Journal Montag/Dienstag, 26./27. Juni 2017 – Beifang aus dem Internetz

Mittwoch, 28. Juni 2017 um 6:45

Ereignislose Arbeitstage, am Montag mit Sommerhitze und feierabendlichem Obsteinkauf, am Dienstag mit Regen am Morgen, durch den ich zum Langhanteltraining ging, der sich aber in einen sehr warmen Feierabend mit gemischten Wolken verwandelte.

Die Sperrung der Theresienwiese für Oktoberfestaufbau wirft ihre Bauzäune voraus.

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Auch wenn Sie alle eh schon bei Read on my Dear lesen, weise ich Sie auf diese Geschichte hin:
„Eine Banane“.

Zu der Geschichte passt sehr gut, dass ich auf dem Heimweg gestern an einem Spendenplakat „Den Hunger beenden“ vorbei kam, inklusive dunklem Kindergesicht mit riesigen Augen, und mir dachte, das müsste man vor die Redaktionen von Frauenzeitschriften hängen, die von Diätterror leben.

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Else Buschheuer hat ein schwules Flüchtlingspaar bei sich aufgenommen und schreibt im jüngsten SZ-Magazin darüber:
„Meine Beiden“.

Lesenswert, weil es mal wieder verdeutlicht, dass Geflüchtete Menschen mit sehr individuellen Biografien und Charakteren sind. Lesenswert auch wegen der Buschheuer-Schreibe, die ich so mag, seit ich seinerzeit auf ihr Blog aus Manhattan stieß, und die kein Problem damit hat, auch die Autorin nicht so gut aussehen zu lassen.

Meine Jungs mussten nicht länger in Aleppo oder Gaza sein, aber auf Weimar, Gera und Jena hatten sie auch keinen Bock. Während hochmotivierte ehrenamtliche Helfer sie finanziell, mental und juristisch unterstützten, waren die Jungs fasziniert von bunten Kontaktlinsen, Shishacafés und McFit. Als ich ihre Oberflächlichkeit kritisierte, ließen sie durchblicken, dass ich ruhig auch mal wieder zum Friseur gehen könnte.

Manchmal kam ich zu Hause nicht mehr ins Netz, weil sie nebenan mit vier Geräten gleichzeitig (drei Smartphones und dem Computer, den ich ihnen geliehen hatte) online waren. Einmal hatte sich der Große einen verdorbenen Magen geholt, gebärdete sich wie ein Sterbender und scheuchte mich nachts durch halb Berlin in die nächste Bereitschaftsapotheke.

DAS war unser Culture Clash, nicht Schweinefleisch und Alkohol, nicht Jesus und Mohammed. Sie waren Konsumenten und wollten es in aller Ruhe sein, sie wollten sich weder von Mullahs noch von mir davon abhalten lassen, eimerweise Protein bei Amazon zu kaufen. Uns trennte nicht der Koran, nicht der IS, uns trennte ein »Lifestyle«, wie es der Kleine einmal nannte. Nach Jahren der Selbstverleugnung waren sie 24 Stunden am Tag damit beschäftigt, schwul zu sein, und das war verdammt noch mal ihr Menschenrecht. Aber auch ich hatte Ansprüche. Ich wollte, dass sie obendrein noch fleißig sind, pünktlich, ehrgeizig, kreativ und hartnäckig, aber gleichzeitig bescheiden.

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Ijeoma Oluo erinnert sich an ihre Kindheit in Armut und wie sie ihrer Mutter übel nahm, dass sie eines Tages einen Boston Cream Pie heim brachte.

By 6th grade I had already figured out that we were poor and that it was a moral failure on our part. We were defective, and therefore unable to afford the things that normal families could afford. My friends had snack cabinets full of treats that they could just reach into whenever they felt like it. We had no phone, often no electricity, and if there was a package of ramen in our cupboard, it was a very good day. I wasn’t quite sure why, but I knew that this was all my mom’s fault. She had married the wrong man, she had gotten the wrong job, she hadn’t saved enough or scraped enough or worked hard enough. But we had no food in our fridge and I was pretty sure this Boston cream pie was why.

Worauf ihr Artikel hinaus will:
„Poor People Deserve To Taste Something Other Than Shame“.

