Archiv für Dezember 2025

Journal Samstag, 13. Dezember 2025 – Getrennter adventlicher Familienbesuch

Sonntag, 14. Dezember 2025

Ausgeschlafen, das dauerte bis nach halb sieben!

Es wurde hell zu einem Nebeltag.

Vergangene Woche kam der Brief des Münchner Kreisverwaltungsreferats mit meiner Berufung zur Wahlhelferin für die Kommunalwahl am 8. März – zu meiner Bestürzung als Wahlvorsteherin. War ich noch nie, wollte ich nie, jetzt trage ich auch noch bei einer so komplexen Wahl mit zweitägiger Auszählung die Gesamtverantwortung für ein Wahllokal und das ganze Team.

Dafür wollte ich definitiv eine ausführliche Präsenzschulung möglichst nah am Wahltermin. Doch der Prozess, um gestern Morgen an Termine und Anmeldung ranzukommen, hatte sich seit der letzten Wahlhilfe Anfang 2025 schon wieder geändert. Diesmal, so schloss ich indirekt aus dem Berufungsschreiben (“Ihr Einsatz wird aus dem WHP übernommen. Sie brauchen keine WOS-ID.”), musste ich mich wohl im “WahlhelferPortal (WHP)” mit meiner Bayern-ID anmelden. Und wie schon beim letzten Mal, als ich das musste, schaffte ich es nicht ohne Hilfe von Herrn Kaltmamsell – denn die Anleitung auf dem Online-Portal der Bayern-ID lässt schonmal so grundlegende Hinweise aus wie den, dass ich für eine Bearbeitung auf meinem Laptop eine App auf diesem Laptop UND mein Handy samt Ausweis-App benötige. Diese Laptop-App musste ich außerdem erstmal aktualisieren. Ich fühlte mich wie der erste Mensch, und das, um es zu wiederholen, obwohl ich den byzantinischen Prozess der Einrichtung der Bayern-ID bereits vor Jahren absolviert hatte und dies meine dritte oder vierte Anwendung derselben war.

Endlich hatte ich auch die Schulungen gefunden und gebucht, dafür verwendet das Kreisverwaltungsreferat jetzt offensichtlich ein Warenwirtschaftssystem, ich hatte mit Shop und Einkaufskorb zu tun.

Früher als sonst an Samstagen machte ich mich fertig zum Schwimmen, denn ich hatte für den Nachmittag Pläne. Im Olympiapark verschwanden die legendäre Kulisse und der Fernsehturm gründlich im Nebel.

Es war viel los im Schwimmbecken, doch wir kamen miteinander zurecht. Es wurde ein schöner Schwumm, leicht und schnell. Nur anschließende Gereiztheit über Menschen, die sich im Gang zwischen Spinden und Einzelumkleiden vor ihrem offenen Spind umkleiden und fertigmachen statt in einer Kabine und die dadurch ziemlich lang im Weg stehen.

Im U-Bahnhof Sendlinger Tor kaufte ich Frühstückssemmeln, die gab es kurz nach eins mit Butter und Meyer Lemon Curd (sehr gut!), außerdem eine Orange. Ich packte rasch und ging meine Nachmittagspläne an: Besuch bei meinen Eltern in Ingolstadt zum Austausch von Stollen und Plätzchen – der jährliche Adventspaziergang mit Gesamtfamilie ist erst für den vierten Advent angesetzt, das Gebäck sollte doch schon vorher verfügbar sein. Herr Kaltmamsell verbrachte den Tag bei seiner Familie in Augsburg: Aus USA war eine Kusine mit Partner angeflogen für einen Christkindlmarktbesuch.

Pünktliche aber sehr volle Regionalbahn nach Ingolstadt – was sich bereits am vollen Bahnsteig abgezeichnet hatte, umso mehr als sich der einfahrende Zug als nur einstöckig herausstellte. Dennoch kam ich an einen Sitzplatz anhand meiner eisernen Regel, mich auf den allerersten freien Platz zu stürzen und nicht erst noch rumzuschauen. Auch wenn auf diesem freien Platz ein (geschätzter) Dreiviertel-Cello-Kasten stand. Die dazugehörige sehr junge, kleine, zarte Frau führte mir vor, dass man auch mit ihrem Format die ganze Zwischenlehne und ein Stück Nebenplatz vereinnahmen kann.

