Journal Freitag, 26. Mai 2023 – Fahrt zum Rheinhessischen Wein

Samstag, 27. Mai 2023 um 8:03

Aufgestanden zu BLAUEM! Himmel. Das war wirklich schön. Letzte Absprachen mit Herrn Kaltmamsell zu unserem Pfingst-Ausflug ins Rheinhessische, wir verabredeten uns kurz nach Mittag am Bahngleis.

Auf meinem Marsch in die Arbeit war die Luft noch recht kühl, völlig in Ordnung für einen Maienmorgen. Ich sah, dass der Holler um die Theresienwiese zu blühen beginnt.

Im Büro hohe Schlagzahl, die Entscheidung vom Vortag zog weitere Bewegungen nach sich.

Mittags huschte ich schnell raus auf einen Cappuccino beim nahe gelegenen Quiche-Lokal – doch das hatte gestern geschlossen. Mangels Zeit für weitere Wege wurde es also doch wieder ein Hallenbad-Cappuccino aus dem Büro-Automaten. (Sie erinnern sich vielleicht, was mein größter Schmerz während der ersten Corona-Schließungen vor drei Jahren war? Dass die Cafeteria zu hatte und ich keinen guten Cappuccino bekam?)

Feierabend kurz nach freitäglicher Kernzeit, U-Bahn zum Münchner Hauptbahnhof. Mit einem voll besetzten ICE ging es bis nach Mannheim. Herr Kaltmamsell hatte mir zu meinem Apfel als Mittagessen eine Bento-Box zusammengestellt: der Rest Mairübchen-Curry vom Vorabend, frisch gebratener Pakchoi aus Ernteanteil, dazu Reis – köstlich.

Draußen vorm Zug herrliche Mai-Farben.

Schon hinter Stuttgart (ICE verspätet, Anschluss nach Paris verpasst, knallvoll) sagte die Zugscheffin heiter und unverwüstlich durch: „Wir wünschen Ihnen die bestmögliche Reise, die wir Ihnen anbieten können.“ Wir waren gelassen, hatten ja Zeit.

In Mannheim schafften wir sogar unsere S-Bahn an den Zielort Nierstein – die dann einige zusätzliche Zeit erst mal herumstand.

Angekommen checkten wir gemütlich im Hotel ein (direkt gegenüber dem Weingut St. Antony, mit dem ich in einem früheren Leben beruflich zu tun hatte), packten kurz aus, sahen uns dann in Nierstein um.

Gemüseeinkäufe für Samstag auf dem Wochenmarkt – der mir mit seiner heiteren Atmosphäre wie die minimalste Version des Freiburger Markt erschien: Im Zentrum der Weinstand, an dem sich fröhliche getroffen wurde, von allem sonst genau je ein Stand (minus Käse- und Wurststand, vielleicht ja nur diesmal). Wir gingen gleich weiter spazieren und fanden Nierstein ganz entzückend.

Herr Kaltmamsell dachte lange nach, woran ihn dieser Anblick erinnerte, landete bei Cornrows.

Vom Kirchhof der Kilianskirche hatten wir einen herrlichen Blick auf den Rhein.

Durch die alten Gässchen mit vielen Weingütern spazierten wir zurück ins Hotel, brachen aber bald zum Abendessen auf: Ich hatte einen Gutsausschank ausgesucht, der eine Winzer-Vesper anbot – das sah nach dem örtlichen Pendant zum bayerischen Brotzeitbrettl aus.

War es dann auch, obwohl die Kellnerin unsere Bestellung nicht verstand und wir ihr den Posten in der Karte zeigen mussten: Das habe noch nie jemand bestellt. Schmeckte aber sehr gut.

Dazu tranken wir uns durch einige Weine der Winzerei Staiger: Von Gewürztraminer, Rotem Riesling, Grauburgunder und Sauvignon Blanc fand ich den Grauen Burgunder am interessantesten.

Um die Martinskirche flogen Falken, Dohlen, Mauersegler. Festgestellt: Hier sind die Kastanien schon mit Blühen durch, der Holler tut es mit aller Pracht.

