Journal Freitag, 29. Juli 2016 – Niedlichkeit und Lesestoff

Samstag, 30. Juli 2016 um 8:48

Früh mit dem Rad in die Arbeit, weil ich mit der Auszubildenden verabredet war.

Oberchefinnentochterwelpe machte Station in meinem Büro und erfüllte seine Niedlichkeitspflichten.

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Feierabend um vier, auf dem Heimweg noch Obst für in den tinto de verano gekauft, denn es war sommerlich. Allerdings überforderte es mich, dass ich schon um fünf daheim war: Zu früh fürs Abendessen, doch andere Pläne und Wünsche für den Abend hatte ich nicht. Ich las ein bisschen Zeitung, bis ich beschloss, dass es dann halt schon früher Abend war und Herrn Kaltmamsell zum Bereiten von Nachtmahl und Drinks trieb.

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Es gab getoastete Sandwiches, das Cordon bleu des kleinen Mannes.

Das Bayerische Fernsehen zeigte abends einen Zusammenschnitt der Gala zum 60. Geburtstag der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Die Zeit der Lach- und Schieß, die ich am besten kenne, ist die mit Henning Venske und Rainer Basedow – umso mehr freute ich mich über deren Auftritte. Aufnahmen aus den Anfangsjahren der Lach- und Schieß (und des FC Schmiere) wurden eingespielt, Josef Hader werde ich mir dringend doch mal solo ansehen müssen. Dass als einzige Frau Luise Kinseher auf die Bühne kam (neben Caroline Ebner im aktuellen Ensemble), wurde zwar thematisiert, war deshalb aber nicht weniger bitter.

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Ich weiß, Sie kommen hierher zum Lesen, weil ich immer einen Erfolgstipp auf Lager habe, 100-prozentige Durchschlaggarantie.

Hier mal wieder Tipps für Frauen in Führungspositionen.
„9 Non-Threatening Leadership Strategies for Women“.

Besonders wichtig zum Beispiel:

When you hear a sexist comment, the awkward laugh is key. Practice your awkward laugh at home, with your friends and family, and in the mirror. Make sure you sound truly delighted even as your soul is dying inside.

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Oh doch, ich spiele immer noch Pokémon. Noch allerdings im Rahmen meines Telefons.

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Manche beschäftigen sich damit, wie Astrophysiker kommunizieren sollten, wenn sie außerirdisches Leben entdecken.

Andere wiederum damit, ob Außerirdische zum Judentum konvertieren können.

via @AndreasSchepers

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Laurie Penny hat in den USA nicht nur den Parteitag der Republikaner besucht, sondern in den vergangenen Tagen auch den der Demokraten. Hier ihre zusammenfassende Analyse:
„American Horror Story“.

I went backstage at the biggest political show on earth- and found America telling stories about itself.

Ich möchte schon wieder am liebsten den ganzen Artikel hier reinkopieren: Laurie schreibt einfach so großartig. Allerdings weiß ich, wie gefährlich gute Schreibe und Pointen in einer politischen Analyse sein können – vor allem, wenn sie meiner Meinung entspricht. Sie können analytische Fehler verdecken. In Lauries Fall bin ich aber sicher, dass sie die Grundstrukturen richtig erfasst hat.

American politicians know that they are in showbusiness and generally have the terrifying teeth and hair to prove it, although a few of them get to be character actors. The conventions are the press matinee. Sequins, sparkles, wild promises, your favourite celebrities, pizza costs seven dollars a slice, the stadium is lit, balloons fall like platitudes from the rafters, the camera zooms in on the delegates weeping with joy.

It’s all designed to make you feel good. The question is – what kind of good do you want to feel?

Donald Trump makes you feel good like a line of cocaine or an adulterous orgasm makes you feel good. His puffed-up pridemongering appeals to the cowed, craving animal inside every citizen that wants to vote for cake today and fuck the other guy. Why? Because it feels good, and because so little else does.

But the Democrats? They make you feel good.

They make you feel worthy, and pure, and moral, or at least like you could be all those things if you tried. They make you feel like you’re a good person for trying. They make you feel like liberalism is a position that makes sense. Everyone wants to believe that they are a good person. Americans want to believe it more, perhaps, than the rest of us, because their nation has done and continues to do some very bad things both in the world and to its own people in the name of a dream that is still a nightmare for millions.

