Journal Freitag, 28. April 2023 – Italienischer Wochenausklang im prasselnden Regen

Samstag, 29. April 2023 um 7:25

Einerseits hurra, weil Freitag, noch dazu vor einem durch 1. Mai verlängerten Wochenende. Andererseits war das Wetter zurückgekehrt zu dunkelgrau mit Regen, mittlerweile schlägt mir das aufs Gemüt. Auch wenn die Wettervorhersage ankündigte, dass das Grau und der Regen zumindest wärmer werden.

Vormittags musste ich kurz beruflich aus dem Haus, wurde gleich mal angeregnet. So richtig zu regnen begann es erst gegen elf, ausdauernd.

Zu Mittag gab es einen Apfel und mitgebrachten Buchweizen-Bulgur mit Karotte (gut! und ein bisschen zu viel).

Ich machte wirklich pünktlich Feierabend, für den Heimweg erwischte ich eine Regenpause und nutzte sie für Einkäufe im Vollcorner und am Sendlinger Tor.

Zum Abendessen war ich mit Herr Kaltmamsell auswärts verabredet. Vorher turnte ich Yoga-Gymnastik, allerdings nicht nochmal die Folge 6 aus “Move” vom Donnerstag, weil mein Körper an der Hüfte und im Kreuz ziemlich klar signalisierte, dass er keine große Anstrengung wollte. Statt dessen gab’s “De-Stress” mit Jessica Richburg, vor allem Dehungen.

Für Abendessen spazierte ich mit Herrn Kaltmamsell in energischem Regenprasseln unter Schirmen zurück ins Westend zu einem Nachbarschafts-Italiener.

Nach einem Ramazzotti Rosato als Aperitif aßen wir Menü (Tintenfisch mit Tomate / Orecchiette mit Spargel / gebratener Fisch mit Trüffel / Tiramisu), alles ordentlich, dazu Visconti Collo Lungo Lugana im Glas. Ich genoss die Entspannung durch Alkohol und die charmante und geistreiche Gesellschaft.

Als wir das Lokal um halb zehn verließen, prasselte der Regen noch energischer, wir mussten vielen Pfützen ausweichen.

Ich sah das Frühlingsfest zum ersten Mal bei Nacht, fand den Anblick magisch.

§

Gestern las ich in der Süddeutschen eine besonders spannende Folge der Serie “Reden wir über Geld”, nämlich eine über die niederbayerische Spargelbäurin Veronika Röll (€):
“‘Ich brauche keinen Fuhrpark mit zehn Traktoren, um Modenschau zu machen'”.

§

Ach, mal wieder eine von diesen rührseligen Wie-eine-halbverhungerte-Streuner-Katze-zu-uns-Vertrauen-fasste-Geschichte. (*schnief*)

§

Apropos Yoga und “Namaste” – der Gruß lässt sich am einfachsten auf Authentizität abklopfen.

via @Klugscheisser

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 27. April 2023 – Kleine Helden von Almudena Grandes / Über die Angst / Gebrochene Star-Vereinbarungen

Freitag, 28. April 2023 um 6:33

Gut geschlafen.

Auf dem Weg in die Arbeit sah ich sogar durch Wolkenlöcher ein wenig blauen Himmel.

Der Bürovormittag bestand hauptsächlich aus einer Online-Infoveranstaltung, aus der ich viel Neues holte.

Mittags verließ ich das Haus kurz zu Einkäufen auf dem Markt am Georg-Freundorfer-Platz (Butter, Käse) und in einem Gemüseladen. Wieder blaue Löcher in den Wolken, die Sonne durchließen, doch es blieb kalt.

Mein Mittagessen waren dann: Apfel (sehr gut, der hatte einen Hauch von weißem Campino-Bonbon), Sahnequark mit Dickmilch und Blutorange.

Und dann machte ich weiter mit dem Teil meines Jobs, in dem ich beherzt und mit Fachkenntnis Löcher stopfe, die außer mir niemand bemerkt und die ohne mich sehr wahrscheinlich wurscht wären.

Nach Feierabend marschierte ich direkt nach Hause, dort turnte ich Rumpf-betonte Yoga-Gymnastik (mal wieder waren es die Hüftbeuger, die mich bestimmte Bauchübungen wegen Schmerzen nicht durchhalten ließen). Nachdem ich mir die Brotzeit für Freitag zubereitet hatte (Buchweizen-Bulgur mit Karotte), machte ich Abendbrot: Aus dem eben geholten Ernteanteil Salat mit Schnittlauch-Vinaigrette, ergänzt mit zugekauften Tomaten, Paprika, Eiern.

