Journal Donnerstag, 26. Februar 2015 – Morgenarbeit

Freitag, 27. Februar 2015 um 7:53

Von einem Albtraum hochgeschreckt: Ich war bei einem Freund im Büro, dort hatte gerade ein Kochkurs stattgefunden. Eine seiner Katzen (eine weiße, kurzhaarige, wie er sie in Echt nicht hat) turnte auf einem Blechschränkchen herum. Wir warfen ihr etwas zum Spielen auf den Boden davor, sie sprang darauf, drehte sich aber im Sprung so unglücklich, dass sie sich am Blecheck den ganzen Oberschenkel aufschlitzte. Ich hob sie auf, um sie so schnell wie möglich zum Tierarzt zu bringen, doch sie wand sich ohne Laut vor Schmerzen, kletterte an mir hoch, verschmierte mir das Gesicht mit Blut. Aufgewacht.

Ich hatte ja schon mit Psychoanalystinnen zu tun (warum heißen die vom Geld und der Marktforschung Analysten und die von der Psyche Analytiker?) und weiß, dass es jetzt nicht das Traumsymbolbuch zu zücken gilt, sondern zu überlegen: “Was fällt Ihnen dazu ein?”
Dass ich es ganz, ganz schlimm finde, wenn ich Verletztwerden sehe. Dass ich das Leid sofort wegmachen will und meine Beklemmung ins Unerträgliche steigt, wenn ich nicht helfen kann.
Also wie bei praktisch jedem Menschen.

(Vielleicht bin ich nicht zu schnell im Verdrängen, sondern im Dissoziieren?)

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Eine Stunde früher in die Arbeit (wegen kinderbedingt nächtlicher Arbeitszeit der Homeoffice-Kollegin und vormittäglichem Abgabetermin) – in einer völlig anderen Welt. Es gibt ja Schulkinder in dieser Gegend!

Sofort bemerkt, wie sehr meinem Rhythmus ein Arbeitsstart um acht entgegenkommt: In einer Stunde hocheffizient weggeschafft, wofür ich spätnachmittags drei Stunden brauche.

Unterbrechung durch falsch verbundene Anruferin. Die mich anblaffte, weil sie ganz sicher die richtige Nummer gewählt hatte.

Den wundervoll sonnigen Tag nur beim konzentrierten Zuhören in Telefonkonferenzen mit Blick aus dem Fenster wahrgenommen.

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Zum Nachtmahl Blaukraut-Steckrüben-Suppe aus Ernteanteil, Rezept aus Jetzt Gemüse.

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Na komm’Se, Sie mögen doch auch Kunst, oder?

Dann sollten Sie sowieso der Künstlerin Katia Kelm auf instagram folgen. Und Großartiges wie dieses sehen.

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Klebeband ist immer doch die wichtigste Technikinnovation.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 25. Februar 2015 – arabische Konditorei

Donnerstag, 26. Februar 2015 um 10:02

Viel Arbeit, dummerweise auch noch eine, bei der ich eigentlich nicht genau weiß, was von mir erwartet wird (Kunden kann man halt nicht so gründlich löchern wie Kolleginnen).

Später Abend. Zur Aufmunterung auf dem Heimweg bei Verdi nicht nur Gemüse vom Einkaufszettel besorgt, sondern auch eine große Portion Gewürzoliven (besonders fein, weil Fenchelsamen mitwürzen). Und dann noch in der Landwehrstraße in die arabische Konditorei abgebogen: Zum einen Lust auf deren köstliche Kekse (leicht mit Safran gewürzter Mürbteig mit den Füllungen Walnuss, Pistazie oder Dattelmus), zum anderen aus Neugier, weil der Laden voller Frauen in Full Ninja war (der Begriff, den Matt Ruff in seiner alternative history The Mirage prägte, hat sich mir als superpassend eingeprägt). Einige in verschiedensten Formen saßen am Tischchen, zwei kauften ein, um sie herum Kindergewusel. Besser als Fernsehen.

