Journal Samstag, 17. Februar 2018 – Vereinssport: A whole new world

Sonntag, 18. Februar 2018 um 8:35

Nach Ausschlafen und Bloggen besuchte ich gestern zwei Vormittagsturnstunden am neuen Sportort. Vereinssport bewegt sich auf vielen Ebenen in einer ganz anderen Kultur als Fitnessstudiosport, und das finde ich gerade ungeheuer spannend.

In dieser Sportvereinskultur ist sehr wahrscheinlich der MTV nochmal etwas ganz Eigenes, der Geschichte und den Örtlichkeiten geschuldet:

Sie sollten die Turnstunden nach Mitgliedern des bayerischen Königshauses benennen: 45 min. Amalie, Sisi für Fortgeschrittene, Hot Max, Anfänger-Leopold, eine Runde Rudolfen etc.

(Was Anderes: Liest hier eine Steinmetzin oder ein Steinmetz mit, der den falschen Punkt nach 1909 beseitigen könnte?)

Gestern sah ich das Gebäude und den Ausblick aus dem Gymnastiksaal zu ersten Mal bei Tageslicht. Ich bewegte mich bei 45 Minuten „Move & Dance“, was heutzutage die letzten Reste von dem sind, was vor 40 Jahren als Aerobics angefangen hat. Der Schwerpunkt liegt auf tänzerischer Bewegung, nicht mehr auf exakt und mit Spannung ausgeführter Choreografie. Danach 45 Minuten „Bodystyling“, was in meiner persönlichen Sportgeschichte als ruhige, geführte Gymnastik mit möglichst vielen Wiederholungen begonnen hat, doch zumindest gestern aus sehr dynamischen und zum Teil raumgreifenden Übungen mit vereinzelten Sprüngen bestand, die ich mit der Erscheinung „Functional Training“ verband – allerdings bei Weitem nicht so belastend.

Überraschung und große Freude nach der Stunde, als mich eine Mitturnerin ansprach, die mein Blog kennt. Sie habe sich gefreut, dass ich zum MTV gewechselt sei und sich schon gedacht, dass wir einander dort früher oder später begegnen würden. Jetzt kenne ich also neben dem lang verflossenen Arbeitskollegen noch jemanden dort.

Und nun der Kulturwechsel: Ich ging heim, ohne zu duschen. Das hatte ich nämlich von Anfang an beobachtet: Dass nur eine Minderheit der Frauen die Umkleide geduscht verlässt. Einige Teilnehmerinnen an den Gymnastik- und Hüpfstunden gehen erst gar nicht in die Umkleide, sondern haben eine Tasche mit Turnschuhen und Handtuch dabei, die sie in eine Ecke des Gymnastiksaals stellen.

Die Duschen sind viele und ordentlich, im Gegensatz zu Nassbereichen von Fitnessstudios aber weit entfernt von aller einladender „Wellness“. Das allein konnte doch nicht der Grund sein.

Wie gut, dass ich einen langjährigen Vereinssportler in der Familie habe, den ich fragen konnte, ob meine Beobachtung überhaupt stimmt und ob er den Grund kennt: Meinen Bruder, Jugend-Basketballtrainer in einem Verein.

Er schätzte im gestrigen Telefonat den Anteil an Nichtduschern bei sich auf 50 Prozent – das sind schon mal 50 Prozent mehr als in einem Fitnessstudio, wo sich jede nach dem Sport duscht, vielleicht mit Ausnahme nach Yogastunden. Zum einen, erklärte mein Bruder, wohnten viele in der Nähe der Sportstätte, auch er zum Beispiel, und gingen deshalb lieber schnell nach Hause zum Duschen. Zum anderen, und diesen Verdacht hatte ich schon gehabt: Trainingsanzug.