Als zweiten Gang gab es reichlich Käse aus Spanien, Bayern, Frankreich. Der Nachtisch war diesmal das Ergebnis von Herrn Kaltmamsells Backtag, er hatte Punschtorte gemacht.

Schmeckte richtig gut – aber nicht wie die Punschtorte, die Herr Kaltmamsell angestrebt hatte (u.a. weil ihm der Teig zu leicht war und die Orangenmarmelade geschmacklich dominierte).

Im Bett las ich Almudena Grandes, Roberto de Hollanda (Übers.), Kleine Helden aus. Die klassisch erzählten Nachbarschaftsgeschichten über ganz normale Menschen in einem Madrider Wohnviertel interessierten mich bis zum Schluss, es brauchte gar keinen Spannungsbogen. Unter anderem bekam ich einen kleinen Einblick ins Thema Immigranten, seien es die chinesischen Einwander*innen seit vielen Jahren, seien es die Flüchtlinge der vergangenen zehn Jahre. Eingeflochten sind Erinnerungen der spanischen Protagonisten an die eigene Emigration in den 1960ern und 1970ern.

Der Originaltitel des Romans von 2015 ist Los besos en el pan, also “Die Küsse aufs Brot” – in einem Interview erzählt die Autorin, dass man ihr als Kind beigebrachte habe, auf den Boden gefallenes Brot als Entschuldigung zu küssen – die Erinnerung an schlimme Hungerszeiten sei noch so lebendig gewesen. Mir gefällt die Rezension von Susanne Lenz in der Frankfurter Rundschau:
“Die goldene Zeit der Erschöpfung”.

§

Novemberregen erzählt, wie sie mit Angst umgeht:
“26. April 2023”.

Am interessantesten finde ich, von dieser so Energie-geladenen Person, die auch mal auf Konfrontation geht, nur damit ein bisschen Leben in die Bude kommt, zu lesen:

Ich versuche ihr zu entgehen, ducke mich weg und will die Situation meiden oder aus ihr entfliehen.

Im Folgenden diagnostiziert sie in konkreten Situationen ein Obsiegen ihres Willens.

Ich wiederum bin eine Meisterin im Weglaufen und Vermeiden geworden. Die massivsten Auswirkungen hatte Angst in meinem Fall bei musikalischen Solo-Auftritten, gemeinerweise nicht etwa davor in Form von Lampenfieber (ich war immer die, die hinter der Bühne Lampenfiebernde ablenkte und beruhigte), sondern in der einen Sekunde vor und dann beim Auftritt selbst. Mit deutlich hörbaren Auswirkungen in der Musik. Zum Glück gibt es seit Jahrzehnten keinen Anlass mehr dafür, diese Angst darf ich einfach vergessen.

In Situationen, die von mir große Überwindung verlangen (keine Angst), kenne ich allerdings das Umschalten/Springen, wenn’s nicht mehr anders geht: Ich werde dann von einem Moment zum nächsten eine andere, die sogar souverän wirken kann. Was leider keine Auswirkung auf die nächste solche Situation hat: Sie kostet mich wieder mindestens genauso viel Überwindung.

§

Herr Kaltmamsell wies mich auf ein Interview mit Christoph Waltz im Guardian hin, darin beantwortet er Leser*innenfragen. Und bricht die ungeschriebene Vereinbarung, dabei nett zu sein.
“Christoph Waltz: ‘My only regret is that I didn’t attack Nigel Farage enough’”.

Ebenfalls auf Herrn Kaltmamsells Empfehlung sah ich auch die Kommentare an: Es ist sehr interessant, wie Waltz’s Charme-losigkeit beim Publikum ankommt. (Z.B. “A first rate actor refusing to play the trite celeb interview game.”)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 26. April 2023 – Abendessen auf dem Frühlingsfest

Donnerstag, 27. April 2023 um 6:17

Zu wenig Schlaf bekommen, weil ich nach Aufwachen um vier nicht mehr richtig einschlief.

Die Bäume tun ihr Ding und grünen wie bescheuert.

Das Draußen dunkelgrau mit ständiger Regendrohung, zudem unangenehm kalt: Auf dem Weg in die Arbeit vermisste ich Mütze und Handschuhe (für die gute halbe Stunde Fußweg drehte ich aber nicht nochmal um).

