Journal Donnerstag, 5. Mai 2016 – WMDEDGT in Berlin

Freitag, 6. Mai 2016 um 9:44

(Was die Abkürzung im Titel bedeutet.)

Aufs Ausschlafen gefreut, aber schon vor sechs aufgewacht. Um halb sieben gab ich die Hoffnung auf, wieder einschlafen zu können.

Ich bin ja immer noch in Berlin zu Gast, also ist selbst der Start in den Tag ein anderer als daheim. Nämlich trank ich erst mal einen halben Liter Wasser, dann ging ich ins Bad zur Morgentoilette: Zähne bürsteln und seideln, Duschen mit Haarewaschen (braucht’s bei der derzeitigen Länge nur jeden zweiten Tag, wenn ich keinen Sport treibe, weil sich die Haare beim Schlafen kaum verlegen), eincremen, Haare föhnen, Augen schminken. Ich zog mich an, setzte Espresso auf, traute mich, den vollelektrifizierten Nespresso-MilchschäumerundHeizer der Gastgeberin auszuprobieren: Macht sehr, sehr viel Schaum, bis die Milch auch heiß ist.

Mit Milchkaffee und einem weiteren Glas Wasser setzte ich mich an mein Laptop, winselte Herrn Kaltmamsell per E-Mail mit einem kleinen Heimwehanfall an, bloggte gründlich, sah mir Meggie Smith bei Graham Norton an.

Gegen zehn Uhr tauchte meine Gastgeberin auf. Da mir sehr kalt war (ich saß im Mantel und mit zwei Paar Socken am Schreibtisch – ich werde doch nicht krank werden?), draußen aber die Sonne schien, verabschiedete ich mich bald zu einem Spaziergang in den Park. Ich marschierte zum Treptower Park, holte mir dort an der S-Bahn eine Käsesemmel und ein Streuselteil, setzte mich damit zum Frühstück in die Sonne am Sowjetischen Ehrenmal.

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Als Niederlassung zum Lesen wollte ich lieber in den Halbschatten. Ich fand eine perfekte Bank mit Rückenlehne am Karpfenteich – Bänke stehen in diesem Park erstaunlich wenige, man sitzt eher auf Beton oder auf Wiese.

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Ein paar Stunden las ich zu Discostampfbeschallung von irgendwo im Park Granta 135, hätte das auch gerne noch weiter getan, doch dann setzte sich eine alte Dame zu mir, die sich unterhalten wollte. Davor hatten sich hin und wieder schon auch Menschen auf die Bank gesetzt, doch mich angemessen ignoriert. Diese Dame lies nicht locker, immer wieder neue Fragen zu stellen, auch wenn ich mit Finger auf der Lesestelle aufblickte und nach freundlicher, knapper Antwort weiterlas. Da ich nicht unfreundlich werden wollte, mich diese konkrete Dame aber nicht genug für eine Unterhaltung interessierte (ich hatte gerade eine besonders reizvolle Geschichte angefangen), packte ich mein Zeug und brach auf („Ich wollte Sie jetzt aber nicht hier vertreiben!“).

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Das Wetter war weiterhin sensationell, die Sonne beschien die um die Wette blühenden Bäume, gleichzeitig ging ein angenehmer Wind. Ich meanderte mit weiten Umwegen zu meiner Unterkunft.

Die Stunden bis zur Abendverabredung verbrachte ich mit Internetlesen und -gucken, unter anderem holte ich den viel empfohlenen und wirklich empfehlenswerten re:publica-Vortrag von Kübra Gümüşay nach, „Organisierte Liebe“.

Zum Nachtmahl war ich im May am Ufer verabredet. Ich hatte einen höchst anregenden Abend mit herzlichem Service, wunderbarem Essen (Maischolle!) und köstlichen Getränken (der Galgantlikör und der Hollunderlikör der Preußischen Spirituosenmanufaktur kommen sowas von auf meine Wunschliste!).

Dummerweise stellte sich auf dem Heimweg heraus, dass das, was ich am frühen Abend für Brummschädel durch zu viel Sonne gehalten hatte, dann doch eine Migräne im Anflug gewesen war. Die sich jetzt mit Kraft auf mich stürzte. Mit einer Dosis Triptan in die Nase ging ich schnell ins Bett und wartete darauf, dass das Medikament endlich wirken möge.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 4. Mai 2016 – Tag 3 re:publica

Donnerstag, 5. Mai 2016 um 9:42

Ich wachte zu Regenprasseln auf und befürchtete eine unangenehme Radfahrt zum Gleisdreieck. Doch der Regen hörte bald auf, über den Tag blieb es lediglich kühl mit gemischtem Himmel.

