Journal Samstag, 18. April 2015 – Theresienwiesnflohmarkt, Faust am Resi

Sonntag, 19. April 2015 um 10:37

Gemütlich um zehn ging ich mit Herrn Kaltmamsell auf den Theresienwiesnflohmarkt, erwartbar sonnig, wenn auch zapfig kalt (wie kalt es vorher gewesen sein musste, sah man an der Kleidung der Verkäuferinnen und Verkäufer – die meisten sahen aus wie Michelinmännchen, plus warmer Mütze). Mein vages Suchziel war eine sehr große Salatschüssel.

Gleich einer der ersten Stände beglückte mich:

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Das Angebot war riesig, der Andrang auch. Da es in den vorhergehenden Tagen geregnet hatte, musste man beim Gucken immer ein Auge auf den schlammigen Boden und riesige Pfützen haben. Besonders fasziniert bin ich ja jedes Mal von den angebotenen Gemälden.

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Die Geschichte zu dem Fund auf den letzten beiden Bildern gibt es im Techniktagebuch.

Danach sprach ich: “Du hast was gefunden, wir haben eine Geschichte zu erzählen, jetzt können wir heimgehen.” Doch wegen des Andrangs war auch das nicht schneller möglich als im Schlendertempo, ich guckte weiter nach Geschirr – und verstieß möglicherweise böse gegen Flohmarktetikette. Ich sah nämlich an einem Stand zwei alte, weiße Schüsseln, gleiche Gestaltung in verschiedenen Größen. Als ich näher trat, fragte gerade eine Interessentin nach dem Preis der Schüsseln. Die Verkäuferin meinte, einzeln würde sie sie für 10 Euro das Stück verkaufen, habe allerdings gehofft, beide zusammen für 15 Euro loszuwerden. Die Interessentin zögerte, drehte die Schüsseln nachdenklich, meinte, eigentlich habe sie nur eine gesucht. Da meldete ich mich: “Oiso”, (nirgends bayere ich so sehr wie auf dem Theresienwiesnflohmarkt) “i nehmat oi zwoa für 15 Euro.” Die Interessentin trat einen Schritt zurück, protestierte aber nicht. Und so bekam ich die Schüsseln. Es war der Blick der Dame, der mir klar machte, dass das nicht fair gewesen war. Jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen.

§

Abends (na ja, wenn 18 Uhr schon als abends zählt) ging es zum Faust ins Residenztheater. (Hatten wir ja eigentlich schon vor zwei Wochen sehen wollen, musste wegen Streiks verschoben werden.)

Davor hatte ich Faust zuletzt in den 80ern in Ingolstadt in einer Inszenierung von Ernst Seiltgen gesehen, der in seiner 21 Jahre dauernden Intendanz nicht nur das Theater dort prägte, sondern auch berüchtigt dafür war, die technischen Möglichkeiten des damals recht neuen Theaters so weit wie möglich auszureizen. Diesbezüglich hätte Seiltgen selig gestern seine Gaudi gehabt, technischer Overkill Hilfsausdruck.

Eine aufrüttelnde Inszenierung – zumindest physisch: Zweimal wurde das Publikum durch einen lauten Knall inklusive Feuer vor Schreck schier aus den Sitzen gerissen. Und auch sonst krachte und knallte es (im Foyer hingen Warnzettel aus), dass einem Hören und Sehen verging. Honi soit qui mal y pense (wie es auch in Leuchtbuchstaben im reichhaltigen Bühnenbild hing) und unterstellt, es könnte damit von irgendwas abgelenkt werden. Zum Beispiel von interpretatorischer Leere. Anstrengend war allerdings auch, dass zwei Herrschaften im Publikum hinter mir ihren Unwillen regelmäßig flüsternd besprachen. (Oder gehörte das am End’ auch zur Inszenierung – heutzutage weiß man ja nie.)

