Journal Freitag, 2. Juli 2021 – Sommerabend mit Balkontanz

Samstag, 3. Juli 2021 um 10:26

Benommenheit beim Weckerklingeln: Die Nacht hatte wieder ein anderthalb-stündiges Loch gehabt, Zusatzfeature Wadenkrämpfe, und zwar nicht nur die klassischen, sondern auch außenseitlich des M. extensor digitorum longus und des Schollenmuskels. Außerdem während des Schlaflochs festgestellt: In die Welt von Nora Bossongs Schutzzone kann ich mich überraschenderweise schwerer einfühlen als in die USA der 1960er bis 1990er von The Vanishing Half.

Draußen war es weiterhin grau und kühl, zumindest kam ich trocken in die Arbeit. Schon am Vormittag wurde es sonnig zu einem herrlich milden und hellen Tag.

Mittags hatte ich einen weiteren Krankengymnastik-Termin ums Büro-Eck. Auf halber Strecke merkte ich, dass ich meine Maske auf dem Schreibtisch vergessen hatte (das erklärte die gedehnten Blicke auf dem Büro-Gang). Jetzt wurde es knapp: Ich rannte zurück, holte die Maske, rannte in die Physio-Praxis. Doch als ich an der Empfangs-Theke außer Atem und schwitzend für meine Verspätung um Entschuldigung bat, stellte sich heraus: Mein Termin war nicht eingetragen, da stand der Name einer anderen Patientin. Hätte natürlich sein können, dass ich mich vertan hatte – aber als ich sicherheitshalber die weiteren Termine abglich, die seit dem Telefonat vor zwei Wochen in meinem Kalender standen, gab es keinen davon im Terminbuch der Praxis. Ich vereinbarte neu (und werde nicht hier nach selbst bezahlten Massagen für meinen weiterin lästig schmerzenden Rücken fragen).

Mittagessen war Pumpernickel mit Butter, eine Tomate. Nachmittags gab’s einen halben Liter Kefir.

Pünktlicher Feierabend, zur Spazierverlängerung meines Heimwegs steuerte ich den Eataly an: Ich hatte im instagram der in Rom angesiedelten Rezept-Autorin Rachel Roddy eine attraktive Pasta namens Mafalde gesehen, und wenn es irgendwo in München abgefahrene Pastasorten geben würde, so dachte ich, dann beim Eatyly. Gab es aber leider nicht. Wissen Sie eine weitere Quelle in München? Nachtrag: Verzeihung, ich habe mich so unpräzise ausgedrückt, dass ich Ideen wie “Supermarkt” verursachte habe. Ums Abklappern beliebiger Supermärkte will ich mich ja genau drücken. Ich formuliere also um: Haben Sie in München schon mal Mafalde zu kaufen gesehen und wo? (Sehen Sie? SO sieht die Bitte um einen Tipp aus. Damit habe ich hier durchaus ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. Auf Twitter gehen @novemberregen und @herzbruch1 manchmal so weit, dass sie bei Beschaffungen – z.B. Wäscheständer, Badekleidung – um Tipps bitten in Form von Bestell-Links, keine Begründung nötig, und gut damit fahren.)

Ich hatte erfahren, dass gestern in der Männerfußball-Europameisterschaft Spanien gegen die Schweiz spielen würde. Da ich mir sehr sicher war, dass die Schweiz-Münchner deutlich weniger hupfreudig sein würden als die Spanien-Münchner, hatte ich großes Interesse an einem Sieg der Schweizer Mannschaft. Bei meiner persönlichen Schweizkulturberaterin Frau Brüllen holte ich mir ab, wie der angemessene Schweizer Schlachtruf lautet: “Hopp Schwiiz”. Den murmelte ich also ab Spielbeginn um 18.30 Uhr vor mich hin (einen lauten Ruf vom Balkon hätte die Mannschaft ja genauso wenig gehört). Das war zwar vergeblich, dennoch gab es keinen Hup-Lärm. Da ich in der Innenstadt allerdings Männer in Nationalfahnen gesehen hatte, die weder nach Schweiz noch nach Spanien aussahen, guckte ich nochmal nach: Oh weh, es drohte Hup-Belästigung von Italien-Münchnern. Die prompt eintrat.

