Archiv für Januar 2026

Journal Samstag, 17. Januar 2026 – Lob des Nachbarschaftsfriseurs

Sonntag, 18. Januar 2026

Aktuelle Erkältungsphase: Wird sie gerade besser oder fängt sie von vorn an?

Erst als es hell wurde, sah ich aus dem Wohnzimmerfenster über den Laptopbildschirm, wie düster der Tag war. Das blieb auch so.

Tagesplan:
– Heimsport
– Blumenkauf
– KaffeeundKuchen bei Schwiegers in bei Augsburg
– Haareschneiden

Nach gemütlichem Bloggen trat ich nach langer Pause mal wieder ein Freihanteltraining an, angeleitet wie früher regelmäßig von Fitness Blender. Ich wählte eine Folge mit Übungen für alle Körperpartien aus, wärmte mich dafür mit Musik auf. Die Übungen brachten mich ins Schwitzen, doch ich hielt gut durch, meine Grenzen kamen nicht mal in Sichtweite. Dennoch rechnete ich mit ausführlichem Muskelkater, einfach weil ich diese Übungen und Hantel-Widerstand nicht mehr gewohnt bin. Und fürs nächste Mal suche ich nach irgendwas, das ich noch nicht kenne, so richtig Spaß machte mir die Dutzende Male durchgeturnte Folge nicht mehr.

Ausführliche Körperpflege inklusive Pediküre.

Ich wollte der lieben Frau Schwieger gerne Mimosen mitbringen, die für mich viel besser in den Januar passen als Tulpen, habe Blüten und Duft mal auf Mallorca im Januar kennengelernt. Zu meiner großen Freude bot der Nachbarschafts-Blumenladen in seiner Filiale im Sendlinger-Tor-Untergeschoß wundervolle Mimosen an.

Herr Blumenhändler freute sich so über meine Freude, dass er mir drei Ranunkeln dazuschenkte.

Pünktliche Bahnfahrt nach Augsburg durch Eisnebellandschaft, vor allem vorbeiziehende Nadelbäume sahen wunderschön aus.

Kaffeetafel bei Schwiegers.
Ergebnis Crostata nach Rachel Roddy: Schmeckte gut, aber der Teig war mir zu ledrig, die Schwarzkirschenmarmelade (stand im Regal, musste weg) nicht die ideale Füllung, weil ihr jede Säure fehlte. Die nächste Crostata werde ich anders machen (und auf jeden Fall machen: Der Kuchen ist sehr gute Gelegenheit, Marmeladen zu verwenden).

Neben Austausch von Neuigkeiten befassen wir uns auch mit Familiengeschichte: Herr Schwieger hatte weitere Super-8-Filme aus der Vorzeit und Kindheit von Herrn Kaltmamsell digitalisiert und bereinigt, ein bisschen guckten wir am Fernseher hinein (stimmt! diese weißen Luftpolster-Badekappen mit breiten Mittelstreifen!) und freuten uns an den Zeitzeugnissen (u.a. aus einem jugoslawischen Badeort in den frühen 1960ern in der Nähe der Grenze zu Albanien, als die Frauen dort noch weite Hosen mit Bündchen an den Fußknöcheln trugen).

Die Fahrt zurück nach München war ein wenig anstrengender: Der Zug so voll, dass wir stehen mussten.

Abends spazierte ich zum Friseur. Er liegt ja in einer Friseurladenstraße (sieben Läden auf 200 Meter), alle anderen waren bereits dunkel und hatten Feierabend. Als ich den lieben Herrn Haarschneider darauf ansprach, gab er zu, dass er nur wegen mir noch blieb: Schließlich sei er es gewesen, der mir den eigentlich vereinbarten Termin Ende Dezember absagen musste. Und wie auch sonst, wenn ich nach meinem Feierabend zu ihm komme und er seit 10 Uhr bereits Kunden um Kundin versorgt hat (ich habe ja sein Terminbuch gesehen), war er gelassen, freundlich, alert und fokussiert, konzentrierte sich ganz auf mich.

