Archiv für Januar 2026

Journal Samstag, 10. Januar 2026 – Erkältungsüberfall

Sonntag, 11. Januar 2026

Recht guter Schlaf – nachdem ich bald nach Lichtaus das Fenster geschlossen hatte: Brüllerei im Park hielt mich trotz Ohrstöpseln wach, das wird wohl nur durch deutlichere Minusgarde verhindert.

Als Allererstes morgens Hefeteig für Zwetschgendatschi geknetet: Die dafür abgemessene Portion Zwetschgen von elterlichem Baum hatte Herr Kaltmamsell vergangenen September eingefroren, seine Kühl-Gefrierschrankreinigung am Freitag hatte sie in Erinnerung gebracht, die sollte nun wirklich weg.

Ich belegte den Hefeteig mit den gefrorenen Früchten, sie suppten beim Backen sehr – also goss ich die Suppe nach dem Backen in eine Tasse.

Es tagte düster und windig, aber weiterhin mit Plusgraden: Das sollte für eine rutsch-arme Laufrunde reichen, ich steuerte eine Route an der Innenstadt-Isar entlang an und trabte ab Haustür über Alten Südfriedhof zur Wittelsbacherbrücke, um von dort nach Norden zu laufen.

Ich nehme vorweg: Des war nix. Zwar kam ich so auf weitgehend eisfreie Wege, doch zum einen war es sehr düster und regnete immer wieder ein wenig (manchmal als Schnee getarnt) -> blind getropfte Brille plus tränenblinde Augen, zum anderen gab es genug eisige Abschnitte, um das Laufen angespannt zu machen. Nach einer guten Stunde, ich hatte am Föhringer Wehr umgedreht, war ich kurz davor abzubrechen, die fast konstante Anspannung verhinderte ja auch gutes Atmen. Ein längeres eisfreies Stück machte aber genug Spaß, dass ich meine Runde beendete. Und jetzt war ich gespannt auf den Sonder-Muskelkater, den ich durch diese Art Joggen davontragen müsste.

Aussicht von der Wittelsbacherbrücke: Komplett eisiger Weg, den wollte ich nicht.

Daneben auf dem Hochwasserdamm: Viel besser.

Wappen am Müller’schen Volksbad.

Kabelsteg und St. Lukas.

Bester Abschnitt.

An der Reichenbachbrücke bog ich ab in die Fraunhoferstraße und ließ mich eine Station mit der U-Bahn heimfahren.

Auffallender Lauf-Styling-Trend: Sturmhaube – obwohl es so kalt wirklich nicht war (Sturmhaube übrigens auch Aufhänger von Kurt Kisters aktuellem SZ-Newsletter).

Es ist sehr unüblich, dass ich von einer Laufrunde mit vergnaztem Grundgefühl heimkomme. Mein Frühstück kurz vor zwei bog das gerade: Nach einer gelben Kiwi gab es reichlich frischen Zwetschgendatschi mit Schlagsahne, ganz hervorragend.

Doch dann überfielen mich unverkennbar Erkältungssymptome: laufende Nase, Ganzkörper-Niesen. Die auch die Unfitheit beim Laufen bis hin zu sehr ungewöhnlichen Abbruch-Gedanken erklärten. Ganz kurz hatte ich die Hoffnung, dass mein Körper auch diese Viren-Attacke niederkämpfen würde wie die vorherigen Male, doch da saß ich bereits ein wenig verdutzt in einem kleinen Berg vollgerotzter Taschentücher, spürte das gesamte Atemwegsystem zuziehen und fühlte bombensicher, dass es das vorläufig mit Sport gewesen war. Nun, nach anderthalb Jahren ohne richtige Erkältung war das schon ok, wenn auch nicht schön.

Nachmittag mit Zeitunglesen. Wegen Tauwetter hatte ich ab morgens das Wasserschälchen auf dem Balkonsims für die Vögelchen aufgefüllt – und stellte offensichtlichen Badebedarf fest: Bis Sonnenuntergang musste ich es fünfmal nachfüllen. (Keine größere Schale, um die Tauben nicht anzulocken; persönlich habe ich nichts gegen sie, aber die Hausverwaltung untersagt jede Art von Duldung.) Als allerdings auch bei Dunkelheit das Schüsselchen kurz nach Nachfüllen leer war, endeckte ich: Keine Vogelbadeorgien, das Schüsselchen war zerbrochen, der Untersetzer hatte ebenfalls einen Sprung.

