Journal Mittwoch, 2. Oktober 2019 – Regen und Schokokuchen

Donnerstag, 3. Oktober 2019 um 11:05

Mittelgute Nacht. Das Wetter war umgeschlagen und düster. Auf meinem Weg in die Arbeit begann es zu regnen, ich wurde feucht.

Arbeit in der Arbeit. Für die langen und oft sehr fundierten Diskussionen zur Interpretation wichtiger E-Mails konnte mich selbst mein Literaturstudium nur unzureichend schulen: Es hätte zusätzlich ein Psychologie-, Soziologie- und Marketing-Studium gebraucht.

Viele Schmerzen in der Arbeit (Hüfte runter zum Knöchel in jeder Haltung) trotz Beinaushängen, ich hatte bereits Visionen davon, mittags für ein entspannendes Vollbad heim zu fahren. Das Aua wurde erst gelindert, als ich meinem Bedürfnis nach Brustmuskeldehnung nachgab (Sie erinnern sich: Ich versuche zum ersten Mal im Leben auf meinen Körper zu hören) und die Arme angewinkelt nach hinten drückte: Da krachte es im Brustkorb und mein Bein schmerzte deutlich weniger. Ich kann mittlerweile verstehen, wenn Menschen mit orthopädischen Problemen zu Esoterik neigen: Der Schritt von „Der Arzt hat an meinem Kopf geruckelt, dann tat mein Knie nicht mehr weh“ (Erlebnis meiner Mutter) zu Wasseradern unterm Bett ist kein großer.

Ich nutzte eine Regenpause, um Feierabend zu machen und zum Vollcorner zu radeln; dummerweise begann es ein paar hundert Meter vorm Laden heftig zu regnen. Mit eingepackten Einkäufen wartete ich ab, ob der Regen schwächer würde (Blick auf das Regal mit Flyern, u.a. zu den Strahlen-Gefahren von WLAN in Schulen – ich halte die Gefahren mangelnder Physik-Grundkenntnisse für gravierender), doch der Himmel sah nach allen Seiten bis zum Horizont dunkelgrau aus. Na, dann würde ich halt nass.

Slalom durch Oktoberfest-Cosplayer unter Schirmen oder Plastikmänteln. Daheim stieg ich erst mal aus der nassen Kleidung (hätte schlimmer kommen können, die Unterwäsche war trocken geblieben) und versorgte sie.

Print is nämlich keineswegs dead.

Herr Kaltmamsell war aushäusig, ich läutete das lange Wochenende (morgen Nationalfeiertag, Freitag St. Brück) in der Küche ein und buk einen seit Wochen offenen Tab weg: Saftiger Schokoladenkuchen.
Klappte problemlos, während der Backzeit (eher 35-40 Minuten, nach 30 Minuten wabbelte er noch flüssig) erledigte ich Pediküre.

Zum Abendessen machte ich mir aus gefrorenem Rahmspinat und Ernteanteil-Pak Choi eine Suppe mit zwei darin verlorenen Eiern. Nachtisch war dann der Schokoladenkuchen: Sehr gut.

Auf die Hausaufgabe Vollbad hatte ich überhaupt keine Lust und begann zu verstehen, wie sich der sprichwörtliche innere Schweinehund für Menschen anfühlt, die keine Lust auf Sport haben: Man weiß, dass es gut tut und es einem danach besser gehen wird, doch die Überwindung scheint riesig. Natürlich war ich brav und legte mich ins heiße Wasser.

Anschließende Dehnversuche wieder eher schmerzhaft als angenehm. Im Bett las ich ins nächste Buch: Friedrich Ani, Süden und das heimliche Leben.

§

Schickes aus der Forschung: Woher kam die Pest?
„Alte Genome geben Einblick in die genetische Geschichte der zweiten Pestpandemie“.