Die Nebelei hielt die ganze Fahrt über an, und wenn Ingolstadt irgendwas kann, dann ja Nebel. (Und Parkhäuser.) Nach meiner Ankunft ein wenig Verwirrung, weil ich fest davon ausging, selbsttätige Ankunft am Elternhaus durchgegeben zu haben – andere aber von Abholen am Bahnhof ausgingen. Dabei war ich für den Fußmarsch nach überheiztem Bahnhabteil besonders dankbar gewesen.

Kuschliger Plausch bei meinen Eltern, Austausch von Neuigkeiten und Befindlichkeiten, die sich altersgemäß viel um Gesundheitsdinge und letzte Dinge drehen. Aber auch Planung der Familienweihnacht am 2. Feiertag.

Auf der abendlichen Heimfahrt spät im Jahr gewhamt worden, und dann auch noch von betrunkenen TSV-1860-Fußballfans in der Regionalbahn. Sie waren aber bereits heisergegrölt und hielten das Mitsingen nicht bis zum Ende des Songs durch. Dann wurde wieder fußballgegrölt, ihr Verein in irgendeiner Umschreibung “über alles”.

Herr Kaltmamsell hatte bereits durchgegeben, dass er spät und nach dem Abendessen heimkommen würde, also nahm ich mir den Ernteanteil-Lauch vor. Die Scheißbrummfliege lebt immer noch und folgte mir in alle Räume, umbrummte mich auch beim Kochen. Es gab den Lauch geschmort in Butter mit Thymian, abgelöscht mit etwas Weißwein vom Vorabend, Nudeln untergemischt – schmeckte sehr gut. Dann geschenkter Stollen (ganz anders als meiner, herzhaft und gut) und Schokolade.

Gegen neun kam Herr Kaltmamsell heim, Austausch von Familienneuigkeiten.

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Mein Heimatblatt Süddeutsche Zeitung (im Sinne von: sie ist meine Medienheimat, über die Jahrzehnte am vertrautesten und geschätztesten, die Autor*innen fühlen sich wie Familienmitglieder an) verändert sich drastisch: Nach 16 Jahren verlässt Chefredakteur Wolfgang Krach die Redaktion. Im Unfrieden.
“Ruhm und Rendite”.

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Im taz-Kommentar oben ist ein empfehlenswerter ausführlicher Artikel über die Zukunft des deutschsprachigen Journalismus verlinkt, der die wandelnde Rolle von Influencerinnen beleuchtet:
“Zukunft des Journalismus
Die Ich-Geschichte”.

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Tanz mit Hula Hoop-Reifen!
Ich finde den Herrn rumdum bewunderswert. (Und er ist Münchner!)

Journal Freitag, 12. Dezember 2025 – Wieder eine Arbeitswoche rumgebracht

Samstag, 13. Dezember 2025

Der Wecker holte mich aus extratiefem Schlaf, zum ersten Mal im Leben verstand ich die Verlockung der Snooze-Taste.
(Die Brumm-Fliege lebt immer noch.)

Ich verließ das Haus wieder im Dunklen, wieder ließen dunkle Wolken keinerlei Morgenblau zu.

Zum Start des Arbeitstages sah ich meinem Computer erstmal 45 Minuten bei Updates zu (nicht ganz, ein paar Sachen konnte ich ohne Computer erledigen, außerdem die erste Tasse Tee aufbrühen).

Berufliche Besorgungen brachten mich vor die Tür, ich nahm absichtlich Umwege.

Um die Mittagszeit Ahnung von blauem Himmel, fahles Wintersonnenlicht. Später Mittagscappuccino, es war kälter geworden.

Spätes Mittagessen ohne Appetit, aber muss ja: Orangen, Quark mit Joghurt.

Der Nachmittag wurde dann richtig sonnig mit blauem Himmel und entsprechend buntem Sonnenuntergang.

Etwas späterer Feierabend als geplant, weil ich etwas vergessen hatte und schnell noch wegarbeitete.

Beim Unterqueren des Heimeranplatzes:

Ich verlas natürlich erstmal “The Worst of Hans Zimmer” und dachte sofort: WO ANFANGEN?!
(Auch meiner Meinung nach hat er Filmmusik kaputt gemacht.)

In der Heimeranstraße wieder ein kurzer Blick in die Auslage des vertrauten Goldschmiede-Kollektivs Silberfisch: Dieses Jahr fast ohne Gold – bei den absurd hohen Goldpreisen derzeit müssten die Schmied*innen wahrscheinlich unverkaufbar hohe Preise dafür verlangen. Wie schade, ich mag Gelbgold für meinen Schmuck am liebsten.

Lebensmitteleinkäufe beim Vollcorner, wegen Gelegenheit auch gleich für Heilig Abend. Am Himmel sah ich die nächste Nebelwand heraufziehen.

