Journal Sonntag, 29. März 2015 – Reise in die Elektronik der 70er

Montag, 30. März 2015 um 6:23

Vormittags zu einer Stunde Stepaerobics geradelt, auf der Treppe zur Theke fast gestoplert.

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Die Veröffentlichung bei Twitter ergab zwar, dass solche Angebote Schnee von gestern sind, zudem ist mir schon klar, dass es um Stärkung der Fußmuskulatur geht, die auch einem Senkfuß mit angeschlossenen Beschwerden gegenarbeitet, ich raufe dennoch Haare.

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Nachmittags Kaffe und Kuchen bei Schwiegers in Augsburg. Im Techniktagebuch habe ich beschrieben, wie daraus ein “Nein! Doch! Oh!”-Erlebnis wurde.

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Ein kluger Blick auf das Auftreten der Lufthansa-Offiziellen in den vergangenen Tagen. Ja, von diesem Lufthansa-Krisenhandbuch wusste man in der Branche des Issue Managements, die dortigen Fachleute teilten ihre Expertise auch gern.
“Aufrecht im Mediengewitter”.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 28. März 2015 – Apfeltaschensamstag

Sonntag, 29. März 2015 um 8:36

Die Krähen untersuchten die Anfänge des Eichhörnchenkobels in der Kastanie – ich bin ja nicht sicher, ob der Platz ideal ist. Aber was weiß ich schon vom Kinderkriegen?

Morgens und abends lange den beiden Kaninchen auf der Wiese zugeguckt – ich sehe immer höchstens zwei, so viele werden es wohl sein.

Ein überraschend kühler Tag, Wolken und Sonne wechselten sich ab. E-Mail-Abstimmung mit Ferienapartmentvermieterin in Brighton, dort ist es gerade sogar noch kühler.

Apfeltaschen gebacken, wie ich sie von daheim kenne:
– Tiefkühlblätterteigplatten getrennt auftauen
– mit Nudelholz etwas größer rollen
– auf die eine Hälfte klein geschnittene Äpfel
– Rand befeuchten, zusammenklappen, mit Gabelzinken gründlich verschließen
– backen
– Noch heiß mit viel Zitronenzuckerguss bestreichen, etwas abkühlen lassen.
Mich daran erinnert, dass das in meiner Kindheit typisch für den Samstagnachmittagkaffee war, der serviert wurde, wenn mein Vater aus der Arbeit kam. Er arbeitete oft am Samstag Frühschicht – kann ich mir gut damit erklären, dass er in der Wartung der Fabrik tätig war, und Wartungsarbeiten natürlich besser bei gedrosselter oder gestoppter Produktion durchgeführt werden. Und damit, dass er Überstunden sammelte, um im Sommer mit uns sechs Wochen am Stück in Spanien verbringen zu können.

Nachmittag im sonnenbeschienenen Sessel mit Terry Pratchett.

Abends ein weiteres Rezept aus Nicky Stichs Reisehunger: Portugiesischer Fischeintopf (mit Kichererbsen und Spinat). War sehr gut.

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die Kaltmamsell

Journal Freitag, 27. März 2015 – Kobelbau

Samstag, 28. März 2015 um 8:41

Morgens gesehen dass ein Eichhörnchen in einer großen, multiplen Astgabel der Kastanie vorm Balkon einen Kobel baut. Zucken beim Anblick abgebissener frischer Zweige mit dicken Knospen dran.

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Nachtrag vom Vorabend: Eine bezaubernde (und leicht meschuggene) Bloggerin hat mir etwas aus New York mitgebracht und geschenkt. Danke, Nina, stay meschuggene!

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Ich Techniktagebuch einen über die Woche geschriebenen Text über die 1987er-Technik des Privatradios veröffentlicht, in dem ich einen Teil meines Volontariats verbrachte:
“12.08.1987 – Von Bändern und Reglern: Radio IN”.

Ich hatte einige Details meiner Erinnerungen faktisch verifizieren wollten und festgestellt, dass das gar nicht einfach ist: Dazu steht kaum etwas oder kaum etwas Zuverlässiges im Web. Zum Beispiel Daten zum Kabelfernsehen. Ich war mir sehr sicher, dass meine Eltern 1984 beim Bezug ihres Reihenhäusls Kabelfernsehen hatten – und dass es hieß, Ingolstadt sei ein Pilotgebiet dafür. Im zugehörigen Wikipediaeintrag keine Spur davon. Genauso wenig über die Anschlüsse in Köln, von denen ein anderer Techniktagebuchautor berichtet, Thomas Jungbluth. Auch meine Erinnerungen an die Anfänge von Radio IN ließen sich nicht durch Internetrecherche verifizieren; sollte irgendjemand Korrekturen oder Ergänzungen dazu haben, würde ich mich sehr über Zusendungen per E-Mail oder in den Kommentaren freuen.

