Archiv für April 2026

Journal Donnerstag, 23. April 2026 – Kapitulationen

Freitag, 24. April 2026

Funktioniert auch nach unwilligem Gewecktwerden als aufgeregte Freude beim Schließen des Schlafzimmerfensters:

Falke!

Wetter weiterhin strahlend sonnig, Luft weiterhin saukalt, auf dem Marsch in die Arbeit wären Handschuhe angebracht gewesen. (Die Kollegin, deren Hippie-Frühlingsbluse ich später bewunderte, verwies auch gleich auf ihre Fehleinschätzung der Temperaturen und schlotterte dramatisch.) Vorfreude auf endlich Friseurtermin und endlich weg mit der Wolle auf dem Kopf.

Arbeitsvormittag überraschend dicht, daran waren aber auch mehrere sehr störende Computer-Updates und -Neustarts schuld. (Der Triumph, als ich einem weiteren Zwangs-Neustart durch feierabendliches Runterfahren des Rechners zuvorkommen konnte!)

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, damit ich für Einkäufe zum Markt kam.

Erneuter Anruf vom schicken Friseurladen mit erneuter Bitte um Verschiebung meines Termins, diesmal nach früher. Ich ergab mich trotz deutlich anderer Pläne, wollte einfach endlich einen Haarschnitt und strich diesen Laden, in den ich in den vergangenen Jahren immer wieder ausgewichen war, endgültig von meiner Liste – diese Art von Lässigkeit habe ich einfach nicht im Programm, damit musste ich mich schon vor Längerem abfinden.

Und so wurde es bereits vor zwölf wieder Zeit für ein Ibu gegen Zahn-Kopf-Weh. Markteinkauf kriegte ich hin, trotz gereizter Alles-Idioten-Stimmung, trotz langem Anstehen am Käsestand (MUSSTEN alle Leute vor mir bitte unbedingt am Ende des Standes anstehen, so dass niemand in der Schlange schonmal die Auslage sondieren konnte?!).

Mittagessen zwischen zwei Emisgkeiten eingeschoben, schließlich musste ich mich wegen Friseur sputen (auf den ich ursprünglich so lange gewartet hatte, um ihn auf einen optimal arbeitskompatiblen Termin legen zu können, *knurr*): ein paar Nüsse, außerdem Mango mit bulgarischem Joghurt.

Der Arbeitstag kapriolte lustig weiter, die Realität weigerte sich an zahlreichen Ecken und Enden, meinen Vorstellungen und Erwartungen zu entsprechen.

Überfrüher Feierabend, jetzt war ich gespannt, ob der Friseur besser Haareschneiden konnte als Termine zu verwalten.

Fast hätte ich das nicht herausgefunden: Als sich meine Wartezeit vor Ort 30 Minuten näherte, machte ich mich bereit zu gehen. Der Friseur war genau jetzt mit der Vor-Kundin fertig und fing mich gerade noch ein. Doch ich war total wütend, konnte auf Frage nach meinen Wünschen nur “Ist mir inzwischen egal, Hauptsache kurz” antworten und musste jetzt eine Stunde schweigend rumbringen, in der ich gleichzeitig innerlich schäumte und mir selbst deshalb total peinlich war, mir nur wünschte, mich irgendwie in Nicht-Existenz aufzulösen. Tja, hätte ich halt irgendwann einen Umgang mit meinen starken Affekten gelernt, statt nur eine Gefühlspolizei zu unterhalten, die ihre Berechtigung überwacht.

Abgekürzt: Ich bekam einen Haarschnitt und will diese Episode bittegerne so schnell wie möglich vergessen. Verdrängen. Whatever works.

Anschließend zwang ich mich appetitlos zumindest zu Brotkauf in der Balkan-Bäckerei fürs Abendessen, denn irgendwann würde ich ja wohl essen wollen, Herr Kaltmamsell war aushäusig, also Brot mit der Butter und dem Käse aus dem mittäglichen Markteinkauf. Nicht mal das herrliche Wetter und all die lächelnden Menschen, die es genossen, kamen an mich ran.

Herr Kaltmamsell war noch daheim und ließ mich bis zu seinem Aufbruch in Ruhe. Ich turnte Yoga, glückliche Umstände hatten mir eine Einheit mit Atemübungen und sonstigem Runterkommen zugespielt. Jetzt war ich zumindest für Essfähigkeit wiederhergestellt: Zu Abend gab es Rührei aus Eiern, die weg mussten, und dann eben gutes Fladenbrot mit Butter und Käse. Nachtisch Schokolade, aber mal nicht zu viel.

