Journal Mittwoch, 20. September 2017 – Beifang aus dem Internet

Donnerstag, 21. September 2017 um 6:52

Grau, kalt, durchsetzt von Regengüssen und -schauern – das mit herbstlichem Spätsommer werden wir vergessen müssen. Lichtblick am Tag: Die feierabendliche Verabredung, deren Gespräch mich nach Tiflis und Armenien führte, die Mahlzeit dazu auf den Himalaya. Und morgens hatte ich es endlich mal wieder geschafft, früh genug für eine Runde Bauch- und Rückenkräftigung aufzustehen.

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Den Wahlkampf nehmen Medien im In- und Ausland zum Anlass, sich bestimmte heiße Themen in Deutschland genauer anzusehen – und welche davon überhaupt zur Sprache kommen. Zum Beispiel die derzeitige Ruhe um Maßnahmen gegen die Erderwärmung. In der Zeit schreiben Maximilian Probst und Daniel Pelletier:

„Wir schweigen uns zu Tode“.

Schon heute sind Umweltkatastrophen der wichtigste Faktor hinter den weltweiten Migrationsbewegungen. Gegen den Klimawandel zu kämpfen hieße deshalb auch Fluchtursachen zu bekämpfen.

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Der Guardian hat sich Angela Merkels Umweltpolitik angesehen – über ihre gesamte politische Karriere. Und sie kommt dabei schlecht weg, sehr schlecht.
„Who’s the world’s leading eco-vandal? It’s Angela Merkel“.

Unlike Trump, she has no malicious intent. She did not set out to destroy the agreements she helped to create. But the Earth’s systems do not respond to mission statements or speeches or targets. They respond to hard fact. What counts, and should be judged, as she seeks a fourth term as German chancellor in the elections on Sunday, is what is done, not what is said. On this metric, her performance has been a planetary disaster.

(…)

In 2014, the European commission wrote to the German government, warning that the air pollution caused by diesel engines was far higher than its manufacturers were claiming. The government ignored the warning. Even now, two years after the dieselgate scandal broke, Merkel has continued to defend diesel engines, announcing that “we will use all our power to prevent” German cities from banning them, and stifling the transition to electric cars. The “mistake” made by the diesel manufacturers, she insists, “doesn’t give us the right to deprive the entire industry of its future”.

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Ich meckere ja schon lange, dass im Wahlkampf die EU- und Weltpolitik fast nicht zu hören sind. Interessiert sich die Wählerschaft wirklich nur für ihr eigenes kleines Leben? Auch hierzu einige interessante Anmerkungen vom Guardian:
„Germany won’t lead the free world. It barely looks beyond its own borders“.

One of the most fascinating developments in Germany is that, contrary to many predictions, the 2015 refugee crisis has not upended the nation’s politics entirely. How come? In Britain, it contributed to producing Brexit. In France, it helped Le Pen collect 10m votes. In 2015 the world’s huddled, desperate masses came to Germany – and yet, two years on, the country hardly seems to worry about the state of the world, or wants to even discuss it.

(…)

An inward-looking Germany (here I mean the population, not the team in the chancellery or the foreign policy establishment) presents risks for Europe. The public mood will make it harder to agree a collective European strategy for dealing with the dual calamities of Brexit and Trump, as well as formulate sustainable, smart policies on Russia, Turkey, the Balkans, China, Africa, climate change, migration – you name it.

(…)

To be sure, all politics is local. But the Germans will choose Merkel yet again because they believe she will protect them from external pressures, not help transform the world, or Europe, for the better. Most just want to keep things the way they are: an apparently placid, content country that likes rules to be strictly respected and doesn’t want to be troubled much by what’s going on beyond its realm.

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Ein wenig fundamentaler, dafür unabhängig von Bundestagswahlen: Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Spektrum der Wissenschaft recherchiert, ob sich seit der 2005 veröffentlichten Analyse von Metaanalysen zum Thema neue Erkenntnisse ergeben haben, die den damaligen Schluss „Ja, gibt es, aber bis zu unter statistischer Relevanz, und die Unterschiede innerhalb der Gruppe sind erheblich größer“ widerlegen.
„Kleiner Unterschied, große Ähnlichkeit“.