Beim langen Warten entdeckt ich in einer Vitrine neben dem Dessert Mhalabia helle Röllchen, die mir nach Marzipan aussahen. Nein, beschied mir der freundliche Konditor, kein Marzipan – es gebe kein deutsches Wort dafür. Es sei auf jeden Fall Teig, gefüllt mit Käse. Ich nahm zwei zum Probieren mit.

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Das war tatsächlich Teig, fast schwammig weich, leicht mit Blütenwasser getränkt und mit Frischkäse gefüllt: Wenig süß, schmeckte sehr gut.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 24. Februar 2015 – Draußenblumen

Mittwoch, 25. Februar 2015 um 6:59

Große Internet-Liebe. Wenn die Träume von Twitterinnen miteinander reden.

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In diesem Flugzeug war ich nämlich auf Chorreise. Am längsten hatte ich allerdings vom Flughafen geträumt, der ultrafuturistisch und toll war.

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Wieder war mir jemand mit Krankmeldung zuvor gekommen. Gestern verwies ich aber darauf, dass ich kränklich und vor allem pflichtgetrieben im Büro saß (Nebeneffekt der Alleinheit im Büro: Niemand bekommt mit, dass du schniefst.). Ich schaffte es dann sogar, eine Stunde früher zu gehen.

Der Lohn: Tageslicht auf dem Heimweg, das mir um die Theresienwiese herum jede Menge Frühlingsblumen erleuchtete.

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Noch ein: Warum ich das Internet liebe.

Wobei die Ähnlichkeit beim Monster aufhört. Frau Johansson sieht alles andere als ängstlich aus. Eher als würde sie Herrn Travolta im nächsten Sekundenbruchteil ihre Finger in die Augen rammen.

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Wenn Sie War of the Worlds von Orson Wells kennen, fällt Ihnen vermutlich sofort dazu ein, in welche Panik die Hörerinnen und Hörer bei der Erstausstrahlung 1938 gerieten. Nur dass das allerhöchstwahrscheinlich nicht stimmt.
“Verschwörung, und: The War of the Worlds”.

Zu leicht haben die Medienwissenschaften seit Anfang der 40er Jahre die Behauptung geschluckt, dass ein erfundenes Radiohörspiel zu einer realen Panik führen kann. Umso kurioser dass diese Geschichte weitergetragen wird. Was war geschehen?

(…)

Noch 2008 berichtet die „Kleine Geschichte des Hörspiels“ von Hans-Jürgen Krug von besagter Panik. Dabei hatte Frank Hartmann, der inzwischen als „Professor für Geschichte und Theorie der Visuellen Kommunikation“ an der Bauhaus-Universität Weimar lehrt bereits 2005 geschrieben: „Das offene Geheimnis der fragwürdigen Studie ist schlicht, dass lediglich mit ca. 100 eine ausgesuchte kleine Personenzahl wissenschaftlich befragt wurde, und zwar ‚weil von ihnen bekannt war, dass sie durch die Radiosendung in Panik geraten waren.‘ Das dürftige Forschungsdesign der Studie mag um 1940 akzeptabel gewesen sein, würde heutzutage aber kaum mehr als wissenschaftlich durchgehen. Doch das Denken nach diesem Schema ist geblieben: wirklich ist, was in den Medien ist.“

History is what came down to posterity.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 23. Februar 2015 – Angekränkelt und sauer

Dienstag, 24. Februar 2015 um 7:58

Angekränkelt und mit der Oscarnacht in den Knochen war das Arbeiten nicht gerade leichtfüßig. Da aber ein erster Blick in die Arbeitsmailbox ergab, dass Chef erst mal krank ist, Kollegin 1 den Tag ja freigenommen hatte, Kolleginnen 2 und 3 sich ins Homeoffice zurückgezogen hatten, war ich allein im Büro und ließ gleich mal den Plan fallen, mich nach einem Telefontermin am Nachmittag krank zu melden und ein paar Stunden früher heim zu gehen. Einer der Nachteile winziger Firmen.

Dann schlug auch noch das Wetter von kalt neblig, aber mit blauen Löchern am Himmel um in regnerisch und greislich.

