Archiv für August 2019

Journal Freitag, 23. August 2019 – Luxemburg mit Freibad, Burgen und Fotos

Samstag, 24. August 2019

Wir hatten uns verhältnismäßig früh mit unserem Gastgeber zu einem Ausflug ins nördliche Hinterland verabredet, also stellte ich mir einen Wecker, um vorher den Donnerstag verbloggen zu können. Kaffee gab es aus einem Maschinchen im weitläufigen Wendeltreppenhaus des Appartmenthotels, der Espresso schmeckte gut. Draußen strahlte wolkenlos ein Sommertag, es waren hohe Temperaturen angekündigt.

Unser Gastgeber Joël hatte sich ein ganz persönliches Programm ausgedacht (und mir vor der Reise den Tipp gegeben, Schwimmzeug einzupacken): Um meiner Schwimmlust entgegenzukommen, fuhren wir mit seinem Auto eine Stunde über entzückende Örtchen nach Vianden, dort gibt es auf einem Berg ein Freibad mit 50-Meter-Bahn. Und vor allem mit einer sensationellen Aussicht.

Zwischen Freibadberg und der stattlichen Burg liegt ein Tal mit dem Ort Vianden, der allein schon sehenswert schnucklig war – und ganz anders als daheim aussah, was ein intensives Urlaubsgefühl erzeugte.

Das Becken war eine halbe Stunde nach Öffnung noch recht leer, so konnte ich auch ohne Teilungsschnüre Bahnen ziehen. Allseitiges Schwimmen, ich beschränkte mich auf 1.200 Meter, um nicht so lang zu verschwinden.

Nächster Programmpunkt war die Burg Vianden, eine der größten Europas, und wie ich unter anderem lernte, in den 1970ern und 1980ern von einer Ruine zur jetzigen Pracht rekonstruiert.

Besonders begeisterten mich einige der museumspädagogischen Konzepte. Zum Beispiel ein Raum ganz am Anfang der geführten Route, der auf der ersten Ebene der Burg die verschiedenen Bauschichten und -phasen der Anlage offengelegt hatte.

Darüber schwebte ein Gang, von dem aus man die Mauerschichten sah, die mit ebenfalls aufgehängten Tafeln erklärt wurden, auf dem man an wiederum aufgehängten Vitrinen mit Grabungsfunden vorbeikam.

Blick hinauf zur Kapelle.

Kapelle.

Blick hinunter zum Hinauffotopunkt.

Blick hinüber zum Freibad.

Von solch einer Burg hat man schon einen besonders weiten Blick. Zum Beispiel zur Staumauer.

Und natürlich auf den Ort Vianden.

Burg vor der Rekonstruktion.

In einem Raum auf der obersten Ebene war ein Modell der Burg zu sehen. Mit einer eigenen Augmented-Reality-App konnte man daran die Form der Burg durch die Jahrhunderte sichtbar machen. Ein Bild an der Wand bot in Kombination mit der App sogar die Möglichkeit, virtuell durch die Räume in verschiedenen Epochen zu gehen.

Im Café des Besucherzentrums aßen wir einen keinen Snack, bevor Joël uns in seinem Cabrio weiterfuhr: nach Clervaux.

Dort wird im Schloss die Fotoausstellung „Family of Men“ gezeigt,1 die Edward Steichen 1955 für das Museum of Modern Art in New York zusammengestellt hatte. Sehr interessant gehängt, manchmal nicht ideal ausgeleuchtet brachten mich die Bilder (viele alte Bekannte, aber auch sensationelles Neues) aufs Nachdenken über das Verhältnis von Fotografierten und Fotografierenden, auf die Wirkung scheinbar kontextloser Aufnahmen in diesem Kontext. Unter anderem.

Resultat: Ich bat Herrn Kaltmamsell innig, mich in möglichst jede Fotoausstellung im Kunstfoyer Versicherungskammer Bayern in München zu zwingen. So viele habe ich in den vergangenen Jahren an mir vorbeiziehen sehen, fast jede faszinierte mich, in keine einzige habe ich es geschafft. Weiteres Resultat:

Nach dem Besuch von Fotoausstellung muss man versuchen, ein besonderes Foto zu machen.

