Archiv für April 2026

Journal Montag, 20. April 2026 – Lediglich ein weiterer Arbeitsmontag

Dienstag, 21. April 2026

Geweckt worden durch langsam helleren, blauen Himmel – mit schönem Wetter hatte ich gar nicht gerechnet.

Reichte aber nicht, um das leise Eingrauen meiner Stimmung aufzuhalten, das sich an der ewigen Länge der Arbeitswoche (FÜNF Tage!) und des Lebens insgesamt (noch bis zu DREISSIG Jahre, statistisch) festklebte.

Unterwegs in die Arbeit (kalt!) kam mir ein junger Mann mit drei Zentimeter breitem Groucho-Marx-Schnauzer entgegen (er verfügte offensichtlich über die passende Farbe und Wuchsdichte): Das aktuelle Schnauzbart-Revival verstehe ich zwar auch nicht, assoziiere die 1980er, in denen Schnauzbart Polizisten und älteren bis alten Männern vorbehalten war (wobei ich mir gut vorstellen kann, wie ich mit Gesichtsbehaarung spielen würde, hätte ich die dafür erforderliche), doch zumindest ekelt mich der Anblick nicht wie der von langen Vollbärten.

Emisger Vormittag, auch wenn mir aus dem E-Mail-Postfach keine Blendgranaten entgegenleuchteten.

Meinen Mittagscappuccino terminierte ich ungeschickt: Direkt vor mir trafen im Café zwei Gruppen ein, die sich individuell Bowls zusammenstellen ließen (wirkten eigentlich jung, übten aber schonmal Mittagessen zu Rentner-Zeiten). Nach einigen Minuten wurde mir klar, dass auf absehbare Zeit niemand vom Personal für meinen Cappuccino zur Verfügung stehen würde, ich ging ohne. Zurück im Bürohaus reihte ich mich in die lange Schlage in der Cafeteria ein, denn ich hatte wirklich Lust auf Cappuccino.

Später gab es zu Mittag gelbe Kiwis sowie einen Rest der Karotten-Einkorn-Pfanne vom Samstag.

Nicht weiter erwähnenswerter Arbeitsnachmittag, die Sonne blieb ebenso wie die kühle Luft. Heimweg mit Lebensmitteleinkäufen.

Zu Hause Wäschewaschen, Yoga, zum Nachtmahl gab es das restliche Szegediner Krautfleisch vom Sonntag mit frisch gekochten Salzkartoffeln (jemand in diesem Haushalt liebt frisch gekochte, kann aber aufgewärmte nicht ausstehen) – dem Sauerkraut hatte das Aufwärmen besonders gut getan. Nachtisch Schokolade.

Sehr früh ins Bett zum langen Lesen.

§

Für die re:publica-Session, in der auch ich auf der Bühne sitze, gibt es jetzt einen Termin, nämlich Montag, 18. Mai, 18:45 Uhr:
“Mythos Blogosphäre – Wie war es damals wirklich?”

Journal Sonntag, 19. April 2026 – Sonntagsroutine

Montag, 20. April 2026

Endlich die neun Stunden ausgeschlafen, die ich mir vom Wochenende wünschte.

Während ich gemütlich und ausführlich die Wanderung vom Vortag verbloggte, wurde aus dem fahl-grauen Wetter der angekündigte windige Regen. Wodurch mein Plan, endlich mal wieder mit dem Radl zum Schwimmen zu fahren, ausgesprochen unattraktiv wurde.

Doch dann merkte ich: Ich hatte überhaupt keine Lust auf Schwimmen. Das brachte alle Tagespläne durcheinander, bis ich spürte: Laufen würde ich gerne, wenn auch nach der Wanderung am Samstag eher eine kleine Runde.

Der Regen hörte sogar auf, ich nahm eine Tram zum Tivoli und lief an der Isar durch den nördlichen Englischen Garten flussauwärts – das erfreute mich wirklich. Der Körper spielte mittelgut mit, hin und wieder signalisierten vor allem die Hüftbeuger Ermüdung, doch dann hatte ich wieder eine Hochphase – unterm Strich wurden es 100 Minuten, die ich bei Beschwerden einfach früher hätte abbrechen können.

Ich bekam sogar ein wenig Sonnenschein geschenkt.

Biber tötet sehr großen Baum.

Gegen Ende immer dunklere Wolkenberge und eindeutiges Donnergrollen, doch ich blieb trocken.

