Archiv für Oktober 2018

Journal Dienstag, 30. Oktober 2018 – Zeit der Granatäpfel und Datteln

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Auf dem Weg in die Arbeit (in Dämmerung) stellte ich fest: Der neue Janker ist wärmer als der alte – was so ein bisschen Futter ausmacht.

Der Muskelkater verlagerte sich ganz ins linke Bein und Gesäß, dafür wurde das rechte katerfrei.

Auf dem Heimweg (im Dunkeln) umfangreiche Obsteinkäufe beim Verdi, es ist wieder Zeit der Granatäpfel und Datteln. Zu seiner großen Bestürzung stellte Herr Kaltmamsell beim Abendessenkochen fest, dass er den Milchbestand im Haus so weit hatte absinken lassen, dass nicht genug für den Milchkaffee am Mittwochmorgen da war. Ich ging nochmal kurz raus, um dem abzuhelfen (Priviliegien des Innenstadtlebens), doch der arme Mann blieb erschüttert.

Früh ins Bett, um im Galbraith-Krimi The Silkworm weiterzulesen.

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Schwanzvergleich gibt’s auch in Königinnenhäusern: DIADEME!
Das niederländische Königspaar war bei den britischen Königs zu Besuch, und es gab ein Galadinner. Wahrscheinlich waren auch Männer geladen, aber auf die hat eh keiner geschaut, weil DIADEME! Eines waffenscheinpflichtiger als das andere. Die Fugly-Damen zeigen eine schöne Zusammenstellung und verlinken im Eingangstext alle einschlägigen Quellen zum Hintergrund der Riesenviecher auf den hochadligen Frisuren:
„Maxima Gives Us The Giant Tiara We’ve Longed to See“.
(Ich stelle mir vor, wie die Damens hinter den Kulissen mit den Herren um die Wette bämseln um herauszufinden, ob Orden oder Juwelen lauter klimpern.)

Journal Montag, 29. Oktober 2018 – Neuer Janker

Dienstag, 30. Oktober 2018

Erinnern Sie sich noch, wer sich am Sonntag beim Langhanteltraining so freute, dass sie so viel heben konnte wie zuvor? Das war dieselbe, die gestern beim Aufstehen dachte, „Och, wenn der Muskelkater so wenig bleibt, geht’s ja noch“, um sich im Laufe des Vormittags immer mehr wie ein schlecht eingestellter Android zu bewegen, weil ihr Muskelkater nichts Anderes zuließ. ABER DAS WAR’S WERT!
(Und ich hatte schon schlimmere Muskelkalter.)

Der Regen hatte aufgehört, es blieb nasskalt und hochneblig.

Ein geschäftiger Tag, viel Lehrreiches über Menschen.

Gerade als ich das Bürohaus verließ, setzte wieder Regen ein, aber in gemächlichen Tropfen, ich kehrte nicht nach einem Schirm um. Über einen Stopp bei der Post ging ich endlich einen neuen Janker kaufen. Der Einkauf dauerte fünf Minuten:
Ich deutete auf den uralten Janker, den ich trug: „Ich hätte gerne so einen Janker, bloß ohne Löcher und neu.“
Zwar musste ich die Verkäuferin erst von den reizenden Damenjacken Richtung Herrenware lotsen, dann waren wir aber sehr schnell bei einem passenden Exemplar, nicht ganz dasselbe wie mein altes, ein wenig modischer (aber die ganz schlichten waren lediglich Strickjacken und damit zu winddurchlässig), sogar gefüttert. Wieder ein paar Jahre Ruhe. Seit ich mir von meiner Oma als Studentin mit Anfang 20 einen Janker spendieren ließ (ich hatte erkannt, dass der zur Grundausstattung gehört, meine Oma unterstützte mich bei vernünftiger Kleidung großzügig), war ich nie mehr ohne. Aber erst einmal so lange mit einem abgewetzten, löchrigen unterwegs wie diesmal.

Daheim holte Herr Kaltmamsell das Sonntagsessen nach (er hatte sich am Vorabend recht kurzfristig daran erinnert, dass er ja verabredet war): Rehrücken mit Wirsing.