’tis the season – der Paketjagd. Beim Heimkommen fand ich einen DHL-Zettel vor, der die E-Mail-Benachrichtigung bestätigte: Mein Pakte habe nicht wie gewünscht vor der Haustür abgelegt werden können, ich muss es am ehemaligen Hauptbahnhof abholen. Und als ich im Web nach dem Verbleib einer DPD-Lieferung sah, fand ich die Behauptung, sie sei am Donnerstagvormittag abgelegt worden – da war aber weder am Donnerstag noch am Freitag etwas. Also gleich mal Kontaktformular mit Reklamation ausgefüllt. Online-Kauf im Inland zweieinhalb Wochen vor Heilig Abend reicht also nicht für sichere Lieferung zur Bescherung.

Eine Einheit Pilates, immer schön durch den Schmerz durch (wenn ich bei jedem Schmerz aufhören würde, hätte ich seit vielen, vielen Jahren gar keine Gymnastik mehr gemacht) – solange das noch geht, kann’s ja nicht so schlimm sein.

In bequemen Schlumpfklamotten bereitete ich die Drinks zum Wochenendfeiern: Es stand fest, dass sie auf frisch gepresstem Crowdfarming-Orangen-Saft basieren würden, Herr Kaltmamsell durfte zwischen Tequila Sunrise und Campari Orange entscheiden und nahm Letzteres. Gut!

Da Herr Kaltmamsell erst abends heimgekommen war, gab es schnelles Abendessen (im Gegensatz zur Verarbeitung des Ernteanteils, dessen Bestandteile diesmal allesamt zeitaufwändiger gewesen wären): Shakshuka, zu dem ich Balkanbrot gekauft hatte.

Im Glas ein Chardonnay Mon Rêve – Fût de Chêne: Langsam nähere ich mich Chardonnay wieder an, dessen klassisch altmodische Varianten mit Holz, Butter, Vanille wie ein Fausthieb mir lange gar nicht mehr geschmeckt hatten. Dieser hier gefiel mir, kräftig mit überraschend mineralische Noten in der Nase, komplett unblumig, wenig Säure, nur ganz leicht holzig.

Da im Fernsehen gar nichts Erträgliches für Nebenher lief, bat ich Herrn Kaltmamsell um Hollywood in den 1930ern (bei Maximilian Buddenbohm hatte mich dieses superniedliche Liebesduett von Bob Hope and Shirley Ross aus Thanks for the Memory von 1938 bezaubert). Er kramte eine Absurdität von 1932 von der Festplatte heraus: Million Dollar Legs mit W. C. Fields und einer hinreißenden Lyda Roberti. Vor allem aber komplett absurd und haarsträubend amateurhaft gemacht. Herrlich.

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Mek bloggte über Apfelvorlieben, woraufhin ich ihn fragte, ob er seine Apflepflückvergangeheit eigentlich schonmal erzählt habe?
Hatte er.
“Streuobst – 100% Direktsaft”.
(Dass veganer Apfelsaft ein Oxymoron ist, weiß man eh, wenn man auch nur einmal beim Apfelpflücken mitgearbeitet hat.)

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HAHAHAHA! Ich wusste, dass es in Island sehr viele Schriftsteller*innen in Relation zur Gesamtbevölkerung gibt. Ich wusste auch, dass sehr viele davon Krimis schreiben.
Was ich nicht wusste: Es gibt in Island nur einen forensischen Pathologen, Pétur Guðmannsson – und der bekommt alle, alle Fachfragen der Krimi-Autor*innen ab. Um überhaupt noch Zeit für seine eigentliche Arbeit zu haben, gibt er jetzt einfach Seminare speziell für sie (Artikel von 2023):
“Iceland’s only forensic pathologist is teaching crime writers about death”.

via @baldur

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Notes for radical living
(Tilda Swinton)

Make friends with chaos
Hold a calm mind
Let things shake
Forgive human frailty
Champion second chances
Defy unkindness
Reverence fellowships
Listen to the quiet
Respect the young
Seek growth
Trust in change
Treasure learning
Inspire faith in evolution
Hold faith in miracles
Reach beyond the binary
Be wary of the doubtless
Honour the brightheaded
Grow plants
Attend to the weather
Be electric
Cherish language
Celebrate silence
Dance daily
Bless the handmade
Magic up fresh beauty
Sing into pain
Find joy in shadow
Challenge assumptions
Follow the wind
Look upwards
Swoon under clouds
Feel your courage
Face forward
Read history
Open your ears
Drop your shoulders
Bend your knees
Raise the roof
Keep breathing
Be trustworthy
Take care of yourself
Believe in goodness
Head for the light

Ich begrüße alles davon (und finde es von Tilda Swinton durch und durch glaubwürdig). Doch ich weiß, dass ich nur zu einem Bruchteil fähig bin.