Das Wochenende läuteten wir mit Drinks ein, ich hatte große Lust auf Alkohol.

Der vorhandene Aperol hatte nur für eine Portion gereicht (Zustände in diesem Haushalt, die geradezu der Verlotterung gleichkommen!), Herr Kaltmamsell bekam einen Campari Spritz. Dann probierten wir Campari Milano aus (der Ernteanteil hatte Minze gebracht), allerdings ebenfalls gespritzt, außerdem einen Spritz mit etwas Kirschlikör statt Aperol (schmeckte mir). Dann war der Prosecco alle.

Zu Essen hatte Herr Kaltmamsell Schälrippchen zubereitet, langsam im Ofen gebacken. Er servierte sie mit dem Ergebnis seiner ausführlichen Recherche zu den Konzepten Spareribs, Kotelettstrang, Leiterchen unter Berücksichtigung verschiedener Nationalküchen. Ich hatte dazu Tomaten mit Basilikum und Olivenöl angerichtet.

Es schmeckte sehr gut. Nachtisch Schokolade.

Beim Räumen in der Küche hörte ich die Musik aus dem Popup-Biergarten im Nußbaumpark, gestern war offensichtlich 1980er-Abend. Und so tanzte ich auf dem Küchenbalkon zu Phil Collins, Michael Jackson, Foreigner, Depeche Mode, Eurythmics, bis zum Schluss um Viertel nach zehn.

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Es ist ja größtenteils Zufall, aus welchem Kochbuch man so richtig kochen lernt. Bei mir war es Delia Smiths Complete Cookery Course: Ich kaufte es während meines Auslandsstudienjahrs in Wales, weil mir die einheimischen Freundinnen versicherten, so werde echt ehrlich in England gekocht (Delia war dort die prägendste Fernsehköchin weit vor einem Jamie Oliver). Und so arbeitete ich mich, zunächst mit dem Wörterbuch, von vorne bis hinten durch.
Die Irish Times listet zu Delia Smiths 80. Geburtstag Bekanntes und Überraschendes zu einer Ikone auf, zu der mir im deutschsprachigen Raum kein Pendant einfällt (also jemand, die Generationen das grundlegende Kochen beibrachte und Lieferengpässe bei den Küchengeräten herbeiführte, die sie empfahl – zum Beispiel einer Zitronenreibe).
“Happy 80th birthday, Delia Smith! 10 lessons she has taught us”.

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Den Bedarf für ein Digitalministerium sehen in Deutschland viele, unter anderem schlägt Nicole Diekmann es in ihrem Buch zu Hass im Internet vor. Politik-Journalist Falk Steiner hat sich zu Struktur und Aufgaben intensive und detaillierte Gedanken gemacht, die er in einem Blogpost ausarbeitet:
“Digitalministerium? Discuss!”

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Nachtrag zu meiner Verwunderung, dass Frösche im Deutschen “Quak” machen:
Eine Landkarte der Frosch-Laute in europäischen Sprachen.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 1. Juli 2021 – Kippen des IMPF

Freitag, 2. Juli 2021 um 6:34

Gut geschlafen, aber halt bloß bis fünf. Draußen war es grau, kalt und regnerisch.

Dann halt früher in die Arbeit gegangen. Ich brauchte einen Regenschirm und knöpfte meine Jacke zu.

Dicht getakteter Arbeitstag mit interessanten neuen Kontakten und Informationen. Eine davon gebe ich hiermit weiter: Wenn Sie Protokoll-Fragen haben, von korrekten Anreden und Anschriften über Beflaggung bis Rangfolgen, stellt das Bundesinnenministerium auf einer Website alle Antworten zur Verfügung. Diese Informationen sind – im Gegensatz zu denen von selbst ernannten Benimm-Expert*innen – zuverlässig.

Mittags Sahnequark mit (selbst) vorgeschnittenen Orangen und Maracuja.

Auf dem Heimweg Einkäufe beim Vollcorner, aufregender wird mein Leben einfach nicht.