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Ich sehe vor allem die Vorteile Öffentlich-Rechtlicher Medien. Dazu gehört das Unterhalten von Bewegtbild-Archiven (immer wieder sensationell, was der Bayerische Rundfunk für Dokus da rausholt – oder Historikerinnen bietet), und das Ermöglichen von anstrengenden Auslands-Drehs. Zum Beispiel den von Golineh Atai, ARD-Studio Moskau, in Uskekistan. Hier berichtet sie über die Mühen:
„Zwischen Licht und Schatten – Drehreise in ein verschlossenes Land“.

via @katrinscheib

Den erwähnten Weltspiegel-Bericht hatte ich sogar zufällig gesehen – mit der Ahnung, unter welchen Schwierigkeiten er entstanden war.

Journal Sonntag, 28. Oktober 2018 – Zurück zur Langhantel

Montag, 29. Oktober 2018

Morgens so flugs alle Uhren auf Winterzeit gestellt, die das nicht von allein gemacht hatten, dass Herr Kaltmamsell vormittags irgendwann ankam: „War da nicht irgendwas mit Winterzeit?“ Ich setzte zur Erklärung an, er wehrt ab: „Ich will’s gar nicht wissen.“

Das Wetter war immer noch grässlich (kalt, durchgehender Regen in verschiedenen Stärken). Wie passend, dass mein Sportverein per Newsletter angekündigt hatte, es werde es am Vormittag eine extra Hot Iron-Stunde geben. Ich nutzte die Gelegenheit, nach Monaten mal wieder in den Verein zu gehen (gehindert hatte mich nicht nur der Sommer, sondern auch ein umfassender Umbau) und zudem wieder mal Langhanteltraining zu treiben.

Durch den gleichmäßigen Regen spazierte ich zur Turnhalle, zum Aufwärmen ein wenig Crosstrainer, ein wenig Rudern (wie vor Umbau auf der Galerie über der großen, historischen Halle – die allerdings noch bodenlos und eine Baustelle war). In der kleinen Turnhalle baute ich meine Hot Iron-Station auf (Step, Langhantel, Gewicht-Scheiben, Bodenmatte). Die Stunde begann mit Verzögerung, da erst mal Strom für Musik und Vorturnerinnenverstärkung rangeschafft werden musste: die Sicherung war wohl am Vorabend rausgeflogen. Klappte aber.

Das Training machte nicht nur so viel Spaß wie immer, ich hatte auch durch die Pause fast keine Leistungsfähigkeit verloren: Das regelmäßige Krafttraining daheim scheint zu wirken. Allerdings hatte ich bereits vergessen, dass ich ja jetzt nicht mehr nur unter Frauen Gewichte hob: Wie es das Stereotyp will, müssen manche Männer beim Heben stöhnen.

Daheim geduscht, zum Frühstück servierte Herr Kaltmamsell Rührei mit Käse und frischem Estragon auf Crumpets von Samstag, außerdem hatte ich Laugenzöpferl mitgebracht.

Für den Nachmittag hatte ich mir Kinobesuch vorgenommen, doch dann arbeitete ich mich an einem Geschenk für meine Mutter fest. Das bereitete mir großes Vergnügen, außerdem tauchte ich nochmal in das Leben eines lieben Menschen ein (Kryptik wegen möglichen Mitlesens).

Es war schon dunkel, als ich zur Wochenendzeitung griff. Abends war Herr Kaltmamsell aushäusig mit Freunden verabredet. Ich kochte weiteren Ernteanteil weg, indem ich Karotten und Fenchel andünstete, restlichen Estragon und gekochten rote Reis untermischte. Sehr gut!

Journal Samstag, 27. Oktober 2018 – Schlaraffentag drinnen

Sonntag, 28. Oktober 2018

Ein kompletter Drinnentag – ohne Kranksein hatte ich das schon sehr lange nicht mehr.

Wobei… ein wenig Kranksein war anfangs schon dabei: Der viele Wein am Freitagabend zog dann doch eine nächtliche Migräne-Attacke nach sich. Ich nahm eine Dosis Triptan und schlief lange.

