Archiv für Oktober 2019

Lieblingstweets Oktober 2019

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Journal Mittwoch, 30. Oktober 2019 – Beruhigung und Kälte

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Dann halt doch wieder eine schlechte Nacht, zum einen wegen Hüft- und Beinschmerzen, zum anderen wegen Bürosorgen – Aktuelles erinnert mich an Schlimmes vor vier Jahren.

Die einzige Idee, die ich zur Beruhigung hatte, war: Listen. Wenn ich Panik vor Kontrollverlust habe, schreibe ich Projektpläne. Die interessieren zwar niemanden, doch das Erstellen eines Projektplans bedeutet, die Aufgabe einmal im zeitlichen Verlauf durchdacht zu haben, nach vergleichbaren Vorläuferprojekten zu recherchieren und daraus zu lernen, Fehler nicht nochmal zu machen (sondern ganz neue). Und im besten Fall das Ganze mit einer erfahrenen Kollegin durchzusprechen, die bereit ist mitzudenken.

Arbeitsweg per Bus, der Tag blieb düster grau, doch es regnete nicht. Meine Arbeitspanik konnte sich zum Glück legen.

Mittags Rote Bete mit Joghurtsoße, die ich mir am Vorabend aus Ernteanteil gekocht hatte und zum größten Teil verarbeitet – den kleineren Teil gab es zum Nachtmahl. Nachmittags nochmal ein Stück Nusstorte, immer noch sehr gut.

Nach Feierabend spazierte ich nach Hause, Abstecher beim Vollcorner. Mit meiner mitgebrachten Milchflasche stand ich vergeblich vor der stählernen Kuh: Sie war außer Betrieb und musste repariert werde. Es war ganz schön kalt geworden, es ist Zeit für Mütze und Handschuhe (die ich nicht dabei hatte und vermisste).

Das letzte Stück meines Heimwegs war dann wieder arg schmezhaft und beschwerlich, ich will jetzt dann doch langsam bitte mal echte Besserung.

Abends hatte Herr Kaltmamsell auf meine Bitte Spaghetti mit Roter Bete gemacht, nach einem Rezept, das ich bei Frau Bruellen gefunden hatte.

Ich mochte es gern, dem Koch war es zu süß: „Das ist Nachtisch.“ Dazu gab es ein Glas Abschiedswein: Ab Donnerstagabend verschwindet der Herr wieder auf ein tagelanges Rollenspiel-Abenteuer (CoC, Pen&Paper).

Im Bett Juan Moreno, Tausend Zeilen Lüge: Das System Relotius und der deutsche Journalismus zu Ende gelesen. Ein fesselndes Zeitdokument mit klugen Abschlusskapiteln zu Storytelling und der Berechtigung verschiedener journalistischer Gattungen.

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Vanessa Giese hat einen ausführlichen und nützlichen Serviceblogpost verfasst: Wie man als Freiberuflerin auf den passenden Tagessatz kommt.
„Eine Fahrt nach Frankfurt und ein #serviceblog-Beitrag: Wie man einen Tagessatz ausrechnet“.

Journal Dienstag, 29. Oktober 2019 – Bürobelastung

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Gut geschlafen, dennoch nach über acht Stunden aus tiefem Schlaf gerissen. Herr Kaltmamsell (der keine Grippeschutzimpfung hatte) tauchte sogar erst deutlich nach sieben auf – und das, wo er sonst auch in den Ferien mit mir wach wird (trotz fünf Metern zwischen unseren Zimmern). Irgendwas beutelt uns beide.

Ich entschied mich nochmal für wunden-freundlichen ÖPNV in die Arbeit. Auf den nächsten Bus hätte ich lange warten müssen (wie nützlich diese Echtzeit-Anzeigen sind, es stand auch gleich der Grund „Verkehrsunfall“ dabei), also wechselte ich auf Tram und U-Bahn – 20 Minuten von Tür zu Tür.

Vormittags erfreute ich mich an einer langen Phase unbeschwerten, fast schmerz- und humpelfreien Gehens – ich klammere mich daran, dass das ein Indiz für die Möglichkeit einer Heilung ist.

Viel, dichte Arbeit ins Blaue hinein. Ein düsterer Tag, es regnete immer wieder.

Mittags eine Breze und ein Granatapfel mit Joghurt, nachmittags ein Apfel und ein Stück Engadiner Nusstorte.

