Archiv für September 2026

Journal Montag, 14. September 2026 – In die Arbeitswoche geschwommen

Dienstag, 15. September 2026

Früherer Wecker nach mittel erholsamer Nacht, damit ich ein letztes Mal vor der Arbeit zu Sommer-Konditionen im Dantebad schwimmen konnte.

Nachts hatte es immer wieder geregnet, die Straßen waren nass. Doch auf meinen Wegen blieb ich trocken, mögliche Regentropfen beim Schwimmen schreckten mich eh nicht. Um dazu zu kommen, war allerdings ein Extraschritt nötig: Die neuen Eintritts-Terminals (das Dantebad war im Mai das erste Münchner Bad, das einen in Betrieb nahm) zeigen an keiner Stelle das Restguthaben der aufladbaren Bäderkarte an. Nach meiner Schätzung war es erst beim Wechsel ins Innenbaden nächste Woche aufgebraucht, doch ich hatte mich verschätzt: Beim Einchecken erschien auf dem Bildschirm ein Stopp-Zeichen, der Text dazu schickte mich zum Aufladen. Und noch ein Glück hatte ich erst in der Vorwoche mal wieder Bargeld geholt: Das Kartenzahl-Gerät an der Kasse trug einen handeschriebenen Zettel als Schürze mit der Nachricht: Geht nicht.

Aber dann. Wieder ein wunderbarer Schwumm, wenn auch zwischen überraschend vielen anderen Menschen. Ich fühlte mich stark und elegant, kam wieder ungefähr bei der Rekordzeit von vorhergehenden Mittwoch am Ende meiner 3.000 Meter an. Wieder mit Pinkelpause – an der gar nicht mal die Unterbrechung im, haha, Flow das Unangenehme ist, sondern das Zurückwurschteln in den sportlich stramm geschnittenen, jetzt aber nassen Badeanzug. Um die Pinkel-Ökonomie beneide ich Männerkörper mit wachsendem Alter immer mehr.

U-Bahn-Glück, ich stempelte noch früher ein. Und sah nach Hochfahren meines Rechners, dass ich niemandem und nichts gefehlt hatte. Dennoch war ich gut beschäftigt.

Über den Vormittag wurde der Himmel blau, die Sonne schien, das freute mich.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, dafür Marsch um die Blöcke – in sehr angenehmer Luft.

Zu Mittag gab es Apfel, Zwetschgen, Skyjolei.

Der Nachmittag wurde dann richtig anstrengend, aber ich war nützlich.

Auf dem Heimweg lediglich Süßigkeiten-Einkäufe. Daheim Yoga.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den restlichen Ernteanteil-Chinakohl asiatisch aus der Pfanne mit Soja-Hack, schmeckte sehr gut. Nachtisch Ernteanteil-Wassermelone, dann Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, wegen müde sehr früh Lichtaus.

§

Hochgebirgstourismus von komplett unvorbereiteten Laien zum Zwecke des Vorzeigens im Internet: Davon hatte ich natürlich vielfach gelesen – vor allem aus der Warte der Rettungskräfte, die von den Folgen solcher Hirnlosigkeit auf Trab gehalten werden. Frau Brüllen ist am Wochenende beim Bergwandern in solch einen reingerauscht und berichtet aus erster Hand vom “Influencerhorden gucken” (plus eigenen Wanderabenteuern und atemberaubenden Fotos, die erstere Erscheinung erklären).
“130926”.

Journal Sonntag, 13. September 2026 – Wandern über die Ratzinger Höhe

Montag, 14. September 2026

Weckergeweckt, denn ich hatte Pläne: Wandern mit Freundin auf dem Obst- und Kulturwanderweg Ratzinger Höhe. Und vorher wollte ich gebloggt haben.

Das dauerte dann doch etwas länger als geschätzt, was zu ausgesprochen zackigem Tempo beim Vorbereiten auf die Wanderung führte.

Draußen war es bewölkt, aber halbwegs mild. Schon beim Marsch zum Zug stellte sich heraus, dass ich so genau richtig gekleidet war.