Draußen regnete es, den ganzen Tag und beständig. Ich strich meine Laufpläne (manchmal zieht es mich auch bei Regen raus, gestern nicht), statt dessen strampelte ich eine große Runde auf dem Crosstrainer, gemischte Filmmusik auf den Ohren. Herr Kaltmamsell ging während dessen Einkaufen.

Zudem war gestern Schlaraffentag: Herr Kaltmamsell hatte weitreichende Kochpläne. Da im Ernteanteil Spinat war, hatte ich mir zum Frühstück Eggs florentine gewünscht, oder wie Herr Kaltmamsell es nannte: ein Vier-Herdplatten-Frühstück.

(Das drunter sind selbst gemachte Crumpets.) Diesmal war es besonders gelungen und schmeckte köstlich. Der volle Bauch machte mich schon wieder bettschwer: Ich wartete lediglich das Ende des Waschmaschinendurchgangs ab, hängte Wäsche auf und legte mich ins Bett zu einer Siesta.

Zu dem vage geplanten Spaziergang am Nachtmittag hatte ich dann doch keine Lust und las statt dessen im Sessel Alan Bradley, The Sweetness at the Bottom of the Pie fertig, aß dazu ein paar Sterne-Herzen-Brezel-Lebkuchen. Das Buch ist ganz nett, aber die Figuren kamen mir in keiner Weise nahe.

Schlaraffentag, Teil 2: Zum Nachtmahl wollte Herr Kaltmamsell ein Rezept von Käse-gefüllten Hühnerhackbällchen ausprobieren, er servierte die (vor allem für unsere Verhältnisse) kleine Portion mit Tatsoi aus Ernteanteil. Nachtisch waren dann Îles flottantes in sättigender Menge, sehr gut.

Journal Freitag, 26. Oktober 2018 – Versehentliche Prozessverbesserung und feines Essen

Samstag, 27. Oktober 2018

Seit einigen Jahren schminke ich nur noch Augen und Lippen, nämlich seit ich festgestellt habe, dass auf meiner Haut nicht nur Make-up, sondern oder auch nur Puder die Falten betonen – wenn nicht sofort, dann nach der einen oder anderen Stunde. Rouge hat sich erübrigt, ich finde meinen Teint auch so frisch genug.

Dieses Augenschminken folgte etwa 20 Jahre lang demselben Ablauf: Flüssigen Lidstrich aufpinseln (ich habe zahlreiche neumodische Auftragsysteme für Lidstrichflüssigkeit probiert, für alle bin ich zu doof), trocknen lassen. Während dessen creme ich mich, föhne die Haare, ziehe mich an. Dann farbigen Kajal ins untere Lid, Wimpern mit Wimpernzange biegen, Wimpern tuschen. Der Lidstrich musste erst trocknen, weil ich ihn sonst mit der Wimpernzange verwischte oder löschte.

Vergangene Woche war ich eines Morgens gerade vollständig angezogen beim Schritt Wimperzange, als mir mein Anblick im Spiegel seltsam vorkam: Ich hatte den Lidstrich vergessen. Also schminkte ich erst die Wimpern fertig und holte den Lidstrich nach. Da fiel mir auf, dass ich mit dieser Abfolge die Pause fürs Trocknenlassen vermeiden konnte.

An den Folgetagen blieb ich bei der Versehensreihenfolge Kajal, Winpernzange, Tuschen, Lidstrich und habe möglicherweise meine Morgentoilette dauerhaft optimiert.

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Der gestrige Tag war in München deutlich milder als angekündigt, weit entfernt von Handschuh-Temperaturen.

Heimweg in goldener Abendsonne.

Zum Abendessen führte ich Herrn Kaltmamsell vom VG-Wort-Geld aus (Belohung für seine Dienste als Blogheinzelmännchen), ich hatte einen Tisch im Landersdorfer und Innerhofer reserviert. Wir spazierten zu Fuß hin, liegt ja praktisch ums Eck.