Ich sah im düsteren Rauch und Regen der Bühnenaufbauten viel Blade Runner (Nachtrag: Zum Beispiel ist Fausts Trigger-Song “One more kiss, dear” aus Blade Runner), Fight Club und Berghain-Klischees, Mephisto und Gretchen als durchtrainierte Muskelkampfmaschinen hatten viel von Linda Hamilton in Terminator 2 – was ich mir für Mephisto noch halbwegs zurechterklären kann, für Gretchen nicht.

Das inszenierte Material enthielt unter anderem Brocken aus Faust 2 und wirbelte die Faust-Texte ordentlich durcheinander (zum Glück hatte ich einen Deutschlehrer dabei). Das Ergebnis war auf unangenehme Weise humorlos – außer man nimmt das Erschrecken des Publikums durch Lärm als Scherz. Die Verbindung zwischen Inszenierung und Inhalt erschien mir recht beliebig. Ich werde mir “was der Autor mir damit sagen wollte” noch im Podcast der Dramaturgin Angela Obst erkären lassen.

Das kann man alles selbstverständlich auch völlig anders sehen, zum Beispiel wie Felix M.:
“It might get loud – ‘Faust’ am Residenztheater”.

§

Kurz vor halb zehn mit ordentlich Hunger heimgekommen, due Spaghetti aglio e olio gegessen (der chip stop der Italiener).

Vorm Einschlafen spuckte ich noch eine Zahnfüllung aus, die bereits dreimal erneuert werden musste (blöde Stelle).

§

Andrea Diener war für die FAZ mit Berbern in der marokkanischen Sahara:
“Marokko
Irgendwann ist alles andere überflüssig”
.

Wie orientiert man sich in dieser Wüste? Eine Straße oder wenigstens Piste gibt es seit ein paar Kilometern nicht mehr. Nach der dritten Runde um ein Dünenfeld, das uns irgendwie bekannt vorkommt, wissen wir: gar nicht. Wenn der Berber auf dem Jeepdach steht, des besseren Handyempfangs wegen, dann stimmt etwas nicht. Und Gespräche, die auf „Inshallah“ enden, sind immer ein schlechtes Zeichen. Das kenne ich schon von meinem marokkanischen Autoschrauber daheim in Frankfurt.

Sehen Sie sich unbedingt auch das Filmchen dazu an, in dem Andrea Diener die praktischen Details der Wüstenwanderung erklärt, unter anderem, dass dazu “die Brauereigäule unter den Kamelen” genutzt werden.

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Von Andrea Diener gibt es übrigens jetzt auch den Podcast Tsundoku, in dem sie über Bücher spricht (nur mal nebenher: Gibt es eigentlich eine Medienform, die Andrea Diener nicht kann?). Die Pilotfolge hat mir gut gefallen; zu meinem Vergnügen trug bei, dass Andrea Dieners trügerisch sanfte und liebliche Sprechweise hier ganz ungebrochen erklingt (anders zum Beispiel als in den oft launigen Gesprächen mit Holgi im WRINT-Podcast) – wer sie als Bloggerin kennengelernt hat, weiß, dass die Dame sehr weit von Sanftheit und Lieblichkeit entfernt ist.

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Das Heroinproblem in den USA hat sich in einer Weise verändert, die zum Wirtschaftsliberalismus der westlichen Welt passt und die man nur dramatisch nennen kann:
“Serving All Your Heroin Needs”.

So we are at a strange new place. We enjoy blissfully low crime rates, yet every year the drug-overdose toll grows. People from the most privileged groups in one of the wealthiest countries in the world have been getting hooked and dying in almost epidemic numbers from substances meant to numb pain. Street crime is no longer the clearest barometer of our drug problem; corpses are.

via @lyssaslounge

§

John Irving ruft Günter Grass nach:
“An unanswered letter from Günter Grass”.

