Journal Samstag, 9. Oktober 2021 – Schwimmfrieren und Tortenpanik

Sonntag, 10. Oktober 2021 um 8:10

Eher unruhige Nacht, aber ohne Pause.

Lang geschlafen, zum Morgenkaffee erst mal ordentlich die Heizung aufgedreht, weil es so kalt war. Bettwäsche gewaschen. Nach dem Bloggen buk ich die Böden für Schwarzwälder Kirschtorte – nach dem feineren von beiden Rezepten aus meinem handgeschriebenen Kochbuch (Mandeln im Mürbteig, Wiener Boden statt Biskuit, von Anette). Wenn alles klappt, wird es dieses ersetzen.

Ganz erstaunlich, wie sehr ich mich mittlerweile vor dem Tortenbacken fürchte: Bei jedem Schritt rechnete ich mit Scheitern (Knetteig zu weich oder zu trocken und nicht ausrollbar / löst sich nach Backen nicht von Unterlage / Eiertrennen geht daneben / Rührteig geht nicht auf / lässt sich nicht in der Mitte halbieren / irgendwas fällt mir runter und geht kaputt). Deshalb begann ich rechtzeitig, um bei Totalverkacken Zutaten für einen Neustart einkaufen zu können. Auch beim Tortenbacken ist mein früheres unbeschwertes und zuversichtliches Ich verschwunden. (Sonore Erzählerinnenstimme aus dem Off, vielleicht die von Emma Thompson: „Es ging nichts daneben.“)

Mittags wurde wie angekündigt die bestellte Kiste Granatäpfel aus Spanien geliefert – in exakt den fünf Minuten, in denen ich in den Fahrradkeller gegangen war, um die Reifen aufzupumpen. ABER ES WAR JA NOCH HERR KALTMAMSELL DAHEIM, FANARRRRRHAHAHA! Sehen ungewohnt aus, ist auch eine ungewohnte Sorte (Acco).

Das ist etwa ein Drittel Kisteninhalt.

Ich radelte ins Olympiabad für eine Schwimmrunde. Bei sich lichtendem Hochnebel war es so kalt, dass ich dafür Mütze und Handschuhe brauchte.

Jetzt sind auch die Fenster der Olympiahalle fertigrenoviert, ich schwamm in Sonnenlicht. Allerdings nicht ganz so lange wie geplant, weil ich wieder fror – auch als ich einen Zahn zulegte. Dabei hatte ich mich anfangs noch gefreut, weil das Wasser warm war: Das mag ich zwar nicht besonders, doch nachdem ich im Schyrenbad bei den letzten Malen Schwimmen immer gefroren hatte, glaubte ich mich jetzt davor geschützt. Irrtum. (Was soll denn das?)

Die restliche Baustelle links habe ich weggeschnitten, und ja: Das Becken war die meiste Zeit so herrlich leer.

Auf dem Heimweg hielt ich für Einkäufe beim Basitsch und beim Bäcker. Daheim um drei Frühstück: Eiersalat von Herrn Kaltmamsell (darin das Grün des Gesamtselleries aus Ernteanteil), Semmel mit Butter und Marmelade, Granatapfelkerne – letztere hart erkämpft, denn diese Sorte hat eine dicke Außenwand, aber dünne Innenwände und eher kleine Kerne, ich musste ganz schön fieseln. Der Geschmack der Kerne war dann ausgezeichnet, sie sind recht süß. (Aus den nächsten paar versuche ich aber Saft zu pressen.) Zwei Lebkuchen.

Ich sah mich etwas gründlicher auf der Crowdfarming-Website um, fand besonders diesen Artikel interessant, der einige meiner Sorgen beruhigte:
„Die Umweltauswirkungen des Transports beim Direktverkauf von Lebensmitteln“.
Also adoptierte ich gleich mal einen Mandelbaum in der Nähe von Granada und freue mich jetzt auf zwei Kilo Mandeln Anfang Dezember, eine Mischung der Sorten Guara und Marta. Im Grunde ist diese „Adoption“ eine verspieltere Variante der Solidarischen Landwirtschaft, in der die Endabnehmerin sich bereits an den Kosten den Anbaus beteiligt. Nur halt nicht konsequent, denn sollte mein Baum eingehen, bekomme ich trotzdem Mandeln – in Solidarischer Landwirtschaft trüge ich auch dieses Risiko mit.

Immer noch ängstlich stellte ich die Schwarzwälder Kirschtorte fertig.

Jetzt kann noch der Transport am Sonntag schiefgehen.

Zum Nachtmahl verwandelte Herr Kaltmamsell die Sellerieknolle aus Ernteanteil in knusprige Sellerieschnitzel, ich hatte Eichblattsalat besorgt und machte ihn mit der letzten grünen Paprika aus Ernteanteil und Joghurtdressing an. Dazu ein Glas Bad Mergentheimer Acolon – gut, aber mit ein wenig unzusammenhängenden Geschmäckern. Nachtisch Schokolade.

§

UK hat nicht nur einen Premierminister, über den man lachen kann (aus Verzweiflung), sondern immer noch wirklich gute Komikerinnen. Zum Beispiel Rosie Jones.
https://twitter.com/Channel4/status/1446474295824236547

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Samstag, 9. Oktober 2021 – Schwimmfrieren und Tortenpanik“

  1. Iso meint:

    „Sonore Erzählerinnenstimme aus dem Off, vielleicht die von Emma Thompson: Es ging nichts daneben.“

    Ah, „Stranger than fiction“? Gerade neulich wieder gesehen und immer noch toll gefunden!

  2. Croco meint:

    Torte! Der Tag fängt gut an, sehe ich doch den Lieblingskuchen meiner Kindheit.
    Ich habe mich nie mehr rangetraut, wegen Schiefgehens.
    Sahne sauer, dunkler Biskuit speckig, Kirschschicht zu labberig oder zu fest, das sind meine Befürchtungen.
    Deine sieht toll aus!
    Und das mit dem Wasser kenne ich auch, habe es aber auf eine durchgemachte Krankheit geschoben. Mittlerweile muss es über 30 Grad sein, damit ich nicht friere. Aber ich schwimme ja nie so ausführlich wie Du.

  3. Joël meint:

    Rosie Jones ist ist großartig!

  4. InaPö meint:

    Mir geht es draußen inzwischen so, schnell kalt, auch drinnen. Ich hab bis dahin Zeit meines Lebens nicht gefroren, im Winter anderen die Hände gewärmt, die hab ich zum Glück noch. Im Wasser meint Jan wärmt mich mein Speck. Tja, nur kein Neid! ich glaub ich bin einfach nur härter und war in nem früheren Leben mal ne Robbe.

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