Da nur wenige Daten zu frühen Ausbrüchen der Pest vorliegen und ein Mangel an veröffentlichten genetischen Daten historischer Pestgenome besteht, ist trotz der Allgegenwart des Schwarzen Todes in historischen Texten und im allgemeinen Bewusstsein nicht klar, von wo und über welche Route das Y. pestis-Bakterium zu dieser Zeit nach Europa gelangte und wie es sich über den Kontinent ausbreitete. In der aktuellen Studie rekonstruierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Pestgenom aus den Zähnen von 34 Pestopfern, darunter zwei aus Laishevo, in der Wolga-Region Russlands. Bei der Analyse dieser Pestgenome gelang es ihnen, einen Bakterienstamm zu identifizieren, von dem alle weiteren Bakterienstämme der zweiten Pandemie abstammen.

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Chinesische Küche aus ganz anderem Blickwinkel und im Gegensatz zur europäischen:
„The right way to order a Chinese meal: it’s all in the balance“.

via @vinoroma

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In der Süddeutschen anlässlich 30 Jahre Mauerfall ein Artikel über den damaligen Spiegel-Journalisten Ulrich Schwarz, der gegen viele Hindernisse und Widerstände dafür sorgte, dass der Westen von den Bürgerprotesten in der DDR erfuhr:
„Der Kronzeuge“.

Mutiger Journalismus wird immer wichtig bleiben.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 1. Oktober 2019 – Verschiedene Wärme und Anfassen

Mittwoch, 2. Oktober 2019 um 7:04

Nochmal ein strahlender Tag, der fast bis zu Sommerwärme aufheizte.

Vor der Arbeit radelte ich bei der Praxis der Hausärztin vorbei, um ein Rezept für mein Migränemittel abzuholen.

Die Beschilderung ums Oktoberfest hat sich der Zeit angepasst (Foto vom Montagmorgen).

Emsiges bis gehetztes Arbeiten, denn ich hatte einen aushäusigen Nachmittagstermin. Mittags Pastareste vom Vorabend und eine weitere rote SPitzpaprika.

Der Nachmittagstermin war wieder bei Frau Physio in S-Bahn-Entfernung, beim Warten am Bahnhof Hirschgarten schwitzte ich in der Sonne auch ohne Jacke.

Eine Stunde Kneten, Drücken, Saugen, Lockern; ich bekam als Hausaufgabe abendliche Wannenbäder mit anschließendem gezielten Dehnen und Entspannung im Bett, weiterhin regelmäßges Beinaushängen an einer Stufe. Auch diese Anfasserin musste Geduld einfordern: Ein Zustand, der sich gemäß meiner Schilderung über Jahre entwickelt hatte, werde sich nicht innerhalb weniger Wochen umkehren lassen.

Im Büro nochmal Wegarbeiten von Zeitkritischem. Heimradeln in großem Bogen um die rechte belebte Theresienwiese.

Zum Abendessen ging ich mit Herrn Kaltmamsell Pizzaessen zum Italian Shot, wir konnten draußen sitzen.

Abendprogramm dann weisungsgemäß ein heißes Bad – das tatsächlich so schmerzbefreiend und entspannend war, dass ich mir wünschte, ich könnte so schlafen. Das Dehnen ging dann nicht so gut, ich werde mich wirklich sehr langsam vorarbeiten müssen.

Kent Haruf, Eventide ausgelesen, vorab schon mal große Empfehlung. Und ich freue mich auf ein Gespräch über die Erzählperspektive.

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„‘Arsenic and Old Lace’ and the Incomparable Comedic Talents of Cary Grant“.

via @Cynx

While Grant was often cast as someone who keeps cool no matter the situation, Arsenic and Old Lace takes the inverse position and reveals the chaos that can so quickly become unleashed in the right circumstances. This serves dual purposes by both showcasing Grant’s talent for absolutely bonkers comedic roles and utilizing a common conception of the Cary Grant brand to help us form an understanding of Mortimer as a character and his fears of his constructed persona failing.

Ich muss den Film unbedingt mal wieder sehen – nicht nur wegen Cary Grant, dem John Cleese hier offensichtlich seine besten Monty Python Moves abgeguckt hat, sondern auch wegen der hinreißenden Josephine Hull und Jean Adair, die die beiden tödlichen Tanten spielen.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 30. September 2019 – Föhnsturm

Dienstag, 1. Oktober 2019 um 6:39

Beim morgendlichen Lüften brauste warme Luft durch die Fenster herein: ein Föhnsturm, der auch mein Radeln in die Arbeit sportlich machte (im nördlichen Rest der Republik war der Sturm so stark, dass er nicht nur einen Namen bekam – Mortimer -, sondern auch einigen Schaden anrichtete).

