, dass jemand an einem Perückengeschäft hängen blieb. UND ich freue mich jetzt auf das Grenzgänger-Theaterfestival nächstes Jahr.

Abends wurden Herr Kaltmamsell und ich zum Essen eingeladen und hatten auch dort Spaß.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag/Freitag, 1./2. Dezember 2016 – Bundesteilhabegesetz

Samstag, 3. Dezember 2016 um 8:04

Am Donnerstag auf dem Heimweg Obsteinkäufe im Lieblinssüpermarket, Ratsch mit Verkäuferin über den korrekten Joghurtgeschmack (wir waren uns einig: sauer). Derzeit habe ich großes Vergnügen an reifen Granatäpfeln, ich nahm drei Stück mit.

Donnerstagabend war ich allein daheim, da Herr Kaltmamsell berufliche Termine hatte. Ich kämpfte mit vielfältiger Terminpanik privater und beruflicher Natur, faktisch völlig unbegründet, aber dagegen bin ich machtlos.

Neues Teilhabegesetz in der Tagesschau; es wurde ausführlich über die Proteste der Betroffenen gegen den Entwurf berichtet, Göring-Eckharts Redeausschnitt im Bundestag gezeigt, in dem sie auf den Einfluss dieser massiven Proteste hinwies: Sie hätten daraus gelernt. Ich freue mich sehr darüber, dass die Gemeinten tatsächlich sichtbar wurde. Ein Anfang (!) von no discussion about us without us ist gemacht. Und: Sichtbare, filmbare Proteste vor Ort bewirken immer noch mehr als Online-Petitionen.

Durchs jahrelange Lesen von Blogs Behinderter habe ich schon lange den Verdacht, dass die traditionellen Interessensverbände zum einen nicht mehr schlagkräftig sind und zum anderen oft nicht die tatsächlichen Interessen der Behinderten vertreten – vielleicht einfach weil sie in einer Vergangenheit wurzeln, in der Behinderte nicht als Handelnde, sondern nur als Behandelte gesehen wurden.

(Sie sehen: Ich halte mich trotz aller Internetschlechtigkeit am warmen Kerzenschein des „Everybody has a voice“ fest. Das Internet hat mir erstmals direkten und einfachen Zugang zu den Stimmen von Behinderten ermöglicht, von Rollstuhlfahrerinnen, Gehörlosen, Sehbehinderten, Kleinwüchsigen, Menschen aus dem Autismus-Spektrum. Dank ihrer sehe ich den Alltag und die Welt mit anderen Augen, nämlich ein bisschen auch mit ihren.)

Apropos:
„Ratschläge in der Schwangerschaft
Hauptsache, es wird“.

Die taz-Ausgabe 2.12.2016 war von Behinderten gemacht. Unter anderem berichtet Moderatorin und Lesebühnentier Ninia LaGrande von ihrem Schwangersein.

Die Humangenetikerin versucht nach dreiunddreißig Jahren noch einmal herauszufinden, warum ich so bin, wie ich bin. Spoiler: Sie schafft es nicht. Ich habe keine vererbbare Kleinwuchsform. Zumindest keine, die man feststellen könnte. Ich bin klein, der Mann ist mittel, das Kind wird irgendwie. Hauptsache, es wird.

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Mein Telefon ist wieder ganz gesund, der Akku lädt schnell und hält lange; der Schaden lag also wirklich am Ladesensornupsiteil.

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Gestern sah ich die Weihnachtslok! Ich hatte sie völlig vergessen: Als ich ihren Pfiff hörte, freute ich mich ungeheuer. Und rannte einmal quer durchs Stockwerk an das eine Gangfenster, von dem aus man sie am besten sieht. Meine Würde hole ich mir halt irgendwann anders wieder.

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Zur Feier des Freitagabends kochte Herr Kaltmamsell italienische Dim Sum plus Rinderfilet. Absolut köstlich.

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Andrea Diener war auf Sri Lanka und hat wundervolle Fotos sowie Geschichten und Geschichte mitgebracht:
„Ohne den Tee wäre die Weltgeschichte eine andere“.

die Kaltmamsell

Twitterfavoriten November 2016

Donnerstag, 1. Dezember 2016 um 17:14

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Noch mehr Lieblingstweets in Blogs listet wieder Anne Schüssler auf.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 30. November 2016 – Stark

Donnerstag, 1. Dezember 2016 um 6:56

Abschied vom Wall in Bremen. Es war milder, aber auch trüb geworden.

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Im Bremer Bahnhof noch Tee und Schokolade gekauft.

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Mit mir steigt eine Gruppe fröhlicher alter Damen ein, darunter meine Sitznachbarin. Sie versucht ihren kleinen Hartschalenkoffer ins Gepäckfach zu heben, gibt aber gleich auf. Ich biete Hilfe an, sie zögert:
„Können Sie das?“
„Ja,“ antworte ich und hebe den Koffer vorsichtig ins Gepäckfach.
Als die Dame sich ans Aussteigen macht, frage ich mit Blick auf den Koffer:
„Soll ich?“ Und hebe ihn mit einer Hand herunter.
Ihre Augen werden groß: „Oh – Sie sind ja wirklich stark!“
Ich lache: „Ja!“
Sie bekommt sich gar nicht mehr ein: „Eine starke Frau!“
„Ich übe ja auch mit Hanteln und Gewichten.“

(Und jetzt geht sie hin und wünscht sich zu Weihnachten Hanteln und die Fitness-DVD „Strong Golden Girls“. Nächstes Jahr um diese Zeit begegnen wir einander zufällig wieder in einem ICE. Als sie nicht nur ihren eigenen Koffer, sondern auch die ihrer Freundinnen ins Gepäckfach hebt, erklärt sie mir stolz: „Jetzt bin ich nämlich auch stark.“)

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Ein paar Stunden Büro, dann mit Rollkoffer zu Fuß in Plusgraden nach Hause: Ich hatte Bewegung und Luft dringend nötig.

Mit Herrn Kaltmamsell die Glühmarktsaison am Sendlinger Tor eröffnet: Pommes (ich weiß, sind aber für mich typisch Christkindlmarkt), Feuerzangenbowle, Regensburger spezial (mit Essiggurke und Meerrettichsauce).

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die Kaltmamsell