Der Rest in Fotos – weniger als sonst, denn die nächsten Stunden war ich mit anregendsten Gesprächen mit der Freundin beschäftigt: Familie, Lektüren, Kunst, Reisen, Berlin, Erwerbsarbeit, Körper, Altern, Kleidung, Kulinarik in Düsseldorf und München, Aussicht, Neurodivergenz – unter anderem. Tiersichtungen unter anderem: Kühe in Ställen, Kühe auf Weiden, Falken, Bussarde, Gänse, Hühner, Schwalben.

Prien

Einer von vielen, vielen reich behangenen Apfelbäumen (dazu kamen Birnenbäume und Zwetschgenbäume, ein Quittenbaum).

Links der Priener Weinberg.

Inzwischen ja eigentlich eine Serie: Fotos von weggen Dingen. Heute: wegges Wegkreuz.

Blick von der Ratzinger Höhe auf den Chiemsee. Hier machten wir um halb eins Brotzeit; ich hatte Apfel und Zwetschgen dabei.

Diese Apfelsorte sollte Aurora heißen.

Körper völlig problemlos, nach gut viereinhalb Stunden waren wir zurück am Priener Bahnhof. In der Wartezeit auf den Zug zurück wurde ich noch auf einen Cappuccino eingeladen (die Bäckerei am Bahnhof ist auch am Sonntag geöffnet!). Auch diesmal wirkte der Trick, sich in Prien ganz ganz hinten an den Bahnsteig zu stellen: Die letzten Wagen des langen, langen und überfüllten Zugs aus Salzburg hatten noch freie Plätze – nebeneinander!

Die Gesprächsthemen reichten locker noch für die Fahrt nach München – und darüber hinaus.

In München setzte gerade Regen ein, doch ich kam lediglich etwas angefeuchtelt daheim an. Überraschung beim Ausziehen: nach Langem mal wieder Wanderkrätze an den Unterschenkeln.

Telefonat mit meiner Mutter, eine Runde Yoga – die ruhige Folge mit hauptsächlich Dehnungen war gestern genau das Richtige. Vorbereitung des Arbeitsmontags mit vorheriger Schwimmrunde.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell wie angekündigt Ernteanteil-Mangold mit Linsen und Nudeln (aus Familientradition reichte ich eingelegte Peperoni zu den Linsen an). Nachtisch Schokolade.

Journal Samstag, 12. September 2026 – #12von12 mit marokkanischem Abend

Sonntag, 13. September 2026

#12von12 bedeutet: Am 12. eines Monats zwölf Fotos vom Tag bloggen – gesammelt im Kännchenblog von Caro.

1 von 12: Zu diesem Anblick wachte ich auf, das war schön.

Sportplan war eine Laufrunde. Diesmal knetete ich vorher meine Beinrückseiten lieber mal mit einer Faszienrolle, denn an den vorherigen Tagen hatte ich immer wieder Signale aus meinen Waden wahrgenommen, die sich wie eine Ankündigung von Krämpfen anfühlten: JETZT krampfen wir zwar nicht, aber wir KÖNNTEN!

2 von 12: Laufkleidung.

Ich radelte zum Tierpark Hellabrunn; beim vorherigen Reifenaufpumpen hatte ich festgestellt, dass ich nicht mal fürs Radeln eine Jacke brauchen würde – wenn mir ein wenig Frösteln nichts ausmachte.

Es wurde ein herrlicher Lauf: Perfektes Wetter, in dem es gerade frisch genug war, dass die Sonnenstrahlen angenehm wärmten. (Das ist möglicherweise meine Ideal-Temperatur draußen: Ich genieße die Wärme der Sonne, brauche dafür im Schatten ein Jäckchen. Wie halt damals 1992 in Wales.) Und das Licht! Und die Farben!

Dazu ein ungewöhnlich kooperativer Körper, selbst über die 90 Minuten hinaus (meine Erklärung: Ibu plus Vorkneten).

3 von 12: Schleusenwärterhäusl bei Maria Einsiedel.

4 von 12: Isarwerkkanal mit Blick auf Großhesseloher Brücke.

5 von 12: Blick von Großhesseloher Brücke auf weiterhin extrem niedrigen Wasserstand.