Auf Süßes zum Nachtisch hatte ich auch noch Lust und lotste uns zu einem Eisladen am Rhein: Ich hatte die Sorten Salzkaramell und Joghurt.

Unerklärliche Anführungszeichen haben offensichtlich eine sehr lange Tradition.

§

Der Trailer zum Barbie-Film sieht wirklich gut aus. (Und gibt mir Ideen für das Kostümfest, zu dem ich im Juli eingeladen bin.)

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https://youtu.be/oRzCR5YKWUk

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 25. Mai 2023 – Nachdenken über Bestätigungstheater

Freitag, 26. Mai 2023 um 6:20

Ich hatte mir nach dem Theaterabend ein wenig mehr Schlaf gönnen wollen, wachte aber sogar früher als sonst auf.

Auf dem Weg in die Arbeit (dass Wetter weiterin konsequent grau und kühl, buhuhuhu) ging mir durch den Kopf, was diesen Theaterabend mit A scheene Leich möglicherweise kennzeichnete: Bestätigung. Er brachte nicht auf neue Gedanken, sondern bestätigte bereits vorhandene Perspektiven und Horizonte, und das auf nicht-überraschende Weise. (Was völlig in Ordnung ist!)

Die Monologe von national treasure, na gut: Bavarian treasure Gerhard Polt (in der Rolle des Bestattungsunternehmers) über die Veränderungen der Zeit und wie es früher war – über genau sowas tauschen wir alte Leute uns aus und sind beruhigt, dass auch andere Altersgenoss*innen darüber stolpern, uns gar bestätigen, dass das Neue doch eh alles a Schmarrn ist (daraus speisen sich mittlerweile die gesamten Programme von Monika Gruber). Es gab Zeiten, in denen Polt dem Publikum hinterfotzig genau daraus einen Strick drehte.

Die im Stück dargestellte und satirisierte Welt von Pflege und Bestattung war ausschließlich die mehrheitliche: eine weiße, bayerische, eher ländliche, heterosexuelle – die Welt, in der auch der Komödienstadel spielt. Die einzige Minderheit, von der zumindest gesprochen wurde, war die Altenpflegerin aus Osteuropa: Sie habe sich als einzige wirklich gekümmert und sei nun nicht mehr da. Dabei, so ging mir weiter durch den Kopf, sind doch jetzt auch die Einwander*innen der Gastarbeiter-Generation im späten Senioren- und damit im Pflegeheim-Alter. Dabei gibt es auch in der dargestellten Dorfgesellschaft Menschen aus sehr nicht-bayerischen Kulturen, die zum Beispiel in den Chorszenen hätten auftauchen können. Dabei gibt es in Pflegeheimen inzwischen offen Schwule und Lesben, die durch ihre schiere Existenz zum Umdenken zwingen. Vor allem aber: In all diesen Nicht-Mainstream-, Nicht-Bestätigungs-Aspekten steckt enormes komödiantisches Potenzial. Ich erinnere mich mit Amüsement an die Erzählungen einer Kollegin, die bei ihren türkischen Einwanderer-Eltern in einem kleinen schwäbischen Dorf aufwuchs, unter anderem wie sie ihre Teilnahme am Kindergarten-Fasching erbettelte. Ein buntes Autor*innen-Team hätte sicher lustige Ideen.

Aber schon merke ich, dass ich mir als Anreicherung des Abends all die Elemente wünsche, die laut Christine Dössel das Publikum aus den Kammerspielen vertreiben.

Dann wieder: Während ich direkt nach der Vorstellung noch schulternzuckend dachte, dass solche Theater-Nettigkeiten mir am wenigsten bringen, hat diese also doch ein Nachdenken angestoßen.

Ein Arbeitsvormittag mit viel Druck, gleichzeitig musste ich anderen zum Weiterarbeitenkönnen verhelfen (Aufgaben bekommen bei mir automatisch eine höhere Prio, wenn von ihnen das Weiterarbeiten anderer abhängt). Und ich traute mich nicht weg von meinem Arbeitsplatz für einen Mittagscappuccino, bemühte also den traurigen Vollautomaten Marke Hallenbad mit Münzeinwurf.

Mittagessen bestand aus einem Apfel sowie Sahnequark mit Joghurt.