Endlich daran gedacht, in letzter Abenddämmerung auf den Balkon zu gehen und nach oben zu schauen (herrliche Abendluft): FLEDERMAUS!

Früh ins Bett, damit wenigstens dieser Tag ein Ende bekam – zu erledigt, um die Buchstaben in einem Buch scharf zu stellen. Wie viel Kraft diese ScHeISs gEfÜhLE kosten!

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Maximilian Buddenbohm schrieb gestern:

Wenn Sie sich im öffentlichen Raum streiten, so dass es andere hören können oder müssen, bemühen Sie sich doch bitte jederzeit um eine deutliche Aussprache

Nicht nur schließe ich mich dem als co-betroffene Innenstadtbewohnerin an: Ich bitte zusätzlich darum, bei lautem telefonischen Streit hin und wieder für die gezwungen mithörenden die Aussagen des Gegenübers zusammenzufassen – kürzlich wurde ich auf dem Heimweg unfreiwillig Zeugin eines telefonischen Beziehungsstreits im Gehen, der immer näher an Beziehungsende geriet, da hatte ich ja wohl geradezu ein Recht auf die Perspektive der Gegenseite, audiatur et altera pars! (Wobei in diesem Fall nicht gebrüllt wurde, sondern nur laut gestritten – zumindest auf dieser Seite.)

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Seit vielen Tagen keine Tiere am namibischen Wasserloch, weil es dort gerade so ausieht:

Es hat geregnet, alles grünt, derzeit braucht niemand dieses Wasserloch, um an Wasser zu kommen.

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Toon-Blogger Beetlebum lernt bayrische Marterl kennen – und macht umgehend selbst eines:
“Bavarian Heritage”.

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Sollte sich jemand von meiner extremen und aggressiven Unlust zu leben, seit ich mich erinnern kann, persönlich getroffen fühlen: Zeigen Sie mir gerne jederzeit einen Weg, mit dem ich mein Leben einer anderen, todkranken Person spende, die es liebt (Ihres? das eines lieben Menschen?), und wir kommen zusammen.

Journal Mittwoch, 22. April 2026 – Für was Schönes an einem Arbeitstag: Lerchenlauf

Donnerstag, 23. April 2026

Sehr frühen Wecker für einen Lerchenlauf gestellt, noch früher aufgewacht – das war zu früh. Ich wurde sogar wach genug für die Erkenntnis, dass die Option Abblasen Lerchenlauf und eine zusätzliche Stunde Schlaf exisiterte, wollte mich aber nicht mit ihr befassen.

Meine Prognose ging auf: Bei klarem Himmel war es um sechs bereits hell genug für einen Lauf ohne Stolperrisiko, auch wenn es die Sonne erst zehn Minuten später über den Horizont schaffte. Ich wappnete mich gegen die vorhergesagte Kälte mit langen Hosen, Mütze, Handschuhen und lief ab Hautür los. Gerade als ich eine Temperaturanzeige von 1 Grad passierte, merkte ich fröstelnd, dass eine Weste über dem langärmligen Hoodie gut gewesen wäre.

Ich bekam schöne Ansichten auf wenig belaufenen Wegen, der Körper spielte ok mit. In der weiterhin herrlichen Frühlingsblüte dominierte die Felsenbirne, zwischen einigen Wohnblöcken waren die Zieräpfel ausgebrochen.

Blick von der Wittelsbacherbrücke liefert.

Am Flaucher hingen Schilder “Huchen-Laichplätze Bitte nicht stören” – erfreulicherweise kommen die Huchen auch dieses Jahr. Was eine Gruppe morgendlicher Flaucherbader offensichtlich nicht kümmerte, was wiederum mich traurig machte.

Der Wasserstand der Isar war sehr niedrig. Für die nächsten vielen Tage ist sonniges Wetter angekündigt, was mich wieder in den zeittypischen Gefühskonflikt bringt: Freude über schönes Wetter (mit ganz normalen Frühlingstemperaturen) versus Sorge über Trockenheit.

Daheim zackige Körperpflege und warme Kleidung für den Marsch in die Arbeit, jetzt wärmte die Sonne sogar spürbar. Aber ich fühlte mich beim Gehen hüftsteif vom vorherigen Joggen.