Ich musste sofort an den Ring denken, den ich von meinem bitter armen spanischen Großvater geerbt habe. Und wie ich mich dabei ertappte, ihm übel zu nehmen, dass er für solchen Tand Geld verschwendet hat.

via @MlleReadOn

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Im Techniktagebuch beschreibt Angela die Handhabung ihres neuen Pkws – sehr informativ für mich, da die letzten Autos, das ich fuhr, etwa auf dem Stand der Technik von Angelas altem waren:
„Glück ist doch käuflich“.
(Jetzt verstehe ich auch, warum wir beim letzten Mietwagen vor zwei Jahren keinen Knopf fürs Licht gefunden haben.)

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 25. Juni 2017 – Generalversammlung des Kartoffelkombinats, wir bauen eine Lagerhalle

Montag, 26. Juni 2017 um 6:53

Zum Morgenkaffee auf dem Balkon war es noch trocken (wenn auch recht frisch), doch dann setzte Regen ein. Nichts wars also mit Radeln zur jährlichen Generalversammlung des Kartoffelkombinats, Herr Kaltmamsell (seit vergangenem Jahr ebenfalls Genosse) und ich nahmen U- und Straßenbahn.

Bericht zum Geschäftsjahr 2016 (die Zahlen sind so herrlich übersichtlich im Vergleich zu den Bilanzen, mit denen ich bislang beruflich zu tun hatte) sowie Entlastungen von Vorstand und Aufsichtsrat waren gar kein Problem.

Zum Status Quo berichteten die Vorstände über das erste halbe Jahr in der eigenen Gärtnerei – und es ist atemberaubend, welche Unbillen das Team bewältigte, und mit denen es die Genossenschaftsmitglieder bislang unbehelligt ließ: Wetter zum einen (erst zu trocken, dann stand das Wasser) – aber Wetter ist ja in der Landwirtschaft der bekannteste Risikofaktor. Doch dass beim Ausschachten der Bewässerungsanlage eine Leitung der Telekom dran glauben musste (und ein Nachbarort zwei Tage kein Internet hatte – SORRY!), dass beim Graben verbuddelte Pflanzenschutzmittelbehälter auftauchten (das Erdreich ist mittlerweile ausgewechselt, keine messbare Belastung), dass eine Lieferung Setzlinge vom Laster fiel, dass ein Landratsamt wegen fehlender Unterlagen meinte, das da auf dem Gelände seien alles Schwarzbauten (mittlerweile hat der Vorstand fast alle Unterlagen aus 60 Jahren aus Archiven gewühlt) – das ist dann doch unerwartete Aufregung und Beschäftigung.

Zum Glück hatten Daniel und Simon auch eine Menge Erfolge zu berichten, unter anderem von der ersten im Kartoffelkombinat selbst geernteten Kartoffel – hurra! Außerdem ist der Anbau so richtig angelaufen, in Gewächshaus und Freiland, wir hatten bereits reichlich Gemüse aus eigener Gärtnerei in den Ernteanteilen.

Wichtigstes Thema gestern aber war die nächste Großinvestition nach dem Kauf der Gärtnerei: Bau einer Halle fürs Lagern von Wintergemüse, auch für die Kühlung des Frischgemüses bis zum Packen der Kiste und der gepackten Kisten bis zum Transport am nächsten Morgen zu den Verteilerpunkten. Zudem soll in der Halle Raum fürs Kistenpacken sein. Da verantwortungsbewusst gebaut werden soll (Material, Energieversorgung), ist das eine große Investition. Wie immer wurden uns Genossenschaftlerinnen und Genossenschaftlern alle Hintergründe, Pläne und Zahlen auf den Tisch gelegt – wir bekamen sogar drei Alternativen zu diesem kostspieligen Bau einer eigenen Lagerhalle durchgespielt. Nach ein paar Nachfragen erteilten wir dem Vorstand das Mandat, die Sache wie vorgestellt voranzutreiben.