Nachmittags neben Routinearbeiten gespanntes Warten auf Entscheidungen, die kurz vor Feierabend fielen. Mittlerweile hatte der Himmel aufgerissen und zeigte Blau. Ich spazierte erledigt in Sonnenschein nach Hause, unterwegs ein paar Einkäufe im Vollcorner.

Zu Hause zackige Geschäftigkeit: Pediküre, Chocolate Chip Cookies backen, dazwischen Pflanzen gießen, zu packende Kleidung und mitzunehmendes Geschirr fürs Treffen rauslegen, Koffer aus dem Keller holen, füllen.

Als ich mit all dem durch war, war es deutlich später als geplant. Doch ich wollte nicht auf meine Yoga-Gymnastik verzichten, also gab es halt mal Abendessen nach der Tagesschau, die ich erst nach neun als Aufzeichnung nachholte. Herr Kaltmamsell verarbeitete möglichst viel vom gestern geholten Ernteanteil, wir würden ja erst am Sonntag daran weiteressen können. So gab es ein Mairübchen-Curry (super), Spinat, ich machte den Salat mit einem Orangen-Dressing an. Danach Schokolade.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 24. Mai 2023 – Publikums-Vergnügen in den Kammerspielen: A scheene Leich

Donnerstag, 25. Mai 2023 um 6:48

Gut geschlafen mit nur einmal Aufwachen, zuletzt geträumt von Fahrradfahren in einem fremden Land, in dem das unüblich war. Ich stellte mein Radl vor einer Schule ab und nahm einen beruflichen Termin wahr; als ich damit wieder los fuhr, stellte ich fest, dass der Sattel hochgestellt war und Teile des Radls abfielen, weil einige Schrauben entfernt worden waren.
Wie fragte bei solchen Traum-Erzählungen immer die letzte von den beiden Analytikerinnen, mit denen ich zu tun hatte: “Und was verbinden Sie damit?”
Dass mein Fahrrad in meinem Leben eine wichtige Rolle spielt.

Das Draußen war unverändert grau, dafür ein paar spürbare Grad kühler als am Montag.

Vormittags Ringkampf mit dem deutschen Vergaberecht, mein Ausruf, als ein Beteiligter meine Ergebnissse hinterfragte: “Oh Gott, Sie wollen dem doch nicht etwa mit Logik beikommen?!” (Weil nur Auswendiglernen und stures Anwenden gefragt ist, auch wenn es noch so unlogisch erscheint.)

Als Mittagscappuccino testete ich einen unweiten Quiche-Laden, in dem ich eine mächtige Siebträger-Maschine erspäht hatte.

Schmeckte mir überdurchschnittlich gut, das hier könnte meine Anlaufstelle bei nicht so schönem Wetter werden. (Bis es hoffentlich irgendwann wieder eine Quelle im Büro-Haus gibt.)

Mittags kam zu Wolken und Kühle auch wieder Regen. Zu essen gab es selbstgebackenes Roggenschrotbrot und Hüttenkäse mit Banane.

Ich zwang mich zu ganz frühem Feierabend, denn ich hatte für den Abend eine Theaterkarte: Nachgeholte Vorstellung für den Abo-Abend, an dem ich um Urlaub war.

Daheim nutzte ich die Zeit für Zubereitung des Teigs von Chocolate Chip Cookies, Buffet-Beitrag für das Treffen in Rheinhessen am Samstag (lassen sich auch im Arbeitsalltag herstellen, überstehen Bahnreise und 48 Stunden ohne Kühlung). Auch für Fußpflege und eine Runde Yoga-Gymnastik war Gelegenheit, bevor Herr Kaltmamsell das Nachtmahl servierte: Senfeier mit Salzkartoffeln. Schmeckten sehr gut, auch wenn seine elaborierte Sauce weit entfernt von der Kantinen-Version war, an die ich mich mit Genuss erinnere.

Abmarsch ins Theater (Herr Kaltmamsell ging allein in den Lindy-Hop-Tanzkurs): In den Kammerspielen wurde A scheene Leich gegeben, Komödie von Gerhard Polt, den Well Brüdern und Ruedi Häusermann.