Im Büro gab es Arbeit, dafür werde ich schließlich bezahlt. Im Lauf des Vormittags war mir mein leichter Pulli überm Shirt zu warm, ich freute mich übers Ausziehen (weil mir warm genug war und weil ich darunter ein besonders gemochtes grau-rot geringeltes Shirt trug, dessen Anblick ich jetzt genießen konnte).

Mittagscappuccino mit schönem Weg in der Sonne – und weiter niedrigen Temperaturen.

Mittagessen: Birnen, Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot. Nach und nach legte sich die post-sportale Steifheit, auch die Müdigkeit.

Nach Feierabend Heimweg über Süßigkeiten-Einkäufe, die Osterschokolade ist weg. Zu Hause sportliches Yoga, Brotzeitvorbereitungen.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Reiberdatschi aus dem Backofen, unter die (Ernteanteil-)Kartoffeln war Käse gemischt. So wurden sie herzhaft und sehr knusprig. Nachtisch Schokolade.

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Agrarökologin Marita Wiggerthale über den Stand unserer Landwirtschaft in Abhängigkeiten von Weltmarkt und Weltpolitik (inklusive konkreten Wegen aus der Abhängigkeit):
“Die unsichtbare Krise auf unserem Teller”.

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Vulture-Artikel über das superniedliche Felsen-Alien in Project Hail Mary – das tatsächlich eine Puppe mit Puppenspielern ist und nicht Computer-generiert:
“A Little Baby Owl. A Little Katharine Hepburn. All Alien.”

Ortiz and his team of Rockyteers physically inhabited scenes with Gosling, improvising both dialogue and movement as they shot.

via iberty

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Wie wär’s mit einer Neu-Inszenierung von Arsen und Spitzenhäubchen?

Journal Dienstag, 21. April 2026 – Wieder lediglich Arbeitsalltag

Mittwoch, 22. April 2026

Nach gutem Schlaf deutlich zu früh aufgewacht, und dann auch gleich von einer Angstwelle geflutet und wach gehalten. Dann halt früher aufgestanden, fertig gemacht, in die Arbeit marschiert.

Wieder leuchtete auf dem Weg über mir blauer Himmel, aber es war zapfig kalt und nur wenig über Null.

Arbeitsstart mit brennenden Augen und tiefer Müdigkeit.

Beruflich befasste ich mich nochmal vom Bein weg mit Copilot – immer in der Hoffnung, dass in dem konstantem Ärger und Störgefühl irgendwo ein Lichtlein aufscheint. Doch ich hielt die Info-Veranstaltung live nicht lang durch, obwohl sie genau auf meine Rolle zugeschnitte war: Alles viel zu langsam und behäbig, außerdem musste ich eh nach der Hälfte in einen anderen Termin. Ich werde mir die Aufzeichnung ansehen, die kann ich schneller ablaufen lassen.

Sonst einiges Wirbeln, ich riss mich los für einen Mittagscappuccino im Westend. Herrliche Luft, weiterhin sehr kühl.

Zur Brotzeit räumte ich meine unterste Schreibtischschublade mit gemischten Nützlichkeiten auf: kleines Glas Rote Bete, Eiweißriegel weit jenseit MHD, ein paar Trockenpflaumen, eine Birne. Nur die Notfall-Nüsschen ließ ich übrig.

Emsiger Arbeitsnachmittag, ich fühlte mich nützlich.

Nach Feierabend direkter Weg nach Hause. Herr Kaltmamsell hatte Elternsprechabend, allerdings telefonisch und daheim. Nach einer kurzen und eher entspannenden Einheit Yoga kümmerte ich mich ums Abendessen: Eine Portion Meatballs aus der Gefriere mit Spaghetti, also echtes US-Italo-Essen – schmeckte gut! Nachtisch Schokolade.

Sehr früh zog ich mich zum Lesen zurück – allerdings tut meinem Kreuz langes Lesen im Bett sitzend nicht gut, ich bekomme Schmerzen: Zunächst nutzte ich also den sonst nur dekorativen Sessel in meinem Schlafzimmer, der eine deutlich rückenfreundlichere Lesehaltung erlaubt, und schlüpfte erst für die letze Viertelstunde ins Bett, um fürs Schlafen nur noch das Licht ausmachen zu müssen.

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Meerschwein-Content mal NICHT von @_vanessagiese (Ton an!).

