Unvermutet zu Schnee aufgewacht.

Der hielt sich auch als im Lauf des Vormittags die Sonne herauskam.
Zum Abschluss der Bewegungseinheit hatte ich mir eine Runde Crosstrainer vorgenommen. Doch ich hatte keine Lust und war während der Yoga-Übung (eher geruhsam) am Hadern, ob ich den Vorsatz bleiben lassen sollte. Ich entschied mich letztendlich für die Bewegung, weil das Hüftleiden ja meine Alltagsbewegung verminderte, ein wenig Kardio aber der Durchblutung guttat, ich außerdem den Rest des Körpers nicht unter der partiellen Beeinträchtigung leiden lassen will. Und siehe da: Es dauerte keine zehn Minuten sanftes Strampeln, bevor es mich heiter und sonnig machte; ich musste mich schon wieder zusammennehmen, die angepeilte Dauer von 20 Minuten nur um 5 Minuten zu überziehen. Es ist schon ein riesiges Dussel, dass mich Sport so freut.
Außerdem mittel- und langfristig: Ich halte mich wirklich für nicht besonders kompetitiv, aber der Titel Best-trainierte-Hüftpatientin des Klinikums vor OP wäre schon recht.
Nach Duschen und Anziehen holte ich Frühstück und Nachmittagskuchen, machte einen kleinen Umweg über den Südfriedhof, den ich meiner Humpelei gerade noch zutraute. (Ich werde YouTube-Videos zu Krückenhandhabung recherchieren müssen. In der guten alten Zeit ohne moderne Medizin wäre ich “lahm” und würde für den Rest meines Lebens am Stock gehen.)


Der Nußbaumpark lag sehr idyllisch – zwar seltsam ohne Kinder auf dem Spielplatz, aber nun waren die drei bis vier Dutzend Wohnungsflüchtlinge weg, die den Park sonst lautstark belagern – saufend, dealend, rüpelnd. Nein, das sind keine Obdachlose (allerdings sicher aus dem System gefallene, die Stadt hat vergeblich eine ganze Reihe von Projekten durchgeführt, um das Problem an der Wurzel zu packen), und sie haben selbstverständlich dasselbe Recht dort zu sein wie ich. Doch in den vergangenen Jahren sorgten sie dafür, dass sich niemand sonst mehr auf den Bänken und in den schönen Anlagen aufhalten will. 2018 und 2019 gab es als Gegenmaßnahme in den Sommermonaten “Make Nussbaumpark gschmeidig again”, einen temporären Biergarten mit Programm. Jetzt waren sie auch so weg.


Wieder zog das Licht genau zu diesem Zeitpunkt meine Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Grab. Zudem Bärlauchgeruch (und eine -pflückerin), in schattigen Bereichen Schneereste, zwei Eichhörnchen.

Straßen und Südfriedhof sonntagsruhig, die Temperatur knackig kalt. Für den Abstand zu den wenigen anderen Passanten musste aber immer ich sorgen, niemand wich aus.

Handsemmeln und zwei Schwarzwälder-Kirsch-Schnitten beim Wimmer.
Daheim Früchstück mit Semmeln und Obst (Mango, Granatapfel), kleine Siesta.
Für KaffeeundKuchen war ich per Google Handout mit sieben Frauen aus dem Internet verabredet. Wir schwatzten zwei Stunden lang, aßen und tranken, ich freute mich ungemein, die Gesichter lieber Menschen zu sehen. (Und ich lernte Einiges für berufliche Konferenzschaltungen.)
Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil-Kohlrabi ein Kokos-Curry, dazu Pfannenbrot mit Kartoffelfüllung.
Verrückte Zeiten, in denen ein schlimmes Erdbeben in Zagreb nicht die Aufmachermeldung der Tagesschau wird.
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Intensivmediziner Marc Hanefeld erklärt so etwas scheinbar Banales wie Beatmung an einem konkreten Fall:
“Beatmung – ein Beispiel”.
Als erstes hatte ich Flashbacks in die Fernsehserie Emergency Room, in der es immer hektisch wurde, wenn beatmet werden musste.
Die Erklärung verdeutlichte mir, wie viel Fachwissen zur Medizin gehört und warum es nur schief gehen kann, wenn Lieschen Kovalcik sich anmaßt, dabei mitdenken zu können oder “alternativmedizinische” Ratschläge zu verteilen.
(Natürlich bei mir nur Verstärkung einer ohnehin vorhandenen Grundeinstellung, Lieschen Kovalcik wird sicher eine Argumentation finden, warum ihre Meinung gegen diese böse “Apparatemedizin” dennoch relevant ist.)
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Andere Corona-Alltagsrealitäten bei Croco in der rheinland-pfälzischen Provinz.
“Corona acht”.
Inklusive “Trotz alledem”. 
die Kaltmamsell