6 von 12: Blick bei Pullach übers Isartal.

7 von 12: Isarwerkkanal mit Familie Schwan.

Für ein paar Einkäufe vor Rückradeln schaute ich abschließend zum Edeka Isargärten – doch der war nach einem Brand Anfang August geschlossen (ich hatte vom Brand gelesen, aber nicht mitbekommen, wie verheerend dessen Zerstörung gewesen war).

8 von 12: Wasserwachtübung am Flaucher.

Für Einkäufe radelte ich also im Glockenbachviertel an einem Edeka vorbei.

9 von 12: Zum Frühstück gab es um zwei Roggenvollkornbrot mit Butter und Tomaten, dann noch zwei mächtige Stücke Zwetschgenkuchen.

Den Nachmittag verbrachte ich mit Zeitunglesen (der Lokalteil immer stärker oktoberfestisiert, im Lauf der kommenden Woche werden nur noch die Polizeimeldungen für mich interessant), Blödschaun in die Sonnen-beleuchtete Umgebung.

Auf der Balkonbrüstung stand wie immer eine Schale Wasser. Ich fülle sie täglich auf, offensichtlich wird sie viel von Vögeln genutzt.
Gestern aber saß auch ein Mensch auf dem Balkon: ich.
Immer wieder beobachtete ich, wie vom Park eine Meise (Kohl- oder Blau-) gezielt angeflogen kam (in der Meisen-typischen Wellenbewegung) – und dann ein paar Meter vorm Balkon beiläufig abdrehte in den benachbarten Baum. Manchmal traute sich eine doch kurz heran, aber bis zu einem Bad blieb keine.
Sehr lustig und niedlich.

Außerdem raffte ich mich endlich zu Pflanzen-Wellness auf und entstaubte die Blätter meines Feigen-Oleanders (mit einer schmutzigen Socke, die ich über die Hand zog und immer wieder ausschüttelte).

Zum Abendessen waren Herr Kaltmamsell und ich mit Freunden verabredet: Sie hatten von einem neuen marokkanischen Lokal in Thalkirchen gelesen, dem El Nador, und dort für uns reserviert. Da die U-Bahnlinie in diese Richtung wegen Renovierung gesperrt ist, nahmen Herr Kaltmamsell und ich einen Bus für die erste Hälfte der Strecke und gingen den Rest zu Fuß (keine Lust auf Radeln).

10 von 12: So kamen wir an diesem rasch frischer werdenden Spätsommerabend mal wieder an der Alten Utting vorbei.

Der marokkanische Abend wurde sehr schön: Die Wirtin Naima El Helali, wie sich herausstellte Hessin mit marokkanischen Wurzeln, erzählte uns den Hintergrund zu Gebräuchen, Gerichten und Weinen, wir aßen ganz ausgezeichnet, wurden aufmerksam und liebevoll umsorgt.

Wein des Abends wurde ein marokkanischer Rosé Sidi Brahim, der wirklich interessant schmeckte. Bevor serviert wurde, trat einer der Angestellten mit silbernem Geschirr und Kanne an unseren Tisch: Erstmal wuschen wir uns hier nämlich die Hände.

11 von 12: Als Vorspeisen hatten wir um eine Auswahl für alle gebeten – und bekamen wunderbar unterschiedlich gewürzte Gemüse sowie Krabben in Tomate und eine Erbsencreme.

12 von 12: Auch die Hauptspeisen teilten wir uns, um möglichst viel zu probieren. Es gab Tajine mit Lamm, mit Hähnchen, mit Hackbällchen (es hätte auch eine reine Gemüse-Tajine gegeben), außerdem eine Schüssel Couscous mit Rind und Gemüse. Auch hier schmeckte alles sehr unterschiedlich, aber durchgehend hervorragend.

Auch die Nachtisch-Zusammenstellung überließen wir der Wirtin, sie servierte luftigen marokkanischen Pfannkuchen sowie einen saftigen Grießkuchen mit Mandeln, dazu Vanilleeis – ich musste passen, mein Bauch meldete bereits Überfüllung. Doch den frischen Pfefferminztee, aus großer Höhe und wunderschönem Kännchen eingegossen, nahm ich gerne.