Was kein Sport war und auch gestern Abend ging: Yoga. Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell einen Teil des Ernteanteil-Lauchs als Füllung gebratener Brote, aus einem Teil des riesigen Ernteanteil-Sellerie hatte er dazu Waldorfsalat zubereitet.

Gutes Abendessen, Nachtisch Schokolade.

Als Abendunterhaltung sahen wir die Folge 2 von Twin Peaks, jetzt glaube ich ein Gefühl für das Werk zu haben.

Wenig nach neun fühlte ich mich mit der nächsten Zündstufe Halsweh wirklich krank und ging früh schlafen.

§

Ganzseitiges Interview von Alex Rühle in der SZ mit Gerhard Polt anlässlich seines allerletzten Auftritts an den Münchner Kammerspielen – in dem er unter anderem erzählt, wie er überhaupt auf die Bühne gekommen ist (€):
“Ich war nie sonderlich ambitioniert, das ist alles eher so geschehen”.

Journal Freitag, 9. Januar 2026 – Mein erstes Mal Twin Peaks

Samstag, 10. Januar 2026

Viel zu früh aufgewacht zu ruhigem Wetter, ich hörte draußen vor allem Tropfen. Woanders waren Sturm und Chaos angesagt, mich erreichte lediglich per E-Mail die Warnung, die Auslieferung meiner Zeitung könne sich verzögern.

Die Zeitung lag dann aber im Briefkasten (in diesem Fall wie in allen solchen: Bitte jederzeit lieber zu früh oder zu streng gewarnt als einmal zu spät oder zu schwach. Siehe Valencia.), auf den Arbeitsweg machte ich mich in milder Luft – und den Blick fest auf den Weg vor mir geheftet, um zwischen Matschpfützen und glattem Ex-Schnee nicht auszurutschen, da half auch noch so regelmäßiger und sorgsamer Winterdienst in Münchens Zentrum nichts. Ich brauchte gefühlt doppelt so lang wie sonst und erreichte mein Büro vollverkrampft.

Erwartet bastliger, unerwartet emsiger Arbeitsvormittag. Unter anderem suchte ich beruflich nach einem Hotel in Berlin Anfang Februrar und kämpfte mit absurd hohen Hotelzimmerpreisen (also: nicht so absurd wie in München zum Oktoberfest, eher normal absurd doppelt so hoch wie gewohnt). Wobei ich auch diesmal nicht so einfach auf den Anlass kam: Es ist alles andere als trivial herauszufinden, welche Großveranstaltung zu einem konkreten Zeitpunkt die Hotelpreise treibt, es gibt keine zentralen Plattformen, die das sammeln. Ich gucke halt einzeln in Messekalender, Konzertkalender – aber wenn der Anlass zum Beispiel ein Sportereignis ist, steht das auch da nicht drin. Früher gab es auf Papier Stadtmagazine, die Veranstaltungen aller Art sammelten, seltsamerweise kenne ich bis heute keine Online-Pendant. Wahrscheinlich frage ich am besten den mir bekannten Hotelbesitzer, woher er eigentlich die Infos für die Preisgestaltung hat. Ein Service des DEHOGA? (Der eine ganze Abteilung für die Recherche beschäftigt?)

Es war dann mein Aufschrei auf Mastodon, der mich zur Info führte: Berlin Fashion Week, 30.1. bis 2.2.

Draußen taute es weiter massiv (laut Wetter-App hatte es die angekündigten 6 Grad), auf meinem Weg zu einem Mittagscappuccino im Westend musste ich nicht mehr ganz so sehr auf Glätte achten, es suppte eher, und in Grünanlagen stand das Wasser.

Vorhergesagt ist fürs Wochenende allerdings wieder Frost: Ich werde meinen Isarlauf sorgsam planen müssen, um Rutschereien zu vermeiden.

Zu Mittag gab es Bananen sowie eingeweichtes Muesli mit Sojajoghurt.