(…)

Lying is wrong, but party politics is a project of public mythmaking and manipulation so enormous that it crushes the concept of falsehood. In the writer’s room of US politics, the scriptwriters have move beyond lies to the management of truth, the creation of a master story that can explain all the other stories, sweep them up, make us want to turn the page, knowing we can never truly choose our own adventure.

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Susanne Englmayer hat über Tango geschrieben, was da passiert und was eben nicht:
„Tango ist möglich“.

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Herzerfrischung gestern: Der Blick auf dem Ausland auf den Umgang hier in Deutschland mit den Anschlägen der vergangenen Wochen.
„How Germans handle terror
Pure reason“.

Große Liebe für den Bildtext. (Auch wenn wir hier alle wissen, dass der Economist so manche Hysterie hierzulande schlicht ausblendet.)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch/Donnerstag, 27./28. Juli 2016 – Übernachtungsbesuch und Pokémon zu zweit

Freitag, 29. Juli 2016 um 10:06

Am Mittwochmorgen so gründlich am Milchkaffee verschluckt, dasss ich 1 Tisch, 2 Stühle (Lehnen und Polster) sowie 3 qm Parkett damit besprühte. Wäre ich nicht so beschäftigt damit gewesen, die Flecken zu beseitigen, hätte mich das stolz auf meine Effektivität gemacht.

Eine Runde Strampeln auf dem Crosstrainer, weil ich sonst in dieser Arbeitswoche gar nicht zum Ausdauersport gekommen wäre.

Mit dem Fahrrad zur Arbeit, um nach Feierabend schnell zum Abholen der Ernteanteil-Gemüsekiste zu fahren. Obwohl schwarze Wolken den Weltuntergang ankündigten, trocken heimgekommen; der Wolkenbruch ging in der anschließenden Einkaufsrunde exakt in den Minuten nieder, die ich im Supermarkt verbrachte.

Erfreulichen Übernachtungsbesuch gehabt.

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Donnerstagmorgen zu Fuß in die Arbeit, begleitet vom Übernachtungsbesuch. Erstmals zu zweit Pokémon gefangen, Tipps ausgetauscht, einander die ungewöhnlichsten Pokémon im Bestand gezeigt. Durchaus auch sonst geplaudert.

Im Büro viel Arbeit, darunter auch erfreuliche Fortschritte. Mittagsverabredung in der Kantine mit langem Gespräch – vielleicht konnte ich einen nützlichen Kontakt vermitteln.

Spätnachmittags im Haus eine Presseveranstaltung; ich war lediglich Zuhörerin und lernte eine Menge über Technik im Sport aus den Vorträgen.

Abends zu Fuß nach Hause; nachdem die App den ganzen Tag nicht funktioniert hatte, konnte ich jetzt wieder Pokémon spielen und hatte meine Gaudi.

Sehr erschöpft heimgekommen, dem noch viel erschöpfteren Herrn Kaltmamsell in die Arme gefallen und erst mal dort geblieben.

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„Die Guerilla-Historiker“.

Historiker Moritz Hoffmann und Historikerin Charlotte Jahnz (aka Erfinderin von #öpnvstarren) sind seit Jahren mit und für ihr Fach im Mitmachweb unterwegs – und haben schon mehrfach auf der re:publica davon erzählt. Jetzt berichtet Spektrum der Wissenschaft über sie – und warum die Präsenz von Fachleuten in Social Media so wichtig ist.

Das historische Interesse in Kommentarspalten und sozialen Medien ist groß – die populistische Empörungslust auch. Ein Häuflein unerschrockener Historiker hält mit Fakten dagegen.

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Der Brexit ist in den Turbulenzen der vergangenen Wochen auf die hinteren Seiten der Zeitungen gerutscht – deshalb aber nicht weniger anstehend.
Ökonomin Siebenhundertsachen nimmt das Thema aus ihrer Fachsicht auf und rechnet systematisch durch:
„We are all doomed… Was Ökonomen über die Folgen des Brexit wissen (4)“.

Sauspannend, weil nüchtern und sachlich, die Einordnungen dieses Blogs öffneten mir nicht zum ersten Mal die Augen.

