Journal Sonntag, 5. August 2018 – Familiennachzug mit Wespenkunde

Montag, 6. August 2018 um 6:54

Nicht so lang geschlafen wie erhofft, aber das gut.

Morgenkaffee auf dem Balkon. Nach ausführlichem Bloggen machte ich mich daran, die Kontaktdaten von Menschen aus 25 Jahren mit Herrn Kaltmamsell zu recherchieren. Am einfachsten fand ich im Web natürlich die Leute, die berühmt genug für Zeitungsartikel über sie geworden waren – hätte ich mal besser vor 25 Jahren entsprechende Abmachungen mit Freundinnen und Freunden getroffen.

Eigentlich war das Schüsselchen als Wassertränke gedacht (manche Meise nutzt es auch), doch es kamen immer wieder Wespen vorbei und waren faszinierend zu beobachten.

Als es auf dem Balkon schon zu warm für angenehmen Aufenthalt geworden war, stand der Übernachtungsgast auf – und beichtete heimlichen Familiennachzug: Ihre beiden Kinder hatten keine Übernachtungsgelegenheit nach dem Familienfest gefunden, da hatte sie sie mitgebracht. Ich schickte sie natürlich sofort ins nächstgelegene Ankerzentrum, wo kommen wir denn da hin.

Tatsächlich kannte ich die beiden und freute mich sehr über ein Wiedersehen. Ich holte mit der Freundin Frühstück in der Boulangerie in der Hans-Sachs-Straße und war erstaunt, wie heiß es schon wieder geworden war. Daheim setzten wir uns alle um unseren Tisch, frühstückten Epí und Brioche, und eines der Kinder erklärte mir nicht nur die Verwandtschaft zwischen Wespen und Ameisen (es hält bei sich daheim eine Kolonie von letzteren), sondern auch, dass die Wespen an der Wasserschüssel auf dem Balkon keineswegs tränken – Flüssigkeit nehmen sie über Nahrung auf -, sondern Wasser tanken, um zusammen mit zerkautem Holz Baumaterial für ihre Nestern herzustellen. (Das Kind wusste zudem eine Menge Spannendes über Schmetterlinge, Falter und Spinnentiere.)

Der Besuch zog weiter, ich stellte eine Waschmaschine voll dunkler Wäsche an. Die ich, immer wieder mal was Neues, auf dem Balkon aufhängte; das untersagt eigentlich die Hausordnung, doch gestern war ich bei der großen Hitze sicher, dass ich nur wenige Stunden dagegen würde verstoßen müssen. Ich behielt Recht: Nach einer kurzen Siesta bügelte ich die Ernte der Woche inklusive der wenig vorher aufgehängten Kleidungsstücke.

Lesen im abgedunkelten Wohnzimmer, bis ich doch ein wenig raus wollte. Ich drehte (unter anderem zu Pokémonzwecken) eine Runde über den Südfriedhof – und war überrascht, dass eine Brise wehte und es nicht mehr so heiß war.

Zum Abendbrot briet ich mir Zucchini aus Ernteanteil und aß sie mit Nudeln und Tahini (Herr Kaltmamsell war aushäusig).

die Kaltmamsell

10 Kommentare zu “Journal Sonntag, 5. August 2018 – Familiennachzug mit Wespenkunde”

  1. Elfe meint:

    Herzlich gelacht bei der Passage übers Ankerzentrum, derart Heim-tückisches verhalten gehört gestraft – und nach dem gemeinsamen Frühstück trägt auch die Fiktion der Nichteinreise nicht mehr, oder? Wobei, Ihre weiteren Schilderungen legen nahe, dass es sich um Fachkräfte handelte!

  2. Hauptschulblues meint:

    H. hegt und pflegt Ameisen und Wespen. Letztere haben im Rollokasten und im Hochbeet beträchtlich große Nester gebaut. Sie wurden aber auch seit April angefüttert.
    Im Gartenhäuschen hausen seltene Wespen, die Feldwespen. Sie sind größer als die gemeine, haben einen längeren Hinterleib und sind friedlicher. Normalerweise siedeln sie in hohem Gras, 30 cm über dem Boden und bauen zwischen die Halme ihr Nest.
    Das meiste Wasser benötigen Wespen übrigens zum Kühlen des Baus.

  3. Nina meint:

    Warum um Himmels Willen darf man denn bei Ihnen qua Hausordnung keine Wäsche auf dem Balkon trocknen?

  4. Norman meint:

    Ich schickte sie natürlich sofort ins nächstgelegene Ankerzentrum…

    Vorbildlich!