Niemand will ja nassgeschwitzt in zivile Kleidung steigen. Doch während Trainingsanzüge in der Fitnessstudiokultur nahezu unbekannt sind, gehören sie laut meinem Bruder fast schon definitorisch zum Vereinssport. Schließlich seien alle Sportarten dort auf Wettkämpfe gegen andere Vereine ausgerichtet. So habe man zum einen auf Wettkämpfen das Bedürfnis, durch Vereinskleidung die Zugehörigkeit zum eigenen Verein zu zeigen – das könne man nicht durch Jeans und Pulli. Zum anderen gebe es in Wettkämpfen immer Pausen, in denen man sich etwas überziehen wolle, um nicht zu frösteln, nämlich einen Trainingsanzug (unverständlicherweise nahm er meinen Alternativvorschlag „Badmantel?“ nicht ernst und behauptete, der sehe da nicht gut aus).

Gestern hatte ich meine Winter-Laufkleidung über die Sportklamotten gezogen (plus Janker), in die schlüpfte ich also nach dem Sport für die zehn Minuten Heimweg. Wenn ich direkt nach der Arbeit zum Sport gehe, werde ich aber nicht ums Duschen rumkommen.

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Wenn man nicht mehr raus muss, ist so ein Schneetag ja schon ganz schön. Ich verbrachte ihn mit Wäschewaschen und Lesen.

Letzteres versuchte ich mal in therapeutischer Haltung, um die immer noch zickende LWS-Bandscheibe zu entlasten. (Foto: Herr Kaltmamsell)

Abends – Herr Kaltmamsell war aushäusig – packte ich die jährliche Meldung von Blogposts bei der VG Wort an: Für 2017 gilt es über 170 Einträge einzeln aufzurufen und Überschrift sowie Text ins Online-Formular zu kopieren. Das dauert unter anderem deshalb so lange, weil ich beim Wiederlesen gerne mal an Einträgen hängen bleibe und mich erinnern lasse. So oder so: Die Ausschüttung war bislang immer so reichhaltig, dass sich die Mühe wirklich lohnt.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag/Freitag, 15./16. Februar 2018 – Ein Abend im Broeding

Samstag, 17. Februar 2018 um 9:09

Am Donnerstag schneite es den Nachmittag über, dann regnete es: Der Heimweg auf tauendem, vorher fest getretenem Schnee war unterm Regenschirm eine sehr rutschige und anstrengende Angelegenheit.

Zum einzelnen Nachtmahl (Herr Kaltmamsell war aushäusig) machte ich mir Feldsalat aus Ernteanteil und einen Teller Griesbrei.

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Kräftiger Regen auch Freitagmorgen.

Abends war ich mit Herrn Kaltmamsell im Lieblingsrestaurant Broeding verabredet, diesmal schmeckte es ganz besonders gut, und die Ausführungen von Sommelière Anna Flohr, zum Beispiel zur sich langsam etablierenden Terminologie bei orange wines in Österreich, waren ganz besonders interessant.

Der Gruß aus der Küche vorneweg war ein Lauchgemüse mit getrockneten Tomaten, Balsamico und Mozarella, das wunderbar nach einer wintrigen Caponata schmeckte. Als Aperitiv hatte ich mir ein Glas vom Belsazar Vermouth erbeten, den ich hinter der Theke im Regal erspät hatte: Den Rosé hatte ich noch nirgends in München gefunden. Schmeckte ausgesprochen gut.

Gegrillter Thunfisch und mariniertes Kalb mit besonders interessantem Szechuan-Krautsalat und frittierten Bananenblüten. Dazu im Glas: Ein Heinrich Welschriesling Freyheit, der mir allein etwas zu mostig war, mit dem Thunfisch und dem Kalb aber säure-fruchtig und voll wurde.

Pastinakensuppe mit schwarzen Walnüssen, das Grüne war ein Pistou aus Mairübchengrün. Sehr fein – wir machen ja auch seit Jahren Pastinakensuppe, doch die schmeckt dann immer sehr brachial nach der Wurzel und nie so schön mild. Der Wein dazu: Von Hirsch aus dem Kamptal ein Grüner Veltliner Lamm 2011, der im Holz gereift war – der interessanteste und intensivste Grüne Veltliner, an den ich mich erinnere. (Wenn ich daran denke, dass Grüner Veltliner für mich bis vor 15 Jahren dieser österreichische günstige Sommerwein vom Norma war…)

Fischgang: Loup de mer mit Fenchel und Brokkoligrün, der konventionellste Teller, aber sehr gut. Zum Wein erfuhr ich, dass der Steiermärker Tement seinen Sauvignon Blanc jetzt auch jenseits der Grenze anbaut, als Ciringa. Wir bekamen den Reserve, der überraschenderweise eine Säure-Bombe war, wie ich es von Sauvignon Blancs gar nicht gewohnt bin.