Ohnehin habe ich diesen Herrn und seinen Laden (er hat keine Angestellten, manchmal arbeiten wechselnde Friseur*innen dort, denen er Stühle vermietet) liebgewonnen: Unter den vielen schicken bis abgefahrenen Läden in der Straße ist er der Nachbarschaftsfriseur im besten Sinne. Die Kundschaft vor oder nach meinen Terminen geht quer durch alle Altersschichten, gestern versorgte er direkt vor mir eine vierköpfige Familie mit zwei kleinen, lockigen Mädchen. Neuesten heißen Scheiß hat er wahrscheinlich nicht im Angebot, dafür Sorgfalt, Fleiß und Geschick für individuelles Haar an individueller Kopfform, dazu offensichtlich Freude an der Arbeit (unvergessen sein Blick zu mir in den Spiegel während des Schneidens, als er mit fröhlichem Lächeln kommentierte: “Viele Haare! Macht Spaß!”) – ich habe über die Monate gemerkt, wie angenehm sich das auf mich überträgt.

Zufrieden mit dem Ergebnis kam ich zurück nach Hause, wo Herr Kaltmamsell bereits das Nachtmahl zubereitet hatte. Vorher wünschte er sich einen Negroni: Rührte ich ihm, mir auch gleich einen.

Fürs Abendessen hatte Herr Kaltmamsell die Pastinaken aus Ernteanteil verwendet, es gab sie mit Linsen und spanischer Blutwurst Morcilla.

Eine sehr gute Idee. Nachtisch Schokolade.

§

Confirmation bias, also Bestätigungsfehler heißt die Tendenz in der menschlichen Wahrnehmung, Informationen stärker zu gewichten, die eigene Annahmen und Haltungen bestätigen, als solche, die sie widerlegen. Und so war mein inneres HA! schon sehr laut, als ich diesen Text von Barbara Vorsamer las:
“The Real Housewives of Germany”.

Medien versuchen oft, Frauen zu Wort kommen zu lassen, die sich ausschließlich um Haushalt und Kinder kümmern. Das Problem: Sie finden selten eine. Stattdessen befragen sie Influencerinnen, Buchautorinnen, Verbandsfunktionärinnen. Denn den angeblichen Trend zur Vollzeitmutter gibt es gar nicht.

Zum Glück sind Barbara Vorsamers Argumente und Belege stichhaltig genug, dass mein Selbst-Misstrauen am Ende der Lektüre verschwunden war.

Journal Freitag, 16. Januar 2026 – Das Schreiben über nichts zu schreiben

Samstag, 17. Januar 2026

Ein weiterer Tag, der fürs Blog einfach so gar nichts hergibt. Am liebsten würde ich alle Vorbeilesenden mit einem “Gehen Sie einfach weiter” fortschicken, um niemandem die Zeit zu stehlen. Für mich selbst haben die Posts als Teil dieser öffentlichen Langzeitchronik eines durchschnittlichen Lebens ja wenigstens wissenschaftlichen Wert.
Vielleicht arbeite ich künftig mit verschiedenen Schriftfarben und formatiere die “Hier gibt’s nichts zu sehen”-Posts in Grau.
Wenn schon so wenig los ist, dass ich darüber schreibe, wie wenig los ist. (Siehe Schriftsteller, denen nichts mehr einfällt, und die dann Romane über Schriftsteller schreiben, denen nichts mehr einfällt, siehe aktuelle Glattauer-Lektüre. Das Lesen meiner Texte kostet wenigsten kein Geld.)

Noch war der Frost nur mit einem Fuß in der Tür zurück, ich marschierte durch einen herrlich klaren, aber nicht zu kalten Morgen in die Arbeit.

Mein elektronisches Postfach war seit Feierabend am Donnerstag gut gefüllt worden, ich arbeitete nach Dringlichkeit ab. Und haderte wie so oft in den jüngsten Jahren mit der IT-Verkrempelung der Welt: Es werden immer aberwitziger mächtige und disruptive neue Systeme eingeführt, während Alltags-IT, also normales Handwerkszeug, immer unzuverlässiger wird und immer mehr Work-arounds erfordert. Ich kann mir gut vorstellen, wie viel mehr Spaß Ersteres macht, aber es wird doch auch in der IT ein paar Hausmeisternaturen geben, die berufliche Befriedigung im Ermöglichen flüssiger Abläufe finden?

