Archiv für Juni 2022

Journal Donnerstag, Fronleichnam, 16. Juni 2022 – Mühlenwanderung mit Familie im Schuttertal

Freitag, 17. Juni 2022

Doofe Nacht, diese hatte nach Langem sogar wieder ein Loch, in dem ich halt Roman las.

Wegen Plänen hatte ich mir den Wecker gestellt. Zum ersten Mal war es warm genug für Balkonkaffee.

Die Pläne: Eine Mühlenwanderung im Schuttertal mit Familie, zwischen Wolkertshofen und Nassenfels. Nach Hitzesicherung der Wohnung (Rollläden runter, Fenster zu bis auf die in den kühlen Lichthof) nahm ich mit Herrn Kaltmamsell eine Regionalbahn nach Ingolstadt (so früh war sie schön leer und ohne Personen im Gleis auch pünktlich), meine Eltern holten uns ab. Auf dem Weg nach Wolkertshofen kam ich erstmals durch das riesige neue Einkaufsviertel im Westen der Stadt, wohin Ingolstadt mittlerweile all die Geschäfte und Gastronomie ausgelagert hat, zu denen die Bürger*innen vor 20 Jahren noch in die Innenstadt fuhren. Die Folge (wie im Vorbild USA und Einkaufs-Mall): Ausgestorbene Innenstadt mit viel Leerstand, allgemeine Freude über die Möglichkeit, endlich direkt vor allen Einkaufs- und Essgelegenheiten parken zu können.

Start und Endpunkt der Wanderung war das Gasthaus Stark, daran gleich der erste historische Hinweis.

Das Anfangs sommerlich sonnige Wetter wurde sehr wacklig, immer wieder spürten wir Tropfen, einmal mussten wir uns vor einem energischen Regenschauer unterstellen. Die zweistündige Runde selbst war ganz zauberhaft, neben schönen Mühlen sahen wir weite Ausblicke auf Felder (Kartoffeln, Saubohnen, Zuckerrüben, Gerste) und viele spannende Vögel: Bussard, Falken, Schwalben, Lerchen, Störche, Mauersegler.

Schutter bei der Kunstmühle Husterer.

Alte Grenzmarkierung der früheren Regierungsbezirksgrenze Oberbayern/Schwaben/Mittelfranken.

Unterhaidmühle, Egweil (Aussprache “Öhwe”).

Neben Wegkreuzen und Marterl trafen wir auch einen säkularen Ort für Halt und Besinnung an – Volksbesinnlichkeit? (Andererseits haben ja viele Orte mit Fremdenverkehr mittlerweile offizielle “Philosophen”- oder “Achtsamkeits-“Wege angelegt, wohl als unreligiöse Alternativen zu Kreuzwegen und katholischen Andachtsorten.)

Wasserschloss Nassenfels mit Storchennest und Storch, kurz nachdem uns ein Regenschauer unter ein Vordach der stilistisch sehr international diversen Einfamilienhaus-Neubausiedlung von Nassenfels getrieben hatte.

Wolkertshofen.

Einkehren im Gasthof Stark.

Ganz hervorragendes Essen, der Gasthof nennt nicht nur alle (Bio-)lieferanten sowie den Jäger dieser Rehkeule, sondern macht eindeutig wirklich alles selbst: Der Wirsing knackig und mit leichter Sahesoße, die Birne bewies allein schon durch ihre intensive Nelken-Note, dass sie nicht aus der Dose kam. Dazu gab es zwei alkoholfreie dunkle Weizen vom Lammsbräu.

Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher in den Brudergarten: Am Kirschbaum, den ich im März hatte blühen sehen, waren Kirschen reif. Jetzt schien die Sonne ziemlich heftig, aber Kirschbrocksonnenbrand Ehrensonnenbrand.

Auf der Rückfahrt Fabio Geda, Verena von Koskull (Übers.), Ein Sonntag mit Elena ausgelesen. Mir gefiel das Undramatische der einfachen Geschichte: Ein Witwer hat für die Familie seiner erwachsenen Tochter gekocht, doch diese muss kurzfristig absagen. Er ist enttäuscht und geht raus auf einen Spaziergang, lernt am Skaterpark eine Frau mit Teenagersohn kennen, lädt die beiden zum ausgefallenen Familienessen ein. Für einen Nachmittag lassen diese Fremden sich aufeinander ein.