Es kursieren in der Presse einige Zahlen wie „der Austritt würde jeden britischen Haushalt pro Jahr 780 Pfund kosten“. Solche Zahlen sind ausgemachter Unsinn. Wir können keine Zahlen in Geldeinheiten prognostizieren. Wir können immer nur sogenannte ceteris paribus-Aussagen treffen. D.h. ein ökonomisches Modell kann an einer Schraube drehen, hier an der Beziehung zur EU, muss aber unterstellen, dass der gesamte Rest des Systems sich nicht ändert oder zumindest entlang einer zusätzlich festgelegten Prognose. Alle Änderungen, die wir ausgeben können sind also relativ zu einem Referenzpfad, den wir aber auch nicht mit Sicherheit kennen. Wir wissen nicht, wo die britische Wirtschaft 2030 stünde, hätte das Referendum nicht stattgefunden, wir werden diesen Pfad auch nicht mehr beobachten können, wir können aber nur sagen um wieviel Prozent sie nun ca. unter diesen Pfad gelangen werden.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 26. Juli 2016 – Schöner Traum

Mittwoch, 27. Juli 2016 um 6:25

Sehr leicht und unruhig geschlafen, umgetrieben von den Gedanken an den Suizid vom Vortag und an Carolin Ehmkes Aussagen zu Hass auf der re:publica.

Abschließend aber wundervoll von meiner liebsten Wohnung der Welt geträumt: Dass ich die Möglichkeit hatte, dorthin zurückzuziehen und sie renovieren zu lassen (im Traum lebte in der Wohnung darüber immer noch der seltsame Jurist, und der hatte einen Weg gefunden, das fast schon baufällig heruntergekommene Haus von innen zu renovieren). Da ich so leicht schlief, ordnete ich den Traum noch während des Träumens ein: Nirgends hatte ich mich jemals so geborgen und daheim gefühlt wie in den sieben Jahren, in denen ich dort wohnte – die jetzigen schlimmen Zeiten hatten eine Sehnsucht nach dieser heilen Welt ausgelöst. Ich freute mich, dass ich zumindest im Traum dorthin zurückkehren durfte.

Verdacht, dass das dann wohl doch restless leg syndrom ist, was mich seit Jahren immer wieder dazu bringt, beim Einschlafen oder im Theater dringend meine Beine ganz fest ausstrecken und anspannen zu müssen. Eine weitere der zauberhaften Begleiterscheinungen des Klimakteriums?

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Nach über einer Woche Pause morgens eine Runde Kraftttraining – tat sehr gut.
Zu Fuß in die Arbeit, unterwegs Pokémonfangen und Pokéstopleeren.

Schülerpraktikantinnen weiterbetreut, Ansprechpartner für Kurzvorträge vermittelt.

Am Nachmittag stand völlig fertig die derzeitige Auszubildende in meinem Büro. Ich hatte sie vor Wochen mit einer Reportage über unsere neuen Kantinenbetreiber beauftragt, inklusive einem Tag Mitarbeiten (klassische Volo-Geschichte). Hatte sie ins Thema Reportage eingeführt, Beispielreportagen lesen und ein wenig analysieren lassen, Fragen für Interviews mit ihr erarbeitet, Tipps für Ansprechpartner und Herangehensweise gegeben. Hatte nicht locker gelassen, als es schwierig wurde, einen Termin für die Mitarbeit zu finden. Sie beruhigt, dass ich sie beim Schreiben der Geschichte in jedem Schritt begleiten würde.
Doch dann stand sie gestern da, mit roten Augen (der Dampf in der Küche), völlig verschwitzt (die Hitze in der Küche) und mit hängenden Schultern: Ob sie früher heimgehen könne, sie stinke, sei fertig und wolle einfach nur duschen?
Da hatte ich dann doch ein schlechtes Gewissen.

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Von wegen Depressionen: Creezy hat ausführlich aufgeschrieben, in welcher Situation Betroffene welche konkrete Hilfe finden können, was das Umfeld am besten ganz konkret tut.
„Traurig.“

die Kaltmamsell

Journal Montag, 25. Juli 2016 – Rabenschwarzer Tag

Dienstag, 26. Juli 2016 um 8:55

Der Morgen begann mit der Nachricht, dass in der Nacht zuvor in Ansbach der erste Selbtmordanschlag in Deutschland verübt worden war.

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Fußweg durch graue Schwüle in die Arbeit, wo ich gestern und heute zwei Schülerpraktikantinnen betreue. Solchen Praktikantinnen erkläre ich zunächst immer anhand einer Präsentation, was die Kommunikationsabteilung eigentlich macht. Aus meiner Nebenbemerkung, dass die arbeitgebende Organisation noch nie von einer Frau geleitet wurde, entspann sich eine Unterhaltung mit den beiden über Feminismus. Zu meiner Erleichterung schien ihnen bewusst, dass noch viel zu tun ist.