Als ich gerade Feierabend machen wollte, kam noch ein Schwung Arbeit, die sehr wahrscheinlich zu einem Projekt wird, das mir Schlaf raubt.

Auf dem Heimweg große Unruhe am Sendlinger Tor, zu dem ein Feuerwehrauto nach dem anderen an-tatüt war; in der U-Bahn zum Stachus war bereits die Störung zwischen Sendlinger Tor und Kolumbusplatz durchgegeben worden: Eine U-Bahn war in der Wendeanlage aus dem Gleis gesprungen.

Einzelner Abend, da Herr Kaltmamsell aushäusig war. Nachtmahl für eine Person, das sich auch ohne große Vorräte machen lies: Rahmspinat aus der Gefriere mit löslicher Gemüsebrühe und Knoblauch zu einer Spinatsuppe erhitzt, zwei Eier darin stocken lassen. (Nicht Standard war das bisschen selbstgemachtes Harissa zum Verfeinern). Nachtisch: Sandwichtoast (ist auch nicht immer im Haus) mit Butter und Orangen-Marmelade.

Mein zustätzlicher Vorteil (neben einem gut ausgestatteten Zweierhaushalt) ist, dass ich allein gewohnt habe, seit ich 19 war und ab diesem Alter gerne und täglich für mich allein kochte. Ich hatte daheim nicht kochen gelernt, war aber neugierig auf all die unbekannten Supermarktdinge – und aß wirklich immer schon sehr gern. Dazu kamen ein knappes Budget: Ich kannte schon als Studentin kostensparende Tricks wie Hühnerbrühe aus dem gefrorenen Hühnerklein vom Penny (in dessen Kühltheke es auch günstige gefrorene Forellen gab) und hatte als Innenstadtbewohnerin Zugriff auf das geldbeutel-freundliche Obst und Gemüse der türkischen Händler. In meinem Freundeskreis zu Uni-Zeiten wurde oft reihum gekocht und eingeladen.

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Die schönste Geschichte im Internet stammte gestern von Hystricidae – sie erinnert sich an ihre katholische Kleinkindheit im bayerischen Hinternirgends ($Strunzöd).
„Der Ort, an dessen Rand ich aufwuchs, war klein und umgeben von noch kleineren Orten, deren Namen es nur in gelb auf grünem Grund gab.“

Journal Montag, 28. Oktober 2019 – Erster Spaghettikürbis

Dienstag, 29. Oktober 2019

Unruhige Nacht, unter anderem weil ich mich sorgte: Die genähte Wunde des kleinen operativen Eingriffs vom Montag wollte nicht heilen. Sie nässte, schmerzte und hatte am Sonntag wieder geblutet – sechs Tage nach Schnitt und obwohl meine Wundheilung sonst überdurchschnittlich schnell ist. Spätestens beim Bluten entschied ich, dass ich damit am Montagmorgen zur verantwortlichen Ärztin gehen würde; Sepsis-Bilder aus Weltkriegsfilmen (das schöne englische Wort gangrene) vor meinem inneren Auge ließen es mir egal sein, möglicherweise wegen Anstellens ausgelacht zu werden.

Ich schickte morgens eine E-Mail ins Büro, um meine Verspätung anzumelden – und sah bei dieser Gelegenheit, dass in meinem Berufspostfach zahlreiche Bomben eingschlagen waren. Auch das kein Gemütsaufheller.

In der Nacht hatte wie angekündigt das Wetter umgeschlagen: Es regnete und war deutlich kühler.

Dieses Motiv läuft auf meinem instagram unter #wazifubo (Wartezimmerfußboden).

Doch in der Artpraxis nahm man mich sofort ernst und schob mich ein (beim Warten hörte ich zwei Angestellte abwechselnd verzweifelt am Telefon und direkt erklären, dass es wegen verschiedener Ausfälle bis Januar keine Termine mehr gebe), die Ärztin war freundlich und geduldig. Ergebnis: „Kein Grund zur Sorge“, „keine Wundinfektion“, „leicht entzündet“, „kein Antibiotikum nötig“. Ich verließ die Praxis beruhigt und mit einem Rezept für Desinfektionsgel. (Am Sonntag hatte ich in Ermangelung von sowas zu Rasierwasser gegriffen. Nein, sehr schmerzempflindlich bin ich wohl wirklich nicht.)