Ich wusste ja schon vorher, dass das der Zuschauerraum-Füller der Spielzeit war, ich komplettierte ein Silber-Meer an grauen und weißen Häuptern, dazwischen wenig jüngeres Volk eingestreut (Familienausflüge). Das Publikum war enorm vergnügungswillig, jedes Wort von Gerhard Polt rief Gelächter hervor. Das Stück – ja mei. Nett und niederschwellig, das Thema Lebensende in unserer Gesellschaft (Pflegeheime, Bestattungsinstitute) wurde nicht wirklich originell verarbeitet, die Beobachtungen und Scherze tanzten leichtfüßig durch offene Türen. Doch auch ich wurde unterhalten, vor allem von der Musik der Well Brüder und ihren Geschichten aus Kindheit und Jugend, als sie die Beerdigungen bei ihnen im Dorf musikalisch umrahmten (in meiner musizierenden Jugend nannten wir das “Gruft-Muggen”, wobei “Mugge” für Musikalisches GelegenheitsGEld stand).

Ich kam spät wieder heim, Herr Kaltmamsell schlief schon.

Stelle fest, dass es mir bei Mastodon immer gemütlicher wird. Die schnellen und launigen Interaktionen steigen, ich bekomme immer mehr den Input an Neuigkeiten, wie ich ihn in guten Zeiten bei Twitter schätzte. War ja klar, dass das nicht sofort so sein würde, mein Twitter hat sich ja auch über Jahre entwickelt. Vielleicht gab es dort anfangs auch noch Gezicke in Richtung anderer Online-Autauschplattformen, wie er mich jetzt auf Masotodon in Richtung Twitter nervt, vielleicht habe ich das einfach vergessen.

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Die Kandidat*innen des diesjährigen Bachmannpreis-Wettlesens stehen fest, und es zwickt mich durchaus, dass ich Klagenfurt verpasse. (Letztmöglicher Drei-Wochen-Urlaub mit Herrn Kaltmamsell außerhalb der bayerischen Sommerferien vor der Rente.) Nein, ich kenne niemanden davon, das ist einer der Zwick-Faktoren.

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Ms Marmitelover, langjährige englische Foodbloggerin und Foodjournalistin, beschreibt einen Gastro-Trend in UK, der sie als Vegetarierin schmerzt: Anscheinend setzen immer mehr Lokale auf vegane Angebote als Alternative zu Fleisch oder Fisch und lassen vegetarische Gerichte mit Milchprodukten ganz aus:
“Vegan v Vegetarian”.

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@formschub hat eine Sammlung von Obsttüten aus Papier im Web entdeckt (seht ihr, liebe Kinder, dafür wurde das Internet erfunden). Gestern hatte ich sogar eine davon in meinem Arbeits-Rucksack:

(Ich versuche, jede Obsttüte mehrfach zu verwenden – was bei den dünnen Plastiktüten allerdings erheblich besser geht, die verwende ich sicher zehn Mal, bis sie löchrig werden und ich sie wegwerfen muss.)

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 23. Mai 2023 – Launemacher Haarschnitt

Mittwoch, 24. Mai 2023 um 6:45

Wecker eine halbe Stunde später gestellt, beim nächtlichen Klogang ließ ich den Rollladen gegen die Morgenhelle ganz herab, und schon bekam ich eine halbe Stunde mehr Schlaf! Beim Hochziehen des Rollladens war es draußen wie angekündigt hellgrau trübe, aber noch mild.

Die zusätzliche Zeit hatte ich wegen eines Impftermins (zweite Dosis FSME, vulgo Zeckenimpfung) um 8:10 Uhr in der Allgemeinarztpraxis ums Eck. Trotz perfekter Zeitplanung traf ich dort etwas außer Atem ein: Auf halbem Weg hatte ich festgestellt, dass die eigens bereitgelegten Unterlagen (Impfpass und Versicherungskarte) noch auf dem Schränkchen in der Diele lagen und musste umkehren.

An der Tür der Praxis hatte ein Schild Maskentragen erbeten, doch drin hielt sich nur das Personal daran. Das Impfen selbst ging zackig.