Als ich die jungen Frauen mit einem Arbeitsauftrag versorgt hatte, fiel mich meine Twittertimeline mit einer Vermisstenanzeige an: Johannes Korten, den ich als langjährigen Bewohner des Webs und Berufskommunikator der GLS-Bank kannte (allerdings nicht persönlich), hatte einen Abschiedsbrief in seinem Blog und bei Twitter hinterlassen und war verschwunden. Große Bestürzung. Am Nachmittag berichtete die Bochumer Polizei, dass er tot war; auf verschiedenen Blogs erschienen Nachrufe.

Nun war ich endgültig durch den Wind und schwankte zwischen dem Befremden, dass Korten in seinen Schritt so viele Menschen mit hineingezogen hat durch den öffentlichen Abschiedsbrief und seinen Tweet – und dem Schmerz des Wissens, dass keine Liebe und keine Anerkennung der Welt gegen die große Lüge der Depression ankommen. Mir ist schon klar, dass in der finalen Phase einer Depression die Meisterschaft des Menschen in kognitiver Dissonanz dazu führt, dass er die Rücksichtslosigkeit seinen Angehörigen gegenüber wegerklärt mit der Überzeugung, sie seien ohne ihn besser dran. Doch den eigenen Suizid in einem öffentlichen Blog zu verlautbaren ist schon ein extra starkes Stück wegerklärter Rücksichtslosigkeit. (Ich merke, dass derzeit die Wut überwiegt. Wo ich doch weiß, dass der Auslöser dieser Wut Teil einer Krankheit ist.)

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Kurz bevor ich Feierabend hatte machen wollen, begann ein Sturzregen, der sogar Hagel mitbrachte. Ich wartete eine Stunde, bis der Regen aufhörte, krempelte die Beine meiner weißen Sommerhose hoch (Spritzer!) und ging heim, mit einem kleinen Umweg über den Süpermarket Verdi für Obstkauf. Impulskauf: Johannisbrotsirup, den ich beim Vorbeilaufen in einem Regal sah – kenne ich noch nicht, bin gespannt.

Herr Kaltmamsell hatte typisch deutsches Abendbrot angerichtet (Radi geraspelt mit Sahne und Kümmel ist sehr gut!). Wir unterhielten uns über die schlimmen Dinge der vergangenen Tage.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 24. Juli 2016 – Heimreise

Montag, 25. Juli 2016 um 6:53

Mit nur dem leisesten Kater aufgewacht. Duschen, Bloggen, Packen, Fahrt zum Bahnhof. Dort trank ich Morgenkaffee und holte mir Proviant für die Heimreise, unter anderem einen Streuselfladen, der für mich typisch Berlin ist: Ein ungeheuer mächtiges Süßgebäck mit saftigem Hefeteig drunter und mehreren Zentimeter fetten, vanillinigen Streuseln drüber. Sättigt auf der Reise von Berlin bis hinter Bozen.

Beim Einsteigen in den ICE Slapstickeinlage, als eine Vielzahl großbekofferter Reisender (Ferienbeginn!) einer umgekehrten Wagenreihung hinterherhetzte.

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Ereignislose Rückfahrt, unter anderem durch ein hochsommerlich abgeerntetes Sachsen. Wie schon auf der Hinfahrt war der ICE perfekt temperiert und pünktlich. Ich sah viel aus dem Fenster, hörte Musik, las in Wilkie Collins‘ Moonstone, nickte immer wieder ein.

München empfing mich mit unerwarteter Sonnigkeit und Hitze, doch die Wohnung war kühl.

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Zum Nachtmahl verwandelte Herr Kaltmamsell die Ernteanteil-Aubergine in ein Sechuan-Gericht. Wir erzählten einander unsere vergangenen Tage; Herr Kaltmamsell hatte mindestens so viele Verabredungen gehabt wie ich.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 23. Juli 2016 – Berlinurlaub mit Party

Sonntag, 24. Juli 2016 um 8:58

Zum Frühstück war ich gestern verabredet, im Hall & Klee.