In der Arbeit dann Turbulenzen, doch es ging einiges voran. Mittags nutzte ich zum ersten Mal die im Haus bereitgestellte Mikrowelle: Ich hatte mir vom vorabendlichen Wirsing, Kartoffelpü und Bratwurst mitgenommen, das wäre selbst mir kalt nicht so recht gewesen. Nachmittagssnack war ein Stück Engadiner Nusstorte.

Ich fühlte mich matschig und müde, nachmittags inklusive Kopfweh. Um halb fünf so sehr, dass ich Visionen von Hinlegen untern Schreibtisch hatte. Zumindest strich ich den Fußweg nach Hause, auf dem ich ein wenig einkaufen hatte wollen. Statt dessen setzte ich mich in einen Bus, machte lediglich einen Abstecher zur Apotheke.

Als Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell den Spaghettikürbis aus Ernteanteil. Bei dieser ersten Begegnung hielt er sich an die Anweisung des beiliegenden Newsletters „Kartoffeldruck“: Er halbierte den Kürbis und buk ihn bäuchlings auf Blech im Ofen. Dann lockerte er das Kürbisfleisch zu den namengebenden Streifen, servierte es mit Salz, Pfeffer, Butter, Parmesanspänen.

Ich war sehr fasziniert: Das Kürbisfleisch schmeckte fruchtig-aromatisch und leichter als das von Butternut oder Hokkaido, am besten ließ es sich mit dem Löffel aus der Schale holen, ausgekratzt wurde es spaghettiförmig. Der halbe Kürbis war viel zu viel: Nach langem überfraß ich mich mal wieder, es passte kaum noch Schokolade hinterher.

Ins Bett ging ich sehr müde schon kurz nach neun, las aber noch eine ganze Weile.

§

Wer sich so richtig deprimieren lassen möchte: @derkutter hat sich in einem Twitter-Thread kluge Gedanken zu diesem Punkt gemacht.

U.a.

Während sich die politische Lage in den drei Ländern, die zuletzt gewählt haben, als außerordentlich unterschiedlich herausstellt, gibt es nur eine Konstante: stabile Ergebnisse für eine faschistische Partei, die mittlerweile von rund einem Viertel der Wähler gewählt wird.

und

Diese Betrachtung soll kein Ost-Bashing sein. Einiges spricht dafür, dass die ostdeutschen AfD-Wähler eine Art Türöffner-Wähler sind: Jeder Wähler, der seine Hemmung verloren hat, eine faschistische Partei zu wählen, senkt die Hemmschwelle für jene, die noch nicht so weit sind.

(…)

«Fascism does not need a majority – it typically comes to power with about 40 per cent support and then uses control and intimidation to consolidate that power. So it doesn’t matter if most people hate you, as long as your 40 per cent is fanatically committed.» (Fintan O’Toole)

(…)

Je stärker die AfD wächst, desto normaler wird sie und desto näher erscheint sie der normalitätsbesoffenen Mitte. Und desto ferner und degoutanter erscheint der Mitte die fortgesetzte Ruhestörung derer, die sich als antifaschistisch verstehen. Die sind die neuen Ewiggestrigen.

(Ein vorsichtiger Blick in die Twitter-Kommentare zeigt ein Muster, das die AfD schon lange nutzt: Die Analyse wird als „Hass“ bezeichnet, obwohl nichts daran solcher ist. So wie Gauland am Wahlabend behauptet hat, seine Faschisten hätten ihr Wahlergebnis im Kampf gegen „Hass und Hetze“ errungen. Wieder wird einfach das Gegenteil der Fakten behauptet, eine Taktik, mit der Trump seit Jahren erfolgreich ist.)

Journal Sonntag, 27. Oktober 2019 – Abschied vom Oktobersommer

Montag, 28. Oktober 2019

Schlaf wieder eher zerstückelt, aber bei zehn Stunden brutto blieb genug netto.

Morgens erst mal die Uhren alle auf Winterzeit zurückgestellt, also Backofenuhr, Baduhr, Wecker (dabei Herrn Kaltmamsell ferngehalten mit der Ansage: „Zerbrich dir nicht dein hübsches Köpfchen mit solchen Problemen.“).