Das Wetter blieb sonnig, ich freute mich an meinem Marsch zu Mittagscappuccino.

Eine Runde später freute ich mich an meinem Mittagessen: Orange (ich bin schon wieder sauer-empfindlich), süße Clementine, Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Der Nachmittag brachte einige berufliche Planung durcheinander. Ich möchte mich hiermit beschweren, dass man mich einen Workshop nicht “wegen verzögerter Bereitstellung” absagen ließ (was exakt gestimmt hätte).

Bei pünktlichem Feierabend war es es noch hell, in weiterhin sonnigem Wetter brach die Abenddämmerung gerade erst an. Wunderbarer Heimweg mit kurzem Einkaufsabstecher im Vollcorner. Seit dem Vorabend hatte meine Schnupfennase kein Nasenspray mehr benötigt, auch das hob meine Laune.

Zu Hause machte ich mich erstmal ans Kuchenbacken und stellte die Crostata nach Rachel Roddy fertig, die es am Samstag zu KaffeeundKuchen bei den lieben Schwiegers geben soll.

Der Teig ließ sich gut verarbeiten, jetzt muss der Kuchen nur noch schmecken.

Eine sportliche Runde Yoga, dann mixte ich auf Herrn Kaltmamsells Wunsch Cocktails fürs Wochenendfeiern: Green Monkey, zum Ausprobieren mit Clementinensaft.

Freitagabend-Stillleben. Mandolinen und Fasane waren aus, als memento mori muss der leere Sahnebecher herhalten.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell nach sehr langem mal wieder Pulpo besorgt und servierte ihn a la gallega mit Kartoffeln, Spitzpaprika, blättrigem Knoblauch, pimentón de la vera.

Der Tintenfisch hatte die perfekte Konsistenz zwischen zart und Biss, sehr gutes Abendessen. Dazu hatte ich einen Verdejo aus Rueda aufgemacht, passte sehr gut. Nachtisch Panettone und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, ich brachte Daniel Glattauer, In einem Zug zu Ende. Überflüssig wie eine deutsche TV-Vorabendserie und etwa so Klischee-beladen (und für dieselbe Zielgruppe?), u.a. mit einem Ich-Erzähler und Protagonisten, der sich als “glücklich verheiratet” bezeichnet – sagt man das wirklich noch? Um zu betonen, dass die bekanntlich schlimme und unausweichliche Fessel der Ehe auch gute Seiten haben kann? Einem handwerklichen Aspekt zolle ich Respekt: Glattauer versucht die Einheit von Ort und Zeit, die Lektüredauer des Buchs entspricht etwa der Dauer der Handlung.

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Wikipedia wird 25 Jahre alt, und als Internet-Greisin habe ich natürlich auch dazu einen persönlichen Bezug: Damals fühlte sich das Web ja noch an, als gehörte es uns User*innen (ganz werde ich dieses Gefühl nie verlieren), und Wikipedia war eine von vielen großartigen Ideen, diese neue weltweite Verbindung mit ALLEN (die damals tatsächlich nur eine winzige Gruppe waren) zu nutzen. So beteiligte auch ich mich gleich mal mit kleinen Verbesserungen, Korrekturen, Ergänzungen, wenn mir etwas auffiel oder ich halt was wusste. Allerdings reichte meine Energie (im Gegensatz zu der von Herrn Kaltmamsell) nicht für echte Autorinnenschaft, also neue Artikel oder auch nur Absätze zu meinen Fachgebieten.

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Eine bemerkenswerte Fotografin auf instagram bei @womeninstreet, @sawadicat: Sie schreibt, dass sie zwar in Farbe fotografiert, aber ihre Bilder in Schwarz/Weiß bearbeitet, das Ergebnis finde ich sehr interessant. Auch diese Serie Schaufensterpuppen.

Ich gestehe, dass ich einiger, wie ich es empfinde, Topoi der Street Photography müde geworden bin: bestimmte Perspektiven, bestimmte harte Licht-Schatten-Kontraste. Die oben verlinkten Bilder empfinde ich als erfrischende Alternative, aber das mag mein persönlicher Geschmack sein: Mich interessiert vor allem die Geschichte, die ein Foto erzählt.