Joël fuhr uns zurück nach Luxemburg Stadt. Nach einem Stündchen Ausruhen spazierten wir durch Innenstadtgassen, -plätze, -straßen mit vielen Menschen vor Cafés und Restaurants zum Abendessen in die Weinbar Dipso. Auf einer herrlich romatisch gelegenen Terrasse gab es Sauvignon, dazu bretterweise Brotzeit.

Luxemburgisches.

Mediterranes mit viel Antipasti-Gemüse. (Und dann noch ein Käsebrett.)

Amüsement über die luxemburgische Version des bayerischen „Mia san mia“.

Heimweg in inzwischen nächtlicher Frische um halb zwölf, auf den Straßen und Plätzchen immer noch viel Feiervolk, Sommernacht.

  1. Angebot an die Macher der Website: Soll ich Ihnen das mal Korrektur lesen? []

Journal Donnerstag, 22. August 2019 – Luxemburg mit Parks, Verkehrsmitteln und EU

Freitag, 23. August 2019

München verabschiedete uns morgens mit Sonne. Am Bahnhof kauften wir Brotzeit beim Bäcker, setzten uns damit um halb neun in den ICE, der uns pünktlich nach Mannheim brachte. Die heutzutage wegen Verspätungsgefahr knapp bemessenen zehn Minuten Umsteigezeit dort reichten also bequem, eine Regionalbahn brachte uns nach Saarbrücken.

Schwäbische Alb sieht nach einem attraktiven Wandergebiet aus.

Augustfarben.

In Saarbrücken wartete unser Luxemburger Gastgeber mit Auto auf uns, praktischerweise hatte er hier gestern vormittag einen beruflichen Termin. Wir kamen also um die Suche nach dem Bus fürs letzte Stück nach Luxemburg herum. Um halb vier waren wir da.

Nach Einchecken in unserem „Studio“ eines Apartmenthotels trafen wir uns in der Gastgeberwohnung ums Eck auf einen Kaffee. Wir bewunderten die sehr schöne Wohnung mit weitem Blick über die umliegenden Hügel, bevor wir uns zu einem Spaziergang durch Parks und Verkehrsmittel Luxemburgs aufmachten.

Übergang zum einem der beiden Aufzüge, die Oberstadt und Unterstadt verbinden.

Aufzug von unten.

Pfaffenthal, durch das die Alzette fließt.

Nächstes Verkehrsmittel war die Standseilbahn, die vom Pfaffenthal hoch nach Kirchberg führt: Hier sitzen die EU-Behörden, hier liegen aber auch die neue Philharmonie, das Museum für moderne Kunst und wunderbar restaurierte Befestigungsanlagen.

Altes und neues Luxemburg auf einen Blick.

Blick von der Festung hinüber übers Tal auf die Oberstadt.

Mit der neuen, wunderschönen Tram und der Standseilbahn fuhren wir hinunter zum neuen Bahnsteig Kirchberg. Ein Zug brachte uns in den Stadtteil Dommeldange und zum Restaurant Grunewald, wo wir auf der Terrasse neben Kräutern und Weinstöcken saßen. Zwei Luxemburgerinnen und ein sympathischer Hund gesellten sich zu uns. Über Plauderei aßen wir gut, außerdem lernte ich den weißen lokalen Wein Auxerrois kennen.

Artischocke, Kabeljau aus dem Bananenblatt. Nachtisch war ein sehr zu Recht angepriesener Baba au rhum.

Eine Freundin des Gastgebers war mit dem Auto da und brachte uns alle zurück in die Stadt (ich ergatterte den Beifahrersitz inklusive Hundekuscheln).

§

Neue Folge von Sibylle Bergs Interviewreihe „Nerds retten die Welt“:
„Gespräch mit Elizabeth Anne Montgomery, Professorin für Pathologie und Onkologie an der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore, USA.“

Unter anderem über den Unterschied zwischen Pathologinnen in Fernsehserien und im Labor, die Rolle von KI in ihrer Arbeit, Fortschritte und Stagnation in der Krebsforschung.