Im Landersdorfer und Innerhofer gibt es nur ein Menü: Abgefragt wird vorher lediglich, was man nicht isst, unterwegs kann man Gänge auslassen oder dazu wählen. Unter anderem wegen des Überraschungscharakters ließen wir uns mit Weinen begleiten (die fast durchwegs wunderbar passten, zu denen es allerdings wenige Informationen gab, und im vollbesetzten Lokal wollte ich die – freundliche und aufmerksame – Bedienung nicht durch Fragen aufhalten).

Das Kürbisschaumsüppchen als Gruß aus der Küche schmeckte großartig: Herr Kaltmamsell vermutete, dass es neben Safran und Steinpilzen Zitronengras (oder Limonenblätter?) aromatisierte.

Das Lachssashimi war uns zusätzlich zum Menü als Vorspeise angeboten worden. Es war hervorragend, der gereifte Grüne Veltliner aus der Wachau verstand sich prächtig mit dem Ingwer, zudem merkte ich mir die Kombination scharfer Kresse mit Avocado.

Die Wachtel auf Kürbisragout fand ich den am wenigsten interessanten Gang, den Kürbis hätte ich nicht mal erkannt. Im Glas wieder ein Veltliner, deutlich frischer.

Der Kabeljau mit Paprika wiederum schmeckte hervorragend und passte schön mit dem Charonnay im Glas zusammen.

Dann wurde uns ein weiterer Zwischengang angeboten: Pasta mit Trüffel. Herr Kaltmamsell war mein Gast und durfte entscheiden: Ja, bitte.

Dazu ein weiterer österreichischer Chardonnay. Die Pasta allerings erinnerte mich lediglich von Fern an die besten Linguine mit Trüffel meine Lebens, die ich in Butter schwimmend bei der inzwischen geschlossenen Marietta bekommen habe.

Lende mit Kartoffelpüree und Bohnen, ganz klassisch. Dazu eine Cuvée (Cabernet Sauvignon, Sangiovese, Merlot) aus der Toskana.

Als Nachtisch entschied sich mein (schon sehr müde werdender) Gast für Süßes (Alternative wäre Käse gewesen).

Grießflammerie und Mangoeis, sehr gut. Dazu gab es einen Riesling-Süßwein, der sehr wenig süß war, aber deutlich gealtert: Das war schon keine Petrol-Note mehr, sondern eine ausgewachsene Tankstelle in der Nase. Inklusive Windschutzscheibenreiniger.

Nun musste ich den Herrn nur noch nach Hause bringen. Und er mich.
Die zehn Minuten vom Hinweg waren deutlich länger geworden.

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Am Donnerstag gab’s diese Pressemeldung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR:
„DLR-Billigfliegerreport
Billigflieger mit breitem Wachstum und leicht steigenden Preisen im Sommer 2018“.

Da war ich noch gespannt, ob die Presse bei der Verwendung des Materials eine Brücke zum Klimawandel schlagen würde.
Doch dann passte diese Meldung des manager magazins viel besser dazu:
„Ryanair beschäftigt Flugbegleiter offenbar illegal“.
via @flueke

Ich kenne vor allem das Misstrauen von Käuferinnen und Käufern bei Preisen, die ihnen zu hoch erscheinen: Sie fühlen sich betrogen und ausgenommen. Man sollte sich viel öfter bei scheinbaren Schnäppchenpreisen fragen: Wer zahlt hier drauf, damit das so billig sein kann?

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Eine konstruktive Folge von #Metoo:
„How HBO Is Changing Sex Scenes Forever.“

In the wake of #MeToo, the network hired an intimacy coordinator to make the filming of sex scenes on ‘The Deuce’ safe for all. Now, they’re doing it for every show and movie they produce.