Zu Hause Maniküre, dann eine ganz lange, anstrengende Yoga-Einheit. Zum Abendessen gab es Salat aus Ernteanteil mit Joghurt-Dressing (Joghurt, viel gerissener Meerrettich, Himbeeressig, ein wenig Majo) und ein paar zugekauften Tomaten (bis es eigene gibt, dauert es mir noch zu lang). Nachtisch Süßigkeiten.

Kinokarten für Sonntag gebucht, abendliches Freundestreffen nächste Woche am Horizont, es formiert sich langsam wieder ein Sozialleben. Entwicklung im bundesdeutschen Corona-Geschehen: Impfdosen in den Impfzentren gibt es jetzt mehr als Impfwillige, es mehren sich die Aufrufe, einfach vorbeizukommen. Langsam zeichnet sich ab, wie groß der Anteil an “Erst mal abwarten” in der Bevölkerung ist (darunter der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger) – wobei mich (wirklich) interessieren würde, was genau dieser Anteil abwartet, – plus den echten Impfgegnern. Wenn jetzt die Infektionszahlen wieder steigen (Delta-Variante plus mögliches restliches Alphabet, Reiserückkehrende), werden massive Beschränkungen des Alltags kaum mehr durchsetzbar sein, weil damit vor allem Impfverweigerer geschützt werden müssen (während Herdenschutz bedeutet, dass die große Mehrheit diejenigen schützt, die nicht geimpft werden können). Die Fachleute weisen seit Monaten darauf hin: Alle werden bis 2022 durch Corona durchmüssen, entweder per Impfung oder per Infektion.

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Persönlicher Eindruck eines Bundeswehrsoldaten vom Einsatz in Afghanistan 2002 als Twitter-Thread mit vielen Fotos.

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Ach guck, “Terminator 2: Judgment Day” ist auch schon wieder 20 Jahre her.1 Ausführliche Sammlung von Schilderungen der Beteiligten, wie es zu dem enorm erfolgreichen und epochemachenden Film kam:
“The Tin Man Gets His Heart: An Oral History of ‘Terminator 2: Judgment Day’”.

via @DonnerBella

  1. UNTERSTEHEN SIE SICH. []
die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 30. Juni 2021 – Okonomiyaki vom Profi

Donnerstag, 1. Juli 2021 um 6:19

Mittelgute Nacht, aber meine Müdigkeit am Vormittag wies auf ein grundsätzliches Schlafdefizit hin. Beim Einschlafen hatte ich so gefroren, dass ich mir eine zusätzliche Decken aus dem (weltschönsten Einbau-)Schrank geholt hatte, im Lauf der Nacht schwitzte ich bis zur kompletten Deckenlosigkeit.

Es war kalt geworden, gemischte Wolken am Himmel. Auf dem Weg in die Arbeit war eine Jacke unbedingt nötig, zumindest blieb ich trocken.

In der Mittagspause hatte ich einen Termin zur Krankengymnastik; schon Stunden vorher fühlte ich mich wehleidig, weil diese Beschwerden doch gar nicht so schlimm sind. Frau Physio durchknetete wieder die Hüftmuskulatur, und die OP-Narbe war immer noch sehr empfindlich und schmerzte an einigen Stellen sowie drumrum – vielleicht resultieren die (wenigen) Beschwerden von Verklebungen beim Heilen.

Mittagessen bestand aus Krautsalat vom Vortag sowie Hüttenkäse mit Flachpfirsich.

Abends war ich mit Herrn Kaltmamsell zum aushäusigen Essen verabredet: Ich wollte Okonomiyaki gern mal in einem japanischen Restaurant versuchen, wir hatten es auf der Speisekarte des Tenmaya in der Theresienstraße gefunden. Da gerade wieder ein Wolkenbruch eingesetzt hatte, nahmen wir die U-Bahn raus in die Maxvorstadt.

Herr Kaltmamsell bestellte noch frittierte Austern und Soft Shell Crabs, ich aß den Salat drumrum, den Okonomiyaki teilten wir uns.

Eine Herausforderung fürs Stäbchenessen, schmeckte mir aber sehr gut: Deutlich kompakter als der Versuch von Herrn Kaltmamsell, und an den Rändern trockener.