Journal Mittwoch, 21. August 2019 – Bitte noch kein Herbst

Donnerstag, 22. August 2019

Morgens versuchte ich es wieder mit Schmerzmedikation – und in den darauffolgenden Stunden verschwand mein Hinken ganz, ich ging wieder mit Elan. Wenn das reproduzierbar wäre und ich die Angelegenheit mit 600 mg Ibu alle fünf Tage im Griff behalte – wäre das für die nächste Zeit wirklich klasse.

Emsiger Arbeitstag unter gemischtwolkigem Himmel, aus dem es auch mal regnete. Ich löste ein technisches Problem systematisch und konnte zu meiner Freude Kolleginnen damit weiterhelfen. Mich allerdings auch zum Vollhorst gemacht, weil ich die IAA in Hannover verortete statt in Frankfurt (das MAN-Girl ist immer noch stark in mir).

Mittags aß ich ein Laugenzöpferl sowie Latwerge mit Quark – ich werde mit etwas mehr Einsatz die eingekochten Zwetschgen 2018 wegfuttern müssen, bevor der Jahrgang 2019 anrückt.

Auf dem Heimweg Einkaufsabstecher in der neuen Mall auf der Theresienhöhe. Ich bin weiterhin gespannt, ob sich Kundschaft für all die Bekleidungs- Süßigkeiten- und Schnickeldi-Läden dort findet. Selbst kaufte ich in der Drogerie und im Vollcorner ein, die hier für mich wirklich praktisch liegen.

In meinem Internet werden seit Tagen Herbstanzeichen (Geruch, Licht) gesucht und gefeiert. Bei aller Liebe zum Herbst: Ich bin noch nicht so weit! Mir fehlen noch unter anderem: Maria Einsiedel, Hirschgarten, tinto de verano, mindestens fünf Balkonkaffees, mindestens zwei Eisdielen, Wassermelone mit Minze und Feta, etliche Sandalentage, Rosé auf dem Balkon, mehrere Wochen ganztägig offene Fenster.
Die Herbsterwartung mag hier in Bayern schon deshalb deutlich in den September verschoben sein, weil die Sommerferien bis dahin reichen.

Herr Kaltmamsell empfing mich wieder mit einem Festmahl.

Hähnchenbrust a la Kim mit gebratenen Pilzen und cremiger Polenta – köstlich. Dazu im Glas ein spanischer Sauvignon Blanc Saxum aus Rueda mit schönen Noten von Waldmeister und weißem Campino-Bonbon.

Kofferpacken für Luxemburg. Es ist durchgehend schönes Wetter angekündigt, ich beschränkte mich also auf Sommersachen.

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Nochmal von vorne und die ganze Geschichte. Mit – das ist fast das beste daran – sinnlichen Autorenfotos.
„Wir schafften es bis nach Amerika! So wurde #dichterdran zum Twitter-Phänomen“.

Auch lesenswert ist der Verlinkte Artikel im Atlantic zum Thema Feuiletonbewertungen von Schriftstellerinnen:
„The Hazards of Writing While Female“.

Ich musst sehr an The Power von Naomi Alderman denken, in dem ein fiktiver Schriftwechsel zwischen einem männlichen Autor und einer weiblichen Herausgeberin vorkommt – mit umgedrehtem Machtverhältnis, was sich deutlich auf die Tonalität auswirkt.

§

Wir dürfen nicht aufhören, das Gebaren von Donald Trump als komplett unakzeptabel anzusehen. Doch die Gefahr besteht, absurd Lächerliches auf dieselbe Stufe zu stellen wie Schädliches und Bösartiges. Dieser Tage hat Trump Dänemark öffentlich angeboten, ihnen Grönland abzukaufen. Und als die Regierungschefin öffentlich ablehnte, seinen Staatsbesuch dort im September abgesagt. Doch wenige Tage vorher musste ihm ein Bundesgericht untersagen, weiterhin internierten (!) Kindern (!) von illegal Eingewanderten Seife, Zahnbürsten und saubere Betten zu verweigern.