Falls Sie sich fragen, wozu’s sowas braucht:

“With intimate moments, from kissing to intense sex scenes, it’s been the practice [for directors] to just say ‘Whatever you’re comfortable with, just go for it,’” Rodis says. “But if you’re not giving someone a map or an exit or a voice, just asking actors to roll around and get off on each other, are you asking your actors to do sex work? Or tell a story with their movements?” She adds, “If your set doesn’t have an intimacy coordinator, at best, you might not be able to tell the story you wanted to tell. At worst, you have actors who are being physically assaulted.”

via @ankegroener

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Seit vergangener Woche gibt ein neues Online-Portal zum Thema E-Mobilität, emobly. Aktuell empfehle ich einen Kommentar, der (mit deutlich mehr Fachkenntnis) meinen Wutausbruch von April 2017 über die deutsche Automobilindustrie aktualisiert.
„Kommentar: Im Nebel ruhet noch die alte Auto-Welt“.

Ceterum censo (das ist allerdings nicht das Thema des Portals), dass die Zukunft der Mobilität nicht ohne grundsätzliches Hinterfragen des individuellen Autobesitzes funktionieren wird.
Und bitte sagen Sie mir, dass die Taktik der Automobilindustrie „Wer mehr neue Autos kauft, macht die Luft besser!“ mittlerweile überall nur auf Kopfschütteln bis Gelächter stößt. (Schöner Faktencheck des Umweltbundesamts.)

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Netter Schwank:
„Why the NSA Called Me After Midnight and Requested My Source Code“.
via @hatr

Bei dieser Gelegenheit warne ich Sie besser gleich mal: Wenn Sie ein Telefonat mit mir mit „Please listen carefully and don’t hang up“ eröffnen, müssen Sie sich erst mal ein paar Takte Musik vorsingen lassen. Dann kann ich zuhören.

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Über die Show Queer Eye habe ich schon viel gehört. (Auch das reicht nicht, dass ich mir Netflix zulege: Ich weiß einfach, dass ich nicht fernsehe, live oder aufgezeichnet.) Zumindest einen kleinen Einblick konnte ich hier bekommen: Hasan Minhaj, der Host der neuen Show Patriot Act wird von Tan France aus der Show Queer Eye eingekleidet. Interessantes Nebenthema: Zwei TV-Stars, die sich als brown definieren, treffen aufeinander.

Journal Donnerstag, 25. Oktober 2018 – Ausschau nach Eventmanagement

Freitag, 26. Oktober 2018

Früher Wecker für eine Runde Hantelschwingen mit Fitnessblender: schön, aber überraschend anstrengend für die Schultern.

Der Herbstwind hatte sich gelegt, hinterließ einen bunwolkigen Himmel, durch den immer wieder die Sonne schien. Es ist immer noch viel zu trocken in ganz Deutschland.

Nach der Arbeit Treffen im Café Marais mit eventuellen Managerinnen des großen Fests, eine erfreuliche Begegnung. (Und eine Erinnerung ans herrliche Café Marais, an dem ich regelmäßig vorbeispaziere, das ich für Verabredungen aber dann doch immer wieder vergesse.)

Daheim erst mal alle Nägel entlackt und gekürzt. Musste dringend mal wieder sein: Ich mag es gar nicht, bei der Körperpflege an mir runter zu sehen und auf halb abgeschubberten Zehennägellack zu blicken. Und wenn ich den Lack von den Zehen entferne, nimmt die Nagellackentferner-Flüssigkeit eh etwas vom Nagelhärter auf meinen Fingernägeln mit, also kann ich die auch gleich machen.

Das Nachtmahl bestand aus einer großen Schüssel Ernteanteil-Salat, Eiscreme, Schokolade.

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Technik-Bashing, das im Grunde Veränderungs-Bashing ist, ignoriere ich inzwischen meist mit einem Achselzucken. Das ist nun auch nicht konstruktiv, und so bin ich froh, dass manche immer wieder darauf hinweisen, welchen Schaden dieses Bashing anrichtet, z.B. Sascha Lobo:
„Das Smartphone ist an allem schuld, Ausrufezeichen!“

Wenn man der Jugend vorwirft, sich nicht länger dieser altertümlichen Technik zu unterwerfen, wirft man ihr eigentlich vor, nicht zu sein wie man selbst. Insbesondere dort, wo es veralteten, heute irrelevanten Gewohnheiten entspricht. Ja, Urgroßvater kannte noch die Zügelsignale, mit denen man Pferde lenkte, warum wendest du sie nicht in Deinem Elektroautomobil an, Marie?