Journal Donnerstag, 15. Januar 2026 – Alles für “die KI”

Freitag, 16. Januar 2026

Und nochmal eine richtig gute Nacht, diesmal mit einem besonders kreativen Traum, in dem ich in einer englischen Seniorengruppe Kopfbedeckungen klebte und bastelte (ging ganz leicht und gelang selbst mir).

Ein dunkelgrauer Tag, aber mild und schneefrei genug für Turnschuhe, in denen ich besonders gern und beflügelt marschiere.

Am Arbeitsplatz war einiges wegzuschaffen, ich fühlte mich nützlich.

Zum ersten Mal an einem großen beruflichen LLM-Useraustausch teilgenommen. Was mich seither unter anderem umtreibt: Wie sehr Menschen bereit sind, alle möglichen Prozesse, Strukturen und Arbeitsweisen umzubauen, nur damit die Anwendung von LLMs (Large Language Models – das ist meistens gemeint, wenn es “KI” heißt, aber keineswegs immer) reinpasst, ob in der eigenen Arbeit oder auf übergeordneter Ebene. Und wie schnell die meisten bereit sind, bei Skepsis zu Sicherheit und Datenschutz eiligen Versicherungen des Anbieters zu vertrauen. Auch mit welcher Vehemenz die Monopolisten-ähnlichen Tech-Giganten alles auf die Karte LLMs setzen und bisherige Entwicklungspfade einfach liegenlassen. (Meine eigene Überraschung wundert mich: Das erlebe ich doch bereits seit Jahren bei Google.)

Kurz vor Mittag kam die Sonne heraus, genau richtig für verspäteten Mittagscappuccino im Westend.

Später gab es zu Mittag Apfel, Quark mit Orange und Leinsamenschrot.

Als ich bereits 12 Stunden kein Nasenspray mehr gebraucht hatte, beschloss ich Enzug zu wagen. Leider waren meine Schleimhäute noch nicht so weit: Nach 19 Stunden schwollen sie doch wieder dicht.

Die Sonne hatte den ganzen Nachmittag geschienen, nach Feierabend ging ich unterm letzten leuchtenden Abendblau vor Nachtschwarz direkt nach Hause, es war deutlich kälter geworden. Zu Hause machte ich den Mürbteig fürs eigentliche Kuchenbacken am Freitag, es soll am Wochenende diese Crostata geben. Schöne Runde Yoga, dieses 30-Tage-Programm “True” von Adriene gefällt mir gut; das habe ich möglicherweise erst einmal durchgeturnt, ich erinnere mich bislang an keine Folge – habe lediglich das musikalische Thema im Ohr.

Herr Kaltmamsell war aushäusig verabredet, ich hatte mir zum angekündigten Postelein aus frisch geholtem Ernteanteil bereits am Mittwoch Radicchio als Abendessen dazugekauft und machte alles mit Joghurtdressing an, kochte zwei Eier dazu.

Nachtisch Panettone und Schokolade. Sehr früh ins Bett zum Lesen.

Journal Mittwoch, 14. Januar 2026 – Büro-Erinnerungen

Donnerstag, 15. Januar 2026

Wieder eine Nacht mit tiefem Schlaf fast ohne Unterbrechung, diese (sonst deutliche) Erkältung ist mir langsam unheimlich. Aber besser so! Außerdem schenkte mir ein Traum die Begegnung mit einem sehr vermissten früheren Freund.

Zwar fühlte sich die Luft auf dem Weg in die Arbeit mild an, doch der Boden glitzerte gefährlich: Ich blieb auf der Hut.

Am Schreibtisch Überfall von Tausenderlei; ich schaffte es, mich zur Ruhe zu bringen und das systematisch abzuarbeiten.

Im Nebenbüro saßen zwei Hiwis mit der Aufgabe, Einladungen zu falten und einzutüten – mit den Geräuschen inklusive scherzendem Geplauder, die mich sofort über 30 Jahre in die Hiwi-Zeit zurückbeamten, in denen ich Herrn Kaltmamsell kennenlernte. <3<3<3 (Allerdings sind sie deutlich weniger miteinander vertraut als wir Hiwis damals, weil sie weitgehend von daheim aus arbeiten.)
Von den Tricks zum Falten von A4-Seiten profitiere ich noch heute, ich habe als Hiwi also nicht nur Kopieren gelernt.