Auf der Tramfahrt zurück erreichte mich eine Nachricht von Crowdfarming: Eine Erinnerung daran, dass ich noch die Lieferung von Ernteanteilen meines adoptierten Orangenbaums terminieren müsse. Das stimmte mal wieder nicht (Klick auf Link in Mail brachte mich auch zum Status “3/3 ausgeliefert”) und war die so enorm vielte Falschnachricht, dass ich die Zeit der Tramfahrt dann doch mal mit dem Schreiben einer Beschwerde als Antwort füllte: Ich betonte, dass ich zu 100 Prozent hinter dem Konzept Crowdfarming stünde, dass aber das IT-Chaos des mindestens vergangenen Jahres (ich nannte einige konkrete Beispiele wie falsch angekündigte Lieferungen, Ausfälle oder doch nicht, mehrfache Lieferungen) bereits dazu geführt hätte, dass ich zwei Adoptionen gekündigt habe und Crowdfarming mittlerweile nicht mehr weiterempfehle. Grüße mit der Bitte, sich endlich darum zu kümmern.

Frühstück um zwei: Birne mit bulgarischem Joghurt (hervorragend: stichfest und trotz lediglich 3,6 Prozent Fettgehalt mit sahnigem Geschmack), von Kollegin gebackenes Wurzelbrot (eingefroren, aufgebacken) mit Butter und Zuckerrübensirup. Davon wurde ich sehr müde, ich schlief eine weitere Stunde Siesta.

Während draußen sehr gemischtes Wetter einmal April mit alles spielte, griff ich zur nächsten Lektüre: Andy Weir, Jürgen Langowski (Übers.), Der Marsianer. Ich hatte mich mit meinem Bruder über die Verfilmung von Project Hail Mary unterhalten, als sich herausstellte, dass er sowohl diese Romanvorlage als auch die von The Martian besaß – und mir bereitwillig auslieh. Dann halt mal wieder eine Übersetzung, wenn sie schon in der Familie ist. Auf dem Sofa sitzend ließ ich mich also auf den Mars mitnehmen, in viel detailliertes Basteln und technische Überlegungen.

Dann noch ein paar Kleidungsstücke für die nächste Woche gebügelt, eine Runde Yoga, bevor Herr Kaltmamsell das Nachtmahl servierte: Der Newsletter Gruß aus der Küche hatte sich auf “Die Suche nach dem perfekten Szegediner Krautfleisch” gemacht, das Ergebnis hatte Herr Kaltmamsell nachgekocht. Der Aufwand, den Tobias Müller bei Recherche und Tests treibt, lässt mich wirklich gern zum Geldbeutel für die Bezahlversion greifen (im Gegensatz zu Newslettern, die wie Posts vieler meiner seit Jahren abonnierten Blogs daherkommen und halt berichten, was gelesen, gesehen, erlebt wurde plus Gedanken dazu).

Dazu Salzkartoffeln aus Ernteanteil. Schmeckte leichter, schlichter und gemüsiger als unser bisheriges Rezept – ist eine Alternative. Nachtisch die restliche Osterschokolade, jetzt sind nur noch zwei Schoko-Hasen übrig.

Mich dann endlich mal wieder für eine Mitmach-Aktion meines Kartoffelkombinats angemeldet: Nächsten Samstag muss die Teichfolie in der Baustelle unseres neuen Regenwasserrückhaltebeckens verlegt werden. Hier sieht man, wie riesig es ist, und versteht, warum es dafür 30 erwachsene Helfer*innen braucht.

Früh ins Bett zum Lesen, trotz Siesta war ich sehr müde.

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Endlich mal ein Interview mit einer erfolgreichen Frau über das Altern, dessen Aussagen ich nachvollziehen kann (weil sie nicht erst jenseits der 50 draufkommt, dass all der gesellschaftliche Druck auf Frauen, der zu toxischer Weiblichkeit führt, mit ihr gar nichts zu tun hat):
“Musikerin Christiane Rösinger: ‘Altern in Würde wird überschätzt'”.

STANDARD: Wird Altern in Würde überschätzt?

Rösinger: Was soll denn das auch heißen? Jugendliche sind ja auch nicht in Würde jung. Das dient ja nur wieder dazu, um Leuten vorzuschreiben, wie sie leben sollen.

Meine Rede.

