Journal Donnerstag, 29. Januar 2015 – Pendelahnung

Freitag, 30. Januar 2015 um 6:43

Resturlaubstag.
Ausgeschlafen, eigentlich hatte ich Schwimmpläne gehabt, dann schrieb und bloggte ich so lange, dass es mir dafür zu spät wurde (ich hatte einen Nachmittagstermin). Ergebnis war unter anderem die Geschichte fürs Techniktagebuch, wie ich ein altes CMS überlistete.

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Mit einem Sack Kleingeld zur Sparkasse und den dortigen Münzzähler damit gefüttert (ich höre bereits von selbst die unablässige Aufforderung der Techniktagebuchherbergsmutter im Redaktionschat: „Aufschreiben!“). Das ist nämlich weiterhin meine und des Reisebegleiters Urlaubskasse: Jeden Abend leeren wir die Kleingeldfächer unserer Geldbörsen in einen alten Tontopf, egal wie viel sie enthalten. Wenn der Topf voll ist, zahle ich das Geld ein. Übers Jahr kommen damit mehr als 1.000 Euro zusammen, von denen wir dann unseren Urlaub bezahlen. Das war nützlich in unseren Anfangszeiten als Paar, als wir recht wenig Geld hatten. Dazwischen war es eher ein lieb gewonnenes Ritual. Und jetzt ist für mich wieder nützlich, da ich auf Urlaub sparen muss.

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Meine Schneestiefel mit sich lösenden Sohlen brachte ich zum alten Schuster:

Schuster: „Wie konn i heyfn?“
Kaltmamsell: „Mein Stiefel verliert die Sohle!“

Schuster sieht das Logo auf der Rückseite (ein B für Bogner): „Mh, der war teia.“
(Und von mir seinerzeit für ca. 50 Euro im Schlussverkauf erschnäppt.)

Er klappt die fast abgelöste Sohle weg: „Oh mei.“
Kaltmamsell: „Na ja, ich trag die jetzt schon ein paar Jahre.“
„Zehn Jahr, dad i sag’n.“
(Könnte hinhauen.)

Schuster: „Zwoahundatfuchz’ge ham die scho kost.“
Er füllt den Auftragszettel aus: „Werd‘ fünfazwanz’g Euro.“
„Deutlich weniger als neue Stiefel.“

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Ausführlicher Lebensmitteleinkauf im neuen Basitsch an der Müllerstraße, der durch den seltsamen Grundriss sehr labyrinthig ist. Auf der Suche nach Sesam durchkreiste ich den Laden dreimal: Fand ihn nicht bei den Trockenfrüchten, nicht bei den Hülsenfrüchten, auch nicht bei den Backzutaten. Die Kassenkraft wies mich dann auf ein weiteres Regal hin, das einsam neben den Äpfeln stand.
Dass der Pfandautomat nach der Kasse kommt, führt sicher ebenfalls zu mancher Extraschleife.

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Nachmittagstermin. Beim anschließenden 15-minütigen Warten in der schneematschigen Kälte auf die verspätete S-Bahn eine Ahnung bekommen, was Pendeln in einen weit entfernten Arbeitsplatz mit sich bringt. Erst in der S-Bahn gemerkt, dass die Personalerinnenfrage: „Und wie versuchen Sie nach einem besonders stressigen Tag zu entspannen?“ wahrscheinlich die Alkoholikerfalle war. (Nicht reingetappt.)

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Bagels gebacken – sie bleiben löchrig, auch mit Frischhefe.

150129_Bagel_aussen

150129_Bagel_innen

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Vor zehn Jahren starb Ephraim Kishon. Eigentlich bin selbst ich zu jung für Fantum aus erster Hand. Aber in meinem Freundeskreis zu Studienzeiten wurden ja auch Lach- und Schießgeschichten aus den 50ern zitiert sowie Qualtinger-Hörstücke. Das mit dem Flott-und-Trendy konnte ich möglicherweise schon sehr früh nicht.

Der Deutschlandfunk hat den Sohn Kishons, Rafael, in Tel Aviv besucht (er scheint ganz der Papa zu sei):
„Auf Spurensuche in Tel Aviv“.