Besonders wird diese einfache Geschichte, weil sie ist technisch liebevoll erzählt wird, nämlich mit der Stimme der zweiten erwachsenen Tochter aus einigen Jahren Abstand. Sie erzählt ihre Sicht auf ihren Vater mit, auf die ganze Familie, auf ihr eigenes Heranwachsen, ihr jetziges Leben. Ich mochte es, für einige Stunden von Übersetzerin Verena von Koskull nach Norditalien mitgenommen zu werden.

Daheim war die Wohnung angenehm kühl, ich nahm mir Zeit für ausführliche Pediküre. Und richtete meine Nägel mit dem Lack nach Langem mal wieder wie ein Kindergartenkind zu.

Mich ereilte ein ungewohnter Fressflash, der mich Flachpfirsiche (gut!) und Salzmandeln verschlingen ließ.

Eine Runde Yoga, bevor Herr Kaltmamsell das Nachtmahl servierte: Pak Choi aus Ernteanteil asiatisch aus der Pfanne mit restlichen Kartoffeln vom Vorabend, reichlich Schokolade.

Journal Mittwoch, 15. Juni 2022 – Richtig guter Bubbly ohne Alkohol

Donnerstag, 16. Juni 2022

Unruhige Nacht mit mehrfachem Aufwachen.

Bisherige Impffolgen: Schmerzen an der Einstichstelle. (Nachmittags brach ich nochmal meinen persönlichen Rekord auf der Corona-Warn-App: Sieben Risikobegegnungen. Werde also auch weiterhin täglich testen und sehe keinen Anlass, das Tragen einer FFP2-Maske in bemenschten Innenräumen und bei mangelndem Abstand zu anderen aufzugeben.)

Auf dem Weg in die Arbeit strahlende Sonne, Cirruswolken überm Blau, aber sehr kühl – ich brauchte eine Jacke.

Diese Sommermorgendüfte bei Kühle! (Ganz anders riecht es bei Morgenwärme.)

Der Hausbau auf der Theresienwiese geht weiter. Nur noch wenig Wochen bis zu Sperrung wegen allgemeinem Oktoberfestaufbau.

Erneuerter Ärger:
Allerorten lese ich Aufforderungen zum Blutspenden, der Mangel sei bedrohlich. Ich checkte also nochmal, ob ich weiterhin als potenzielle TSE-Überträgerin (Rinderwahn) ausgeschlossen bin, weil ich 1991/1992 in Großbritannien gelebt habe: Ja, bin ich, hier die aktuelle Hämotherapierichtlinie der Bundesärztekammer als PDF, siehe S. 18. Solange hierzulande kein Test der Spende auf TSE (wie in UK) eingeführt wird, der Herrn Kaltmamsell und mich als mehr denn willige zu tatsächlichen Spender*innen macht, kann der Mangel ja so schlimm nicht sein.

Neues Feature meines Onlinelebenes: Ich habe die Freuden des Blockens kennengelernt. Auf Twitter muss ich das ja nicht, weil mein Account privat ist und ich jede*n Follower einzeln freischalten muss. Was ich auch bei leisestem Zweifel eher nicht mache. In der Folge muss ich mich nicht mit unsachlichen Angriffen herumschlagen. Doch das bewirkt auch, dass mich Gemeinheiten in instagram-Kommentaren besonders verstören. Doch jetzt blocke ich die Absender-Konten einfach (bislang reine Stänker-Accounts mit null eigenen Einträgen, aber auf privat gestellt), das ist ein wirklich schönes Gefühl.

Nach Feierabend spazierte ich zu Einkäufen in der Stadtmitte; es war mittlerweile so warm, dass ich Schatten suchte.

Zu Hause Yoga, während Herr Kaltmamsell Nachtmahl kochte: Kräuterkartoffeln mit neuen Kartoffeln aus Ernteanteil, dazu gebratener Camembert und Ofenkäse.

Endlich erstes Abendessen auf dem Balkon, die Temperatur war genau richtig.