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Seit Monaten twittert er darüber: @HerdyShepherd1, der twitternde Schafhirte im Lake District, hat die Anonymität aufgegeben und ein Buch veröffentlicht. Ich werde es mir wohl während des anstehenden Brighton-Urlaubs kaufen (auf Papier, denn es enthält viele Bilder, die mein ältlicher E-Reader nicht anzeigen kann). Vor zwei Wochen twitterte er auch live den 10-köpfigen Wurf seiner Hündin Floss.

Bei all dem insistiert James Rebanks auf seinem Hauptanliegen: Die Öffentlichkeit für die traditionelle Bewirtschaftung des Lake Districts zu sensibilisieren. Sein Mantra: “Buy local!” Eine schöne Geschichte über ihn und sein Buch im Guardian:

“James Rebanks, Twitter’s favourite shepherd: ‘Sheep farming is another form of culture, just like Picasso or punk’”.

“I’m a farm lad who grew up admiring my grandfather and my father and the way they farmed here,” he explains, “and the book’s about realising that for most people, the Lake District isn’t about them. It’s about Wainwright and Wordsworth and walking and beautiful lakes. As I grew up, I found that annoying – that we’re invisible in our own landscape – and the book is a kickback against that.”

https://youtu.be/aKPpv9rA5Uk

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 26. März 2015 – Graue Bestürzung

Freitag, 27. März 2015 um 7:50

Ein grauer Tag mit steigender Bestürzung über die Nachrichten zum Flugzeugabsturz in Frankreich. Am Ende: schlichte Überforderung. Weiterhin sehr vorsichtiger Blick auf Nachrichten, Tagesschau ja, Brennpunkt nein.

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Im Techniktagebucht: Warum eine ehemalige Elektronikbastlerin bis heute keine Gebrauchsanweisungen liest.

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Der Guardian schreibt ausführlich über Veränderungen in der Superheldenwelt:
“Kapow! Attack of the feminist superheroes”.

The speed of change has surprised even the writers. Wilson, who is a Muslim convert, remembers when Marvel editors Sana Amanat and Stephen Wacker approached her to write Ms Marvel. “[They said: ‘We want to create a new teenage female American Muslim superhero and put her on her own book.’] I thought, ‘You’re insane. You’ll need to hire an intern just to open the hate mail.’

(…)

Kelly Sue DeConnick invoked another household object when she told Comics Alliance in 2012: “Never mind the Bechdel test, try this. If you can replace your female character with a sexy lamp and the story still basically works, maybe you need another draft. They have to be protagonists, not devices.” For decades, too many female characters failed the Sexy Lamp Test. So why the sudden change?

In a word: money. Women are reading comic books like never before.

In January, statistician Brett Schenker found that women accounted for 48.13% of the 32 million self-identified comics fans on Facebook.

(…)

The success of Ms Marvel and Captain Marvel has little to do with identity politics and everything to do with great storytelling. When Carol Danvers had her first solo book as Ms Marvel in 1977 (“This Female Fights Back!”), she was burdened with being Marvel’s token feminist role model: a superpowered Gloria Steinem. The new Ms Marvel, however, is an ordinary adolescent wrestling with parents and school as well as the responsibility of superpowers. Fifty-three years after Stan Lee created Spider-Man, it’s hard for a straight, white man like Peter Parker to represent the gawky underdog. Like the half-black half-Latino Miles Morales, who became a second Spider-Man in 2011, Kamala Khan is a modern take on a classic archetype.

Lichtstreif am Horizont oder was?

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 25. März 2015 – freier Tag mit Theaterkartenabenteuer

Donnerstag, 26. März 2015 um 7:06

Ich hatte FREI!

Nicht so lang geschlafen wie geplant, aber mit deutlich verbesserten Kreuzschmerzen aufgewacht. Meinen Laufplänen stand also nichts im Weg.

Nur dass ich mich in den Außentemperaturen vertan hatte: Es war über Nacht wärmer geworden. Als ich per Radl an der Wittelbacherbrücke angelangt war, stopfte ich erst mal Stirnband und Handschuhe in die Jackentaschen, zog dann die Jacke aus und band sie mir um die Taille. Angenehmes Laufen in der Sonne zur Großhesseloher Brücke und zurück, kleine Schleife für einen sehnsüchtigen Blick ins Einzelbad.