Ganz planmäßig verläuft das Wachstum der Mitgliederhaushalte: Wir sind derzeit über 1100 Haushalte, und derzeit werden wieder weitere aufgenommen. Hier stehen die Ziele und Werte des Kartoffelkombinats: Wenn Sie in München oder Umland wohnen, Verantwortung für die gesamte Wertschöpfungskette Ihres Gemüses übernehmen möchten (bio, regional, fair für alle Beteiligten – alle), wenn Sie damit idealerweise eine Alternative zur Konsumgesellschaft schaffen wollen – dann könnten Sie hier nachlesen, wie eine Teilnahme funktioniert, und sich hier für einen sechswöchigen Test anmelden.

Ja, das Ganze ist so einmalig, wie es sich auf den ersten Blick liest, das Kartoffelkombinat leistet in sehr vieler Hinsicht Pionierarbeit (seit gestern weiß ich, dass wir sogar in der Bundestagsdebatte ums Genossenschaftsrecht als positives Beispiel genannt wurden). Derzeit wird pioniert mit dem Aufbau einer mittelgroßen professionellen Gärtnerei, die als Ziel 80 Prozent des Gemüsebedarfs von 1600 Haushalten decken soll (20 Prozent werden weiterhin von Partnerbetrieben zugekauft). Das ist so begeisternd, dass sogar der betreuende Banker von unserer kreditgebenden Bank Genossenschaftler wird.

Wenn Sie Erfahrungsdetails meiner fast vierjährigen Mitgliedschaft wissen möchten, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail (Adresse links oben) oder fragen Sie in den Kommentaren.

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Auf dem nachmittäglichen Rückweg hatte der Regen aufgehört. Daheim erledigte ich Erledigungen, las aber Zeitung, statt wie geplant zu bügeln. Der Strandurlaub in Galicien zwischen Wanderung und Madrid ist immer noch nicht entschieden.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 24. Juni 2017 – Isarwanderung von Ismaning nach Freising

Sonntag, 25. Juni 2017 um 8:40

Gestern war Wandern geplant, wieder bei jedem Wetter, wir üben schließlich für den Wanderurlaub in Nordspanien. Die Wahl fiel auf 25 Kilometer am Ostufer der Isar entlang, von Ismaning nach Freising: Wenn ich vom Münchner Flughafen starte oder dort lande, sehe ich immer wieder diesen Abschnitt der Isar von oben und denke mir, dass es dort doch eigentlich schön sein muss.

Nachdem es morgens noch bedeckt und angenehm abgekühlt gewesen war, wärmte die Sonne ab Vormittag immer mehr, und am Nachmittag wurde es wieder sommerheiß. Da die Sonne auf der Wanderung von hinten kam, spendeten die Bäume des Auwalds nur zum Teil Schatten. Doch wir waren gut sonnengecremt und hatten viel Wasser dabei, es ließ sich aushalten. Mit zwei Pausen waren wir gut fünf Stunden unterwegs.

Gleich nach dem Aussteigen aus der S-Bahn in Ismaning stellten wir fest, dass wir hier mal gesondert zum Umschaun herkommen sollten: Der Weg bis an die Isar führte durch ein sehr sehenswertes Örtchen (das zu seinen Sehenswürdigkeiten das Museum der Missgeschicke zählt, in das ich allein schon fürs Techniktagebuch gehen sollte).

Von da an ging’s einfach die Isar entlang, im Wanderbüchl mit Wegbeschreibung mussten wir erst ganz am Ende nachblättern. Herr Kaltmamsell fand die Strecke zu eintönig, doch ich mochte das satte Grün, das Isarrauschen und -glitzern neben mir, die vielen Schmetterlinge (und mehrere Blauflügel-Prachtlibellen sowie eine Feuerlibelle) – auch wenn es tatsächlich wenig Aussichten oder spannende Blümchen gab. Besonders war auf jeden Fall die Geräuschkulissen: Das Isarrauschen wurde immer wieder vom Gebrüll startender Flugzeuge übertönt, die zum Teil aufregend niedrig über uns flogen (nachdem Flugzeug-Nerds ja ganz eigene Kriterien für Reiseplanung haben, könnte das ihre ideale Wanderung sein?).

Aber selbstverständlich ist die Isar schiffbar!

Genau so stellte ich mir Brutmöglichkeiten für Uferschwalben vor, und wir mussten auch nur kurz warten, bis wir hier welche sahen.

Eigentlich war ideales Wetter für kurze Hosen. Die sich allerdings als suboptimal für Streckenabschnitte mit schmalen Pfaden durchs Unterholz erwiesen: Brombeerzweige und Brennnesseln wehrten sich schmerzhaft.