Emsiger Vormittag, ich merkte den fehlenden Schlaf an Grundmüdigkeit.

Mittagessen: Pumpernickel mit Butter, Banane mit Dickmilch.

Der Nachmittag war dann turbo-emsig, darunter aber auch eine überraschende – und durchaus herzliche – Begegnung mit meiner beruflichen Vergangenheit.

Zu einem nicht zu späten Feierabend musste ich mich zwingen, doch ich wollte vor den Abendessensplänen sehr gern noch eine Runde Yoga (Wiederholung der Folge vom Dienstag) einschieben.

So marschierte ich direkt heim, turnte meine Yoga-Gymnastik – und ging dann mit Herrn Kaltmamsell zum Abendessen aufs Frühlingsfest. Für einen grauen, kühlen Mittwochabend war das übersichtliche Volksfest im nördlichen Eck der Theresienwiese sogar ganz gut besucht, selbst dafür holten junge Leute ihre Dirndl- oder Lederhosen-Verkleidung aus dem Kleiderschrank (überm Dirndl trägt man in dieser Saison Step-Anorak). Die Fahrgeschäfte und Attraktionen wurden durchaus genutzt, die Geisterbahn-Deko mittlerweile klar von zeitnenössischer Fantasy beeinflusst, doch an den Karusells wummert weiterhin “Wahnsinn” und “Tausendmal berührt”. Unter den Fressbuden fielen mir zahlreiche Crêpes-Angebote auf, ein Churros-Stand (ohne chocolate) – noch sah ich keinen “Vegan!”-Stand, noch sind die dem Tollwood vorbehalten.

Falls Sie sich immer schon fragten.

Wir stiegen in die Abgründe der Volksfestkulinarik:
– Bratwurst: auf die ich mich seit Wochen freute, die dann allerdings nur lauwarm war und nicht sehr braun gebraten
– Pommes mit Majo: gut, von einem anderen Stand
– halben Langos mit Sauerrahm und Käse: hatte ich noch nie probiert, hätte es vielleicht auch nie, wenn nicht Herr Kaltmamsell erwähnte, dass es ihn immer enttäuscht habe und ich mich genauer erkundigte, worum es sich eigentlich handelte. Der frittierte, saftige Hefeteigfladen schmeckte mir ganz ausgezeichnet.

Nach diesem Abendessen war mir nicht mal schlecht. Trotzdem daheim noch ordentlich Konter-Schokolade nachgeschoben.

Abendunterhaltung: Die aktuelle Folge Die Anstalt zur Verkehrspolitik.

Traurig gut, diesmal besonders schön visualisiert.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 25. April 2023 – Arbeitstagsroutine

Mittwoch, 26. April 2023 um 6:39

An sich guter Nachtschlaf gestört durch Party im Park vorm Schlafzimmer (um 4! München erschien mir schlagartig weltstädtisch).

Am Vorabend war mir ein neues Styling für den Tag eingefallen, das mich erfreute.

Zumindest die ganz dicken Pullis gehören hoffentlich vorerst der Vergangenheit an.

Auf dem Weg in die Arbeit wurde ich ordentlich durchgetröpfelt, ich hatte der Regenvorhersage zu sehr vertraut. Über den Tag immer wieder Regen- und Graupelschauer, aber oft genug Sonnenschein, dass ich das Rollo runterlassen musste.

Auf dem (trockenen!) Weg zum Mittagscappuccino einen Restauranttisch für Freitagabend reserviert, wir werden Menü bei einem sehr vertrauenserweckenden Westend-Italiener essen.

Der “große Cappuccino” wurde im Glas serviert, wieder was gelernt. (Noch mehr aus dem Trompeten-lauten Telefonat des Barista, post privacy in natürlichem Habitat.)

Mittagessen am Schreibtisch: Pumpernickel mit Butter, Banane.

Am Nachmittag ein belastender Termin, den ich natürlich auch rumbrachte – ich könnte aber nicht sagen, ob ich dabei erfolgreich war.

Ich versuche derzeit, nicht allzu lang im Büro zu bleiben und auch dann zu gehen, wenn möglicherweise noch was reinkommen könnte (gestern zum Beispiel etwas, was um 11 Uhr für diesen Tag angekündigt war, aber um 17 Uhr immer noch nicht vorlag).