Vor allem aber hatte Herr Kaltmamsell einen Sparkling Tea gefunden, den unsere Berliner Gewährsfrau für guten Geschmack, @FrauIndica, empfohlen hatte: Copenhagen Sparkling Tea weiß. Laut ihr gibt es ein immer größeres richtig gutes Angebot an alkoholfreien Getränken, die sich auch als Begleitung zu fine dining eignen – Reaktion auf eine nachwachsende Generation, die immer öfter gar keinen Alkohol mag.

Tatsächlich: Schmeckte ganz ausgezeichnet (Duft nach Jasmin und Lindenblüten, im Grunde passend zur derzeitigen Natur, feinperlig, Geschmack erinnerte auch ein wenig an das Kräutrige von Almdudler), kann ich mir hervorragend als Begleitung zu asiatischen Speisen mit Kokosmilch und leichter Schärfe vorstellen.

Diese wundervollen längsten Tage des Jahres, an denen der Himmel um 22 Uhr noch nicht ganz dunkel ist (und das passende Wetter, um das überhaupt zu sehen).

Journal Dienstag, 14. Juni 2022 – Impf 4

Mittwoch, 15. Juni 2022

Eine fast richtig gute Nacht, ich wachte eine halbe Stunde vor Weckerklingeln munter auf, beim Morgenkaffee gleich mal ein paar Erledigungen erledigt. (Am Wochenende hatte ich festgestellt, dass auch in der nächsten Generation eine Lerche nachgewachsen ist, die sich bereits in jungen Jahren ärgert, dass die wirklich spannenden Freundesdinge nachts unter Eulen und damit ohne sie stattfinden. Aber: “Ich LIEBE die Morgenstunden!” That’s the spirit.)

Erschütternder Anblick auf dem Weg in die Arbeit:

Jetzt ham’s sogar dem ADAC die Autos gecancelt!

In der Arbeit zackig Arbeit.

Mittags gab es Apfel, Hüttenkäse und die ersten Aprikosen der Saison – wohl zu früh, denn obwohl etwas weich und nicht grün, schmeckten sie nach gar nichts.

Ich ließ den Arbeitstag nicht zu spät werden, da ich Pläne hatte: Impf 4 (kurze Erinnerung, wie leidenschaftlich ich im Vorjahr meinen Impftermin herbeigesehnt hatte). Die als Abstand zur Booster-Impfung empfohlenen sechs Monate waren eigentlich schon im Mai umgewesen, meine SafeVac-App hatte mich sogar erinnert. Doch erst die vielen Risikobegegnungen in der Corona-Warn-App, die in Deutschland wieder steigenden Inzidenzen und die hohe Wahrscheinlichkeit der Herbst-Welle mit neuen Omikron-Untervarianten hatten mir bewusst gemacht, dass ich sehr Zusatzschutz begrüße. Zumal ich nächste Woche mit der Bahn zum Bachmannpreislesen nach Klagenfurt fahre und diese im ORF-Studio verfolgen möchte.

Das am praktischsten gelegene Impfzentrum ist nach Schließen der Anlage auf der Theresienwiese das Impfzentrum am Marienplatz; dort kann man einfach hingehen und sich impfen lassen. Also spazierte ich in dem gestrigen wundervollen Frühsommertag (sonnig und warm) zum Marienplatz. Im Impfzentrum am Eck des Rathauses war absolut nichts los, ich begründete mein Auftauchen an der Anmeldetheke mit: “Damit euch nicht fad wird.”

Dieselben Angaben wie bei den vorherigen Covid-19-Impfungen wurden abgefragt, meine Spritze bekam ich im 1. Stock. Den Impfstoff konnte ich frei wählen, man wollte mir nicht mal sagen, wovon mehr da ist, was weg muss. Also zufällig BionTech, wie bei Impf 1 und 2, ärztliche Anweisung war lediglich “bitte 48 Stunden schonen”. Herr Kaltmamsell war gestern mit Moderna viertgeimpft worden und hatte erheblich mehr Auflagen mitbekommen.

Auf dem Heimweg kaufte ich am Obststandl Rindermarkt noch Erdbeeren für Nachtisch.

Corona-Impfung wirkt bekanntlich nur voll, wenn man ein Impf-Foto veröffentlicht.

Daheim erst mal eine Runde Yoga. Zum Nachtmahl gab es den Salat und die Petersilie aus Ernteanteil (wegen Fronleichnam am Donnerstag gab es den schon am Dienstag) mit harten Eiern und Joghurt-Dressing.