Die schöne Maishendlbrust mit gefüllter Zucchiniblüte und Blumenkohl-Couscous wurde begleitet von einem Wenzel Pinot Noir Kleiner Wald.

Als Käsegang ein Morlacco di Grappa mit Rosmaringelée und Walnussbrot, der die Textur eines Taleggio hatte, im Gegensatz zu diesem aber sehr aromatisch war. Der begleitende Wein war ein rasser Kikelet Tokaji Formint, den ich von einem früheren Besuch kannte und mochte.

Pre-Dessert (sowas gab’s ja früher nicht – vielleicht wird doch alles immer besser?): Mandarinengranité mit Praline.

Pralinenparfait-Bisquit-Törtchen mit Ananas. Fein fand ich vor allem Ananas und Äpfel (hinterm Törtchen) – ich bin weiterhin kein Fan solcher elaborierter Dessert-Teller und habe den Verdacht, dass es nichts gibt, was durch Bisquit besser wird. Weinbegleitung war eine Kracher Scheurebe Trockenbeerenauslese, die ich sehr mochte.

Ein abschließender Espresso, dann brachten wir einander heim. Ich freute mich besonders, dass Herr Kaltmamsell bis zuletzt wach und munter war: Er wird bei solchen ausgedehnten Mahlen oft von Wein und später Stunde schrecklich müde und barmt mich dann sehr in seinem Kampf dagegen.

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Einmal im Jahr wird die Bloggeruhr ein paar Jahre zurückgedreht, und Frau Julie bloggt wie vor zehn Jahren – wenn auch für die LVZ. Dann ist nämlich Berlinale, und Julie blogt darüber aus ihrem Hinterstübchen. Auch dieses Jahr geht es mit dem Eröffnungsfilm los:
„Berlinale 2018 – Hunde, wollt ihr ewig leben?“.

(Ob sie vielleicht für uns Krückstock-schwingende Pleistozän-Blogleserinnen mal ein Update zu Töchtern, Mann, größeren Absurditäten schreibt?)

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Leider immer noch und immer mehr Realität in Deutschland: Antisemitische Angriffe auf Juden. Ein paar der betroffenen Mitbürgerinnen und Mitbürger erzählen von ihrem Alltag.
„Verletzt in Berlin“.

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Als Start ins Wochenende noch was fürs Auge: Supergeschmückte Lkw in Japan und ihre Geschichte.
„The Blinged-Out Work Trucks of Japan Photographed by Todd Antony“.

via @dtfdpr

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 14. Februar 2018 – Neue Tasche

Donnerstag, 15. Februar 2018 um 6:54

Ein kalter sonniger Tag. Nach Feierabend Fußmarsch zum Sport, ein zweites Mal Langhanteltraining an neuem Ort. Da den Tag über meine doofe Bandscheibe immer wieder unangenehm auf Nerven gedrückt und Schmerzen verursacht hatte, wäre ich fast nicht gegangen; doch die Bewegung und die Übungen erwiesen sich als wohltuend.

Nicht zurecht kam ich wieder mit dem Umstand, dass bei Heimkehr um dreiviertel neun gerade mal noch Zeit für Abendessen bleibt.

Und für Umräumen: Daheim wartete frisch geliefert (gibt’s nicht im Offline-Handel weil lang vergangener Restposten) meine neue Arbeitstasche auf mich. Ihre Vorgängerin aus derselben Taschenserie war unrauchbar geworden: Abgestoßene und fransige Ecken, ausgebleichter Stoff, mehrere Flaschenbruch-, Milch- und Joghurtauslaufmalheure. Auch die neue fasst Unterlagen, Zeitung, Brotzeit sowie Büroschuhe und lässt Platz für Einkäufe auf dem Heimweg. Da ich gerne die Hände frei habe und trotzdem schnell in die Tasche greifen können will, trage ich sie am liebsten mit Querriemen. Eine lebendigere Farbe wäre mir lieber gewesen, doch es gibt sie nur in dieser – man kann nicht alles haben.