Nach weiteren Emsigkeiten klickte ich mich dann doch durch eine Online-Pflichtschulung, die Hinweise darauf waren widersprüchlich gewesen. Der Abschlusstest war diesmal nicht ganz so bizarr wie auch schon, mit Rumprobieren und Mustererkennung kam ich beim vierten Versuch durch (und mit den Mitschriften und Screenshots aus der Schulung sowie Screenshots meiner vorherigen Antworten, tests test tests) – nach meiner Erfahrung mit vorherigen Pflichtschulungen geht es am wenigsten drum herauszufinden, ob die Mitarbeitenden die Kernpunkte der Schulung wissen.

Freitäglich pünktlicher Feierabend, auf dem Heimweg im Vollcorner Einkäufe für den Abend und fürs Wochenende. Nach Hause kam ich zu einem triumphalen Herrn Kaltmamsell, ich bin mit einem echten Helden verheiratet: Er hatte am Nachmittag den Kühl-/Gefrierschrank abgetaut und gereinigt.

Eine Yoga-Einheit mit rundum Dehnen, das tat gut. Dann öffnete ich unter Umgehung eines Aperitifs Wein, den abgefahrenen Traminer vom Gsellmann.

Wunderbar mit seiner Teerosen-Note, und der Kick des Alkohols entspannte mich schnell.

Nachtmahl waren Kartoffeln und Hokkaido-Kürbis aus Ernteanteil, dazu teilten wir uns ein diszipliniert kleines Rib-Eye-Steak, das ganz besonders gut schmeckte. Nachtisch Stollen und (zu Ende gehende) Schokolade.

Abendunterhaltung: arte zeigt OmU die Fernsehserie Twin Peaks von ab 1990. Ich kann mich gut erinnern, wie stark sie seinerzeit die Gespräche dominierte (hätte sie allerdings nicht ganz so früh eingeordnet), doch selbst habe ich sie nie gesehen, sie fiel in die zwölf Jahre meiner Fernseher-losigkeit. Nur eines von vielen riesigen Löchern meiner TV-Bildung, denn als Kind durfte ich fast nichts fernsehen, und als ich im späteren Teenager-Alter nicht mehr an die Erlaubnis meiner Mutter gebunden war, hatte ich andere Freizeit-Interessen (Ausnahme: Die Zeit, in der ich nach dem abendlichen Ausgehen nachts bei Elterns den Fernseher einschaltete und Kostbarkeiten wie Quadrophenia oder Der Mann, der vom Himmel fiel erwischte – aber das ist ja Film und nicht TV). Als ich mit eben 19 auszog, gehörte ein Fernseher nicht zur Erstausstattung der eigenen Wohnung, ich vermisste nichts. Und so verpasste ich im darauffolgenden Jahrzehnt unter anderem den Siegeszug der Privatsender, der die gesamte TV-Kultur umkrempelte.

Gestern also die Chance, die Bildungslücke Twin Peaks zu schließen (und gleichzeitig endlich mal was von David Lynch zu sehen). Vordergründig fesselte mich die End-80er/Anfang-90er-Ästhetik, ebenso vordergründig schmiss mich die entsetzlich klebrige Italo-Filmmusik immer wieder raus. Und ich fürchte, ich bin zeitlich zu nah dran für einen historisierenden Blick und zu weit weg für Mitfühlen – diese 90-minütige Pilotfolge wirkte auf mich fast wie eine Parodie, obwohl sie ja Basis für so viele Nachahmer war.

Herr Kaltmamsell, der Twin Peaks bei Erstausstrahlung gesehen hatte und einen reichen TV-Hintergrund hat, konnte für mich nachvollziehbar einordnen, warum die Serie damals so eingeschlagen hatte: Davor kannte man in Deutschland aus den USA neben Sitcoms (und Bonanza oder Raumschiff Enterprise) an Fernsehserien Dallas und Denver Clan – das hier war atemberaubend anders.

Journal Donnerstag, 8. Januar 2026 – Mehr Winter im Januar

Freitag, 9. Januar 2026

Bessere Nacht, allerdings machten meine Nasenschleimhäute komplett zu, wohl Chlorschnupfen, also wieder Nasenspray (bei mindestens 48 Stunden Abstand zwischen den Einsätzen zählt doch hoffentlich die Höchstens-eine-Woche-lang-Regel für die Anwendung von Nasenspray nicht?).

Im Dunklen in die Arbeit marschiert, zwischen vereinzelten Scheeflocken fühlte sich die Luft nicht mehr so bitter kalt an wie am Morgen zuvor.

