Journal Donnerstag, 27. August 2020 – Noch eine Polin in Pontinia

Freitag, 28. August 2020 um 6:21

Diesmal verhalf mir Novalgin zu einer guten Nacht – so schön!

Morgens wagte ich nochmal gymnastische Kräftigung, LWS fordert weiterhin Vorsicht ein, ich beließ es im Bankstütz bei Halten.

Emsige Arbeit, Mittags Pfirsiche, Käse, Brot, nachmittags eine Hand voll getrocknete Aprikosen (Eisen!). Nachmittags mehr Arbeit, es wurde spät.

Sicher bin ich nicht die erste, die sich das fragt, aber: Hat schon ein Institut berechnet, wie viel die gesenkte Mehrwertsteuer Stunden/Geld in IT, Buchhaltung, Verwaltung etc. kostet im Vergleich zum erhofften geldwerten Nutzen?

Denn bei aller Gegenwehr komme auch ich nicht aus dem Effizienzdenken raus, aus diesem kapitalistischen (auch wenn mir Fragmente letzthin in einem Gespräch über Geld mehrfach bescheinigt hat, ich sei „für den Kapitalismus verloren“, worauf ich ungemein stolz bin). Wahrscheinlich ist das Ziel der Maßnahme Mehrwertsteuersenkung gar nicht geldwerter Nutzen, sondern wieder irgendwas Menschliches, das ich eh nicht kapiere.

Der Wind hatte sich völlig gelegt, das Wetter war gestern sonnig und mild, ein idealer Tag zum Draußensein ohne Hitze, ein idealer Wandertag. (Es ist jetzt über ein Jahr her, dass ich zum letzten Mal Wandern konnte.)

Auf dem Heimweg stoppte ich beim Aldi in der Hoffnung, billige Einweg-Masken zu bekommen. Gab es nicht, dafür schlug ich bei Billig-Süßigkeiten zu.

Daheim erst mal verhasste Mani- und Pediküre, es war dringend nötig.

Zum Nachtmahl gab es Salat aus Ernteanteil: Blattsalat mit Tomaten und Eiern, Joghurtdressing (aromatisiert mit einem Schuss Sesamöl). Nachtisch waren viele Billigsüßigkeiten.

Im Bett las ich ich Granta 152 aus, Still Life. Es gefiel mir bis zum Ende gut. Verdutzt und berührt war ich von einer Fotostrecke: „Labirinto“ hat die polnische Fotografin Wiktoria Wojciechowska ihre Aufnahmen in den italienischen Orten Latina, Pontinia, Sabaudia und Pomezia genannt, also in der Gegend, die Mussolini den pontinischen Sümpfen in seinem Projekt „Littoria“ abrang. Lisa Halliday hat eine Einführung dazu geschrieben. Meine Reaktion rührt daher, dass hier das Italien meiner Kindheits- und Teenagerurlaube liegt: Die Schwester meiner polnischen Mutter hatte sehr jung hierher geheiratet (hier sieht man sie und ihren italienischen Mann rechts), wir verbrachten ein paar Mal Ferien hier. Und so waren meine Bilder von Italien lang höchst unromantisch, weil geprägt von langweiligen Ebenen, von Zweckbauten und Fabriken. Wojciechowskas Fotos aber weisen mich darauf hin, dass die Gebäude, die mir damals seelenlos erschienen, funktionale Architektur der 1930er und 1940er sind – die ich heute mag.

§

Lustig.

die Kaltmamsell

3 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 27. August 2020 – Noch eine Polin in Pontinia“

  1. Brigitte meint:

    Mein Bruder hat mitgerechnet:: er hat für seinen 2-Personen-Haushalt eine Ersparnis durch die MWSt-Senkung von 20 – 25 Euro ausgerechnet, aber ohne Miete, da er im eigenen Haus wohnt. Er fand es nämlich blöd, dass Gegener und Befürworter immer mit „bringt doch nix“ und „da kann man eine Menge sparen“ hin und her argumentierten, ohne das konkrete Zahlen auf den Tisch kamen.
    Viele Grüße Brigitte

  2. Rainer meint:

    Ob es den Konsum ankurbelt, lass ich mal dahingestellt, sicherlich handelt es sich nur um zeitlich vorgezogene Ausgaben. Was die Kosten für Unternehmer bei der Umstellung und Rückumstellung Ende des Jahres und der nächsten Umstellung Mitte nächsten Jahres wegen der Spaltung der mwst Sätze anbelangt, so kann ich für meine Branche (Hotel) nur sagen: außer Spesen nix gewesen.

  3. Neeva meint:

    Vielleicht ist die Mehrwertsteuersenkung ja einfach als Subvention für IT-Dienstleister gedacht?

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