Wie es halt so ist, wenn man früher gehen will, wurde der Arbeitstag ein heftiger, ohne Zeit für Mittagspause und mit kleineren ambulanten Katastrophen. Es machte also nichts, dass ich gestern keine Zeitung bekommen hatte – ich wäre eh nicht dazu gekommen, sie zu lesen.
Abends war ich dann so schlapp, dass ich beschloss, mir eine Tram nach Hause zu leisten (Wegdauer wie zu Fuß, aber halt im Sitzen). Nur dass keine Tram fuhr, weil demonstriert wurde. Als ich das nach 20 Minuten Warten endlich erfuhr (Laufschrift auf der Tramanzeige, die mündlichen Ansagen waren im Verkehrslärm versunken), ging ich halt doch zu Fuß, krank und zudem wütend.

Aspirin und früh ins Bett.

§

Vanity Fair über ein Treffen zwischen Julie Andrews und Christopher Plummer anlässlich des 50. Geburtstags von Sound of Music:
“For Julie Andrews and Christopher Plummer, The Sound of Music Was Never ‘So Long, Farewell'”.

Part of the reason we’re here today is to talk about your 50-year friendship.

“What do you mean, friendship?” Andrews asked.

“Exactly,” Plummer said.

(…)

Indeed, when The Sound of Music was released, the reviews were awful. Pauline Kael trounced it as “mechanically engineered” to transform the audience into “emotional and aesthetic imbeciles when we hear ourselves humming the sickly, goody-goody songs.” In The New York Times, Bosley Crowther allowed that Andrews “goes at it happily and bravely” while noting that the other adult actors “are fairly horrendous, especially Christopher Plummer as Captain von Trapp.”

Ebenfalls enthalten: Eine Lobrede von Plummer auf Mickey Rooney, österreichische Backkunst, Sound of Music-Sing-alongs.

Schaun Sie sich unbedingt die Fotostrecke an, darunter die Kinderriege von damals heute.

Und ich habe gemerkt, dass ich nicht genau weiß, was das englische ornery bedeutet. Leo hilft nicht wirklich weiter, genaus wenig der Context:
“Through the decades, Plummer has remained unabashedly ornery about playing Captain von Trapp.” Heißt das nun: “Ja und?! Hat jemand was dagegen?” Oder: “Wenn Sie das Thema auch nur ansprechen, verlasse ich den Raum.”?

die Kaltmamsell

Oscarnacht 2015

Montag, 23. Februar 2015 um 2:30

Bühnenbild very 50s – I like.

Herr Cumberbatch in weißem DJ? Hm. Aber spielt beim Eingangssong mit – Neil Patrick Harris in einer sehr broadway Nummer unter Beteiligung von Anna Kendrick! Und mit Versuch von kritischen Tönen.

Uiui, der Witz über das Vermögen von Oprah kam nicht gut an (“diese Seite des Publikums steht für die eine Hälfte der Filmeinnahmen, die andere Hälfte ist Oprah”) – ihrer Reaktion nach vor allem nicht bei ihr.

Es folgt: Übertragungsausfall bei Pro7, über den Rest der Eröffnungsrede (DER ERÖFFNUNGSREDE!) kann ich nichts sagen.

Habe ich zumindest Zeit für eine Statusbeschreibung: Im Sessel vorm Fernseher, der eigens dafür gedreht wurde (sonst sitze ich beim Fernsehen am Esstisch), neben mir, auf einem eigens dafür bereit gestellten Tischchen, Gummibärchen, Salznüsschen und m&ms, auf einem eigenen holzschonenden Untersetzerchen eine Tasse Roibuschtee.

Mich selbst sehen Sie in bleigrauem Nickianzug, dazu ein langes, graues Unterziehshirt.

Zurück! Wo sehe ich den ersten Oscar?

Liam Neeson präsentiert die Nominees Grand Budapest Hotel und American Sniper.
Witz von Neil Patrick Harris über die Todesrate im Irak, verglichen mit den killings von Weinstein, uiuiui, macht er so weiter?

Dakota Johnson präsentiert nominierten Song – welchen? Eh nicht wichtig.

Erste Werbepause. Nicht genug um herauszufinden, was ich verpasst habe, Mist.

Erster Witztreffer, den ich mitbekommen habe: Oscars, auch genannt “The dependent spirit awards”.