Dazu das eigentlich Wichtige des Abends: Update mit den Freunden, die seit dem letzten Treffen mit Segelboot um Korsika und Sardinien Urlaub gemacht hatten, zum Teil einen völlig neuen Berufsweg eingeschlagen, viel erlebt.

Heimweg dann doch zu noch größerem Teil zu Fuß, weil wir zu lange auf den Bus hätten warten müssen – doch mit Sitzpausen für Herrn Kaltmamsell, der mittlweile nur noch gut zehn Minuten gehen kann, bevor er sich vor Schmerzen setzen muss, ich sorge mich sehr.

§

Ein Blog besonders häufig zu verlinken, fühlt sich immer ein bisschen wie Stalking an – aber dann soll’s halt nicht so empfehlenswert schreiben. Lesen Sie hier bei Novemberregen von ihrem Brandschutztraining:
“11. September 2026”.

§

Und schon wieder:
“Vorwurf gefilmter Missbrauch: Mann in Hannover vor Gericht”.

Die Ermittlungsgruppe sei zudem auf fast 100 noch unidentifizierte Opfer gestoßen, zu denen weiter ermittelt werde.

Noch jemand mit Not all men!?

Journal Freitag, 11. September 2025 – Wochenendfeiern mit südenglischem Sekt

Samstag, 12. September 2026

Für eine richtig gute Nacht mindestens zweimal zu oft aufgewacht.

Von draußen kam es wieder ausgesprochen kühl herein, dennoch wagte ich mich strumpflos in einem Rock auf den Marsch in die Arbeit.

Körper-Ärgernis am Schreibtisch: Die Muskeln über (oder unter) meinen linken unteren Brustrippen zuckten, den ganzen Tag. Wir kennen das von Augenzucken, in den vergangenen Jahren kommen an meinem Körper aber alle möglichen Muskeln auf diese Idee. Ich fange erst gar nicht an, nach Ursachen zu recherchieren: Ohnehin sehr wahrscheinlich eines von unzähligen Körper-Details, zu denen die Forschung keinen blassen Schimmer hat. Ist halt so.

Zum zweiten Mal in meinem Berufsleben eine junge Erwachsene erlebt, die URLs handschriftlich notierte (und dann für die digitale Ablage fotografierte – immerhin).

Geordnet emsiger Arbeitsvormittag. Beim Mittagsmarsch um die Blöcke und zu einem Cappuccino bauten sich dunkelstgraue Wolkenwände auf – obwohl für den Tag kein Niederschlag angekündigt war. Dieses Gewitter äußerte sich dann allerdings nur in Donnern, es regnete nicht und wurde bald wieder sonnig.

Wird man in den kommenden Jahrzehnten 9/11-Überlebende runterzählen wie zuvor die der Titanic? (einer der letzten / eine von nur noch fünf / der vorletzte)
Berechtigter Einwand auf Mastodon: Die Titanic führte Passagierlisten, das World Trade Center nicht.

Zu Mittag gab es Plattpfirsiche, Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Am Nachmittag hatte ich noch einiges zu tun, aber ich war so, so müde – und habe nicht mal was dafür vorzuweisen (Kind, tausende Projekte).

Aber auch dieser Nachmittag endete, ich machte mich auf den direkten Weg (am immer bedrohlicheren Oktoberfestaufbau vorbei) nach Hause – denn dort startete ich erstmal das Backen eines Wochenend-Kuchens (sehr rar geworden, weil zu selten Lust darauf): Zwetschgenkuchen mit Nussboden.

Während der Ofenzeit eine Einheit Yoga, angenehm. Dann fürs Abendessen die Beilage Chinakohl (Ernteanteil) mit Joghurtdressing vorbereitet, bevor ich endlich mit Herrn Kaltmamsell richtig Wochenende feierte.

Wir öffneten die Flasche südenglischen Sekt Méthode Champenoise, die wir aus dem Urlaub mitgebracht hatten. An Breaky Bottom Vineyard, gegründet 1974, sind wir beim Wandern durch die South Downs mehrfach vorbeigekommen – das war vor vielen Jahren Anlass unserer Entdeckung, dass England zum Weingebiet geworden ist.