Morgens Anruf bei meiner Hausärztin, um mir ein Rezept für Nachschub Migränemedikament zurücklegen zu lassen. Emsige und sehr konzentrierte Arbeit. Mittags rote Sitzpaprika, Birne und Hefezopf. Die Arbeit hielt mich bis zu einem späten Feierabend am Schreibtisch. Meine Fußgänge dazwischen funktionierten enthusiasmierend schmerzarm.

Auf dem Heimweg Einkäufe auf der Theresienhöhe, ich kam gut am Oktoberfest vorbei.

Herr Kaltmamsell servierte zum Nachtmahl Rigatoni mit Vulkanspargel aus Ernteanteil, der diesmal sehr bitter schmeckte – ich mag das ja. Draußen dunkelpinker Föhn-Abendhimmel. Zum Nachtisch viel Schokolade.

Nach der Tagesschau schalteten wir den Fernsehen aus, ich wollte Kent Harufs Eventide weiterlesen.

§

Ein weiterer Artikel über die zerstörerische Energie, die Frauen ins Ziel Dünnsein investieren, diesmal von der erfolgreichen Krimi-Autorin Laura Lippman:
„Whole 60“.

My daughter asks: “Is there a way to eat that makes a person lose weight?”

No, I tell her. Eat what you want when you want it and your body will figure out what it wants to be.

And then I leave the room and cry a little. I helped to do this. Although I never said the word “diet” in front of my daughter, never spoke about anyone’s weight, I did this to her. Kids don’t miss a trick and my daughter saw how I used to dress in the morning, how I turned to examine my profile, standing tall, sucking in my gut, smoothing the front of my pants or skirt. She noticed when I stopped eating bread the year she was 3.

via @fraeulein_tessa

Every girl remembers her first diet.

Ähm, nein. Ich war drei oder vier bei meiner ersten Diät, zu klein, als dass ich mich heute daran erinnern könnte.
Meine Mutter war knabenhaft schlank, war als Kind von ihrer feisten Mutter zum Essen gezwungen worden, schwor sich, dass sie als Mutter ihre Kinder nienienie zum Essen zwingen würde, wählte sich „Essen muss Spaß machen“ als Erziehungs-Mantra – und war nun mit Mitte 20 gestraft mit einer Tochter, die nicht nur begeistert alles, sondern das auch noch begeistert in großen Mengen aß, die keineswegs anmutig und schlank geriet wie sie, sondern kräftig, rund und feist wie ihre Oma. Schon im Kindergarten begann der Kampf meiner Mutter Kampf gegen diesen Appetit, dieses Essen, diese Rundheit und diese Feistigkeit.

Diesen Kampf übernahm ich brav beim Erwachsenwerden und werde ihn sehr wahrscheinlich nicht mehr los bis in mein Grab. Weder den Endorphinschub, wenn ein schon mal enges Kleid fast schon zu locker sitzt (immer mit dem Tropfen Bitterkeit ums Wissen, wie vergänglich diese Form ist), noch die tödliche Scham, nicht mehr in das Lieblingsoberteil von vor 13 Jahren zu passen. Und er kostet so viel Kraft, dass ich wie Patricia schon lang über die Autosuggestion hinaus bin, in jeder Form schön zu sein, sondern einfach nur noch Body-Egalness ersehne.
(Was tatsächlich über die Jahrzehnte besser geworden ist: Ich esse was und so viel ich mag.)

die Kaltmamsell

Twitterliebe September 2019

Montag, 30. September 2019 um 18:56

Der ist nämlich über mich. In meinem Fall kommt dazu: Erschrockenes „Gesundheit!“ aus vier Nachbarbüros.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 29. September 2019 – Sportvermissung

Montag, 30. September 2019 um 6:34

Ich versuche mich ja durch die derzeitige Malaise und Sportverhinderung mit „Ist halt so“ und „Hoffentlich nur vorübergehend“ hochzuhalten. Aber gestern, an diesem leuchtenden und milden Frühherbsttag, wurde ich dann doch gründlich traurig, weil ich nicht an die Isar zum Laufen oder auch nur Spazierengehen konnte, kein Wandertag möglich war.