Auf dem Heimweg Einkäufe in der Drogerie und beim Vollcorner.

Zu Hause malte ich nach Yoga (viel Hüftöffnung) meine Zehennägel mit einem eben erworbenen Lack an.

Mein Sommerlack 2023 ist gefunden! (Mit neuem Bild, das mir besser gefällt.)

Herr Kaltmamsell hatte die in Spanien gekaufte Tintenfischtinte für ein Risotto genutzt.

Schmeckte – nicht nach Anwärter auf Lieblingsrisotto. Es war mir ein wenig zu sauer, weil ohne Parmesan oder Butter auch nicht Risotto-cremig genug.

§

Immer noch und immer wieder fett Respekt dem Team, das die Goldenen Blogger seit 2007 organisiert und durchführt. Montagabend veranstalteten sie die Gala zu den Goldenen Bloggern 2023, hier die Gewinnerinnen und Gewinner.

§

Harry Belafonte ist gestorben, er hinterlässt eine große Lücke.
Hier ein sehr persönliches Portrait des Schauspielers (seine eigentliche Traumkarriere), Sängers und Aktivisten von Henry Louis Gates, Jr. aus dem New Yorker August 1996:
“Belafonte’s Balancing Act”.

Hier als dream team mit Nana Mouskouri and Danny Kaye.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/mGRDD5PJXsc

Und dann natürlich der Humor, der einen der schönsten Menschen auf Erden singen ließ: “Or is it the fact that I’m ugly?”

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/a3yM-i3lw60

die Kaltmamsell

Journal Montag, 24. April 2023 – Grauer Wochenstart

Dienstag, 25. April 2023 um 6:20

Ich war zu energischem Regenrauschen eingeschlafen, ich wachte zu energischem Regenrauschen aus. Bis zum Antritt meines Arbeitswegs hatte der Regen zwar aufgehört, doch uns stehen weitere kühle Tage in Grau bevor, ich griff wieder zu mehreren Schichten Kleidung inklusive Wolljacke fürs Büro.

Das Gute an diesem grauen und nassen Wetter (neben Wasser für Boden und Landwirtschaft): Ich überklicke recht ungerührt all die Werbung für Kleidung, die sich nur im Sommer tragen lässt. Netto sind das ja höchstens zwei Monate im Jahr, und für die bin ich mehr als ausreichend mit Sommerkleidung ausgestattet. Zudem weiß ich mittlerweile, wie traurig es mich macht, schöne neue Sommerkleidung im Schrank hängen zu haben und monatelang auf ihren Einsatz warten zu müssen.

Die Arbeit ließ sich diese Woche strukturiert an. Mittags gab es Pumpernickel mit Butter, außerdem eine Birne und Clementinen.

Der Nachmittag enthielt genauso wenig Aufregendes zu erzählen. Draußen gemischtes Aprilwetter mit vor allem Wolken, manchmal Regen, manchmal Sonne.

Vor meinem Bürofenster wuchs ein Gerüst. Dieser Tage werde ich auf demselben Stockwerk umziehen, aus praktischen Gründen zurück zu dem Arbeitsplatz, auf dem ich die ersten Jahre hier saß. Diese Art von Veränderungen mag ich ja, sie halten mich gelenkig.

Nach Feierabend Heimweg über Schokoladen-Einkauf, Bargeldholen bei der Bank (das immer seltener nötig ist: Bargeld brauche ich mittlerweile nur noch für Orte wie Marktstände, denn Corona hat selbst bei Bäckereien Kartenzahlung eingeführt, und Kleinbeträge wie für Mittagscappuccino zahle ich mittlerweile mit Handy-App – ich begrüße das), Körpercreme-Kauf im BodyShop unterm Stachus (jedesmal bange Annäherung, ob es ihn wohl noch gibt).

Daheim Yoga (nochmal die Flow-Folge vom Freitag), Blumengießen, Pediküre.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell das restliche Szegediner Gulasch vom Samstag, zum Nachtisch standen wieder reichlich Süßigkeiten zur Verfügung.

Das kommende, lange Woche mit Maifeiertag wird geplant, es gibt voraussichtlich ein Treffen mit Bloggeria aus Hamburg auf München-Besuch.

Früh ins Bett, um Almudena Grandes, Kleine Helden weiterzulesen, viele kleine Madrider Leben.

§

Johannes Franzen nimmt für die Zeit gründlich auseinander:
“Giftige Genies”.