I was 19 or 20 when I read The Tin Drum; I hadn’t known it was possible to be a contemporary novelist and a 19th-century storyteller.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 17. April 2015 – Waldfriedhof

Samstag, 18. April 2015 um 8:08

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die Kaltmamsell

James Rebanks, The Shepherd’s Life

Freitag, 17. April 2015 um 10:05

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Ich freue mich sehr, dass The Shepherd’s Life. A Tale of the Lake District von James Rebanks umgehend zum Bestseller wurde. Mag daran liegen, dass ich ihm auf Twitter schon folgte, als er noch in kleinen finnischen Klubs twitterte. Ganz sicher aber daran, dass das Buch wunderbar und einzigartig ist.

Der Herdyshepherd, wie ich ihn für mich immer noch nenne, beschreibt anhand seiner eigenen Biographie die Kultur und das landwirtschaftliche Leben in dem Tal des Lake Districts, in dem er wohnt. Und seine Familie bereits seit 600 Jahren.

Er stellt seiner Erzählung ein langes Wordsworth-Zitat voran (in der Schule machte ihm die Vermittlung von Wordsworth klar, dass er und andere Bewirtschafter des Lake Districts in den Schwärmereien der Romantiker schlicht nicht existieren), und er beginnt mit einer Erklärung des Begriffs, das zentrales Thema des Buchs ist:
hefted – damit wird wohl die Verbundenheit der Schafherden mit ihrem angestammten Gebiet bezeichnet. Sie bewirkt unter anderem, dass die Tiere auch ohne Umzäunung ihre Weiden nicht verlassen. Für Rebanks ist sie gleichzeitig die tiefe Verbundenheit, die er im Einklang mit seinen Vorfahren für seine Heimat fühlt.

Dieses hefted fand ich besonders interessant, vor allem weil ich es selbst überhaupt nicht kenne. Kann ich ja auch nicht als Nachkomme von Einwanderern aus sehr weit voneinander entfernten Gegenden Europas, deren Vorfahren selbst bereits aus ihrer Heimat wegziehen mussten – die einen wegen der Hungersnöte nach dem spanischen Bürgerkrieg aus dem ländlichen Kastilien nach Madrid, die andere, weil sie zur Zwangsarbeit aus der südpolnischen Provinz nach Schwaben verschleppt wurde. Ich empfinde das Fehlen dieser Verwurzelung nicht als Mangel, oft im Gegenteil als eine Art Freiheit. Doch mir ist bewusst, dass sie nur schwer herzustellen ist.

Herdyshepherd hat in seinem Buch eine Agenda, die er immer wieder explizit anspricht: Er will Respekt erzielen für seine Art Leben und für die, die es leben; Anerkennung des Nutzens für die Gemeinschaft.

In England rennt er damit kulturell offene Türen ein: Die literarische Verarbeitung von Landleben, vor allem dem von früher (wann immer das war), stößt in England traditionell auf Interesse, meist ein romantisierendes. Direkt vor The Shepherd’s Life
hatte ich einen Klassiker der englischen Landlebenromantisierung gelesen: Cider with Rosie von Laurie Lee – kennt in England praktisch jeder und jede (Beschreibung von Dorforiginalen, von vor Fülle überbordenden Gärten, den Härten des Winters, Einzug neuer Technik nach dem Ersten Weltkrieg). Auch Ronald Blythes Akenfield verkauft sich bis heute.
In der deutschen Bestsellerliteratur gibt es keine Entsprechung (mögen mich Germanistinnen korrigieren, wenn es überhaupt eine Entsprechung in der deutschen Literatur gibt), ich erinnere mich gerade mal an Anna Wimscheiders Herbstmilch, und das kam 1984 heraus. Doch in England überrascht mich weder der Erfolg des Twitter Accounts noch des Buchs. Was allerdings auch die Engländer nicht daran hindert, lieber zum billigen Supermarktfleisch aus Massentierhaltung und zum billigen Lammfleisch aus Neuseeland zu greifen.