Daheim zum Nachtisch eine ordentliche Portion Süßigkeiten.

die Kaltmamsell

Lieblingstweets Juni 2021

Mittwoch, 30. Juni 2021 um 18:18

Damit Sie nie wieder Schwalben und Mauersegler verwechseln: Das da oben ist ein Mauersegler. (Zugegeben: So nah werden Sie ihn vermutlich nie sehen.)

Nachtrag: Lieblingstweetsammlungen hat wieder Anne Schüßler gesammelt.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 29. Juni 2021 – Sommer erst mal weggewittert

Mittwoch, 30. Juni 2021 um 6:10

In der Nacht mehrmals aufgewacht, aber immer gleich wieder eingeschlafen, puh. So bekam ich mit, dass es immer wieder regnete, auch wehte heftiger Wind.

Ich kleidete mich nochmal sommerlich in Kleid und Sandalen, hatte dabei die dunklen Wolken unterschätzt: Auf der zweiten Hälfte meines Fußwegs in die Arbeit wurde ich mittel nass geregnet. Ich fror eine ganze Weile im Büro, bis ich trocken war, doch dann wurde es draußen sonnig und ich konnte Wärme durchs Fenster reinlassen.

Mittags gab es wieder Pumpernickel mit dick Butter (immer noch SO gut), außerdem Aprikosen (hmnaja) und Plattpfirsiche (süß!). Nachmittags schwarze Schokolade.

Einen Festtermin mit vielen Internetmenschen für März 2022 in den Kalender eingetragen.

Gegen Feierabend wurde es wieder gewittrig.

Weltuntergang im Anmarsch. Kurz darauf donnerte und blitzte es, der Regen kam als Wolkenbruch mit Bäumeschütteln. Später erfuhr ich, dass Landshut überschwemmt wurde, auch in Baden-Württemberg stand das Wasser – und das ist in diesem jungen Sommer bereits das wiederholte Mal. Mit dem Klimawandel werden wir uns an diese Art Sommer gewöhnen müssen.

Zu meinem tatsächlichen Feierabend hatte sich der Regen beruhigt. Ich finde ja, die letzten Geräusche eines abziehenden Gewitters klingen wie ein grantiger, vor sich hin schimpfender Niederbayer. Obwohl der Himmel weiterhin apokalyptisch dunkelgrau war, brauchte ich den Schirm erst auf den letzten hundert Metern Heimweg. Zwischenstopp im auffallend leeren Supermarkt. Ein Kunde fragte an der Kasse: “Wo san na eyre Kunden?” Aus der Antwort erfuhr ich, dass gerade ein Fußballspiel unter Beteiligung der deutschen Männernationalmannschaft stattfand (wie sich später herausstellte: das letzte dieser internationalen Meisterschaft, was die Gefahr nächtlicher Hup-Corsos vor meiner Haustür angenehm reduziert).

Zu Hause nochmal die wohltuende Yoga-Einheit vom Vortag.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell (können Sie sich vorstellen, wie großartig es ist, jeden Abend ein schmackhaftes, liebevoll und kundig gekochtes Essen zu bekommen?) den jungen Spitzkohl aus Ernteanteil als Salat Sumatra, dazu aus der Gefriere Ingolstädter Bauernwürscht.

Gut! Passte auch zusammen. Nachtisch Schokonüsse.

Wegen des Forschungsprojekts “Sicherheit im Bahnhofsviertel” hatte ich mich per E-Mail an den Bezirksausschuss meines Stadtbezirks 2 – Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt gewendet: Ob ich vielleicht Details haben könnte, sogar den Bericht? Nur wenige Stunden später hatte ich den Link zur 25-seitigen Beschlussvorlage aus dem Stadtrat im Postfach, gesendet von der “Hauptabteilung II Bürgerangelegenheiten, Service und Fachaufgaben, Geschäftsstelle Mitte für die Bezirksausschüsse 1,2,3,4 und 12” – sensationeller Service:
“SiBa – Sicherheit im Bahnhofsviertel – Ergebnisse des Verbundprojektes”.
Unter anderem erfuhr ich daraus, dass das Münchner Bahnhofsviertel im Vergleich zu den anderen beiden Städten der Untersuchung, Düsseldorf und Leipzig, “bereits über eine Vielzahl an Gremien und Initiativen mit Kriminalprävention im engeren oder weiteren Sinne auf der Agenda” verfügt.