  5. Berit meint:

    Das mit dem Balkon leuchtet mir auch nicht ein. Fühlen sich die Nachbarn durch Waschmittelgeruch gestört oder dürfte es nur keine Schlüppi sein?

  6. Trulla meint:

    Ich vermute, dass unter “Wäsche aufhängen verboten“ nicht der Wäscheständer fällt, den man von aussen gar nicht sehen kann, sondern wohl eher abenteuerlich gezogene Leinen ala Mittelmeerraum, an denen Laken und allerlei andere Teile lustig im Winde flattern. Das kann nämlich schon recht skurrile Formen annehmen und verschönert die Umgebung nicht besonders. Aber ich bin natürlich kein Maßstab, habe schon eine Abneigung gegen die riesigen Wäschespinnen in Gärten, von denen ich haarscharf ablesen kann, welche Unterhosen (Schiesser Feinripp?) der Nachbar bevorzugt. Das brauche ich nicht, weil mein Kopfkino dann startet und Weggucken gelingt nicht immer. Generell also ein Hoch auf die Wäschetrockner!

    Ich freue mich mit Ihnen über die Vorfreude auf den Rosentag! Lassen Sie es mal so richtig krachen! Das ist schließlich ein wunderbarer Anlass. Wie schwer allerdings die Organisation werden kann, habe ich vor ein paar Jahren erlebt, als ich 22 Adressen recherchierte, anhand einer alten Adressenliste meiner Abschlußklasse (nur Mädchen) für ein Klassentreffen 50 Jahre danach. Denn nur wenn sie nicht gestorben, ausgewandert oder mehrfach verheiratet waren, war es simpel.

  7. die Kaltmamsell meint:

    Die Hausordnung, Nina, Berit, lässt an einigen Stellen erkennen, dass das hier ein ganz feines Haus ist – und vor allem war: Wäsche am Balkon hatten feine Leute nicht, weil sie ihre Wäsche nicht selbst wuschen.

    Ich weiß noch gut, als wir vor etwa 15 Jahren eine Party in unserer Wohnung feierten und die Nachbarn per Briefe in die Briefkästen darauf vorbereiteten (hier wird über Briefe mit Nachbars kommunizierte, nicht per Zettel an der Wand): Das Hausmeisterpaar (das seit vielen Jahren nicht mehr lebt) wies höflich darauf hin, dass eine Party im Haus eigentlich nicht üblich sei, man feiere aushäusig.

  8. Sandra meint:

    Im Sommer schalten Sie den Trockner an oder verlangen dies, damit Sie die Unterwäsche Ihrer Nachbarn nicht sehen müssen, Trulla??? Kann ich nicht nachvollziehen. Eine Nachbarin beschwerte sich auch mal darüber dass sie aus dem 1. Stock sonntags die Wäsche der Familie gegenüber sehen muss, denn Sonntag sei ja Besuchstag und deshalb würde man da keine Wäsche raushängen. Fand ich genauso seltsam und meine, man hat doch auf seinem eigenen Grund genug zu gucken.

    @Kaltmamsell: Interessante Info zu den Wespen. Wir dachten auch immer, dass sie trinken kommen.

  9. Trulla meint:

    @Sandra: ach nein, ich verlange gar nichts, ich habe nur meine ganz persönliche Abneigung geschildert, ist eben eine meiner kleinen Marotten. Unterwäsche fällt für mich schon unter Intimleben.

  10. Elisabeth meint:

    Liebe Frau Kaltmamsell, was für eine unwilde Welt: man feierte also „aushäusig“. Schon sehr interessant, wieviele ungeschriebene Regeln hier so galten (gelten?). Ich frage mich bei solchen Anekdoten immer, wie es wohl deutschen Neubürgern im Irrgarten guten Deutschseins gehen mag und werde ganz still und demütig, da ich die vielen Stolperfallen als zufällig Geburtsdeutsche ja nie selbst umschiffen musste. Gleichzeitig regt sich aber immer das Krawallweibchen: „Ihr könnt nicht in eurem eigenen Zuhause feiern? Dann zeig ich euch halt, wie’s geht *fauch, kratz*.“ Und ja, trotzdem/ deshalb informieren wir die Nachbarn vorab per Briefkasteninfo, man hat ja in Ü30-Jahren zufälligen Deutschseins ein paar Normen mitgenommen. Übrigens weiterhin viel Vorfreude bei Ihrer privaten Partyplanung zum Rosentag:-)

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