Dann große Mengen köstlicher Erdbeeren, dann Süßigkeiten

§

@nicolediekmann, Hauptstadtkorrespondentin beim ZDF, hat das Antragsbuch zum anstehenden AfD-Parteitag gelesen und gibt in einem Twitter-Thread interessante Einblicke.

Journal Montag, 13. Juni 2022 – Montagmontag und #Lindwurmessen

Dienstag, 14. Juni 2022

Mal wieder ein erster Arbeitstag nach Urlaub, der die Wirkung von Angst als Abführmittel bewies. (Das hat die Natur sicher gezielt so eingerichtet als Gegenmittel gegen Reiseverstopfung im vorhergehenden Urlaub.) (Spass.)

Die Nacht davor war so zerstückelt wie lange nicht mehr, Aufwachen im Stundentakt. In den frühen Morgenstunden schlug das Wetter um, ab da regnete es immer wieder bis in den Vormittag. (Die Bäurin freut sich.) Für den Weg in die Arbeit brauchte ich meinen Regenschirm.

Wenn der Münchner Merkur sowas propagiert, besteht vielleicht doch Hoffnung für die Energiewende.

Den ganzen Tag hatte ich mit Kreislauf-Kapriolen in Form von Schwindel zu kämpfen, trotzdem ordentlich was weggeschafft. (Glaube ich.)

Mittags zwei Äpfel und Pumpernickel mit Butter (immer noch kein Überdruss).

Nachmittags kam ich mit etwas Zentralem nicht voran, weil der dafür nötige Mensch komplett in anderer Arbeit untergeht.

Parallel dieses nervige Horchen in Körperlichkeiten, ob es mir endlich besser geht. Doch bis zum Feierabend blieb ich unangenehm wacklig.

Auf dem Heimweg ein paar Einkäufe im Obstladen. Zu Hause eine dringend nötige Einheit Yoga, dann spazierte ich mit Herrn Kaltmamsell an die Lindwurmstraße zur nächsten Etappe #Lindwurmessen. (Nachtrag zur Klärung: Wir haben vor, uns einmal durch die Lindwurmstraße hoch und runter zu essen, Vorbild ist #MangiaRosi durch die Rosenheimer Straße.)

Nach Streetfood-türkisch und italienisch wurde es thailändisch – oder so ähnlich, das ist halt der durchschnittliche Nachbarschafts-Asiate, ich verbinde weder Wok noch Sushi mit Thailand (haben aber Tom Kha Gai auf der Karte). Immer wieder kamen Menschen für Mitnehm-Essen vorbei, es gab aber neben uns weitere Hinsetz-Gäste.

Herr Kaltmamsell aß erst mal einen Teller gemischte Vorspeisen, wir tranken Lemongrass-Minztee.

Ich hatte mich auf knusprige Ente gefreut und bestellte sie mit gebratenen Reisnudeln (schmeckte, ok, war halt eine Fettbombe mit wenig Gemüse), Herr Kaltmamsell aß knusprige Ente mit Erdnuss-Kokos-Sauce. Nachtisch gab es daheim in Form von Süßigkeiten.

Unter düsteren Gemütswolken früh ins Bett zum Lesen, Fabio Geda, Verena von Koskull (Übers.), Ein Sonntag mit Elena geht schnell weg.

Journal Sonntag, 12. Juni 2022 – #12von12 mit Familientreffen

Montag, 13. Juni 2022

Ein 12. des Monats, arbeitsfreier Sonntag, Zeit für ein #12von12 mit zwölf Fotos, die den Tag dokumentieren.

Während ich noch den Vortag wegbloggte, schlug ich meinen eigenen Rekord in der Corona-Warn-App: Es lief eine sechste Risikobegegnung ein.

1 – Selbsttest zu Glück weiter negativ, Bahn frei für ein lange befreutes Familientreffen – schließlich war Familienostern wegen Corona-Erkrankungen ausgefallen.

Ich hatte mir einen Wecker gestellt, um vor Abfahrt zur Familienfeier noch eine Runde Laufen gehen zu können. Dazu nahm ich das Fahrrad zur Isar und lief wirklich nur ein knappes Stündchen.

