Journal Donnerstag, 14. Februar 2019 – Beifang aus dem Internetz

Freitag, 15. Februar 2019 um 6:57

Gut geschlafen, das darf so weitergehen.
Schöner Weg in die Arbeit, es sind weitere Sonnentage angekündigt.

Ruhiges Arbeiten ohne zu viele Unterbrechungen (die ja Teil meiner Arbeit sind).
Zur Brotzeit unter anderem einen sehr köstlichen Granatapfel. Ich werde Granatäpfel vermissen, bis zum nächsten Lieblingsobst Erdbeeren ist noch lang. Diese Saison mögen mich Zitrusfrüchte einfach nicht begeistern

Nach Feierabend Treffen zum großen Fest, ich lernte unter anderem, welcher Handgriff zu welchen Gewerk gehört.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Nudeln mit Lauch aus gestern geholtem Ernteanteil.

§

Ausführlich recherchiertes Feature im New York Times Magazine:
„The Secret History of Women in Coding“.

Mit vielen schönen Einzelgeschichten über Programmiererinnen, diese verlinkte empfehle ich besonders.

Hier eine aus den USA der 50er:

Wilkes happened to have some intellectual preparation: As a philosophy major, she had studied symbolic logic, which can involve creating arguments and inferences by stringing together and/or statements in a way that resembles coding.

(…)

When the number of coding jobs exploded in the ’50s and ’60s as companies began relying on software to process payrolls and crunch data, men had no special advantage in being hired. As Wilkes had discovered, employers simply looked for candidates who were logical, good at math and meticulous. And in this respect, gender stereotypes worked in women’s favor: Some executives argued that women’s traditional expertise at painstaking activities like knitting and weaving manifested precisely this mind-set. (The 1968 book “Your Career in Computers” stated that people who like “cooking from a cookbook” make good programmers.)

In den 80ern kam der große Umbruch durch die Verbreitung des Home PCs und dessen an Buben gerichtetes Marketing: Jetzt wurde an den Universitäten nur noch denen Talent fürs Programmieren zugeschrieben, die zu Studienanfang bereits Programmiererfahrung hatten – und das waren fast ausschließlich Männer.

“It’s all this loosey-goosey ‘culture’ thing,” says Sue Gardner, former head of the Wikimedia Foundation, the nonprofit that hosts Wikipedia and other sites. After her stint there, Gardner decided to study why so few women were employed as coders. In 2014, she surveyed more than 1,400 women in the field and conducted sit-down interviews with scores more. It became clear to her that the occupation’s takeover by men in the ’90s had turned into a self-perpetuating cycle. Because almost everyone in charge was a white or Asian man, that was the model for whom to hire; managers recognized talent only when it walked and talked as they did.

(…)

In a 2016 experiment conducted by the tech recruiting firm Speak With a Geek, 5,000 résumés with identical information were submitted to firms. When identifying details were removed from the résumés, 54 percent of the women received interview offers; when gendered names and other biographical information were given, only 5 percent of them did.

(…)

If biology limited women’s ability to code, then the ratio of women to men in programming ought to be similar in other countries. It isn’t. In India, roughly 40 percent of the students studying computer science and related fields are women.

Ich muss da immer an meine Schwiegermutter denken, die als junge Frau in den frühen 60ern mit Kolleginnen für NCR beim Kunden Buchhaltungsmaschinen programmierte, bis sie genau das taten, was der Kunde wollte.

§

Eine Nebenwirkung der Geringschätzung der Programmiererinnen vor den 80ern: Sie wurden in wissenschaftlichen Veröffentlichungen nicht als Forscherinnen angesehen und genannt.
„The Women Who Contributed to Science but Were Buried in Footnotes“.

Der Atlantic berichtet über Emilia Huerta-Sánchez von der Brown University und Rori Rohlfs von der San Francisco State University, die dem nachgingen.

She and her colleagues found that in the 1970s, women accounted for 59 percent of acknowledged programmers, but just 7 percent of actual authors.

(…)

“This is an opportunity for us to think about the norms we use in authorship and other metrics of academic success,” says Rohlfs. Even today, there are no clear rules about how much work someone must do to become an author. A professor could email some data to a colleague and become an author. A lab technician could do enormous amounts of labor, without which experiments could never be done, and be ignored.

§

Bei dieser Gelegenheit (und welch schöner Übergang) eine Meldung vom Deutschlandfunk:
Im Januar stellten Lungenärzte in einem Papier die Wissenschaftlichkeit der aktuellen Grenzwerte für #CO2 und #NOx in Frage. Nach einer Zeitungsrecherche räumt der Initiator nun ein, er habe sich grob verrechnet – mangels Sekretärin.

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Och, und weil wir uns gerade eh in der schönen Welt der Wissenschaft tummeln: Astronom Florian Freistetter erklärt in den Scienceblogs:
„Warum ich wissenschaftliche Arbeiten von ‚Privatgelehrten‘ nicht prüfen kann“.

Daran ist gut zu sehen, wie Wissenschaftlichkeit in den Naturwissenschaften funktioniert. (Bekommen Germanistinnen auch Arbeiten von Privatgelehrten zugeschickt? „Warum Faust in Wirklichkeit von Schiller geschrieben wurde“? Oder Soziologinnen „Wie islamische Einwanderung Deutschland zerstört“? Spass, solche Arbeiten finden ja umgehend einen Verlag und erscheinen als Buch.)

In den Kommentaren übrigens der Hinweis auf eine Stelle, die sich gegen Geld solcher Ideen von Privatgelehrten annimmt: „Talk To A Scientist“. Allerdings auch dort: „No, we don’t review papers or proposals. We answer questions.“

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Abschließend noch was zum Gucken mit Kunst und Fotografie und Plastikverpackungen:
„Suzanne Jongmans’ Latest Work Recycles The Renaissance“.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu “Journal Donnerstag, 14. Februar 2019 – Beifang aus dem Internetz”

  1. lihabiboun meint:

    WOW – die Renaissance Plastik Nachbildungen sind wunderbar! Liebe Kaltmamsell, wissen Sie, woran man gute Granatäpfel erkennt? Müssen sie möglichst rot sein? Oder …. ? Ich bin da immer ganz unwissend.

  2. die Kaltmamsell meint:

    Bei der Granatapfelwahl, lihabiboun, fahre ich ganz gut mit dem Tipp, dass man reife an den weit gespreizten Spitzen unten erkennt. Derzeit, spät in der Saison, untersuche ich sie zusätzlich auf braunen Stellen an der Schale, die auf faulige Kerne innen deuten.

  3. lihabiboun meint:

    DANKE!!! Ich geh dann mal gleich, welche kaufen! Ich mische die immer unter alle möglichen Salate (Typ: Wilde Maus = was haben wir im Kühlschrank?) sehr fein.
    Schönes Wochenende!

  4. Norman meint:

    Diese Fotos kennen Sie dann vermutlich.

  5. die Kaltmamsell meint:

    Kannte ich nicht, Norman, vielen Dank für den Hinweis! Ich wünschte, es es gäbe solche Fotos auch von meiner Schwiegermutter.

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