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Es gibt Hinweise, dass die Schneeschmelze in den Alpen noch nicht begonnen hat:

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Blesshuhn brütet unter Hütte.

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Streifengänse im Einzelbad.

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Den freien Tag nutzte ich zudem für einen mittäglichen Termin bei meiner wunderbaren Fußpflegerin.

Frühstück im Baader Café, dazu Zeitung. Vorsichtig über den gestrigen Flugzeugabsturz gelesen – am Vorabend hatte ich alle Sondersendungen gemieden: Neben den rohen Fakten, die ich bereits kannte, konnten Sie zu diesem Zeitpunkt unmöglich neue Informationen liefern, also waren Spekulationen oder gar Belästigung der Hinterbliebenen zu befürchten. Beides ertrage ich nicht.

Falk Steiner beschreibt nüchtern und chronologisch die Berichterstattung vom Dienstag.
“Berichten, was zu berichten ist?”

Die Süddeutsche vom Mittwoch füllte die rohen Daten mit ein wenig Infos über Krisenmanagement am Düsseldorfer Flughafen auf sowie den genauen Ort des Absturzes (erträglich) und mit einer Seite über die wirtschaftliche Situation und jüngere Geschichte der Lufthansa (grenzwertig).

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Auf dem Viktualienmarkt beim Metzger Eisenreich Schweinenieren fürs Abendessen besorgt. Mich über die Auslage des Metzgers gefreut.

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Zur Kasse der Münchner Staatstheater geradelt (da ich vormittags telefonisch nicht durchgekommen war), erst nach einmal um den Block gefunden. Denn: Ich hatte Karten für die aktuelle Faust-Inszenierung im Residenztheater ergattert (sehr gefragt) – doch am Dienstag eine Nachricht bekommen, dass die Auführung wegen Streiks gegen Tschechow ersetzt werde. (?) Ich wollte aber nicht das Residenztheater von innen mit irgendeinem Stück sehen, sondern Faust. Also tauschte ich die Karten gegen welche für April, auf schlechteren Plätzen, da bereits fast ausverkauft. Sie ist wirklich eine ziemlich hermetische, diese Theaterwelt. Aber möglicherweise aus anderen Gründen, als es ihr manchmal selbst mit Schreck bewusst wird.

Über den Nachmittag hatte sich der Himmel verdüstert, als ich um halb sechs unseren Kartoffelkombinat-Ernteanteil am Verteilerpunkt in der Müllerstraße abholte, war es novemberdüster.

Wäsche gewaschen und aufgehängt (erst wenn ich aus Krankheit mal eine Woche keinen Sport treibe, merke ich, wie viel weniger Wäsche ich dadurch erzeuge – derzeit mit normaler Sportfrequenz sind es sicher 30% zusätzlich), den sehr vernachlässigten Sauerteigansatz aufgefrischt, um am Wochenende Brot zu backen.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 24. März 2015 – Kreuzweh

Mittwoch, 25. März 2015 um 7:50

Geweckt von Herrn Kaltmamsell: Ich hatte am Vortag mein Telefon im Büro vergessen und merkte an vielen Stellen, welche zentrale Rolle dieses Gerät inzwischen in meinem Leben spielt. Zum Beispiel fungiert es als mein Wecker.

Zudem ist es mein Kalender – am Vorabend konnte ich nicht nachsehen, an welchen Tagen ich für einen Apriltermin der Leserunde Zeit haben würde (dies war weit weniger schlimm als der fehlende Wecker, ich habe abends fast nie etwas vor) (wem erzähle ich das? Sie als Leser und Leserinnen dieses Journals wissen das mittlerweile am besten). Ich konnte zudem nicht flugs im Web Autorinnennamen und Romantitel nachschlagen. Oder durchgeben, wann ich Dienstagabend daheim sein würde: Die genaue Zeit meines Friseurtermins stand nur im Telefon.

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Seit Montagnachmittag leichtes Kreuzweh.
Trotzdem zum Kraftttraining, weil vielleicht wird’s ja besser davon. (Ja, ich habe Abitur. Und ein abgeschlossenes Studium.)
Mit mittlerem bis starkem Kreuzweh ins Büro, Bücken den ganzen Tag über besser nicht.

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So, seit vier Wochen verkneife ich mir das Nagelhautfiesel mit 95-prozentigem Erfolg.
Richtig schön sieht das aber immer noch nicht aus. Gehört das so? Ist das Default-Zustand? Meine Umgebung wundert sich vermutlich, warum ich in letzter Zeit jedem und jeder intensiv auf die Finger schaue.