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Die SZ schreibt über den Umzug unseres Kartoffelkombinats nach Schönbrunn:
„Agrar-Revolution in grünen Kisten“.

Das ist eigentlich nicht vermeldenswert, die Geschichte ist einfach gutes journalistisches Futter. Aber: SIE HABEN DEN TEXT ONLINE GESTELLT!

die Kaltmamsell

12 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 29. Januar 2015 – Pendelahnung“

  1. Dentaku meint:

    Die CMS-Geschichte ist ein sehr schöner Hack.

  2. die Kaltmamsell meint:

    „Hack“, Dentaku? Darf ich wirklich „Hack“ dazu sagen?
    ICH BIN EINE HACKERIN! \o/

  3. Dentaku meint:

    Na klar, wer Technik kreativ und abseits der im Handbuch vorgesehenen Pfade verwendet, ist Hacker.

    („Ein Hacker ist jemand, der versucht einen Weg zu finden, wie man mit einer Kaffeemaschine Toast zubereiten kann.“ — Wau Holland)

  4. Julia meint:

    Oh Gott, bin ich naiv. Ich hätte bei der Frage NIEMALS an einen Alkoholiker-Test gedacht. Glücklicherweise hätte ich einfach aus Schutz meiner Privatsphäre mit einem Belanglosen „kochen, lesen, Abendspaziergang, Sport“ geantwortet. Aber jetzt bin ich ja vorgewarnt bzw. kann es selber anwenden…

  5. Lempel meint:

    Wetten, dass die Stiefelreparatur die Hälfte kosten würde, wenn Sie mit einem Paar Deichmann-Schuhe aufgekreuzt wären?

  6. Nathalie meint:

    Der Basitsch in der Richard-Strauß-Straße ist auch so ein Ärgernis, in dem man nichts findet, während in der Verdistraße eine aufgeräumte und logische Filiale zu empfehlen ist (aber für mich leider viel zu weit weg).

  7. adelhaid meint:

    dieses kleingeldsammeln machen wir auch. früher ging mein gesammeltes kleingeld an das patenkind, nun haben wir damit auch schon urlaubstaschengeld bezahlt und ein bisschen was im rahmen des festes letztes jahr. ich mache das mit dem kleingeld sammeln auch recht konsequent; die lustige frau ist eher so jemand, der an der kasse bis auf den letzten cent passend bezahlt. so kommt man natürlich zu nix!
    leider bin ich kein sparkassenkunde, und muss daher mein geld immer zu meiner hausbank bringen, die einen automaten hat, an dem aber auch ein bankmitarbeiter stehen muss. daher geht das einzahlen inzwischen nur über die mutter, die zu den geschäftszeiten der bank zeit hat, in diese zu gehen.
    andere banken, die über einen solchen automaten verfügen, nehmen leider gebühren, und dann lohnt es sich fast nicht.

  8. Susann meint:

    Ich hätte nicht daran gedacht, dass die Frage eine Alkoholikerfangfrage sein könnte (bin völlig blind und ahnungslos in solchen Dingen) – aber gibt es echt Leute, die in dieser Situation dann sagen: „Ich trinke ein Fläschchen?“

  9. die Kaltmamsell meint:

    Eher sagen Leute wie Sie, Susann, und ich unbefangen: „Ach, ein gutes Glas Rotwein, und dann geht’s mir gleich besser.“ ZACK!
    (Dass ich manchmal abends heimkomme und kaum in der Tür rufe: „Alkohol!“, braucht ja niemand zu wissen.)

  10. Carom meint:

    Alkoholiker antworten auf solche und ähnliche Fragen nie mit der Wahrheit, das ist ausgeschlossen.
    Was das für ihr Bewerbung bedeutet, kann ich nicht sagen.

  11. Susann meint:

    Bei mir ist schlimmer – der einzige Allohol, den ich vertrage und mag, ist Whiskey. „Ach, ein gutes Glas Whisky…“ – uuuund verloren!

  12. adelhaid meint:

    eben das DW stück gehört. wir haben an allenby gewohnt, als wir in tel aviv waren, und verdammt, diese blöde baustelle mit den presslufthammern scheint noch immer da zu sein!!!!


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