Journal Donnerstag, 29. Juli 2010

Freitag, 30. Juli 2010 um 6:26

Großartig: Bin mal wieder an dem Punkt, an dem ich es für eine kolossale genetische Fehlentwicklung halte, dass ich mit Intellekt auf die Welt gekommen bin. Der verhinderte, dass ich nach einer soliden Schulausbildung ein ordentliches Handwerk erlernte (Bäckerin, Brauerin, Korbflechterin) und damit bis zum „wohlverdienten Ruhestand“ vor mich hin ameise.

Aber nein: Dieses Dreckshirn muss ja ständig denken, fragen, Widerstand leisten, Ideen haben.

Gibt’s Lobotomie noch auf Kasse oder müsste ich an meine Ersparnisse? Was völlig ok wäre, da mein anschließendes Leben wahrscheinlich keinen hohen finanziellen Aufwand erforderte. Und ich bin sicher, dass ich auch ohne Zugriff auf meine gesamte Gehirnkapazität ein nützliches Mitglied der Gesellschaft wäre.

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Ich gebe der Grundniedergeschlagenheit einfach nach, lasse mich in taube Leere und Langeweile gleiten – etwas ganz Neues. Genug mit Zusammenreißen, halt unter die Leute gehen, nach Anregungen greifen, mitmachen, hochhalten, alert bleiben, mich nicht so anstellen. Mal sehen, wohin mich das führt. Auf das – wahrscheinlich sogar trocken gebliebene – Sommerfest der Firma bin ich schon mal einfach nicht gegangen.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 28. Juli 2010

Donnerstag, 29. Juli 2010 um 6:30

Zum Abschluss der Morgentoilette nach Monaten mal wieder Lust auf ein kräftiges Parfum gehabt und einen Hauch Organza aufgelegt. In den folgenden Stunden genossen, dass mir bei manchen Bewegungen eine Ahnung davon in die Nase stieg – der Duft erinnert mich an das Spanien meiner Kindheitsurlaube, riecht nach Geborgenheit und Sicherheit, gleichzeitig nach Verheißung.

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Mittwoch lasse ich regelmäßig sportfrei, am gestrigen freien Feierabend machte ich mich also zum Atelier einer Goldschmiedin auf, deren Arbeiten mich auf ihrer Website fasziniert hatten: Susa Beck (vor allem diese Ohrringe und diese beiden Colliers). In den letzten Jahren kann ich mit Mode- oder Industrieschmuck immer weniger anfangen (zu Letzterem zählen auch die großen Marken und internationale Ketten). Es ist mir egal, dass hochwertiger Schmuck die Trägerin nie jung wirken lässt – das tue ich ohnehin nicht.

Doch es stellte sich heraus, dass die auf der Website angegebene Adresse wohl wirklich nur eine Werkstatt ist: Eine Klingel an einem Vielparteien-Wohnhaus in der Nähe des Isartors, nicht etwa ein Ladengeschäft mit Auslage. Mal sehen ob ich mich aufraffe, einen Termin mit Frau Beck zu vereinbaren. Einerseits habe ich noch einen sehr schönen Aquamarin herumliegen, den ich gerne in ein Collier fassen lassen würde. Andererseits hätte ich schon gerne erst mal andere Sachen von ihr in Echt gesehen, vor allem inklusive Preisschild.

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Rumfort-Abendessen, ohne dass ich mir die Mühe machte, die Nahrungsmittel zu einem Gericht zu verbinden. Zeitunglesen, Fernsehen, Buchlesen.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 27. Juli 2010

Mittwoch, 28. Juli 2010 um 6:25

Nicht Aufregendes zu berichten. Obwohl ich mich durchaus dennoch aufgeregt habe. Kennen Sie diese Twitter-Freigabe-Satire? Wie soll ich sagen – nach einem ähnlichen Erlebnis ziehe ich mittlerweile in Erwägung, dass eine Digital Resident since 1997 vielleicht doch nicht die ideale Person ist, einem Unternehmen Social Media nahe zu bringen.
(Hin und wieder möchte ich schon gerne schreiend und haareraufend durchs Großraumbüro rennen. Doch ich fürchte, meine Reputation könnte Schaden nehmen.)

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Und dann auch in meinem Kulturbeutel: Das Ereignis ausgelaufene Shampooflasche. Wegen eines Löchleins in der Shampooflaschenwand. Ja doch.
Tat dem positiven Effekt der zwei Stunden wilder Aerobic-Hopserei keinen Abbruch.

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Vorteil des U-Bahn-Fahrens wegen Regens: Ich komme zum Zeitunglesen.

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Kaum schwinge ich einen Zaunpfahl vor des Mitbewohners Nase, bekomme ich auch schon Flammkuchen nach deliciousdays zum Abendessen gebacken. Noch besser, als ich mir das vorgestellt hatte, sogar richtig köstlich, und die ersten Flammkuchen überhaupt in diesem Haushalt. Dazu passte sehr gut ein hübscher St. Antony Bodenschatz Riesling 09.