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Tanzschnipsel: Parkour-Ballett.

via @kid37

Journal Samstag, 18. April 2026 – Frühlings-Sonnenwanderung um die Loisach-Kochelsee-Moore

Sonntag, 19. April 2026

Früh aufgewacht, nicht ganz ausgeschlafen aufgestanden. Doch die frühe Stunde passte ganz gut: Herr Kaltmamsell und ich wollten das angekündigte schöne Wetter für einen Wandertag am Kochelsee nutzen. Da wir annahmen, dass auch sehr, sehr viele andere Menschen aus München das wollten, hofften wir auf leichtere Sitzplatzjagd in einem Zug schon um neun (Deutschlandticket ist super).

Die Tour ab Benediktbeuern scheint bei uns ein April-Ding zu sein: Beide Male, die wir hier schon gewandert sind (2019 und andersrum 2023) waren wir in derselben Jahreszeit auf die Idee gekommen. Wir ließen uns wieder von diesem GPS-Track leiten.

Die Hoffnung auf einfachere Sitzplatzjagd ging schonmal nicht auf: Zwar kann ich mit späteren Zügen nicht abgleichen, doch die Verbindung um neun war knallvoll, nur unser Einsteigen fast 15 Minuten vor Abfahrt verschaffte uns zwei Plätze in einem Vierersitz (den zwei andere Reisende etwas unwillig von ihren Wanderrucksäcken und -stöcken freiräumten). Kurz darauf waren auch die Stehplätze belegt. Zu Gleis 28, also zum Starnberger Bahnhof, waren wir außenrum an der Arnulfstraße geleitet worden: Die Bauarbeiten belegen jetzt den Bahnsteig im Inneren der Halle.

Einstündige und recht pünktliche Bahnfahrt nach Benediktbeuern; bis dahin hatte sich der Zug nur wenig geleert, die meisten wollten offensichtlich zum Zielbahnhof Kochel. Nach Wettererfühlen am Bahnsteig entschied ich mich, die Jacke wegzulassen: Bei dem herrlichen Wetter und in angenehmen Temperaturen brauchte ich sie den ganzen Tag nicht.

Im Hintergrund die Türme des Klosters Benediktbeuern, wo immer noch an den Schäden durch Sturm und Hagel Ende August 2023 gearbeitet wird. Im Vordergrund die historische Glashütte Joseph von Fraunhofers, die bereits fertigrepariert ist und wieder besichtigt werden kann.

Schon bald wurde mein erster Wunsch für die Wanderung erfüllt: Schwalben am Himmel und auf Stromleitungen, herzlich willkommen! Zwischen knallig ergrünenden Bäumen wanderten wir auf schönen Pfaden und landwirtschaftlichen Wegen Anhöhen hinauf, bekamen wunderbare Ansichten, dann steile Waldpfade hinab. Wie schon bei den vergangenen beiden Malen freute ich mich an den besonders hübschen Sumpfdotterblumen. Auf etwa der Hälfte der Strecke kreuzten wir wieder eine bewirtschaftete Kuhweide, diesmal hörten wir die Tiere lang vorher an ihren Glocken, sahen sie diesmal zwischen den hohen Bäumen eines Nadelwalds – Waldkühe.

Körperlich fühlten wir uns beide gelassen und fit, dennoch machten wir brav nach zwei Stunden Pause. Und kurz darauf nochmal, als wir nach Kochel reinkamen: Ich erinnerte mich an das Café im Schusterhaus und wollte dort gerne einen Cappuccino. Zwar hatte genau dieses Café mittlerweile geschlossen, doch gleich gegenüber gab es ein neues, Tiny Soul. Setzten wir uns halt dort auf einen Cappuccino.

Zurück ging es erst die Loisach entlang, von dort der sehr besondere Blick über die Loisach-Kochelsee-Moore. Gut vorbereitet waren wir auf das letzte Stück, das sehr, sehr lang über eine riesige, ebene Wiesenfläche führt, und auf dem es uns beim ersten Mal fad geworden war. Diesmal wappneten wir uns gegen die gefühlte Endlosigkeit – und schon war das Stück gar nicht mehr so lang. Zumal wir immer wieder riesige Milane am Himmel präsentiert bekamen.

Den Lainbach entlang gemächlich hoch.

Sumpfdotterblumen mit Aussicht. Sehr angenehm die ganze Wanderung entlang: kaum andere Menschen. Erst auf der zweiten Hälfte kamen uns andere Wandersleut entgegen, die Loisach entlang wurde vor allem Elektro-geradelt.

Blick aufs Moor.

Cappuccino in Kochel.

Offensichtlich schon sehr lang verbotene Durchfahrt.