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Großartiger Start in den Konferenztag: Laurie Penny mit „Change the story, change the world“ über Fan Fiction und ihre gesellschaftlichen Implikationen. All die menschlichen Aspekte, die in Mainstream-Fiktion unsichtbar seien (Abweichungen von Norm in race, Sexualität oder gender), hole Fan Ficition nach.
Sehr schön auch Lauries Antwort auf die Publikumsfrage, was sie von all den weiblichen Robotern halte, die in den letzten Jahren in Hollywoodfilmen auftauchen. Stark verkürzt: Fortsetzung des Problems, das DIE MÄNNER damit haben, Frauen als Menschen zu sehen. Sie verwies auf das Lob, das wohl die meisten Frauen und Mädchen schon von Jungs und Männern nach einem längeren Gespräch bekommen haben: Wie großartig und ganz anders als andere Mädchen/Frauen sie seien! Mit ihnen können man ja richtig reden! (= Who would have thought that you ARE human after all!)

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Den Inhalt von Hossein Derakhshans „The post-web internet: Is this (the future of) television?“ ahnte ich: Seine These, dass das Internet früher besser war, weil nicht in der Hand von Unternehmen, die keine Hyperlinks zulassen, war in den letzten Monaten praktisch überall nachzulesen. Der Zusammenfassung von und Kritik an dieser These von Marcus Hammerschmitt stimme ich zu.

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Anregende Gespräche über Linseneintopf, inklusive Film- und YouTube-Tipps, bevor ich in die nächste Session ging.

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Thomas Fischer, Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe, hatte schon am Vortag über „Strafrecht, Wahrheit und Kommunikation“ referieren sollen, war aber durch Reiseunbillen davon abgehalten worden. Auf die Hälfte gekürzt bekamen wir den Vortrag jetzt. Wie auch seine Artikel für die Zeit gab das Referat präzisen und erhellenden Einblick in die Mechanismen der Strafrechtssprechung. Vorhersehbar wurde Fischer aus dem Publikum auf seine Haltung zur Reform des Sexualstrafrechts angesprochen. Er verwies (leider gestört von Zwischenrufen) auf einen ausführlichen Artikel nächste Woche, bezeichnete die derzeitige Diskussion um diese Reform als „Hysterie“ und ordnete die Forderung unter all die vielen Forderungen nach Schließung angeblicher Lücken im Strafrecht ein. Strafrecht können nicht jeden Lebensbereich regulieren.
Meiner Meinung nach geht diese Argumentation an der Basis der Kritik vorbei: Fischer ordnet sie den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht zu und übersieht, dass die Kritik an diesen Paragraphen viel, viel älter und grundlegender ist.

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Spannend fand ich die Runde „Clash of Cultures – Bewegungen und ihre Organisationen“. Kathrin Passig hatte sich Expertinnen verschiedener Organisationsformen internet-bezogener Aktivitäten geholt (Freifunk, Wikipedia, öffentlich-rechtlicher Rundfunk) und ließ sie erzählen, wie sich welcher Grad der Strukturiertheit auswirkt. Da ich in den vergangenen Jahrzehnten vor allem mit der Metaebene von Strukturen in Unternehmen zu tun hatte, fand ich diesen grundlegenden Denkansatz sehr erhellend. (Hier ein Bild des Kathrin-Passig-Fanclubs in der ersten Reihe des Publikums.)

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Spannend, aber ganz anders spannend die halbe Stunde zu „Landwirtschaft 4.0“: Ich bekam genau den Einblick in die Nutzung von Automatisierung und Internet in der Landwirtschaft, den ich mir erhofft hatte.

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Anders als erwartet, aber enttäuschend war hingegen die Session „Terror ernst nehmen, Terroristen auslachen“: Ich hatte mir Information erhofft, doch die gab es nur im kurzen Anfangsteil (satirischer Umgang mit ISIS in arabischen Ländern und im Nahen Osten). Die anschließende fish bowl-Diskussionsrunde tauschte nur Oberflächliches aus.

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Abschluss des Konferenztags: Mitglieder der Techniktagebuchredaktion präsentierten „Die mühsamsten Logins, die umständlichsten Benutzeroberflächen, die dysfunktionalsten Free-WiFi-Vorschaltseiten, die kompliziertesten Newsletter-Abmeldungen“. Wegen technischer Probleme herrlichst durcheinander.

