Journal Montag, 21. Oktober 2019 – Wucherung und Testament

Dienstag, 22. Oktober 2019 um 6:32

Das Wetter fühlt sich immer seltsamer an. Seit Donnerstag habe ich Hitzeanfälle, also heiße Haut mit kalten Fingern. In meinem Alter ist ja der erste Gedanke: Wechseljahre, jetzt dann doch Symptome. Andererseits habe ich einen Erkältungsinfekt, der könnte am Temperaturregler spielen.

Draußen war es immer noch bacherlwarm, ich hatte mehrere Fenster in der Wohnung über Nacht offengelassen, ohne es zu merken – es war nicht kalt hereingekommen. Ohne Handschuhe in die Arbeit geradelt.

Gehen ging gestern plötzlich sehr gut – 10-Meter-weise war ich geradezu federnd unterwegs.

Mittags Geflügelsalat mit Mango und Walnüssen (made by Herrn Kaltmamsell aus Hiehnebriehe-Huhn) und ein Stück Bananenmarmorkuchen.

Sehr pünktlicher Feierabend, denn ich hatte eine Verabredung: Eine Dermatologin sollte mir eine harmlose Hautwucherung an störender Stelle wegschneiden. Was sie dann auch tat.

Daheim einen mittags gefassten Entschluss umgesetzt: Ich schrieb mal schnell mein Testament. In der Süddeutschen war ich über einen Artikel zu Todesfall bei kinderlosen Ehepaaren gestolpert („Wenn die Schwiegereltern plötzlich miterben“) und hatte beschlossen, zumindest diese Belastung zu verhindern, sollte mich überraschend der 40-Tonner erwischen. Ein elaboriertes Testament ist sicher ratsam (allerdings ist mir ausgesprochen egal, was nach meinem Tod mit meinem Zeugs und meinem Geld passiert, beides übersichtlich), kriege ich vielleicht irgendwann auch noch hin, doch jetzt gibt es zumindest ein handgeschriebenes Testament mit ausgeschriebenen Namen, Ort und Unterschrift, das Herrn Kaltmamsell zu meinem Alleinerben macht.

In der Dämmerung nochmal Fledermäuse vorm Wohnzimmer gesehen.

Herr Kaltmamsell servierte zum Nachtmahl Chinakohl aus Ernteanteil gebraten mit Hackfleisch und Sezuanpfeffer, sehr gut.

Im Bett Weiterlesen an Atwoods The Testaments: Ich lese es gerne und finde es spannend (durchaus betonenswert, weil Atwood in ihrer langen Schriftstellerei auch ausgesprochenen Mist veröffentlicht hat), doch ist der Roman nicht in entferntester Sichtweite der literarischen und visionären Qualität des epochalen The Handmaid’s Tale; den Booker Prize dafür kann ich nicht nachvollziehen (nicht die erste Verwunderung über die Vergabe).

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Montag, 21. Oktober 2019 – Wucherung und Testament“

  1. Joe meint:

    Besser kann ein „Berliner Testament“ sein. Im Berliner Testament setzen sich Eheleute gegenseitig als Alleinerben ein und schließen andere Verwandte zunächst von der Erbfolge aus. Stirbt einer der beiden Ehepartner, geht dessen Vermögen auf den Hinterbliebenen über – er ist bis zum Lebensende finanziell abgesichert. Gemeinsam bestimmen die Eheleute einen Schlusserben, beispielsweise ihre Kinder. Diese erben nach dem Tod des zweiten Ehepartners.

    Haben wir gemacht. Gut, wir haben erwachsene Kinder.

  2. Trulla meint:

    @Joe
    Wir auch – genau so! Gleiche Gründe.

    Vor einigen Monaten hatte das ZEiTMagazin ein ausführliches Interview mit einer Anwältin für Erbschaftsangelegenheiten, der Name ist mir leider nicht mehr präsent. Kann ich nur empfehlen! Ich habe bisher noch nichts Besseres zu dem Thema gelesen. In meinem weiteren Umfeld aber schon jede Menge Zwist und Hader, Abbruch von Beziehungen mitbekommen, wenn die Dinge nicht vom Erblasser klar geregelt wurden.
    Bei diesem Thema lernt man sich offensichtlich neu kennen.

  3. Ulla meint:

    Berliner Testament gemacht, keine Kinder, keine Eltern mehr.

  4. Regina meint:

    Zu spät für ein Berliner Testament, ohne Kinder bin ich sowieso Alleinerbin in Frankreich, zumal keinerlei Eltern mehr da sind. Ich werde Betesta in unserem gemeinsamen Sinne weiterführen, so gut ich das kann. Und selbst ein Testament machen, damit dann Betesta weitergeführt wird.
    Es tut scheiß weh.
    Lassen Sie es sich gut gehen

  5. die Kaltmamsell meint:

    Das tut mir so leid, Regina.

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