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Die Stadt München unternimmt einen weiteren Versuch, die Situation im Nußbaumpark zu entschärfen – mit einer Online-Umfrage des Baureferats (Gartenbau):
“Sind Sie regelmäßig im Nussbaumpark, oder gehen Sie daran vorbei? Dann sind Sie genau richtig. Wirken Sie mit, indem Sie an der Umfrage zur Umgestaltung des Nussbaumparks teilnehmen.”
(Noch bis 26.06.2026 verfügbar.)

Ich äußerte darin den Wunsch nach Nachtruhe ohne laute Partys oder Gebrüll, gab aber zu, dass ich auch keinen Weg dazu weiß.

Journal Montag, 20. April 2026 – Lediglich ein weiterer Arbeitsmontag

Dienstag, 21. April 2026

Geweckt worden durch langsam helleren, blauen Himmel – mit schönem Wetter hatte ich gar nicht gerechnet.

Reichte aber nicht, um das leise Eingrauen meiner Stimmung aufzuhalten, das sich an der ewigen Länge der Arbeitswoche (FÜNF Tage!) und des Lebens insgesamt (noch bis zu DREISSIG Jahre, statistisch) festklebte.

Unterwegs in die Arbeit (kalt!) kam mir ein junger Mann mit drei Zentimeter breitem Groucho-Marx-Schnauzer entgegen (er verfügte offensichtlich über die passende Farbe und Wuchsdichte): Das aktuelle Schnauzbart-Revival verstehe ich zwar auch nicht, assoziiere die 1980er, in denen Schnauzbart Polizisten und älteren bis alten Männern vorbehalten war (wobei ich mir gut vorstellen kann, wie ich mit Gesichtsbehaarung spielen würde, hätte ich die dafür erforderliche), doch zumindest ekelt mich der Anblick nicht wie der von langen Vollbärten.

Emisger Vormittag, auch wenn mir aus dem E-Mail-Postfach keine Blendgranaten entgegenleuchteten.

Meinen Mittagscappuccino terminierte ich ungeschickt: Direkt vor mir trafen im Café zwei Gruppen ein, die sich individuell Bowls zusammenstellen ließen (wirkten eigentlich jung, übten aber schonmal Mittagessen zu Rentner-Zeiten). Nach einigen Minuten wurde mir klar, dass auf absehbare Zeit niemand vom Personal für meinen Cappuccino zur Verfügung stehen würde, ich ging ohne. Zurück im Bürohaus reihte ich mich in die lange Schlage in der Cafeteria ein, denn ich hatte wirklich Lust auf Cappuccino.

Später gab es zu Mittag gelbe Kiwis sowie einen Rest der Karotten-Einkorn-Pfanne vom Samstag.

Nicht weiter erwähnenswerter Arbeitsnachmittag, die Sonne blieb ebenso wie die kühle Luft. Heimweg mit Lebensmitteleinkäufen.

Zu Hause Wäschewaschen, Yoga, zum Nachtmahl gab es das restliche Szegediner Krautfleisch vom Sonntag mit frisch gekochten Salzkartoffeln (jemand in diesem Haushalt liebt frisch gekochte, kann aber aufgewärmte nicht ausstehen) – dem Sauerkraut hatte das Aufwärmen besonders gut getan. Nachtisch Schokolade.

Sehr früh ins Bett zum langen Lesen.

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Für die re:publica-Session, in der auch ich auf der Bühne sitze, gibt es jetzt einen Termin, nämlich Montag, 18. Mai, 18:45 Uhr:
“Mythos Blogosphäre – Wie war es damals wirklich?”

Journal Sonntag, 19. April 2026 – Sonntagsroutine

Montag, 20. April 2026

Endlich die neun Stunden ausgeschlafen, die ich mir vom Wochenende wünschte.

Während ich gemütlich und ausführlich die Wanderung vom Vortag verbloggte, wurde aus dem fahl-grauen Wetter der angekündigte windige Regen. Wodurch mein Plan, endlich mal wieder mit dem Radl zum Schwimmen zu fahren, ausgesprochen unattraktiv wurde.

Doch dann merkte ich: Ich hatte überhaupt keine Lust auf Schwimmen. Das brachte alle Tagespläne durcheinander, bis ich spürte: Laufen würde ich gerne, wenn auch nach der Wanderung am Samstag eher eine kleine Runde.

