Journal Mittwoch, 8. März 2023 – Abschied vom #Lindwurmessen mit Törtchen im Mokkaccino

Donnerstag, 9. März 2023 um 6:36

Zitat zum Tage:
“I do not wish women to have power over men; but over themselves.”
(Mary Wollstonecraft, 1792)
via @formschub

Der Plan, 15 Minuten längeren Schlaf zu genießen, klappte schon mal nicht: Ich wachte kurz vor sonstigem Weckerklingeln auf (hatte aber sehr gut geschlafen).

Erst mal zum Arzttermin: Rezepte abgeholt, Impfstatus checken lassen (es brauchte nur FSME-, genannt Zecken-Impfung, sonst sind alle Impfungen noch wirksam), für eine Corona-Auffrischungsimpfung hätte ich einen eigenen Termin benötigt, das erledige ich also lieber im Vorbeigehen in einer Apotheke. Dazwischen musste ich mit meiner Krankenversicherung telefonieren: Meine Versicherungskarte ließ sich nicht einlesen, die Praxis bat um Versicherungsbestätigung per Fax (dafür gibt es die also noch in den Praxen). Laut Krankenversicherung kommt sowas immer mal wieder vor, Lesegeräte zicken halt auch mal (ich sehe schwarz für die elektronische Patientenakte, die jetzt nach Beschluss 2003 doch mal eingeführt werden soll – ich hatte von Anfang an das Konzept eigentlich ungemein praktisch gefunden, dass meine Versicherungskarte alle Befunde und Untersuchungungen vereint, auf die beim Arztbesuch zugegriffen werden kann).

Späterer Fußmarsch in die Arbeit.

Im Büro zackiges Wegarbeiten von Geplantem und Ungeplantem, einer der Querschüsse war sogar unerwartet erfreulich, manchmal ist es geradezu rührend, wie sich das Arbeitsleben anstrengt sich anzubiedern.

Mittags im Regen raus zur Apotheke – aus anderen Teilen der Republik wurden Schneebilder gepostet.

Mittagessen: Hüttenkäse, drei Orangen (wir sind mit der 10-Kilo-Kiste fast durch, dann gibt’s endlich wieder auch anderes Obst).

Nachmittags wurde intensive Arbeit durch Technik ausgebremst, da ich es nicht zu spät werden lassen wollte, musste ich mich anschließend ranhalten.

Auf dem Heimweg zackige Einkäufe in Supermarkt, Drogeriemarkt, Vollcorner.

Westend-Idyll an der Schießstättstraße (seit Lektüre des Ludwigsvorstadt-Stadtführers weiß ich auch, warum sie so heißt).

Daheim nur schnelles Ausräumen, gestern schloss ich mit Herrn Kaltmamsell das #Lindwurmessen ab: Wir hatten uns seit Mai 2022 nacheinander durch alle Lokale mit Sitzgelegenheit an der Südseite der Lindwurmstraße von Sendlinger Tor westwärts bis Stemmerhof gefuttert, dann an der Nordseite wieder zurück.

Letzte Station war ein Café, das bis 20 Uhr geöffnet hat: Mokkaccino, an einer Innenwand stand “Mediterranean Bakery”.

Ausstattung barock-blumig, in den Auslagen wundervolle Torten und Törtchen (es gibt auch herzhaftes Gebäck, wenn auch wenig). Ich nahm zu meiner heißen Schokolade ein Törtchen “Mille feuille”, Herr Kaltmamsell ein Stück Baklava-Käsekuchen.

Beides ganz vorzüglich, die Wahl von Herrn Kaltmamsell war origineller: Die Kombination sehr süße Baklava-Füllung als Boden und Belag kontrastierte reizvoll mit der Quarkfüllung.

Daheim aß ich noch ein Stück Käse und selbstgemachtes Blaukraut-Kimchi (hervorragend), ein Croissant, das Herr Kaltmamsell nachmittags gemacht hatte, Schokolade. Die Laune wurde mir leider verhageln, als ich dabei ein großes Stück oberen Backenzahn verlor; nächste Woche habe ich zwar ohnehin einen Termin bei meiner Zahnärztin, die Stelle ist auch nicht verletzend scharfkantig, aber ich zerbrösle ungern.

Ins Bett zu heftigem Wind und Regen.

Als Resümee unseres #Lindwurmessens unsere drei jeweiligen Favoriten:

Herrn Kaltmamsells Favoriten, ungeordnet:

Öeins

Ederer

Jasmin

Meine – in keiner Hierarchie:

Osteria Il Ritrovo

Öeins

Jasmin

§

Auf republik.ch eine nützliche Zusammenfassung zum Immunsystem und den Flausen, die sich bei diesem Thema derzeit verbreiten.
“Was Sie nicht umbringt, macht Sie auch nicht stärker”.

Hat unser Immun­system in der Pandemie verlernt, mit Grippe und Co. umzugehen? Wie unsere Abwehr funktioniert und warum die Vitamin-C-Tablette wahrscheinlich nicht hilft.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 7. März 2023 – Morgens Ärger, abends Tanz

Mittwoch, 8. März 2023 um 6:45

Wieder eine etwas unruhige Nacht, in der ich immer wieder fast aufwachte. Doch morgens fühlte ich mich munter.

Der Morgenhimmel ließ sogar Sonne durch – mein erster Gedanke: Warmes Büro! So war es dann auch, ich fror (in dickem Pulli und Strumpfhose unter Hose) den ganzen Tag nicht und hatte warme Hände.