Mittlerweile hatte ich zu meiner Verblüffung erfahren, dass der heutige Donnerstag auch im gottlosen Berlin Feiertag ist – ich war davon ausgegangen, dass die feiertäglichen Donnerstage in Frühjahr und Sommer eine bayrische Sache sind. Der Plan für heute, gemütlich und umfassend einzukaufen und meine Gastgeberin zu bekochen, war also nicht anständig umzusetzen. Einige Dinge brauchte ich aber unabhängig davon, ich verließ die Konferenz noch während des großen Abschieds (zur Party hatte ich eh nicht bleiben wollen), um es vor acht in einen Supermarkt zu schaffen.

Zusammenfassung: Ich hatte eine großartige Konferenz und bin voll auf meine Kosten gekommen. Bis zum Abend von Tag 3 war ich aufnahmefähig und alert – in einem Maß, das mich befürchten lässt, dass ich dafür werde zahlen müssen (z.B. indem meine geistige Kapazitäten im Rest des Bürojahres nur noch fürs Bleistiftspitzen reichen).
Die Organisation wieder exzellent (ich freute mich, dass ich das diesmal Johnny Häusler auch persönlich sagen konnte), wieder war Kritik vor Vorjahr als Möglichkeit zu Verbesserungen genommen worden (unter anderem gab es deutlich mehr Fress- und Kaffeestände). Das gesamte Personal zeichnete sich durch Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aus, meine Lieblinge darunter auch in diesem Jahr die entzückenden Klofrauen: Wer sich mit Ihnen unterhielt, bekam nicht nur Berliner Zungenschlag geboten, sondern auch umwerfende Herzlichkeit.

Ich kenne keine vergleichbare Veranstaltung mit dieser menschlichen und thematischen Vielfalt, dieser Mischung aus Lässigkeit und Professionalität. DANKE!

die Kaltmamsell

Twitterlieblinge April 2016

Mittwoch, 4. Mai 2016 um 22:29

Wir bitten die reisebedingte Verzögerung zu entschuldigen.

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Anne Schüßler hat trotz Reisetätigkeit wieder anderer Leut‘ Lieblingstweets gesammelt.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 3. Mai 2016 – Tag 2 re:publica

Mittwoch, 4. Mai 2016 um 9:12

Morgens war es noch ganz schön frisch, als ich zum Gleisdreck radelte, doch ich sah neben den Wolken auch Blau am Himmel.

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Zum Start des Konferenztags ließ ich mir von Gunter Dueck darlegen, wie blöd ich und die Abläufe in Organisationen sind: „Cargo-Kulte.“ Ich hatte den Herrn noch nie live reden sehen und war durchgehend unterhalten:
„Was eine Firma am schlechtesten kann, das schreiben sie auf ihre Tassen. ‚Team!‘ ‚Innovate!‘ ‚Win!'“

Mit vielen Beispielen belegte Dueck seine These, dass meist nicht inhaltlich nach Lösungen gesucht wird, sondern Rituale (in meiner Welt gern „Prozess“ genannt wie in „da müssen wir einen Prozess aufsetzen“) zelebriert werden in der Hoffnung, dass die Lösung dann als göttlicher Lohn für die Anstrengung irgendwann auftauchen wird. Oder die Wissenschaft, die vor allem auf Studierendenebene nicht nach Methoden sucht, mit der eine Frage nützlich beantwortet werden kann, sondern bei Wissenschaftsritualen stehen bleibt (jede, die schon mal um Mitwirkung in einem Bachelorprojekt mit empirischem Teil mitgewirkt hat, weiß um deren Kindergartenhaftigkeit).
Dueck erntete viel Gelächter, ganz offensichtlich erkannten sich große Teile des Publikums wieder. Was mir fehlte, war die sachliche Untersuchung der tatsächlichen Funktion solcher Rituale: Sie tun ganz offensichtlich nicht, was sie vorgeben – aber vielleicht sind sie zu anderem gut? Dueck beschränkte sich auf die Behauptung, damit drückte sich die Arbeitswelt lediglich vor echter Arbeit.