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Zum einen aß ich dort den möglicherweise besten Obstsalat meines Lebens. Zum anderen aber und eigentlich saß ich dort in einer Runde mit drei Bloggerfreundinnen, stundenlang und in ergiebigsten Gesprächen.

Nachmittags ließ ich mir von einer der drei die dörfliche Struktur des Richardplatzes zeigen, dann wollte ich eigentlich zu Fuß zurück nach Weißensee in meine Unterkunft. Ich freute mich auf die zwei Stunden, hatte allerdings übersehen, dass ich ja ein Kleid trug: Es war recht heiß, und schon nach kurzer Zeit rieben sich meine Beine aneinander wund. Ich spazierte also nur bis zur Warschauer Straße und nahm dort die Tram.

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Abends dann der eigentliche Anlass meiner Berlinreise: Der runde Geburtstag einer Studienfreundin. Es war eine großartige Party, ich traf zahlreiche Menschen aus meiner Augsburger Zeit wieder, lernte neue Menschen kennen, bekam Köstliches zu essen und zu trinken. Ich fühlte mich so entspannt und ausgelassen wie schon seit vielen Jahren nicht mehr auf einem Fest – fast wie zu Studienzeiten.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 22. Juli 2016 – Massenmord im fernen Daheim

Samstag, 23. Juli 2016 um 18:38

Eigentlich bestand der Tag aus einem ausführlichen Zufallsgespräch, einem ausführlichen Frühstück, einem ausführlichen Spaziergang und einem ausführlichen geplanten Gespräch.

Doch abends auf der Tramfahrt zurück ins Hotel erreichte mich die erste besorgte Nachfrage per SMS aus der Schweiz: Ein Freund schrieb, das Fernsehen berichte von einer Schießerei in München, ob es mir gut gehe? Ich recherchierte sofort nach dem Grund der Frage – und verbrachte, unterbrochen vom Abendbroteinkauf im Supermarkt, den Abend über Meldungen aus München. Im Olympiaeinkaufszentrum hatte jemand mehrere Menschen erschossen und war auf der Flucht, München stoppte den Öffentlichen Nahverkehr und forderte die Menschen auf, möglichst da zu bleiben, wo sie waren.

Sobald es die Möglichkeit gab, markierte ich mich bei Facebook als „safe“ – was ganz offensichtlich (Likes) schnell registriert wurde. Herr Kaltmamsell meldete unsere Wohnung auf Twitter als #offeneTür, damit in der Innenstadt Gestrandete dort unterkommen konnten. Ich las zwischen Twitter und Techniktagebuchchat, blieb dann aber am Ticker der Süddeutschen Zeitung hängen: Die hatte mehrere Hand voll Personal vor Ort und fand die Balance zwischen Tempo und Verlässlichkeit. Gegen 23 Uhr machte ich mir klar, dass ich weder etwas tun konnte noch irgendetwas in nächster Zeit bestätigt werden würde und ging ins Bett.

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Bis dahin: Morgens verließ ich das Haus erst mal für einen Kaffee.

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Diesen Ort, den Antonplatz, erkannte bei Twitter eine langjährige Twitterfreundin, die gleich ums Eck wohnt: Sie stürzte umgehend aus dem Haus und fing mich ab. Sie begleitete mich bis zum Lokal, das ich mir fürs Frühstück ausgesucht hatte, zum Pasternak. Genug Zeit, einander auf den neuesten Stand des Lebens zu bringen.

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Da ich ja schon Kaffee gehabt hatte, trank ich zum Frühstück Kwas, den ich hier zu schätzen gelernt hatte.

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Ich ergötzte mich an den völlig distanzlosen Spatzen. Der im Bild hatte gerade das kleine Croissant aus meinem Brotkorb gezupft (und es dann fallen gelassen, ich konnte es mir wiederholen).

Nachmittags war ich in Charlottenburg verabredet. Da ich Zeit hatte und das Wetter perfekt sommerlich war, ging ich zwei Stunden zu Fuß – und entdeckte dabei unter anderem den Landwehrkanal (wo auch endlich PokémonGo funktionierte und ich ein paar von den Viechern fangen konnte).

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In Charlottenburg frischte ich dann eine sehr langjährige Bloggerinnenfreundschaft auf – um den Preis, dass wir uns mit Schmerzen trennten und unter dem Seufzer, dass wir einander dringend viel öfter sehen müssen.

