Journal Donnerstag, 19. Januar 2017 – Pas de deux mit der Migräne

Freitag, 20. Januar 2017 um 6:45

Wieder wachte ich mit mittelleichten Kopfschmerzen auf, die Migränesymptome mitbrachten (Hackebeil im Auge, Niedergeschlagenheit, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Sehschwierigkeiten) – hatte aber die beiden Tage davor keinen Tropfen Alkohol getrunken. Ich ging trotzdem in die Arbeit, am Nachmittag war endlich alles weg, die davon ausgelöste Euphorie ein weiteres Migränesymptom.

Wetter weiter eisig, aber auch sonnig, der Schnee sieht nicht mehr schön aus.

Abends Tiramisu für die Freitagabendgäste zubereitet.

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Ein bemerkenswertes Foto-Essay über das Leben einer Gruppe alter Menschen:

In the late 90s, Canadian photographer Naomi Harris checked into Haddon Hall Hotel in South Beach during her trip to Miami, Florida. Fascinated by the people and the community living in the hotel year-round, Naomi started to capture their daily routines for her series titled “Haddon Hall”.

Quelle

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via swissmiss

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 18. Januar 2017 – Krähentreffen über der Theresienwiese

Donnerstag, 19. Januar 2017 um 6:15

Im Morgendämmer überquere ich die endlose Eiswüste der Theresienwiese – zumindest ist sie das, wenn ich in meinen dicken Schneestiefeln und schräg gegen den Wind gestemmt spiele, dass ich mit Hundeschlitten auf dem Weg zur Polarstation bin, um sechs kranke Polarforscherinnen und Polarforscher vor dem sicheren Tod zu retten, vielleicht auch bei dieser Gelegenheit ein ebenso krankes niedliches Pinguinbaby. Wieder zieht ein großer Krähenschwarm über mir Richtung Westen. Im Gehen sehe ich zu ihm hoch, lächle, lausche den Rufen. (Die wohl in erster Linie aus „sind wir schon daha?“, „ich hab Hunger!“, „ich hab Durst!“ bestehen. „Ich muss mal“ ist für Krähen im Flug ja kein Problem.)

Doch heute folgt gleich darauf der nächste Krähenschwarm, noch dichter als der davor – ein gutes Dutzend vorweg, dann ein kleine Lücke, etwas verstreut noch zweimal so viele. Von weiter nördlich eine dritte Gruppe, dann noch eine von Osten. Im bläulich fahlen Morgenlicht sehe ich, dass diese Schwärme nicht über die Bavaria weiterziehen, sondern sich drehen, und zwar wirklich, nicht nur abdrehen: Sie sammeln sich zu einem einzigen Kreisel, schwärmen als riesiger Trichter immer höher, bis ich sie im wenigen Licht nicht mehr sehen kann.

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Die Turnschuhe mit Leuchtesohle waren die Schau. Allerdings hielt der Akku nur sechs Stunden, den restlichen Arbeitstag ging ich ungeleuchtet.

Es war nochmal ein wenig kälter geworden, daheim fror ich trotz überall hochgedrehter Heizung. Damit ich doch noch beim Schlafen das Fenster kippen kann, verdoppelte ich die Decke und wärmte das Bett mit Wärmflasche vor.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 17. Januar 2017 – neue Schuhe

Mittwoch, 18. Januar 2017 um 6:17

Den köstlichen Crémant bezahlte ich mit einer nächtlichen Migräneattacke, Marke Hackebeil im Auge. Zum Glück früh genug in der Nacht, dass ich bis zum Weckerklingeln Zeit für Triptan und Komaschlaf hatte. An Frühsport war dann allerdings nicht zu denken.

Ich ertappte mich dabei, wie ich beim Internetlesen über anderer Leut‘ Hobby dachte: „Die hat offensichtlich wirklich nicht genug zu tun.“
Das nur als Beweis für meine tatsächliche Schlechtigkeit, die mühsam zurückgehalten wird durch ein Großhirn, das diesen Gedanken beobachtete und kopfschüttelnd darauf hinwies, dass er lediglich bedeutet: Ich verstehe nicht, wie man sich für dieses Hobby begeistern kann. Was keinerlei Berechtigung ist, es gering zu schätzen, denn: Jede bringt ihr Leben mit den Dingen rum, die sie aus welchem Grund auch immer anziehen bis begeistern. Solange das andere Menschen nicht einschränkt oder schädigt, ist genau das das Fundament einer freien Gesellschaft.
(So wie das Bloggen von Gardinenpredigten zu meinen Freizeitbeschäftigungen gehört.)