Aufregung und leider auch Ärger in der Arbeit, ich musste ernsthaft schimpfen. Das gehört dazu, macht mich trotzdem fertig. Bei erster Gelegenheit stürzte ich mich in Janker, Schal und Mütze, lief raus ins Helle, erst mal weg von allem Menschlichen auf einen Mittagskaffee. Im Beaver Coffee werde ich zwar inzwischen mit einem Quäntchen Erkennen begrüßt, aber weiterhin in Ruhe gelassen.

Im Hintergrund Westend-Idyll: Zufahrt zu einer der zahlreichen Hinterhof-Autowerkstätten, die es in den Münchner Vorstädten (zu denen alles außerhalb der Altstadt gehört) noch gibt.

Der Spaziergang hatte mich tatsächlich runtergeholt, zurück im Büro gab’s zu Mittag etwas Quark mit Joghurt und drei Orangen (allgemeine Würdigung, dass diese perfekt zu meinem Pulli passten, ich erklärte mich unwidersprochen zur style goddess).

Danach gab ich irgendwann die Versuche auf, Tagesgeschäft wegzuarbeiten: Der Nachmittag bestand ausschließlich aus Querschüssen.
ABER! Draußen war das Licht weiter freundlich sonnig.

Auf dem Heimweg machte ich einen Abstecher in den Body Shop unterm Stachus. Ich kam reichlich erledigt heim, musste mich aber gleich umziehen (Sport-BH, Strumpfhose weg): Lindy-Hop-Tanzkurs.

Es war die letzte Tanzstunde unseres Anfänger-B-Blocks, wir wiederholten nochmal die 8-count-Figuren, die wir gelernt hatten, lernten neu ein Damen-Solo mit Twists – das ist meine Bezeichnung: Es scheint im Lindy Hop sehr wenige feststehende Begriffe zu geben, was die Kommunikation spürbar erschwert. Herr Kaltmamsell recherchiert zwischen den Stunden immer nach, doch es gibt einfach sehr viele Varianten und Traditionen. Ist halt kein Wettkampfsport, der ein Regelwerk mit festen Definitionen bräuchte.

Wieder tanzte ich mich sehr unterschiedlichen Leadern und freute mich, wenn mein Folgen die andere Person so sicher machte, dass er oder sie zu variieren begann. Ich habe ohnehin sehr großen Respekt vor der Anforderung an die Leader, sich nach jedem Partnerwechsel innerhalb weniger Schritte auf eine neue Follwer einzustellen, unter anderem einzuschätzen, wie sie sich am besten führen lässt.

Jetzt erst mal Tanzpause: Den letzten C-Block der Anfängerkurse haben wir zwar bereits bezahlt, warten damit aber bis nach unserem Urlaub, der in den Anschlusskurs fällt.

Zurück daheim war ich eigentlich lang jenseits von Hunger, freute mich dann aber doch über den Ernteanteil-Wirsing, den Herr Kaltmamsell angemessen totgekocht und gebunden mit Kartoffeln und Ingolstädter Bauernwürscht servierte (hatte ich beim jüngsten Besuch dort gekauft und eingefroren). Und über die anschließende Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, den Wecker 15 Minuten vorgestellt, weil ich Mittwochmorgen später als sonst aus dem Haus muss.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 6. März 2023 – Grau und langweilig

Dienstag, 7. März 2023 um 6:33

Etwas unruhige Nacht, aber nach all den guten kein Grund zur Sorge – oder für Tagesmüdigkeit.

Der Himmel zeigte sich beim Hellwerden bleiern, die Luft kalt.

Beim Bürolüften (das ist immer das erste, was ich morgens tue) festgestellt: Nicht die leiseste Spur Frühling in dieser Luft.

Arbeitsvormittag voller Besprechungen, Vorbereitung/ Nachbereitung von selbigen, nichts davon einfacher mit einer E-Mail gelöst. Gestern war mein Gemüt zum Glück so eingestellt, dass ich daraus vor allem die Genugtuung zog, ordentlich was weggeschafft zu haben.

Mittagessen gab es umstände- und appetithalber erst nach halb zwei: Restliches Rote-Bete-Gemüse (SO gut! das ist hiermit meine derzeitige Lieblingszubereitung von Roter Bete), eine Orange.

Nachmittags ging es emsig weiter, gebremst nur durch das eine oder andere Systemhindernis, ich musste einige Handgriffe verschieben.

Das graue Draußen verhinderte ein Aufwärmen des Büros; mit langärmligem Shirt unterm Wollkleid und mit Kaschmir-Strumpfhosen ging’s, aber warme Hände hatte ich zu keinem Zeitpunkt.

Zum Aufwärmen ging ich recht zackig nach Hause. Dort füllte ich eine Waschmaschine, dann turnte ich eine Dehn-Einheit Yoga mit Jessica Richburg.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Lauch aus Ernteanteil als Nudelgericht mit viel Parmesan, schmeckte sehr gut. Danach reichlich Schokolade. Ich ging nach Wäscheaufhängen früh ins Bett zum Lesen.

§

Claudia Haessy nutzt ihr sonst brach liegendes Blog für einen Ausbruch über Unflätigkeiten und Lästereien im öffentlichen Web.
“Keine Lust mehr.”

via @jawl

Schließlich ist das Internet kein geschlossener Raum, sondern öffentlich. Man wird ja nicht müde, genau das zu betonen.