§

#Metoo und seine Folgen sowie die Diskussion darum gehen nicht weg, das freut mich sehr und gibt mir die Hoffnung, dass sich diesmal wirklich etwas ändern und bessern wird.
Gaby Hinsliff im Guardian:
„Carnality and consent: how to navigate sex in the modern world“.

Hinsliff sieht sich an, was sich in den vergangenen Monaten durch #metoo getan hat – und stellt fest, dass sich alte Stereotypen von der Jagd des Mannes nach der Frau und ihrem zögerlichen Nachgeben hartnäckig halten.

The old idea of courtship as a pursuit – in which men do all the chasing while women coyly resist, at least until there is some commitment on the table – has its downsides. It fosters an assumption that reluctance is normal and pushing is required; if a woman suddenly retreats or freezes, that is par for the course. Keep pestering for long enough and eventually a no might turn into a yes.

(…)

In a piece for GQ, the writer Justin Myers said men need to take a long, hard look at their behaviour. “We tell ourselves it’s a ‘grey area’, the rules around it so murky and undefined that all we can do is go for it and hope nobody gets sued,” he wrote. “Consent is seen as something to be tangibly and forcibly withheld, not asked for – we pretend men don’t have to check themselves or read the room; it’s up to his partner to stop them, tell them no, move away from them, leave if possible … Don’t pretend you haven’t noticed their body language just because it’s inconvenient for you to do so right now.”

Gleichzeitig hält sich die Haltung vieler Männer, dass sie einen Anspruch auf sexuelle Aufmerksamkeit von Frauen haben (siehe Pia Ziefles Geschichte „Das steht mir jetzt zu“). Dabei, und darauf läuft auch Hinsliffs Argumentation heraus, sorgt eine Kultur der Zustimmung statt Zwang für besseren Sex für alle:

Like generations of feminists before them, millennials have been accused of being puritanical killjoys or making it practically impossible to have sex at all. But, in some ways, the reverse is true: their whole point is that sex is meant to be fun, that being browbeaten into it is miserable and that more communication should mean better sex for everyone. That is the point where two halves of the millennial psyche – the #MeToo movement and a lusty, libidinous sex-positive movement seeking to reclaim the word “slut” as a joyful thing – come together.

§

Zum selben Thema wurde gestern in meinem Internet vielfach ein Interview mit einem Mann geteilt. Sebastian Schipper, heute Regisseur, hat als Schauspieler auch unter Dieter Wedel gearbeitet und geht mit dem System ins Gericht, einschließlich seiner eigenen Rolle darin:
„‚Wie kann Tukur sagen, dass er nichts bemerkt hat?'“

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie von Privilegien sprechen: Gibt es also doch etwas, was Männer durch #MeToo zu verlieren haben?

Schipper: Was soll da bitte verloren gehen? Das Flirten? Was für eine Art von schützenswertem Flirt soll es sein, bei dem sich die andere Person mies fühlt? Oder der Humor? Dass man keinen anzüglichen Witz mehr machen darf? Dass Zoten über Assistentinnen oder Praktikantinnen nun als unangemessen gelten, kann man doch nicht als Verlust beklagen. Witze auf Kosten von Schwächeren sind eh keine Witze. Humor ist, wenn du erkennst, was für eine absurde Erscheinung du selbst bist. Jeder große Komödiant in Deutschland, von Karl Valentin über Loriot bis Anke Engelke, zieht seinen Humor daraus, dass er überfordert mit der Welt ist.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 13. Februar 2018 – Die ersten heimischem Hamburger

Mittwoch, 14. Februar 2018 um 6:49

Wecker auf 7 Uhr gestellt, um mich schon mal aufs 6-Uhr-Wecken am Mittwoch vorzubereiten. Aber gestern hatte ich noch frei, und weil er schon um 7 begann, hatte ich schön viel vom Tag.