2 – Blick von der Wittelsbacherbrücke Richtung Süden. Isar gut gefüllt.

3 – Braunauer Eisenbahnbrücke.

Wunderbare Düfte, die Linden haben ihre Blüte gestartet. Die Temperatur war ideal, ich lief leicht und mit Genuss.

Komplikationen bei der Abfahrt am Münchner Hauptbahnhof: Der Bahnsteig für den Regionalzug nach Nürnberg war bereits sehr voll Menschen, als eine Durchsage ertönte, dass wegen Personen im Gleis der gesamte Zugverkehr zwischen Hauptbahnhof und Hackerbrücke (der nächste S-Bahnhof nach dem Hauptbahnhof) gestoppt worden war. Herr Kaltmamsell an meiner Seite, erfahrener und geprüfter S-Bahn-Fahrer, raunte mir zu, dass sowas normalerweise eine Verzögerung von lediglich 10 bis 12 Minuten bedeute. Und da hatte er recht, dennoch brachte dieser Stopp natürlich alle Abläufe durcheinander. (Wieder mal hätte mich sehr die Umplanung dahinter interessiert, inklusive technischer Hilfsmittel.) Als er aufgehoben werden konnte, lotste uns eine weitere Durchsage zu einem weit enfernten Gleis, Völkerwanderung mit Kinderwagen, Koffern und Kegel. Da wir gut zu Fuß sind, gingen wir bis ganz vor zum ersten Wagen, ließen die Plätze in den hinteren Wagen den langsameren Reisenden.

4 – Ruhige Fahrt, der Zug musste unterwegs nur einmal für eine Zugüberholung durch Fernverkehr warten. Unterm Strich kamen wir in Ingolstadt mit nicht mal einer halben Stunde Verzögerung an.

Im elterlichen Garten herzerfrischendes Wiedersehen mit vielen vermissten Familienteilen. Einige Stunden erzählen (Berlin, re:publica), lachen, zuhören (Gardasee-Urlaub, Aktivismus, Abitur), mehr lachen, rumblödeln, diskutieren (Schlaf, Ally-tum), planen – und viel köstliches Essen. Die Sonne brannte heiß.

5 – Der Grillmeister.

6 – Bester Gazpacho aus Mutters Küche. Im Becher davor war eine “leichte Sangria” zur Begrüßung gewesen, also limonada.

7 – Der Garten meiner Eltern barst schier vor Blüten.

8 – Herrlichkeiten vom Grill: Schweinebauch, Aubergine, Zucchini, dazu Spargel – davor hatte es gegrillte Garnelen gegeben, danach wurden Lammkottelets, Kartoffelsalat, Tomatenhälften, Röstbrot, Hähnchenflügel serviert.

9 – Meine Mutter wies mehrfach betont dezent darauf hin, wie fotogen ihre Erdbeertorte sei. Hier vor Bruderbauch. (Ich war zu voll und musste bei Torte passen, nahm statt dessen Espresso und hundertjährigen spanischen Brandy.)

Irgendwann dann doch Aufbruch.

10 – Regionalbahnhofsästhetik. Ereignislose Rückfahrt.

Am Hauptbahnhof hatte ich wieder Automatenfotos für meine Serie aufnehmen wollen – doch beide Automaten waren ausgeschaltet. Zu Hause ein wenig Aufräumen.

11 – Ausgewogenes Abendessen. (Die Brausetrüffel von Sawade – unten – sind sehr super.)

12 – Bettblick mit fast vollem Mond. Neue Lektüre begonnen: Fabio Geda, Verena von Koskull (Übers.), Ein Sonntag mit Elena, mich davon nach Norditalien mitnehmen lassen.

§

Die frühere US-amerikanische Botschafterin in Dänemark, Carla Sands, twittert Blödsinn – und fängt sich sehr lustige Drukos ein.

Journal Samstag, 11. Juni 2022 – Heimfahrt in der Sonne, Warn-App-Rekord, Schnipsel

Sonntag, 12. Juni 2022

Unruhige Nacht, morgens genug Zeit zum Packen.