Wunderschöne Blindschleiche, ca. 40 Zentimeter lang, die Herr Kaltmamsell entdeckte und deren Zeichnung mit Längsstreifen ich bewunderte.

Rückweg die Loisach entlang.

Das waren dann gut fünf Stunden mit zwei Pausen für knapp 19 Kilometer. Deutlich nach drei Uhr hatte auch ich Brotzeit-Appetit entwickelt: Auf einem Bankerl am Bahnhof aß ich meinen Apfel und löffelte das Glas Skyr mit Leinsamenschrot.

Unterwegs hatte ich beim Anblick besonderer Blumen endlich mal konsequenter die App Flora Incognita genutzt und folgende Blümchen kennengelernt:

Weiße Pestwurz

Kalk-Glocken-Enzian (im Loisach-Moor)

Rote Lichtnelke

Auch zurück war die Bahn voll, es standen allerdings deutlich weniger Menschen in den Gängen.

Beim Wandern hatte ich meine Kappe nicht gebraucht, doch jetzt blendete mich die Sonne beim Zeitunglesen und ich nutzte ihren Schirm.

In München kauften wir auf dem Heimweg im Rewe Kleinigkeiten für aktuelle Ess-Ideen ein, trafen körperlich noch recht frisch zu Hause ein.

Ich setzte meine Körperpflegepläne um (Epilieren, Pediküre), entdeckte einen Hauch von Rot auf Nacken und Dekolleté – trotz LSF 50, aber es gab halt noch fast keinen Schattenschutz durch Blätter.

Zeit für Aperitiv:

Ich mixte uns Green Monkeys (wegen Sahnerest im Kühlschrank). Herr Kaltmamsell kochte als Nachtmahl die Ernteanteil-Karotten mit Einkorn, Feta und den vorhandenen Kräutern Dill sowie Korianer zu einer köstlichen Karottenpfanne. Dazu das Restl Rotwein vom Vorabend. Nachtisch Osterschokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, ich schloss Leon Engler, Botanik des Wahnsinns ab – bis zuletzt gern gelesen, aber bis zum Schluss mit konstantem Schreibwerkstattverdacht.

Journal Freitag, 17. April 2026 – Bulgarisches Abendessen daheim

Samstag, 18. April 2026

Diesmal war es nach Wecken tatsächlich endlich Freitag. Nachtschlaf eigentlich gut, doch bei milder Frühlingsluft schmerzt es besonders, wenn ich das Fenster mittendrin wegen Rumgebrülls im Park schließen muss.

Marsch in die Arbeit unter knallblauem Himmel und in zapfiger Frische. Die Theresienwiese wurde bereits deutlich beflohmarktet.

Plus Frühlingsfest.

Herr Kaltmamsell und ich würden allerdings auch dieses Jahr den Flohmarkt verpassen: Den einen Wochenendtag mit schönem Wetter, bevor das Abitur 2026 Herrn Kaltmamsell verschlingen würde mit vielen Wochen Durcharbeiten, wollten wir dann doch lieber für eine Wanderung nutzen.

Zu den Emsigkeiten des Arbeitsvormittags gehörte auch etwas, das ich mich erstmal vertrieb: Ich versuchte, mich eine Weile möglichst weit entfernt von meinem Arbeitsplatz aufzuhalten. Dadurch kam ich in ein Draußen, das bereits vor zehn warm genug für offenen Mantel und herrlich sonnig war.

Zweites Draußen für einen Mittagscappuccino, auch das sehr genossen.

Neben Freitagsfreude die Freude auf meinen Feierabend-Termin: FRISEUR! Ausnahmsweise wurde ich meinem Familienfriseur untreu: Ich wollte MWA (Mal Was Anderes), hatte aber keine eigenen Ideen und traute dem vertauten Friseur keine zu. Also ein abenteuerlustiger Termin in einem schicken, teuren Laden – ich kann mir Abenteuer ja leisten (gehe deshalb auch gern im ausländischen Urlaub zum Haareschneiden), weil ich unproblematisches, vor allem aber sehr schnell wachsendes Haar habe: Was soll schon passieren?

Was erstmal passierte: Anruf vom Friseur mit Bitte um Verschiebung um eine Stunde. Nee, so spät wollte ich es an einem Freitagabend nicht werden lassen, ich brauchte dringend Wochenende. Also neuer Termin nächsten Donnerstag, verwucherte ich halt eine weitere Woche. (Und denke mir ein weiteres Outfit für den Tag aus, das möglichst zu Ideen ermutigt – ich mache mir viele Gedanken vor Erstkontakt mit einem Haareschneider.) Zefix, meine Laune war gründlich ruiniert.