Die ersten Stunden davon verbrachte ich im Wohnzimmer am Laptop bloggend. Hin und wieder guckte ich raus auf die kleine Tierschau: Ein ungewohnter Vogelruf verriet mir einen Stieglitz in der Kastanie vorm Balkon, kurz darauf sah ich dort ein dunkelbraunes Eichhörnchen mit ganz langen Winterohren. Eine Amsel schimpfte so lange durch die geschlossene Balkontür, bis ich ihr Rosinen aufs Sims legte. Die Süddeutsche (Papier) gelesen.

Nach dem Frühstück am späten Vormittag lockte mich das Wetter zu einem Spaziergang in der nicht zu kalten Sonne. Auf dem Südfriedhof sah ich Buchfinken – aber keine Eichhörnchen, für die ich Erdnüsse dabei hatte.

Zurück daheim Adrian Mole ausgelesen. Und gleich danach Elena Ferrante, My brilliant friend angefangen (ich hatte die englische statt der deutschen Übersetzung gekauft, weil das E-Book hier nur ein Drittel kostete).

Nachdem jetzt klar ist, wann Herr Kaltmamsell dieses Jahr Urlaub nehmen kann, nämlich weiterhin nur in den Schulferien, buchten wir unseren gemeinsamen Urlaub 2018: Wir werden in Irland den Wicklow Way wandern und anschließend Dublin anschauen. Weitere Reisen plane ich ohne Herrn Kaltmamsell: Eine Woche ums Bachmannpreislesen in Klagenfurth sowie zwei Wochen Oktoberfestflucht, Ziel noch offen.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Hamburger, weil es aus der Kauf ne Kuh-Lieferung Patties in der Gefriere gab. Die Brötchen dazu hatte ich gebacken und war auch mit nur 24 Stunden Gehen sehr zufrieden. Ich bin völlige Hamburger-Ignorantin, mir ist eigentlich ein Fleischpflanzerl lieber; aber mit diesen Buns und mit viel geschmolzenem Käse schmeckten sie sehr gut.

An mehreren Stellen dachten Menschen darüber nach, was sie sich dieses Jahr zur Fastenzeit antun wollen: Es klingt alles sehr kompliziert, dafür meist komplett unreligiös. Mein regelmäßig geäußerter Vorschlag, sich bis Ostern einfach einmal am Tag mit einem Hammer auf den Daumen zu hauen und damit auf Schmerzfreiheit zu verzichten, wurde bislang nirgends aufgegegriffen. Ich scheine die einzige hier mit Begabung zum Thinken outside the Box zu sein.

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Stevan Paul schreibt einem Abgesang auf ein deutsches Traditionsgericht, von dem ich bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal hörte:
„Abschied von den Grauen Erbsen – ein deutsches Traditionsgericht verschwindet“.

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Sascha Lobo beobachtet im Web einen Rückzug ins Private:
„Wir tippen im Dunklen“.

via @alexmazkeit

Meine These: Es findet ein großer digitaler Rückzug ins Private statt. Das Private ist immerhin nicht politisch – auf die Weise, wie „Politik“ in öffentlichen sozialen Medien so absurd anstrengend sein kann. Öffentlichkeit hat sich für die meisten Menschen offenbar nicht als wertvoll erwiesen.

Das deckt sich mit meiner Beobachtung, dass Jugendliche ihre Online-Kompetenz damit belegen, was sie alles nicht öffentlich schreiben und wie geschickt sie für Unsichtbarkeit sorgen. Und es könnte die Verwunderung der Medien über die „Goldenen Blogger“ erklären, weil wir hier genau das Gegenteil tun und öffentlich schreiben.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 12. Februar 2018 – #12von12

Dienstag, 13. Februar 2018 um 8:24

Gestern hatte ich Rosenmontags-frei, also kann ich mich mal wieder an #12von12 beteiligen.

Noch in den Schlumpfklamotten nach dem Aufstehen, doch die Tasche fürs Schwimmen zu meinen Füßen ist bereits gepackt.