Zurück ging ich wieder den Landwehrkanal entlang, bis ich dem Umstand ins Auge sehen musste, dass auch noch so bequeme Sandalen irgendwann scheuern und Blasen verursachen. Also ging ich zum nächstgelegenen S-Bahnhof (Tiergarten).

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Laurie Penny berichtet von der US-Präsidentschaftskandidatenwahl der Republikaner, hier besonders persönlich und gleichzeitg analytisch. Unter anderem, wie sie von einem rechtsradikalen Demagogen zu den Wichtigs der Szene mitgenommen wurde.
„I’m With The Banned“.

Geert Wilders is also a true believer. I am introduced to the euro-fascist and his dead-badger hair by a genial young Dutchman I met earlier on Tinder. He tells Wilders that I am a left wing journalist, and Wilders does not alter his tone of voice as he turns to me and starts vaguely explaining how the whole of France is about to be abolished and replaced with a giant Halal kebab.

Wilders is the most obviously disturbed member of the neo-right suicide squad in attendance. He cannot finish a sentence. His voice drifts, and he trails away, already out of the room. There is a dustbin fire behind the blank eyes of his human suit.

Wilders is a less polished, wholly charmless rendition of the neo-right demagogue character creation sheet that gave us Donald Trump and Boris Johnson. These people do not have personalities, they have haircuts. Ugly ones. And we have fallen through the looking glass in which they see themselves reflected as small gods.

Nachtrag 24.7.16: Bei Spiegel Online gibt es eine deutsche Übersetzung des Artikels.

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In der aktuellen Ausgabe der New York Review of Books kommt Zadie Smith mit einem Essay über Brexit und ihrer Erklärung des Wahlergebnisses zu Wort:
„Fences: A Brexit Diary“.

Sehr lang und ausführlich, absolut lesenswert. Smith führt zum Thema, indem sie über die Gegend Londons schreibt, in der sie aufgewachsen ist und in der sie vorübergehend ihre Kinder zur Schule schickt. Am Unterschied des Verhältnisses der Bevölkerungsschichten früher und heute zeigt sie auf, was seither schief gegangen ist. Und worin die Hybris der gebildeten Mittelschicht besteht, die vom Brexit-Ergebnis schockiert war.

„What have they done?” we said to each other, sometimes meaning the leaders, who we felt must have known what they were doing, and sometimes meaning the people, who, we implied, didn’t.

Now I’m tempted to think it was the other way around. Doing something, anything, was in some inchoate way the aim: the notable feature of neoliberalism is that it feels like you can do nothing to change it, but this vote offered up the rare prize of causing a chaotic rupture in a system that more usually steamrolls all in its path. But even this most optimistic leftist interpretation—that this was a violent, more or less considered reaction to austerity and the neoliberal economic meltdown that preceded it—cannot deny the casual racism that seems to have been unleashed alongside it, both by the campaign and by the vote itself.

(…)

Extreme inequality fractures communities, and after a while the cracks gape so wide the whole edifice comes tumbling down. In this process everybody has been losing for some time, but perhaps no one quite as much as the white working classes who really have nothing, not even the perceived moral elevation that comes with acknowledged trauma or recognized victimhood. The left is thoroughly ashamed of them. The right sees them only as a useful tool for its own personal ambitions. This inconvenient working-class revolution we are now witnessing has been accused of stupidity—I cursed it myself the day it happened—but the longer you look at it, you realize that in another sense it has the touch of genius, for it intuited the weaknesses of its enemies and effectively exploited them. The middle-class left so delights in being right! And so much of the disenfranchised working class has chosen to be flagrantly, shamelessly wrong.

(…)

While we loudly and rightly condemn the misguided racial attitudes that led to millions asking “them” to leave “us,” to get out of our jobs and public housing and hospitals and schools and country, we might also take a look at the last thirty years and ask ourselves what kind of attitudes have allowed a different class of people to discreetly maneuver, behind the scenes, to ensure that “them” and “us” never actually meet anywhere but in symbol. Wealthy London, whether red or blue, has always been able to pick and choose the nature of its multicultural and cross-class relations, to lecture the rest of the country on its narrow-mindedness while simultaneously fencing off its own discreet advantages. We may walk past “them” very often in the street and get into their cabs and eat their food in their ethnic restaurants, but the truth is that more often than not they are not in our schools, or in our social circles, and they very rarely enter our houses—unless they’ve come to work on our endlessly remodeled kitchens.

die Kaltmamsell