Strammer Fußmarsch in die Arbeit, dabei stellte ich mir die Temperatur kurz unter 20 Grad für unseren Wanderurlaub in England vor und war einverstanden (keine Jacke überm Kleid nötig).

Über die nächsten Stunden erinnerte sich der Himmel an sein Programm für den Mai dieses Jahres und wurde immer dunkler. Arbeit gestern gut taktbar.

Zu Mittag gab’s einen Apfel, eine Scheibe selbstgebackenes Roggenschrotbrot aus der Gefriere mit Tomätchen, eine Banane. Doch meine Laune wollte einfach nicht besser werden.

Nachmittags Geschäftigkeit. Die nächsten Tage werden beruflich spannend, allerdings außerhalb vom Büro und mit mir nur von der Seitenlinie aus.

Die Feierabend-Zeit war auf meinen seit Wochen ersehnten Abendtermin abgestimmt: Haareschneiden in der Innenstadt.

Und siehe da: Ein wirklich guter Haarschnitt kann meine Laune verbessern! (Ich habe dem Herrn sogar “Styling” mit Wachs erlaubt.)

Herr Kaltmamsell erfüllte mir zum Abendessen einen lange gehegten Wunsch: Pasta e fagioli (Rezept aus Rachel Roddy, An A-Z of Pasta – schade, dass das nicht ins Deutsche übersetzt wurde).

Zum Glück schmeckte es Herrn Kaltmamsell genauso gut wie mir, das wird es wieder geben. Nachtisch Schokolade.

Recherchen und Planung fürs Pfingstwochenende: Herr Kaltmamsell und ich fahren am Freitag ins Rheinhessische zu einem geselligen Treffen; da es mit Selbstversorgung stattfindet, ist Logistik erforderlich.

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Erdbebensicherer Häuserbau ist in vielen Gegenden der Welt ein großes Ingenieurswissenschaftsthema. Vieles davon wird in kleinem Maßstab getestet, vieles durch Berechnungen simuliert – aber einiges muss halt auch ausprobiert werden, und die Ingenieur*innen können ja nicht aufs nächste Erdbeben warten. Also erzeugen sie selbst ein künstliches, wie @dtfdpr herausgefunden hat.

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https://youtu.be/Sj3iI9jZCX8

(Merken, weil immer wieder Thema in Gesprächen mit Herrn Kaltmamsell: Die Bewegungen eines Schiffs heißen auf Englisch roll, pitch und yaw.)

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Tom Scocca regt sich schon 2012 auf Slate zurecht über die Rezeptlügen zu Zubereitungs- und Kochzeiten auf, in diese Fall ganz konkret über die Angaben, wie lange es dauert Zwiebeln zu karamelisieren. Er regt sch ausführlich auf, fundiert und mit viel Recherchen und Küchenexperimenten.
“Layers of Deceit”.

In truth, the best time to caramelize onions is yesterday.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 22. Mai 2023 – Der eine Frühlingstag der Woche

Dienstag, 23. Mai 2023 um 6:37

Kurze Nacht, weil ich sehr früh aufwachte – wird halt gereicht haben.

Es war der einzige sonnige Frühlingstag der Woche angekündigt, und das zog nach so langem Nicht-Frühling nach sich: Die sehr schwierige Entscheidung für etwas von meiner vielen und vielfältigen Frühlingskleidung. Meine Wahl fiel auf ein kurzärmliges Etuikleid, doch all die anderen Kleider und Röcke, die ich hängenlassen musste, schmerzten mich.

Theresienwiese mit Klima-Camp.

In der Arbeit viel Arbeit mit hoher Taktzahl, darunter aber zum Glück wenige hektische Querschüsse.

Ich nahm mir die Zeit, auf einen Mittags-Cappuccino raus ins Westend zu spazieren, die Sonne des einen Frühlingstags zu genießen und Frühlingsdüfte zu atmen.

Mittagessen zurück am Schreibtisch: Heimische Lager-Äpfelchen und selbst gebackenes Walnussbrot.

Nachmittags gab es nochmal richtig viel Arbeit, Vieles unter Hochdruck, alles mit unerfreulichem Hintergrund und unerfreulichen Aussichten.