Also nach Feierabend nach Hause, wie für nach dem Friseurbesuch geplant mit Einkäufen in der Balkan-Bäckerei.

Die Gollierstraße weiterhin im Blütenrausch.

Daheim Herrn Kaltmamsell kurz angeknurrt, dann turnte ich die anstrengende 45-Minuten-Folge der Pilates-Woche, um an diesem Tag wenigstens IRGENDWAS geschafft zu haben. Die machte dann aber überraschend viel Spaß, wer rechnet mit sowas. Jetzt wollte ich nicht mehr ALLES anzünden (sondern nur noch mich selbst ein bisschen), nächste Maßnahme zum Runterkommen Alkohol.

In Form von Calvados-Tonic. (“Stell dich doch mal dekorativ zu den Drinks.”)

Fürs Nachtmahl hatte ich in einem kleinen Spezialitätenladen in der Schillerstraße Bulgarisches eingekauft:

Nämlich als Vorspeise ein Salätchen aus Paprika und Knoblauch, das ich mit bulgarischem Büffel-Feta ergänzte.
Dazu balkanesisches Brot und die letzte Flasche Lemberger-Merlot.
Hauptgang war ein geteiltes Entrecôte mit Ernteanteil-Spinat.

Außerdem hatte ich gestern Nachtisch in der Balkan-Bäckerei Adriatik besorgt: Ein Kokos-Törtchen (gefüllt mit Vanillecreme und dunkler Schokolade) sowie eine Creme-Schnitte. Beides überraschend wenig süß.

Früh ins Bett zum Lesen, wir waren beide sehr erledigt.

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Die Kriminalstatistik der Polizei selbst berichtet über die Arbeit der Polizei, nicht über den Stand von Kriminalität – ich halte es für ratsam, das zu beachten. Markus Reuter erklärt das bei netzpolitik.org genauer:
“Mit Vorsicht zu genießen”.

In der PKS werden mutmaßliche Straftaten erfasst, welche die Polizei an die Staatsanwaltschaften weitergibt. Ob diese dann die Verfahren einstellen und ob jemand verurteilt wird, erfahren wir aus dieser Statistik nicht. Wir erfahren auch nicht, ob die Steigerung einer Kriminalitätsart darauf beruht, dass die Polizei ihren Schwerpunkt verlagert hat, die Ermittlungsmethoden besser wurden, das Dunkelfeld sich aufhellt oder Menschen bereitwilliger Straftaten anzeigen.

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Meinem Eindruck nach gibt es kaum einen Film, der seit Entstehung so detailliert auseinandergenommen wurde wie North by Northwest von 1959, deutsch Der unsichtbare Dritte.1 Hier eine unglaublich tiefe und ausführliche Analyse von Cary Grants Kleidung (innerhalb der Handlung nur ein Outfit, tatsächlich aber mehrere):
“The Famous North By Northwest Glen Check Suit”.

Unter anderem belegt Matt Spaiser (der in seinem Blog sonst über Anzüge in Bond-Filmen schreibt), dass Cary Grant einfach seine Privatkleidung mitbrachte.

Ein wirklich gut sitzender Anzug an wem auch immer ist heutzutage eine absolute Rarität – ich genieße den Anblick jedesmal sehr.

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Na komm’Se, wir alle brauchen ein Lichtlein am Ende des Tunnels. Auch wenn es vielleicht ein entgegenkommender Zug ist.
Oder die Aussicht auf die Nachfolge von Space Balls.

  1. Die Star Wars-Reihe spielt nicht mit. []

Journal Donnerstag, 16. April 2026 – Schönwettereinbruch

Freitag, 17. April 2026

Nach guter Nacht, aber etwas zu wenig Schlaf zu früh vom Wecker geweckt. Etwas hektischer Morgen, weil ich den Theaterabend noch im Blogpost unterbringen wollte.

Beim Öffnen des Kleiderschranks stellte ich fest, dass das Outfit, dass ich mir am Vorabend für den Tag ausgedacht hatte, nicht zur Verfügung stand: Meine orange Kürbis-Bluse war bereits in der Wäsche. So fiel mir auf, wie ungemein selten mir solch ein Irrtum unterläuft: Ich weiß sonst immer sehr genau von jedem meiner (vielen, vielen) Kleidungsstücke Zustand und Verbleib, am ehesten überrascht mich der Bestand von Unterwäsche und Socken (auch damit gibt es ideale und nicht so ideale Kombinationen).