Jennifer Lopez (die Ingenieurskunst hinter ihrem Ausschnitt beeindruckt mich wirklich) and Chris Pine: Costumes. Grand Budapest! Oh, der war so bezaubernd. Die Dame dankt besonders Wes Anderson. Ab einem bestimmten Alter hindert nicht mehr die Pflicht, Eltern und Lehrern zu danken.

Reese Witherspoon präsentiert Make-up: Noch einer für Grand Budapest!
Jetzt erst sehe ich, dass auf der Bühne ein bisschen Budapest Hotel steht, mit Lift Boys, schöne Idee. Wieder dickster Dank an Wes Anderson. Hier aber auch Dank an Familie.

Channing Tatum präsentiert “gifted stars of tomorrow” – ein erstes Mal oder war ich da bislang immer aufm Klo?

WAS? ICH HABE DEN NEBENDARSTELLEROSCAR VERPASST? Na, wenigstens an den richtigen: J.K. Simmons. Wann gab’s denn schon mal einen Übertragungsausfall, zefix?

Nicole Kidman und Chiwetel Ejiofor präsentieren Best foreign language film: Ida. Herr Pole macht Witze! (“I made a film about the need for silence and withdrawal and now I’m in the epicenter of noise and attention.”)
Überzieht ordentlich, lässt sich von Musik nicht stören.

Shirley Maclaine sieht großartig aus! Präsentiert Best Picture Nominierungen Boyhood, Theory of Everything, Birdman.

Marion Cotillard! Aber in einem furchtbaren Kleid, warum tut diese wundervolle Frau mir das an? Moment, ist das ein nominierter Song? Dem Kleid angemessen, brrr. Wohl aus Lego.

Kerry Washington and Jason Bateman: Best Life Action Short Film. The Phone Call. Kerry Washington wischt dem einen Preisträger vor der Rede ihren Lippenstiftabdruck vom Bussi von der Wange, wie süß!

Gleich noch Best Documentary Short – tolle Kleider auf der Bühne! Und die linke Dame ist wirklich sensationell gestylt. Das dritte Mal, dass jemand von der Bühne runtergespielt wird – ist die Redezeit kürzer geworden?

Viola Davis – eine der allerschönsten! Und in einem wundervollen Kleid in Hellrosa. Governor awards – so viele tolle Leute dort.

Neil Patrick Harris spielt böse auf die durchgehend weißen Nominierungen an, als er sich den britischen Darsteller von Martin Luther King, David Oyelowo, aus dem Publikum pickt und der Saal applaudiert: “NOW you like him!”

Gwyneth Paltrow in akzeptablem Kleid (man weiß bei ihr ja nie), nächster Song. Der tut wenigstens nicht weh.

Neil Patrick Harris spielt eine Szene Birdman – natürlich die Unterhosenszene. In Unterhose auf der Oscarbühne.
Die junge Dame kenne ich nicht (Margot ?), Miles Teller habe ich verstanden: Science and Technical Awards, Rückblick auf die extra Verleihung.

Sienna Miller und Chris Evans präsentieren Sound Mixing and Sound Editing. Sienna Miller ist ja Britin! (Kannte ich bislang nur aus Gofug.) Sound Mixing geht an Whiplash. Der zweite dafür, jetzt haben wir zweimal Grand Budapest Hotel und zweimal Whiplash. Sound Editing geht an American Sniper.

Jared Leto präsentiert im hellblauen Tux Nebenrollen weiblich, scherzt, dass vier Frauen nominiert seien, plus “according to Californian state law, Meryl Streep”. Ob Herr Leto traurig ist, dass 1/3 der jungen Männer in Berlin Mitte aussehen wie er? Nur in verschiedenen Haarfarben?
Patricia Arquette gewinnt, wie schön. Ihr Kleid sieht so großartig aus – hatten sie wirklich keine Zeit mehr, ihre Haare zu machen? Die noch weggebunden sind fürs Schminken?
YES! Sie brauchte offensichtlich die Zeit, um ihre Rede zu schreiben, in der sie atemlos für “equal rights” plädiert. Deal.