Bei spätem Arbeitsende befand ich mich in einem Grad der Erschöpfung, der Aufstehen und Heimweg nicht mal attraktiv macht. Ich schlappte natürlich trotzdem los, brachte aber keine Freude für die Wärme, die Sonne und das bunte Draußenleben auf. Einkäufe im Vollcorner.

Zu Hause Einkäufe ausgepackt, Waschmaschine gefüllt, Yoga-Gymnastik absolviert (die diesmal leider nicht gegen die Grundgenervtheit über Lebenmüssen half). Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Ratatouille aus Ernteanteil (kurz vor den ersten erntbaren richtigen Gemüsen wird’s mager in der Kiste, das füllt Eingekochtes auf) mit cremiger Polenta – sehr gut.

Nachtisch Süßigkeiten.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 21. Mai 2023 – 30. Rosentag mit Picknick an der Isar

Montag, 22. Mai 2023 um 6:23

30 Jahre ist der Anlass des Rosentags nun her (seine Geschichte, meine Geschichte). Was sich nicht geändert hat: Feste Partnerschaften, Zweisamkeit, Ehe gar – sind wirklich nichts für mich komische Eigenbrötlerin. Es gibt genau einen Menschen, der die Ausnahme ist.

Nach guter Nacht (weil ich schon bald den Schnarcher im Zimmer gebeten hatte, in sein Bett umzuziehen) begann der Tag mit Brotbacken.

Der Teigling frisch aus dem Kühlschrank: Das sah nach gefährlicher Übergare aus. Zum ersten Mal testete ich mit Fingerprobe: Die war eigentlich ok. Doch beim Stürzen auf den Holz-Schieber fiel der Teigling zusammen – jetzt sah ich wieder schwarz.

Im Ofen ging der Laib dann wieder auf. Was für eine Aufregung.

Das Ergebnis später im Anschnitt: Nicht die große Porung, die es haben soll, aber ein gutes Brot. Das nächste Mal also zwei Laibe – und notfalls in einer Nachtschicht gebacken.

Jetzt holte ich aber erstmal im Blumenladen die dreißig bestellten Rosen ab.

Eine Pracht!

Ich hatte draußen festgestellt, dass es trotz lediglich Ahnung von Sonnenschein warm war. Für meinen Isarlauf blieb ich also in kurzen Ärmeln. Mit dem Rad fuhr ich wieder an den Friedensengel, unter anderem zum Location-Check fürs Rosentags-Picknick.

Die designierte Picknick-Wiese. Hier zwischen Max-Joseph-Brücke und Kennedy-Brücke war der Bewuchs an einer Stelle kurz genug, der ohnehin nur mittel frequentierte Weg lag weit genug weg. (Die kleine Linde, die wie ein paar weitere für die gestorbenen mächtigen Eschen gepflanzt wurde, würde noch nicht viel Schatten spenden können, aber ich habe doch ein großes Herz für Anfängerinnen, die noch üben müssen.)

Ich lief recht gut, gegen Ende kam die Sonne deutlicher heraus und ließ mich bald einen Schluck Wasser vermissen. Ich hörte ein Krötenkonzert vom Teich auf Höhe Sankt Emmeram, freute mich am Licht.

Lediglich der letzte Abschnitt war mir leider verdorben: Mich plagte völlig überraschend und überraschend schmerzhaftes Seitenstechen.

Zurück daheim trank ich reichlich Wasser, duschte, cremte mich mit Sonnenmilch ein – und packte alles fürs Picknick zusammen. Mittlerweile hatten die Temperaturen die angekündigten 25 Grad erreicht, ich trug Sandalen.

Zusammen mit Herrn Kaltmamsell radelte ich bepackt in mittlerweile Radler*innenmassen zurück zur Picknickwiese.

Herr Kaltmamsell: “Natur piekst!”

Auf dem Tablett (ich hatte für stabilere Ablage unser Holz-Tablett mitgenommen und mit der Tischdecke abgedeckt) Köstlichkeiten vom Dallmayr:
Unter Aspik Entenlebermousse, Räucherlachsmousse, gefüllte Eier.
In Schälchen Steinpilze in Olivenöl, Garnele/Tomate/Joghurt, Sonnenweizen/Schafskäse/Chicoree, Nordseekrabben/Gurke/Dill, Süßkartoffel/Orange/Cashew.
Dazu einen Vermentino aus der Toskana und Walnussbrot (sehr gut, unbedingt nochmal).