Zumindest radelte ich raus ins Dantebad, über einen schönen Umweg durch Neuhausen und Gern, um wenigstens ein wenig in besonders warmem Wasser zu schwimmen und in weiterem warmem Wasser herumzufloaten. Also den Anweisungen von Frau Physio folgend, sowohl was den Umfang sportlicher Bewegung betraf als auch die Wärme und Entspannung.

Die Fahrt war wirklich wundervoll: Das Licht! Die Farben! Die Luft! Im Dantebad zeigte sich, dass Brustschwimmen gar nicht mehr geht, selbst angedeutete Scherenbewegungen schmerzen zu sehr. Ich kraulte dann brav nur 2000 Meter, das Vergnügen dabei war überschaubar, weil im Dantebad die Sportschwimmerbahnen dieses nicht sind und eher gepritschelt wird – und mein Bein schmerzte. Schön war aber das Gleiten im Sonnenlicht von oben und Glitzern von unten. Anschließend ins Warmbecken zum Lockern und Entspannen – oh mei, da stelle ich mich an. Selbst als ich einen Platz auf den Unterwasser-Liegen bekam, fühlte sich das weniger entspannt an als in meiner Badewanne. Irgendwann kam leichter Sprudel von unten, ohne Effekt.

Bis 12 Uhr war es überraschend voll geworden, beim Umziehen waren alle Spinde in der Damenumkleide belegt.

Das Heimradeln mit Umwegen genoss ich wieder sehr, nahm mir vor, die Villensiedlung Gern mal zu Fuß zu erkunden. (Mir fiel auf, dass ich noch nie jemanden kennengelernt habe, die in Gern wohnen.)

Daheim war es noch früh genug für weiteren Milchkaffee, zudem gab es Birnen, Pain d’epice und morgens gebackenen Hefezopf.

Irgendwo, fürchte ich, bin ich beim zweisträngigen Flechten dann doch falsch abgebogen (das nächste Mal versuche ich es mit dieser Rechte-Hand-Linke-Hand-Methode). Tat dem Geschmack keinen Abbruch.

Ich las die Sonntagszeitung im Sessel auf dem sonnigen Balkon.

Dann wollte ich aber doch nochmal dringend raus, der Tag war gar zu schön. Ich humpelte langsam über den Südfriedhof (viele, viele Eichhörnchen) und an die Isar (viele, viele Menschen – aber nur ca. 10 Prozent davon Bajuwaren-Cosplayer, ganz wie früher auf dem Oktoberfest), über die Fraunhoferstraße zurück.


Insgesamt fast ein Sporttag.

Am Samstag hatte ich beim Vorbeilaufen gesehen, dass das Auroom während des Oktoberfests seine „keine Dirndl- und Lederhosenträger“-Türpolitik aufgegeben hat: Dieses Jahr ist die Bar über die Oktoberfestzeit ganz geschlossen.

Nochmal auf dem Balkon gelesen (Kent Haruf, Eventide, lese ich sehr gern), bis es zu kühl wurde. Nicht gebügelt.

Herr Kaltmamsell servierte als Nachtmahl Mangoldröllchen mit Hirse-Salsicce-Füllung in Tomatensoße, sehr schmackhaft.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 28. September 2019 – Eritreischer Samstag

Sonntag, 29. September 2019 um 7:52

Zefix, schon wieder Migräne. Im Grunde wusste ich das schon beim Zu-Bett-Gehen: Der Druck auf der Stirn kündigte mindestens nächtliches Kopfweh an. Das kam dann auch, war bei jedem leichten Aufwachen stärker geworden, um sechs Uhr morgens gesellte sich Übelkeit dazu – ich knickte ein und nahm mein Triptan-Spray. Schlaf bis neun Uhr, dann war ich einigermaßen wieder beisammen.

Bettwäsche und Handtücher gewaschen – ich beschloss, dass das Sommerbett ebenfalls maschinenwaschbar war und nahm dieses vor dem Einwintern ins Programm. Kurze Einkaufsrunde durch milde Sonne mit Wind, ich konnte sehr schlecht gehen.