Der Sonntag brachte nochmal Spätsommer. Ich bloggte und las gemütlich, bevor ich mich duschte und anzog. Das Semmelnholen verband ich mit einem Spaziergang durch die wundervollen Farben über den Südfriedhof (sechs! Eichhörnchen gesehen!). Allerdings fühlte ich mich irgendwie gar nicht gesund, es wollte doch wohl nicht der Infekt zurückkommen?

Locken heißen auf Bayrisch ja auch „Schneckerlhaar“, ein lockenhaariger Mensch ist „g’schneckerlt“. Drum.

Nach dem Frühstück setzte ich mich in einem Sessel auf den sonnigen Balkon und las die Wochenend-SZ. Dann half alles nichts, ich machte ich mich nochmal ans Bügeln: Zum einen bügelte ich Winterkleidung auf, zum anderen aktuelle T-Shirts etc. Das waren nochmal zwei Stunden Lebenszeit, ich hoffe, bis zum nächsten Wechsel Sommer- gegen Winterkleidung wird’s nie mehr so viel auf einmal. Dabei hörte ich einen lange offenen Tab weg: Eine SWR2-Sendung von 2018, Vertonung eines sehr klugen und geschickt argumentierten Essays von Margarete Stochowski:
„Das größte Rudel der Welt: Einige Gedanken über sexuelle Belästigung“.

Hier der Text des Features zum Nachlesen.

Allerdings bin ich hochgradig verdutzt von dem Stephen-Fry-Zitat, das hier verwendet wird: In welchem Zusammenhang mag er sich nur bemüßigt gefühlt haben, Aussagen über weibliche Sexualität zu machen, noch dazu so dumme?

Nachmitagssnack: Engadiner Nusstorte, die mir sehr gut schmeckte.

Nächstes Buch angefangen: Juan Moreno, Tausend Zeilen Lüge: Das System Relotius und der deutsche Journalismus. Und wieder ging es mir wie mit bislang allen Texten von ihm, die ich seit mindestens 15 Jahren lese: Ich lachte an einigen Stellen besonders laut, weil ich ein Zwinkern von Kind eines spanischen Gastarbeiters zu Kind eines spanischen Gastarbeiters spürte – auch wenn wahrscheinlich sowohl sein andalusischer als auch mein madrilenischer Vater sich dagegen verwahren würden, als selbe Sorte Spanier wahrgenommen zu werden.

Es wurde schon arg früh dunkel, aber wir werden uns gewöhnen.
Abendessen kam diesmal wieder von Herrn Kaltmamsell: Er hatte Wirsing aus Ernteanteil verarbeitet, dazu fränkische Bratwürst, Direktimport, aus der Gefriere geholt. Und Kartoffelpü. Also nochmal richtig gut essen, bevor uns die Wahlergebnisse aus Thüringen auf den Magen schlugen.

§

Maximilian Buddenbohm schreibt Wahres:

Das Pflichtgefühl erreicht Stellen im Hirn, da kommt Entspannung gar nicht hin.

Journal Samstag, 26. Oktober 2019 – Nusstorte, The Testaments und Abend im Neni

Sonntag, 27. Oktober 2019

Ausgeschlafen, nach nur wenigen Unterbrechungen erfrischt aufgewacht.

Das Wochenende war als nochmal zwei Sommertage angekündigt, mit wolkenloser Sonne und bis zu 20 Grad. Vor einem halben Jahr hätte das selbstverständlich mindestens einen Wandertag bedeutet, aber das geht halt jetzt nicht. Mir wird immer klarer, wie sehr sportliche Bewegung für mich auch Aneignung des Draußen und der dinglichen Welt bedeutet.

Nach Veröffentlichung des Blogposts buk ich, und zwar die Engadiner Nusstorte nach dem Kommentar von Frau Weh. Funktionierte problemlos, ich hatte sogar Chaigewürz zum Drüberstreuen im Haus. Da ich für den Deckel der Torte die Ausstech-Variante wählte, blieb genug roher Teigrest als Frühstück.

Ins Draußen ging ich für Einkäufe, schön langsam.

Mehl und Honig im Biosupermarkt, Meisenknödel am Viktualienmarkt. Auf dem Rückweg wollte ich einen Schlenker zu einem neuen Supermarkt in der Sendlinger Straße machen, auf den ich neugierig war – aber das Gehen war nach einer halben Stunde so verkrampft und mühsam geworden, dass ich lieber kürzeste Wege nahm: Wasserfilter, Klopapier, Pflaster in der Hofstatt – wo ich entdeckte, dass im Obergeschoß ebenfalls ein neuer Supermarkt aufgemacht hatte.