Auf dem Heimweg blies über die Theresienwiese ein scharfer Wind, es war kälter geworden.

Daheim wartete ein Schatz auf mich:

Impulskauf vor zwei Wochen: Ich hatte einen Hinweis bekommen, dass es diese Turnschuhe, deren Sohlen bei jedem Schritt leuchten und um die ich im Park von Palma de Mallorca Kinder beneidet hatte, AUCH FÜR ERWACHSENE GIBT! Und dann kosteten sie auch noch weniger als 20 Euro…
KLICK!
Am Mittwoch trage ich sie in der Arbeit und mache alle, alle neidisch.

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Da schau her: Man kann aus Fifty Shades of verkrampftes Wortspiel doch noch Spaß rausholen:
„Fifty shades of socialist feminism“.

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Endlich bin ich auf eine Besprechung von La La Land gestoßen, die meinen Eindruck wiedergibt und die Worte findet, die mir dafür fehlten, nämlich von Richard Brody im New Yorker.
„The empty exertions of ‚La La Land'“.

I saw “La La Land” in a theatre, sitting up close to a big bright screen, and couldn’t tell whether it was filmed on location or in a studio in front of a green screen. (…) [Chazelle’s] big production numbers—a gruff-to-gentle pas de deux for Mia and Seb beneath the streetlights and a splashily colorful jazz ballet in front of a conspicuously painted and lighted and silhouette-shaded theatrical backdrop—are studious, effortful, rehearsed to death, personality-free, and lacking in the essential factor: wonder. Chazelle strives to impress, to wow, to dazzle—but not to inspire; his musical ideas and visual sensibility are jolting neither in their surfaces nor in their substance, neither in their action nor in their images; they close off the imagination rather than opening it.

Genau: Die großen alten Filmmusicals hatten eben diesen Effekt – „Ui! Wie haben sie das bloß gemacht?!“ La La Land dagegen war Musicalspielen-Darstellung.

Und so sehr ich die Musik des Films mochte, wunderte ich mich doch hierüber:

“I don’t wanna hear the free jazz,” the boss tells him. But, when Seb nonetheless takes matters into his own hands, what he plays sounds nothing like free jazz—it’s a maudlin little waltz that he then turns bombastic, much closer to Eddy Duchin or Liberace than to Cecil Taylor or, for that matter, Art Tatum, who’d have had no trouble making great jazz from Christmas carols.

Und schließlich über die Ästhetik:

Chazelle’s classics skip a few generations; he films as if nothing of importance has happened since the nineteen-sixties—the age when artists overturned conventions and shattered the bonds of classicism. He venerates and celebrates bygone methods and mannerisms because he applies them like formulas—and those formulas take the place of original creation, of a spontaneous sense of style and a natural, personal sense of beauty.

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Die Fernsehsendungen Kunst und Krempel, Bares für Rares lasse ich ja ganz gern nebenher laufen. In der Hoffnung, dass dort mal etwas passiert wie bei dieser der BBC Antiques Roadshow.
Interessant finde ich unter anderem, dass dieses Kleid (im Gegensatz zu den im Fashion Museum in Bath gezeigten) nicht für eine sehr dünne Frau geschneidert scheint.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 16. Januar 2017 – Schnee statt Licht

Dienstag, 17. Januar 2017 um 6:30

Ein weiterer Tag mit viel Schnee, aber was soll ich sagen: Ich fange an, mich zu gewöhnen. Nach der Rückkehr von Mallorca fand ich das Winterding abscheulich, doch jetzt, in Weiß und bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt, finde ich es ganz ok. Weiterhin bevorzuge ich, schnell und ohne lange Anziehgymnastik aus dem Haus gehen zu können, warme Sonne auf der Haut zu spüren, Blüten und Laub zu sehen. Aber der Schnee macht tatsächlich die Dunkelheit ein wenig wett.

Arbeitsweg.

Arbeitstag.