Wieder ein bedeckter und kühler Morgen.

Sehr emsiger Vormittag, eine Angelegenheit wurde komplizierter, ich kam gehörig ins Wirbeln, eine dafür einfacher, puh. Vorm Bürofenster kam die Sonne heraus, ich sah nach Tagen mal wieder blauen Himmel.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria (lauwarm), damit ich noch raus und zu Einkäufen kam. Die verband ich in milder Luft mit einer größeren Runde um den Block und freute mich an der fortdauernden Frühlingsblüte samt -düften. Schon bald ging ich mit offener Jacke.

Mittagessen waren später eine Orange und ein gekauftes Glas Zucchinisalat.

Unruhiger Nachmittag mit Ärger, unter anderem über ein Durcheinander von internen Prozessanweisungen. Die fortdauernden Zahnschmerzen und starke -empfindlichkeit rechts oben ohne Ursache (derzeit fast täglich eine Ibu nötig – die aber immer schnell wirkt) hielten mich zusätzlich gereizt. Vielleicht doch mal zum Hausarzt damit.

Nach Feierabend Heimweg über Einkäufe im Vollcorner, es war noch milder geworden, in der Sonne richtig warm – sofort waren alle Plätze in der Außengastronomie besetzt.

Daheim Waschmaschine gefüllt, Einkäufe verräumt, eine Einheit Yoga geturnt, die sehr gut tat.

Abendessen richtete auch ich her: Salat aus Ernteanteil (Zitronensaft-Olivenöl-Dressing), Räucherfisch aus weiter entfernter familiärer Herstellung (Forelle), dazu von Bruderhand geriebener Meerrettich in Schlagsahne.

Nachtisch Osterschokolade. Früh ins Bett zum Lesen, durchs offene Fenster Frühlingsluft.

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Im Nachhinein fand ich Wokey Wokey an den Kammerspielen vom Mittwochabend immer besser, da war wirklich eine Menge lustig Gutes drin, und irgendjemand muss ja den früh verstorbenen Sprachkaskadeur René Pollesch als Auftragsschreiber der Kammerspiele beerben (der allerdings ganz andere Sprache und Themen geschrieben hat). Ich empfehle für ein detaillierteres Bild und zum Wiedergutmachen meines (privilegierten, hihi) Schulterzuckens die Rezension von Jakob Hayner in der Welt – in einem Medium, das ja sonst recht deutlich Team Backlash ist:
“‘Jetzt hör doch mal auf, die Nazis zu umarmen, Ulli'”.

(“Kulturkampfklamotte” finde ich ein schönes Kompliment für das Stück.)

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Jajaja, schon wieder Fahrradparadies Utrecht. Aber für den Standard hat sich Maik Novotny auch in anderen Städten umgesehen:
“Wie sich immer mehr Städte fürs Radfahren umbauen”.

Journal Mittwoch, 15. April 2026 – Wokey Wokey von Nora Abdel-Maksoud an den Kammerspielen

Donnerstag, 16. April 2026

Beim Weckerklingeln ausgesprochen verärgert aufgewacht, weil im Traum die U6 einen ganzen langen Übergang von einem U-Bahnhof in den nächsten so gut wie gar nicht ausgeschildert war. In Betongängen über Außenbereiche durch Tiefgaragen suchten ich und mehrere Gruppen anderer Menschen nach Hinweisen, verirrten uns, hatte die eine wichtige Abfahrtszeit im Nacken – vereint durch das Kopfschütteln, wie schlecht man nur solch einen Übergang führen kann. Aber erzählen Sie mir gerne nochmal, man habe selbst in der Hand, wie man emotional auf äußere Umstände reagiert und worüber man sich aufregt.

Wenn schon die Mood Organ aus Philip K. Dicks Do Androids Dream of Electric Sheep? auf lange Sicht Phantastik bleibt (dann wieder: Es gibt ja Bauvorhaben für Fusionskraftwerke mit Zeitplan, wieso dann nicht auch für Penfield Mood Organs? Hallo BMFTR? Hallo Frau Bär?), könnte man doch zumindest bei Traum-Gefühlen schonmal üben.

Der Himmel weiterhin monochrom düster, die Luft kühl, aber trocken. Kleidung zur allgemeinen Selbstbelustigung und weil ich abends ins Theater gehen würde.