Zurück daheim aß ich einen aufgetauten Bagel mit Lachs und den restlichen Fenchel-Orangen-Salat vom Vorabend. Ich hatte schon während meiner Einkaufsrunde immer wieder gegähnt und war sehr müde. Herrn Kaltmamsell ging es auch so – vielleicht hat uns der Erkältungsvirus doch noch am Wickel. Ich legte mich ins Bett und schlief anderthalb Stunden tief.

Ein wenig Lesen im sonnendurchfluteten Wohnzimmer.

Die Blumen sind das Geschenk eines Gasts des Rosenfests: Wir bekommen alle paar Monate einen Strauße geschickt – eine bezaubernde Idee.

Zum Abendessen lud ich Herrn Kaltmamsell zum Dank für seine Dienste als Blogheinzelmännchen zum Essen ein. Er hatte sich unter meinen fünf Restaurantvorschlägen das Neni am Hauptbahnhof ausgesucht. Der Gastraum ist groß und vor allem hoch, aber ziemlich düster (das mag tagsüber durch die Oberlichter anders sein); er war gesten Abend gut besucht – was für eher plauder-unfreundliche Lautstärke sorgte.

Wir wurden freundlich und aufmerksam umsorgt und aßen sehr gut Nahöstliches auf der Basis des Haus-Menü „Best of Neni“: eine Auswahl von Vorspeisen, Hauptspeisen und Desserts. Dazu bestellte ich eine Flasche Pouilly Fumé ‚Les Moulins à Vent‘, der mit kräftigem und vielfäligen Aroma gut gegenhalten konnte.

Vorspeisen waren (von unten): eine warme Kürbissuppe (mit Scharf), Falafel, Babaganusch, Mango-Hummus.

Von unten: Sabich, Tomate mit Bohnen, Hamshuka.

Korean Fried Chicken Salad.

Als Dessert Cheesecake und ein sahniges Tiramisu. Nahöstlichen Mokka zum Abschluss bot die Karte leider nicht.

Ich fand auch das Gesamtkonzept interessant (Neni ist eine Kette – was wahrscheinlich saisonales und regionales Sourcing verhindert), von der Raumgestaltung und Deko bis zur Servierform, zu sonstigen Abläufen und der Kleidung der Angestellten war alles offensichtlich durchdacht.

Diesen Teil der Einrichtung musste ich dringend fotografieren: Das sind die Küchenstühle meiner frühen Kindheit.

Dieses Foto von mir müsste 1973 aufgenommen worden sein.

Wir flanierten über die Sonnenstraße nach Hause, es war immer noch so warm, dass wir unsere Jacken nicht schließen mussten.

Im Bett las ich Margaret Atwoods The Testaments aus. Ich bleibe auch nach Abschluss der (durchaus interessierten) Lektüre dabei: Kommt nicht im Entferntesten an The Handmaid’s Tale heran. Atwood gibt im Nachwort ja zu, dass der Roman eine Antwort auf die Frage der Leserinnen und Leser ihres Meilensteins ist: Wie ging es weiter? Die einzige neue kreative Note, die sie dem Kosmos aus The Handmaid’s Tale gibt, ist die der Aunts, klar gestalte nach dem Vorbild mittelalterlicher bis frühneuzeitlicher Frauenklöster: Damals die einzige Möglichkeit für Frauen, sich zu bilden, intellektuell zu verwirklichen – und eine Form von Macht auszuüben.

Für den Guardian schlüsselt Julie Myerson meiner Meinung nach besonders gut auf, warum The Testaments unterm Strich eine Enttäuschung ist (Achtung Spoiler):
„The Testaments by Margaret Atwood review – hints of a happy ending“.

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Wie eine türkische Stadt einen komischen Mitbürger integriert, erzählt als Twitter-Thread.

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Fetzige Musik, Video featuring @journelle im rosa-schwarzen Badeanzug.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/ARX6L9AZF3w

Journal Freitag, 25. Oktober 2019 – Neue, viel bessere Schmerzen

Samstag, 26. Oktober 2019

Eine sehr schlechte Nacht – zumindest schlafe ich nach dem Aufwachen (diesmal wieder wegen Schmerzen, die LWS-Muskulatur brachte mich zum Aufjaulen) immer gleich wieder ein. Aber mittlerweile drehen sich sogar meine Träume um schlechten Schlaf.