Im immer heller werdenden Draußen marschierte ich auf einen Mittagscappuccino ins Westend, das war schön.

Mittgspause mittelspät wegen Dringendem, es gab einen Apfel (aus Ernteanteil, aber von einem Partnerbetrieb – ein Aromenfeuerwerk!), außerdem eingeweichtes Muesli mit Joghurt (und einem neuen Versuch mit Leinsamenschrot – erfolgreich, diesmal bekam ich kein Bauchweh).

Die Erkältung machte sich gestern über meine Stimme her: Ich klang richtig schlimm krank, dabei fühlte ich mich nahezu gesund (ein bissl Rotz, ein bissl Nebenhöhle, einmal die Stunde ein Huster). Wirklich unangenehm war der Schwindel ab frühem Nachmittag, aber ich bin ziemlich sicher, dass der nichts mit meinem Schnupfen zu tun hatte.

Bedrückende Nachrichten am Nachmittag. In den vergangenen beiden Jahren schickte ich so viele Hilflosigkeits-Postkarten an liebe Menschen in schwierigen bis schlimmen Situationen, dass mein Bestand aus 40 Jahren nicht mehr genügend Auswahl bietet, schließlich soll es ja immer die passende Postkarte sein. Ich werde in Museumsshops Einkaufen gehen müssen, München bietet ja zum Glück viele. (Das ist keine Beschwerde, höchstens ans Universum, sondern ein Statusbericht!) (Was übrigens NICHT funktioniert: Aus Dankbarkeit, dass es mir offensichtlich so viel besser geht, glücklicher zu werden.)

Auf dem Heimweg ausführliche Einkäufe im Vollcorner. Zu Hause eine sehr ruhige Einheit Yoga, war gestern in Ordnung.

Auf das Abendessen freute ich mich besonders: Der restliche Lauch aus Ernteanteil wurde in den Händen von Herrn Kaltmamsell ein (veganer) Eintopf mit weißen Bohnen, der jedesmal wieder unerwartet gut schmeckt.

Leek and beans romesco aus dem Guardian, auch diesmal köstlich. Nachtisch Panettone und Schokolade.

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Wenn ich schon regelmäßig maule, dass es für den Münchner Hauptbahnhof kein Fahrradparkhaus gibt, muss ich aber schon auch vermelden:
“‘Situation lange unbefriedigend’: Neues Radl-Parkhaus am Hauptbahnhof in München eröffnet”.
Ein Anfang!
(Und jetzt noch Ausschilderung?)

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Pure Entspannung und Freude: Ein langer Artikel über Gürteltiere im Wiener Tierpark Schönbrunn.
“Hervorragend gepanzerte Einzelgänger: Auf der Suche nach den Kugelgürteltieren in Schönbrunn”.
(Vielleicht schau ich an Fasching vorbei.)

Journal Dienstag, 13. Januar 2026 – Der Leichtfall-Reflex

Mittwoch, 14. Januar 2026

Nochmal eine gute Nacht, Nasenspray ist toll.

Draußen ging das Tauen und Suppen weiter, auf dem Weg in die Arbeit musste ich auf nur wenige glatte Stelle achten.

Im Büro Emsigkeiten, außerdem Vorbereitung meiner Moderation (10 Prozent: Präsentation glätten. 90 Prozent: Niedliches Tierbild als Einstiegsfolie suchen.). Die Stimme hielt, alles funktionierte.

Exkurs: Die Moderation dieses Termins tourniert eigentlich, und ich entnehme manchen Randbeobachtungen, dass sie den allermeisten sehr unangenehm ist und sie Überwindung kostet. Selbst mache ich sowas immer noch leicht und gern – “immer noch”, weil sich meine Berufs-Persönlichkeit in sonst so vielen Dingen geändert hat, bis ins Gegenteil. Ich merke sogar, wie ein fast vergessener Reflex einsetzt, der mich schon als Kind in Schwierigkeiten gebracht hat: Wenn mir etwas besonders leicht fällt und anscheinend allen anderen schwer, höre ich mich “Hier!” rufen, bevor ich mir Zeit genommen habe zu überlegen, welche weiteren Seiten und Folgen das Amt oder die Tätigkeit involviert. Und Rückzieher verbot mir schon immer mein Stolz. Einziger Fortschritt: Mittlerweile bin ich besser darin, diesen Reflex zu unterdrücken.