Wir waren früh am Berliner Hauptbahnhof, um uns noch zu einem Morgenkaffee setzen zu können. Was gar nicht einfach war, weil es sich ja um ein Einkaufszentrum mit Gleisanschluss handelt, Kaffeeläden zum Hinsetzen sind darin nicht wirklich vorgesehen (es wurde wieder das Einstein am Eingang). Als Reiseproviant besorgte ich uns meinen Berlin-Liebling Streuselschnecke (die keine Schnecke ist), die aß ich auf der Fahrt bei verhältnismäßig frühem Frühstückshunger um zwölf zu einem Apfel.

ICE kam pünktlich, diesmal war der Fensterplatz tatsächlich so einer, wir saßen in der 1. Klasse am Tischchen einander gegenüber.

Thüringen.

Autos. (Abends musste ich mal wieder den Fernseher anschreien, als mir die Werbung “ein neues vollelektrisches Fahrerlebnis” verkaufen wollte. ES IST EIN SCHEISS A U T O, IHR BESCHEUERTEN WERBENASEN! Ich lade euch aber gerne mal auf ein echtes vollelektrisches Fahrerlebnis ein. In die Münchner U-Bahn.)

Gut steht er da, der Hopfen.

Ankunft in München 14 Minuten später als geplant – doch bei einer Reisezeit von viereinhalb Stunden finde ich das nicht ernsthaft unpünktlich. (Lustigerweise begegnete ich beim Heimkommen einer Nachbarin, die beim Anblick unserer Koffer erzählte, wie lange sie am Vortrag wegen Verspätungen per Flugzeug zurück aus einem Urlaub in einer europäischen Hauptstadt unterwegs gewesen war. Wo wir doch alle wissen, dass es nur bei Bahnreisen Verzögerungen und Missstände gibt, hahahaha netter Versuch! Ernsthaft: Ich empfehle sich bewusst zu machen, dass Reisen mit so vielen Unwägbarkeiten verbunden ist, dass Abweichungen vom Plan normal sind.)

München war sonnig und warm. Ich stellte nur kurz den Koffer ab und erledigte ein paar Haushalts-Handgriffe. Während Herr Kaltmamsell den Erfolg des Bewässerungssystems mit Wasserkolben überprüfte (topp!) und sein Gepäck ausräumte, ging ich auf eine Einkaufsrunde für Lebensmittel. Unter anderem brachte ich Zutaten für Eiskaffee mit (auf der Basis von entkoffeiniertem Espresso):

Nach Räumen und Erledigungen nahm ich mir Zeit für Yoga, ich startete nochmal das 30-Tage-Programm “Home” von Adriene. Den Abend feierten wir mit den ersten Erdbeer-Gintonics der Saison.

Nachtmahl waren Spaghetti Carbonara (Herr Kaltmamsell) und eine große Schüssel grüner Salat (mit Zitronen-Knoblauch-Vinaigrette von mir), danach noch ein paar Erdbeeren und Schokolade.

Meine Corona-Warn-App zeigt derzeit einen persönlichen Rekord von fünf Risikobegegnungen in der vergangenen Woche an, ich befand mich also jeweils mehr als 15 Minuten in Risikonähe von fünf Personen, die seither mit PCR positiv auf Covid-19 getestet wurden – mindestens fünf, denn das sind nur die, die ebenfalls die Corona-Warn-App verwenden. Zwar trug ich die meiste Zeit unter Menschen meine FFP2-Maske (immer in Bahn und im Berliner Nahverkehr, fast immer in den re:publica-Sessions), aber halt nicht durchgehend (über längere Zeit drücken die Gummis hinter den Ohren halt doch unangenehm): z.B. nicht in den Außenbereichen der re:publica, oft nicht am ersten Tag der re:publica in Sessions, bis mir der dadurch verminderte Schutz von Risikogruppen klar wurde (diese Konferenz ist ja besonders inklusiv), natürlich auch nicht in Restaurants. Ich werde also mal besser ab sofort täglich selbsttesten. Zur Erinnerung: Corona ist nicht vorbei (und die Expert*innen sehen düster für den nächsten Herbst).