Der Regen hörte sogar auf, ich nahm eine Tram zum Tivoli und lief an der Isar durch den nördlichen Englischen Garten flussauwärts – das erfreute mich wirklich. Der Körper spielte mittelgut mit, hin und wieder signalisierten vor allem die Hüftbeuger Ermüdung, doch dann hatte ich wieder eine Hochphase – unterm Strich wurden es 100 Minuten, die ich bei Beschwerden einfach früher hätte abbrechen können.

Ich bekam sogar ein wenig Sonnenschein geschenkt.

Biber tötet sehr großen Baum.

Gegen Ende immer dunklere Wolkenberge und eindeutiges Donnergrollen, doch ich blieb trocken.

Auf der Tramfahrt zurück erreichte mich eine Nachricht von Crowdfarming: Eine Erinnerung daran, dass ich noch die Lieferung von Ernteanteilen meines adoptierten Orangenbaums terminieren müsse. Das stimmte mal wieder nicht (Klick auf Link in Mail brachte mich auch zum Status “3/3 ausgeliefert”) und war die so enorm vielte Falschnachricht, dass ich die Zeit der Tramfahrt dann doch mal mit dem Schreiben einer Beschwerde als Antwort füllte: Ich betonte, dass ich zu 100 Prozent hinter dem Konzept Crowdfarming stünde, dass aber das IT-Chaos des mindestens vergangenen Jahres (ich nannte einige konkrete Beispiele wie falsch angekündigte Lieferungen, Ausfälle oder doch nicht, mehrfache Lieferungen) bereits dazu geführt hätte, dass ich zwei Adoptionen gekündigt habe und Crowdfarming mittlerweile nicht mehr weiterempfehle. Grüße mit der Bitte, sich endlich darum zu kümmern.

Frühstück um zwei: Birne mit bulgarischem Joghurt (hervorragend: stichfest und trotz lediglich 3,6 Prozent Fettgehalt mit sahnigem Geschmack), von Kollegin gebackenes Wurzelbrot (eingefroren, aufgebacken) mit Butter und Zuckerrübensirup. Davon wurde ich sehr müde, ich schlief eine weitere Stunde Siesta.

Während draußen sehr gemischtes Wetter einmal April mit alles spielte, griff ich zur nächsten Lektüre: Andy Weir, Jürgen Langowski (Übers.), Der Marsianer. Ich hatte mich mit meinem Bruder über die Verfilmung von Project Hail Mary unterhalten, als sich herausstellte, dass er sowohl diese Romanvorlage als auch die von The Martian besaß – und mir bereitwillig auslieh. Dann halt mal wieder eine Übersetzung, wenn sie schon in der Familie ist. Auf dem Sofa sitzend ließ ich mich also auf den Mars mitnehmen, in viel detailliertes Basteln und technische Überlegungen.

Dann noch ein paar Kleidungsstücke für die nächste Woche gebügelt, eine Runde Yoga, bevor Herr Kaltmamsell das Nachtmahl servierte: Der Newsletter Gruß aus der Küche hatte sich auf “Die Suche nach dem perfekten Szegediner Krautfleisch” gemacht, das Ergebnis hatte Herr Kaltmamsell nachgekocht. Der Aufwand, den Tobias Müller bei Recherche und Tests treibt, lässt mich wirklich gern zum Geldbeutel für die Bezahlversion greifen (im Gegensatz zu Newslettern, die wie Posts vieler meiner seit Jahren abonnierten Blogs daherkommen und halt berichten, was gelesen, gesehen, erlebt wurde plus Gedanken dazu).

Dazu Salzkartoffeln aus Ernteanteil. Schmeckte leichter, schlichter und gemüsiger als unser bisheriges Rezept – ist eine Alternative. Nachtisch die restliche Osterschokolade, jetzt sind nur noch zwei Schoko-Hasen übrig.

Mich dann endlich mal wieder für eine Mitmach-Aktion meines Kartoffelkombinats angemeldet: Nächsten Samstag muss die Teichfolie in der Baustelle unseres neuen Regenwasserrückhaltebeckens verlegt werden. Hier sieht man, wie riesig es ist, und versteht, warum es dafür 30 erwachsene Helfer*innen braucht.

Früh ins Bett zum Lesen, trotz Siesta war ich sehr müde.

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Endlich mal ein Interview mit einer erfolgreichen Frau über das Altern, dessen Aussagen ich nachvollziehen kann (weil sie nicht erst jenseits der 50 draufkommt, dass all der gesellschaftliche Druck auf Frauen, der zu toxischer Weiblichkeit führt, mit ihr gar nichts zu tun hat):
“Musikerin Christiane Rösinger: ‘Altern in Würde wird überschätzt'”.