„Männer und Frauen sind sich ähnlicher, als dass sie verschieden sind“, sagt (…) der Neurowissenschaftler Marco Hirnstein von der Universität Bergen in Norwegen. „Beim ganz überwiegenden Teil der kognitiven Leistungen und bei der allgemeinen Intelligenz gibt es keinen Unterschied – oder nur einen so kleinen, dass er praktisch überhaupt keine Bedeutung haben dürfte.“

(…)

Zudem steht fest: Männer und Frauen unterscheiden sich zwar im Mittelwert, doch der Überlappungsbereich ist sehr groß. Die Spannbreite der Leistungen ist innerhalb der Geschlechter viel größer als der mittlere Unterschied. Sprich, bei ihren Leistungen in der mentalen Rotation oder in der sprachlichen Kreativität unterscheiden sich zwei Männer oft stärker voneinander als der Durchschnittsmann von der Durchschnittsfrau. Das ist Forschern deshalb wichtig zu betonen, weil sich fast alle Klischees über Männer und Frauen als weit übertrieben herausstellen, wenn man die Größe der Differenzen nüchtern betrachtet.

(…)

Woher allerdings kommen die kleinen Differenzen, die sich finden lassen, sowohl kognitiv als auch hirnanatomisch? Viele Menschen denken: Wenn es nachweisbare Unterschiede im Gehirn gibt, dann müssen diese angeboren sein. Doch das ist falsch, wie Hirnstein bekräftigt. Denn alles, was wir erleben und lernen, verändert das Gehirn. Genau für diese Flexibilität ist es gemacht.

„Das Gehirn ist eine denkbar schlechte Stelle, um nach angeborenen Unterschieden zwischen Männern und Frauen zu suchen“, sagt auch die Psychologin Marlies Pinnow von der Ruhr-Universität Bochum. „Denn die Hirnentwicklung ist erst im frühen Erwachsenenalter abgeschlossen, manche synaptische Verbindungen organisieren sich ein Leben lang neu.“ Einflüsse wie die Kultur und die elterliche Erziehung hinterlassen demnach tiefe Spuren im Aufbau und in der Funktionsweise des Gehirns. Und diese mit 100-prozentiger Sicherheit vom Wirken der Erbanlagen und der Geschlechtshormone zu trennen, ist bislang unmöglich – vielleicht wird es nie gelingen.

(…)

Insgesamt beobachten Psychologen und Genderforscher, dass Eltern in der Kindererziehung immer noch sehr stark zwischen Jungen und Mädchen differenzieren. Wenn es um Spielzeug, Kleidung oder Ähnliches geht, heutzutage sogar viel stärker als noch vor 30 Jahren.

via @miriam_vollmer

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 19. September 2017 – Jagd nach Geburtstagsgeschenk

Mittwoch, 20. September 2017 um 6:07

Am Montagabend hatte ich die Benachrichtigung vorgefunden, dass das Paket mit dem Geburtstagsgeschenk für Herrn Kaltmamsell bei einem Büro im Untergeschoß abgegeben worden war. Dieses Büro ist von etwa neun Uhr bis zum mittleren Nachmittag besetzt – also nur zu Zeiten, zu denen in dieser Woche sowohl Herr Kaltmamsell in der Arbeit ist (der es halt mit fest zugepressten Augen hätte abholen müssen) als auch ich es bin. Ich fuhr also mit dem Rad in die Arbeit und radelte in der Mittagspause schnell heim, um das Geschenk zu holen. Beide Strecken schaffte ich trocken; es war ein kalter, grauer Tag, an dem es ständig nach Regen aussah.