Bavariapark.

Mein Büro war übrigens wie schon am Mittwoch ausreichend geheizt, ich musste – anders als in anderen Wintern – nicht frieren.

Den ganzen Tag über hatte ich vor allem manuelle Tätigkeit in gefährlicher Nähe zum verhassten Basteln zu tun; irre, wie sehr der Umgang mit Papier die Hände austrocknet.

Gerade als vorübergehend blaue Flecken am Himmel zu erahnen waren, marschierte ich auf meinen Mittagscppuccino ins Westend – besonders früh, damit ich zu einem Termin um die Mittagszeit zurück am Schreibtisch saß.

Dafür aber eher spätes Mittagessen: Persimon, Banane, Hüttenkäse.

Auch Nicht-Manuelles schaffte ich weg, beglückwünschte mich zu einer Ablage, in der ich alle Infos schnell fand, die ich nicht auswendig wusste. Draußen immer wieder etwas Schneefall.

Nach Feierabend spazierte ich an den Stachus durch Schneeflocken – das war in Kälte nur um die null Grad sogar ganz schön, auf jeden Fall schöner als Gehen im Regen. Doch unterm Stachus dann ein persönlicher Schock: Ich wollte im Bodyshop turnusmäßig meine Körperlotion Avocado nachkaufen – und erfuhr, dass die Produktion eingestellt wurde. Einerseits ein Grund weniger, um den Fortbestand von Bodyshop zu bangen (jetzt hänge ich nur noch an der Körperbutter Olive), andererseits muss ich mich nach vielen, vielen Jahren nach einer anderen Körperlotion umsehen, wo anfangen? (Nachdem ich im Internet Restbestände aufgekauft und aufgebraucht habe.) SO EIN SCHWERES LEBEN HABE ICH!

Mit entsprechender Laune traf ich daheim ein. Was half: Yoga, ich wiederholte die längere Folge vom Dienstag.

Als Nachtmahl verwertete Herr Kaltmamsell die letzten Kartoffeln des Ernteanteils von vor Weihnachten, der neuerliche Ernteanteil hatte bereits weitere gebracht, es gab sahniges Kartoffelgratin. Von mir dazu wieder eine Schüssel Ruccola-Salat, diesmal mit Balsamico-Walnussöl-Dressing. Gutes Abendessen. Nachtisch Stollen und Schokolade.

Blick aus meinem Schlafzimmer, als ich ins Bett ging. Für die nördlichen zwei Drittel Deutschlands waren große Behinderungen durch Winterwetter angekündigt.

Journal Mittwoch, 7. Januar 2026 – Start des Arbeitsjahrs mit Feierabendschwumm

Donnerstag, 8. Januar 2026

Unruhige Nacht, auch wenn mich keine konkreten Arbeitsängste umtrieben.

Meine Urlaubsentspannung zeigte sich in dem Optimismus, mit dem ich meine Schwimmsachen für eine Draußenrunde nach pünktlichem Feierabend einsteckte.

Es war weiter scheißkalt, doch der Marsch ins Büro wärmte mich.

Nach Hochfahren des Rechners zeigte sich, dass ich beim E-Mail-Pokern gewonnen hatte: Es war rein gar nichts Unerwartetes im Postfach, ich konnte strukturiert und in aller Ruhe abarbeiten, es machte sogar Spaß. Allerdings gab es bedrückende Nachrichten auf menschlicher Ebene.

Lauwarmen Mittagscappuccino in der Haus-Cafeteria, damit ich mittags zu Lebensmittel-Einkäufen und in die Apotheke rauskam (Sonne! aber weiterhin sehr kalt). Innerer Beifall für die Apothekerin, die dem Kunden vor mir für seinen grippalen Infekt nicht nur Medikamente zur Symptombekämpfung verkaufte, sondern ihm auch den freundlichen Tipp gab, auf Corona zu testen, außerdem (abgeschwächt durch “ich weiß, macht ja eh niemand”) Maske zu tragen, um niemanden anzustecken – zum Beispiel das Team hier in der Apotheke.

Zu Mittag gab es später Mango mit Sojajoghurt, ein paar Nüsse, ein paar Trockenfeigen.

Sehr emsiger Nachmittag, viel Manuelles dabei, doch ich konnte mich überreden, einiges auf Donnerstag zu verschieben – damit ich pünktlich Feierabend machen konnte und zum Dantebad fahren.