Und auch wenn wir uns im analogen öffentlichen Raum nie bis selten so sehr verbal entblößen, uns in Gespräche einmischen, die im Restaurant am Nachbartisch gemacht werden, uns vor Straßenmusiker hinstellen und ihnen laut zurufen, dass sie hässlich sind und fett und ihre Musik kacke, zu jemandem bei Thalia an die Kasse gehen und ihm sagen, dass wir seine Buchauswahl bescheiden bis beschissen finden und er doch mal lieber mit ’nem Duden anfangen solle – gibt es in Bezug auf die digitale Öffentlichkeit keine Grenzen und kaum Regeln des einvernehmlichen Benehmens.

(…)

Ich habe keine Lust mehr, fünfmal zu überlegen, ob ich das so schreiben kann, oder ob ich dann eine SMS von Maren-Elisabeth, der Elternvertreterin, bekomme, eine neurotische Mail von meinem Ex oder direkt einen Termin bei meinem Vorgesetzten. Ich habe keine Lust mehr, dass ich das Gefühl habe, auf verschissenen Eierschalen herumstaksen zu müssen, während Friedrich Merz konsequenzlos all den Unsinn sagen darf, der ihm morgens beim Frühstück so einfällt.

Ich habe keine Lust mehr, auf Menschen Rücksicht zu nehmen, die mich nicht kennen, sich aber zum festen Vorsatz genommen haben, andere misszuverstehen und ihre ungaren Gedanken und Meinungen mit einer Begeisterung weiter zu tratschen, als gäbe es dafür eine Auszeichnung.

Ich hab’s ja noch Gold mit meinem Blog hier, doch es hat halt Gründe, warum ich auf Moderation von Erstkommentaren umgestellt habe und auf Twitter seit vielen, vielen Jahren nicht-öffentlich schreibe. Das merke ich, weil ich auf Mastodon die verschiedenen Sichtbarkeits-Stufen noch nicht beherrsche und hin und wieder genau so blöd wie oben beschrieben von der Seite angeredet werde – was mir außerhalb des Internets nie passiert.

§

Das haben Sie sich sicher auch seit Jahren gefragt, während Sie auf ihr Teewasser warteten – hier die Antwort vom SWR:
“Warum sind Wasserkocher so laut?”

Schon mal nicht schlecht. Und jetzt: Warum zischt bereits gekochtes und dann abgekühltes Wasser (z.B. aus der Wärmflasche) von Anfang an im Wasserkocher im Gegensatz zu noch nie gekochtem Wasser, das erst nach einer Weile Geräusche macht?

§

Prof. Aladin El-Mafaalani ist seit 2019 Ordinarius für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft an der Universität Osnabrück. Auf Tiktok hat er ein interessantes Stück seines Vortrags zum Stand der Einwanderung in Deutschland abgelegt.
via Crocodylus

Dass er die geltende Definition von Migrationshintergrund als “dysfunktional” bezeichnete, hatte ich erwartet – sie ist nutzlos für das Erfassen oder gar Analysieren gesellschaftlicher Strukturen und Probleme. Eher wunderte mich, dass er sie “das Beste, was wir derzeit haben” ansieht.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 5. März 2023 – #WMDEDGT

Montag, 6. März 2023 um 6:23

An jedem 5. des Monats fragt Frau Brüllen: “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?”, #WMDEDGT. Die Antworten im März 2023 sind hier gesammelt.

Lang und gut geschlafen.

Zum Bloggen trank ich erst Milchkaffee und ein Glas Wasser, dann eine große Tasse Schwarztee mit Milch.

Mit einer Dankes-E-Mail an die Verkäufer-Firma beendete ich unsere Sofa-Geschichte. Bei der Montage im Dezember hatten wir einen der vier Füße nicht anschrauben können: Die Löcher dafür im Boden des Corpus lagen unerreichbar für die Löcher im Fuß (egal welchem). Erst als mein Handwerker-Vater sich die Sache angesehen hatte und urteilte “Geht nicht”, war ich mir sicher, dass das Problem nicht an Herrn Kaltmamsell und mir lag. Doch wir hatten eine stabile Lösung gefunden. Ich schrieb die Verkäufer-Firma also lediglich an, um sie zu informieren, dass ein fehlerhaftes Produkt geliefert worden war, siehe Foto im Anhang.

Der Kundenservice meldete sich umgehend, bat um weitere Fotos und Abmessungen, kümmerte sich, schlug Umbauten vor (die nicht funktionierten) – und ließ letztendlich einen neuen Corpus liefern, der alte wurde auf meine Bitte gleich mitgenommen. Das passierte am Freitag, am neuen Corpus ließen sich alle Füße problemlos einschrauben, herzlichen Dank. Das war insgesamt nervig viel Aufwand, um an ein neues Sofa zu kommen, aber Fehler passieren nun mal, ausschlaggebend ist der Umgang damit – und der war vorbildlich.

Dann buchte ich eine Unterkunft für unseren Wander- und Besuchsausflug nach Goslar – das war einfach, wir konnten auf freundschaftliche Vorrecherche und Empfehlung vor Ort zurückgreifen.

Seit Twitter verödet, lese ich nicht nur mehr Bücher, sondern werde an Wochenendmorgen auch nicht mehr so lange vom Sport abgehalten.

Gestern wählte ich für meine Laufrunde die Mehr-Netto-vom-Brutto-Strecke1 fast ab Haustür – recht bang, denn die Schwimmkrämpfe vom Vortag hatten schmerzende Waden hinterlassen.