Sascha Lobo untersucht, was Trumps unablässige Grässlichkeiten in der Wahrnehmung anrichten können:
„Wir verlieren den Kampf um unsere Köpfe“.

Das Spektakuläre sticht das Schlimme. Keine neue Erkenntnis, dass Trump einen wahren Monstrositätenhagel niederprasseln lässt, in dem die einzelne Großmonstrosität in der Masse untergeht. Es handelt sich um eine erprobte, rechtsextreme Kommunikationsstrategie, weiter zu eskalieren, bis die schiere Menge der Monstrositäten unbewältigbar wird.

§

Doch nochmal Brexit. Schon ein bisschen her, aber immer noch schön: Die Geschichte der Rentnerin, die in England beim Beschreiben von Wänden mit Parolen gefilmt wurde.
„Pensioner worried about ‘wronged’ grandchildren sprawls anti-Brexit graffiti around town“.

She said: ‘Had I known I was being filmed I would have dressed up a bit more.’

Gute Öffentlichkeitsarbeit hat sie gleich mal für Außenwerbung genutzt.

Journal Dienstag, 20. August 2019 – Regen und Anstrengung

Mittwoch, 21. August 2019

Ein regnerischer Tag. Morgens kam ich noch schirmlos in milder Luft in die Arbeit, hatte aber zur Vorsicht Sandalen gegen Halbschuhe getauscht. Doch dann regnete es den Tag praktisch durch.

Menschlich anstrengender Tag, isch möschte das nischt. In so wenig Verantwortung kann ich mich gar nicht runterarbeiten, dass ich nicht vor Befindlichkeitskabbeleien davonlaufen muss.

Nach Feierabend hatte ich den nächsten Termin zum Reha-Sport. Die Gruppengymnastik war diesmal ein Witz: Frau Physio (eine andere als die letzten beiden Male, diese kam schon mal fünf Minuten zu spät, machte dafür fünf Minuten früher Schluss, blieben 20 Minuten für Gymnastik und Aufräumen) machte nur bruchstückhafte Ansagen, erklärte nichts dazu (wozu dient die Übung? wo soll ich die Bewegung spüren? worauf muss ich achten?), schaute nicht hin, korrigierte nichts (selbst als Laiin sah ich aus dem Augenwinkel gefährliche Fehlhaltungen) – da ist jedes YouTube-Video gründlicher.

Anschließend absolvierte ich meine Runde durch den Gerätepark, das 60-Minuten-Programm dauerte wieder knapp anderthalb Stunden. Nach der Schmerzpause am Wochenende ging es mir gestern den ganzen Tag schlechter.

Fußmarsch nach Hause durch zeitweiliges Tröpfeln. Daheim erwartete mich Herr Kalmamsell mit vielerlei Leckereien, ich öffnete zur Entspannung eine Flasche Bordeaux.

Scharfe Auberginen, Orecchiette mit Karottengrünpesto, Panisse in Weihnachtsausstecherleformen. Alles sehr köstlich und besänftigend.

§

Laurie Penny arbeitet seit einiger Zeit als Drehbuchautorin und hat aus dieser Erfahrung interessante Schlüsse gezogen:
„We Can Be Heroes: How the Nerds Are Reinventing Pop Culture“.

(Über die Rolle von Fan Fiction in gesellschaftlichen Entwicklungen hat Laurie Penny schon mal einen beeindruckenden Vortrag auf der re:publica gehalten.)
(Und ich liebe sie für Formulierungen wie „certain chin-strokers of the Twitter-fueled commentariat“.)