Josh Hutcherson kenne ich nicht. Der angekündigte nominierte Song ist mein Tipp für den nächsten Wiesnhit – SCHUNKEL! KLATSCH! (Das Mulletkleid ist grauenhaft.)

Visual Effects präsentiert von zwei weiteren Menschen, deren Namen ich nicht kenne, zumindest die Dame habe ich schon mal gesehen. Visual Effects: Interstellar, hoffentlich bloß eine Gnadengabe.

Kevin Hart und Anna Kendrick: Animated Short geht an Feast. Sympathische echte Menschen auf der Bühne – nach meiner Zählung die ersten.

Zoe Saldana, Dwayne Johnson: Animated Feature Film geht an Big Hero 6 – auf den freue ich mich.

Das Orchester sieht man gar nicht mehr, oder? Gibt es überhaupt noch ein Orchester? Irgendwann wanderte es vom Orchestergraben in die Balkone (aber es gehörte immer noch zur Eingangsrede, den Dirigenten zu begrüßen), kommt die Musik jetzt vom Band?

Gummibärchentüte zu einem Drittel weg, ein paar m&ms, zweite Riesentasse Tee.

Academy-Präsidentin, schnarch, aber in einem sehr schönen Kleid.

Chris Pratt und Felicity Jones präsentieren Production Design: Grand Budapest Hotel, yes!

Idris Elba und Jessica Chastain präsentieren Kamera: Welcher Film? Es wird nur der Gewinner genannt. Ah, Birdman! Wurde auch Zeit, und genau dieser ist sehr nachvollziehbar, Kamera war eine der Hauptrollen.

Meryl Streep kündigt die Trauerrolle an. So viele Gute. (Sie zählen Gabriel García Márquez zur Hollywood-Crowd? Waren das alles Academy Mitglieder?) Nachtrag: Hier die In Memoriam-Bildergalerie.

Naomi Watts und Benedict Cumberbatch präsentieren Schnitt: Whiplash. Ist das ein Kleid, das Frau Watson trägt? Oder schnell mit Sicherheitsnadeln aus Duschvorhang und Bikini zusammengeworfen? Die bislang emotionalste Rede.

Terrence Howard darf alleine die nächsten Filmnominierungen vorstellen: Whiplash, Imitation Game und Selma. Er ist ein bissl auseinander, der Herr Howard, schubst fast das Mikro um.

Jennifer Aniston (mittelgutes Kleid) und David Oyelowo (mittelguter Anzug) präsentieren Best Documentary: Citizen Four. !!.

Nächster Werbeblock von Neil Patrick Harris angekündigt mit: “And to counterbalance the search for truth and justice.”

Octavia Spencer (lovely colour!) kündigt noch einen Song an. Für mich seit vielen Jahren die verzichtenswerteste Oscarkategorie. Er ist aus Selma und gibt dem Publikum zumindest eine Gelegenheit, das Thema per gesammeltem Aufstehen zu würdigen.

Jetzt wird endlich erklärt, wo das Orchester ist: In einem anderen Gebäude!

Idina Menzell und John Travolta räumen die Songs auf – davor elaborierte Witze über Travoltas Missgeschick beim Aussprechen ihres Namens letztes Jahr, den Oscar bekommt “Glory” aus Selma. Ihm haben sie sogar Selbstironie reingeschrieben, steht ihm gut. Dankesrede verweist darauf, dass heutzutage in USA mehr African Americans inhaftiert sind, als jemals gleichzeitig Sklaven waren.

Scarlett Johansson – stunning! Praktisch jede sieht besser aus mit kurzen Haaren, Farbe und Form des Kleides sind der Hammer.

50 Jahre Sound of Music! Riesige Zusammenschau aus dem Film und danach, äh, Medley-Nachgesang von äh, Lady Gaga. Die zumindest nur Julie Andrews imitiert und sich nicht am Material vergeht. Wow, die kann aber singen! Jetzt bekommt wohl auch Deutschland mit, welche zentrale Rolle der Film in anglo-amerikanischer Kultur spielt. Dass sie ihm ein gefühltes Viertel der Oscar-Show zugestehen, hat auch mich überrascht. Inklusive Standing Ovations nach dem Medley.