Es war ziemlich kalt und konsequent trüb, doch ich lief leicht, meine Waden machten keinerlei Probleme, und nur Vernunft hielt mich ab, die Leichtigkeit für mehr als 90 Minuten Joggen zu nutzen.

Am Westermühlbach.

Blick auf Braunauer Eisenbahnbrücke und Kraftwerk im Abbau.

Sehr niedriger Wasserstand der Isar, hier von der Brücke Maria Einsiedel.

Das Plakat auf dem Häusl zeigt die nebengelegene Brücke Maria Einsiedel. Wenn ich jetzt noch von diesem Foto ein Plakat anfertigte und das vorhandene damit überklebte, wäre es fast Kunst.

So gut sieht man St. Stephan am Alten Südfriedhof nur bei kahlen Winterbäumen.

Als ich heimkam, turnte Herr Kaltmamsell gerade im Wohnzimmer Yoga mit Adriene, ich zog mich diskret in die Küche zum Wassertrinken zurück. Nach dem Duschen bat ich erst mal um eine Tasse Filterkaffee und genoss sie. Um zwei gab es dann Frühstück: Rote Bete vom Vorabend, Aloo Gobi vom Freitagabend, Apfelkuchen.

Zeitunglesen bis zur Telefonabredung mit meinem Bruder: Wir besprachen Details des Großfamilienurlaubs in Madrid und Sepúlveda, verabredeten uns fürs nächste Wochenende, wenn ich für eine Feier eh in Ingolstadt bin. Passend zum Thema schreibt die Süddeutsche dieses Wochenende über das verschwindende Skigebiet zwischen Madrid und Sepúlveda, Puerto de Navacerrada (€) – der Grund, warum so viele Madrilenen beim großen Schnee 2019 eigene Skier auspacken konnten:
“Und was kommt après Ski?”
(Der dort beschriebene Naturpark Peñalara, der das Skigebiet ersetzt, kam gleich mal auf die Programmliste.)

Kurz darauf Telefonat mit meinen Eltern zu Feier nächstes Wochenende und zum Großfamilienurlaub – langsam glaube ich, dass das wirklich wahr wird.

Weitere Zeitungslektüre, dazwischen übte ich Lindy Hop mit Herrn Kaltmamsell.

Erste Versuche, die Aktualisierung meines Führerscheins online zu beantragen, erste Schritte Richtung BayernID – nach vergeblichem Download zugehöriger Apps vorerst abgebrochen.

Vor dem Abendessen war noch Zeit für eine Runde Yoga, ich dehnte vor allem meinen Oberkörper.

Als Nachtmahl gab es Linsen (Herr Kaltmamsell) und Chicoree-Orangen-Salat mit Ernteanteil-Kresse, den ich zubereitet hatte.

Danach reichlich Schokolade.

§

Zur bayrischen Landespolitik gehört auch das bayerische politische Kabarett, zum Beispiel beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg. Zum diesjährigen solchen eine schöne Außensicht in der taz:
“‘All You Need Is Olaf'”

§

In der Wochenend-Süddeutschen auch ein sehr bewegender Artikel (€ – dabei wäre es so wichtig, dass möglichst viele Menschen ihn lesen):
“Wir waren immer da”.

Wenn heute über schwule oder lesbische Personen gesprochen wird, stehen meist junge Menschen im Vordergrund – als wäre Queersein ein Trend. Diese vier Geschichten von queeren Menschen über 80 aber zeigen: Es gab sie schon immer.

Es ist und bleibt für mich unfassbar und regt mich furchtbar auf, was die Gesellschaft ihnen angetan hat.

§

Wie ich lernte, dass ich Hazel Brugger in Angehübscht nicht erkenne.

Das verlinkte Video ist durchaus sehenswert.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/_VtgqYFqDLc

Ich glaube ich überlege mir das mit dem Frausein nochmal.

  1. Ich nehme an, Sie haben diese Formulierung schon längst über, aber ich freue mich immer noch über den Einfall, da müssen Sie halt durch, irgendwann wird sie auch mir über werden. []
die Kaltmamsell

Journal Samstag, 4. März 2023 – Backerfolg, Schwimmgereiztheit

Sonntag, 5. März 2023 um 9:19

Nach mittelguter Nacht mit düsterem Herzen aufgewacht. Beim Ausräumen der Geschirrspülmaschine trotz korrekter Spültab-Funktion auf viel schmutziges Geschirr gestoßen, ich musste von Hand nachspülen. Bei dieser Gelegenheit reinigte ich das Filtersieb, das aber nicht auffallend verschmutzt war.

Nach dem Bloggen buk ich den geplanten gestürzten Apfelkuchen aus verschiedenen Sorten Heimgarten-Lageräpfeln – in kleinerer Form, weil weniger Äpfel zur Verfügung standen. Vom Rührteig bereitete ich die ganze Portion zu, verwendete lediglich nicht allen für den Kuchen, sondern zweigte zwei Extra-Muffins ab.

Nach meinen spektakulären Back-Fiaskos der jüngeren Zeit war ich beruhigt: Ich kann’s noch.
Rechts das handgeschriebene Backbuch, in dem ich ab Teenagerjahren bis zum Ende meiner Dreißiger Rezepte notierte, Kuchen, Torten, Kleingebäck, Nachspeisen, von der anderen Richtung auch herzhafte Gerichte – dann übernahm diese Funktion mein Blog ganz.