Abends stellte Herr Kaltmamsell Asiatisches zusammen, inklusive mit Krabben gebratenem Hackfleisch, Korianderblättern, Karotten- und Lauchstiften, dazu asiatische Sößchen aus der Flasche, was wir zum einen zu Reispapierröllchen falteten, zum anderen mit Glasnudeln zu Salat vermischten.

Dazu und einfach zur Feier des Tages öffneten wir das Mitbringsel des Luxemburger Gasts von Dezember:

Den Luxemburger Crémant Alice Hartmann, der uns beiden tatsächlich so sensationell schmeckte wie angekündigt, sanfte Blüten und Früchte, nicht knochen-, sondern lediglich trocken. Wir recherchierten sofort eine Bezugsquelle und bestellten ein Kistchen.

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Der beste Carrie Fisher-Nachruf, den ich gelesen habe, stammt von der Blogess:
„Stay afraid. But do it anyway.“

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 15. Januar 2017 – Sonntagsschnee mit Bügeln

Montag, 16. Januar 2017 um 6:34

Gestern war ein Bilderbuch-Schneetag: Es schneite immer wieder, der Himmel war bunt und ließ zwischen den Schneeschauern auch mal die Sonne durch. Postkartenlandschaft erzeugte er allerdings nicht, dazu war es zu windig und zu mild.

Ich ging zu Fuß zum Ostbahnhof für eine Runde Sport.

Eine halbe Stunde Krafttraining und eine Stunde Step Aerobics später spazierte ich zurück.

War mir schon bei meinem samstäglichen Isarlauf aufgefallen: Der Sturm in der Woche zuvor scheint heftiger gewesen zu sein, als mir bislang bewusst war.

Nach ausgiebigem Frühstück Wäscheversorgung: Zwei Maschinen gewaschen und getrocknet, zwei Stunden brav gebügelt, auch im Winter muss es irgendwann sein, Bett frisch überzogen. Dazu Filmmusik: Erst La La Land, dann Grand Budapest Hotel.

Herr Kaltmamsell kochte zum Nachtmahl Paneer-gefüllte Auberginenröllchen mit roten Linsen (und Senfkörnern, Curry, Spinat, gebratenen Curryblättern und Koriander) – sehr köstlich.
(Und zack! Wieder ein Wochenende unabsichtlich vegetarisch. Was halt passiert, wenn man wirklich gerne isst, praktisch alles.)

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 14. Januar 2017 – Schneelauf

Sonntag, 15. Januar 2017 um 8:21

Zu Milchkaffee begann ich den Tag nach Ausschlafen mit ausführlichem Bloggen und Twitterlesen, als der Kaffee leergetrunken war, machte ich mir Tee.

Ich hatte mich auf einen Isarlauf gefreut, noch dazu hatte die Wettervorhersage eine Schneeapokalypse angekündigt – also das, was wir früher Schneien nannten. Vormittags schneite es tatsächlich ein wenig, doch als ich mich auf den Weg machte, hatte es bereits aufgehört. So blieb es auch bis auf ein paar Minuten am Nachtmittag.

Auch über die dünne Schneedecke war ich froh, weil sie die darunter zum Teil gefrorenen Wege griffig machte. Ich rutschte nur einmal aus und fiel auch gleich hin: Über den Weg an der Isar auf Höhe Aumeister war ein Auto gefahren, die Reifen hatten eine glatte Spur hinterlassen (alles gut, wird halt einen blauen Fleck am Knie ergeben).

Ich hatte meine Route über Hofgarten und Englischen Garten gelegt, weil ich gelesen hatte, dass der Monopteros fertigsaniert ist und wieder ganz frei liegt.

Zwei berittenen Polizistinnen begegnet, die sehr fröhlich wirkten, wir lachten einander an.

Straßenbahnfahrt vom Tivoli nach Hause, ordentlich Pokéstops geräumt.

Endlich beendete Menstruation zehn Tage böse Brustschmerzen. Gegen die Unterleibskrämpfe gleich mal Ibu eingeworfen – das praktischerweise die Folgen des Zweistundenlaufs (Achillessehnen, Hüfte) mitversorgte.
(Menopause, mach hinne!)

Amaretti gebacken (ich hatte drei Eiweiß übrig von der Crème brûlée, von der Donnerstagabend ich für gestern die halbe Menge gemacht hatte).

Zum Nachtmahl bereitete Herr Kaltmamsell aus dem Hokaido des Ernteanteils Kürbislasagne nach Don Dahlmann zu.