Noch ein paar nachgetragene Schnipsel:

  • In der ohnehin beeindruckenden Süßigkeiten-Abteilung der KaDeWe-Lebensmitteletage gab es einen großen Extra-Bereich für Lakritz.
  • Auf der re:publica hörte ich auf den Podien oft Gendern mit Glottis-Schlag (also das gesprochene Sternchen, wie es im Deutschen sonst in Wörtern wie Spiegelei verwendet wird), je jünger der Sprecher oder die Sprecherin, desto öfter.
  • Was mich an der re:publica mal wieder beeindruckte: Das vom Motto abgeleitete Design, diesmal mit der Anmutung Karaoke-Buchstabenverlauf. Mir wurde klar, wie viel Wertschätzung und Zuneigung gutes Design ausstrahlen kann, ich fühlte mich warm umarmt. Umso mehr, als die durchdachte und aufmerksame Orga dazu passte, überall freundliche Menschen.

Journal Freitag, 10. Juni 2022 – Berlin 6, re:publica 3 und abendliches Show-Kochen

Samstag, 11. Juni 2022

(Geschrieben zur Hälfte am Samstagmorgen im Berliner Hauptbahnhof, Café Einstein – vielen Dank fürs freie WLAN!)
(Erschöpfender Kampf zur zweiten Hälfte mit Onlinestellen im löchrigen WLAN des ICE – danke für nur sehr wenig.)

Der Tag startete mit einem Schrecken: Der erste routinemäßige Coronatest zeigte ein seltsames Ergebnis.

Ich ließ mir einen zweiten von Herrn Kaltmamsell geben – der zum Glück eindeutig negativ war.

(Meine Nerven! Bei Infektion hätte ich ja am Samstag nicht zurück nach München fahren können, sondern eine Isolationsmöglichkeit für eine Woche in Berlin suchen müssen.)

Nach einem Morgen-Cappuccino im Café neben der Ferienwohnung – Empfehlung des Cappuccinos und der freundlichen Atmosphäre des Cafés Lekker – erledigten wir Einkäufe für den Abend: Eine Berliner Freundin hatte immer wieder mit ihren fehlenden Kochfertigkeiten gehadert, die ihr manchmal sogar den Zugang zu Rezepten verwehrten – weil sie bereits nicht wusste, wie sie zu den ersten dort genannten Schritten kam. Und so hatte ich angeboten, in ihrer Küche mit ihr ein Gericht ihrer Wahl zu kochen, mit Erklärungen zu jedem Schritt und Möglichkeit zu Nachfragen. Da Herr Kaltmamsell dabei war und ohnehin der bessere und routiniertere Koch ist, bat ich ihn um Unterstützung.

Den dritten Tag der re:publica (Hochsommerwetter) begann ich auch diesmal mit Gunter Dueck, diesmal nannte er seine freundlichen Gedanken “Look up! Mehrheiten-Mitnehmen ohne Utopie-Syndrom”. Er plädierte für Diskussionen ohne Polarisierung und aggressive Reflexe.

Anschließend ließ ich mir von Frederike Kaltheuner, Director Tech and Human Rights Division bei Human Rights Watch, auseinandernehmen: “Fake AI”. Sie erklärte, was an “Künstlicher Intelligenz” (Sie wissen: einer meiner Lieblings-Schimpfs) Hype ist, was geht (wenig) und was nicht (das meiste), was wirklich schlechte Programmierung ist und in welchen Fällen KI als Vorwand verwendet wird. Kaltheuners Fazit: Schlechtes Ingenieurtum und schlecht programmierte Algorithmen sind noch auf lange Sicht erheblich gefährlicher als alles, was Sorgenträger*innen von echter KI befürchten.

Über den Tag verteilt sah ich in drei Teilen: “El Hotzo fragt sich: Warum zur Hölle sind Menschen auf Twitter?” – satirische Schnipsel über das Phänomen Twitter. Wie so oft fand ich daran am interessantesen, den Menschen hinter einer Internet-Institution zu erleben: So sieht er also aus, so bewegt er sich, so redet er.

Zwischen den obigen Sessions bereits erfreuliche Treffen und Gespräche, vor allem mit Thomassen, die in meinem Internet die deutliche Mehrzahl darstellen. Weitere Treffen zwischen den weiteren Sessions.