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Die Longlist für den Booker Prize ist veröffentlicht. Den Roman von Andrea Levy habe ich mir gleich mal vorgemerkt. Ihr Small Island war schließlich großartig.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 26. Juli 2010

Dienstag, 27. Juli 2010 um 6:28

Auf dem Weg in die Arbeit kam mir ein Kaminkehrer entgegengeradelt (auf dem Radweg gegen die Fahrtrichtung, eh klar), und sofort spielte mein Hirn den Zwiefachen
Schlotfeger, Schlotfeger,
feg ma mein Schlot.

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Kosmetikversprechen-Busting liebe ich ja ganz besonders. Die Zeit nimmt Shampooversprechen auseinander.

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Die Cookies vom Wochenende an die Kollegen verfüttert – erstaunlicherweise mehr Lob für die langweiligen Schokoladenkekse als für die großartigen Erdnussbutterkekse bekommen.

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Nach der medizinischen Muckibude (diesmal ohne Schweißströme) mit dem Mitbwohner einen besonders wohlschmeckenden Geflügelsalat zusammengestellt aus Resten eines Zitronen-Thymian-Hähnchens, einer grünen Paprika in Stücken, einer kleingehackten Stange Sellerie, etwas Frischkäse, Zitronensaft, etwas Majonese und zwei Esslöffel zarten Thymianblättchen. Dazu ein Wiener Gemischer Satz Sommeregg, der ausgezeichnet passte.

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Auf den Hinweis meiner Twitter-TV-Tipperin Else Buschheuer Fluß ohne Wiederkehr laufen lassen. Außer in Komödien ist Frau Monroe zwar als Schauspielerin eine Witzfigur, doch ich mag eigentlich alle Filme mit ihr. Allerdings bestanden die Werbeunterbrechungen irritierenderweise fast ausschließlich aus minutenlangen Spots für Autoputzmittel – ist das vielleicht typisch für Das Vierte?

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 25. Juli 2010

Montag, 26. Juli 2010 um 6:21

Sonnenschein und knallblauer Himmel taten so, als hätte es die vorhergehenden 48 Stunden Regen nicht gegeben. Es war die Isar, die sie Lügner hieß: Sie zeigte sich heute mit Hochwasser als reißender Gebirgsfluss.

Ich startete meinen Lauf in Thalkirchen.

In wundervoll klarer Luft nahm ich heute nach der Großhesseloher Brücke den unteren Weg und sah mal ein anderes Idyll.

Ich trabte heute so mühelos, dass ich ständig den Eindruck hatte, es ginge leicht
abwärts. Blick von der Großhesseloher Brücke zur Stadt.

Nach anderthalb Stunden Dauerlauf hatte ich sogar noch Lust auf einen Schlussspurt – das passiert wirklich nur alle heiligen Zeiten.

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Elisabeth Rank findet die passenden Worte dafür, warum Katastrophen wie die in Duisburg das Schlimmste an Twitter zutage bringen.

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Etwas Lesen auf dem Balkon, ein Nickerchen, ein wenig Bügeln.

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Stimmt was nicht mit den Ahornbäumen in München? Mir fallen immer mehr auf, deren Blätter aussehen wie mit Zementstaub bedeckt.

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Jane Austen’s Fight Club:

via irgendeinem Twitterer

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 24. Juli

Sonntag, 25. Juli 2010 um 9:26

Über acht Stunden Schlaf waren genau so erholsam, wie ich mir das erhofft hatte – nach einer Runde im Sorgenkarussel um die übliche Zeit war ich nochmal tief eingeschlafen. Bei Kühle und rauschendem Regen war an eine Radfahrt zum Olympiabad nicht zu denken; also per U-Bahn zum Schwimmen. Zu meiner Beruhigung war der Sportaussetzer am Dienstag ein Einzelfall, und so schwamm ich meine drei Kilometer fröhlich und flott.

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Mit Regenschirm lässt es sich schlecht in der Innenstadt bewegen: Im Sommer bleiben bei diesem Wetter zwar die Münchner daheim, aber die Touristen wollen natürlich trotzdem etwas sehen. Und stehen in großflächigen Gruppen gerne an sehr ungünstigen Stellen wie U-Bahn-Aufgängen. Glücklicherweise hatte ich es nicht eilig und erledigte meine Futtereinkäufe beim Basitsch in aller Ruhe.

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Ein weiteres Rezept von David Lebovitz ausprobiert: Chocolate Crack Cookies.

Na ja, nichts Besonderes. Brauche ich nicht nochmal.

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Ein ausführliches Interview mit dem ganz besonderen Bill Murray bei GQ.

via gofugyourself

Dass er die Stimme von Garfield wurde, weil er dachte, die Coen-Brüder würden den Film machen, nehme ich ihm allerdings nicht ab.

Manchmal bedaure ich, dass ich die Dialoge aus Ghostbusters ausschließlich in deutscher Synchronisation im Ohr habe; seinerzeit war es nicht so einfach, an die Originalversionen zu kommen.
(Bei den alten James-Bond-Filmen ist das definitiv nicht so: Zu denen gehört die Stimme von Gert-Günther Hoffmann unbedingt.)