Dass Freising einen eigenen Besuch wert ist, wusste ich schon vorher; diesmal nahm ich ihn mir fest vor.

Wir kehrten im Weißbräu Huber ein. Das Essen war anständig, um uns herum wurde fast ausschließlich Englisch gesprochen, es gab niedliche Spatzen am Boden sowie viele Mauersegler in der Luft.

Auf dem Weg zum Bahnhof stürzte ich mich mit Herrn Kaltmamsell in unseren ersten Pokémon-Raid. Dummerweise gerieten wir an ein extrem starkes Boss Pokémon und waren nur zu zweit: Es dauerte lediglich Minuten, bis unsere Kampfviecher kaputtgekämpft waren. Aber jetzt habe ich das auch mal gesehen.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 23. Juni 2017 – Es wird weitergeschwitzt

Samstag, 24. Juni 2017 um 8:40

Ein weiterer schwül-heißer Tag, der in mehrfach komplett durchgeschwitzten Klamotten resultierte; ich war mal wieder dankbar über meine Schenkelbänder, die mir lange Märsche im Kleid ermöglichten. Eine so lange Hitzeperiode schon im Juni ist eigentlich ungewöhnlich. Nicht mal morgens habe ich Lust auf Sport, weil es nachts fast nicht abkühlt.
Zumindest war es bewölkt, so dass mein Büro nicht zu unangenehm aufheizte.

Auf dem Heimweg große Mengen Sommerobst gekauft: Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche. Im Straßenbild immer mehr Frauen jenseits der 40 mit Brathendl-farbenem Teint.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 22. Juni 2017 – Heiß bis in die Nacht

Freitag, 23. Juni 2017 um 6:30

Schon morgens war es so warm, dass ich mit großen Schweißflecken auf der Bluse in die Arbeit kam und mir dort noch eine Stunde lang der Schweiß aus den Haaren tropfte. Ich habe schon in heißeren Büros gearbeitet, aber auch schon in deutlich besser kühlbaren. Dummerweise gehen Deutsche ja bekanntlich von Klimaanlagen (selbst von Kühldecken!) tot, oder zumindest schwer krank. It’s cultural. Lieber reißen sie die Fenster in die Hitze auf, auf die Gefahr hin, an „Zug“ zu erkranken, auch eine sehr deutsche Malaise.

Mal wieder ein Tag der bizarren Anrufe.

Abends nach Neuhausen zu einer Verabredung mit Besuch aus Berlin geradelt, unter einer Kastanie im Romans Abend gegessen. Ich hatte den Eindruck, dass es nachts kaum abkühlte.
Wichtige Ergänzung: Zu meinem Kummer hat das geschätzte Café Karameel geschlossen. Beim Vorbeigehen sah ich gestern, dass es durch ein anderes Lokal ersetzt wurde.

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Vor acht Uhr morgens sind die Wegwarten auf der Theresienwiese wach.

Um 18 Uhr schläft die Wegwarte schon, dafür duftet die Kamille ganz hinreißend.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 21. Juni 2017 – Zum Flaucherbiergarten

Donnerstag, 22. Juni 2017 um 6:52

Beim Zu-Bett-Gehen Dienstagnacht war es draußen immer noch deutlich wärmer als in meinem Schlafzimmer, ich ließ die Fenster geschlossen und öffnete sie erst beim nächtlichen Klogang.

Um 5 Uhr von Regenrauschen und Migränesymptomen aufgeweckt worden. Regen endete nach einer halben Stunde, Kopfweh und Schwummrigkeiten hörten von selbst am Vormittag auf.

Auf dem Weg in die Arbeit beobachtete ich weiter den großen Umbau bei PokémonGo: Seit Dienstagabend waren alle Arenen abgeschaltet und grau, gestern sah ich, dass aus manchen Pokéstops Arenen geworden waren (nicht gut für Spielerinnen wie mich, die nur mit catch and discard Punkte sammeln), zahlreiche Arenen kamen hinzu.

Es ist die kurze Zeit im Jahr, in der ich beim Datumschreiben „Oh nein, nicht so schnell vergehen!“ denke: Sommer mit schönem Wetter. Sonst kann’s mir ja nicht schnell genug gehen.