Das war eine wirklich gute Idee: Ich schwamm in mittel frequentiertem Becken unter einem klaren Himmel, der in den ersten 20 Minuten alle Saphir-Farbtöne durchspielte, bis er bei nächtlichem Schwarzblau ankam. Dazu so dichter Dampf, dass ich unterm Wasser besser sah als drüber. Einzige Eintrübung: Ein weit ausholender Brustschwimmer direkt vor mir, der ein kleines Bisschen langsamer war als ich. Sowohl das weite Ausgreifen als auch das nur wenig niedrigere Tempo erschwerten ein Überholen; ich wechselte einfach die Richtung und brachte eine Bahn Abstand zwischen uns.

Daheim war alles wieder in gewohnter Ordnung: Ich hatte mir gute deutsche Pastasciutta gewünscht, Herr Kaltmamsell servierte sie als Nachtmahl – gut deutsch in Einzelkomponenten.

Von mir kam dazu die Schüssel Ruccola. Nachtisch Schokolade.

§

Elektrikerwissen.de (sie hatten mich bereits beim Website-Namen) erklärt:
“Stromausfall in Berlin: Wieso dauert die Reparatur der Kabel so lange?”

Journal Dienstag, 6. Januar 2026 – Pfännchenessen revisited

Mittwoch, 7. Januar 2026

Keinen Wecker gestellt trotz Plänen und trotz der Idee, durch frühes Wecken schonmal für den ersten Arbeitstag zu üben: Ich erlaubte mir nochmal den Genuss des Ausschlafens.

Dem Zuschwellen der Nasenschleimhäute steuerte ich mit besonders kalter Luft durchs gekippte Fenster gegen, auch wenn das Ohrstöpsel gegen Schlafstörung durch Lärm von außen erforderte. Klappte gut!

Vormittags machten wir uns auf dem Weg zum Bahnhof. Es war scheißkalt geblieben, aber wir bekamen ein wenig blauen Himmel und Sonne.

Schöne Idee am Münchner Bahngleisende: “Lesen, bis der Zug kommt.” mit Ausschnitten aus Thomas Manns Zauberberg für 30 Minuten Lesezeit, 20, 10 und 5. Wir hätten gestern die 20-Minuten-Version wegen ebenso langer Verspätung nehmen können, doch erfuhren wir diese zu scheibchenweise und warteten statt dessen in Eiseskälte am Bahnsteig (“wegen verspäteter Bereitstellung” – wie sagte mal ein Zugchef? “Ham’s wieder den Zug net g’fund’n?”).

Auch im Ankunftsort Ingolstadt Scheißkälte, meine Mutter versuchte sie mit Hinweis auf Winter und Januar zu rechtfertigen. Wenn ich über Scheißhitze im Juli schimpfe, darf ich auch über Scheißkälte im Januar schimpfen.

Rein gar nichts zu schimpfen gab es über den gedeckten Tisch: Pfännchenessen, das hatte ich wahrscheinlich seit Jahrzehnten nicht mehr. Auf der Anreise hatten Herr Kaltmamsell und ich Erinnerungen abgeglichen und festgestellt, dass wir aus komplett verschiedenen Pfänncheness-Kulturen kommen: Er erzählte von Doppelpfännchen auf Rechauds!, ich kenne Überback-Teflon-Pfännchen plus Brat-Dach. Letzteres wurde gestern geboten, dazu reichlich Unterhaltungen mit meinen Eltern, meinem Bruder (leider krankheitsbedingter Ausfall der Schwägerin), Bruders Schwiegermutter. Was ich bereits vergessen hatte: Wie leicht es bei dieser Essform mit reichlich Angebot ist, den Überblick über die bereits gegessenen Mengen zu verlieren. Zum Glück winkte meine Sättigung heftig, bevor ich mich überfraß. Und so ließ ich auch den Nachtisch lieber aus: Zimttorte.

Noch bei Tageslicht nahmen wir einen Zug nach Hause, passierten einige zugefrorene Teiche und Seen, auf denen eisstockgeschossen oder schlittschuhgefahren wurde.