Den Mittag und Nachmittag verbrachte ich bei einer Einladung in angenehmer und anregender Gesellschaft, inklusive köstlicher eritreischer Speisen (Injera, Kohl mit Karotten und Chilli, Kürbis mit Tomate, Spinat mit Tomate und Kreuzkümmel), zum eritreischen Kaffee (live geröstet, gemahlen, mit Gewürzen aufgekocht) gab es neben dem original eritreischen Popkorn deutschen Marmorkuchen. Ich erfuhr, dass eritreische Zutaten inzwischen gut in und um die Landwehrstraße erhältlich sind, wieder spiegelt sich Münchens Einwanderungsgeschichte in der aufregendsten Einkaufsmeile der Stadt.

Auf dem Rückweg besorgte ich in eben dieser beim Verdi noch Obst, Brotzeitgemüse und Manouri, musste viele Oktoberfest-Cosplayer umschlängeln.

Häuslichkeiten: Wäscheversorgung, Schweizer Sonntagszopf geknetet und in den Kühlschrank zum Übernacht-Gehen geschoben, Fledermäuse geguckt.

Zur Abendunterhaltung schaute ich in die dritte Staffel Schuld, weil ich zur ersten Folge mit David Bennent ein Interview gelesen hatte. Hmja, ich glaube nicht, dass ich weiterschauen werde.

§

Georg Diez in der taz zu Greta Thunbergs Rede vor den Vereinten Nationen:
„Angst und Endlichkeit“.

Ich ordne den Stil ihrer (für mich) schmerzlich schwer erträglichen Ansprache als weitere vernünfte Entscheidung ein: Bislang hat sich Greta Thunberg immer genau auf ihr Publikum ausgerichtet. Den US-Kongress verwies sie auf wissenschaftliche Fakten und Hintergründe – sie ging zurecht davon aus, dass diese den Kongress-Mitgliedern nicht hinreichend bekannt waren. Doch die Menschen, die bei den Vereinten Nationen vor ihr saßen, wussten das alles; Greta Thunberg ging davon aus, dass dieses Publikum seit vielen Jahren wider besseres Wissen handelt – ihnen machte sie nur Vorwürfe, auf diese Menschen war sie durch und durch wütend.

Diez:

Denn das war das Einschneidende dieses Auftritts: Sprachlich, symbolisch, rhetorisch stellte Greta Thunberg die Systemfrage – wenn ihr, Demokraten, Kleptokraten, Technokraten, Autokraten, Erwachsene, nicht in der Lage seid zu sehen, dass das Versprechen von Immer-weiter-so und ewigem Wachstum in den kollektiven Ruin führt, dann habt ihr das Recht verloren, für uns zu sprechen. Dann kündigen wir von unserer Seite, der Jugend, der Zukunft, den Generationenvertrag auf, den ihr gebrochen habt.

§

Ein kurzer Twitter-Thread zu einem Frauenschicksal unter vielen:

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 27. September 2019 – Theresienwiesenumfahrung zum Wochenende

Samstag, 28. September 2019 um 10:41

Uiuiui – nachts erst gegen Ende Schmerzen, doch die dann den Tag über wieder richtig behindernd: Trippelschritte, nicht mal Lust, vom Schreibtisch aufzustehen. Nachmittags dann schlagartige Besserung, für die ich keinen Auslöser sah – so kann ich doch nicht an meinen Beschwerden arbeiten.

Morgens auf der Fahrt ins Büro durch milde Luft war ich gerade noch mit dem Rad am Haupteingang (gegenüber ehem. Klohäusl „Das Bad“) des Oktoberfests vorbeigekommen, als bereits Barrieren für jede Art von Durchfahrt und -gang aufgebaut wurden. Um 7:30 Uhr standen bereits große Gruppen Bajuwaren-Cosplayer auf den Straßen und Wegen davor.

Mittags Trauben, außerdem Birnen mit Hüttenkäse und etwas selbst gemachtes Granola (möglicherweise habe ich seit einigen Jahren Verdauungsprobleme mit Cocosflocken, vielleicht vor allem mit gerösteten Cocosflocken).