Nach Feierabend konnte ich dem Herrn endlich etwas zum 50. Geburtstag schenken: Eine professionelle Pastetenform und eine antiquarische Originalausgabe Das große Buch der Pasteten (mit Fotos des legendären Christian Teubner – Herr Kaltmamsell besitzt bereits einige Kochbücher von ihm). Es war lediglich die Form, die die Verzögerung verursacht hatte.

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Mir ist bewusst, dass ich hier eh zu den Bekehrten predige. Dennoch kann man gar nicht genug Argumente fürs Wählengehen sammeln, hier die von Texterella:
„Mach dein Kreuz! Weil unsere Demokratie dich braucht.“

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Aber: Vorsicht mit Vorurteilen. Auch gegenüber Menschen, die nicht wählen.
„Annas Eltern wählen nicht
‚Hartz IV nimmt dir deine Würde'“

Anna Mayr schreib über ihre eigenen Eltern.

Fünf Kinder, Hartz IV, Nichtwähler. Das sind Annas Eltern. Anna selbst war die beste Abiturientin ihres Jahrgangs, ist heute 23 und Journalistin. Und sie geht wählen. Weil ihre Eltern sie zu einem politischen Menschen gemacht haben.

Harter Tobak. Hilft mir aber bei der Erinnerung, immer, immer wieder den einzelnen Menschen wahrzunehmen – nicht nur als Teil der Gruppe, in die ich ihn automatisch einsortiere.

Mit 16 habe ich meinen ersten eigenen Brief vom Jobcenter gekriegt. Ich solle doch bitte zu einem Beratungsgespräch kommen, um zu besprechen, was für eine Ausbildung ich jetzt mache. Wenn ich nicht erscheine, würden sie meine Hartz-IV-Bezüge kürzen. Ich habe den Brief nur halb gelesen. Dann habe ich geweint und meine Eltern angeschrien: Ihr seid arbeitslos, nicht ich. Dabei konnten sie ja nichts dafür. Das ist eben Standard in dieser Behörde: Kinder von Asozialen müssen spätestens nach der zehnten Klasse in eine Ausbildung gebracht werden, damit sie selbst nicht ganz so asozial werden. Mein Vater ist dann am nächsten Tag mit meinem letzten Zeugnis zum Jobcenter gegangen und hat die drum gebeten, mich erstmal Abitur machen zu lassen. Das war dann auch kein Problem.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 18. September 2017 – Geschenklose Geburtstagsfeier

Dienstag, 19. September 2017 um 6:58

Ein bisschen bedrückt aufgewacht: Herr Kaltmamsell hatte Geburtstag, auch noch einen ausgesprochen runden, und ich stand mit leeren Händen da. Das Geschenk für ihn war auch nach umfassendem Suchen in Geschäften nicht offline zu kaufen gewesen, also hatte ich es online bestellt – eigentlich mit sehr bequemem Vorlauf. Doch es kam und kam nicht; als ich mich besorgt beim Lieferanten erkundigte, stellte sich heraus, dass meine Bestellung unerklärlicherweise untergegangen war. Der Lieferant war ehrlich zerknirscht, schickte die Bestellung nachweislich prestissimo raus – doch bis Samstag war nichts angekommen. Zumindest ein Blümchen brachte ich ihm nach der Arbeit mit.

Das Wetter war um diese Jahreszeit schon mal deutlich freundlicher gewesen, doch nachmittags fror man zumindest in der Sonne nicht.

Größer gefeiert wird noch (der richtig große Feierer ist der Herr nicht), gestern gingen wir lediglich fein Abendessen in die Acetaia nach Neuhausen, Menü mit Weinbegleitung – wir waren sehr zufrieden.

Zum Glas Franciacorta selbst gemachter Schinken, rote Zwiebeln auf einem Dinkelsüppchen.

Südtiroler Sauvignon Blanc im Glas, auf dem Teller Garnelen mit gerösteten Paprika.

Nudeln mit Salsicce und Pfifferlingen, ein Chianti als Begleitung.