Quelle

via @fuchsbrom

Journal Donnerstag, 11. Dezember 2025 – Sturznebel

Freitag, 12. Dezember 2025

Diesmal marschierte ich wieder in fast völliger Nachtdunkelheit in die Arbeit: Der Himmel mit geschlossener Wolkendecke düster, es fielen ein paar Regentropfen. Aber es war weiterhin mild.

Auf der Theresienwiese flogen drei Gänse über mich weg, nur mäßig gesprächig.

Emsiger Arbeitsvormittag, statt auf Mittagscappuccino hatte ich vor allem Lust auf Bewegung im Draußen, auch wenn das düster geblieben war. Also marschierte ich eine Runde an zwei gewohnten Quellen von Mittagscappuccino wenigstens vorbei, atmete tief den Geruch von kalter, nasser Erde ein. Erst kurz vor meinem Mittagessen (Orangen, Hüttenkäse) war mir nach Koffein, ich holte es mir in der Haus-Cafeteria.

Hell wurde es gestern eh nicht mehr, statt dass er aufriss, schickte der Himmel aus Wolken Schwaden – die in bühnenreifer Geschwindigkeit die Sicht vernebelten.

Arbeitsreicher Nachmittag, ich kam zu einigem nicht.

Feierabend mit Geschäftigkeit schon auf dem Heimweg: Herr Kaltmamsell hatte berufliche Termine bis sehr spät, ich sprang für ihn ein und holte Ernteanteil ab.

Zu Hause buk ich erstmal Schneeflocken.

Da ich jedesmal erst länglich durch meine Online-Listen suche, bis ich Frau Muttis Rezept dafür finde, schrieb ich es gestern ins Rezept-Eck meines Blogs.

Als Abendessen gab es den eben abgeholten Feldsalat.

Nach dem ersten von zwei Vollbädern. Dressing aus Zitronensaft und Kürbiskernöl, Feldsalat ist wirklich eine edle Köstlichkeit. Dazu ein wachsweiches Ei, danach gereifter Crowdfarming-Manchego mit Quittengelee. Nachtisch Schokolade.

Mein Körper spielt sich die ganze Woche schon mit Zipperlein auf, aber bislang reichen die Schmerzen lediglich in den Nerv-Bereich: Ein paar (!) Zähne, die Lendenwirbelsäule eh, die operierte Hüfte rundum inklusive Leiste, mal das eine Knie, mal das andere bei Bewegungen wie Treppensteigen, die Halswirbelsäule bis zu Blitzen in die Schulter, das linke Großzehengelenk gestern den ganzen Tag bis zum Hinken, Unterleib wie zu Menstruationszeiten – was ist denn los? Beziehungsweise: Ist da endlich mal Ruhe?!

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Der Link war auf Mastodon mit dem Kommentar versehen: “This website is exactly what the internet exists for.” Stimmt.
Schauen Sie sich hier an, wie groß was ist:
“Size of life.”
(Ich mochte die Beschreibung des Menschen.)

Journal Mittwoch, 10. Dezember 2025 – Erst Mittwoch

Donnerstag, 11. Dezember 2025

Es ist Dezember, und seit Dienstagabend nervte mich eine fette Brummfliege, die durch die Wohnung torkelte. Die Sorte Brummfliege, die ich bislang immer einsortiert hatte als Preis, den man halt für offene Fenster beim ersten Sommereinbruch zahlt.

Erst Mittwoch. Das war mein Gedanke in der unruhigen letzten halben Stunde vor Aufwachen, daran musste ich mich immer wieder beim morgendlichen Fertigmachen erinnern, auf dem Weg in die Arbeit unter herrlich klarem Himmel (und mit Bodenfrost), beim Start am Schreibtisch.

Morgenblick aus dem Büro.

Überraschend emsiger Vormittag, bei einem Gespräch im Gang viel gelernt.

Raus in die herrliche Sonne auf einen Mittagscappuccino, ohne Mütze und Handschuhe. Wieder wäre ich gerne noch viel länger und weiter gegangen.

Postkarte an einen lieben Menschen in abgrundtiefem Schmerz, so tief, dass mein Refelx eigentlich Rückzug aus Hilflosigkeit ist. Doch da alle, alle, die einen entsetzlichen Schmerz durchleben mussten, im Nachhinein berichten, wichtig seien aus ihrer Umgebung vor allem Signale des Aushaltens und der Anwesenheit gewesen – sende ich wenigstens das.