Durchs Kuchenbacken kam ich eher spät zum Schwimmen los. Gut, dass ich erst noch rausging, um Fahrradreifen aufzupumpen: Der Sonnenschein hatte mich die Temperatur überschätzen lassen.

Im Schwimmbecken (mittel besetzt) kam ich leider nicht zur Ruhe und in den Fluss. Zum einen war ich gereizt und dadurch bereit, selbst Kleinigkeiten doof zu finden (z.B. den stark gemusterten Schwimmanzug einer anderen Schwimmerin, der mich sowas von gar nichts anging), zum anderen wollten meine Beine krampfen, taten’s dann auf den letzten 600 von 3.000 Metern auch: Zehen nach oben, Zehen eingerollt, untere Wade. Hörte immer wieder von selbst auf, verhinderte aber Spaß.

In der Dusche rubbelte ich mich mit meinem Peeling-Handschuh ab, ein wenig melancholisch, weil mir kein Fotomotiv für #swimstagram eingefallen war. Bis ich den Blick hob.

(Für die Aufnahme hastete ich ins Handtuch gewickelt an meinen Spind, holte das Smartphone raus, sperrte wieder zu, nahm das Foto auf.)

Sonniges Heimradeln mit Extrarunde fürs Semmelholen: Die zunächst angesteuerte Bäckerei Wünsche hatte vier Minuten vor meiner Ankunft geschlossen, also wurde es ein Wimmer.

Frühstück um halb drei: Eine Semmel mit sehr guter Landleberwurst aus dem Glas, drei Stück Apfelkuchen.

Am Nachmittag unter anderem Handarbeiten: Einmal schloss ich ein Loch in der Ärmelnaht meines schwarzen Lieblingsoberteils seit 20 Jahren, unersetzlich. Und dann ein Rocksaum – einerseits bin froh, dass ich irgendwann Säumen gelernt habe (ist nicht schwer), andererseits verärgert, dass ich es bei einem Rock anwenden muss, den ich erst viermal getragen hatte.

Eine Runde Yoga, ich hatte mir nach dem mittäglichen Schwimmen eine halbe Stunde Dehnen mit Maddy Morrison rausgesucht.

Zum Nachtmahl bereitete Herr Kaltmamsell die Rote Bete aus Ernteanteil mit Schmand und frisch gemahlenen Gewürzen nach einem Rezept aus dem Klosterkochbuch zu (in der Version ohne Sauerkraut, schmeckte ausgezeichnet), und wir teilten uns ein Entrecôte.

Dazu öffnete ich eine Flasche Wein: Der Septentrion 2016 der Bodega Pagos de Obanos erwies sich als der erste navarreser Rotwein aus dem selbst zusammengestellten Probierpaket (und den in San Sebastián gekauften), der mir richtig schmeckte – unaufdringlich und wirklich trocken, Thymian, Nelke und Pfeffer am Gaumen. Nachtisch Schokolade.

Daneben ließen wir einen Bollywood-Film laufen, In guten wie in schweren Tagen, um sowas auch mal gesehen zu haben. Es gab erfreulich viele Tanzszenen!

Im Bett begann ich die Lektüre eines Romans, den Novemberregen auf Goodreads empfohlen hatte: Claire North, Notes from the Burning Age, ich hatte mal wieder Lust auf speculative fiction. Noch muss ich mich in der phantastischen Welt mit einigen erfundenen Begriffen zurechtfinden.

§

Roman Deiniger bereitet die Nation (und seine Kolleg*innen in den Redaktionen) auf den bayerischen Landtagswahlkampf vor, vor allem auf das Verhalten der CSU (€):
“Braucht es die überhaupt?”
(Die Überschrift der Print-Ausgabe lautet passender “Witz und Wahn”.)

Deiniger warnt davor, weiterhin auf die Taktik der CSU reinzufallen, durch möglichst abstruse Aussagen und Forderungen einerseits das Klischee der hinterwäldlerisch lächerlichen Bayern zu erfüllen, andererseits die Aufmerksamkeit in Form von Aufregung und/oder Amüsement hoch zu halten.

Wie umgehen mit der CSU? Das ist eine Problematik, mit der man sich im Jahr der bayerischen Landtagswahl rechtzeitig und präventiv befassen sollte, genau wie man nach Kräften Vorkehrungen für Starkwetterereignisse trifft. Denn Söders Wahlkampf wird unausweichlich über das Land hereinbrechen, und kein Nordlicht soll glauben, dass geografische Gnade es ihm oder ihr dann erspart, die Aschermittwochs-Hits bis zum Wahltag am 8. Oktober in heavy rotation zu hören.

(…)

Die erste Lektion einer Anleitung zur Wahrung der geistigen Gesundheit im bayerischen Wahljahr muss deshalb die Anerkenntnis der Tatsache sein, dass ein Söder sich, wo nötig, rhetorisch auch mal frei macht von den Fesseln der Logik, genau wie Generationen von CSU-Anführern sich nicht an all die Konventionen der öffentlichen Rede gebunden fühlten, die andere Politiker zu unterschiedsloser Mittelmäßigkeit zwingen. Es ist genau dieser libertäre Umgang mit Fakten und Kausalitäten, der es Söder in Passau erlaubte, ungeniert den “Ampel-Minions” Vorwürfe wie diesen zu machen: “Wie absurd ist es eigentlich, lange an der Maske im Zug festzuhalten, aber die Droge auf der Straße gut zu finden?”

