Journal Freitag, 2. Februar 2024 – Lichtmess mit neuen Ohrringen im Schmock

Samstag, 3. Februar 2024 um 9:05

Derzeit versuche ich mir die Ohropax abzugewöhnen, ich hoffe darauf, dass Abstinenz das juckende Ekzem in meinen Gehörgängen abheilen lässt. Nach einigen Nächten mit geschlossenem Fenster, weil draußen eh strenger Frost, bin ich jetzt übergegangen zu gekipptem Fenster. Ich übe also Einschlafen beim Geräusch eines jodelnd nicht anspringenden Autos (wach genug für die Verwunderung, dass es das noch gibt, nächstes Mal nehme ich es auf) oder bei Unterhaltungen unterm Schlafzimmerfenster. In der Nacht auf gestern schreckte ich nur einmal auf bei Geschrei vorm Fenster.

Ein düsterer Tag, hin und wieder regnete oder tröpfelte es. Die Flure des Bürohauses waren Freitag-typisch wenig besetzt. Aber es waren Leute da, an die ich den Hinweis reden konnte, dass gestern, 2. Februar, Lichtmess war.

An diesem Tag endete das Dienstboten- und ‘Knechtsjahr’. Das Gesinde bekam den Rest seines Jahreslohnes ausbezahlt und konnte – oder musste – sich eine neue Dienststelle suchen oder das Arbeitsverhältnis beim alten Dienstherrn, üblicherweise durch Handschlag, um ein weiteres Jahr verlängern.

Aber dann traute ich mich doch nicht nachzusehen, wie lange die Schlange vorm Büro von Oberstchefs für diesen Handschlag war.

Trotz unwirtlichem Draußen ging ich einen weiteren Weg zu meinem Mittagscappuccino. Die milde Luft tat auch mit ein paar Regentropfen darin gut.

Mittagessen zurück am Schreibtisch: Laugenzöpferl, Bananen, Orange.

Nach Feierabend ausführliche Lebensmitteleinkäufe fürs Wochenende beim Vollcorner. Auf dem Heimweg besuchte ich Anlass 1 meines Geld-um-mich-werfens Anfang Januar: Ich holte in der Poster-Galerie meine sechs gerahmten Grafiken ab, bekam gleich mal Experten-Tipps fürs Hängen und Filzkleberchen für die Rahmenecken (damit sie keine Spuren auf der Wand hinterlassen, wenn ich hin und wieder umhängen möchte).

Zu Hause eine neue Folge Yoga-Gymnastik, auch diesmal mit der regelmäßigen Aufforderung “notice how you feel”: Auf jeden Fall belustigt, wenn ich aus der Brücke Wirbel für Wirbel absinken soll und die ersten fünf Halswirbel durch lautes Knacken beweisen, wie sorgfältig ich der Anleitung folge.

Feinmachen fürs aushäusige Abendessen mit Herrn Kaltmamsell und Ausführen von Anlass 2 meines Geld-um-mich-werfens Anfang Januar: Meine neuen Ohrringe von Alessandra Pizzini.

(Ja, ich brauche eigentlich einen Haarschnitt, lasse diesmal aber noch ein paar Wochen Material für Mal-was-Anderes wachsen.)

Auf Facebook assoziierte jemand Radiolarien, das gefiel mir sehr gut. Ich war an Elektronen erinnert gewesen, die um einen Atomkern schwirren.

Reserviert hatte ich im Schmock (Website immer für einen neuen Lacher gut, derzeit u.a.: “Sternegastronomie”). Wir gingen zu Fuß, das Volkstheater liegt noch näher als gedacht.

Erstmal stießen wir mit Cremant auf den neuen Job von Herrn Kaltmamsell an. Er war gestern erstmals am neuen Einsatzort gewesen, Übergabe Vorgängerin, Kennenlernen Kolleg*innen, davon erzählte er den Abend über.

Aus dem vertrauenserweckend übersichtlichen Winter-Menü wählten wir erstmal die israelisch-arabischen Vorspeisen für uns beide.

Die Vorspeisen schmeckten gut, litten allerdings unter der Vermischung, weil alle auf einen Teller gehäuft (in Tel Aviv wurde sie vor zehn Jahren immer in Einzelschälchen serviert). Besonders gut war das frische Pita.

Als Hauptspeise hatte Herr Kaltmamsell gefüllte Maishähnchenbrust mit Ofengemüse, ich geschmorte Lammschulter mit Safran-Kartoffelstampf und Okra – schön winterlich herzhaft. Dazu eine Flasche israelischer Gamla Merlot, der schön passte.