Nachtisch: Bayerisch Creme mit Himbeeren für ihn, Mangomousse mit Mandelstückchen (Hammer!) für mich.

Ich ließ mir über die neuesten Recherchen von Herrn Kaltmamsell erzählen, lernte viel über Sumerologie, ergative Sprachen und agglutinierende Wortbildung. Wir sahen Mauersegler, hörten bettelnde Meisenkinder, Buntspechte.

Irgendwann war alles restlos weggegessen und -getrunken (ich hatte für mich eine Sportflasche Wasser eingeschmuggelt), wir packten und radelten heim. An einer roten Ampel schloss Herr Kaltmamsell seine Ausführungen des Nachmittags ab: “Was ich jetzt noch bräuchte, ist eine Liste von sumerischen Plural-Affixen.” Und das ist ein Grund, warum er diese Ausnahme von oben ist.

Daheim nüchterte ich über Zeitungslektüre auf dem Balkon (!) (!!) langsam aus – zum Glück ohne Nachwirkungen, Tagesalkohol vertrage ich ja nicht immer gut.

Zur Tagesschau gab es sogar noch Abendessen: Die Erbsen-Minz-Suppe vom Dallmayr, die ich ursprünglich als warme Vorspeise aus der Thermoskanne geplant hatte – doch dann waren mir die Umstände zu groß gewesen. Dazu Walnussbrot, danach Schokolade.

Abendunterhaltung: Der Münchner Tatort “Game Over”, der im E-Sport spielte und ein wirklich gutes Drehbuch hatte, mit manchen Kamera-Einstellungen wie in Ego-Shootern, ohne dass die alten Kommissare damit hadern mussten, was dieses E-Sports-Zeug bitte ist – der zudem zum Teil bei uns ums Eck im südlichen Bahnhofsviertel spielte (Geografie-treu1, also ohne Sprung zwischen den Stadtvierteln, wenn in der Handlung angeblich nur um eine Ecke gegangen oder gefahren wird). Wieder mal eine auffallend gute Darstellerin in einer Nebenrolle: Lea van Acken.

Noch kurzes Räumen für den Putzmann-Einsatz am Montag, dann Abschied vom herrlich langen Wochenende.

  1. Den Begriff habe ich gerade erfunden, gibt es in der Filmkunde sowas? []
die Kaltmamsell

Journal Samstag, 20. Mai 2023 – Tag der Lebensmittel (Einkauf und Zubereitung)

Sonntag, 21. Mai 2023 um 8:09

Nachtschlaf ok, allerdings mit einem Loch um halb drei: Heftiger Herzschlag ließ mich nach einem Klogang erstmal nicht wieder einschlafen.

Ich stand auf zum typischem Maigrau 2023. Als Allererstes setzte ich Kartoffeln für Kartoffelsalat zum Abendessen (für zu Fleischpflanzerl) auf: Ich suchte die kleinsten aus dem dieswöchigen Ernteanteil aus, bei Pellen statt Schälen würde mehr Kartoffel übrig bleiben.

Nach Bloggen über Morgenkaffee und Duschen machte ich mich auf die erste Einkaufsrunde.

Dress for the temperatures you expect, not for the ones you have. – so sagt man doch. War in den fahlen Sonnenversuchen auch fast nicht zu kalt.

Ich kaufte gemischtes Hackfleisch beim Schlagbauer, entnahm einem handgemalten Plakat zum 95. Geburtstag des Seniorchefs, dass dieser seine Lehre in der Metzgerei Meixner in meiner Geburtsstadt Ingolstadt abgeschlossen hat (einst berühmt für ihren Leberkäs, wie alle Innenstadt-Metzgereien in Ingolstadt schon lang aufgegeben). Nächster Einkaufsstopp: Billigschokolade im Discounter. Ich wäre bereit für Erdbeeren gewesen, doch die am Standl waren riesig und hell – der Verzicht fiel mir leicht.