§

Weil wir gerade bei Drehbüchern sind. Sail Austerlitz schreibt über das Schreiben der Fernsehserie Friends.
„A Party Room and a Prison Cell
Inside the Friends writers’ room.“

via @ankegroener

Friends’ style was adapted from Seinfeld’s interlocked model, in which each episode had an A, B, and C plot (Carol is pregnant; Monica is cooking for her parents; Rachel has misplaced her engagement ring). This created the challenge of intertwining separate stories, but it also prompted an insatiable hunger for story lines. A single season of Friends would require seventy-two separate plots, each with its own introduction and resolution, each with its own array of jokes and emotional moments. And fully plotted stories would regularly be tossed out because they flopped in rehearsals or during a shoot. The sheer volume of polished material that the writers of Friends had to come up with placed inordinate pressure on the writers’ room to work in sync and to pick up each other’s slack.

Journal Montag, 19. August 2019 – Zug statt Flug ist anstrengend

Dienstag, 20. August 2019

Unruhige Nacht, in den frühen Morgenstunden gewitterte es heftig.

Auf dem Weg in die Arbeit brauchte ich zunächst einen Schirm, aber es war mild.

Dichter Arbeitstag, danach musste ich zum Bahnhof. Zu unseren Zugtickets nach Luxemburg hatte ich am Wochenende nämlich eine Nachricht bekommen: „Es liegen Fahrplanaenderungen zu Ihrer Verbindung vor“. Hinter dem Link standen für die Rückfahrt zwei zusätzliche Umstiege in Frankreich, wir hätten also von Luxemburg bis Saarbrücken bereits dreimal umsteigen müssen. Dazu suchte ich nach einer Alternative. Obwohl im Reisezentrum am Hauptbahnhof viel los war, musste ich nicht lange warten: Es waren zwischen 15 und 17 Schalter geöffnet, und das Wartenummernsystem ist wirklich praktisch (auch wenn die beiden freundlichen Herren an der Infotheke es während meiner Wartezeit ca. 15 Menschen erklären mussten). Ergebnis: Es gibt einen Schienenersatzverkehr statt der lustigen Zusatzumstiege, der halt nicht in der Online-Verbindungssuche aufgeführt war, wir müssen lediglich 15 Minuten früher abfahren.
(Aber: Wenn ich nicht zufällig in Fußweite zum Bahnhof wohnte, wäre das ein ziemliches Gefuchtel geworden. Es ist anstrengend den Eindruck abzuschütteln, man werde in fast jedem Detail für die Entscheidung Zug statt Flug bestraft.)

Anschließend holte ich in der Lebensmittelabteilung vom Hertie noch Obst und Gemüse für Bürobrotzeit sowie eine geschnittene Ananas und Schlagsahne zum Nachtisch.

Herr Kaltmamsell kochte uns zum Abendbrot Ernteanteilgemüse (Karotten, Lauch, Kartoffeln), ich bereitete eine Einbrenn für Geschmack dazu, das Ganze gab es mit Ernteanteilpetersilie vermischt.

§

Ein weiteres noch aufzuarbeitendes Kapitel der DDR- und Wiedervereinigungsgeschichte: Vertragsarbeiter. Erst kürzlich erzählte mir eine ehemalige Werkskrankenschwester aus Erfurt, wie komplett unvorbereitet und verschreckt sie die Menschen aus Mosambik erlebte. Von Vertragsarbeitern aus Vietnam und ihren Nachkommen in Deutschland hatte ich schon hin und wieder gelesen, gestern brachte mir Twitter den Link zu einem Artikel über Mosambiker:
„Die Ungehörten: DDR-Gastarbeiter aus Mosambik über Lohnbetrug und Rassismus“.

via @beck_zoe

„Ich bin mit leeren Taschen nach Hause gekommen. Man hatte gesagt, mein Geld ist in Mosambik“, so Macau. In seiner Heimat hieß es wiederum, das Geld sei in Deutschland geblieben. Es stellte sich schnell heraus, dass das Einkommen der Gastarbeiter mit den Staatsschulden von Mosambik an die DDR verrechnet wurde.

§

Ein wenig John Oliver:

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https://youtu.be/TATSAHJKRd8

Journal Sonntag, 19. August 2019 – Versagertag

Montag, 19. August 2019

Keines der Vorhaben für den Tag umgesetzt,1 nichts geschafft,2 keine unwiederbringliche Chance an diesem letzten Hochsommertag genutzt,3 nicht losgekommen.4
Bloß weil es mir morgens nicht so gut ging.