Auf diesen Gang ist die Acetaia besonders stolz: Ravioli mit Schafsfrischkäsefüllung und dem namengebenden Aceto balsamico. Dazu ein Primitivo aus Apulien.
Nachtrag: Den Fischgang habe ich vergessen zu fotografieren, interessant war der Ribolla Gialla aus dem Friaul dazu.

Wunderbare Schokoladencreme, die sehr gut zum Amarone-Süßwein passte. Pre-Dessert war Melonensorbet gewesen, zum Espresso gab es noch einen Haps Tiramisu.

Am Nebentisch ein wasserfallartig redseliger Westfale (wegen Wasserfall konnten wir trotz eigener Gespräche über Lebensbilanzen und Buchsammlungen nicht vermeiden, Informationen aufzuschnappen) – bei ihm daheim mutmaßlich ein eigenes Krankheitsbild.

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Immer wieder ein Kopfschüttler: Firmen auf Personalsuche fordern 99 % Deckung mit der Stellenbeschreibung und 150 % Einsatz – auch wenn Untersuchungen schon lange festgestellt haben, dass keines davon das Unternehmen weiterbringt, dafür aber die Mitarbeitenden kaputt macht.

Deshalb freute ich mich sehr über
„My honest application.“
von Rabensalat.1

Whatever Co. is known for doing stuff. If it was unethical stuff, I wouldn’t apply, but apart from that I don’t really care what stuff it is that you are doing. As long as you employ People to do Something I’m fine with, really, any kind of stuff. Of course, in the job description you state you are searching for a Person that is super experienced in the tiny and highly specialized field of Something, whilst willing to work for the salary of a fresh-from-the-university M. Sc. You also reach out for a Person that is absolutely committed to Whatever Co. and who you can exploit to the burnout. And I understand that, as well as I understand my sons wish for a living pink unicorn, but, see, there are no pink unicorns. And because this is an honest application, I won’t pretend as if I was super specialized or even experienced in Something, neither that I’m committed to Whatever Co.. You offer a job. I can do that job reasonably well and what I don’t know from before I can learn.

  1. DAS waren noch Bloggerinnen-Nicks! []
die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 17. September 2017 – Karpfen mit Urlaubserzählungen

Montag, 18. September 2017 um 6:39

Meine Eltern holten die Familien ihrer Kinder mit einer Einladung zum Karpfenessen in Unteremmendorf zusammen. Ich nahm mit Herrn Kaltmamsell einen Zug nach Ingolstadt Nord.

Mein Bruder traf mit Familie (minus einem Neffen) ebenfalls im Haus meiner Eltern ein, zusammen fuhren wir die idyllische Autobahn ins Altmühltal.

Wir spazierten vom Kratzmühlsee nach Unteremmendorf, dort ausführlicher Karpfen im Bierteig (und Schäuferl und Forellen).

Wir tauschten uns ausgiebig über unsere jeweiligen Spanienurlaube aus, die Bruderfamilie war der spanischen Familie entlang gereist.

Draußen gingen Wolkenbrüche nieder; als diese in schlichten Regen übergingen, spazierten wir zurück. Im Haus meiner Eltern zeigten wir einander über Kaffeeundkuchen Urlaubsfotos, bis Herr Kaltmamsell und ich wirklich zurück nach München mussten.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 16. September 2017 – Wahlhilfeschulung

Sonntag, 17. September 2017 um 8:19

Auch am gestrigen Samstag klingelte der Wecker früh, denn ab 8:30 Uhr war ich auf Wahlhilfeschulung. Bislang habe ich ja nur bei einer Europawahl geholfen, das war sehr einfach und ich war lediglich Beisitzerin (das sind die, die nur Anweisungen ausführen). Nächsten Sonntag aber helfe ich Bundestag wählen, und das ist ein bisschen aufwändiger (Königsklasse: Landtagswahl), außerdem wurde ja eine computer-gestützte Übermittlung der Zählergebnisse eingeführt, die geschult werden muss.