Nach Feierabend mit Herrn Kaltmamsell durch den Südfriedhof und an der Isar entlang zum Flaucher-Biergarten spaziert.

Schweinshaxe, Breze und Radler zum Abendbrot.

Beim Zurückspaziergang spürten wir, wie viel kühler es im Grünen gewesen war als in der Innenstadt.

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Gestern begann der Prozess gegen die Schlepper, die 2015 mutmaßlich den Tod von 71 Flüchtlingen in einem Kühllaster verantworteten. Ein Interview mit Gerald Tatzgern vom österreichischen Bundekriminalamt, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität, über den Vorfall und die Ermittlungen – nur schwer erträglich.
„‚Ich habe das vorausgesagt'“.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 20. Juni 2017 – Beifang aus dem Internetz

Mittwoch, 21. Juni 2017 um 6:54

Morgens Langhanteltraining. Ich stellte mir vor, dass wir 15 Amazonen (Frauenstudio) gerade auf der Insel Themyscira ein wenig Frühsport machten. Und will jetzt dringend Sportkleidung im Amazonen-Look. An der Studiotheke entdeckte ich, dass ich eine Namensvetterin unter den Mitturnerinnen habe. Wir nervten die Umkleidenden, indem wir einander ständig mit Namen ansprachen.

Ein sehr warmer Tag, der immer heißer und schwüler wurde.

Abends war ich mit Herrn Kaltmamsell verabredet. Wir steuerten das nahe gelegene Griechischrestaurant Molos an, doch das war geschlossen – anscheinend dauerhaft. Nun gut, der Paulaner Biergarten lag ja ums Eck – in den wir nicht reinkamen wegen geschlossener Gesellschaft. Wir beschlossen, dass es draußen eh zu warm war und probierten das Olé Madrid aus, an dem ich regelmäßig vorbei radle: Sättigende Kleinigkeiten, am besten waren die frittierten Sardellen und Tintenfischringe, saftig und frisch.

Immer noch hadere ich ein wenig mit meinem neuen Telefon (iphone 6s): Die Stand-by-Taste ist seitlich rechts oben statt auf der Oberseite. Eine Folge: Ich verstellt ständig die Lautstärke des Klingeltons, weil ich beim Drücken der Stand-by-Taste irgendwo gegenhalten muss.

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Auch sonst geht mir der Film Wonder Woman weiter im Kopf herum. Kathleen Hildebrand schrieb in der Süddeutschen:
„Warum weinen Frauen bei ‚Wonder Woman‘?“

Ein Dutzend attraktiver Frauen, das sich gekonnt bewegt, dabei einigermaßen knapp bekleidet ist – und trotzdem sieht keine nach Sex-Symbol aus. Diese Frauen sind Subjekte, nicht Objekte einer lüsternen Kamera. Und von nirgendwoher fällt ein Blick auf sie, der etwas anderes in ihnen sieht als edle Kämpferinnen für das Gute.

Jede Einstellung scheint diese Frauen zu bewundern. Aber nicht, weil sie erotisch sind. Sondern weil sie stark sind. Und weil sie gut sind in dem, was sie tun. Vor allem aber, und vielleicht ist das wirklich nur auf einer mythischen Insel ohne einen einzigen Mann möglich, weil sie die unangefochtenen Hauptrollen spielen. Nirgends ist da ein Batman in Sicht, oder ein Tony Stark, in dessen Team auch mal eine Frau mitkämpfen darf. Es geht um sie. Man muss darauf nicht bewusst gewartet haben, um zu fühlen, dass es gefehlt hat.

Geweint habe ich zwar nicht, war aber schwer ergriffen aus genau den angeführten Gründen. Ich weiß nicht, ob ein Superheldenfilm-affiner Mann nachvollziehen kann, wie bewegend es sein kann, wenn die weibliche Hauptfigur sagt: „I’m going in.“ Und dann das Dorf rettet, unterstützt von ihren Kumpels („Diana! Shield!“). Es gibt mir die Ahnung einer Ahnung, wie es sein muss, zu einer wirklich marginalisierten Bevölkerungsgruppe zu gehören und sich endlich mal im Zentrum einer Mainstream-Geschichte zu sehen.