Wer hier die Vernunft vermisst, der muss sich bewusst machen: Mit Vernunft hat Söder es wirklich lange genug versucht. Seiner Neuerfindung der CSU in der ökologischen Mitte fehlte einfach die Unterstützung – in der CSU.

(…)

Die CSU hat ihre Wählerinnen und Wähler über die Jahrzehnte so nachhaltig an Affären und Skandale gewöhnt, dass der gerechte Zorn, der manchmal – Söder würde sagen – “norddeutsche Redaktionsstuben” erfüllt, zwischen Spessart und Karwendel nicht im gleichen Maße geteilt wird. Wir Journalisten haben schon so manchen Tropfen als jenen auserkoren, der das Fass zum Überlaufen bringt (für die Älteren: #bayernlb); es war dann aber doch nur irgendein Tropfen in einem offenbar ziemlich großen Fass.

(…)

Wer diesen Mann [gemeint ist Söder] professionell oder gar aus privater Leidenschaft beobachtet, sollte das mit unbeugsamer Gelassenheit tun. Wir Journalisten haben alle korrekt analysiert, dass Söder und seine Partei derzeit bundespolitisch so was von abgemeldet sind. Das hindert uns freilich nicht daran, aus gefühlt jeder zweiten Söder-Kachel bei Instagram eine Geschichte zu machen. Söder, ein Freund der Tiere und kein Freund falscher Bescheidenheit, hat das mal so formuliert: “Eine schlanke Gazelle geht unbemerkt durch den Busch. Größere Tiere hinterlassen immer einen Pfad.”

Mal abgesehen davon, dass Söder im sechsten Lebensjahrzehnt in der Tat alles Gazellenhafte abgelegt hat: Die Aufmerksamkeit, die Söder im Netz zuteil wird, weil er Kamala Harris am Münchner Flughafen eine weiße Rose überreicht, bekäme Daniel Günther nicht, wenn er in Kiel in der Holstenstraße nackt Krabben pulen würde.

Das wird ein schweres Jahr für uns hier in Bayern.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 3. März 2023 – Arbeitswochenabschluss mit Abendgast

Samstag, 4. März 2023 um 8:19

Kalter, nasser Nebel, aber egal, weil FREITAG \o/

Streetart auf der Theresienhöhe für mehr Bunt im grauen Morgen.

Ruhige Arbeit, interessante neue Details. Eigentlich hätte ich mich über einen Spaziergang zum Mittags-Cappuccino gefreut, aber das Draußen sah so trüb aus, dass ihn mir dann doch in der Betriebs-Cafeteria holte. Mittagessen Äpfelchen, Bircher-Muesli mit Joghurt, Orangen.

Nachmittags zeigte sich trübe Wintersonne.

Pünktlicher Feierabend, Heimweg über ein paar Lebensmitteleinkäufe im Vollcorner. Daheim machte ich mich gleich an Abendessens-Vorbereitungen, wir hatten einen Gast. Ich war für den ersten Gang zuständig: Artischocken mit Dips, zusätzlich zur klassischen Knoblauch-Joghurt-Majo versuchte ich, die Petersilien-Zitrus-Vinaigrette der Brasserie Colette nachzubauen (wurde ein guter Dip, aber kein Vergleich zum Original).

Als der Gast eintraf, stießen wir mit Negronis auf das Ende der Arbeitswoche für uns beide an, Herr Kaltmamsell hatte ebenfalls eine sehr umtriebige Woche mit vielen Terminen hinter sich. Er servierte nach den Artischocken als Hauptgang auf meinen Wunsch das Blumenkohl-Curry Aloo Gobi, derzeit meine liebste Form von Blumenkohl und auf der Liste meiner Lieblings-Currys ganz weit oben.

Wir hatten schöne Stunden zusammen, ich freute mich sehr über diese Verbindung, die auch schon in wenigen Wochen eine Fortsetzung bekommt.

§

Teil meiner Urlaubsvorbereitung ist immer, dass ich mir den Zielort auf die Wetter-App hole. Bei Madrid im April ist das nicht so: Madrid habe ich immer auf der Liste und sehe hin und wieder einfach so nach, wie das Wetter dort gerade ist. (Außerdem immer auf meiner Liste: Brighton und Berlin.)

§

Der nächste internationale Frauentag droht am 8. März. Die britische Berufsfeministin Sophie Walker listet in einem Twitter-Thread Tipps für daran teilnehmende Unternehmen auf, die sie an den restlichen 364 Tagen im Jahr befolgen sollten – nicht an dem Tag, an dem sie Frauenrechte für Marketing nutzen. Diese Tipps sind so schön (und lustig), dass ich sie hier übersetze.

via @stedten*hopp

1. Bezahlen Sie weibliche Referentinnen. Benchmark sollte ungefähr die jüngste Rechnung eines männlichen Top-Consultants sein. Wenn Sie Frauen mit der Organisation dieses Events beauftragen, zahlen Sie ihnen Überstunden, ungefähr in der Höhe der jüngsten Spesenabrechnung Ihres Top-Verkäufers.

2. Stellen Sie nichts in Rosa her.

3. Verkneifen Sie sich auf jedem Podium folgende Fragen:
a) Aber ist das wirklich ein Problem?
b) Und was ist mit den Männern?