Abendunterhaltung war eine hervorragende ARD-Doku über das Dark Net: Unvoreingenommen und offen, viel Hintergrund, aufwendig mit vielen Selbstversuchen und Beispielen mit Interviews vor Ort, ohne Polarisierung.

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Richard Rauch, Katharina Seiser, Die Jahreszeiten Kochschule Winter fertiggelesen. Ich bin unsicher, an wen sich das Konzept des Buchs richtet: Einerseits an Leute, denen man in den Warenkunde-Kapiteln erklären muss, dass Pastinaken echt gut sind und welche Teile vom Rind sich zum Brühekochen eignen. Andererseits an Menschen, die mit Yuzu-Saft und Verjus hantieren, daheim Gerichte mit Schäumen servieren und denen man nicht mehr zeigen muss, wie man Fisch filetiert. Am attraktivsten fand ich die Hefeteigrezepte. An den drei Menüzusammenstellungen möchte ich den Zeitplan loben – inklusive dem Schritt „Umziehen (ab jetzt Küchenkleidung nicht mehr nötig)“. Und das Zitronen-Rahmherz hatte wirklich köstlich geschmeckt.

Als Erstes hatte ich übrigens das Grundrezept Mayonnaise nachgeblättert: Jede andere Methode als die Idiotenmethode hätte das Buch für mich unglaubwürdig gemacht.

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Aus der Süddeutschen:
„München wird immer sicherer – und die Menschen immer ängstlicher“.

Was mich halt immer hilflos macht.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 13. Januar 2017 – Tod des britischen curry house und wie geht’s der deutschen Dönerkultur?

Samstag, 14. Januar 2017 um 9:52

Derzeit wieder großes Was-soll-bloß-aus-mir-werden. Und alles in mir mit Ausweichmanövern beschäftigt, um keine Konsequenzen ziehen zu müssen.

Die Tage werden spürbar länger; selbst beim gestrigen schlechten Wetter war es auf dem Heimweg um fünf noch nicht ganz dunkel. Derzeit ist Winter, wie er in unseren Breiten eigentlich normal ist – in den vergangenen Jahren aber nicht vorkam (was mir ja sehr recht war). Die großen Medien machen aus den Begleiterscheinungen eine solche Sensation, dass man nur mit Sarkasmus reagieren kann.

Zum Nachtmahl kochte ich einen Eintopf aus Ernteanteilteilen dieser Woche (Zwiebeln, Rote Bete, Kartoffeln, Lauch) plus Gemüsebrühe und Ingwer.

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Indische Restaurants sind für mich so britisch wie das pub quiz. Da ich mein Auslandsjahr im Studium 1991/1992 in Wales und nicht in England verbrachte, lernte ich sie zwar erst später gründlich kennen, doch dass sie Teil der britischen Kultur waren, sah ich überall.
Das scheint sich zu ändern.
„Who killed the great British curry house?“

Via @konstantinleben

Dieser sehr ausführliche Artikel (aka Longread) von Bee Wilson verdeutlicht mal wieder, wie eng gesellschaftliche Entwicklung und Kulinarik verwoben sind.

Though hardly acknowledged by restaurant critics, except for mocking asides about their red flock wallpaper, curry houses were one of the great successes of the postwar restaurant industry in Britain. In her 2005 book Curry: A Biography, the historian Lizzie Collingham argued that the Sylheti curry cooks converted “unadventurous British palates” to a new flavour spectrum. Goodbye, mince and potatoes; hello, chicken bhuna. “More than any other ethnic food,” Collingham wrote, “the British have made curry their own.”

Doch die zweite und dritte Generation ist (wie meist von den eingewanderten Eltern erträumt) gesellschaftlich aufgestiegen und hat einen Berufsweg außerhalb der Gastronomie gewählt, zudem schneiden verschärfte Einwanderungsgesetze den Zufluss neuen Personals ab.

Ever since the Conservative-Liberal Coalition assumed power in 2010, with David Cameron elected on an impossible pledge to reduce net migration into Britain to the “tens of thousands”, the Bangladeshi Caterers’ Association (BCA), of which Oli Khan is senior vice-president, has warned of a curry crisis. The BCA says that if nothing is done to support the industry, as many as a third of Britain’s curry houses – around 4,000 in total – will close over the next couple of years.