Kurzes Abendgold bis zum nächsten Regenschauer, es war sehr frisch geworden.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 28. Juni 2021 – Wandersouvenir

Dienstag, 29. Juni 2021 um 6:36

Meh, wieder ein schlafloses Loch in der Nacht, das ich erst mit Wälzen (abwechselnd frierend mit Decke bis unters Kinn und schwitzend freigestrampelt), dann mit Lesen verbrachte.

Auch diesmal hatte ich mir (neben ein paar Mückenstichen) ein Souvenir an den Unterschenkeln erwandert:

Diesmal recherchierte ich gründlicher. Ausführliches Googlen inkl. Bildersuche ergaben: Purpura d’effort (vulgo Wanderkrätze – völliger Blödsinn, es sind keine Krätzmilben beteiligt) heißt der rote Ausschlag, den ich seit einigen Jahren nach Wanderungen in Wanderstiefeln an meinen unteren Beinen beobachte. Ich brauche nicht mal große Hitze, die benötigte Temperatur entsteht möglicherweise im Stiefelschaft. Die Medizin weiß nicht genau, woher das kommt oder was man dagegen tun kann (in Wanderforen natürlich verschiedenste Tipps, jedes “bei mir hat geholfen” trifft auf “bei mir nicht” – bitte beherrschen Sie sich), nur dass dieser Ausschlag vor allem “bei Frauen mittleren Lebensalters” auftritt und nicht schlimm ist. Hmpf.

Wunderbar frische Luft am letzten sonnigen Sommermorgen vor angekündigtem Wetterumschwung.

Mittags gab es Pumpernickel mit Butter, die erste Gurke aus Ernteanteil der Saison, besonders köstlich.

Emsiger Arbeitstag, aber ohne Hektik. Draußen wurde es mittelheiß.

Auf dem Heimweg kehrte ich für einen Einkaufsabstecher im Supermarkt ein, ich kaufte die gemeinsame Liste leer. Direkt vor Zuhause große Freude: Alle Baucontainer waren weg!

Daheim gönnte ich mir eine Runde Yoga für den oberen Rücken, die sich als recht zackig herausstellte – mache ich nochmal.

Mit der Post war ein Neuzugang in meinem Sport-Maschinenpark eingetroffen:

Eine Pilatesrolle. Ich probierte gleich mal die vom Orthopäden angeordnete Übung aus (längs rücklings drauflegen, seitlich ausgestreckte Unterarme und Kopf in den Boden drücken) und genoss dann Rumrollen – Übungen in dieser Haltung hatte ich schon in der Nach-Reha gerne gemocht.

Herr Kaltmamsell servierte ein spannendes Abendessen: Fenchel-Linsen-Curry, denn der Ernteanteil hatte reichlich Fenchel gebracht. Da auch eine Menge Fenchel-Grün dabei war, ließ er den Dill weg. Wurde mit Vollkornreis serviert, schmeckte ausgezeichnet.

Zu Joëls Montagsfrage fällt mir diesmal sogar etwas ein (witzigerweise sprach ich gestern über genau dieses Thema mit jemandem, dem ich zum 20. Geburtstag gratulierte):

Wann wurde dir bewusst, dass du erwachsen geworden bist? Gab es ein Ereignis, das dich das spüren ließ, und wie fühlte sich das an?

Das war mein 20. Geburtstag, der bislang einschneidendste meines Lebens. Ich war Zeitungsvolontärin, machte gerade Station beim Lokalradio, lebte seit einem Jahr allein. Und mich traf wie ein Schlag an diesem Geburtstag die Erinnerung, wie ich als 16-jährige 20-jährige gesehen hatte: Als erwachsene Frauen. Und das war ich jetzt also. Das Gefühl dazu: Kindheit und Jugend waren vorbei, ab sofort konnte ich das “SELBER!” nicht mehr nur behaupten, sondern es wurde vorausgesetzt. Diese Verantwortung drückte mich geradezu nieder.
Gleichzeitig bin ich bis heute überzeugt, dass ich dieses “erwachsen” bloß spiele und ich jederzeit auffliegen könnte.