Ich las Joachim Meyerhoffs Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke aus: Gefiel mir gut, er schreibt wirklich anschaulich, in gutem Erzählrhythmus und setzt hervorragend Pointen. Ich wusste aus einem Interview im SZ-Magazin mit Simon Verhoeven und seiner Mutter Senta Berger, dass sie zusammen den Roman gerade verfilmt haben (€ – »Du willst jetzt wirklich darüber reden?« – »Darüber will ich reden«), will ich unbedingt sehen. Senta Berger ist sicher die ideale Besetzung einer alten, wunderschönen Schauspielerin, doch vor allem will ich herausfinden, wie sie das endlose Versagen des Erzählers im Schauspielunterricht und als Schauspieler umsetzen.

Hoffnung auf einfachere Wohnungswärmung: Beim Heimkommen brannte in der Wohnung unter uns Licht!

Kurz vor Ende der Weihnachtsferien schaffte ich noch zwei von den drei Erledigungen, die ich mir für diese Ferien vorgenommen hatte (habe sofort meine Sprüche-liebende Mutter im Ohr: “Am Abend wird der Faule fleißig!”): Loch in der Manteltasche flicken, Inhalt meiner Unterlagenschublade sortieren und abglegen. Dieses Schublädchen enthält in erster Linie Kassenzettel und Rechnungen, Wichtigeres schaffe ich inzwischen sofort nach Erhalt in den entsprechenden Ordner zu heften. Ich legte Aufhebenswertes aus zwei Jahren Einkäufen ab.
Erledigung drei war Abtauen und Reinigen von Kühlschrank und Gefrierteil; das verschob ich mit Herrn Kaltmamsell energisch auf nächstes Wochenende.

Ein lange Einheit Yoga, tat gut. Allerdings merkte ich dabei, dass das Mittagessen noch lang nicht verdaut war. Als Abendbrot aß ich entsprechend lediglich eine Kaki, Christstollen und ein wenig Schokolade (balanced diet or what?).

Und ich guckte nicht in mein Arbeitspostfach sondern glaubte ganz, ganz fest daran, dass andere ihre Weihnachtsferien ebenso frei genommen hatten wie ich.

Journal Montag, 5. Januar 2026 – #WMDEDGT

Dienstag, 6. Januar 2026

An jedem 5. des Monats fragt Frau Brüllen: “Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” und sammelt unter #WMDEDGT die Antworten aus Tagebuchblogs, diesmal hier. Letzter Urlaubstag, ich mache mit.

Seltsame Nacht, in der meine Nasenschleimhäute wieder unerklärlich so stark anschwollen, dass ich mit Nasenspray gegenhalten musste. Aber ausgeschlafen, ich wurde mit dem 7-Uhr-Läuten wach.

Es tagte zu eisigem Hochnebel, mittlerweile der Basso continuo dieses Winters in München. Guter Milchkaffee, ausgiebiges Bloggen.

Vor meinem Isarlauf sandelte ich absichtlich mit Internetlesen rum, um der frostigen Luft Gelegenheit zu dem einen oder anderen Grad nach oben zu geben.

Diesmal lief ich ab Haustür über Alten Südfriedhof nach Süden, stellte mir brav einen Timer, um die Runde nicht wieder zu lang werden zu lassen. Zu sehen gab es wenig im fahlen Winterlicht unter Wolken und auf wenig zusammengetretenem Schnee, zweimal hörte ich Eichelhäherkreischen. Aber ich lief gut und leicht, es war nicht zu kalt mit den paar Grad unter Null. Südlich von Thalkirchen fröstelte ich dann aber, das hatte ich noch nie: Ich legte ein wenig Tempo zu.

Grabstein von Max Rottmanner, Juwelier, an dem ich bereits x-mal vorbeigegangen sein muss, der mir erst diesmal auffiel (oder: warum ich den Alten Südfriedhof so liebe, Folge 776). Ich habe ein Foto von 1905 seines Juweliergeschäfts in der Theatinerstraße gefunden, in einem Auktionskatalog ein von ihm gearbeitetes Collier. Von Alfred Rottmanner (den Lebensdaten nach der Sohn) sieht man hier ein paar Werke, auf ebay steht eines sogar gerade zum Verkauf. Zu Pauline finde ich (auf die Schnelle) leider nichts.