4. Wenn Sie eine Abendveranstaltung planen: Stellen Sie Kinderbetreuung vor Ort zur Verfügung oder bezahlen Sie Babysitter. Entlohnung für Letzere etwa in der Höhe eines Tagessatzes Ihres besten männlichen Consultants.

5. Überprüfen Sie den Pay Gap in Ihrerm Unternehmen. Sagen Sie dann alle geplanten Frauentags-Veranstaltungen ab und räumen Sie erstmal intern auf. @PayGapApp ist immer im Dienst, sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.

6. Wenn Sie zahlreiche Fotos Ihrer Belegschaft zum Frauentag planen, stellen Sie sicher, dass eines davon im Stil einer 80er-Popband aufgenommen wird.

7. Ein Social-Media-Slogan, wie sehr Sie die Frauen in ihrer Belegschaft wertschätzen, reicht nicht: Wenn Sie weibliche Talente in Ihrem Unternehmen feiern wollen, geben Sie allen Frauen den Tag frei (bezahlt) oder bitten Sie alle Männer in ihrem Unternehmen, früher Feierabend zu machen und die Kinder abzuholen.

8. Vermeiden Sie Hinweise, dass Gleichberechtigung zu einem sanfteren, freundlicheren Arbeitsleben führt. Eine Umarmung nach einem schwierigen Meeting etc. Frauen sind nicht von Geburt an empathisch. Meistens und vor allem jetzt sind sie ausgesprochen angefressen. Es würde Ihnen sehr schaden, das zu ignorieren.1

9. Sehen Sie sich Ihre Selbstverpflichtungen vom Vorjahr an, also die zur Erhöhung des Anteils weiblicher Führungskräfte im Vorstand, im Aufsichtsrat, im Managament, in ihrer Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Wenn Sie diese Selbstverpflichtung nicht erfüllt haben, gehen Sie zurück auf 5., Absage aller Frauentagsveranstaltungen ist jederzeit möglich.

10. Wenn Sie sich an irgendeinem Punkt des 8. März fragen, WARUM TUE ICH DAS EIGENTLICH – Gratulation, Sie sind endlich über die wichtigste Regel für das Feiern des Frauentags gestolpert: Tun Sie nichts, ohne vorher all die Frauen, die Sie die restlichen 364 Tage des Jahres als selbstverständlich hinnehmen, vorher nach ihren Wünschen und Forderungen zu fragen.

PS 10a. Bieten Sie auf keinen Fall jemals zum Frauentag Kurse für Frauen an, in denen sie männliches Selbstvertrauen lernen sollen, die Gehaltsverhandlungskünste der Männer, die Tipps vermitteln, um an die Beförderung zu kommen, die ständig männliche Kollegen trifft.

Zusatztipp:

  1. Innerlich stehe ich immer noch mit offenem Mund da, seit ich erstere Aussage vor ca. 12 Jahren von einer Dax-Unternehmen-Personalchefin hörte. []
die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 2. März 2023 – Fotodiskussionen im Bürgerbüro

Freitag, 3. März 2023 um 6:38

Wieder ein verwirrend irregulärer Tag. Der Morgen verlief schon mal ungewohnt, weil ich mit dem Fahrrad in die Arbeit fuhr: Nicht etwa dem gestrigen und heutigen Streik im Öffentlichen Nahverkehr Münchens geschuldet, sondern einem Termin im Bürgerbüro in der Mittagspause, zu dem ich damit am schnellsten kam. Ich hatte mich fürs Radeln tiefwinterlich eingepackt, wäre bei Temperaturen knapp über Null (Pfützen nicht gefroren) und Sonne nicht mal nötig gewesen.

Turbulenter Arbeitsvormittag, unter anderem würzte das neue IT-System die Routine durch wieder komplett neue und an dieser konkreten Stelle ganz sicher nicht erwartete Dysfunktionalität.

Mittags radelte ich also durch die Sonne zehn Minuten zu meinem Termin im Bürgerbüro, um ablaufenden Personalausweis und Reisepass neu zu beantragen. Nach nur kurzer Wartezeit saß ich einem gelassen freundlichen jungem Mann gegenüber – der erst mal meine Automatenfotos nicht akzeptierte, der Hintergrund sei nicht einfarbig. Ich musste neue Fotos im Automaten vor Ort machen, auf seinen Tipp hin ohne Brille und mit sichtbar geschlossenem Mund – für mich sah der Hintergrund nicht einfarbiger aus als auf den mitgebrachten Bildern, ich zickte ein wenig rum.

Diese Fotos hatte ich mitgebracht, Hier monierte er unter anderem mehrfarbigen Hintergrund und Reflexe in den Brillengläsern (die ich nicht sehe).

So sei das korrekt. Also sollte die Bundesdruckerei ihre Mustertafel überarbeiten.

Doch die freundliche Gelassenheit des Herrn wirkte über die folgenden Verwaltungsschritte hinweg. Unter anderem musste ich ein eigenes Blatt unterschreiben, dass das wirklich meine Unterschrift sei, obwohl man daraus meinen Namen nicht lesen kann – ich kenne nicht viele Unterschriften, die das ermöglichen, erinnerte mich aber an mindestens eine Amtshandlung, bei der man mich gezwungen hatte, nicht meine Unterschrift, sondern meinen von Hand geschriebenen vollständigen Namen zu hinterlassen, so sehr ich auch betont hatte, dass das aber nicht meine Unterschrift sei.