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Sehr gespannt war ich auf Miriam Vollmers Vortrag „The United Nations of Internet“ – und hätte ihr einen besseren Vortragsort als die Ecke der neuen Halle gewünscht, in der auch gestern unverstärkt und gegen Hallenlärm angeredet werden musste. Zumal ihr Vorschlag zur langfristigen rechtlichen Organisation der globalen Ressource Internet bestechend war: Parallel zur Verwaltung anderer Gemeingüter wie dem Meeresboden oder der Arktis könnte es auf der Basis einer internationalen Konvention gehandhabt werden. Ich war nicht als einzige beeindruckt von der Argumentation, es gab viele konstruktive Nachfragen.

Während dieser Session hatte mich per SMS ein Hilferuf aus der Arbeit erreicht, ein Schrankschlüssel wurde verzweifelt gesucht. Und schon war ich aus dem flauschigen Flow der Konferenz gerissen und angespannt. Ich werde an Urlaubstagen künftig alle Arbeitstelefonnummern blockieren müssen. (Ich hatte ausdrücklich nicht angeboten, für Notfälle erreichbar zu sein; früher als hochbezahlte Managerin sah ich mich in dieser Pflicht, als Sekretärin wirklich nicht.)

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Spontan beschloss ich einen kleinen Spaziergang, um in einem Supermarkt ein paar Einkäufe zu erledigen. Zurück schlenderte ich durch den Park am Gleisdreieck, setzte mich zu einer Brotzeit, sah Sportlerinnen und Hunden zu.

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Zurück in der Station sah ich einen Vortrag, von dem ich mir deutlich mehr versprochen hatte: „Colleague Robot – Industrie 4.0 and its Social Effects on Inequality and Society“. Doch es ging gar nicht um Industrie, sondern um Büroarbeitsplätze, entsprechend nicht um die neuesten Internetanwendungen in der Produktion, sondern um Bürodatenaustausch. Mit Ergebnissen, die seit 15 Jahren in den Medien wiederholt werden. Irritierenderweise wurde als technology mit gesellschaftlichem Einfluss nur Technik ab Einsetzen der Industrialisierung definiert. Ein verschenktes Thema.

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Hochspannend wurde es bei Carolin Emcke, „Raster des Hasses“. Frau Emcke trug Teile des Buches über Hass vor, an dem sie gerade arbeitet, und wie ich es aus ihren Samstagskolumnen für die Süddeutsche Zeitung kenne, waren ihre Gedankengänge komplex und gleichzeitig klar, war ihre Sprache einfach, doch nicht vereinfachend, scheute sie sich nicht vor den Fragen, auf die sie keine Antwort weiß. Stehender Applaus am Ende.

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Einen kurzen Einblick gewährte die Diskussion „Panama Papers: Investigative Journalism, the ‚Lügenpresse‘ and the Age of Big Leaks“. Es prallten unvereinbar aufeinander die Forderung der Menschenrechtsaktivistin, alle vorhandenen Dokumente öffentlich zu machen, und die Priorität des Redakteurs, seine Quelle zu schützen (was die Aktivistin zu einem vorgeschobenen Vorwand erklärte).

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Deutlich bunter wurde es bei „Menstruale Phase im Netz“ – welche Bewegungen und Darstellungen gibt es um die Menstruation. Vielseitig präsentiert, sehr informativ. POTUS Obama kam auch drin vor.

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Die Datteltäter auf der Bühne machten junges Kabarett und gehörten zur Ankündigung der Tincon. Wenn die Veranstaltung insgesamt so knackig und sympathisch wird wie die Show der Datteltäter gestern, können sich alle Teilnehmenden schon mal freuen.

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Abendliches Highlight: In derselben Atemluft sein wie Randall Munroe aka xkcd. Zunächst fürchtete ich, er würde einen Vortrag halten, den ich schon von YouTube kenne, doch das war nur die erste Hälfte.

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In der zweiten Hälfte ging er auf die Entstehung seines Buchs ein und wie er mit den tausend häufigsten Wörtern im Englischen komplexe Phänomene zu erklären versuchte (mehrfache Entschuldigung an die Übersetzer). Herzerfrischend.

Heimradeln in kühler Luft.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 2. Mai 2016 – Tag 1 re:publica

Dienstag, 3. Mai 2016 um 9:02

Team Lerche, bestehend aus einer alten Internetliebe und mir, traf sich schon um halb neun an der Station zum gemütlichen Einchecken. Als Radstrecke hatte ich mir eine von Google vorschlagen lassen, die mich auf den letzten Metern hinten um den Park am Gleisdreieck führte: So entdeckte ich, dass hier liebevoll eine großzügige Grünanlage geschaffen worden war. Ich nehme an, dass dieser auch das neue Stück re:publica-Gelände zu verdanken ist: Heuer geht es hinter der großen Stage 1 in eine weitere Halle mit Glasfront und von dort in einen weiteren Außenbereich.