Zu Mittag gab es Orange, Persimon, dann Mango mit Sojajoghurt (Mangos vertragen Frost wohl ganz schlecht, diese aus dem Crowdfarming-Paket mit mehreren Lieferschleifen in strengem Frost war in drei Wochen null nachgereift und nur holzig geworden), ein paar Trockenpflaumen.

Emsiger Arbeitsnachmittag mit herrlicher Sonne von wolkenlosem Himmel und regelmäßiger Selbsterinnerung: Erst Mittwoch, mir war recht trübe.

Nach Feierabend in angenehmer Luft über Süßigkeiteneinkäufe nach Hause – selbst die Draußenbewegung konnte die Trübe nicht beseitigen. Daheim knetete ich erstmal Teig für Schneeflocken, die ich Donnerstagabend backen möchte. Blumengießen, Pilates, Brotzeitvorbereitung.

Zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell die beiden mächtigen Pastinaken aus Ernteanteil: Ich hatte angeregt, das Kürbis-Kokos-Curry aus Immer schon vegan damit zuzubereiten – funktionierte wunderbar. Nachtisch Weihnachtssüßigkeiten und sonstige Schokolade.

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Wir hatten damals die Biermösl Blosn, die Jugend heute hat @ElleCordova.

via @giardino

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Emma Thompson erzählt Hintergründe ihrer berühmtesten Filmrollen:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/HBForfB_2lU?si=GqiUQbHZcvNxl5MZ

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Zeit für wirklich gute rührselige Weihnachts-Werbespots! Dieser hier ist zwar in Geheimsprache, doch die Bilder sind aussagekräftig genug, dass auch ich sie verstanden habe:
“Illogic Wolfs Down Christmas Dinner for Intermarché”.

(John Lewis finde ich dieses Jahr nicht so gut.)

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Hihi: Kaltmamsell guckt Kunst.

Journal Dienstag, 9. Dezember 2025 – München hat jetzt ein Denkmal für die Familie Mann

Mittwoch, 10. Dezember 2025

Es sind wieder die Zeiten, in denen ich meine nächtliche Beißschiene eigentlich auch im Büro tragen müsste.

Aber der Weg in die Arbeit bot zauberhaft Ansichten: Über der Theresienwiese im ersten Morgenblau an klarem Himmel riesige und laute Krähenschwärme, beim Blick zurück der Scherenschnitt der Stadtsilhouette vor einem Hauch Rosa.

Am Arbeitsplatz Überraschungen, aber ich bekomme ja alles davon mit demselben (guten!) Stundenlohn bezahlt.

Das sonnige Draußen lockte mächtig, also versuchte ich einen Marsch zu Mittagscappuccino, obwohl ich auf Abruf war (Telefon auf Privathandy umgestellt). Der seit drei Stunden erwartete Anruf erreichte mich 100 Meter vor Mittagscappuccino, also schnell umgekehrt, nach erfüllter Tat Cappuccino aus der Haus-Cafeteria (wenigstens heiß).

Zu Mittag gab’s Orangen, die letzte Crowdfarming-Avocado (gut!), Trockenpflaumen.

Der Nachmittag hielt einen ordentlichen Schreck bereit, ich entdeckte einen Wasserschaden. Den meldete ich an die entsprechenden Stellen, rettete gemeinschaftlich ein wenig Dinge (und machte beim Rumklettern meine schwarze Hose ordentlich dreckig) – sonst konnte ich eh nichts tun.

Termin nach Feierabend, auf den ich mich sehr freute: Das Denkmal am Salvatorplatz für die Familie Mann wurde endlich eröffnet. Ich hatte durch die Bekanntschaft mit dem Künstler Albert Coers in den vergangenen Jahren mitbekommen, wie viele Hürden zwischen Konzept und Umsetzung gestanden hatten – und das für jemanden, der ohnehin keine Routine im Umgang mit Baufirmen hatte (wer hat das schon?). Das Konzept für das Denkmal hinterm Literaturhaus, “Straßen, Namen, Leuchten”, kannte ich also schon lang, jetzt fuhr ich zum Odeonsplatz, um es zu Leben erweckt zu sehen.

TADAAAA!
Die Reden fand ich kurzweilig und interessant (es war meine erste Eröffnung von Kunst im Öffentlichen Raum), Albert Coers schlug die Brücke zwischen den sieben Jahren auf Thomas Manns Zauberberg und den sieben Jahren, die zwischen Beginn und Vollendung des Denkmals lagen.

