Hier abschließend eine Zusammenfassungen von Trends, die ich während meines letzten Englandaufenthalts zu beobachten glaubte:
Futter
Sie waren uns bei vegetarischem Essen voraus, sie erkannten erheblich früher die Vorteile von Produkten regionaler Herkunft – mal sehen, wann es dieser neueste Futtertrend aus England in der Breite nach Deutschland schafft: Raw Food.
Zum ersten Mal las ich das Stichwort zwar bei der heimischen Frau Coolcat, doch in den Biosupermärkten Brightons ist Raw Food bereits Mainstream – zumindest bei süßen Riegeln. Etwa ein Viertel der Regalfläche an Riegeln werden durch raw-Produkte belegt. Das machte mich neugierig, und ich nahm mir eine Auswahl an Riegeln der Firma Nakd mit. Auch wenn es mich immer zum Kichern bringt, wenn eine Verpackung detaillierter auflistet, was alles nicht drin ist als den tatsächlichen Inhalt. Die Aufschrift versicherte mir also, kein einziger der Bestandteile des Riegels sei irgendwie gekocht. Ergebnis: Die Riegel schmecken deutlich anders als die Frucht-Nuss-Riegel, die ich aus dem Basitsch kenne, und durchaus nicht schlechter. Was sich allerdings nicht mit dem raw-Konzept verträgt, ist Kakao: Enthielt der Riegel Kakao, schmeckte er staubig.
Zudem: Ein Deli in der St. James Street informierte per Plakat, dass an drei Abenden die Woche Raw Food serviert werde, mit sehr anregenden Menübeispielen.
Auch wenn jede nähere Recherche über Raw Food lediglich zu einer weiteren Ernährungsreligion führt, die ewige Jugend, Gesundheit und Glückseligkeit verspricht, klingt das Konzept reinschmeckenswert. Böte mir in einem Restaurant ein Raw Food-Menü an, probierte ich es gerne.
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Mode
Seit zwei Jahren lese ich darüber, jetzt habe ich es erstmals auf der Straße gesehen, mehrfach: Grau gefärbte Haare an jungen Frauen. Gewählt wird ein sehr helles, einheitliches Grau zu helmartigem Haarschnitt, mit ein wenig dunklem Haaransatz.
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Blödsinn
Bei aller Anglophilie kritisiere ich doch Einiges an englischer Kultur. Bis heute sind Mischbatterien am Waschbecken unüblich – und ich kann bis heute keinen Vorteil darin entdecken, zwei meist extrem kurze Wasserhähne zu installieren, einen für kaltes, einen für warmes Wasser. Das machen die doch mit Absicht, um uns Europäer fern zu halten.
Zudem enthält das Englische einige unakzeptable Wörter. Seinerzeit hielt ich meiner Mitbewohnerin im walisischen Studentenwohnheim eine Birne entgegen und fragte, wie diese Frucht denn auf Englisch heiße (tja, ich kannte mich damals eher im Romanenglisch des 18. Jahrhunderts aus). Den Laut, den sie äußerte, konnte ich auch nach Wiederholung nicht reproduzieren und habe bis heute das Gefühl, mich wie ein Spielzeugteddy anzuhören, wenn ich „pear“ sage. Im Zug nach Glynde ging es mir ähnlich: Die Zugansage informierte an jedem Haltebahnhof, das Ziel dieses Zuges sei Ore. That’s not a word!
Anderer Blödsinn wiederum ist niegelnagelneu. Zum Beispiel Fußgängerampeln auf Warteseite. Bis letztes Jahr blickte ich wie in Deutschland auf eine Fußgängerampel auf Höhe der Autoampel und auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Nun haben sich die Brightoner diese Alternative hingebaut.

Die Verwirrung ist heillos. Zumindest bei mir.
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Und dann noch ein Verdacht: Möglicherweise ist der Anteil an Cricketfans unter der britischen Bevölkerung ähnlich niedrig wie der Anteil an Stierkampffans unter Spaniern.
die Kaltmamsell