Jetzt Julie Andrews selbst – wie glorios! (Allerdings hätte ich so gerne gesehen, wie ihr Gesicht in Alt aussieht statt in Operiert. Nun: Ihr Gesicht, ihre Entscheidung.) Sie präsentiert Filmmusik. YESYESYES! Alexandre Desplat für The Grand Budapest Hotel. Das wurde aber auch Zeit. Somit haben wir zudem den verpflichtenden französischen Akzent auf der Bühne.

Eddie Murphy (den gibt’s noch?) präsentiert Originaldrehbuch: Birdman! Definitiv nachvollziehbar. Nun auch hispanic Akzent. Michael Keaton kaut im Publikum aggressiv Kaugummi – er hat hoffentlich eine medizinische Ausrede für dieses Flegelbenehmen. Auf der Bühne wird auch noch “toda la Argentina” gedankt, na gut.

Oprah Winfrey – finde ich einfach wunderschön. Präsentiert adaptiertes Drehbuch: The Imitation Game, freut mich. Und der Herr spricht sehr emotional und persönlich allen Mut zu, die jetzt glauben, sie könnten nie dazugehören.

Ben Affleck steht für den Regie-Oscar auf der Bühne: Birdman, hätte ich nicht gedacht. Wenn überhaupt, hätte ich auf Linklater oder Anderson gewettet. Zeigt, wie wenig Ahnung ich habe.

Cate Blanchett ist SO schön, präsentiert beste Hauptdarsteller: Eddie Redmayne. Wirklich? Sticht die Behindertenkarte immer noch unschlagbar? Michael Keaton oder Benedict Cumberbatch hätte ich erheblich einfacher verstanden. Sehr emotionale Rede. Sollte mich Herr Kaltmamsell jemals als partner in crime bezeichnen, werde ich ihn töten müssen. Death by cliché.

Matthew McConaughey (die Schreibung habe ich schon mal vorsorglich aus Wikipedia kopiert). Der wiederum schaut erwartbar schrecklich aus. Weibliche Hauptrolle (ursprünglicher Verschreiber “weinliche” – yes, it helps): Julianne Moore. Jetzt wünscht sie sich, sie hätte sich für das andere Kleid entschieden, das weniger aussieht, als sollte man es erst mal schuppen und die Zusammenhaltebänder entfernen.

Lahme Zaubernummer von Neil Patrick Harris: Er öffnet seine am Anfang der Show eingeschlossenen Oscar-Vorhersagen – die natürlich alle zutreffen.

Sean Penn kommt zur Musik von Dances with Wolves auf die Bühne. Warum?
Wir hatten auch schon am Anfang und mit genauso wenig Zusammenhang Musik aus Chitty Chitty Bang Bang. Warum?
Der Oscar für besten Film geht an Birdman! Ok, einverstanden.

Mal sehen, ob etwas von der Show selbst hängen bleibt. Der Presenter in Unterhose vielleicht?
Ich mache jetzt Kaffee und gehe dann in die Arbeit. Nachdem das letztes Jahr so gut geklappt hat, habe ich auch dieses Jahr der Kollegin den freien Nach-Oscar-Tag überlassen.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 22. Februar 2015 – nochmal Schnee

Sonntag, 22. Februar 2015 um 21:45

(Noch schnell vor dem Schlafengehen gepostet, damit es kein Durcheinander mit der Oscarnacht gibt.)

Gut und ausgeschlafen, dann aber dieser Anblick.

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Beachten Sie bitte auch, dass die Bäume links im Hintergrund verschwunden sind: Große Abholzung vergangene Woche, da wird wohl angebaut.

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Fahrt nach Augsburg.

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Dort Familienessen beim Italiener mit erstaunlich guten Spaghettini mit Kürbis und Perlhuhn.

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Mein Körper überlegte sich, ob er vielleicht krank werden will. Beginnende Halsschmerzen, doch das Ziehen an allen Ecken und Ende sowie die Zittrigkeit hätten sowohl dem mittlerweile ungewohnten Isarlauf geschuldet sein können oder einem Infekt.