Der Geniemythos hält sich hartnäckig in der Populärkultur unserer Gegenwart – auch in Medienfiguren wie Elon Musk. Aber warum bloß?

An der grundsätzlichen Idee des Genies und am Kult darum ist ja die Romantik schuld. Die aktuellen Auswüchse sind aber nochmal eine andere Größenordnung – zumal damit fast alles gerechtfertigt scheint:

Der Leiter einer Currywurstbude, der seine Mitarbeiter tyrannisiert, ist ein Arschloch, der Chef eines Dreisternerestaurants, der sich wie ein Berserker aufführt, wird als ein komplexes Genie gehandelt.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 23. April 2023 – Neue Isarwege, Schwiegerbesuch

Montag, 24. April 2023 um 6:20

Gut und tief geschlafen, das auch noch neun Stunden lang – welch Wohltat.

Draußen regnete es müde, ich hatte trotzdem Lust auf einen Isarlauf. Mit dem Bayernticket für später am Tag nahm ich eine Tram an die Isar bis hinters Bayerische Nationalmuseum. Tatsächlich hatte der Regen jetzt fast aufgehört, ich wurde lediglich angetröpfelt.

Zum Start sah ich zwei Buntspechte, später über der Isar einen abhebenden Jungschwan (was mit diesem langen Hals ähnlich wider die Physik aussah wie der Flug einer Hummel wegen Verhältnis Flügel:Körper), unter anderem Rotkehlchen.

Auf der Ostseite der Isar hatte ein Kahlschlag von Bäumen und Büschen (Ausbau von Straßen) den Blick auf einen Pfad direkt am Fluss freigelegt; nach dem Queren suchte, fand und lief ich ihn – und bekam nach vielen Jahren auf dieser Strecke nochmal ganz andere An- und Einblicke.

Im letzten Abschnitt sogar Ahnung von Sonnenschein.

An der Tram-Haltestelle Tivoli fühlte ich mich nach anderthalb Stunden noch nicht ausgelaufen, obwohl die unteren Waden etwas zwickten. Ich lief also noch über den Englischen Garten und Hofgarten zum Odeonsplatz, nahm von dort die U-Bahn zurück.

Welch ein Unterschied zur selben Perspektive am Samstag.

Nach dem Duschen war sogar noch Zeit für einen weiteren Milchkaffee, bevor ich mit Herrn Kaltmamsell einen Zug nach Augsburg nahm: Er hatte einen baskischen Käsekuchen gebacken (ein eigenes Rezept dafür ausprobiert), den nahmen wir zu KaffeeundKuchen (mein Frühstück) bei seinen Eltern mit.

Der Kuchen schmeckte ok, meinen finde ich besser. Vor allem aber verbrachten wir Zeit mit den lieben Schwiegers, ließen uns Leben, Situation, Neuigkeiten erzählen. Draußen war es noch mal recht mild geworden (16 Grad), ich spazierte vom Münchner Bahnhof nach Hause mit offenem Mantel.

Nachtmahl war Brotzeit. Es gab spanischen Käse, unter anderem von meinem Crowdfarming-Schaf, dazu hatten wir am Hauptbahnhof Brot besorgt, öffneten eine Dose spanisches saures Gemüse, ich rührte eine Frischkäsecreme. Vor allem aber nutzten wir den Abend, Zeit mit unserem Übernachtungsgast zu verbringen, der Montagmorgen sehr früh abreisen würde.

Nachtisch restliche Osterschokolade.

§

Mehr Vorbildliches von Dame Edna, bless:

“I’ve never been conventionally attractive.”
Pause, Pause.
“But who wants to be conventionally attractive…?”

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/v7m3uHV5SNU

(Viele wollen das, ich weiß. Und vielen bleibt auch aus den verschiedensten Gründen nichts anderes übrig.)

“I’m comfortable in my own skin. I am.
And you’re comfortable in someone else’s.”

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 22. April 2023 – Touristengucken im Englischen Garten

Sonntag, 23. April 2023 um 7:58

Mir waren Ausschlafen (mittelgut, zu viel Alkohol am Vorabend) und Schwimmen wichtiger, der Theresienwiesenflohmarkt 2023 musste auf mich verzichten.

Das Wetter strahlte sensationell, als ich vormittags mit dem Radl zum Schwimmen im Olympiabad aufbrach, roch ich herrlichste Frühlingsdüfte.