STANDARD: Wird Altern in Würde überschätzt?

Rösinger: Was soll denn das auch heißen? Jugendliche sind ja auch nicht in Würde jung. Das dient ja nur wieder dazu, um Leuten vorzuschreiben, wie sie leben sollen.

Meine Rede.

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Tanzschnipsel: Parkour-Ballett.

via @kid37

Journal Samstag, 18. April 2026 – Frühlings-Sonnenwanderung um die Loisach-Kochelsee-Moore

Sonntag, 19. April 2026

Früh aufgewacht, nicht ganz ausgeschlafen aufgestanden. Doch die frühe Stunde passte ganz gut: Herr Kaltmamsell und ich wollten das angekündigte schöne Wetter für einen Wandertag am Kochelsee nutzen. Da wir annahmen, dass auch sehr, sehr viele andere Menschen aus München das wollten, hofften wir auf leichtere Sitzplatzjagd in einem Zug schon um neun (Deutschlandticket ist super).

Die Tour ab Benediktbeuern scheint bei uns ein April-Ding zu sein: Beide Male, die wir hier schon gewandert sind (2019 und andersrum 2023) waren wir in derselben Jahreszeit auf die Idee gekommen. Wir ließen uns wieder von diesem GPS-Track leiten.

Die Hoffnung auf einfachere Sitzplatzjagd ging schonmal nicht auf: Zwar kann ich mit späteren Zügen nicht abgleichen, doch die Verbindung um neun war knallvoll, nur unser Einsteigen fast 15 Minuten vor Abfahrt verschaffte uns zwei Plätze in einem Vierersitz (den zwei andere Reisende etwas unwillig von ihren Wanderrucksäcken und -stöcken freiräumten). Kurz darauf waren auch die Stehplätze belegt. Zu Gleis 28, also zum Starnberger Bahnhof, waren wir außenrum an der Arnulfstraße geleitet worden: Die Bauarbeiten belegen jetzt den Bahnsteig im Inneren der Halle.

Einstündige und recht pünktliche Bahnfahrt nach Benediktbeuern; bis dahin hatte sich der Zug nur wenig geleert, die meisten wollten offensichtlich zum Zielbahnhof Kochel. Nach Wettererfühlen am Bahnsteig entschied ich mich, die Jacke wegzulassen: Bei dem herrlichen Wetter und in angenehmen Temperaturen brauchte ich sie den ganzen Tag nicht.

Im Hintergrund die Türme des Klosters Benediktbeuern, wo immer noch an den Schäden durch Sturm und Hagel Ende August 2023 gearbeitet wird. Im Vordergrund die historische Glashütte Joseph von Fraunhofers, die bereits fertigrepariert ist und wieder besichtigt werden kann.

Schon bald wurde mein erster Wunsch für die Wanderung erfüllt: Schwalben am Himmel und auf Stromleitungen, herzlich willkommen! Zwischen knallig ergrünenden Bäumen wanderten wir auf schönen Pfaden und landwirtschaftlichen Wegen Anhöhen hinauf, bekamen wunderbare Ansichten, dann steile Waldpfade hinab. Wie schon bei den vergangenen beiden Malen freute ich mich an den besonders hübschen Sumpfdotterblumen. Auf etwa der Hälfte der Strecke kreuzten wir wieder eine bewirtschaftete Kuhweide, diesmal hörten wir die Tiere lang vorher an ihren Glocken, sahen sie diesmal zwischen den hohen Bäumen eines Nadelwalds – Waldkühe.

Körperlich fühlten wir uns beide gelassen und fit, dennoch machten wir brav nach zwei Stunden Pause. Und kurz darauf nochmal, als wir nach Kochel reinkamen: Ich erinnerte mich an das Café im Schusterhaus und wollte dort gerne einen Cappuccino. Zwar hatte genau dieses Café mittlerweile geschlossen, doch gleich gegenüber gab es ein neues, Tiny Soul. Setzten wir uns halt dort auf einen Cappuccino.

Zurück ging es erst die Loisach entlang, von dort der sehr besondere Blick über die Loisach-Kochelsee-Moore. Gut vorbereitet waren wir auf das letzte Stück, das sehr, sehr lang über eine riesige, ebene Wiesenfläche führt, und auf dem es uns beim ersten Mal fad geworden war. Diesmal wappneten wir uns gegen die gefühlte Endlosigkeit – und schon war das Stück gar nicht mehr so lang. Zumal wir immer wieder riesige Milane am Himmel präsentiert bekamen.