Gleichzeitig bricht bei konkret dieser Moderation mein innerer Schabernacki mit so großer Kraft durch, think Thomas Gottschalk im Radio, dass die Veranstaltenden mich wahrscheinlich nicht so schnell nochmal um Einspringen bitten.

Gestern begegnete ich am Arbeitsplatz deutlich mehr Menschen als am Montag: Meine Maske bewirkte, dass viele einen Bogen um mich gingen – gut so. Der zweiwöchentlichen Geselligkeit blieb ich aber fern. Später holte ich mir in der Cafeteria einen Mittagscappuccino, den ich im Büro trank.

Im milden Draußen schien mittlerweile sogar fahles Sonnenlicht, ich ging raus auf eine Runde um den Block.

Zu Mittag gab es gelbe Kiwis (sauer!), getrocknete Feigen, Wurzelbrot.

Der Arbeitsnachmittag verlief so strukturiert, dass ich die Entwicklung meiner Erkältung beobachten konnte: Der Nebenhöhlenschmerz hatte die Seite gewechselt, produktives Rotzen, erste Hüsterchen.

Meinen Heimweg in milder, trockener Luft erweiterte ich um einen Abstecher beim Friseur, um mir nach dem abgesagten jetzt doch einen Termin zu holen.

Zu Hause eine Einheit Yoga. Das mit dem “audible breath” (Ujjayi), das Adriene immer wieder ansagt, bekam ich gestern besonders gut hin: Jedes Atmen durch die schnupfig gerade wieder zuziehende Nase hörte man deutlich, manchmal mit ein wenig Schleimrasseln!

Anschließend Wäscheaufhängen – und eine Enttäuschung in der Post: Ich hatte von meiner eingestellten Lieblings-Bodylotion von Bodyshop bei einem Online-Anbieter fünf Tuben gekauft, die Sendung traf gestern ein. Doch im windigen Umschlag waren nur zwei Tuben, eine hatte sich bereits geöffnet und Sauerei angerichtet. Also Mail an den Verkäufer und nachgefragt.

Gut aber war wieder das Abendessen:

Herr Kaltmamsell hatte nach einem Rezept im SZ-Magazin den halben Riesensellerie aus Ernteanteil zubereitet (allerdings im Ofen ohne den Salzmantel). Wurde gut! Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen: Ich fürchte, Glattauer hat nicht wirklich dazugelernt.

Journal Montag, 12. Januar 2026 – Muskelgedächtnis beim Maskentragen

Dienstag, 13. Januar 2026

Wieder eine überraschend gute Erkältungsnacht: Mit einer Ladung Nasenspray doppelseitig und einer Ibu schlief ich nahezu durch.

Angenehmer Arbeitsweg: Der Schnee vom Sonntag war noch schön griffig, der angekündigte Eisregen hatte noch nicht zugeschlagen.

Im Büro setzte ich mir erstmal Maske auf, bis ich die Tür zu meinem einzeln besetzten Büro schließen konnte: FFP1, weil das bei einem grippalen Infekt reichen sollte, und mein Muskelgedächtnis wusste noch genau, wo die Finger den Steg knicken mussten, damit er geschmeidig unter die Brille passte.

Ich sortierte mich, sichtete den E-Mail-Eingang, hatte eine erste Besprechung, aus der ich mir Aufgaben holte – da brachen Querschüsse über mich herein und Rätsel. Recherchen, die eigentlich zur Lösung der Rätsel führen sollten, brachten lediglich weitere Rätsel zutage, irgenwann war es bereits Mittag, mir war jede Lust auf Mittagscappuccino vergangen. Zumindest huschte ich wie geplant für Abendbrot-Einkäufe raus, doch zurück am Arbeitsplatz erwarteten mich weitere Querschüsse.

Mein Mittagessen wurde spät und ohne Appetit lediglich gegen Bauchweh reingeschaufelt (und als Unterlage für Ibu, meine Nebenhöhlen hatten ihren Erkältungseinsatz): Kartoffelsalat vom Sonntag, eine Orange.