(…)

For a few decades from the 1970s to the 2000s, the curry house – like its high street companion, the pub – looked like a permanent feature of British life; maybe even an emblem of Britishness itself. Yet it is now clear that our passionate relationship with these restaurants was a product of particular circumstances. For the high street curry house to flourish in its classical form, British tastes needed to stay fixed and south Asian cooks needed to be free to work here. Neither of these conditions now holds.

Ich lernte aus dem Artikel den Begriff widower curry (eine Abkürzung der aufwändigen Rezepte für den Fall, dass die geübte Köchin nicht da ist) und dass man aus dem Namen des indischen Restaurants schließen kann, in welcher Zeit es eröffnet wurde. Außerdem wirft er die Frage auf, was eigentlich „authentische“ Küche ist:

Does a cuisine belong to the people who eat it or the ones who cook it?

Die Briten interessierten sich erst Ende der 70er für die regionalen Unterschiede indischer Küche und verlangten nun, dass ihre Vorstellung davon in den indischen Restaurants umgesetzt würde – egal, welche Absichten Wirte, Köchinnen und Köche des Lokals eigentlich hatten.

Mir fällt bei curry house immer Rowan Atkison ein – dessen klassische Nummer unten ein Beleg für die Verwurzelung in der britischen Kultur ist:

(„Deceptively flat“ ist schon lang Teil unseres Ehejargons.)

Interssanterweise zitiert der Artikel oben aber eine andere Nummer von Rowan Atkinson:

an old bit from the early 80s comedy sketch show Not the Nine O’Clock News, in which Rowan Atkinson plays a Tory politician speaking at his party conference: “I like curry, I do [pause]. But now that we’ve got the recipe, is there really any need for them to stay?”

Ich wünsche mir einen ähnlichen Artikel über die Rolle und Entwicklung der Dönerbuden in der deutschen Gesellschaft. Sie waren möglicherweise das erste Take-away-Essen, das sich in Deutschland wirklich durchsetzte. (In England entstand die Take-away-Kultur im frühen 19. Jahrhundert durch die Industrialisierung: Massenzuzug in die Städte, Unterkünfte ohne Küchen, die gesamte Familie schuftete in den Fabriken, Mahlzeiten mussten nach Feierabend auf dem Heimweg gekauft werden.)

Ich ahne Verbindungen zur deutschen Wiedervereinigung: Vorher waren sowohl Döner als auch das Ausgehen spät nachts mit Döner auf dem Heimweg typisch für Berlin; die Wiedervereinigung mit ihrer Reiseerleichterung nach Berlin verbreitete diese Kultur auch im Rest der westlichen Republik.

Gleichzeitig gab es in Westdeutschland türkische Schnellrestaurants (Münchner Landwehrstraße), die schnelle türkische Hausmannskost mit Hinsetzen anboten, Zielgruppe Einwanderer. Seit einigen Jahren erlebe ich in München, wie immer mehr anspruchsvolle Dönerläden mit Hinsetzen eröffnen, die neben Döner auch das eine oder andere frische Tagesgericht mit türkischen Wurzeln anbieten.
Hier sehe ich eine Parallele zum Burger: Auch der war in den 80ern eines der ersten Schnell- oder Mitnehmessen in Deutschland; seit etwa zehn Jahren nun gibt es dafür immer mehr Lokale mit Anspruch, deren Burger dezidiert nicht zum Mitnehmen gedacht sind.

Mich würde interessieren, wie es um die deutsche Dönerkultur steht (dass sie deutsch ist, ist nicht-deutschem Besuch schon lange klar – in Kairo macht demnächst ein „Best German Döner Kebap“-Laden auf): Gibt es Nachwuchs? Sind das neue Einwanderer oder zweite/dritte Generation? Soweit ich sehen kann, steckt ein ganzer Industriezweig dahinter, der Ausstattung, Brot, Dönertier liefert: Wie groß ist er und wie strukturiert? Sind die Dönerdrehmaschinen aus deutscher Fabrikation?
(Darf man als Abonnentin Artikel bei der Süddeutschen bestellen?)
Nachtrag: Auf Twitter wies mich @ellebil auf ein geschichtswissenschaftliches Werk von 2012 hin: Maren Möhring, Fremdes Essen. Die Geschichte der ausländischen Gastronomie in der Bundesrepublik Deutschland.

die Kaltmamsell