Die Cuvée Manja Scott von 2019 war hefig in der Nase, sonst anfangs vor allem sehr trocken – entwickelte erst mit der Luft einige interessante Aromen.

Beim Recherchieren der Hintergründe von Weingut und Winzer las ich, dass Gründer Peter Hall 2025 gestorben istBreaky Bottom steht derzeit zum Verkauf.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Ernteanteil-Zucchini (plus zugekauften, es gab tatsächlich eine Zu-wenige Zucchini-Situation) mit Garnelen in asiatischer Limetten-Sauce, ganz hervorragend. Zum Nachtisch gab es frischen Zwetschgenkuchen und dann Schokolade, außerdem ein Stamperl ungarischen Birnenschnaps.

§

Gestern erfuhr ich via wasmachstdueigentlichso von der Existenz der Ferienreiseverordnung. Das erfüllte mich eine ganze Weile mit der Art Freude, die das Englische als glee bezeichnet: Sind es nicht herrliche Zeiten, in denen wir leben!

§

Auch eine Auto-Geschichte, vor allem aber ein gesellschaftsgeschichtliches Zeugnis: Eine Techniktagebuch-Redakteurin erzählt aus eigenem, langjährigen Erleben von einer Isetta. Mit Fotos!
“1957 bis 2026
Die rote Rennsemmel”.

Journal Donnerstag, 10. September 2026 – NineEleven vor 25 Jahren

Freitag, 11. September 2026

Heute ist es 25 Jahre her, dass Terroristen vier Passagierflugzeuge entführten, eines davon in das Pentagon bei Washington flogen, zwei Flugzeuge in die Hochhäuser World Trade Center in New York, die dadurch einstürzten; hier starben 2763 Menschen. In meiner Lebenserinnerung war das der schlimmste Gewaltakt, den ich auch noch in Echtzeit mitverfolgte; ich fasse nicht, dass er länger her sein soll als der Abstand meiner Geburt (1967) zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Es dauerte viele Jahre, bis ich das Grauen auch nur ein wenig an mich heranlassen konnte, immer anhand eines bestimmten Details oder Aspekts: Mal waren es Augenzeugenberichte, mal war es eine Doku über die New Yorker Feuerwehr, mal die Recherche zum Falling Man und damit überhaupt zu den Menschen, die aus den brennenden Türmen sprangen, und wie Medien mit den Fotos davon umgingen.

Die Wochenend-Süddeutsche eröffnete mir mit einer großen Reportage (€) einen weiteren grauenvollen Aspekt: Der Schutt der zerstörten Twin Towers (geschätzte Gesamtmenge mehr als 1,8 Millionen Tonnen) wurde in nur acht Monaten abgeräumt – nach Staten Island, auf die Müllkippe Fresh Kills Landfill. Und zwar samt allem.
“Unser Kind, verstreut im Müll”.

Als an jenem Tag im Abstand von siebzehn Minuten zwei Flugzeuge in die Türme des World Trade Center in New York krachten und sie vor den Augen der Welt einstürzten, wurden – die Selbstmordattentäter nicht mitgerechnet – 2749 Menschen getötet. Laut Gerichtsakten konnten nur 292 Leichen geborgen werden. Von weiteren 1357 Opfern wurden Körperteile gefunden, Fragmente von Knochen oder persönliche Gegenstände wie Portemonnaies und Schlüssel. Etwa 1100 Opfer verschwanden, ohne eine Spur zu hinterlassen, „von den tobenden Flammen gänzlich in die Körperlosigkeit aufgelöst, oder von den gewaltigen Massen aus einstürzendem Beton und Stahl zu Staub zermahlen“, so sagte es der zuständige New Yorker Richter Alvin Hellerstein 2008.

§

Dass dieser Gewaltakt Auswirkungen auf das gesamte Weltgeschehen bis heute hatte, zeichnet sich in der Rückschau immer deutlicher ab. Die Auswirkungen auf den Alltag der Passagierfliegerei schildert Flugbegleiterin Frau Klugscheißer (deren Hinweis/Berufsbeschreibung “We are here to save your ass. Not to wipe it.” ich regelmäßig zitiere).
“I Can’t Get Started”.

§

Guter Nachtschlaf, hätte ruhig länger gehen können als bis zum Weckerklingeln um 5:45 Uhr.

Bei einem nächtlichen Aufwachen fand ich mich auf dem Rücken liegend wieder, die Hände im Nacken – sehr schlecht für meine Wirbelsäule, und absichtlich sehne ich mich nie nach dieser Schlafposition. Ich hoffe, dass mich lediglich ein Traum kurz dahin gebracht hat. (Erst kürzlich efuhr ich, dass ich im Schlaf auch brabble, wäre also eine Möglichkeit.)

Es war kalt geblieben, ich musste meine Kleidungsplanung mit etwas Anstrengung nach Herbst verschieben.

Na ja: Zumindest was die Hosen- und Ärmellänge betrifft (neuer Pulli von der baskischen Marke SKFK). Und drüber Regenmantel.

Unter freundlichem Himmel und in angenehmer Luft in die Arbeit marschiert.

Emsiger Vormittag mit auch physischem Räumen. Parallel gespanntes Verfolgen einer weiteren verschobenen DHL-Sendung an meine Privat-Adresse: In der Benachrichtigung zur Sendungsverfolgung war meine Anschrift ohne Straßenangabe genannt – stand sie so auf dem Päckchen (dann würde sie nicht geliefert), oder handelte es sich um einen Übertragungsfehler in der Benachrichtigung? Selbstverständlich hatte ich gecheckt, dass ich die Angaben bei der Bestellung korrekt ausgefüllt hatte.

Gestern war der jährliche Warntag, zum Glück hatten mich Ankündigungen erreicht und vorbereitet. Mögen Sie vielleicht auch dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Feedback geben? (Ich bat wieder um Infos zu Schutzräumen.)

Mittagsmarsch um die Blöcke, inklusive Mittagscappuccino, inklusive Markteinkauf von Bodensee-Obst (Zwetschgen, Äpfel, letzte Plattpfirsiche). Sichtung des ersten Pelz-verbrämten Wintermantels, das fand ich dann doch übertrieben.
Als Mittagessen gab es Birnen, (ältere) Zwetschgen, Hüttenkäse.

Um 14 Uhr traf die Nachricht von Herrn Kaltmamsell ein: Sendung angekommen! Ich habe zwei weitere Merino-Sportshirts, der Probekauf hatte mich komplett überzeugt.

Arbeitsreicher Nachmittag. Auf dem Heimweg, weiterhin kühl, kurzer Einkaufsabstecher.

Als Abendessen gab es eine Schüssel Salat aus eben geholtem Ernteanteil: Blattsalat, Tomaten, Gurke mit Orangensaft-Tahini-Dressing, dazu ein paar harte Eier. Nachtisch Schokolade.

Abendprogramm: Das quer-Spezial über Kriegsdienst.

Wehrpflicht, Waffenindustrie, Kriegstauglichkeit: Deutschland rüstet auf. “quer”-Reporter Philipp Potthast trifft junge Menschen, Reservisten und Kritiker. Und fragt sich: Würde ich, wenn es darauf ankommt, mein Land verteidigen, mit allen Konsequenzen?

Ich fand die 45-minütige, gänzlich unsatirische Doku ausgezeichnet gemacht: Sie versucht wirklich, alle wichtigen Aspekte abzudecken. Empfehlung.

Journal Mittwoch, 9. September 2026 – Schwimm-Beseeltheit

Donnerstag, 10. September 2026

Früher Wecker, denn ich wünschte mir sehr eine Schwimmrunde vor der Arbeit.

Von draußen wehte es mild herein, doch die Straßen sprachen vom nächtlichen Regen, der sich auch über den Tag fortsetzen sollte.

Zeitunglesen in der U-Bahn zum Westfriedhof, trocken angekommen an der übersichtlichen Schlange zum Eingang des Dantebads.

Es wurde ein sehr schöner Schwumm zwischen sehr wenigen anderen Menschen (entscheidender Enspanntheitsfaktor), der Himmel überm Becken war meist bewölkt, mal blinzelte kurz die Morgensonne hervor, mal spürte ich ein paar Regentropfen. Trotz Pinkel-Unterbrechung (der Morgenkaffee) schwamm ich Rekordzeit – diesmal war ich so sicher wie selten, dass ich mich nicht nur verzählt hatte.

In der Dusche schrubbte ich mich ab, in der Sammel-Umkleide kam besonders reichhaltige Körpercreme drauf – zwischen Blitz-Umzieherinnen, ich war wirklich beeindruckt von ihrem Tempo. Über Zackigkeit hinaus pressierte es mir aber nicht, dennoch schaffte ich Einstempeln deutlich vor Kernzeit – wieder hielt die Schwimm-Beseeltheit lange an. Mal sehen, ob ich mir das nicht auch während der deutlich teureren Winter-Saison (10,50 Euro Eintritt) im Dantebad hin und wieder gönne.

Arbeitsreicher Vormittag, dazu gehöre auch ein Räum-Job, der mir emotional dann doch näher ging, als ich vorhergesehen hatte.

Draußen regnete es seit einiger Zeit ernsthaft, doch ich merkte, dass ich zur Beruhigung dringend die Bewegung in frischer Luft brauchte und drehte unterm Schirm eine Runde um die Blöcke – auch ohne Mittagscappuccino.

Zu Mittag gab es dann Birne, Feigen, Zwetschgen, außerdem das restliche Glas Zwetschgenröster mit griechischem Joghurt.

Mit Herrn Kaltmamsell Urlaub in den Allerheiligenferien vereinbart: Traunmhafte Unterkunft, ausgezeichnete Restaurants, interessante Museen, reizvolle Ausflugsmöglichkeiten – daheim in München. (Ich hatte gemerkt, dass Verreisen mich eher anstrengen würde.)

Ruhigerer Arbeitsnachmittag, draußen regnerisch. Und kalt! Wie ich feststellte, als ich nach Feierabend ohne Jacke vors Bürohaus trat.

Herr Kaltmamsell war aushäusig, hatte mir das Abendessen aber schon etwas vorbereitet: Aus Ernteanteil war noch Hokaido-Kürbis übrig. Entkernt war er schon, ich schnitt ihn in Schnitze für den Ofen. Meine Planung ging allerdings nicht ganz auf: Ich hatte die Garzeit so lang gesehen wie eine Folge Yoga, wurde dann von einer anstrengenden, aber sehr kurzen Einheit überrascht, die nicht mal eine Viertelstunde dauerte. Also noch ein wenig Häuslichkeiten, bis ich zu Abend essen konnte – diesen ersten Kürbis der Saison schlicht mit Butter. Nachtisch reichlich Schokolade.

Im Bett Lukas Rietzschel, Sanditz ausgelesen. Gutes Buch, ich werde noch berichten.

§

Jasmin Fleißgarten, eine junge Stadträtin in Erlangen, nennt sexualisierte Online-Belästigungen öffentlich beim Namen – auch wenn das erwartbare “war doch gar nicht so gemeint” zurückkommt. Können sich so viele Männer wirklich nicht vorstellen, wie es ist, in so einem Dauerfeuer der Reduzierung auf Äußerlichkeiten und sexuelle Anziehungskraft zu leben? (€)
“Junge Stadträtin über virtuelle Belästigung
‘Liebe Männer Ü40, bitte lasst mich in Ruhe'”.

Ihr Account heißt „jasminimstadtrat“, es geht um politische Themen, Sie posten unter anderem eine Art Tagebuch aus dem Stadtrat.

Und auf diesem Account fragt einer an, wann man gemeinsam – Zitat – die „Pille testen“ möchte. Ein anderer reduziert mich auf Äußerlichkeiten: „Hast ein schönes Gesicht“. Ein Dritter möchte mich zu einem gemeinsamen „Wellnesstag“ einladen. Aber auch die Anfragen unterhalb dieser Form von Sexualisierung irritieren mich. Ich empfinde es einfach als komplett unangemessen, jemanden auf einem Account, auf dem diese Person eindeutig politisch agiert, direkt auf einer privaten Ebene anzusprechen. Würde man ein männliches Stadtratsmitglied auf Social Media kontextfrei anfragen: „Hey, lass uns mal Kaffee trinken?“

§

“Modern Day Typographer”
Wer’s mog, für den is as Högste!
(Nerd-Mantra)

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/0Ck-NPqf2c8?si=jep7TfVm1vPpr-0q

via @giardino

§

Viele Foodblogs wurden bald PR-Blogs (und interessierten mich – ! – ab diesem Moment nicht mehr), Food Influencing wurde bezahlte PR – wenn jemand davon leben wollte. So weit, so erwartbar. Im Guardian schildert Stephen Buranyi den Status für UK:
“‘A crisis of authenticity’: the truth about food influencers”.

Daumenregel: Ab dem Moment, in dem jemand ein Restaurant oder auch nur ein Gericht als “das beste” in absoluten Maßstäben bezeichnet (also nicht nach seinem/ihrem persönlichen Geschmack, aus eigener Erfahrung), kann ich dessen/deren Urteil eh nicht mehr ernst nehmen.

Journal Dienstag, 8. September 2026 – Hitzeabschluss im Melina

Mittwoch, 9. September 2026

Mehrfach unterbrochene Nacht, es war wieder viel Brüllens im Nußbaumpark, aber dazwischen schlief ich gut.

Angekündigt war der letzte Hitzetag. Ich schlüpfte nochmal in die alte Sommer-Tunika aus der Zeit früherer Körperformen mit zwei Kleidergrößen mehr – und hatte dann doch den Verdacht, dass es nicht oversized aussieht, sondern einfach zu groß. Wird aussortiert.

Die Luft auf dem Marsch in die Arbeit war mild.

Stand des Oktoberfestes, jetzt ist Karussellaufbau.

Nochmal ein Sommerferienblick auf die Gollierstraße.

Eng getakteter Arbeitsvormittag, bald hatte ich Stress-und-Ärger-Kopfweh. Ging mit Ibu weg.

Mittags brauchte ich dringend meinen Marsch um die Blöcke. Es war mittlerweile tatsächlich warm an der Grenze zu heiß.

Brotzeit am Schreibtisch: Feigen, Birne, Quark mit Zwetschgenröster (Hälfte des letzten Glases, das Herr Kaltmamsell aus der letztjährigen Ernte gekocht hatte).

Highlight des Nachmittags: Kaffee mit Kollegin. Jetzt drangen die unangenehm hohen Temperaturen bereits bis ins Büro, für den einen Tag hatte man wohl die Kühldecken nicht extra angeworfen.

Abendprogramm: Mit Herrn Kaltmamsell nutzte ich den angekündigt letzten Sommertag für einen noch offenen Punkt auf unserer Sommerunternehmungsliste: Abendessen im Melina (war die vorhergehenden drei Wochen geschlossen gewesen). In jahrzeitlich viel zu heißer Luft spazierten wir zu unserem reservierten Tisch.

Einmal kalte und warme Vorspeisen für zwei, ich hatte auch große Lust auf Wein und bestellte Roditis. Sehr zufriedenstellendes Abendessen. Nachtisch aufs Haus ein wenig griechischer Joghurt mit Honig und Walnüssen. Wir spazierten durch die anhaltende Hitze langsam heim, dort noch Schokolade.

Auch beim Zu-Bett-Gehen war es draußen noch deutlich wärmer als drinnen, die Fenster blieben zu.

§

Herr Southpark schwimmt viel und reichte in seinem aktuellen Blogpost eine Schwimmstil-Bezeichnung an, die mir bislang fehlte:
“Rücken-Ruderboot”
Den Stil kenne ich von Schwimmbahnen (und fürchte ihn, vor allem beim Überholen), bislang war mir aber kein Wort dafür eingefallen.

§

Die Anstalt erklärt nochmal, warum Wohnen in so vielen Teilen Deutschlands unbezahlbar ist.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/Q3rJzvt2Hh0?si=XozfEHG-88OGxj2O