Archiv für Juli 2009

Innen eingerichtet

Montag, 20. Juli 2009

Für diese Wohnung habe ich mich entschieden, weil zum einen meine erste Arbeitsstelle in München in Haidhausen lag. Ich wollte auf keinen Fall in derselben Ecke der Stadt wohnen und arbeiten – bei der Zeit, die ein Agenturjob verschlingt, war mir klar, dass ich dann gar nichts von München mitbekommen würde. Entscheidend waren dann zum anderen zentrale Lage, Größe und schöne Aussicht. Mir ist bis heute erheblich wichtiger, was ich aus den Fenstern meiner Wohnung sehe, als das Äußere meiner Wohnung.

Beim Einrichten der Wohnung wurde ich inspiriert von der Architektur der Wohnung: astreines 50er-Jahr Großbürgertum. Unsere spießigen Erbmöbel passten genau dazu.

Mein persönlicher Stil ist immer atmosphärisch. Ebenso wie bei Kleidung habe ich eine Epoche oder Filme vor Augen. Gerne vergangene Epochen und alte Filme. Ich finde moderne Einrichtung oder Landhausstil (südfranzösisch, toskanisch, skandinavisch) schon auch schön – aber dazu fallen mir nur Einrichtungskataloge, Wohnzeitschriften und Architekturfotografie ein.

Mein Lieblingsplatz in der Wohnung ist ein Lesesessel auf dem Balkon. Entsprechend existiert dieser Lieblingsplatz nur im Sommer und bei schönem Wetter. Aber dann stelle ich mir dort Getränke bereit, lese im Internet, in der Zeitung oder in Büchern, blicke bei Geräuschen immer wieder auf, um Vögel, Passanten oder Eichkätzchen zu beobachten.

Der emotional wertvollste Gegenstand in der Wohnung – fällt mir nicht ein. Die einzelnen Dinge schätze ich, aber ich wüsste keinen, dessen Verlust mich zutiefst treffen würde. Am ehesten noch die Collage aus dem Filmplakat von Funny Bones und einem Bild, auf dem der Mitbewohner und ich uns umarmen, die wir von einem gemeinsamen Freund geschenkt bekamen.

Die Farben. Zählen das Weiß der Wände und das vorwiegende Dunkelbraun der Möbel und Regale? Eine Dekofarbe gibt es in meiner Wohnung praktisch nicht.

Das aufwändigste Projekt war ist das jährliche Reinigen des Balkons und Waschen der sechs bodenlangen Stors.

Ich bin besonders stolz darauf, praktisch keine Gegenstände in der Wohnung zu haben, die landläufig mit dem Epiteton „Design-“ versehen werden. Sicher wurde jedes Möbel von jemandem entworfen, doch an „Design“ hat er oder sie dabei nicht gedacht.

von loreley

Unmoderne Speisen: Salade niçoise

Sonntag, 19. Juli 2009

Salad_Nicoise_1

Der Salat mit Putenstreifen wurde in den 90ern Standard auf Speisenkarten, seit einigen Jahren machen viele Restaurants einen rechten Bohei um ihren Caesar’s Salad, inklusive Zubereitung am Tisch etc. Doch ein Klassiker ist aus der Mode gefallen: Salade niçoise. Dabei weckt er in mir sofort innere Bilder von Terassen über der Côte d’Azur, weiß lackierten Gartenmöbel aus zierlich gebogenen Metallstangen, Frauen mit weißen Handschuhen, großen Hüten und noch größeren Röcken, Sektschalen – gleich wird von rechts O.W. Fischer ins Bild kommen. Oder Heinz Erhardt.
Nun gut, ich erahne einen Grund, warum der Salat nicht mehr angesagt ist.

Dann aber bekam ich ihn vor einiger Zeit im Hamburger Café Paris – und war hingerissen. Seither habe ich ihn noch einige Male bestellt, wenn er überhaupt irgendwo angeboten war, bis ich wusste, welche konkrete Variante meine ideale ist. So müssen für mich unbedingt Kartoffelwürfel und grüne Bohnen dabei sein (neben den definitorischen Thunfisch, Ei, schwarzen Oliven, Kopfsalat), ein Zugeständnis an den Mitbewohner sind die Sardellen.

Hier geht’s zum Rezept.

E’to si que me gu’ta

Sonntag, 19. Juli 2009

Herr Glam hat einen neuen Schwarm: Bebe, eine spanische Sängerin, deren brutalandalusischer Akzent und heisere Stimme geschaffen sind für „Ayayay Mama ich bin so unglücklich!“ (Fachbegriff: cante jondo) – doch das macht sie völlig überraschen ganz anders und musikalisch so hochinteressant, dass sie mir seit gestern Mittag vorsingt. Wenn Ihnen die Beispiele unten gefallen, kaufen Sie den Musikträger Y. (gesprochen „Igriega“ – dafür braucht der Spanier nur einen Buchstaben). Reinhören können Sie auch auf Bebes Website.

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Abenteuer Großstadt

Samstag, 18. Juli 2009

Waggons mit Schüttgut sieht man in der Münchner U-Bahn nicht jeden Tag.

090718_schuettgut

Stechordnung

Freitag, 17. Juli 2009

Die geplagte Frau Walküre mag sie „Gelsen“ nennen (gesprochen „Göisn“?) – bei uns in Oberbayern heißen sie Schnacken. Ich war weit über 20, als ich die hochdeutsche Schreibung Schnaken zum ersten Mal sah. Und dann hielt ich sie erst mal für einen Fehler. Amerikanische Wissenschaftler haben bekanntlich herausgefunden, dass die verschieden starke Anziehungskraft, die Menschen auf deren Stechen ausüben, vom Körpergeruch abhängt – was denen, die am unteren Ende der Stechordnung stehen, vermutlich ungemein egal ist.