Noch wenig herbstliche Aussicht.

Mal wieder ein Füßebild.

Wirklich früher Feierabend, es war nichts mehr zu tun. Ich schaffte mir Anlässe, die Theresienwiese in großem Bogen zu umfahren, indem ich über Donnersbergerbrücke und Nymphenburger Straße zum Stiglmaierplatz radelte, wo ich meinem Leibfriseur ein Stück Haarseife vorbeibrachte: Er probiert gerade einmal quer durchs Marktangebot, ich wollte ihm meinen bisherigen Favoriten präsentieren (Rosmarin).

Ich schlug den Bogen noch weiter und radelte über Briennerstraße und Hofgarten zur Hofbräumühle – in Maximilian- und Falkenbergstraße musste ich hinter einem Touristen-Pferdewagen herschleichen, doch die beiden prächtigen Rösser unterhielten mich netterweise mit filmreifem Gewieher.

Mit fünf Kilo Mehl im Rucksack (2,5 kg Roggenmehl 1370 und 2,5 kg Pizzamehl aus mühleneigener Mischung) radelte ich über den Viktualienmarkt und Oberanger vorsichtig zwischen Baustellen und Cosplayern nach Hause.

Ich setzte Pain d’epices zur glücklichen Foie gras am Samstagabend an, Herr Kaltmamsell machte uns Brandys Alexander.

Zur weiteren Feier des Arbeitswochenendes gab es Rind aus der Pfanne und geschmort, dazu Fraktalesco aus Ernteanteil. Angestoßen mit einem Glas südafrikanischem Neethlingshof Owl Post.

Aus einem Tweet des Autors erfuhr ich, dass Anfang 2020 Bov Bjergs nächster Roman veröffentlicht wird: Serpentinen. Auf Nachfragte bestätigte Bov, dass das Roman zu seiner gleichnamigen Klagenfurt-Geschichte von 2018 ist, der wundervolle Klagenfurt-Text (hier nachzulesen) ist der Anfang.
Und am 5. Dezember kommt die Verfilmung von Bov Bjergs Auerhaus in die Kinos! (Vor der fürchte ich mich allerdings ähnlich wie vor der von Tschick.)

§

Wenn schon mal mich ein Artikel über eine Fernsehserie interessiert:
„The Doctors Made ER Great. The Nurses Made It Radical.“

via @TillRaether

The most radical thing about ER — the element of the show that no subsequent medical show has replicated or improved upon — is that it was always also a show about nurses.

ER ist die eine von zwei Fernsehserien, die ich klassisch bingegewatcht habe (gebingewatched?).

The depth of the nursing staff on ER was just one expression of the show’s defining approach, especially in the earlier seasons. ER is full — where House, Grey’s Anatomy, and The Good Doctor all take place in echoing clean spaces, often including empty sweeping staircases and massive glass walls, ER’s County General is a crowded, messy, lived-in space. There are signs and pieces of paper hung all over the walls. In one of my favorite shots from the pilot episode, Dr. Greene shimmies past a ladder set up in the hallway, where a maintenance worker is replacing a long fluorescent bulb that nearly misses hitting Greene over the head. No one mentions it, and Greene hardly even flinches. This is just what the ER is like; there are so many characters and so many stories happening in every imaginable corner of the facility that Greene trips over at least four of them walking down the hallway. Most of them we never see again, because they’re just one more piece of the inescapable background buzz. But the nurses are as much a part of the thrumming rhythm of the place as the doctors, and their bodies are a constant visible presence. They’re in the trauma rooms, they’re doing exams, they’re frantically calling for backup, they’re physically engaged in every case. Particularly in the earliest seasons of the show, you’re as likely to see one of the nurse characters filling a frame as you are one of the doctors.

Genau deshalb ist das eine von den beiden Fernsehserien geworden, die ich jemals wirklich intensiv verfolgt habe: Die Dichte, die Diversität und Vielzahl an Geschichten – von denen die meisten nie zu Ende erzählt werden, weil die Patientinnen und Patienten immer nur kurz und vorübergehend in der Notaufnahme sind.

die Kaltmamsell

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