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Bei uns geht vermutlich erst nächste Woche der Endspurt der Lokalteile mit Friedhofsthemen zu Allerheiligen los. Bleibt noch genug Zeit, diese Geschichte aus dem Wall Street Journal zu übersetzen oder zu lokalisieren:1
„Disney World’s Big Secret: It’s a Favorite Spot to Scatter Family Ashes“.
via @sixtus

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Wieder eine atemberaubende Bildstrecke im Atlantic: Zum Tag der Büchereien vorgestern werden besondere Bibliotheken auf der ganzen Welt gezeigt.
„Browsing the Stacks: A Photo Appreciation of Libraries“.

Mein Liebling: 11. Das Büchereipferd!

  1. Jaja, ich weiß, Letzteres ist in Deutschland schwierig weil Bestattungspflicht. []

Journal Mittwoch, 24. Oktober 2018 – Herbstblätterwirbel im 10. Stock

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Ein richtiger Herbsttag: So stürmisch, dass die bunten Blätter bis zu den zweistelligen Stockwerkszahlen des Bürogebäudes flogen und in der Ferne schwer zu unterscheiden war, ob da ein Vogel segelte oder ein Blatt. Aus dunklen Wolken regnete es immer wieder.

Das vermieste mir die Aussicht auf einen Fußweg nach Hause, die unangenehme Wanderetappe in windigem Regen war mir noch zu nah in Erinnerung. Ich nahm eine U-Bahn zum Stachus, wo ich meine angepasste Jeans abholte.

Sportzeug hatte ich gar nicht erst mitgenommen, obwohl ich seit Wochen im Kopf hatte, dass gestern Abend der ideale Wiedereinstieg ins Hot Iron-Training sein würde. Ich freute mich zu sehr auf einen ruhigen Abend daheim mit Herrn Kaltmamsell – der zudem indische Linsen mit Kartoffelwürfeln servierte.

§

In mir arbeitet immer noch eine Stelle des Gesprächs zwischen Emma Thompson und Mary Beard. Die beiden Frauen (eine kurz vor ihrem 60. Geburtstag, die andere ein paar Jahre dahinter) freuen sich darüber, dass sie sich bei sich und ihrem Frausein angekommen fühlen. Mary Beard erzählt, dass sie erst über 30 werden musste, bis sie sich eine Vorlesung halten hörte und dachte: Da spreche wirklich ich. Auch Emma Thompson erinnert sich, wie sie früher vor allem beruflich ständig in Verhältnis zu Erwartungen und Geschlechterrollen lebte – sei es ihnen folgend oder sich davon abgrenzend.

Ich fürchte, mir geht es da in vielerlei Hinsicht umgekehrt. Aus schierer Naivität und und aus Idealismus war ich beruflich sehr lange selbstvergessen und bin einfach voran marschiert. Im Studium (Referate!) und als Dozentin fühlte ich mich ausgesprochen selbst – und bin mir gleichzeitig der Gefahr bewusst, dass ich das lediglich nachträglich so hinsortiere; zum Beispiel habe ich lange erzählt, wie befreiend beim Schritt in die freie Wirtschaft die Leistungserlaubnis war: An der Uni musste ich immer vorsichtig mit dem Anbringen von Ideen und meinem impulsiven Enthusiasmus sein, in der PR-Agentur wurde genau das gefeiert, ich konnte dort das Tempo immer weiter aufdrehen (bis kurz vor der Selbstzerstörung.) Es ist erst heute, dass ich mit Abgrenzen vor Erwartungen beschäftigt bin und mich so zurückgezogen habe.

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Wenn zwei Frauen zusammen Mütter werden – ist das zumindest in meiner Welt zwar nicht Routine, aber auch nicht DIE Sensation. Anders anscheinend für die eine oder andere Hebamme. An eine davon sind Bette und ihre Frau im Geburtsvorbereitungskurs geraten:
„Rosa-Hellblau.“


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