Herr Kaltmamsell guckt Kunst.

Natürlich bin ich ein wenig befangen, doch mir gefällt diese Idee für ein Denkmal für die Familie Mann ganz ausgezeichnet:

Das Kunstwerk besteht aus Schildern von Straßen und Plätzen u. a. in München, Frankfurt, Zürich, Rom und São Paulo, die nach Mitgliedern der Familie benannt sind, sowie aus Straßenleuchten von Orten, an denen die Manns lebten bzw. im Exil waren, wie Lübeck, Nida, Sanary-Sur-Mer, New York, Los Angeles oder Kilchberg.

Erst vor wenigen Tagen hatte Albert auf instagram auf eine Besonderheit des Kunstwerks hingewiesen:

Eine Bestandsleuchte am Salvatorplatz wird Teil des Ensembles des Denkmals für die Familie Mann. An der Leuchte angebracht ist das neu geschaffene Straßenschild “Katia-Mann-Platz”. Katia, “Frau Thomas Mann”, nach der bisher keine Straße und kein Platz benannt ist, bekommt so ihren Platz innerhalb der Familie, wird im Bezug zur Stadt sichtbar. Sie entstammte der jüdischen Familie Pringsheim, die, wie die Manns, emigrieren musste, deren Haus vom NS-Regime abgerissen wurde, um dort das NS-Verwaltungszentrum zu errichten. In München gibt es wenig, was an sie erinnert.

Die Leuchte bleibt am Stromnetz der bestehenden Straßenbeleuchtung, ist deshalb jetzt schon an, noch vor der Eröffnung am 9.12.25. Katia Mann wird so für einige Tage besonders sichtbar. Und danach wird sie auch sichtbar bleiben, wenn die Leuchten des Denkmals ab 23 Uhr abgeschaltet werden, sie aber weiterhin bis zum Morgen ihren Schein verbreitet, als Bestandteil der regulären Straßenbeleuchtung.

Und jetzt endlich live und in Echt zeigte sich zusätzlich, wie wunderbar Konzept und Ort zusammenpassten, nämlich der Salvatorplatz – den das Denkmal nicht nur aufwertet, dem es auch nur wenig Platz wegnimmt. Ich bin schon sehr gespannt darauf, das Denkmal zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten zu sehen.

Der Künstler ließ sich geduldig vor seinem Werk fotografieren. Es wurden Glühwein und Punsch angeboten (angemessen für Dezember, nur halt nicht für die gestrigen immer noch fast 10 Grad am Abend), ich sah einige bekannte Gesichter, freute mich sehr über das Treffen.

Jetzt aber nach Hause, ich hatte Hunger. Herr Kaltmamsell hatte aus Ernteanteil bereits Wirsing gekocht und Kartoffeln geschält, unterwegs besorgten wir noch eine Kabanossi dazu, auf die ich sehr große Lust hatte.

Zu Hause Wäscheversorgung, Brotzeitvorbereitung, dann gab es deutlich später als sonst sehr wohlschmeckendes Nachtmahl. Nachtisch Schokolade.

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Ich beantrage hiermit, dass dieses instagram-Filmchen zur Illustration des Berufs “Influencerin” auf Wikipedia verwendet wird.
Wir debattierten auf Mastodon länglich, ob das Satire ist, doch die Kommentare darunter und ein Blick in das sonstige Angebot der Absenderin lassen keinen anderen Schluss zu, als dass das ernst gemeint ist. Ich wünsche ihr ganz viele Werbeverträge, solche komplett fremden Welten müssen im Internet unbedingt erhalten bleiben.

Journal Montag, 8. Dezember 2025 – Langer Tag

Dienstag, 9. Dezember 2025

Mittlerweile habe ich einen Verdacht zur Ursache meines mehrfachen Aufwachens in der Nacht wegen scheinbarem Harndrang (wie in der Nacht zu gestern). Im Januar könnte ich ihn bei einem medzinischen Termin verifizieren – oder widerlegen, was mir deutlich lieber wäre.

Regnerischer, schwarzer Morgen, doch auf dem Weg in die Arbeit wurde ich nur kurz etwas angetröpfelt. Die geradezu eklig warme Luft über 10 Grad war angekündigt, ich marschierte in leichterem Mantel und barhäuptig ins Büro. Dort stürzte ich mich gleichmal auf eine Aufgabe, die ich am Freitagnachmittag nicht erledigen konnte, weil die dafür nötigen Schnittstellen nicht 24/7 arbeiteten, nicht mal deckungsgleich mit meinen weit davon entfernten Arbeitszeiten.