Herdysheperd steht nicht nur in einer literarischen Tradition (auf die er anspielt und die er zitiert); seine Version und Lebensgeschichte schlägt ein neues Kapitel auf. Das hat traditionell mit neuer Technik zu tun, die auch in den englischen Landlebensklassikern eine Schlüsselrolle spielt, und mit gesellschaftlichen Veränderungen: Rebanks ist nicht nur ein besonders schlauer Kopf; er hat Zugang zu einer Fülle von Informationen und kann andere Lebenswege ausprobieren. In einer Welt ohne die heutige Bildungs- und Infrastruktur wäre es ihm unmöglich gewesen, die Hochschulreife in Abendkursen nachzuholen und neben einem Studium in Oxford auf dem väterlichen Hof zu arbeiten.

Sein Buch lebt von den ernsthaften und fachlich tiefen Schilderung des Alltags von Schafhirten und -hirtinnen (oh ja) – irgendwann hatte ich beim Lesen den Eindruck, ich könnte jederzeit mit zupacken und wäre auch noch nützlich dabei -, von der Beschreibung der Bewohner des Tals und von Rebanks jüngster Familiengeschichte. Idylle taucht nur sehr vereinzelt auf, am ehesten in den Fotos, die schwarz-weiß abgedruckt sind (kein Vergleich zu den atemberaubenden Aufnahmen, die Herdyshepherd täglich bei Twitter postet).

Die prekäre Situation dieses Wirtschaftszweigs macht Rebanks indirekt und an konkreten Beispielen klar: Detailliert schildert er, wie sein Vater ihm das Scheren der Schafe beibrachte, wie er Jahr um Jahr daran arbeitete, dessen Tempo einzuholen. Die Schilderung eines solchen Schurtages endet mit der Beschreibung, wie die eben abgeschorenen Vliese verbrannt werden: Ihr Marktpreis ist so niedrig, dass er nicht mal den Aufwand des Verkaufens decken würde. Kein Hof in Rebanks Tal kann von seinen Schafen leben, auf jedem muss mit externer Zusatzarbeit der Lebensunterhalt gesichert werden. Gleichzeitig erklärt Herdyshepherd nachvollziehbar, dass es die traditionelle Bewirtschaftung dieser Region war, die sie über viele Jahrhunderte zu dem gemacht hat, was die Romantiker beschwärmten und was wir zu größten Teilen noch heute sehen. Ein Aussterben dieser Landwirtschaft würde auch die Landschaft zerstören.

Besonders eindrucksvoll fand ich die sprachliche Kargheit, mit der Rebank die schlimmsten Erlebnisse erzählt, nämlich die Keulung ganzer Schafherden während der Maul- und Klauenseuche im Jahr 2001. An dieser Stelle hat er uns bereits Kapitel um Kapitel erklärt, mit welcher Sorgfalt und Hingabe ein bestimmtes Zuchtergebnis angestrebt wird, welche Gründe es für jedes Kriterium darunter gibt, mit welcher Gewissenhaftigkeit Hirten und Hirtinnen Zuchttiere dazukaufen, wie Herden entstehen und weitergeführt werden. Und dann ist innerhalb von sechs sachlichen Seiten alles auf Anfang, auf Null.

Natürlich erlebt man Rebanks in diesem Buch auch selbst als Mensch, direkt und indirekt. Wie stolz er auf die Leistung seiner Familie und auf seine eigene ist. Wie wichtig ihm ist, sich selbst als Teil einer Gemeinschaft zu schildern, als nichts Besonderes. Was er halt spätestens durch dieses Buch dann doch geworden ist.
(Ob sich dafür wohl ein deutscher Verlag findet?)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 15. April 2015 – Mangolien- und Kirschblüte

Donnerstag, 16. April 2015 um 7:31

Morgens auf dem Crosstrainer eine Amsel beim Sammeln von Nestbaumaterial beobachtet – diese Wiese ist derzeit blau vor Veilchen. Nebenan in der Kastanie die konfliktträchtige Situation, dass unten ein Eichhörnchen einen Kobel gebaut hat, einige Meter darüber Krähen ein Nest. Wo Eichhörnchen doch gerne Nester ausräubern und Krähen auch mal Appetit auf Eichhörnchenjunge haben. Erste Gerangel wurden bereits gesichtet.