Wenn ich mich einfach auf Self Laugh statt Self Love konzentriere?
(Hier eine weitere empfehlenswerte Leitlinie beim Styling.)

Der Biergarten am Bavariapark macht sich startklar.

Am Schreibtisch startete ich mit erwarteter Zackigkeit, allerdings verzögerte sich weiterhin die für Dienstagnachmittag angekündigte Aufgabenlieferung mit Rückgabe-Deadline 12 Uhr. Zwar arbeite ich schnell, bin aber ans Raum-Zeit-Kontinuum gebunden. Es klappte dann gerade mal so, wegen schlecht einzuschätzender Auffassung von “final” wurde das Ergebnis möglicherweise nicht mein bestes.

Dann aber kurz raus auf einen Mittagscappuccino ins Westend, unter weiterhin geschlossener Wolkendecke und in (korrekt April-)kühler Luft.

Später gab es zu Mittag Skyr mit Joghurt, Orange, Leinsamenschrot.

Ich schaffte den frühen Feierabend, der mir genug Energie für einen Theaterbesuch ließ, und ging über die Theresienwiese heim – recht erstaunt über die Dutzenden Polizeiautos am östlichen Rand, sehr viele Uniformierte dazwischen. Dass die Mehrzahl mit “Zoll” beschriftet war, legte nahe, dass wegen Schwarzarbeit ermittelt wurde, die Gruppen von Polizei- und Zollautos bis zum Nußbaumpark, dass das hier eine wirklich große Aktion war. Und tatsächlich:
“Polizei und Zoll starten Großrazzia im Münchner Bahnhofsviertel”.
Es war eher Zufall, dass ich meinen Weg gestern nicht durch die von der Razzia blockierte Landwehrstraße legte, denn tatsächlich plante und machte ich einen Abstecher in einen Laden mit bulgarischen Spezialitäten in der Schillerstraße (der offensichtlich nicht gefilzt wurde).

Eine Runde Yoga, zum nur leicht vorgezogenen Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell die Hälfte des Ernteanteil-Weißkrauts nochmal zu köstlichem Paradeiserkraut verarbeitet.

Nachdem ich in den ersten drei Monaten des Jahres gefühlt wöchentlich im Theater gewesen war, kam erstmal eine Pause. Aber jetzt war ich wieder als Abonnentin “aufgerufen”, wie ich es von der Theaterkasse gelernt habe: Wokey Wokey von Nora Abdel-Maksoud, ein richtiges fürs Theater geschriebenes Theaterstück, allein das nahm mich schonmal positiv für den Abend ein.

Im sehr gut besetzten Theatersaal (aha, das Publikum mag sowas) sah ich eine erst vor drei Wochen uraufgeführte Farce über den aktuellen Kulturkampf um eine von Rechts “woke” bezeichnete Gesellschaftshaltung und was ihr alles zugeschrieben wird. Eingebettet ist das in Rückblenden auf die Dreharbeiten von Filmregisseurin Gordon (wieder großartig: Johanna Eiworth), die in einer Neuverfilmung von George Orwells 1984 zeigen will, dass heutzutage die Denkverbote vom Tugendterror der Linken ausgesprochen werden (eine Perspektive, die ich in den vergangenen Jahren mehrfach in Echt gelesen und gehört habe). Dabei auf der Bühne ihre vier Hauptdarsteller, die Texte drehen sich satirisch überzeichnet wild um Stereotype gesellschaftlicher Aufgeschlosseneheit, ihre Auswüchse und den Backlash, der alles davon bekämpft. Immer wieder behandeln Gordons Erklärungen, was eigentlich Wahrheit in Erzählungen ist.

Die Bühne selbst wird eingerahmt von der Begrenzung einer Kinoleinwand, in der gespielt wird, mit Fingerschnipsen dirigiert die Regisseurin das Spotlight auf Personen und Szenen (hin und wieder wird ihr dieses Schnipsen aus der Hand genommen), es ist viel Film-Sprech eingearbeitet. Das Ganze jagt in einem tumultösen Tempo über die Bühne, nur bei (Film-)Schnitten kehrt kurz Ruhe ein und die Figuren erstarren in Scherenschnitten.

Das Publikum hatte hörbar eine Gaudi, mich rissen die immer weiteren Verschraubungen der bekannten Haltungen pro und contra nicht recht mit – das mag aber an meiner Tagesform gelegen haben.