Umbaustatus im U-Bahnhof Sendlinger Tor: Schon vor Monaten wurden die Fotoautomaten entfernt, mit denen ich fast monatlich mein Altern festhielt. Ich muss endlich mal nach Ersatz suchen, damit die Lücke nicht zu groß wird.

Ich nahm gemütlich die U-Bahn hinaus zum Olympiabad statt heldisch auf dem Fahrrad dem Frost zu widerstehen.

Nahezu ungestörtes Schwimmen im Trainingsbecken – die Schwimmhalle selbst wird erst ab Mai wieder nutzbar sein.

Mit der Straßenbahn zum Café Puck, ich frühstückte einen New York BLT.

Beim Zeitunglesen freute ich mich besonders über die Lokalspitze von Stephan Handel im München-Teil.

Auf dem Heimweg stieg ich für ein paar Besorgungen am Marienhof aus.

Münchner Rosenmontagsentfesselung auf dem Marienplatz.

Daheim brach ich in Häuslichkeiten aus: Teig für Hamburger-Buns fürs dienstägliche Abendessen angesetzt (statt 48 werden sie halt nur 24 Stunden im Kühlschrank gehen können),

Topfpalme beschnitten, auf dass sie wiederauferstehen möge.

Im Schlafzimmer eine größere Aktion: Seit meine lieben Eltern mich Weihnachten 2011 mit einem Baldachin für mein Bett beschenkt hatten, war dieser nie gewaschen worden. Sie können sich vorstellen, wie viel Staub sich seither darauf gesammelt hat? Gestern nahm ich ihn mit Hilfe einer Leiter und von Herrn Kaltmamsell endlich ab, stellte fest, dass er mit Stecknadeln gerafft war, schüttelte ihn auf dem Balkon erst mal aus (ohne vorher die Windrichtung zu prüfen, so profitierten auch mein schwarzes Strickkleid und meine Haare von sechs Jahren Staub) und legte ihn zusammen. Reinigung im Wollwaschprogramm folgt dieser Tage.

Dafür wusch ich eine Ladung dunkler Wäsche und dekorierte das Wohnzimmer damit.

Nachtmahl: Herr Kaltmamsell hatte Karotten und Kartoffeln aus Ernteanteil zu einer Suppe mit Ingwer und Kokosmilch verarbeitet. Danach gab’s noch Reste der Salate vom Vorabend.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 11. Februar 2018 – Eine einzige Rote Bete

Montag, 12. Februar 2018 um 8:43

Frau Kaltmamsell, wie kommt Ihr Blog Vorspeisenplatte mit all dem Ruhm und Traffic durch den Award „Goldener Blogger“ zurecht?

Och, es ist erwartungsgemäß genau so gelaufen, wie ich das bereits bei Verlinkung auf großen Portalen wie Spiegel online erlebt habe: Ein großer Aussschlag, nach einer Woche Zurückpegeln auf die vorherige Besucherzahl. Ich freue mich über jeden und jede davon.

§

Nachdem auch meine zweite Lieblingsringelstrumpfhose löchrig war, machte ich mich ans Reparieren. Nicht nur würde mich überhaupt schmerzen, ein Kleidungsstück wegen eines solch geringen Schadens wegwerfen zu müssen. Ich mag diese Strumpfhosen auch besonders gerne und wüsste nicht, woher ich Ersatz bekäme.

Ich bin sehr froh, dass ich wenigstens ein bisschen mit Nadel und Faden umgehen kann – und so Lieblingsstücke retten.

Isarlaufrunde gestern von Odeonsplatz bis Unterföhrung und zurück bis Tivoli. Es war anstrengend, unter anderem wegen des rutschigen Untergrunds, aber ich sah einen Graureiher auf einer Kiesbank, eventuell daneben einen Kormoran.

Nach Duschen und Frühstück verarbeitete ich die eine Rote Bete, die vergangene Woche im Ernteanteil war.