Ich glaube, ich schau mir den Film nochmal an. (Und sei es, um Etta Candy noch Mal sagen zu hören: „Fight? I myself aren’t opposed to some fistycuffs, should the occasion arise.“) Im nächsten Teil lassen wir dann bitte auch die Keilabsätze von Dianas Sandalen weg, ja? Sind zum Rennen bescheuert, und Gal Gadot (die möglicherweise ziemlich cool ist) hat eh Beine bis zum Hals, die selbst für Hollywood nicht optisch verlängert werden müssen.

Auch wenn er seinerzeit nicht so viel Lärm gemacht hat: Spy liebte ich aus denselben Gründen. Gute Frauen, böse Frauen, starke Frauen, lustige Frauen, doofe Frauen. Und halt nicht nur die eine weibliche Figur, die man problemlos durch eine Stehlampe ersetzen könnte. Oder durch einen Muskelmann.

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Vox nimmt sich die Computer Generated Imagery (CGI) in Wonder Woman vor – ich lernte daraus eine Menge:
„Wonder Woman’s battle scenes show how to use — and not use — CGI in super-movies“.

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In seinem Notizblog fasst Torsten zusammen, was auch mir zum Bedingungslosen Grundeinkommen durch den Kopf geht:

„Missverständnisse zum Bedingungslosen Grundeinkommen — ein Rant“.

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Im Philosophie Magazin unterhalten sich Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston und der Investigativjournalist Georg Mascolo über:
„Welchen Fakten können wir trauen?“

Daston: Besonders das deutsche Wort macht deutlich, dass es sich bei Tatsachen um Taten handelt. Wie wir an Redewendungen wie ex post facto oder an der Unterscheidung von de facto und de jure bis heute ablesen können, waren Fakten ursprünglich eine juridische Kategorie. Descartes’ Zeitgenosse Francis Bacon forderte im frühen 17. Jahrhundert eine Reform der Naturphilosophie. Wenn er von Fakten redet, klingt das meistens, als ob er von Verbrechen spricht. Bei einem Juristen wie Bacon sollte einen das nicht wundern. Das matter of fact, wie man auf Englisch sagt, verwandelte sich damals von einem juridischen in einen wissenschaftlichen Begriff. Zum Beispiel behauptete Isaac Newton in „The New Theory of Light and Colours“ von 1672, dass sich das weiße Licht aus einem farbigen Spektrum zusammensetzt. Die Wissenschaftler stritten über seine Theorie – und sogar über die Ergebnisse seiner Experimente. Ähnlich wie ein Gericht beschränkte sich die Royal Society of London, die 1660 gegründete englische Akademie der Wissenschaften, in dieser Situation darauf, die Tatsachen festzustellen und von den theoretischen Spekulationen und Deutungen zu trennen, um einen Konsens herzustellen. Das gelingt nie hundertprozentig. Das ist ein Ideal. In einem jahrhundertelangen Prozess haben sich seither Verfahren wie das Laborexperiment und Institutionen wie die wissenschaftlichen Akademien herausgebildet, die diesem Ideal verpflichtet sind.

(…)

Für das, was wir als post truth bezeichnen, halte ich weniger das Klima an amerikanischen Universitäten als eine Veränderung im Stil der Berichterstattung verantwortlich, die man selbst bei so respektablen Medien wie der New York Times und in Deutschland genauso wie in den USA beobachten kann: Ich meine den Trend, immer weniger von Gründen und immer mehr von Gefühlen zu sprechen. Soweit ich sehe, ging das im Sportjournalismus los. Die Idee, dass Emotionen die verlässlichste Wahrheit, nämlich Authentizität, darstellen, kann man bis Rousseau zurückverfolgen. Weil Gefühle dazu geeignet sind, Geschichten farbiger und anschaulicher zu machen, hat sich dieses Muster auch in der politischen Berichterstattung durchgesetzt.

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Die Viel- und auch beruflich Fotografiererin Andrea Diener denkt darüber nach, welche Sorte selbst aufgenommene Fotos wir auch viele Jahre später noch mit Interesse ansehen, weil sie Erinnerungen und Gefühle evozieren:
„Wir Urlaubsknipser“.

die Kaltmamsell