Sehr umtriebiger Nachmittag, ich musste mich dazu disziplinieren, weniger Wichtiges auf Dienstag zu schieben. Das war insgesamt ein bisschen zu viel Ablenkung vom Schnupfen, ächz. Außerdem hatte ich meinen Taschentuchbedarf unterschätzt (gestern bereits Phase wunde Nasenlöcher) und musste haushalten, zu Feierabend verließ ich das Büro auf dem letzten Taschentuch.

Draußen taute es schon seit Stunden, immer wieder regnete es. Ich befürchtete einen rutschigen Heimweg, doch es war so warm geworden, dass ich in Matsch nach Hause stapfte. Und in Regen.

Daheim eine Runde Yoga mit Adriene, die Folge 6 von True – richtig originelle Übungen. Aber boat pose wird bei mir mit dem Lendenwirbel-Gerumpel in diesem Leben nicht mehr besser.

Im Zentrum des Nachtmahls stand Räucherfisch: Forelle und Lachsforelle aus über zwei Ecken angeheiratet familiärer Produktion. Dazu machte Herr Kaltmamsell Meerrettichsahne, ich eine Schüssel Feldsalat mit Kürbiskernöl-Dressing, und ich hatte Wurzelbrot gekauft. Gutes Abendessen. Zum Nachtisch hatte ich reichlich Schokolade nachgekauft.

Ich ließ mir vor allem von Herrn Kaltmamsell seinen Tag erzählen und versuchte selbst möglichst wenig zu sprechen: Die Erkältung machte sich gerade über meine Stimme her, doch ich muss am Dienstag eine Online-Besprechung moderieren.

Früh ins Bett, dort neue Lektüre: Daniel Glattauer, In einem Zug – mal sehen, ob er den schlechten Eindruck, den ich durch Gut gegen Nordwind bekam, ändert.

Journal Sonntag, 11. Januar 2026 – Eingeschränktes Schneevergnügen

Montag, 12. Januar 2026

Die startende Erkältung hatte mich gut schlafen lassen, das war schonmal was. Aufgestanden zu Winteraussicht – und dem Gefühl, einen endlos verfügbaren freien Tag vor mir zu haben, weil ich keinen Sport treiben konnte und keinen Termin darin hatte. Leise Trauer um den verpassten Sonnenschwumm im Dantenad.

Auch diesen Winter die schöne Visualisierung: Menschen, die nicht an Sackgassenschilder glauben.

Nach Bloggen mit Milchkaffee machte ich mich in der Küche zu schaffen: Abends sollte es Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat geben, dafür bin ganz fest ich zuständig, ich setzte die Kartoffeln aus Ernteanteil auf. Nach einem besonders schlechten Kartoffeljahr 2024 war das vergangene ein besonders gutes Kartoffeljahr gewesen mit deutlicher Überproduktion und abgestürzten Marktpreisen für Kartoffeln. Ein Anbauer in Sachsen verschenkt jetzt einfach 4000 Tonnen, bei uns im Kartoffelkombinat als Anbaugenossenschaft bedeutet die überreiche Ernte, dass halt mehr Kartoffeln im Ernteanteil landen.

Draußen strahlte die Sonne auf frisch Beschneites, da wollte ich hin.

Ich spazierte zur Theresienwiese und von dort rüber zum Westpark. Jede schräge Fläche wurde zum Schlittenfahren genutzt, es war mords was los.

Hochbetrieb im Gans am Wasser.

Hier war eben eine Frau auf Plastikwannenschlitten runtergesaust – mit Schwung über den Gehweg und über den zugefrorenen Teich, ein Riesenspaß. Im Landlebenblog und bei Croco gibt’s mehr Schlittengeschichten.

Stellte sich heraus: Mit Erkältung spaziert es sich gar nicht so schnell und so weit wie ohne. Eigentlich waren die Verhältnisse so, wie sie mich zu freudigsten Märschen verlocken: Schnee, Farben, Sonne, windstill, nicht zu kalt. Und ich war ohnehin schon vernünftig in langsamerem Tempo unterwegs als sonst. Doch schon nach nicht mal einer Stunde fühlte ich mich schwach und traurig, dann fröstelte mich auch noch. Ich begann mit mir zu verhandeln, bis wohin ich mich motivieren würde, fing mich aber dann doch: Mein Körper war einfach mit anderem beschäftigt als Bewegungsfreude, er wollte nicht mehr und ich sollte ihn heimbringen. Außerdem zog der Himmel eh gerade zügig zu.