Sie ergab eine Schüssel klassischen Rote-Bete-Salat nach Österreich vegetarisch und ein Portion Rote-Bete-Püree nach einem Rezept aus Ottolenghis Jerusalem (letzteres geriet mir ein wenig zu scharf).

Zum Abendbrot gesellte sich ein Waldorfsalat, den Herr Kaltmamsell aus Sellerie und Äpfeln des Ernteanteils bereitet hatte.

§

Dieser Werbefilm macht in meinem Internet Furore: Eine Neuauflage der Four Yorkshiremen, nur dass sich darin junge Londoner darin übertreffen, wie hart es ist, ihren Sport auszuüben. Lustig und gepackt voller Infos über die unterschiedlichen Bevölkerungsschichten und Gegebenheiten in London (Englischlehrerinnen aufgemerkt) (wenn Landeskunde überhaupt noch Teil des Englischunterrichts heutzutage ist).

§

In Chrismon, dem besten Kundenmagazin deutscher Sprache, stand wieder eine ganz ausgezeichnete Reportage: Gerhard Trabert ist Arzt und behandelt Obdachlose und Arme in Mainz.
„Er schaut nicht weg“.

Du bist deines Glückes Schmied – Trabert wusste früh: „Das ist Unsinn.“

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 10. Februar 2018 – Schokoladenkuchen und Lasagne

Sonntag, 11. Februar 2018 um 9:05

Erster von vier freien Tagen. Nach unruhiger Nacht wachte ich mit bösem Kopfweh auf, das mir unter anderem die Lust auf Sport nahm.

Doch so hatte ich noch Zeit für ein gemütliches Gespräch mit dem Übernachtungsgast und für eine mittägliche Einkaufsrunde mit Herrn Kaltmamsell. Unter anderem besorgten wir Zutaten für den Double Chocolate Bundt Cake with Chocolate Glaze, den ich bei David Lebovitz gesehen hatte. Etwas verwundert war ich über die dortige Diskussion zu Methoden gewesen, mit denen man das Festkleben von Rührkuchen in der Napfform verhindert: Im deutschsprachigen Kulturkreis würde ich Napfkuchen als den Standardkuchen ansehen, so dass das Buttern der Form zu den ersten Handgriffen gehört, die die Anfängerin lernt – bei besonderer Gefahr wird zusätzlich gemehlt oder gebröselt. Da es sich beim gestrigen Schokoladenkuchen um einen besonders zarten handeln sollte, mehlte ich; Semmelbrösel erzeugen eine äußere Knusprigkeit, die ich hier nicht haben wollte.

Zum Abendbrot hatte ich mir etwas wünschen dürfen (als wenn Herr Kaltmamsell nicht ohnehin immer auf meine Wünsche einginge): Ich hatte Lust auf klassische Lasagne al forno gehabt. Die mache ich eigentlich immer nach Gefühl (Bolo, Bechamel, Mozarellawürfel, Parmesan, Nudelplatten), Herr Kaltmamsell aber hatte gründlich recherchiert und orientierte sich am Rezept im Guardian, das Hühnerleber und viel Bechamel, aber keine Mozarella vorsieht. Dazu machte ich aus Ernteanteil-Zuckerhut einen Salat.

(Geständnis: Ich habe am Sättigungsregler gedreht, weil das Original etwas unappetitlich farblos war.) Das Ergebnis schmeckte gut, doch ich bevorzuge die Fruchtigkeit von deutlicheren Tomaten und vermisste die Käsefäden.

§

Heimat – meine erste Assoziation ist dieses Wort im Mund der Mitglieder von Vertriebenenverbänden. Spürt man Heimat vielleicht vor allem, wenn man sich nicht dort und dann befindet? Als Vermissen?

Nicht erst seit der Koalitionsvertrag „Heimat“ als Teil einer Ministeriumszuständigkeit vorsieht, wird wieder öffentlich darüber nachgedacht und diskutiert. Was wohl niemand übersehen kann: Es gibt keinen unbefangenen Umgang mit dem Begriff. Wie vergiftet er ist, beschreibt Juna auf ihrem Blog Irgendwie jüdisch:
„Heimat?“

die Kaltmamsell