Ich spazierte im Regen zum Münchner KVR. Die ganze Sache war recht aufregend: Es ist einfach erstaunlich und erhebend, welcher Aufwand betrieben wird, damit diese Wahlen demokratisch und rechtskonform ablaufen. Ich bin versucht vorzuschlagen, dass Verschwörungstheoretiker einfach mal eine Wahl als Wahlhelfer mitmachen – doch das basiert schon wieder auf der Fehlannahme, dass sie Vernunftargumenten zugänglich sind. Unter anderem machte mir die Schulung klar, wie viel Verantwortung ich nächsten Sonntag trage, ich fühlte mich richtig staatsbürgerlich.

Schön ist die Transparenz des neuen Systems: Alle Unterlagen zur gestrigen Schulung, inklusive Screenshots des neuen Erfassungssystems auf Notebooks, sind hier öffentlich einsehbar.

Da ich bislang noch keine Wahlschulung hatte, war ich dankbar für die Auffrischung von Grundsätzlichem, unter anderem:
– Wahl und Auszählung sind öffentlich: Wenn Sie sich persönlich davon überzeugen wollen, dass bei der Stimmabgabe und bei der Auszählung alles mit rechten Dingen zugeht – in ihrem eigenen Wahlbezirk oder in einem, den Sie schon immer der Mauscheleien verdächtigten -, gehen Sie einfach hin und schauen zu. Überprüfen Sie, ob wirklich nur wählt, wer wahlberechtigt ist. Ob sie das auch wirklich geheim tun. Wie ausgezählt wird, wie über strittige Wahlzettel diskutiert wird und was das Ergebnis ist.
– Der Wahlzettel dient nur der Stimmabgabe. Jede Veränderung des Wahlzettels (Rumschmieren, Durchstreichen, Kommentare) macht die Stimme ungültig.

Wichtigster Schulungsinhalt für mich war allerdings das Trainieren des Umgangs mit einer bestimmten Art von G’schaftlhubern, die die Schulung störten und deutlich verzögerten: Es existiert die Möglichkeit, dass ich am Wahltag mit solch einem Typ Mensch zusammenarbeiten muss; gestern konnte ich schon mal üben, ihm nicht an die Gurgel zu gehen.

Wenn ich Sie an dieser Stelle bitten dürfte, nächsten Sonntag zur Bundestagswahl zu gehen? Sollten Sie überzeugte Nichtwählerin sein, werden ich Sie nicht ohne ausführliches Gespräch umstimmen können. Sollten Sie aber lediglich eine gewissen Trägheit verspüren oder zögern, weil Sie nicht recht wissen, welche Partei Sie wählen sollen: Bitte, bitte gehen Sie wählen. Jede nicht abgegebene Stimme ist eine für die anderen. Unsere Demokratie gehört zu den größten Errungenschaften der Menschheitsgeschichte, so viel man daran auch verbessern könnte. Doch sie ist nichts ohne Demos, das Volk – Wählengehen ist „Wir sind das Volk“.1

Sollte Ihnen die Entscheidungsfindung mühsam erscheinen, hilft Ihnen ja vielleicht diese Übersicht: Die Süddeutsche hat dankenswerterweise die Kernaussagen der Wahlprogramme zu einigen wichtigen Themen zusammengefasst. Und zum Thema Bildung empfehle ich in brandeins diese Zusammenfassung der Parteiaussagen in leichter Sprache. Beides hat zumindest mir bei der Entscheidung deutlich mehr geholfen als jeder Wahlomat.

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Auf dem (wegen G’schaftelei um eine halbe Stunde verspäteten) Heimweg besorgte ich Obst und Semmeln fürs Frühstück, es regnete immer noch.

Fürs Techniktagebuch aufgeschrieben:
„Fernwandern verbessern mit elektronischen Karten und Ortung“.

Nachmittags ausführliches Bügeln, dabei hörte ich unter anderem das Radiofeature von Johannes Nichelmann
„Rückkehr in die Provinz
No Land Called Home“.