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Was passieren kann, wenn Marketingmenschen gedankenlos Bloggerinnen anschreiben:

Reason # 876 why marketers should read my blog *before* pitching me

Die nächste Anfrage werde ich also nicht wortlos auf den Spamhaufen werfen, sondern ähnlich beantworten.
(Falls Sie Frau Blogess noch nicht regelmäßig lesen, sollten Sie jetzt damit anfangen.)

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Gerade als ich zu einer Hauserwärmungsfeier aufbrechen wollte, las ich von der Panik auf der Duisburger Loveparade und dass es Tote gegeben hatte.

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Die Feier war sehr angenehm. Ich kam ins Nachdenken, warum ich mich unter echten Computermenschen und I-Technikern (in Abgrenzung zu Softwareverkäufern und IT-Medienberatern) immer entspannt und wohl gefühlt habe. Es mag daran liegen, dass diese Menschen in ihrem Job ganz auf Inhalte konzentriert sind, diese mit Leidenschaft verfolgen (und sei es auf Kosten von Verständlichkeit) und sich nicht mit Machtgezicke und Befindlichkeiten aufhalten.

Es müsste ein paar Folgen The IT Crowd geben, die ich noch nicht gesehen habe…

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 23. Juli 2010

Samstag, 24. Juli 2010 um 9:15

Zu kalt für Morgenkaffee auf dem Balkon. Zu regnerisch fürs Radeln in die Arbeit.

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Wie sauer darf ich werden, wenn mir ein Kollege angeboten hat, etwas in einem Projekt zu erledigen, damit ich keinen externen Dienstleister damit beauftragen muss, wenn ich dem Dienstleister abgesagt habe und der Kollege mir zwei Tage vor Erledigungsstart und nur auf Nachfrage eröffnet, dass er nun doch Urlaub genommen hat?
So schnell ich bei anderen Dingen in Sekunden von 0 auf 100 bin: In diesem Fall reagierte ich lediglich mit einem lahmen „Ah. Dann. Ok. Danke.“

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Das Regenwetter löste eine ganze Reihe Backpläne aus. Nach der Arbeit also nicht nur Fahrkarten für das Weinwochenende im September, sondern gleich noch Backzutaten besorgt.

Der Fahrkartenkauf wurde das netteste Erlebnis des Tages. Der Online-Verkauf hatte mir nur einen Teil der Strecke angeboten, so begab ich mich nach Jahren mal wieder ins Reisezentrum des Münchner Hauptbahnhofes – ich hatte ja Zeit. Dort stellte ich fest, dass die Bahn mittlerweile ein praktisches Wartesystem eingeführt hatte: Man zieht an einem Automaten eine Nummer, zwei zentrale Bildschirme zeigen an, welche an welchem Schalter drankommt (und wie viele Schalter gerade geöffnet sind – gestern waren das neun). Es gibt also keine Warteschlangen. Den davon früher belegten Platz nehmen jetzt reichlich Sitzgelegenheiten in der Mitte des Raumes ein. Der Raum machte gestern einen belebten, aber nicht hektischen Eindruck, die Wartenden verteilten sich. Da ich 30 Nummern lang warten musste, machte ich es mir mit meiner Zeitung bequem.

Nach etwa 15 Minuten trat ich an Schalter 9, wo sich eine Bahndame ausführlich um mich kümmerte. Auch sie konnte mir trotz verschiedener Anläufe für das letzte Teilstück in Österreich keine Karte verkaufen; wir vermuteten die Umbauten am Wiener Südbahnhof als Grund, vor denen mich schon die Website gewarnt hatte. Sie beriet mich in allen Details der Fahrtzeiten, des Umsteigens und der Platzwahl und bot mir schließlich einen Supersonderpreis mit dem ausdrücklichen Hinweis an, dass ich mich dann auf die genannten Fahrtzeiten festlegen müsse. Ah, dachte ich, auch sie hat vermutlich nicht nur einmal die endlosen Diskussionen von Bahnfahrern mit Zugpersonal mitbekommen, in denen die Passagiere nicht verstehen wollten, dass das Schnäppchenticket, mit dem sie reisten, nicht einfach so auf einen anderen Zug übertragbar ist. Ob ich sonst noch einen Wunsch hätte? „Schönes Wetter wäre nett.“ „Wird gemacht,“ sagte sie und klickte auf ihren Bildschirm.

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Backattack: Abends nochmal Erdnussbutter-Cookies gebacken, die mit echter Erdnussbutter tatsächlich deutlich besser wurden – saftig und kauig (na, dann übersetzen Sie doch chewy besser).

Hier das Rezept.

Und dann gleich noch New York Cheesecake gebacken. Wobei ich mich, fast hätte ich die Möglichkeit zum Jammern verpasst, ordentlich am Backofen verbrannt habe. Wir begrüßen also hermit einen schmucken Streifen überm linken Daumen.

die Kaltmamsell

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