Daheim kurzes Verräumen, dann ging ich mit Herrn Kaltmamsell zu den Luxus-Einkäufen für den Rosentag am Sonntag zum Dallmayr: Sonntags ist die Auswahl an feinen Restaurants in München sehr gering, so hatte der Herr ein Picknick vorgeschlagen – hatten wir schon lang nicht mehr zum Rosentag gehabt. Genau an diesem Sonntag sollte es auch für ein paar Stunden sonnig und warm werden.

Beim Dallmayr sahen wir uns erst gründlich um, dann kaufte ich vor allem Feinkostsalate.

Als wir am Obst anstanden, kamen aus einer Innentür eine festlich gekleidete Dame mit kleinem, geschmückten Hut und ein Herr im StresemannCut. Sie verließen mit einem “hier können wir auch raus”, gemurmelt vom Herrn, den Verkaufsraum auf direktem Wege. Nun wundert mich in der Münchner Innenstadt, zumal im Dallmayr, nur wenig, und ich hakte “StresemannCut live im Einsatz sehen” von meiner Lebensliste ab (weit, weit hinter dem bereits abgehakten “Frack tragen”).

Später besorgten wir noch Frühstückssemmeln und in der Landwehrstraße syrisches Gebäck, im Bahnhofsviertel trafen wir Freunde – die den Anlass für Hut (sie nannten ihn “fascinator”) und Stresemann kannten: Am Odeonsplatz, 5 Fußminuten vom Dallmayr, heirateten gestern ehemalige bayerische Königs. Sehen Sie: So locker und liberal toleriert man in Bayern Parallelgesellschaften.

Daheim machte ich uns Cappuccinos, zum Frühstück aß ich ein Laugen-Zöpferl und Banane mit Joghurt.

Lektüre der Wochenend-Süddeutschen, dazwischen ging ich immer wieder in die Küche für Handgriffe am aufwändigen Walnussbrot, das ich zum Rosentag backen wollte. Den Weizensauerteig hatte ich über die Woche davor gründlich aufgefrischt.

Nochmal eine Runde Tüchtigkeit: Ich bügelte die Wäsche der vergangenen Wochen – kein warmer Frühling bedeutet wenig Bügelwäsche. Dabei hörte ich zunächst das RBB-Kultur-Interview mit Katja Berlin zu ihrem aktuellen Tortengrafik-Buch Wofür Frauen sich rechtfertigen müssen (empfehlenswert, auch weil sie über ihre Arbeitsweise spricht), dann eine Folge Resonator (Podcast-Reihe der Helmholtz-Gemeinschaft) vom Juni 2022: Ein knappes Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal sprach Holger Klein mit Prof. Christian Kuhlicke, der am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung das Department Stadt- und Umweltsoziologie leitet:
“Klimasichere Kommunen und Städte”.
Ein sehr informatives Interview über aktuelle Möglichkeiten, aber auch Grenzen des Hochwasserschutzes und die Rolle der Forschung darin (in Abgrenzung zu Politik und Verwaltung).

Weitere Brotback-Schritte, außerdem war ich ja fürs Abendessen zuständig: Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat.

Ich hatte sehr große Lust auf Rotwein, wir öffneten einen Prometus 2020 aus Castilla y León – war gestern genau das Richtige (passte allerdings gar nicht zum Essen).

Zum Nachtisch dann doch die ersten Erdbeeren der Saison: Die beim Dallmayr hatten meinen Ansprüchen genügt. Außerdem nach Langem mal wieder syrisches Gebäck vom Nawa.

Sorgen bereitete mir der Teig des Walnussbrots: Er ging vor lauter Sauerteig-Power bereits bei der Stockgare in der Schüssel sehr stark. Ich hatte die Übernacht-Gare im Kühlschrank geplant, und es war auch schon spät nachts – was ich aus Müdigkeit durchzog, obwohl meine Brotbackerfahrung mir sagte, dass dieser Teig nur noch eine kurze Stückgare im Gärkörbchen brauchte und dann gleich gebacken werden sollte. Hilft halt die ganze Erfahrung nichts, wenn sie nicht in den Tagesrhythmus passt.

die Kaltmamsell