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Die Zeit bis zum Start der re:publica verbrachte ich aber auf einer Bank in vorderen Hof, traf Menschen aus dem Internet, antwortete auf Fragen der ARD, merkte, dass ich mich vor der Sonne hüten musste.

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Willkommen auf der zehnten re:publica, oder wie Johnny Häusler rief: „Post love, not hate.“

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Von Markus Beckedahl ließ ich mir das vergangene Jahr der Netzpolitik zusammenfassen.

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Auf Heather Armstrong aka dooce hatte ich mich gefreut, obwohl ich sie schon länger nicht mehr lese. Über ihr Blog habe ich viele Jahre ihres Lebens begleitet. Sie berichtete kurz und schlüssig, warum sie mit persönlichen Internet-Attacken mittlerweile ganz anders umgeht als früher: „The courage of compassion„. Ich war sehr überrascht, dass ihr Vortrag nur wenig besucht war, anscheinend ist sie für weniger Menschen eine interessante Berühmtheit, als ich dachte.

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„Refugees@ARD“ stellte Projekte vor, die Landesanstalten und Deutsche Welle für Flüchtlinge auf die Beine gestellt haben, online und offline, in Wort, Ton und Bild.

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Ein neues Format waren „Lightning Talks“, bei denen in zwei Ecken der neuen Halle Themen vorgestellt wurden – über dem Grundlärm der bevölkerten Halle und ohne Verstärkung leider nur für die erste Reihe hörbar. Hier erklärt Angela Leinen das Projekt „Willkommen: Deutsch – fremdenfreundliches Schreiben“.

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Eben hatte ich beim Ratschen mit der Techniktagebuchredaktion noch gemault, dass Ukuleles auf der re:publica keine Rolle spielen, da bekam ich schon zwei zu hören: Der Vortrag „Enclosures, Sheep, and the Open Web“ wurde mit einer Renaissance-Weise eingeleitet. Und ging ähnlich interessant weiter.

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Sascha Lobo war nach einem Jahr Pause wiedergekommen und gab einen deprimierenden Statusbericht über den Stand des Internets. Er betitelte ihn zwar mit „The Age of Trotzdem“ und beschwor ein ums andere Mal seinen Optimismus, doch als Mitglied der von ihm so benannten „digitally lost generation“ gehe ich durchaus davon aus, dass wir verloren haben, die wir das Internet einst als die leuchtende Zukunft gesehen hatten. Sascha lieferte genug Daten, die beweisen: Effizient und durchschlagend zur Mobilisierung genutzt haben das Internet mittlerweile vor allem die rechten nationalistischen und rassistischen Kräfte. Und all unser Aktivismus, Protest und Reden mit der Politik haben weder Vorratsdatenspeicherung, Leistungsschutzrecht noch flächendeckende Überwachung verhindert.

Trotzdem (…) war es ein hoch erfreulicher erster Konferenztag – vor allem wegen des kuschligen Gefühls des heimkommens zu my people. Wir mögen weiterhin eine machtlose Minderheit sein, aber zumindest haben wir einander. Glaube ich.
Ich war überrascht, wie wach und alert ich die mehr als zwölf Stunden in der Station war, ohne einen einzigen Durchhänger. Hoffentlich bleibt das so.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 1. Mai 2016 – Wien-Berlin

Montag, 2. Mai 2016 um 7:59

Ausgeschlafen, dann nahm Herr Kaltmamsell den Zug zurück nach München, ich setzte mich mit Morgenkaffee in ein WLAN im Hauptbahnhof und bloggte. Zug zum Flughafen (mein erstes Mal Schwechat), knallvoller Flug nach Berlin. Problemlose Fahrt zu meiner Gastgeberin in Neukölln, die wieder ihr Schlafzimmer für mich räumte und diesmal ein noch besseres Fahrrad zur Verfügung stellte.

Zu meiner Abendverabredung ging ich das halbe Stündchen zu Fuß, sah auf dem Weg die größten Polizeiwagen meines Lebens (und war ein wenig gerührt, wie buchhalterisch sich die bösen, wilden Revoluzzer an den Kalender halten – selbst die Militärs der NATO-Sicherheitskonferenz in München sind flexibler).