Recht gruslig. Mich verletzte geradezu, dass die Bewohner und Bewohnerinnen dieses bayerisch-schwäbischen Dorfs behaupteten, für Bayern zu sprechen. Und ich dachte darüber nach, wie viel richtiges Leben es im falschen geben kann – wie einverstanden man mit einer Gesellschaft sein kann, in die man selbst problemlos passt, die aber die meisten Bevölkerungsgruppen ausgrenzt.

Mir gefiel die Struktur des Radiofeatures, in dem die Situation des Aufnehmens der Gespräche immer wieder thematisiert wird, in dem man immer wieder den Autor mit Kopfhörern und Mikrophon vor sich sieht.

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Was ganz Anderes: Künstliche Wimpern.
Nachdem ich mich über die vergangenen Jahre langsam an die hingemalten Manga-Augenbrauen bei Frauen gewöhnt habe, stehe ich jetzt vor einer neuen Herausforderung: Junge Frauen mit aufgeklebten Wimpern – gerne von einer Künstlichkeit, dass sie wie ein Streifen schwarzen Papiers aussehen (vielleicht sogar genau das sind?), in einer Länge und Dichtheit, wie ich sie bis dato nur von Drag Queens kannte. Vermutlich ist das wie Tätowierungen und Piercings eher als Körperschmuck einzuordnen denn als Kosmetik. Ganz erstaunlich.

  1. Auch wenn Parteiendemokratie heißt, dass das Ergebnis trotzdem nicht in jedem Detail darauf ausgerichtet ist, was Sie ganz persönlich gerne hätten. []
die Kaltmamsell

Journal Donnerstag/Freitag, 14./15. September – Ab in den Herbst

Samstag, 16. September 2017 um 7:23

Temperatursturz am Donnerstag: Morgens mild und sonnig, über den Tag wurde es knackig kalt und regnerisch.

Abends nicht zum Tanzen gegangen. Es hätte ein sehr interessantes Angebot im Bräustüberl des Hofbräuhauses gegeben (Lindy Hop mit Volkstanz), aber ich wollte nicht nochmal aus dem Haus.

Statt dessen flan de queso nach ungefähr diesem Rezept gemacht, allerdings mit 20-prozentigem Schichtkäse und 250 Gramm davon.

Endlich wieder Ernteanteilsalat zum Abendbrot.

Fürs Techniktagebuch die Technikseite der Stadtführung in Madrid aufgeschrieben.

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Am Freitag war FREITAG!

Vergeblicher Versuch, bei meiner Lieblingskosmetikerin einen Termin zur Fußpflege zur vereinbaren: Für einen Termin ab 17 Uhr oder Samstag müsste ich wie beim letzten Mal fast drei Monate warten. Kann jemand in der Münchner Innenstadt oder im Westend eine Fußpflegerin/Kosmetikerin empfehlen?

Einkaufsrunde auf dem Heimweg über dicht bevölkerte Straßen.

Abends Sommerrollen mit einem Befeuchtungswerkzeug für die Reisblätter (Plastikgitter), das wir von einer lieben Freundin als Gastgeschenk bekommen hatten.

Zum Nachtisch gab es den Flan.

War gut, schmeckte aber deutlich nach Quark. Nächster Versuch mit dem angegebenen Frischkäse.

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Wieder eine Twitter-Sternstunde:
„Two museums are having a fight on Twitter and it’s gloriously informative“.

Die britischen Science Museum und Natural History Museum nehmen keine Gefangenen!

die Kaltmamsell

Journal Dienstag/Mittwoch, 12./13. September 2017 – Durchhalten

Donnerstag, 14. September 2017 um 6:43

Ich brachte es nicht fertig, den Wecker für Dienstagmorgen auf Frühsport-kompatible Zeit zu stellen, kämpfe ich doch noch genug mit Wecken um 6 Uhr.
Dienstagabend Friseur, Haupthaar ist jetzt wieder KUCHZ!
(Und ich bekam Filmchen von Psytrance-Festivals in Kroatien und Ungarn gezeigt – völlig neue Welten!)