Nicht mal so richtig schlecht, ich hatte nachts Kopfweh gehabt, trotzdem schlafen können, aber morgens war das richtig böses Kopfweh. Ibu bewirkte auch nach einer Stunde nichts. Am liebsten wäre ich wieder schlafen gegangen, doch hatte ich plangemäß gleich nach dem Aufstehen meine Bettwäsche abgezogen, sie drehte sich jetzt nass und schaumig in der Waschmaschine. Ersatzsommerbettwäsche rauszukramen und das Bett damit zu überziehen erschien mir ungeheuer mühselig. Lieber teilte ich Herrn Kaltmamsell mit, dass ich übrigens den ganzen Tag so unfröhlich schauen würde, dass das hier nach dem wundervollen und heiteren Samstag übrigens ein Scheißtag werden würde, nur mal zur Klarstellung. Es war der letzte Hochsommertag angekündigt, doch ich würde halt weder die möglicherweise letzte Freibadschwimmrunde des Jahrs absolvieren noch einmal überhaupt mal ein paar Stunden im Naturbad Maria Einsiedel verbringen, sondern mich mit Versagensgefühlen und Bedauern herumschlagen. Zumal es mir mit der Zeit dann doch immer besser ging, ich gegen halb elf eigentlich fit genug für eine Schwimmrunde gewesen wäre. Versagerinverdacht bestätigt, ich war zu nichts zu gebrauchen.

Also nur Duschen und Pflegen, in kurzer Hose Abstecher zur Bank und Semmelholen, Rückweg in bereits erstaunlich heiß herunterprügelnder Sonne mit Umwegen.

Große Freude:

 

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Herr Kaltmamsell hat meine liebste* Schneekugel wieder zum Schneien gebracht! <3 <3 <3 *und einzige verbliebene

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Nach dem Frühstück war die Wäsche eigentlich durch und getrocknet, doch jetzt war ich nicht mal Siesta-müde. Ich setzte mich im Sessel auf den Balkon, las erst die Wochenend-SZ, bemerkte, dass mich das Spiel um die neue SPD-Führung immer noch nicht interessiert, las in den folgenden Stunden Min Jin Lee, Susanne Höbel (Übers.), Ein einfaches Leben zu Ende (na ja, historischer Hintergrund einer koreanischen Familie in Japan 1940-1989 schon interessant, aber sehr holzschnittartig erzählt; ein echtes Geschichtsbuch hätte mir mehr gebracht), unterbrochen von Gängen um ein weiteres Glas Wasser und Gucken, wenn ich Eichhörnchen im Baum hörte.

Zum Abendessen hatte Herr Kaltmamsell einen Gast geladen. Da der Putzmann erst am Montag kommt, sahen Küchenarbeitsbereiche und Bad unappetitlich aus, das änderte ich. Es gab Panisse und Wan Tans zur Vorspeise (mit einem grünen Salat von mir), chinesische Suppe mit Udon-Nudeln und diversen Einlagen als Hauptgericht. Im Tischgespräch erfuhr ich unter anderem Parallelen zwischen der Identifikation einer reifen Wassermelone und einer kranken Lunge durch Klopfen.

Im Bett das nächste Buch angefangen: Granta 148: Summer Fiction.

§

Wir werden wohl nie herausfinden, wie sich dieser ausgezeichnete Text von Schriftsteller Till Raether ausgerechnet in die Online-Brigitte verirren konnte (andererseits: Autorenvertrag?), aber hier ist er – eine interessante Einzelerfahrung von jemandem mit „leichten oder mittleren Depressionen“.
„Depressiv oder ’nur‘ unzufrieden?“.

Es gibt Depressive, die werden „hochfunktional“ genannt. Weil sie ihre Depression gerade noch überspielen können, und weil der hohe Energieaufwand, den sie das kostet, durchaus auch dazu führt, dass sie als fleißig und erfolgreich gelten.

Ich betone die Einzelerfahrung, denn es gibt auch andere Depressionsbilder und anderen Umgang damit.