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Ich speiste und trank im Tulus Lotrek – einem ganz bezaubernden Lokal mit ausgezeichnetem Essen und beeindruckender Weinbegleitung. Vielleicht kommen Chardonnay und ich doch noch wieder zusammen: Der aus der österreichischen Thermenregion zumindest verstand sich so wundervoll mit Jakobsmuschel, Sellerie, Aprikose (vor allem!), Nussbutter & Bottarga, dass ich wirklich zu jedem Bissen ein Schlückchen nahm. Beim nächsten Berlinbesuch möchte ich mir unbedingt für das Menü Zeit nehmen, gestern sollte der Abend nicht so lang werden.

Fußmarsch zurück zur Gastgeberin durch eine Maiennacht, die ganz eng an mild grenzte.

die Kaltmamsell

Journal Freitag/Samstag, 29./30. Mai 2016 – Anlass in Wien

Sonntag, 1. Mai 2016 um 12:07

Anfang des Jahres hat ich eine Einladung zu einem höchst erfreulichen Anlass in Wien bekommen: Aus zwei lieben Menschen aus dem Internet sollte ein Ehepaar werden.

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Und so nahm ich Freitagmorgen mit Herrn Kaltmamsell einen Zug nach Wien, um das zu begleiten und zu feiern. Zum riesigen Glück war warmes Frühlingswetter angekündigt, ich würde ich auf dem Fest am Samstag in meinen Riemchensandalen, den einzigen zu meinem Kleid passenden Schuhen, keine Frostbeulen bekommen.

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Die eigentliche Trauungszeremonie auf dem Standesamt war genau so kurz, wir Herr Kaltmamsell und ich sie uns vor 20 Jahren gewünscht hatten (in unserem Fall salbaderte der Standesbeamte trotzdem ohne Ende irgendwohin). Alte Freunde wiedergetroffen, Partner und Partnerinnen davon sowie Familie des Bräutigampaars kennengelernt. Anschließend verkehrsbehindernder Marsch der Hochzeitsgesellschaft zur Wohnung des Paars, dort Party, die man der Wohnung möglicherweise dauerhaft ansehen wird.

Ich verabschiedete mich schon am späten Nachmittag, spazierte durch den wundervollen Sonnentag ins Hotel. Abendessen in einem rustikalen Lokal ums Eck, ich probierte gebackenes Karpfenfilet (gut!).

Am Samstag ausgeschlafen, im Bahnhof den Morgenkaffee getrunken (da ich sowas von gar keinen Frühstückshunger habe, miete ich Hotelzimmer inzwischen immer ohne Frühstück – was auch immer unkomplizierter geht), in der Mariahilfer Straße ein zusätzliches Hochzeitsgeschenkerl besorgt: Die Party am Vorabend hatte eine Lücke in der Haushaltsausstattung des Paares offenbart, die ich gleich mal füllen konnte.

Um ein Ziel für einen Spaziergang durch das von sensationellem Wetter ausgeleuchtete Wien zu haben, meanderten wir zur Strudlhofstiege. Wien ist fei schon ganz schön schön.

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Zum Mittagessen ließen wir uns im Gastgarten der Ambulanz im Alten AKH nieder. Idyll zum Abwinken, ich probierte das Hollerblüten-Radler (hatte aber übersehen, dass die Basis Weizenbier war, was bei mir daheim einen „Russ“ ergeben hätte – den ich nicht so gerne mag).

Zurück ins Hotel nahmen wir die U-Bahn, dort Ausruhen und Fertigmachen fürs Fest.

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Gefeiert wurde in der Bunkerei des Augartens, mit Draußen und Drinnen.

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Und es gab viel, viel Stil. Unten im Bild: Schuhwerk eines Herrn Bräutigams und einer Gästin.

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Es wurde enorm viel Spaß gehabt, in Wort und Bewegung. Mit einem deutschen und einem polnischen Bräutigam sowie einer Gesellschaft aus einiger Herren Länder flogen vielsprachige Fetzen und bunteste Themen, dazwischen Kindergewusel, auf der Tanzfläche beeindruckende Einlagen von Nachwuchsmenschen.

Masseltov dem Paar, und ich weiß nicht, wie ich die polnische Ansprache des deutschen Bräutigams ohne Tränenströme überstand. (Herzlosigkeit könnte eine Erklärung sein.)

Hastig aus einem Starbucks gepostet, Vertipper korrigiere ich später.

die Kaltmamsell