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Bewerbungsmethode “Schrotgewehr” aka “Viel hilft viel” aka “Nur wer mitspielt, kann gewinnen” trägt Früchte.

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Nach einem einsamen Tag im Büro im Sonnenuntergang nach Schwabing geradelt. Dort erst bei Semikolon ein neues A4-Buch für berufliche Mitschriften gekauft (nein, eigentlich kann ich mir sowas Edles nicht leisten, aber es erhält meine Selbstachtung), dann weiter in die Ungererstraße zum Haareschneiden. Seit einem Jahr enttäusche ich meinen ideenreichen und kundigen Friseur mit der Bitte: “Das Gleiche nochmal.” Aber ich habe mir halt schon lange nicht mehr so gut mit einem Schnitt gefallen wie mit diesem.

Heimradeln quer durch die Altstadt in einer frischen Frühlingsnacht – so schön.

Vor dem Schlafengehen Muskelrelaxanz und Ibu eingeworfen; mein Kreuz fand das Radeln nämlich deutlich weniger erquicklich.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 23. März 2015 – Falken auf St. Paul

Dienstag, 24. März 2015 um 6:29

Crosstrainerstündchen ohne jede Tiersichtung, mit oder ohne Flügel.

Dafür auf dem Weg in die Arbeit von St. Paul den Ruf eines Falken gehört. Meine Recherche ergab später: Zumindest vor zwei Jahren wurden hier schon mal Wanderfalken beobachtet. Auf dem Heimweg ging ich wieder an St.Paul vorbei, sah jetzt gezielt zu den obersten Turmlücken, in denen der Falke vor zwei Jahren gebrütet hatte – leer. Doch als ich einen letzten Blick hinter mich zum Turm warf, kam gerade einer angeflogen.

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Wenn mein Berufstelefon mit einem externen Anruf klingelt, melde ich mich immer sorgfältig und deutlich mit: “Firmenname, mein Name ist Kaltmamsell, guten Tag.” (Eine erfahrene Kollegin gab mir recht früh in meiner Berufstätigkeit den Tipp: Nimm dir dafür alle Zeit, die du für eine deutliche und verständliche Meldung brauchst – an dieser Stelle des Telefonats wird dich niemand unterbrechen.)
Die Firmennummer unterscheidet sich offenbar in nur einer Stelle von der einer Arztpraxis und der eines Kindergartens, alle paar Tage verwählt sich jemand. Auffallend dabei ist lediglich, dass die Menschen, die die Arztpraxis erreichen wollten, meine Meldung jedes Mal ignorieren: Sie bitten mich um Termine oder sind ein wenig ungehalten, weil ich mit ihrem Namen nichts anfangen kann, oder erzählen mir von ihren aktuellen Beschwerden oder möchten eine Kollegin von mir sprechen, die ich nicht habe.
Anruferinnen hingegen, die mit jemandem vom Kindergarten sprechen wollten, haken gleich nach meiner Meldung nach: Ist da nicht…?

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Tag mit Arbeit, Abend mit meinen Lesefreunden und -freundinnen über Italo Svevos Erzählungen, die gemischte Reaktionen erzeugten. Gut gemacht fanden wir sie alle, doch gab es den Vorwurf, sie seien sehr in ihrer Zeit stehen geblieben. Ich mochte sie, durchaus weil sie unbeabsichtigt das Bild einer vergangenen Gesellschaft zeichneten.

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Vielleicht haben Sie ja bereits Monica Lewinskys TED Talk gesehen, “The Price of Shame”?
Die New York Times hat zudem ein interessantes Portrait dieser Frau, die die Energie, mit der über sie hergefallen wurde, für eine Kulturkampagne nutzt:
“Monica Lewinsky Is Back, but This Time It’s on Her Terms”.

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Nimmt mich wie die meisten Einwanderergeschichten in Deutschland sehr mit:
“Tod in der Diaspora”.

Die Geschichte geht mir nahe, weil sie mal wieder Individuen sichtbar macht. Weil sie beweist, dass es die abgrenzbare Bevölkerungsgruppe nicht gibt und nur unsere Stereotypen überhaupt eine Gruppe erzeugen.

Ich merke zum Beispiel an meiner Überraschung beim Lesen, dass ich bei den Einwanderern aus Vietnam mit einer ungefähr homogenen Religiosität gerechnet hatte (da half also alles Lesen bei Naekubi nichts, der bloggenden, fränkischen Tochter vietnamesischer Katholiken).

die Kaltmamsell