Den Lainbach entlang gemächlich hoch.

Sumpfdotterblumen mit Aussicht. Sehr angenehm die ganze Wanderung entlang: kaum andere Menschen. Erst auf der zweiten Hälfte kamen uns andere Wandersleut entgegen, die Loisach entlang wurde vor allem Elektro-geradelt.

Blick aufs Moor.

Cappuccino in Kochel.

Offensichtlich schon sehr lang verbotene Durchfahrt.

Wunderschöne Blindschleiche, ca. 40 Zentimeter lang, die Herr Kaltmamsell entdeckte und deren Zeichnung mit Längsstreifen ich bewunderte.

Rückweg die Loisach entlang.

Das waren dann gut fünf Stunden mit zwei Pausen für knapp 19 Kilometer. Deutlich nach drei Uhr hatte auch ich Brotzeit-Appetit entwickelt: Auf einem Bankerl am Bahnhof aß ich meinen Apfel und löffelte das Glas Skyr mit Leinsamenschrot.

Unterwegs hatte ich beim Anblick besonderer Blumen endlich mal konsequenter die App Flora Incognita genutzt und folgende Blümchen kennengelernt:

Weiße Pestwurz

Kalk-Glocken-Enzian (im Loisach-Moor)

Rote Lichtnelke

Auch zurück war die Bahn voll, es standen allerdings deutlich weniger Menschen in den Gängen.

Beim Wandern hatte ich meine Kappe nicht gebraucht, doch jetzt blendete mich die Sonne beim Zeitunglesen und ich nutzte ihren Schirm.

In München kauften wir auf dem Heimweg im Rewe Kleinigkeiten für aktuelle Ess-Ideen ein, trafen körperlich noch recht frisch zu Hause ein.

Ich setzte meine Körperpflegepläne um (Epilieren, Pediküre), entdeckte einen Hauch von Rot auf Nacken und Dekolleté – trotz LSF 50, aber es gab halt noch fast keinen Schattenschutz durch Blätter.

Zeit für Aperitiv:

Ich mixte uns Green Monkeys (wegen Sahnerest im Kühlschrank). Herr Kaltmamsell kochte als Nachtmahl die Ernteanteil-Karotten mit Einkorn, Feta und den vorhandenen Kräutern Dill sowie Korianer zu einer köstlichen Karottenpfanne. Dazu das Restl Rotwein vom Vorabend. Nachtisch Osterschokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, ich schloss Leon Engler, Botanik des Wahnsinns ab – bis zuletzt gern gelesen, aber bis zum Schluss mit konstantem Schreibwerkstattverdacht.

Journal Freitag, 17. April 2026 – Bulgarisches Abendessen daheim

Samstag, 18. April 2026

Diesmal war es nach Wecken tatsächlich endlich Freitag. Nachtschlaf eigentlich gut, doch bei milder Frühlingsluft schmerzt es besonders, wenn ich das Fenster mittendrin wegen Rumgebrülls im Park schließen muss.

Marsch in die Arbeit unter knallblauem Himmel und in zapfiger Frische. Die Theresienwiese wurde bereits deutlich beflohmarktet.

Plus Frühlingsfest.

Herr Kaltmamsell und ich würden allerdings auch dieses Jahr den Flohmarkt verpassen: Den einen Wochenendtag mit schönem Wetter, bevor das Abitur 2026 Herrn Kaltmamsell verschlingen würde mit vielen Wochen Durcharbeiten, wollten wir dann doch lieber für eine Wanderung nutzen.

Zu den Emsigkeiten des Arbeitsvormittags gehörte auch etwas, das ich mich erstmal vertrieb: Ich versuchte, mich eine Weile möglichst weit entfernt von meinem Arbeitsplatz aufzuhalten. Dadurch kam ich in ein Draußen, das bereits vor zehn warm genug für offenen Mantel und herrlich sonnig war.

Zweites Draußen für einen Mittagscappuccino, auch das sehr genossen.