Heimfahrt also mit der U-Bahn ab Westpark – mit hochgezogenem Schal, denn ich hatte keine Maske dabei.

Daheim um eins zum Frühstück: Kartoffelsalat (er schmeckte mir beim Abschmecken so gut, dass ich gleich ein Schälchen abzweigte), restlicher Waldorfsalat vom Vorabend, Zwetschgendatschi (trotz Hefeteig auch am nächsten Tag noch gut).

Nachmittags lenkte ich mich mit Lesen von meiner Erkältung ab: SZ-Magazin, Michael Eckerts Biografie Joseph von Baader zu Ende (mir war nicht klar, mit wie viel persönlichem Gezänk der technische Fortschritt in Bayern um die Jahrhundertwende 18./19. verbunden war, heutiges Manager-Gehackel Dreck dagegen). Kurze Bügelrunde – aber lang genug, dass ich mir durch einen Fehlgriff eine Brandblase am linken Mittelfinger holte.

Vor dem Abendessen eine Runde Yoga, die belastete meinen Körper gar nicht.

Auch die Fleischpflanzerl gelangen mir besonders gut, köstliches Abendessen. Nachtisch Zwetschgendatschi und Schokolade.

Wohnungräumen für den ersehnten Putzmanneinsatz nach vier Wochen.

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Kathrin Passig schreibt über
“Lebst du noch?”

Mir fällt auf, dass ich mir selten Sorgen um Herrn Kaltmamsell mache, wenn ich nichts von ihm höre – also wenn er oder ich mit Ankündigung woanders sind. Nur überraschende Abwesenheit löst Unruhe aus, eine verpasste Verabredung wäre Anlass für Alarm. Allerdings gibt es ja auch kein Tier zu versorgen.

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Politikwissenschaftlerin Antja Schrupp macht sich Gedanken:
“Wie durchgeknallt ist Donald Trump?”

Ich glaube, wenn Linke und Liberale über die Trump-Administration lachen, dann reden sie sich die Sache schön. Slogans wie „Make America think again“ oder Darstellungen von Trump als Clown oder Psycho suggerieren, dass das alles nicht ernstgemeint sein kann. Man ruht sich gewissermaßen darauf aus, objektiv rechtzuhaben und hofft, dass das Gute und Wahre sich schlussendlich schon durchsetzen wird. Die Wissenschaft hat schließlich festgestellt, dass Fleischessen schädlich ist, der menschengemachte Klimawandel real, und die binäre Geschlechterlogik sozial konstruiert.

Aber Politik funktioniert so nicht. Wie wir die Welt sehen, was wir für wahr und was für falsch halten, ist nicht in erster Linie ein Ergebnis vernünftigen Nachdenkens, rationalen Argumentierens, wobei am Ende gewinnt, wer objektiv recht hat. Sondern Politik funktioniert über Emotionen, über Narrative, über kollektive Dynamiken. Was wissenschaftlich betrachtet „wahr“ ist, ist ebenso zweitrangig wie das, was sich „gehört“. Man kann das alles über den Haufen werfen – und Donald Trump und seine Regierung haben das gemacht: Sie sind der reale Beweis dafür, dass Wahrheiten sozial hervorgebracht werden. Wissenschaftliche Evidenz? They don’t give a shit.

Für die MAGA-Base sind Dinge wahr, die wir für objektiv falsch halten, und das ist alles, was zählt. Dass wir nach wissenschaftlichen Maßstäben „recht haben“, spielt für den politischen Ausgang der Geschichte schlichtweg keine Rolle. (Für den faktischen schon, denn die Klimakatastrophe wird reale Folgen haben usw. aber das sind andere Zeitdimensionen. Bei Politik geht es um Monate und Jahre, nicht Jahrzehnte und Jahrhunderte, und wie wir im Rückgriff auf Corona sehen, kann dann die Realität auch rückwirkend durch politische Narrative geprägt und verzerrt werden, aber das nur als Einschub).