Dieses neu freugeschaltete Feature Muskelschmerzen überm Po ließ mich kaum aufrecht stehen – aber wenn ich dann mal stand, konnte ich plötzlich fast schmerzfrei gehen und Treppen steigen. Ich bin immer noch bereit, das alles als Entwicklung zu sehen, als Zurechtjuckeln des gestörten Muskel- und Fasziensystems (eingeklemmte Nerven fühlen sich anders an, das kenne ich auch).

Fahrradfahren war am Donnerstag vielleicht ein bissl zu früh nach dem kleinen chirurgischen Eingriff gewesen (sagte das Pflaster-Orakel), also nahm ich wieder den Bus. Ich hörte den Boatpeople-Podcast zu Ende: Minh Thu Tran und Vanessa Vu reflektieren über den Umgang ihrer eigenen, zweiten Generation mit den Flüchtlings- und Einwanderungsgeschichten ihrer Eltern. Besonders hilfreich: Vanessa gibt ganz konkrete Tipps, wie man ein Gespräch mit den eigenen Verwandten über ihre Geschichte am geschicktesten anfängt. Sie erinntert aber auch daran: Hauptsache die Geschichte heben und bewahren, bevor es zu spät ist.

Arbeitstag mit Aufregungen, die ich nicht lösen konnte – die auch eigentlich nicht in meiner Verantwortung liegen, doch ich kriege den Impuls nicht weg, alles für eine Lösung zu tun, selbst wenn das eigentlich niemand erwartet (wundert sich noch jemand, warum ich ungewollt Karriere gemacht habe?).

Mittags eine Breze, Granatapfelkerne mit Joghurt. Nachmittagssnack Apfel und Nüsse.

Ich machte pünktlich Feierabend und spazierte langsam in warmer Sonne heimwärts. Unterwegs besorgte ich Ginger Beer für abendliche Longdrinks, bem Verdi Obst und Artischocken.

Herr Kaltmamsell war noch unterwegs, ich bastelte den elaborierten Text für eine Essenseinladung, deren Idee durch ein bestimmtes Kochbuch ausgelöst worden war. Abendessen war zum einen Artischocke mit leichter Knoblauchmajo (drei Viertel Joghurt, ein Viertel Majo).

Sogar hübschgeschnitten! Drink dazu war Moscow Mule.
Zum anderen briet uns Herr Kaltmamsell Entrecôte, ich hatte den Ernteanteil-Fenchel zu Salat mit Orangen verarbeitet.

Zur Abendunterhaltung guckten wir so richtig linear fern, die letzte Folge der Reihe Unter Verdacht: „Evas letzter Gang“. Nachdem der am Vorabend von der Süddeutschen empfohlene Irlandkrimi mit Desirée Nosbusch doch wieder bloß der übliche deutsche TV-Schmarrn war (es ist vielleicht keine gute Idee, die Handlung wo ganz wo anders spielen zu lassen), blieb ich gestern sehr gern dran. Ich hatte den Anfang der Serie vor 17 Jahren mitverfolgt und mochte schon damals Set-up und Erzählweise, war auch ganz begeistert, dass die erste Folge gleich mal gar nicht gut ausging.

Gestern erinnerte mich das Drehbuch von Stefan Holtz und Florian Iwersen daran, dass es auch wirklich gute deutsche TV-Produktionen gibt. Dazu die Bilder (allein schon das Tableau der korrupten Honoratioren in der Starnberger Villa!), die Erzählweise (immer wieder Dialog außerhalb des Bilds, während das Bild bereits einen Schritt weiter ist, oder Informationsvermittlung durch Bilder, dazwischengeschnitten die Figur, die unhörbar die Bilder jemand anderem erzählt), die Schauspielerinnen und Schauspieler – allen voran die großartige Senta Berger, die in dieser off-type Rolle als Dr. Eva Maria Prohacek in gesichtslosen, hochgeknöpften Klamotten, nahezu ohne Lächeln, zwischen Verunsicherung und Pflichtgetriebenheit, zwischenmenschlich ungeschickt agiert, das war wirklich sehenswert. Der Film steht hier noch in der arte-Mediathek.


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