Dass die Inszenierung nur 90 Minuten dauerte, begrüßte ich hingegen sehr, ich kam nach einem Spaziergang durch kühle, trockene Aprilluft nicht zu spät ins Bett.

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Ich gebe dem Volksverpetzer recht: Nicht immer nur die Siege der AfD weitergeben und schreind im Kreis laufen, sondern auch ihre Niederlagen feiern.
“Die AfD verliert alle Wahlen im Osten – und keiner bekommt es mit”.

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Mek allein in einer Kneipe ohne Handy:
“bei leerem Telefon”.

Journal Dienstag, 14. April 2026 – Harte Arbeit

Mittwoch, 15. April 2026

Ein sehr düsterer Morgen mit nassen Wegen und Straßen. Ich marschierte unterm Schirm in die Arbeit, obwohl die Nieseltröpfchen so winzig waren, dass ich sie nicht mal auf dem Schirm hörte. Doch ich wusste, dass sie ohne Schirm meine Brille blind sprühen würden und ich nach der guten halben Stunde Weg durchfeuchtet ankommen würde.

Geordneter Arbeitsbeginn, es kündigte sich sogar eine besonders spannende Aufgabe für den weiteren Verlauf des Tages an. Nach einer Abstimmung zog das Tempo allerding massiv an: Mittagscappuccino nur schnell aus der Cafeteria, das weiterhin greisliche Wetter ließ mich das Ausfallen eines Marsches um die Blöcke verschmerzen.

Offizielle Geselligkeit verschob mein Mittagessen weit: Erst nach halb zwei kam ich zu Apfel, Orange, Hüttenkäse mit Leinsamenschrot – und das auch nur schnell reingeschaufelt, weil der nächste Termin anstand. Dem schloss sich ein Hochdruck-Arbeitsnachmittag an, nicht besonders spaßig. Dafür traf die spannende Aufgabe nicht ein – anscheinend auf Mittwochmorgen verschoben.

Aber auch dieser Tag hatte einen Feierabend. Weil ich mit Herrn Kaltmamsell zum aushäusigen Abendessen verabredet war, marschierte ich fast direkt nach Hause, mit nur einem kurzen Drogerie-Abstecher für Putzmittel.

Blütenpracht auch um die Anatomische Anstalt.

Mit Herrn Kaltmamsell ging ich wieder zum nahegelegenen Honghong Ramen, ich wünschte mir schon wieder die Nudeln mit Auberginen und Tomaten. Es ist sehr ungewöhnlich für mich, dass ich dasselbe Gericht mehrfach bestelle, doch beim zweiten Mal hatte es halt mindestens so gut geschmeckt wie beim ersten.

Heute mal bereits durchgemischt fotografiert. Gegenüber hatte Herr Kaltmamsell ebenfalls breite Ramen-Nudeln, diese aber mit geschmortem Rindfleisch. Außerdem bestellte ich chinesischen Gurkensalat. Alles schmeckte wieder ganz hervorragend – mal sehen, ob ich beim nächsten Besuch etwas anderes bestellen möchte.

Nachtisch gab es daheim: Osterschokolade.

Früh ins Bett zum Lesen: Leon Engler nahm mich in Botanik des Wahnsinns in eine Familie mit, die über Generationen von schwere psychische Erkrankungen und Süchten gezeichnet ist.

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Menschen, denen vorgeworfen wird, sich in den Vordergrund zu drängen: Vielleicht, so der Verdacht nach einem Gruppenfoto-Termin mit Slapstick-Note, stehen manche vor allem deshalb oft im Vordergrund, weil alle anderen einen Schritt nach hinten machen? (Und bleiben dann trotzdem stehen, weil sie sich nicht so anstellen wollen wie die anderen.)

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Maximilian Buddenbohm benennt in einem eigenen, nahezu monothematischen Blogpost das eigentliche Problem beim aufgeladenen Thema Barzahlung vs. Kartenzahlung: Es lässt sich auch für noch so Service-orientierte Kundinnen beim besten Willen nicht abschätzen, wo im Live-Einzelhandel was erwünscht ist.
“Anmerkungen zum Zahlungsverkehr”.

Nächtsten Samstag ist wieder Theresienwiesen-Flohmarkt, und bislang waren Flohmärkte für mich die allerbefestigtste Bastion der Barzahlung, möglichst passend, dafür sammelte ich üblicherweise bereits Wochen vorher Kleingeld. Noch ist offen, ob ich diesmal hingehe, aber die Recherche der aktuellen Zahlungsmöglichkeiten ist durchaus eine Motivation.