Neben Freitagsfreude die Freude auf meinen Feierabend-Termin: FRISEUR! Ausnahmsweise wurde ich meinem Familienfriseur untreu: Ich wollte MWA (Mal Was Anderes), hatte aber keine eigenen Ideen und traute dem vertauten Friseur keine zu. Also ein abenteuerlustiger Termin in einem schicken, teuren Laden – ich kann mir Abenteuer ja leisten (gehe deshalb auch gern im ausländischen Urlaub zum Haareschneiden), weil ich unproblematisches, vor allem aber sehr schnell wachsendes Haar habe: Was soll schon passieren?

Was erstmal passierte: Anruf vom Friseur mit Bitte um Verschiebung um eine Stunde. Nee, so spät wollte ich es an einem Freitagabend nicht werden lassen, ich brauchte dringend Wochenende. Also neuer Termin nächsten Donnerstag, verwucherte ich halt eine weitere Woche. (Und denke mir ein weiteres Outfit für den Tag aus, das möglichst zu Ideen ermutigt – ich mache mir viele Gedanken vor Erstkontakt mit einem Haareschneider.) Zefix, meine Laune war gründlich ruiniert.

Also nach Feierabend nach Hause, wie für nach dem Friseurbesuch geplant mit Einkäufen in der Balkan-Bäckerei.

Die Gollierstraße weiterhin im Blütenrausch.

Daheim Herrn Kaltmamsell kurz angeknurrt, dann turnte ich die anstrengende 45-Minuten-Folge der Pilates-Woche, um an diesem Tag wenigstens IRGENDWAS geschafft zu haben. Die machte dann aber überraschend viel Spaß, wer rechnet mit sowas. Jetzt wollte ich nicht mehr ALLES anzünden (sondern nur noch mich selbst ein bisschen), nächste Maßnahme zum Runterkommen Alkohol.

In Form von Calvados-Tonic. (“Stell dich doch mal dekorativ zu den Drinks.”)

Fürs Nachtmahl hatte ich in einem kleinen Spezialitätenladen in der Schillerstraße Bulgarisches eingekauft:

Nämlich als Vorspeise ein Salätchen aus Paprika und Knoblauch, das ich mit bulgarischem Büffel-Feta ergänzte.
Dazu balkanesisches Brot und die letzte Flasche Lemberger-Merlot.
Hauptgang war ein geteiltes Entrecôte mit Ernteanteil-Spinat.

Außerdem hatte ich gestern Nachtisch in der Balkan-Bäckerei Adriatik besorgt: Ein Kokos-Törtchen (gefüllt mit Vanillecreme und dunkler Schokolade) sowie eine Creme-Schnitte. Beides überraschend wenig süß.

Früh ins Bett zum Lesen, wir waren beide sehr erledigt.

§

Die Kriminalstatistik der Polizei selbst berichtet über die Arbeit der Polizei, nicht über den Stand von Kriminalität – ich halte es für ratsam, das zu beachten. Markus Reuter erklärt das bei netzpolitik.org genauer:
“Mit Vorsicht zu genießen”.

In der PKS werden mutmaßliche Straftaten erfasst, welche die Polizei an die Staatsanwaltschaften weitergibt. Ob diese dann die Verfahren einstellen und ob jemand verurteilt wird, erfahren wir aus dieser Statistik nicht. Wir erfahren auch nicht, ob die Steigerung einer Kriminalitätsart darauf beruht, dass die Polizei ihren Schwerpunkt verlagert hat, die Ermittlungsmethoden besser wurden, das Dunkelfeld sich aufhellt oder Menschen bereitwilliger Straftaten anzeigen.

§

Meinem Eindruck nach gibt es kaum einen Film, der seit Entstehung so detailliert auseinandergenommen wurde wie North by Northwest von 1959, deutsch Der unsichtbare Dritte.1 Hier eine unglaublich tiefe und ausführliche Analyse von Cary Grants Kleidung (innerhalb der Handlung nur ein Outfit, tatsächlich aber mehrere):
“The Famous North By Northwest Glen Check Suit”.

Unter anderem belegt Matt Spaiser (der in seinem Blog sonst über Anzüge in Bond-Filmen schreibt), dass Cary Grant einfach seine Privatkleidung mitbrachte.

Ein wirklich gut sitzender Anzug an wem auch immer ist heutzutage eine absolute Rarität – ich genieße den Anblick jedesmal sehr.

§

Na komm’Se, wir alle brauchen ein Lichtlein am Ende des Tunnels. Auch wenn es vielleicht ein entgegenkommender Zug ist.
Oder die Aussicht auf die Nachfolge von Space Balls.

  1. Die Star Wars-Reihe spielt nicht mit. []