Zum Glück sah ich im E-Mail-Postfach nur Erwartetes und arbeitete geordnet los. Dennoch konnte ich einen Querschuss am Vormittag nicht auffangen: Manche meiner Aufgaben sind nicht gleichtzeitig zu erledigen, und gestern belegte mich in erster Linie Veranstaltungsorganisation.

Einen Dienstgang konnte ich mit Mittagscappuccino verbinden – auch wenn sie für Dezember komplett unangebracht war, genoss ich die milde Luft sehr und atmete sie in tiefen Zügen.

Wegen Geplantem gab es eher spät Mittagessen: Orange, außerdem Mango (aus dem Supermarkt, ich wollte mal wieder eine gute) mit Sojajoghurt.

Am Nachmittag wurde es kurz vor Abenddämmerung sogar nochmal hell, inklusive Ahnung von blauem Himmel.

Späterer Feierabend als geplant, das Ende der aufzuräumenden Veranstaltung verschob sich.

Dennoch nahm ich wie geplant danach die U-Bahn zum Odeonsplatz: Eine persönliche Tischreservierung zum Feiern der Weihnachtsferien mit Herrn Kaltmamsell im Blauen Haus, anschließend Weihnachtsgeschenkekauf – und wieder ein sehr schönes Offline-Erlebnis, bestimmte Geschäfte in München mag ich wirklich sehr. In diesem Fall freute ich mich ganz besonders, denn online hatte ich das Gewünschte nicht bekommen.

Zu Hause war ich entsprechend spät, vor dem Abendessen hatte ich nur noch Zeit für Häuslichkeiten und Brotzeitvorbereitung. Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den Ernteanteil-Riesenkohlrabi ofenkaramellisiert und mit cremiger Polenta. Joah, nicht meine liebste Kohlrabi-Zubereitung. Nachtisch Kuchen und Schokolade. Dabei erzählte Herr Kaltmamsell aus der Arbeit – und wies mich darauf hin, dass der Beginn Abenddämmerung bereits stagniert, noch vor der Wintersonnwend nach später rückt (er leidet auch sehr unter der winterlichen Lichtarmut).

Im Fernsehen stolperten wir über Fargo von 1996 – ein Kinoerlebnis, das ich nie vergessen habe (diese weiße, neblige Winter-Unendlichkeit!) und meine erste Begegnung mit der wundervollen Frances McDormand. Auf die Filmmusik von Carter Burwell war ich vorher schon in Hudsucker Proxy aufmerksam geworden.

Später ins Bett als geplant: Der beim Heimkommen gestartete Waschmaschinendurchgang brauchte drei statt der angekündigten zwei Stunden.

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Einfach mal im Detail durcherzählt: Eine Frau in Deutschland wird ungewollt schwanger und lässt abtreiben. Spoiler: Nichts daran ist einfach.
“Im Aufwachraum”.

Journal Sonntag, 7. FebruarDezember 2025 – Durchgehangelt

Montag, 8. Dezember 2025

Aufgewacht mit liebevollen Gedanken an einen Geburtstag.

Das Draußen trübselig grau und regnerisch, aber das Wohnzimmer gut geheizt, in dem ich bloggte, Milchkaffee, Wasser, Ingwertee trank.

Morgens das jährliche Christkindlbrief-Telefonat mit meinem Bruder, bei dieser Gelegenheit Austausch von Aktuellem.

Raus auf eine Laufrunde im Trüben, ich startete an der Haustür, lief bis hinter den Hinterbrühler See und zurück. Es regnete dann doch ernsthafter, als der Regenradar prognostiziert hatte – darauf hatte ich für die folgenden beiden Stunden nur vorbeiziehendes Tröpfeln gesehen. Nicht schlimm, nicht mal meine Brille wurde blind, zudem war es mild. Dennoch fühlte ich mich nicht so fit wie auch schon mal, die Körperschwere wollte nicht abfallen.

Danger and excitement: Hinterm Hinterbrühler See nahm ich diese Abzweigung nach oben aufs Isarhochufer, die mich zehn Minuten nach Hinterbrühl und zwischen beeindruckende Häuser brachte – hier will ich definitiv mal spazieren.

DANGER!

Unter der Brudermühlbrücke hatte ich die Dampflok des Bayerischen Eisenbahnmuseums auf ihrer Adventwochenend-Fahrt “Rund um München” pfeifen gehört, doch ich sah sie nicht, dazwischen lag noch eine Kurve.
Kurz vor daheim noch Semmelkauf.