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Auf dem Weg in die Arbeit festgestellt: Referenzmagnolie und Referenzkirschbaum blühen, an denen ich jährlich den Frühlingsstart festmache.

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Mittagspause in der Sonne auf einer Spielplatzbank, abends in wunderbarster Frühlingsluft heimspaziert.

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Wer hätte gedacht, dass man mich mit einem Fußballthema ernsthaft amüsieren kann? Von der Dortmunder Pressekonferenz berichtete für den Telegraph live ein Journalist, der kein Deutsch kann (unten mit Lesen anfangen):
“Jurgen Klopp to quit Borussia Dortmund on July 1 – as it happened.”

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Warum mir unwohl ist beim allgemeinen pearl clutching wegen der 65-jährigen Schwangeren (abgesehen von der vergeblichen Suche nach Artikeln über die Verwerflichkeit von Vaterschaft in diesem Alter), hat ein Kommentar in der Süddeutschen erklärt (Autorin und Text leider nicht im Web recherchierbar). Ich paraphrasiere:
Anscheinend werden Grenzen in der Entscheidungsfreiheit bei Fortpflanzung angenommen. Doch wo liegen die? Anscheinend bei einem bestimmten Alter. Auch bei Behinderung? Soll eine schwer Depressive sich für Kinderkriegen entscheiden dürfen? Ein Mann mit erblichem Gendefekt? Ein Paar unter einer bestimmten Einkommensgrenze? Wenn die Antwort jeweils Ja lautet, sollte das doch eigentlich auch für eine 65-jährige gelten.
(Vorausgeschickt sei, dass freiwillige Fortpflanzung immer eine egoistische Entscheidung ist: Jemand will ein Kind haben. Das Kind kann ja nicht gefragt werden, ob es mit Leben oder diesen Eltern und Lebensumständen einverstanden ist.)

die Kaltmamsell

Journal Montag/Dienstag, 13./14. April 2015 – englische Muttiblogs?

Mittwoch, 15. April 2015 um 6:46

München packt weiterhin den Frühling aus, gestern war es warm genug für den ersten Besuch im Schnitzelgarten. Dazu habe ich viel in der Arbeit zu tun.

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In London versuchte ich der wiedergefundenen Freundin mein Leben im Internet zu erklären. Wie ich durch das Lesen von Blogs und Twitter über andere Leben lerne, die sich sehr von meinem unterscheiden, und wie ich darüber gleichzeitig Menschen gefunden habe, mit denen ich mich wirklich verstehe. Die Freundin wollte gerne Beispiele ansehen.

Zu den Blogs mit ganz anderen Leben gehören zum Beispiel Muttiblogs und ein Vatiblog, die ich hochinteressiert lese, obwohl mir selbst Elternschaft und Kinder fern stehen. Und jetzt brauche ich Ihre Hilfe: Ich suche vergleichbare Blogs in englischer Sprache. Die beiden, die mir selbst einfielen, waren Dooce (allerdings lese ich selbst sie nicht mehr seit gut einem Jahr – immer noch ein empfehlenswertes Muttiblog?) und The Blogess. Wissen Sie weitere, die in die Liga von Frau Mutti fallen, Das Nuf, Gut gebrüllt, Buddenbohm & Söhne, Frische Brise?

Wissen Sie mir sowas auf Englisch? Vielleicht sogar aus England? Ich wäre Ihnen sehr dankbar.

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Zum Dank schon mal etwas wirklich Nützliches – man findet wirklich zu ALLEM Tipps auf YouTube: Wie man jemanden aus einem brennenden Haus trägt (muss ja nicht unbedingt der Ehemann sein).

via @midoridu

Unverständlicherweise war Herr Kaltmamsell nicht bereit, sich gleich gestern Abend als Übungsgerät zur Verfügung zu stellen.

die Kaltmamsell

Brightonjournal, Sonntag, 12. April 2015 – Allgemeine Beobachtungen

Montag, 13. April 2015 um 7:33

Rückreisetag. Wir nahmen den Bus um 5.30 Uhr nach Heathrow – der Bus eine Stunde später, den wir eigentlich gebucht hatten, fuhr wegen des Marathons auf der anderen Seite der Stadt ab, wir hätten ein Taxi dorthin gebraucht. Flughäfen sind ja zum Glück auf Rumhängen ausgelegt.

