Journal Samstag, 13. Dezember 2025 – Getrennter adventlicher Familienbesuch
Sonntag, 14. Dezember 2025Ausgeschlafen, das dauerte bis nach halb sieben!
Es wurde hell zu einem Nebeltag.
Vergangene Woche kam der Brief des Münchner Kreisverwaltungsreferats mit meiner Berufung zur Wahlhelferin für die Kommunalwahl am 8. März – zu meiner Bestürzung als Wahlvorsteherin. War ich noch nie, wollte ich nie, jetzt trage ich auch noch bei einer so komplexen Wahl mit zweitägiger Auszählung die Gesamtverantwortung für ein Wahllokal und das ganze Team.
Dafür wollte ich definitiv eine ausführliche Präsenzschulung möglichst nah am Wahltermin. Doch der Prozess, um gestern Morgen an Termine und Anmeldung ranzukommen, hatte sich seit der letzten Wahlhilfe Anfang 2025 schon wieder geändert. Diesmal, so schloss ich indirekt aus dem Berufungsschreiben (“Ihr Einsatz wird aus dem WHP übernommen. Sie brauchen keine WOS-ID.”), musste ich mich wohl im “WahlhelferPortal (WHP)” mit meiner Bayern-ID anmelden. Und wie schon beim letzten Mal, als ich das musste, schaffte ich es nicht ohne Hilfe von Herrn Kaltmamsell – denn die Anleitung auf dem Online-Portal der Bayern-ID lässt schonmal so grundlegende Hinweise aus wie den, dass ich für eine Bearbeitung auf meinem Laptop eine App auf diesem Laptop UND mein Handy samt Ausweis-App benötige. Diese Laptop-App musste ich außerdem erstmal aktualisieren. Ich fühlte mich wie der erste Mensch, und das, um es zu wiederholen, obwohl ich den byzantinischen Prozess der Einrichtung der Bayern-ID bereits vor Jahren absolviert hatte und dies meine dritte oder vierte Anwendung derselben war.
Endlich hatte ich auch die Schulungen gefunden und gebucht, dafür verwendet das Kreisverwaltungsreferat jetzt offensichtlich ein Warenwirtschaftssystem, ich hatte mit Shop und Einkaufskorb zu tun.
Früher als sonst an Samstagen machte ich mich fertig zum Schwimmen, denn ich hatte für den Nachmittag Pläne. Im Olympiapark verschwanden die legendäre Kulisse und der Fernsehturm gründlich im Nebel.
Es war viel los im Schwimmbecken, doch wir kamen miteinander zurecht. Es wurde ein schöner Schwumm, leicht und schnell. Nur anschließende Gereiztheit über Menschen, die sich im Gang zwischen Spinden und Einzelumkleiden vor ihrem offenen Spind umkleiden und fertigmachen statt in einer Kabine und die dadurch ziemlich lang im Weg stehen.
Im U-Bahnhof Sendlinger Tor kaufte ich Frühstückssemmeln, die gab es kurz nach eins mit Butter und Meyer Lemon Curd (sehr gut!), außerdem eine Orange. Ich packte rasch und ging meine Nachmittagspläne an: Besuch bei meinen Eltern in Ingolstadt zum Austausch von Stollen und Plätzchen – der jährliche Adventspaziergang mit Gesamtfamilie ist erst für den vierten Advent angesetzt, das Gebäck sollte doch schon vorher verfügbar sein. Herr Kaltmamsell verbrachte den Tag bei seiner Familie in Augsburg: Aus USA war eine Kusine mit Partner angeflogen für einen Christkindlmarktbesuch.
Pünktliche aber sehr volle Regionalbahn nach Ingolstadt – was sich bereits am vollen Bahnsteig abgezeichnet hatte, umso mehr als sich der einfahrende Zug als nur einstöckig herausstellte. Dennoch kam ich an einen Sitzplatz anhand meiner eisernen Regel, mich auf den allerersten freien Platz zu stürzen und nicht erst noch rumzuschauen. Auch wenn auf diesem freien Platz ein (geschätzter) Dreiviertel-Cello-Kasten stand. Die dazugehörige sehr junge, kleine, zarte Frau führte mir vor, dass man auch mit ihrem Format die ganze Zwischenlehne und ein Stück Nebenplatz vereinnahmen kann.
Die Nebelei hielt die ganze Fahrt über an, und wenn Ingolstadt irgendwas kann, dann ja Nebel. (Und Parkhäuser.) Nach meiner Ankunft ein wenig Verwirrung, weil ich fest davon ausging, selbsttätige Ankunft am Elternhaus durchgegeben zu haben – andere aber von Abholen am Bahnhof ausgingen. Dabei war ich für den Fußmarsch nach überheiztem Bahnhabteil besonders dankbar gewesen.
Kuschliger Plausch bei meinen Eltern, Austausch von Neuigkeiten und Befindlichkeiten, die sich altersgemäß viel um Gesundheitsdinge und letzte Dinge drehen. Aber auch Planung der Familienweihnacht am 2. Feiertag.
Auf der abendlichen Heimfahrt spät im Jahr gewhamt worden, und dann auch noch von betrunkenen TSV-1860-Fußballfans in der Regionalbahn. Sie waren aber bereits heisergegrölt und hielten das Mitsingen nicht bis zum Ende des Songs durch. Dann wurde wieder fußballgegrölt, ihr Verein in irgendeiner Umschreibung “über alles”.
Herr Kaltmamsell hatte bereits durchgegeben, dass er spät und nach dem Abendessen heimkommen würde, also nahm ich mir den Ernteanteil-Lauch vor. Die Scheißbrummfliege lebt immer noch und folgte mir in alle Räume, umbrummte mich auch beim Kochen. Es gab den Lauch geschmort in Butter mit Thymian, abgelöscht mit etwas Weißwein vom Vorabend, Nudeln untergemischt – schmeckte sehr gut. Dann geschenkter Stollen (ganz anders als meiner, herzhaft und gut) und Schokolade.
Gegen neun kam Herr Kaltmamsell heim, Austausch von Familienneuigkeiten.
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Mein Heimatblatt Süddeutsche Zeitung (im Sinne von: sie ist meine Medienheimat, über die Jahrzehnte am vertrautesten und geschätztesten, die Autor*innen fühlen sich wie Familienmitglieder an) verändert sich drastisch: Nach 16 Jahren verlässt Chefredakteur Wolfgang Krach die Redaktion. Im Unfrieden.
“Ruhm und Rendite”.
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Im taz-Kommentar oben ist ein empfehlenswerter ausführlicher Artikel über die Zukunft des deutschsprachigen Journalismus verlinkt, der die wandelnde Rolle von Influencerinnen beleuchtet:
“Zukunft des Journalismus
Die Ich-Geschichte”.
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Tanz mit Hula Hoop-Reifen!
Ich finde den Herrn rumdum bewunderswert. (Und er ist Münchner!)
