§

In meinem Internet wurde vergangene Woche Angela Merkel dafür gefeiert, wie sie in Stralsund auf Angriffe eines AfD-Politikers reagiert hatte. Christian Stöcker analysiert klug, worin Angriff und Gegenrede eigentlich bestanden.
„Wie man mit Fanatikern redet – und warum“.

§

Ein Interview mit dem Soziologen Michael Hartmann mit Erkenntnissen, die die Einschätzung einiger Menschen erklären könnten, die traditionellen Medien würden sie belügen.
„Entfremdete Medienelite –
‚Soziale Herkunft prägt Berichterstattung'“.

via @holgi

§

Schlaue und kreative Cartoons auf instagram: glennztees.

via @formschub, der gestern mal wieder das Kalauersackerl umgeschmissen hat

  1. Na gut, die Bettwäsche ist gewaschen, die Sonntagszeitung ist aufgelesen, das aktuelle Pflichtbuch auch. []
  2. Na gut, der leicht abgeschubberte Zehennägellack ist renoviert, Haare und Körper waren sauber und gepflegt, Bad und Küche habe ich vor Abendessenbesuch halbwegs geputzt. []
  3. Na gut, den Nachtmittag lesend auf dem Balkon verbracht, einmal quer über den sonnenflimmernden Südfriedhof gegangen. []
  4. Na gut, ich war Semmelholen. []

Journal Samstag, 17. August 2019 – Ratzinger Höhe in anderer Begleitung

Sonntag, 18. August 2019

So gut geschlafen wie schon lange nicht mehr, ich stand berstend vor Energie auf.

Der Morgen war warm und trocken genug für Morgenkaffee auf dem Balkon.

Ich war zum Wandern verabredet, mit einer Freundin wollte ich am Chiemsee den Obst- und Kulturweg Ratzinger Höhe gehen.

Es war ein warmer Tag mit Wolken angekündigt, gutes Wanderwetter. Der Zug nach Prien am Chiemsee war rege genutzt, wir bekamen aber noch Klappsitze.

Die Route kenne ich inzwischen so gut, dass ich keine Beschreibung mehr brauche. Dennoch war ich im ersten Viertel verunsichert, als die Ausschilderung nicht der Wegführung in meiner Erinnerung entsprach – so sehr, dass ich dann doch mal auf der Karte nachsehen wollte. Dazu musste ich allerdings erst ein paar ungeduldige Minuten Funksignal jagen – um letztendlich festzustellen, dass wir genau richtig liefen.

Die Obstbäume am Weg hingen voller Früchte, wir sahen Äpfel in allen Farben und Größen, viele Birnen, zum ersten Mal bekam ich mit, dass auch zahlreiche Zwetschgenbäume den Obstweg säumen – die konnte ich allerdings nur anhand der Beschriftung unterscheiden, im Gegensatz zu den Äpfeln und Birnen sahen die verschiedenen Zwetschgensorten für mich sehr ähnlich aus. Das Wetter hielt sich an die Vorhersagen, nur selten kam auch die pralle Sonne heraus und brannte sofort unangenehm.

Anderen Wanderern begegneten wir kaum, dafür waren viele Raderlinnen und Radler mit und ohne Motor unterwegs.

Ich lief fast durchgehend schmerzfrei und freute mich sehr darüber, erst in der letzten Stunde meldeten sich wieder Hüfte und Bein – aber lang nicht so schlimm, dass ich mich plagen musste.

Ausblick von der Ratzinger Höhe, auf der wir rasteten.

Simssee.

Wir gingen die gut 18 Kilometer in fünf Stunden, kehrten abschließend in Prien ein.

Ich hatte eine für mich sehr seltene Lust auf Kässpatzen, gegenüber gab es Lachstartar.

Die Bahn zurück war ein wenig verspätet und wieder rege genutzt, diesmal saßen wir aber sogar auf richtigen Sesseln. In München holte ich mir auf dem Heimweg noch ein Eis zum Nachtisch.

Die Wanderung hatte mich angenehm ermüdet, ich ging früh ins Bett.


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