Besonders viel zog ich aus der nächsten: “Angry Weather – understanding the impacts of climate change today”. Klimafroscherin Friederike Otto (Grantham Institute for Climate Change at Imperial College, eine Leitautorin des Sechsten Sachstandsberichtes des IPCCs) hat ein Buch über die Forschung geschrieben, die untersucht, wie stark konkrete Extremwetterereignisse mit dem Klimawandel zusammenhängen. Und präsentierte (für mich) überraschende Ergebnisse. Zum einen wird Klimawandel inzwischen als Ausrede für schlimme Auswirkungen von Naturkatastrophen verwendet, die in Wirklichkeit von lange bestehender sozialer Schieflage verursacht wurden (Madagaskar 2021), zum anderen hat sich gezeigt, dass ganz sicher extreme Hitzewellen in den vergangenen Jahren immer vom Klimawandel verursacht wurden (z.B. Nordamerika 2021). Und sie zeigte auf, dass wir in weiten Gebieten der Erde Extremwetter noch gar nicht wissenschaftlich erfassen, z.B. im größten Teil des afrikanischen Kontinents. Ihr Buch kam sofort auf meine Leseliste.

Ähnlich gruslig, aber ganz anders: Natascha Strobl, Annika Brockschmidt über “Strategien der Neo-Rechten”. Die beiden Faschismus-Expertinnen berichteten über aktuelle Entwicklungen: Alles weist darauf hin, dass rechtsextremistisches Gedankengut immer weiter in eigentlich konservative Kreise eindringt. Mich beeindruckte die souveräne Art des Vortrags: Keine Charts, die beiden redeten nur, offensichtlich gut vorbereitet und abgesprochen übergaben sie immer wieder das Wort der anderen, “da kennst du dich jetzt besser aus”. Natascha Strobl versuchte auf einer etwas optimistischen Note zu enden: Das sei alles nicht unvermeidlich, man könne durchaus noch gegenarbeiten.

Jetzt frühstückte ich an frischer Luft im Schatten des Tors zur Halle: Äpfel, Pumpernickel. Eine dringend nötige Dosis Spaß holte ich mir bei Aurel Mertz: „Wie Aurel Mertz der mächtigste Pferdeinfluencer der Welt wurde“. Der Mann ist wirklich lustig (zehn Minuten technische Probleme ohne Anstrengung überbrückt durch Geplänkel mit Nilz Bokelberg) und hatte einen Twitter-Streit (er hatte olympischen Pferdesport kritisiert und sich den Hass der deutschsprachigen Reit-Community zugezogen) zur Comedy-Nummer gemacht.

Draußen sah es nach Sommerferien aus.

Mein Abschluss der re:publica war eine Session auf Stage 6: Zu der ging man abenteuerlich über Treppen, Arkaden, mehr Treppen, querte eine andere Halle, ging eine weiteren Gang mit Glaswand – ganz wunderbar. Thema der Session: „Bis hierhin und nicht weiter – Community Management für eine bessere Zukunft“. Ich bin ja so alt, dass ich die Entstehung von sowas wie “Community Management” live mitverfolgt hatte, jetzt erfuhr ich, wie professionalisiert und organisiert es inzwischen ist – und nahm tatsächlich etwas für mein Berufsleben mit.

Schluss mit re:publica, ich war voll im Kopf und ordentlich erledigt (aber: das war es SO wert! GROSSARTIGE VERANSTALTUNG UNBEDINGT WIEDER!). In der Ferienwohnung packten wir unsere Einkäufe zusammen und nahmen eine S-Bahn nach Prenzlauer Berg. Ich freute mich sehr über das Wiedersehen mit der Freundin – und dann kochten wir los. Gewünscht waren: Salatdressing (es gab dickblättrigen Kopfsalat, die eine Hälfte mit Tahini-Dressing, die andere mit Joghurt-Schnittlauch-Dressing), außerdem unser klassisches Freitagabend-Steak: Entrecôte, dazu Ofengemüse (Kartoffeln, Karotten, Rote Bete) und cremige Polenta. Wir bekamen Cremant und zum Essen einen schönen Primitivo, Nachtisch Erdbeeren. Außerdem bin ich jetzt ein wenig auf dem neueren Stand zum Leben der Freundin – und habe eine echte Berliner Wohnung gesehen, samt Ausblick auf Dächer und Mauersegler.
Nachtrag: Hier Fotos vom Abend.

Lange hielten wir aber nicht durch, ich pflückte den schlafenden Herrn Kaltmamsell vom (sehr schönen) Sofa, wir fuhren zu unserer letzten Nacht in die Ferienwohnung.


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen