Journal Donnerstag, 4. Mai 2023 – SONNE! LICHT! (Und Theaterdiskussion)

Freitag, 5. Mai 2023 um 6:41

Guter Nachtschlaf, ich wachte vor dem Klingeln des Weckers auf, der mir eine halbe Stunde mehr ermöglicht hätte.

Draußen zeichnete sich der angekündigte Sonnentag ab, ich freute mich sehr.

Spannender Weg in die Arbeit, unter anderem wegen Sonnenlicht.

Das Schneckerl am Bavariapark hat eine Kunstwerk-Erweiterung bekommen: Den Schneckengarten.
(Ich setze hiermit „mit Augenzwinkern“ auf die Liste der Floskeln, die ich Textautomaten verbieten würde.)

Zum Mittagscappuccino testete ich eine neue Quelle.

Der Cappuccino war ok, aber den arg weiten Weg nicht wert, zudem bekam ich ihn nur mit Bedienung (bin Thekentrinkerin) und im Glas.

Das Draußen war weiter herrlich, außerdem gerade mal zwischen kurzen und langen Ärmeln warm – mein liebstes Wanderwetter.

Beim Zurückkommen sah ich überm Bürohaus einen (unseren?) Falken, Tag noch mehr gerettet.

Mittagessen: Apfel, Pumpernickel mit Butter, Birne.

Der Nachmittag war intensiv, aber erfolgreich. Nach Feierabend spazierte ich (durch immer noch Sonnenschein) zum Beine-Enthaaren. Enthaarerin wohlauf und weiterhin berstend vor Temperament.

In freier Wildbahn blüht der Flieder bereits wie verrückt – aber Herrn Kaltmamsell verkauft man am Viktualienmarkt immer noch keinen.

Zu Hause Yoga-Gymnastik, dann war ich fürs Abendessen zuständig – wie ich das immer donnerstags während der Salat-Saison bin.

Aus Ernteanteil: Eichblattsalat, Radieserlblätter, Schnittknoblauch mit Joghurtdressing und Eiern. Köstlich. Dann noch ein wenig Käse, gefolgt von reichlich Schokolade.

§

Da auch ich diese Woche einen erschreckend leeren Zuschauerraum in den Kammerspielen erlebt hatte, holte ich einen Artikel der alteingesessenen Theaterkritikerin der Süddeutschen Zeitung, Christine Dössel, vom 8. April nach, der viel Widerhall in den Medien gefunden hatte (und mal wieder nur für mindestens den Preis eines Tagesabos zu lesen ist – €).
“Münchner Kammerspiele:
‘Da geh ich nicht mehr hin'”.

Als ich Dössels Diagnose las, fiel mir allerdings doch das Gesicht runter – und ich verstand den Applaus von Menschen mit Neigung zu gesellschaftspolitischem Revisionismus wie Jan Fleischhauer.

Intendantin Barbara Mundel fährt mit ihrem Ansatz von Diversität, Inklusion und Artivismus einen Kurs woker politischer Theaterkorrektheit, der kaum ankommt.

In Dössels Liste von Stammtisch-Reizwörtern fehlt nur noch “feministisch” (das holt sie später nach) (und “Gutmensch”?) – und ich wünsche mir sehr, sie möge mir “woke” definieren. Dieser Erklärungsansatz ist nun wirklich nicht hilfreich.

Dabei hätte sie Analysen wie diese weiterverfolgen können:

Man hat einen interessanten Ansatz – hier: den vergessenen Friedenskongress, den mutige Frauen 1915 während des Ersten Weltkriegs organisierten -, findet dann aber keine ästhetisch überzeugende, über simples Bekenntnistheater hinausgehende Umsetzung.

Sie führt weitere nachvollziehbare Kritikpunkte aus: Zu viel Englisch, “fade Video-Einführungen”. Dass Dössel sich dann aber an Programmerklärungen in einfacher Sprache stößt, verrät peinliche Wissenslücken.

Man kann sich davon auch, wie so oft an diesem didaktisch und moralisch bevormundenden Theater, unter Niveau angesprochen fühlen.

In diesem Mechanismus liegt der Schlüssel, ihn habe ich oft erlebt: Viele Menschen, die auf die Einseitigkeit gewohnter Sichtweisen hingewiesen werden, auf den Schaden und die Marginalisierung, die diese anrichten – fühlen sich angegriffen und bevormundet, ihr Reflex ist um sich zu schlagen.

Es ist hier alles sehr gut gemeint, aber im Ergebnis oft nicht gut gemacht. Ästhetisch und inhaltlich ist vieles sensationell dürftig. Langweilig, vordergründig, sofort durchschaubar.

Jetzt ist Dössel wieder auf dem Feld ihrer Expertise und nachvollziehbarer Kritik. Doch dass dabei selbst die Nora-Inszenierung unter die Räder ihres Furors gerät, geht an mir vorbei: Ich fand sie ausgesprochen kunstfertig (und Dössel selbst gibt zu, dass diese ein Publikumsrenner ist). Ja, ich finde es sehr notwendig, über den künstlerischen Stand der Münchner Kammerspiele zu sprechen (und darüber, wie und warum die Erfolgsgeschichte wohlgemerkt vom vorherigen Intendanten Matthias Lilienthal kaputt geschlagen wurde, inklusive Fortgang vieler Schauspiel-Stars). Aber Dössel macht den Missstand zum Ziel eines Angriffs, der mehr mit ihr als mit Theater zu tun hat.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 3. Mai 2023 – Theaterstückvermissung in den Kammerspielen

Donnerstag, 4. Mai 2023 um 6:40

Gut geschlafen, puh.

Als es hell wurde, Überraschung vor dem Fenster: Nebel. (Ähnlich in St. Gallen.)

So ganz wiederhergestellt nach der brutalen Nacht auf Dienstag fühlte ich mich aber nicht, mir war immer noch ein wenig schwach und schwindlig. Für Deutschland hatte die Tagesschau am Dienstagabend warmes Sonnenwetter angekündigt, die heiteren Wölkchen im Süden auf der Karte manifestierten sich in einer geschlossenen Hochnebeldecke, wie ich sie sonst von den Endmonaten des Jahrs gewohnt bin.

Mittags aber wurde es endlich wirklich hell, sogar mit ein paar Sonnenstrahlen.

Mittagessen: Pumpernickel mit Butter, eine Birne.

Ganz früh Feierabend gemacht, sogar mit Unterstunden, denn ich hatte abends einen Theatertermin. Auch wenn ich es mir mal wieder nicht vorstellen konnte und mich um halb vier noch voller Energie fühlte: Wenn ich normal Feierabend mache, schaffe ich es nicht mehr ins Theater. Ich vertraute also meiner eigenen Empirie und ging. (Das geht! Geht doch!)

Erst mal spazierte ich im jetzt wirklich warmen Sonnenschein in die Maxvorstadt.

Typoliebe.

Im St. Lucas kaufte ich Espresso, auf dem Weg weitere Lebensmittel.

Daheim Yoga-Gymnastik: Nach 14 Einheiten Anstrengung (in Adrienes Programm “Move” turnte ich wieder jede Folge zweimal) kam mir diese halbe Stunde Ausruhen entgegen – wiederholen werde ich sie allerdings nicht.

Herr Kaltmamsell war aushäusig, fürs Nachtmahl hatte ich mir Rahmspinat besorgt, es gab ihn mit zwei gekochten Eiern. Danach war noch Zeit für Schokolade, bevor ich zu den Kammerspielen spazierte, um Der Sprung vom Elfenbeinturm zu sehen.

Ein Abend gegen deine spießbürgerlichen Phantasien, deine Lebenslügen und deine Kompromisse
Nach Texten von Gisela Elsner
In einer Fassung von Pınar Karabulut und Mehdi Moradpour

Dass die Kammerspiele Theaterstücke inszenieren, ist ja mittlerweile die Ausnahme; eher kommt alles andere auf die Bühne.

Ein Publikumsmagnet war dieser “Abend” schonmal nicht, nur etwa ein Viertel des Zuschauerraums war besetzt. In zweieinhalb Stunden (ohne Pause – was bei dieser Spiellänge immer den Verdacht erzeugt, man wolle die Leute davon abhalten zu gehen) sah ich wilde Kostüme, interessante Konstellationen, spannende Darstellungseinfälle (ein Teil wurde als Film gezeigt, Dialoge mit Tanz- oder Pferdebewegungen untermalt), großartige Schauspieler*innen (Highlight: Annette Paulmann rappte! und es war nicht peinlich). Mit Texten, die auf mich zum Teil ein wenig angestaubt wirkten – angestaubt in derselben Art wie der Begriff “spießbürgerlich” im Untertitel der Inszenierung. Noch muss ich die anstrengenden zweieinhalb Stunden wirken lassen, doch ich nehme schon mal mit, dass der Blick Gisela Elsners (1937-1992) auf die Nazis der Nachkriegszeit repräsentativ für den einer ganzen Generation ist – aber mittlerweile erklärungsbedürftig.
Nachtrag: Ich empfehle Maximilian Sippenauers Besprechung der Uraufführung 2021, “Leuchtendes Düsterland”.

§

Im New Yorker schreibt Kathryn Schulz über Jeanne Manford, die Anfang der 1970er Vorreiterin für Schwulen- und Lesbenaktivismus war:
“How One Mother’s Love for Her Gay Son Started a Revolution”.

via Bingereader

What made Jeanne Manford different—and what made her actions so consequential—is that, until she started insisting otherwise, the kind of child she had was widely regarded as the kind that not even a mother could love.

(…)

There was no mystery about what that kind of traditional, law-abiding woman was supposed to think about gay people in 1968. At the time, homosexual acts were criminal in forty-nine states, with punishments ranging from fines to prison time, including life sentences. Same-sex attraction was classified as a mental illness by the American Psychiatric Association and routinely mocked and condemned by everyone from elementary-school kids to elected officials. Those who lost their jobs, homes, or children owing to their sexual orientation had no legal recourse. Political organizing was virtually impossible—one early gay-rights group that attempted to officially incorporate in New York was told that its mere existence would violate state sodomy laws—and positive cultural representation was all but nonexistent; there were no openly gay or lesbian politicians, pundits, religious leaders, actors, athletes, or musicians in the mainstream.

§

Mal wieder interessante Überlegungen von Antje Schrupp: Sie untersucht das Thema Leihmutterschaft aus feministischer Sicht.
“Die Freiheit, über den eigenen Körper zu bestimmen”.

§

Special interest: Hartmut Zohm vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik über 5 Irrtümer zur Kernfusion.

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https://youtu.be/PR2PaqHmh8g

Ganz ohne Gimmicks, mit nur einer Grafik, dafür nüchtern und praktisch – gut verständlich.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 2. Mai 2023 – Die Schwierigkeit, normale Milch zu bekommen

Mittwoch, 3. Mai 2023 um 6:35

Sehr schlecht geschlafen, gefühlt nur eine Stunde wirklich tief – diesmal nicht wegen Angst-Herzklopfen, sondern wegen Aufgekratztheit als hätte ich drei Espressos getrunken oder stundenlang auf einer Party mit Menschen gefeiert. Nach dieser Nacht fühlte ich mich wie betrunken – es half nichts, ich musste besonders früh in die Arbeit, weil ich Menschentermine hatte.

Mit genug Zusammenreißen funktionierten diese auch, dafür war mir leicht übel.

Ein Arbeitsvormittag, der in Fernsehzeitschriften “turbulent” genannt worden wäre – reichlich Menschen involviert. Draußen war es weiter grau mit vereinzelten Regenschauern.

Mittags gab’s Birchermuesli mit Joghurt sowie Mango mit Sojajoghurt, insgesamt ein bisschen zu viel.

Der Nachmittag ging weiter mit Zähnezusammenbeißen. Gegen drei war das Wichtigste geschafft – und ich musste mich der Gefahr stellen, dem Adrenalinspiegel hinterherzustürzen. Auch das verhinderte ich mit Zusammennehmen, ich blieb sowieso nicht allzu lang im Büro, weil ich Arztpraxis-Öffnungszeiten für Rezeptabholung im Nacken hatte. Nach Feierabend also mit einer S-Bahn in die Innenstadt.

Mein Rezept holte ich problemlos ab, ging für schnelle Lebensmitteleinkäufe in einen Supermarkt auf dem Weg. Was ich dort nicht bekam: Milch. Allerdings machen Herr Kaltmamsell und ich uns das Milchkaufen auch schwierig: Wir beharren beide darauf, unsere
1. Bio-
2. Voll-
milch als
3. herkömmliche Frischmilch zu bekommen (mittlerweile gekennzeichnet als “traditionell hergestellt”) und nicht “länger haltbar”, was bedeutet, dass sie in Einzelteile zerlegt, ultrahocherhitzt und dann wieder zusammengesetzt wurde. Und nach dieser Frischmilch (allein schon mit unserem morgendlichen Milchkaffee kommt bei uns genug weg, dass drei bis fünf Tage Haltbarkeit im Kühlschrank reichen) müssen wir immer aufwändiger suchen, in den meisten Supermärkten gibt es sie gar nicht mehr. In einem Rewe, wie der in dem ich gestern war, wäre das als einzige die Eigenmarken-Biomilch gewesen, doch die war gerade aus. (Im Vollcorner gibt es sie von Denree, die von Berchtesgadener nur in Glasflasche.) Da ich keine Lust auf einen zusätzlichen Weg hatte, gibt es jetzt mal wieder eine Runde Hafermilch.

Daheim nochmal die Folge Yoga-Gymnastik vom Montag, als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell auf meine Bestellung Bavette mit Sahnelinsen. (Mmmmmh, Linsen!) Nachtisch Schokolade.

Zwar war mir nicht mehr schwindlig vor Müdigkeit, doch ich war müde genug, früh ins Bett zu gehen.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 1. Mai 2023 – Regenfeiertag mit Schwimmen und Drinnen

Dienstag, 2. Mai 2023 um 6:12

Wieder neun Stunden guter Schlaf. Aufgewacht zu konsequent grauem Draußen.

Gemütliches Bloggen sowie Zusammenstellung von Lieblingstweets und -tröts. Derzeit heize ich das Wohnzimmer übrigens so hemmungslos wie die ganze Heizperiode zuvor nicht: Ich drehe auf, bis normale Kleidung, also zwei bis drei Schichten plus dicke Wollsocken, zum entspannten Warmfühlen reichen – ich habe das Frieren satt.

Vormittags radelte ich zum Schwimmen ins Olympiabad. Ein kurzer Abstecher nach Draußen, um die Fahrradreifen aufzupumpen, hatte ergeben: leichte Mütze, leichte Handschuhe ratsam. Das Schwimmbecken war rege besucht, auf meiner Bahn störten zur Abwechslung Entspannungrückenschwimmer statt Geräteschwimmer. So recht ins gedankenverlorene Durchziehen kam ich nicht, unter anderem weil nach 1.500 Metern beide Schultern zickten, beließ es also bei 3.000 Metern.

Draußen regnete es jetzt, wieder war ich um meine Mütze froh. Trotz langsamem Durchfeuchten nahm ich den Umweg über einen Bäcker Wimmer, besorgte Frühstücksemmeln.

Nach dem Frühstück (DREI Semmeln!) tat ich mir den Gefallen, eine gute Stunde lang den Wäschestapel wegzubügeln; ich wusste, dass die Erledigung ein gutes Gefühl hinterlassen würde. Allso geschah es.

Gemütliches Romanlesen auf dem Sofa. Der Tag blieb regnerisch und machte überhaupte keine Lust auf Rausgehen. Der Frühling bleibt on brand 2023 seit März.

Mein Körper fühlte sich ein wenig durch den Fleischwolf gedreht an, vor allem die Lendengegend. Logische Konsequenz: Eine Runde Yoga-Gymnastik, die nächste Folge aus Adrienes “Move”. (Viel hilft viel.)

Zum Nachtmahl erfüllte mir Herr Kaltmamsell wieder einen Wunsch: Short Ribs aus dem Römertopf.

Schmeckte ausgezeichnet, mit Rinderfett hat mein Bauch zum Glück keine Probleme (auf Schweinefett reagiert er leider seit einigen Jahren recht umgehend mit Übelkeit). Nachtisch Schokolade, ich nahm meinen 500-Gramm-Lindt-Osterhasen in Angriff.

Seit gestern gibt es in Deutschland ein 49-Euro-Ticket für den Öffentlichen Nahverkehr (ich bekomme es ab Juni als Jobticket sogar für nur 27,72 Euro). Bei allem politischen Rumgeeier, bis es dazu kam, bei aller Unsicherheit über die genaue Gültigkeit und auch wenn Infrastruktur- und Personalprobleme der Verkehrsmittel davon ganz sicher nicht verschwinden: Dieses Deutschlandticket ist sehr gut!

Sonntagabend hatte ich im Bett einen neuen Roman angefangen: Rebecca Makkai, I have some questions for you. Ich hatte mich für ihn bei Libby (über die Münchner Stadtbibliothek) vormerken lassen und zufällig herausgefunden, dass er schon jetzt verfügbar war (angekündigt war die Verfügbarkeit für Juni). Ausleihzeit für den 450-Seiter ist 21 Tage, und ich merkte wie schon bei The Sympathizer, dass das einen angenehmen Lesedruck erzeugt, den ich vorher bei Lektüre für die Leserunde kannte und seit Ende derselben vermisste.

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Darf ich kostenlos an Sie weitergeben: Bei den Krautreportern beantwortet Nalan Sipar wichtige Fragen zu den bevorstehenden Wahlen in der Türkei:
“So wichtig ist die Wahl in der Türkei, verständlich erklärt”.

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Erster Kultur-Programmpunkt für den England-Urlaub im Sommer: Die Ausstellung zu Feministin und Fotografie-Pionierin Yevonde Middleton (1893-1975) in der Londoner National Portrait Gallery. Hier ein Fachartikel von Darcy White:
“Yevonde: An Introduction to the Woman Who Pioneered Color Photography”.

In her autobiography, In camera (1940), she remembers thinking at age 17: “I must earn my own living … To be independent was the greatest thing in life”.

via @dtfdpr

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Ach guck:
Es gäbe dann doch eine Möglichkeit, mich für einen Star Wars-Films ins Kino zu bekommen.

die Kaltmamsell

Lieblingstweets und -tröts März/April 2023

Montag, 1. Mai 2023 um 9:21

Vor dem Hintergrund, dass ich davon zwei Wochen in Urlaub war und nicht alles mitbekommen habe.

Erst mal meine liebsten Tweets.

Falls jemand dieses T-Shirt tatsächlich drucken möchte: @formschub stellt die Datei bereitwillig zur Verfügung.

Und hier die schönsten Tröts in meiner Mastodon-Timeline.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 30. MaiApril 2023 – Wandern mit Besuch am Loisach-Isar-Tal

Montag, 1. Mai 2023 um 8:23

Lang ausgeschlafen, und das auch noch gut – sehr schön.

Gemütlicher Vormittag vor hellgrauer Draußenkulisse mit Wäschewaschen, einer Runde Yoga-Gymnastik.

Ich buchte unsere Ferienwohnung in Brighton – doch für länger als ursprünglich geplant, weil wir den Cotswolds Way in weniger Tagen als ursprünglich geplant gehen werden: Die Unterkünfte entlang des Wegs sind für Ende Juni / Anfang Juli gerne mal schon vergeben. Dennoch fürchte ich keineswegs Menschenmassen auf den Wegen: In manchen Orten am Weg gibt es, wie wir vor sieben Jahren gesehen hatten, halt nur zwei B&Bs.

Fertigmachen fürs Wandern: Wir waren mit zwei München-Besuchern aus Hamburg und Berlin verabredet, die unseren Vorschlag der Runde Icking-Wolfratshausen über Isartal angenommen hatten.

Treffpunkt war das Abfahrtsgleis der S7 unterm Stachus. Ich hatte Frühstück am Bäckerstand Rischart besorgen wollen, doch der war geschlossen – schnelles Ausweichen in den Starbucks, denn irgendwas würde ich unterwegs essen müssen.

Herzliche Begrüßung, den Besuch aus Berlin hatte ich seit vier Jahren nicht gesehen, seinen Mann aus Hamburg seit einem Jahr.

In Icking empfing uns wunderbares Wanderwetter, das die ganze Runde über hielt: Kühl, ohne kalt zu sein, regenfrei und hin und wieder sogar mit Ahnungen von Sonne.

In Schlederloh versteht man was von Diskretion.

Ich genoss es, mit zwei anderen erfahrenen Wanderern unterwegs zu sein: Die beiden kannten andere Pflanzen als ich (sogar treffsicher Waldmeister, bei dem ich mir nie sicher bin, zudem probierte ich auf ihren Hinweis erstmals Blättchen der Knoblauchrauke), erzählten von ganz anderen Gegenden.

Blick aufs Loisach-Isartal, wie erwartet mit recht hohem Wasserstand.

Dorfen mit einer seltenen Sehenswürdigkeit: Öffentlichem Nahverkehr.

Der gewohnte Abstieg nach Wolfratshausen wurde etwas anstrengend: Ein Hohlweg und ein Brückerl über eine anschließende kleine Schlucht waren wegen zahlreicher umgestürzter Bäume eigentlich unpassierbar. Wir entschieden uns für Klettern über die Stämme, denn der Abschnitt war nur kurz und die Alternative wäre ein großer Umweg gewesen.

An der Loisach in Wolfratshausen machten wir auf einer Bank Pause, ich frühstückte eine Zimtschnecke, auch Herr Kaltmamsell hatte etwas dabei.

Flößer und Floßruder.

Zurück über und dann an der Loisach zum Ickinger Wehr war der Weg hin und wieder recht matschig, aber immer noch gut zu gehen.

Wir kamen an den S-Bahnhof Icking pünktlich zur Einfahrt des Zugs zurück nach München, waren etwa dreieinhalb Stunden unterwegs gewesen.

In München hatte der Besuch ein Lokal zum Einkehren ausgesucht, das Craft Beer servierte – ein weiteres Interessensgebiet der beiden. Wir nahmen vom Heimeranplatz einen Bus ins Schlachthofviertel und setzten uns vors True Brew. Dort gab es sehr interessante Biere, ich genoss auf Empfehlung mein Pale Ale Coastline (ich hatte um etwas Hopfiges, Herbes gebeten). Dazu mehr herzliche Gespräche – und die Aussicht darauf, dass die beiden öfter mal nach München kommen würden, unter anderem zum Wandern.

Zurück daheim bereitete Herr Kaltmamsell das Nachtmahl zu: Der Ernteanteil hatte Emmernudeln von einem befreundeten Betrieb enthalten, die Gelben Bete daraus hatte ich morgens bereits gekocht, zusammen mit Feta wurde daraus ein sehr gutes Nudelgericht. Nachtisch Schokolade.

Und ich stellte fest, dass ich schon wieder die Zusammenstellung der Lieblingstweets und -tröts zum Monatsende vergessen hatte. Diesmal hole ich’s halt am Ersten des Folgemonats nach.

§

Machen Sie sich lieber keine Hoffnungen auf einen milden Start in den Mai. In Spektrum erklärt Lars Fischer mit einem “dramatischen atmosphärischen Ereignis im Februar”
“Warum es erst einmal kühl bleibt”.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 29. April 2023 – Energisches Aprilwetter beim Wandern um die Loisach-Kochelsee-Moore

Sonntag, 30. April 2023 um 8:38

Nicht gut und zu wenig geschlafen, schon um sechs aufgewacht – dabei hatte ich doch gar nicht so viel Alkohol getrunken. Wie vorhergesagt hatte der Regen aufgehört.

Wäsche aus der für morgens programmierten Waschmaschine aufgehängt, nach Bloggen und Morgenkaffee war Zeit für Aufbruch: Ich plante mit Herrn Kaltmamsell eine Rundwanderung von Benediktbeuern über Kochel am See – hatten wir vor vier Jahren schon mal gemacht, da glaubte ich noch dem Orthopäden, meine Hüftbeschwerden kämen von den LWS-Bandscheiben.

Die Anfahrt war ein wenig anstrengend, weil wir in Tutzing in Schienenersatzverkehr umsteigen mussten. Herr Kaltmamsell kam unterwegs auf die Idee, dass wir doch eigentlich Kochel zum Start- und Endpunkt der Wanderung machen könnten, zumal der Stichweg-Abschnitt von und nach Benediktbeuern eh langweilig war. Außerdem versprach die Gastronomie für abschließendes Einkehren in Kochel mehr.

Die fast einstündige Fahrt von Tutzing nach Kochel mit dem Bus über Land und durch die Orte war interessant. Unter anderem überraschte mich Penzberg als reizvoller, lebendiger Ort mit offensichtlich Geschichte (Bergbau), Läden, Gastronomie, umfassender Infrastruktur, wir fuhren auch an der berühmten Moschee vorbei. Mögen Bahnschienen durch schönere Landschaft führen als Straßen – von Orten außer Großstädten bekommt man auf Zugreisen halt nichts mit.

In Kochel setzten wir uns erst mal ins neue Café im Schusterhaus (Karte mit Bowls und Veganem) auf einen Cappuccino (gut!), Stärkung fürs Wandern, gingen dann den Rundweg gegen den Uhrzeigersinn, also erst mal nach Osten hinauf ein wenig auf den Berg.

Wir bekamen schöne Aussichten, glucksende Bächlein, blühende Bäume und Wiesen (viel Gelb von Löwenzahn und Sumpfdotterblumen sowie Schlüsselblumen), an Fauna Milane und Bussarde am Himmel, über den Wiesen und an den Häusern Schwalben, in Gewässernähe reichlich Bachstelzen. Auf dem Boden sah ich eine große graue Eidechse verschwinden, auf den Weiden, die wir kreuzten, standen Kühe, wir passierten wie schon vor vier Jahren auch diese seltsamen gefleckten Schafe mit Schlappohren.

Das Wetter hielt nur zweieinhalb Stunden, lieferte dabei sogar immer wieder Sonnenschein. Gerade als wir nach einer Bank für eine Brotzeitpause suchten, zog übers Gewerbegebiet Benediktbeuern eine böse schwarze Wolke, die nicht nur Regen, sondern auch zwei kurze Hagelschauer brachte.

Da ich jetzt um halb drei aber sehr hungrig war, stellten wir uns zum Brotzeiten in den Windschatten einer Scheune, ich frühstückte Apfel und Nussschnecke. Eine Bank zum Ausruhen fanden wir dann nach Regenende an der Loisach.

In Kochel.

Über Kochel.

Eine Rinder-Situation, zum Glück ohne Kälber. In unserer Partnerschaft bin ich ja ich dafür zuständig, meinen Mann vor großen Tieren zu beschützen, zum Beispiel vor Kühen auf dem Wanderweg. Wir gingen also langsam und ruhig an den Rindern vorbei, freundlich grüßend, ließen uns anstarren.

Blick auf Benediktbeuern.

Übers Kochel-Loisacher Moor.

An der Loisach, die sehr hoch stand – und die wir am Sonntag an anderer Stelle wiedersehen werden, wenn wir mit Besuch zwischen Icking und Wolfratshausen gehen.

Am Ende unserer Wanderung von gut 15 Kilometern in viereinhalb Stunden waren wir noch nicht wieder hungrig genug fürs Einkehren in Kochel. Jetzt regnete es ausdauernd und heftig; wir setzten uns an den Bahnhof und verbrachten die 40 Minuten bis zum nächsten Bus mit Lesen.

Zurück in München holten wir uns auf dem Heimweg Abendessen beim Servus Habibi. Hier hatte es offensichtlich nicht geregnet, nicht nur das Lokal selbst, sondern auch die Außentische an Schwanthaler- und Schillerstraße waren voll besetzt.

Ausruhen über köstlichem Essen, wir hatten beide den Eindruck, dass es seit unserem letzten Take-away von Servus Habibi noch ausgefeilert und besser geworden war (Zhug dabei, ungewöhnliches sauer eingelegtes Gemüse, auf dem Labneh auch getrocknete eingelegte Tomaten).

Überraschung des Abends: Herr Kaltmamsell sah die ersten Mauersegler am Himmel, rief mich sofort auf den Balkon, um seine Sichtung zu verifizieren.

§

“Wie Bankenkrisen entstehen, einfach erklärt”.

Der Artikel hält, was die Überschrift verspricht: Nicht nur habe ich die Erklärung verstanden, ich habe sie sogar gern gelesen.

die Kaltmamsell