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Was mir dieses Jahr in Südengland auffiel:

– Deutlich gestiegener Anteil an osteuropäischen Akzenten: Busfahrer und ungelernte Bedienungen kommen nicht mehr aus dem ehemaligen Commonwealth.

– Deutlich mehr Obdachlose auf den Straßen

– Viele Geschäfte mit Kleidung, die der Mode der 30er und 40er nachempfunden ist

München empfing uns mit sonnigstem Frühling.

Disclosure: Diese Reise wurde komplett selbst finanziert. Kein Teil davon erfolgte auf Einladung oder war gesponsort, weder Flüge, Fahrten, Übernachtungen noch Mahlzeiten. Beschreibungen und Urteile könnten davon beeinflusst sein.

die Kaltmamsell

Brightonjournal Samstag, 11. April 2015 – einmal gemischtes Wetter

Sonntag, 12. April 2015 um 9:13

Am letzten Urlaubstag nochmal den Wecker für einen Lauf auf dem Undercliff Walk gestellt. Er war wundervoll, auch bei düsterem Himmel, Wind und auf der zweiten Hälfte immer stärker werdendem Regen. Ein Möwenschwarm stand wie ein Mobile im Sturm.

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Hinweg

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Was eine Laufstrecke perfekt macht: Klo!

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Auf den letzten Metern kaufte ich zwei dicke Samstagszeitungen (Guardian und Daily Telegraph), die gerade noch Zeit hatten, fast so nass zu werden wie ich.

Während ich ausgiebig heiß duschte, schaltete irgendwer das Wetter komplett um. Zum Morgenkaffe trat ich unter nahezu wolkenlos blauem Himmel vors Haus. Und so blieb das Wetter den Tag über, wenn auch windig.

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Meine Pläne für den Tag: Noch möglichst viele Köstlichkeiten essen.

Mittagessen bei Food for Friends: Hier bekomme ich zuverlässig das inspirierendste Essen von ganz Brighton. Liebevoll zusammengestellt, immer wieder überraschende Geschmäcker und Kombinationen, großartige jahreszeitliche Zutaten. Dass das Ganze fleischlos ist, ist völlig irrelevant. Eine Entdeckung war dieses mal ein Limo: Luscombe Damascene Rose Bubbly, dessen Zutaten wahrscheinlich sogar den strengen Ansprüchen von katha standhalten.

Wir teilten uns drei Vorspeisen (knusprig panierter Seidentofu, drei Tahini-Dips, Persischer Gurkensalat), dann hatte ich mit Feta gefüllte Champignons mit Rübengratin und Pesto, der Begleiter einen Kartoffelkuchen mit Spinat, Artischocke, Rote Beete, Zwiebelring.

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Rückfahrt sichergestellt. Stehen wir halt noch eine Stunde früher auf.
Die “Visit Brighton”-Büros gibt es tatsächlich nicht mehr; statt dessen sind die offiziellen Anlaufstellen für Informationen jetzt Hotels, Museumsshops oder Busticketschalter.

Hochleistungsklamottenkauf des Reisebegleiters: Er ging wieder in den Laden, der ihm vor zwei Jahren bereits zwei umgehende Lieblingshemden verkaufte, und verließ ihn mit drei Hemden und einer Hose – sowie als Geschenk des Hauses für den Großeinkauf einem Paar Socken. Davor hatte er bereits einen Hut und eine Mütze gekauft (auf die ich ihn hingewiesen hatte).

Rumlungern auf dem Pier und in Cafés (mein erster Banoffee Pie! sehr gut!). Ich las The Shepherd’s Life aus, dazu später mehr, auf jeden Fall dicke Empfehlung.

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die Kaltmamsell