§

Naomi Alderman, die Entwicklerin der App Zombie Run, die sogar Herrn Kaltmamsell zum Laufen gebracht hat, schreibt:
“There’s No Morality in Exercise:
I’m a Fat Person and Made a Successful Fitness App”.

Sehr Awww! und mit wundervollen Illustrationen.

When we came to make Zombies, Run!, I deliberately put a line in the very first mission, when you, Runner Five, are just arriving at Abel Township, the tiny, shivering remnant of humanity left after the zombie apocalypse. I had one of the characters say: “If you can move above a slow shamble, we can use you.” Why? Because I am so sick and tired of the best and nicest exercise-based treats being reserved for people who are already in peak physical shape, and I’m sick of the notion that having fun while exercising is something you have to earn; that, until you look a certain way, moving ought to be boring and unpleasant if not outright painful. Your body is there right now. You did not have to earn a thing. It is a gift. You are a hero every time you step out of your front door to do some exercise.

(Zombie Run ist von Naomi Alderman?! DER Naomi Alderman?!)

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 21. Februar 2015 – Bowling

Sonntag, 22. Februar 2015 um 9:57

Zweiter Isarlauf dieses Jahres, diesmal radelte ich zum Friedensengel und lief von dort los – auf einer deutlich matschigeren und glatteren Strecke, als ich es nach den beiden trockenen Wochen erwartet hätte.

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Ein zweites Rezept aus Nickys Reisehunger ausprobiert: Nuss-Tahini-Schnecken.

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Sehr wohlschmeckend. Aber weil ja Fastenzeit ist, hörte ich nach drei Schnecken auf.
Na ja, eine Stunde später nach der vierten.

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Abends Geburtstagsfeier mit fast ausschließlich Offline-Freunden im Bavaria Bowling. Es müsste nach meiner Zählung das dritte Mal gewesen sein, dass ich überhaupt bowlte, und es war ein Heidenspaß.

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(Dazu lief gerade Nik Kershaw, “The riddle”.)

Der Laden ist ohnehin eine Zeitreise in die 80er, wie ich sie sogar selbst erlebte. Ein anderer Bowlinggast hatte Geburtstag, und schon erklang “Happy Birthday” von Stevie Wonder – wie zu meinen Tanzschulzeiten! Die Getränkekarte bot auch Rüscherl an, die Muster der Polsterstühle erinnerten mich an Eisdielen meiner Jugend, und unter den zahllosen Schriftarten auf Printmaterial innen und außen (es handelt sich möglicherweise um ein Typografiemuseum in Nebenfunktion) waren auch einige, die ich zuletzt in Verbindung mit diesem Getränk gesehen hatte.

Die Bowlingbahn schien ein richtiger Nachbarschaftstreff zu sein: Nach 22 Uhr sprach der DJ (!) beim Strike-Wettbewerb (!) zwischen den Bahnen praktisch jeden mit Namen an.

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Andere fühlen sich angesichts von gewachsenen oder erwachsenen Kindern alt – das passiert mir nie. Ich bin durchaus überrascht, wenn die piepsige Kindergarten-Natalie kurz vorm Bachelor steht, das Sabberbaby Tobias schon in die Schule kommt, setze das aber nie in Bezug zu mir. Wo ich hysterisch werde, ist bei der Tatsache, dass Lettermans bescheuerte Oscarnummer “Uma” – “Oprah” SCHON ZWANZIG JAHRE HER IST!

Vanity Fair erzählt die ganze Oscarnacht 1995 nach, mit Bildern (da gab’s Ellen Barkin und Julia Ormond noch! ich vermisse beide sehr):
“The Oscars 20 Years Ago: Live-Blogging the 1995 Academy Awards”.

Wow, das war ein verdammt gutes Filmjahr.
Und ich liebte Sarah Jessica Parker noch für Miami Rhapsody.
“After the little clip reel, Jamie Lee says congrats to ‘all the men and not one woman’ who won.” – Sie war einfach schon immer der Hit.

§

Prinzessinnenreporter retten den Online-Journalismus“.

§

Basiert auf denselben Erkenntnissen wie der Washington Post-Artikel gestern, ist aber pointierter – und auf YOUTUBE!
“The Science of Anti-Vaccination”.

via @DonnerBella

die Kaltmamsell