Jetzt aber plauderten wir mit der Zeit herzerfrischend über jeweilige Familiengeschichte, ich hinterließ Tipps, wie man Großeltern zum Erzählen bekommt (eben nicht über “Erzähl doch mal!”, sondern mit Detailfragen wie “Hat dir das deutsche Brot geschmeckt? Wo hast du damals eingekauft?”). Das war sehr nett – dass seine Kollegin an der Kasse, bei der ich insgesamt 97 Euro für beide Dokumente zahlte (!), mich nicht mal ansah, war dann egal.

Zurückgeradelt ins Büro durch fortgesetzten Sonnenschein, am Schreibtisch Mittagessen: Pumpernickel mit Butter, Orangen. Weiterarbeit bis Feierabend, die Sonne hatte das Büro genug für warme Hände aufgeheizt.

Auf dem Heimweg Stopp beim Süpermarket Verdi für Gemüseeinkäufe: Schon mal für das Abendessen am Freitag. Daheim eine lange Runde Yoga. Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Spaghetti Carbonara, gut. Nachtisch Schokolade.

Neues zu VG Wort, auch als Hinweis für die dort angebundene mitlesende Bloggeria: Seit Ende Januar warte ich auf die jährliche Nachricht, dass mindestens einer meiner Blogposts 2022 die Mindestzugriffszahl für eine Ausschüttung von VG-Wort-Tantiemen erreicht hat (kurze Hintergrundinfo, weil viele Menschen dazu ein falsches Bild im Kopf haben: über diese Mindestzugriffszahl hinaus gibt es kein Geld für noch mehr Zugriffe, und seien es auch hundert Mal so viele – A-Blogs bekommen pro Blogpost nicht mehr Tantiemen als ich). Herr Kaltmamsell tat das Schlaue und guckte auf der (byzantinisch komlexen) Website der VG Wort nach: Es wurde sehr wohl bereits durchgezählt, die Links der Posts und sonstigen Angaben für Meldung sind unter “Zählmarken recherchieren” mit den entsprechenden Filtern aufgelistet (in einem überarbeiteten System, das ähnlich verwirrend ist wie das vorherige, aber bunter – und tatsächlich schneller); es wurde wohl dieses Jahr einfach keine Nachricht verschickt.

§

Dieser als “Streitgespräch” veröffentlichte Austausch in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geht mir seit Lektüre vor zwei Wochen nach (€):
“Was taugt die Wärmepumpe wirklich?”

Gesprächspartner sind der Forscher und Ingenieur Marek Miara vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und der Ökonom Manuel Frondel, Leiter des Bereichs Umwelt und Ressourcen am Wirtschaftsforschungsinstitut RWI. Es geht mir deshalb nach, weil hier aus meiner Sicht zwei grundsätzliche, auch politische Perspektiven und Prioritäten aufeinanderprallen. Miara führt als Argumente Energieeffizienz und die drohende Klimakatastrophe an: “Wenn wir immer mit allem warten, bis wir ein globales Klimaschutzabkommen haben, dann wird es zu spät sein.”
Frondel immer wieder die Kosten für den Endverbraucher unter Berücksichtigung von aktuellen staatlichen Förderungen: “Nicht die Energieeffizienz zählt. Es kommt auf die Kosteneffizienz an. Und da ist es unklar, welche Technologie sich in Zukunft in Abhängigkeit von den Emissionshandelspreisen als die kostengünstigere durchsetzt.”

Die eine Perspektive priorisiert die Lösung eines globalen, gesamtgesellschaftlichen Problems, die andere den individuellen (und kurzfristigen) Eigennutzen. Ich nehme an (und werde mich mal nach Forschungsdaten dazu umsehen), dass genau dieser Blickwinkel die unterschiedlichen Wahlentscheidungen der Bürger*innen prägt – und dass diese unterschiedlichen Prioritäten in allen Altersgruppen gleich verteilt sind (selbstverständlich auch in Mischformen). Will auch heißen: Eine FDP und ein Verkehrsminister Wissing leugnen den menschengemachten Klimawandel keineswegs; sie halten lediglich kurzfristiges Eigeninteresse für wichtiger und vertreten Wähler*innen mit gleicher Haltung.

§

Ich finde es ja immer schön, wenn etablierte wissenschaftliche Grundlagen neu untersucht werden, genau das ist nämlich Wissenschaft. Selbst lasse ich zum Beispiel regelmäßig Dinge fallen, um die Erdanziehungskraft zu überprüfen (und verschenke zu Hochzeiten gerne richtig scheußliche Hinsteller, expliziter Einsatzzweck Schwerkrafttester) (Sie glauben ich scherze? ich kann Referenz-Paare nennen). Und immer wieder erweist sich die eine oder andere Grundlage bei Gegencheck als Blödsinn. Zum Beispiel, dass Wolfsrudel eine Hierarchie mit Alpha-Tier an der Spitze haben.
“Is the Alpha Wolf Idea a Myth?”

It turns out that this is a myth, and in recent years wildlife biologists have largely dropped the term “alpha.” In the wild, researchers have found that most wolf packs are simply families, led by a breeding pair, and bloody duels for supremacy are rare.

(…)

This terminology arose from research done on captive wolf packs in the mid-20th century—but captive packs are nothing like wild ones, Mech says. When keeping wolves in captivity, humans typically throw together adult animals with no shared kinship. In these cases, a dominance hierarchy arises, Mech adds, but it’s the animal equivalent of what might happen in a human prison, not the way wolves behave when they are left to their own devices.

die Kaltmamsell