Nach dem Umdrehen hinter Thalkirchen drückte meine Blase – nicht superdringend, aber ich wusste, dass mein Rückweg ohne entspannter sein würde und steuerte das Klohäusl bei Maria Einsiedel an, das mir schon ein paarmal genützt hatte. Doch das war außer Betrieb, wurde der Rückweg halt unentspannt.

Daheim warf ich meine Laufkleidung in die Waschmaschine, die damit voll genug für eine Ladung Dunkles war und die ich einschaltete.

Frühstück kurz nach eins: Apfel, Hüttenkäse, Brotrest. Ich zog los auf eine Lebensmittel-Einkaufsrunde – und schaffte es, das Wichtigste auf der Einkaufsliste zu vergessen: Milch. Doch Herr Kaltmamsell musste eh nochmal raus unter anderem zur Reinigung, er erledigte das Milchholen. (Dabei heißt unsere Einkaufs-App doch RTM für Remember the milk!)

Noch eine Winterbeschwerlichkeit (neben der langen Zeit, die vor jedem Verlassen des Hauses das Ankleiden zur Kälte-Abwehr erfordert): Auch wenn ich beim Heimkommen die Schuhe/Stiefel immer sofort hinter der Wohnungstür ausziehe und auf einem Tuch abstelle, kugelt durch die ganze Wohnung Rollsplitt übers Parkett, dem ich aufsammelnd hinterherrenne.

Weitere Häuslichkeit: Ich putzte ein wenig Bad, unsere Putzherren kommen erst in einer Woche wieder.

Gemütlicher Nachmittag unter anderem mit Lesen, Zeitung und Internet, außerdem bestellte ich ein Kistlein von dem Wein, der mich im Berliner Restaurant MaMi’s so begeistert hatte. Auf instagram bekomme ich bereits jetzt Anfang Januar erste Werbung für Sommerkleidung eingespielt (Lebkuchen im September Dreck dagegen): Die Hersteller behalten das mit dem Gummizug in der Taille, früher “Comfort-Bund” genannt, offensichtlich bei. Soweit bin ich noch nicht.

Gestern durfte ich die Zubereitung des Abendessens übernehmen (Herr Kaltmamsell hatte heftig zu arbeiten): Ich hatte mir Kürbis-Lasagne gewünscht, und statt wie sonst das gewünschte Gericht abends einfach serviert zu bekommen, kochte ich selbst. Als Zeichen von Urlaubsentspannung sehe ich, dass mir das Kochen richtig Spaß machte und ich dabei gelassen war.

Puh, ich kann es noch. UND! Ich servierte pünktlich um die vereinbarten halb acht. Schmeckte dann auch sehr gut. Nachtisch Schokolade.

Wir ließen auf arte Die Dinge des Lebens von 1970 laufen, aus Allgemeinbildungsgründen. Die rauchen in dem Film wirklich so viel, wie es in Mad Men völlig übertrieben wirkt.
Was ihn für mich zu einem typischen französischen Liebesfilm machte: Das Drehbuch versucht in keiner Weise zu erzählen, was das Liebespaar zueinander hinzieht. Oder genauer: Was den Mann für die Frau anziehend macht, denn umgekehrt reicht offensichtlich wie immer, dass sie wunderschön ist (und jung), woraufhin er sie umwirbt, bis sie überzeugt ist / sich ergibt. Dieser Mechanismus befremdet mich.

§

Deutschlandfunk-Redakteurin Ann-Kathrin Büüsker legt ihre Analyse des US-Angriffs auf Venezuela dar – nach der es nur indirekt um Ölreserven, sondern direkt um Klimapolitik geht.
“Venezuelas Öl und die ‘Donroe’-Doktrin”.

Journal Sonntag, 4. Januar 2026 – Berlin-München im tiefen Winter

Montag, 5. Januar 2026

Geweckt von Wecker nach gutem Schlaf und mit angenehm wenig Kater.

Genug Zeit für Fertigmachen und Auschecken, bis wir eine Tram zum Hauptbahnhof nahmen: Die schneeverkrusteten Wege wollten wir dem Rollkoffer nicht antun.

Vollmond (in Echt VIEL größer) über der Oderberger Straße.

Den Hauptbahnhof (Berlin hat wenigstens einen!) erreichten wir so früh, dass wir uns auf einen Cappuccino setzten.