Für Nachtisch waren wir eigentlich viel zu satt, ließen uns aber doch von der herzlichen und aufmerksamen Bedienung die Karte bringen und teilten uns ein Kardamom-Zimt-Parfait mit besonders fruchtiger Clementinen-Sauce.

Auch nach Hause gingen wir zu Fuß, der Spaziergang war eine Freude.

Nachtrag: Unter der Rechnung vom Schmock.

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Seit Kurzem folge ich auf Mastodon der Seemannsmission – und das stellte sich sehr schnell als gute Idee heraus.
Allein aus dieser von der Seemannsmission verlinkten 4-Minuten-Doku habe ich so viel gelernt!
“Fern von maritimer Romantik: Der Alltag von Seeleuten”.
(“Im Hamburger Seemannsklub Duckdalben” – <3)

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WOCHENENDEEEEEE!

die Kaltmamsell

9 Kommentare zu „Journal Freitag, 2. Februar 2024 – Lichtmess mit neuen Ohrringen im Schmock“

  1. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Oh sind die Ohrringe schön …
    Mein Versuch mit Ohrlöchern endete mit fies entzündeten Ohrläppchen und so blieb es bei dem Versuch, aber schöne Ohrringe bestaune ich immer.

  2. Trulla meint:

    Ich liebe schönen Schmuck, trage ihn selbst bis auf Ring und Kette aber kaum, weil es mich irgendwie stört. Aber es macht mir Freude, ihn an anderen zu sehen, besonders wenn es so schöne Exemplare wie diese Ohrringe sind.

    Duckdalben ist eine großartige Institution, die wirklich Anerkennung verdient. ich kenne zwei der ehrenamtlich Tätigen persönlich und kann sagen, dass sie seit Jahren mit Herzblut bei der Arbeit sind und sich durch ihre Erlebnisse beglückt und bereichert fühlen.
    Der NDR hat schon einige Dokumentationen über diese Seemannsmission veröffentlicht.

  3. Sabine meint:

    Lustigerweise hab ich gerade beim Lesen dieses Blogeintrags mit halbem Ohr diese Reportage gehört: https://www.deutschlandfunk.de/die-macht-der-container-wie-reedereien-den-lauf-der-weltwirtschaft-bestimmen-dlf-22345875-100.html
    Mit Einblicken “in den Bauch” eines Schiffes und in die Arbeits- und Lebensverhältnisse dort. Sehr empfehlenswert!

  4. kid37 meint:

    Sehr schöne Ohrringe! Ich habe eine zeitlang in der Nähe der Seemannsmission in Hamburg gearbeitet und hege schöne Erinnerungen dran. Über deren Webseite gelangt man auch zu “Bufdimare.de”. Kein italienisches Gericht, sondern eine Infoseite für den Bundesfreiwilligendienst bei der Seemannsmission, auch europaweit. Falls jemand z.B. nach Antwerpen will für so ein Projekt.

  5. Croco meint:

    In der Nähe ist die Alte Hafenstraße. Da bekam man immer einen Parkplatz, weil da die besetzten Häuser waren. Die Punks und Anifas waren die Angstgegner der 80er.
    Die Häuser gibt es nicht mehr?

  6. Ilka meint:

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    Gerne gelesen

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  7. Trulla meint:

    @Croco: doch, es gibt sie noch und einige der damaligen Besetzer wohnen dort noch immer. Die Häuserzeile gibt heute ein fröhliches buntes Bild ab und ist deshalb ein “Hingucker” für Touristen. Damals gab es heftige Kämpfe zwischen den Hausbesetzern und dem Senat bzw. der Polizei, bis der amtierende Erste Bürgermeister Klaus von Dohnanyi Ende der 80er die Szene befriedete, indem er gegen Widerstände sein Amt verbürgte für einen Pachtvertrag zwischen Stadt und Bewohnern. Eine großartige Leistung, die sich letztlich über die Jahre hinweg bewährte.

  8. roswitha meint:

    die seemannsmission hat in vielen hafenstädten gästehäuser. wir waren dreimal im amsterdam vor jahren, nur sechs zimmer zentral in der stadt, damals einfach und günstig.

  9. Croco meint:

    @trulla
    Danke für die Information. Das freut mich sehr, dass die Auseinandersetzung um die Häuser so gut ausgegangen ist.
    Vor meinem inneren Auge sehe ich immer noch die bunten Häuser und die ausgebrannten Autos davor.

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