Ausführlichere Körperpflege; die beiden Jahre Wachsenthaaren meiner Beine haben für deutliche Verringerung der Behaarung gesorgt, ich muss seltener rasieren.

Frühstück kurz vor zwei: Körnersemmel mit Avocado, Orangen mit Joghurt, Früchtekuchen.

Aus der zweiten Meyer-Zitrone im Haus kochte ich Lemon Curd, zur Abwechslung mal nach einem andere Rezept ohne Ei.

Funktionierte wunderbar, allerdings hätte ich die Rezepte von Herrn Grün am liebsten in Bündeln: In fast jedem tauchen Zutaten in kleinen Mengen auf, die automatisch einen großen Rest ergeben, im Bündel wären immer Rezepte zum Aufbrauchen enthalten (hier: 50 gr Schlagsahne – was mache ich mit den restlichen 150 gr im Becher? zufällig stand gerade ein angebrochener Becher im Kühlschrank, sonst hätte ich das Rezept nicht verwendet). Und ein Tipp: Erst die Zitronenschale reiben (in ein kleines Schüsselchen, die ätherischen Öle durch Abdecken vom Verflüchtigen abhalten), dann halbieren und auspressen für den Start der Zubereitung. Ausgepresste Zitronenhälften sind nur schwierig zu reiben.

Nachmittag mit Lesen und ein wenig Räumen. Pilates setzte ich aus, nach der Anstrengung der Laufrunde fühlte sich Krafttraining nicht passend an. Statt dessen eine halbe Stunde Strech-betontes Yoga.

Brotzeitvorbereitung, dann servierte Herr Kaltmamsell das Weißkraut aus Ernteanteil geschmort mit Bacon, Beilage Kartoffelpü.

Schmeckte sehr gut, überraschenderweise schmeckte der Frühstücksspeck nach am wenigsten.

Nachtisch Schokolade.

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Martin Parr ist gestorben – das hatte ich wirklich nicht kommen sehen (mit 73). Der war doch noch gar nicht fertig!

Parr hat als Teil von Magnum zum einen die Sorte Fotografie betrieben, die mir die liebste ist: Foto-Journalismus / Dokumentation. Gleichzeitig machte er sich durch die unerbittliche Verwendung von Blitzlicht bei ALLEM als Fotograf sichtbar, seine Bilder behaupteten den unschuldigen Blick erst gar nicht. Die Bekanntschaft mit dem Werk Martin Parrs ließ mich ab den 1990ern Fotografie neu sehen.

Und in meinen Augen erhoben sich seine Aufnahmen der britischen working class in keiner Weise über die abgebildeten Menschen – auch wenn die Kritik die Bilder in seiner ersten Ausstellung 1986 cruel and voyeuristic schimpfte. Vielleicht mögen Sie hier in sein Frühwerk aus den 1980ern schauen?
Und hier sein Profil bei Magnum mit Links zu weiteren Reihen.

Andrea Diener ist Martin Parr auch persönlich begegnet und schreibt in ihrem aktuellen Newsletter darüber.
“A supposedly fun thing: Über Martin Parr (unter anderem)”.

Ihr ist als Fotografin aufgefallen, wie stark Parr Schule gemacht hat:

Es ist nicht leicht, Menschen in der Freizeit bei diesen typischen Freizeitaktivitäten zu fotografieren, ohne sofort so einen Parr-Blick aufzusetzen.

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Liebevoller Artikel von David Pfeifer zu 50 Jahre Rocky in der Süddeutschen Zeitung (ohne Paywall!):
“Mythos Rocky
Zum Nachschlagen”.

Schöne Entstehungsgeschichte, die mich Sylvester Stallone erst richtig respektieren lässt. Mir gefiel der Film gut (ich weiß nicht mehr, wann ich ihn sah, vermute, dass mein Filmfreund zu Studienzeiten diese Bildungslücke energisch füllte – er setzte mich vor einige Klassiker in den Sessel vor seinem Fernseher, und ich bin ihm bis heute dankbar dafür), und erst jetzt lernte ich, dass das Drehbuch von Stallone stammt.

Und selbst die Stufen rauf zur Bavaria kann ich nicht laufen, ohne dass in meinem Kopf automatisch dieser Sound dazu angeht.

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Aus aktuellem Anlass:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=xpWBsHW4uts&t=926s

via @klugscheisser

Ah mei, des is so lang her, des is ja vo Neinzehnzworarachzg, haha, des warat heit GANZ anders!