§

Zu dem Missständen im Nußbaumpark, neben dem ich wohne, hatte ich in der nächsten Bürgerversammlung ein Projekt beantragen wollen, dass sie auf der Basis heutiger Forschungsergebnisse analysiert und mögliche Lösungen erarbeitet. Stellt sich heraus: Genau so ein Forschungsprojekt wurde gerade abgeschlossen, die Ergebnisse wurden vergangene Woche im Stadtrat vorgestellt.
“Ideen für ein attraktives Bahnhofsviertel”.
Jetzt würde ich allerdings gern noch die Studie selbst lesen, ich arbeite daran.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 27. Juni 2021 – Sonnige Wanderung von Kirchseeon nach Aying

Montag, 28. Juni 2021 um 6:33

Bis sieben geschlafen, das machte die unruhige Phase mittendrin wieder wett.

Der Himmel war morgens bedeckt, die Temperatur perfekt für das gestrige Vorhaben: Wandern von Kirchseeon nach Aying.

Während Herr Kaltmamsell den Vormittag noch zum Arbeiten nutzte, trank ich meinen Morgenkaffee auf dem Balkon und bloggte.

Foto: Herr Kaltmamsell.

Sogar für eine Runde Yoga war noch Zeit, bevor ich mich wanderfertig machte. Zum Frühstück gab’s ein Stück Mangold-Coca vom Vorabend und eine Banane.

Mittlerweile war es auch sonnig geworden.

Die S-Bahn-Fahrt nach Kirchseeon wurde zu einem kleinen Abenteuer: Im U-Bahnhof Stachus lasen wir die Anzeige, dass unsere S6 Richtung Ebersberg erst ab Ostbahnhof fahren würde. Kein Problem, an den Ostbahnhof fahren reichlich Bahnen. Dort war die gewünschte S6 auch für in wenigen Minuten angezeigt. Doch eine Durchsage schickte uns an ein entferntes Gleis (“heute abweichend”). Mit zahlreichen anderen Passagieren hasteten wir also an dieses Gleis – und standen eine Weile ratlos herum, denn es kam keine S-Bahn, auf der Anzeige stand lediglich eine Regionalbahn. Ich lief zurück zum vorherigen Gleis und erfuhr vom Durchsage-Herrn (Kabuff mit Gegensprechanlage), dass die nächste S6 nun doch am angekündigten Gleis abfahren würde, es aber an dem entlegenen Gleis keine Lautsprecher für Durchsagen gebe. Also rannte ich zurück dorthin und machte die Durchsage persönlich. Und zwar mehrmals bei an verschiedenen Stellen des Bahnsteigs, damit auch alle die Info mitbekamen. Ab dann verlief die Fahrt aber reibungslos.

Das Wandern war sehr schön, auch wenn ich die Strecke schattiger in Erinnerung hatte. Es war erfreulich wenig los, und mit den Radler*innen arrangierten wir uns größtenteils gut.

Bei Deinhofen wurde schon geerntet (was nur?). In dieser Gegend ließen wir auch mehrfach schicke Traktoren mit Anhänger vorbei, Landwirtschaft kennt halt kein Wochenende.

Teich mit Seerosen und deutlich hörbaren Fröschen. Wer hat bloß festgelegt, dass die im Deutschen “quak” sagen? Das ist sehr weit weg vom tatsächlichen “räbb”.

Villa am Rand von Moosach, die ich jedesmal bewundere und im Geiste mit Schriftstellerinnen und Malern im 19. Jahrhundert bevölkere.

Problematisch war auch dieses Mal wieder der Abschnitt zwischen Oberseeon (gleich hinterm Steinsee, an dem gestern eine Menge Badevolk war) und Schlacht: Wir haben immer noch keinen wirklich guten Weg gefunden (der in der ursprünglichen Wanderbeschreibung existiert nicht mehr), diesmal kamen wir südlich von Schlacht aus dem Wald auf eine Landstraße, die wir ein ganzes Stück entlang gehen mussten. In Schlacht rasteten wir.

Mit dieser Aussicht.