Die Heizung in der Wohnung zickt rum, mal wird sie mehr, mal weniger warm, aber nie so richtig heiß.

Mittwochmorgen auf dem Weg in die Arbeit war es saukalt – ein bisschen Spätsommer hätte ich schon ganz gerne gehabt.
Seltsam, die im Urlaub wandergebräunten Beine gar nicht beim Röcketragen vorzeigen zu können.

Mittwochabend dann stürmisch und überraschend mild. Ich fuhr nach der Arbeit ins Sportstudio am Ostbahnhof: Zum einen hatte ich am Sonntag dort ein Kleidungsstück vergessen (war blöderweise nicht abgegeben worden), zum anderen für Krafttraining. Auch wenn der gereizte Nackennerv sich fast ganz beruhigt hat (Schmerzen gar nicht mehr, Kribbeln und Taubheit im Arm selten), bin ich noch unsicher, ob Oberkörperübungen nicht vielleicht doch schaden.

Meine Energie geht für Ausblenden und Verdrängen drauf.

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Die New York Times greift die unheilige Rolle auf, die die Automobilindustrie in Deutschland spielt:
„As German Election Looms, Politicians Face Voters’ Wrath for Ties to Carmakers“.

Erster Satz:

Sometimes it is hard to tell where the German government ends and the auto industry begins.

Sag ich doch. Seit Jahren.
Was ich nicht sehe: Dass sich die Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland daran stoßen könnten, denn Deutsche = Autos. Individualmobilität mittels Auto, massenhaften Autobesitz oder auch nur die Erstrebenswertheit eines möglichst teuren Autos in Frage zu stellen wird etwa so ernst genommen wie eine Forderung nach Abschaffung der Sonne. Zudem: „Aber die Arbeitsplätze!“ Deutschland hat sich komplett von der Automobilindustrie abhängig gemacht: Keine Kultur, kein Sport ohne Sponsoring durch die Automobilindustrie (sprechen Sie mal mit Ingolstädterinnen, die sich für historisch verwurzelte Alternativen wie den Konzertverein einsetzen), kein stetiges BIP-Wachstum denkbar ohne. Doch weiterhin ist die Konsequenz nicht etwa Diversifizierung oder gar Überdenken des hirnlosen Luxusstrebens, sondern: Staatsgelder für die Erhaltung der Automobilindustrie in ihrer jetzigen Form.

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Zeit online veröffentlicht eines der selten Interviews mit der klugen Lyssa, Katharina Borchert. Sie spricht über Frauenanteil in der Technikbranche und darüber, wie man Diversität in Unternehmen wirklich voranbringt (Spoiler: nicht mit Flyern).

„‚Warum sollte ich lernen, anderen ins Wort zu fallen?'“

Bevor ich zu Spiegel Online kam, hatte ich einen Coach. Da habe ich gelernt, wie wichtig Körpersprache ist, wie man sich größer macht und mehr Raum einnimmt. Aber das ist nicht mein Stil. Überhaupt gehen solche Trainings in Deutschland im Medienumfeld meist in die Richtung: Wie kann ich mich als Frau besser in einer Männerwelt zurechtfinden? Ich finde den ganzen Ansatz absurd. So viele von uns, und das schließt Männer mit ein, erleben die Unternehmenskultur doch als negativ. Warum muss ich dann noch mehr Leuten beibringen, anderen ins Wort zu fallen, lauter zu reden und sich noch mehr in den Vordergrund zu drängen?

Womit sie die grundsätzliche Kritik der Feministin Antje Schrupp unterstützt: Dass Frauen keineswegs toxische Männerkultur übernehmen sollen, sondern dass die Mechanismen dieser Kultur schlecht sind und sich ändern müssen, damit Frauen sich entfalten können.

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Allerliebst: Museumsbesucher und -besucherinnen entdecken sich auf alten Gemälden.
„10+ Times People Accidentally Found Their Doppelgängers In Museums“.

die Kaltmamsell