Der uns sogar an den Tisch serviert wurde, von einer freundlichen Servicekraft (seit ich vor zehn Jahren diesen Artikel über McDonalds als Arbeitsplatz las, “What I Learned from Four Years Working at McDonalds”, inklusive Kommentare unter meinem damaligen Blogpost darüber, habe ich einen anderen Blick darauf).

Mangels echten Wartebereichen in diesem Einkaufszentrum mit Gleisanschluss sammelt sich bei McDonalds viel Wartevolk – und andere Menschen, die Sitzmöglichkeit, Wärme, Steckdosen für Handyaufladen nutzen, wir saßen in interessanter Gesellschaft.

Wieder nahezu pünktliche Abfahrt, stabiles WLAN im ICE (es wird nicht ALLES schlechter!), ich verbloggte den Samstag unseres Berlin-Kurztripps.

Kurz vor Halle an der Saale kam aber die Durchsage des Zugchefs: Die Schnellstrecke nach Erfurt war wegen einer Störung nicht befahrbar, der Umweg würde zu reichlich Verspätung führen. Nun, Herr Kaltmamsell und ich hatten gestern eh nichts sonst vor, es war warm, es gab WLAN und Strom. Letzteres auch deshalb erwähnenswert, weil ein Anschlag 45.000 Haushalte im Süden Berlins für Tage vom Stromnetz getrennt hatte – darunter die Berliner Verwandtschaft (die heißt so: “Berliner Verwandtschaft”) von Herrn Kaltmamsell, wie wir über die WhatsApp-Familiengruppe erfuhren: Berichte über Handyaufladen an eigens dafür eingerichteten Stützpunkten, über Polizei, die mit Megaphonen durch die Straßen fuhr (weil kein Handyempfang), Aufwärmen bei Verwandtschaft in anderen Stadtteilen.

Vorm Zugfenster wieder verschiedene Seiten des Winters: Ab Berlin verschneite Flächen, mal mit Sonne, mal mit Schneefall. Hinter Halle eine Weile Schneefreiheit. Die Umleitung führte durch die alte Strecke zwischen Halle und Erfurt, ich hatte gar nichts dagegen, die früheren Ansichten wiederzusehen.

Deutscher Winter in der ICE-Kofferablage (diese Sorte Schlitten fand ich als Kind unpraktisch – kippten zu leicht nach vorne, meiner war ein Hörnerschlitten).

München erreichten wir dann 50 Minuten verspätet, wurden mit Sonne und knackigem Frost empfangen. Also daheim erst wieder Kampf um Wohnungswärme. Frühstückssemmeln hatte ich noch am ehemaligen Hauptbahnhof besorgt, die gab es kurz nach drei mit Butter und Marmelade, außerdem ein Restl Zwetschgenröster.

Wir waren ja gerade mal mehr als 48 Stunden weg gewesen, das reichte nicht für Fremdeln bei Heimkehr. Ich war dennoch sehr froh um zwei weitere freie Tage vor Arbeitsstart am Mittwoch, und an Heilig Drei König sind wir nochmal bei meinen Eltern eingeladen, hurra!

Nachmittag mit Zeitunglesen in der Sonne. Große Yoga-Sehnsucht, ich startete wieder ein 30-Tage-Programm von Adriene: “True” von 2018.

Zum Nachtmahl gab’s Nudeln mit übriger Rouladensauce vom Donnerstag, davor aß ich Kimchi und saures Blaukraut gegen Gemüse-Gieper.

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Bevor wir durch die Gerichtsinstanzen gehen, ergeben wir uns lieber schnell. Einfach aus Geldgründen. Es sei denn, es ist der Papst.

Herrliches Interview in der Süddeutschen mit Gabriele Rittig, seit 40 Jahren die Anwältin des Satiremagazins Titanic (€):
“‘Wenn du den Witz erklären musst, hast du schon verloren'”.

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Fotograf Jovan Ritopečki (1923-1989) hat ab den 1960ern über viele Jahre das Leben jugoslawischer Einwanderer in Österreich festgehalten. Ein Projekt der Austrian Academy of Sciences Institute for Habsburg and Balkan Studies erforscht seinen Nachlass zu diesem Thema (etwa 19.000 Negative) und stellt hier viele Bilder digitalisiert zur Verfügung:
“Picturing Migrants’ Lives”.
Zum Einstieg empfehle ich diese Fotos zum Thema Wohnen.

via @sauer_lauwarm