Selbst bin ich anscheinend Mittelfeld. Als Kind habe ich während der Familienurlaube in Spanien immer gern im selben Zimmer wie mein kleiner Bruder geschlafen: Nicht nur schnarchte er nicht (im Gegensatz zur gesamten weiblichen Verwandtschaft) – vor allem aber ist er Leibspeise für Schnacken. Der arme Kerl war morgens völlig zerstochen und verschwollen, doch gerade deshalb interessierten sich die Viecher nicht für mich.

Heute hat sich das Blatt gewendet. In meiner Ehe sind zwar die Aufgaben so verteilt, dass ich den Mitbewohner vor großen Tieren beschütze (Elefanten, Löwen, Kühe), der Mitbewohner wiederum mich vor kleinen (Weberknechte, Silberfische), aber bei Schnacken funktioniert diese Abmachung nicht: Gestochen werde in gemeinsam verbrachten Nächten nur ich, der Mitbewohner hingegen würde vermutlich behaupten, in unserer Wohnung gebe es überhaupt keine Mücken.

Eine Oase der Uncoolness

Donnerstag, 16. Juli 2009

schnitzelgarten_1

Mitten in München gibt es einen wunderschönen Biergarten, mit Kastanien, die deutlich älter sind als alle Häuser, die ihn umschließen, mit einem Walnussbaum und rot-weiß-karierten Tischdecken. Aus den offenen Fenstern der zugehörigen Küche tönen Ölgebrutzel und Fleischklopfen, kein Straßenlärm oder Spuren der umgebenden Geschäftigkeit sind zu hören. Und doch würden sich die schicken und angesagten dieser Stadt hier nicht tot sehen lassen, die Kreativen der umliegenden Büros gehen ganz offensichtlich abends woanders hin, und es ist garantiert noch nie ein auch nur Viertelprominenter aufgetaucht. Dieser Biergarten hat es noch nicht mal zum Geheimtipp gebracht.

Die Speisenkarte ist komplett vorgestrig, das modischste Gericht ist der Salat mit Putenstreifen. Dafür gibt es Schnitzel in Variationen (einmal hatte ich das „spezial“, das mit Käse und einer scharfen Paprikasoße gefüllt war – Ajvar?), natürlich mit Pommes, Kotelett, Schweinsbraten, Rahmgeschnetzeltes, auch Fischgerichte. Und die obligatorischen Biergartenbrotzeiten, hier zum Beispiel Schweizer Wurstsalat (schön aus Regensburger und nicht etwa aus geschmacksneutraler Lyoner) und Obatzter. Bislang war alles, was ich dort gegessen habe, comme il faut zubereitet1 und wohlschmeckend.

schnitzelgarten_2

Die Preise sind so unmünchnerisch niedrig (Schnitzel um die zwölf Euro, Wurstsalat nicht mal sechs Euro), dass zwar einerseits ganz gewiss kein glückliches Tier auf den Teller kommt, andererseits aber viele ganz normale Anwohner angezogen werden: Das Publikum besteht aus einen Querschnitt der Leute, die schon immer im Glockenbachviertel und seinen noch heute unschicken Randgebieten wohnten: Alte Herren bringen Sonntags ihren thailändischen Liebhaber mit und führen ihn den Freunden vor, betagte Frauenpaare beweisen, dass Tätowierungen und Piercings keine Altersgrenze kennen, gemischtgeschlechtliche Rentnerpaare diskutieren unaufgeregt die Nachbarschaft, vermutlich ein junger Reiseführer (mag jemand mal im Lonely Planet nachschauen?) bringt immer wieder Grüppchen von Badeschlappentouristen herein, örtliche Studenten lassen sich von ihren Eltern mal wieder auf „was G’scheits“ einladen – echte Münchner Lebensart halt.

Die Bedienungen sind solche von Beruf, durch die Bank flink und freundlich. Wegen seines kulinarischen Schwerpunktes nennen der Mitbewohner und ich dieses Lokal „Schnitzelgarten“, doch in Echt heißt diese hippnessfreie Oase „Andy’s Krablergarten“ (in diesem Fall bin ich bereit, den Deppenapostroph in die unccole, aber fast schon ehrwürdige Reihe der „Evi’s Friseurstüberl“ zu stellen). Aus reinem Zufall sitzt hier niemand: Der Eingang ist recht versteckt.

schnitzelgarten_3

Die zugehörige Wirtschaft gibt es auch außerhalb der Biergartensaison.

  1. Sagt man das so? []

Spaß zwischendurch: „How hetero are you?“

Mittwoch, 15. Juli 2009

Stockholm Pride hat einen lustigen Heterotest, basierend auf Twittersprache. Noch lustiger: meine Ergebnisse.

Wenn ich „girl“ anklicke:
94% „You’re hetero down to your fingertips. Well, almost every one of them.“

Aber wenn ich „boy“ anklicke:
99% „Hetero is your middle name. You make Chuck Norris look gay.“

via Stephen Frys Gezwitscher

Wieder ein Beweise für die Dominanz meines inneren Kerls. (Mit Brummstimme:) „You know, I make Chuck Norris look gay!“


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