Im Olympiabad war bei Weitem nicht so viel los wie vor einer Woche, ich schwamm nahezu ungestört (nur beim Wenden immer wieder behindert von Menschen, die das Schwimmbad zum Am-Rand-Stehen besuchen), und da das gestern sehr wenig Kraft kostete und keine Mühe bereitete, gleich mal 3.300 Meter.

Das Dantebad wird leider erst Mitte Mai wieder öffnen, ich freue mich schon ungeheuer auf Bahnenziehen unter freiem Himmel. Bis dahin halt Olympiabad, ist ja auch sehr schön. (Aber ohne Sonne, vor einem Jahr sah man auf meinem Rücken bereits deutliche Bikinistreifen vom Draußenschwimmen.)

Auf dem Heimweg (keine Jacke mehr nötig) besorgte ich Frühstückssemmeln beim Wimmer, kurz vor zwei aß ich bei offener Balkontür zwei Körnersemmeln mit Butter und Marmelade, ein Stück kastilischen Käse, außerdem Mandarinen mit Dickmilch.

Das herrliche Draußen verdiente Beachtung, mit Herrn Kaltmamsell ging ich Touristengucken im Englischen Garten.

Sehr viele Menschen bereits auf dem Weg zum Hofgarten.

Im Englischen Garten ging es dann erwartungsgemäß zu wie im Madrider Retiro, er wuselte von einem bunten Gemisch aus Müncher*innen und Besuchsvolk.

Es war aber auch zu schön dort.

Nach zwei Stunden Spaziergang wanderten wir wieder über den Marienplatz heim, darauf gerade dicht viele Touristen, die in die gleiche Richtung guckten: Es war fünf, das Glockenspiel am Rathaus drehte sich und klingklongte.

Herr Kaltmamsell machte sich umgehend an die Zubereitung des Nachtmahls: Der Ernteanteil hatte wieder Sauerkraut enthalten, ich wünschte mir eine Wiederholung des köstlichen Szegediner Gulaschs.

Ich wiederum tätigte abschließende Handgriffe des Großfamilienurlaubs: Sortieren der Fotos. Herr Kaltmamsell hatte eine Online-Lösung recherchiert, mit der alle ihre Bilddateien an einem Ort hoch- und runterladen können, ohne Konto- oder Anmeldezwang. Es wurde Nextcloud, ich stellte eine Auswahl meiner Aufnahmen zusammen und lud sie hoch.

Köstliches Szegediner Gulasch war wieder köstlich. Reichlich Osterschokolade zum Nachtisch. Draußen bewölkte sich der Himmel wieder, Schluss mit sonnigem Frühling.

Früh ins Bett, weil ich zum einen richtig müde war, zum anderen einen neuen Roman angefangen hatte, diesmal wieder aus der Onleihe der Münchner Stadtbibliothek: Almudena Grandes, Roberto de Hollanda (Übers.), Kleine Helden. Er nahm mich mit ins heutige Madrid und zu den ganz durchschnittlichen Bewohnerinnen und Bewohnern eines Stadtviertels, die gerade aus ihren Sommerferien zurückkommen. Ins fast heutige Madrid, denn der Roman spielt in der Mitte der Zehnerjahre, damit vor Corona und noch mitten in den Folgen der Finanzkrise.

§

Ein großes Vorbild hat sich verabschiedet.

“Barry Humphries (Dame Edna to You, Possums) Is Dead at 89”.

A stiletto-heeled, stiletto-tongued persona who might well have been the spawn of a ménage à quatre involving Oscar Wilde, Salvador Dalí, Auntie Mame and Miss Piggy, Dame Edna was not so much a character as a cultural phenomenon, a force of nature trafficking in wicked, sequined commentary on the nature of fame.

(…)

In her stage and TV shows, written largely by Mr. Humphries, Dame Edna typically made her entrance tottering down a grand staircase (Mr. Humphries was more than six feet tall) in a tsunami of sequins, her hair a bouffant violet cloud (she was “a natural wisteria,” she liked to say), her evening gown slit to the thigh to reveal Mr. Humphries’s surprisingly good legs, her body awash in jewels, her eyes agape behind sprawling rhinestone glasses (“face furniture,” she called them).

§

Wenn Sie sich nicht zum Joggen aufraffen können, liegt das nur daran, dass Ihre Freunde sich nicht genug angestrengt haben.

die Kaltmamsell