Aber wie’s halt ist, wenn man Pause beschließt, “sobald die nächste Bank kommt”: Es kommt keine. Diese war die erste 20 Minuten nach Pausenbeschluss.

Bei Kastenseeon hatte ich 2013 meine ersten Belted Galloways gesehen. Mittlerweile scheint dieser Hof einen ganzen Rinderzoo zu haben, selbst ich Laie konnte fünf Rassen unterscheiden.

Ich bin eine lästige Wanderbegleitung: Nicht nur bleibe ich ständig stehen um zu fotografieren, sondern auch, um Beeren zu naschen (gestern erwischte ich eine reife Walderdbeere) und an Rosen zu schnuppern. Doch gestern war ich um letzteres froh: Die obige Rose roch exakt wie das allererste Parfum, das ich je besaß, ein Fläschchen Rosenparfum, das mir meine Oma schenkte. Ich war noch so klein, dass ich nie auf die Idee kam, mich damit zu betupfen (das taten nur Große), schraubte aber immer wieder das Fläschchen auf, um an dem wundervollen Duft zu schnuppern.

Das Familienbad Kastenseeoner See war sehr voll – zumindest die Liegewiesen, im See selbst sah ich nur wenige Köpfe. Bei Lindach blieben wir länger stehen: Über einer Wiese, die gerade gemäht wurde, kreisten fünf mächtige Greifvögel.

Nach knapp fünf Stunden ohne große Mühe erreichten wir Aying, schön wie immer. Nach den derzeit üblichen Pandemie-Formalien ließen wir uns im Biergarten nieder und bestellten die Brotzeitteller.

Übersichtlicher als früher (siehe hier unten, Pressack traut sich wohl niemand mehr), dafür ohne Überfressung zu schaffen. Dazu für mich eine Apfelschorle und eine Halbe Dunkles Bier.

Rückreise mit der S-Bahn ohne Abenteuer, ich freute mich darauf, die sommerliche Wandermischung aus Schweiß, Dreck und Sonnencreme abzuduschen.

§

Nicht nur die bayerischen schönen Landschaften ächzen unter rücksichtslosem Inland-Tourismus (von dem auf der gestrigen Wanderung zahlreiche selbstgemachte Schilder zeugten, mit denen Anwohner wildes Parken, Müllhaufen und scheißende Hunde fernzuhalten versuchten, an Stalleingängen sah ich rot-weißes Absperrband – was IST mit den Leuten?!). Mein favorite shepherd James Rebanks schreibt im Guardian über die Zustände im englischen Lake District:
“Camper vans, crowds, hanging dog poo bags: can the British countryside cope this summer?”

Like many who live in tourist honeypots, we have long bemoaned the impact of visitors. We grumble about their driving, their parking, and their aimless milling about in inconvenient places. During lockdown, people felt that they had got their community back. No procession of tourists past their front door with Alpine walking sticks and enough mountaineering kit for an assault on Everest. No folks peering into their home. No camper vans blocking their drive, or knocking their wing mirrors off in the narrow lanes. No noisy crowds on the village green, eating ice-creams. No idiots jostling elderly residents with their backpacks in the post office. No dog mess hanging from trees in “recyclable” plastic bags, waiting for the dog-poo fairies to bin it. No one urinating on their drive late at night, heading back to B&Bs from the pub. And no dickheads using satnav to climb mountains, then having to call out (and risk the lives of) mountain rescue volunteers when they get stuck on rocky crags in the freezing rain wearing only T-shirts and trainers. There was a sense of relief to be done with all those hassles for a while.

(…)

Places of beauty are always “contested”; they have layers of use and meaning to a whole range of people. With so many demands on a landscape, perhaps we need to think more creatively about how to manage those tensions. Charging for entry and using technologies such as number-plate recognition could make things easier; we could use the proceeds to help manage the area, supporting local communities and traditional farming, repairing footpaths, and undertaking ambitious environmental restoration projects.

Als Nutzerin von teilweise spektakulär angelegten und ehrenamtlich gepflegten Wanderstrecken in ganz Europa hätte ich überhaupt nichts gegen eine Gebühr (siehe Kurtaxe?).

die Kaltmamsell