Journal Sonntag, 1. September 2019 – Sommerabschied über Eisdiele und Rosengarten
Montag, 2. September 2019 um 6:22Der Sommer ist nett zu uns und verabschiedet sich nicht ruckartig. Gestern gab er uns nochmal fast den ganzen Tag, erst am späten Nachmittag frischte der Wind auf und brachte Wolken.
Nach guter Nacht bekam ich nochmal Balkonkaffee, allerdings war es schon frisch geworden. Ich bekam auch nochmal Eichkätzchentheater: Zwei fast schwarze jagten einander die Kastanien hoch und runter, sprangen über die Äste, hüpften wild umeinander auf der Wiese. Eigentlich erinnern sie doch mehr an Äffchen denn an Kätzchen (und was sollen eigentlich Hörnchen sein?).
Dazwischen kreuzte eine Stadttaube – zwischen all der Eichkatzanmut wirkte sie behäbig und tramplig.
Sportprogramm: Faszienrolle, Crosstrainer, Rumpfgymnastik von Fitnessblender – die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen hindern mich an immer mehr Übungen aus gewohnten und oft durchgespielten Programmen.
Mittags war ich in einer Eisdiele verabredet, ich beschloss, dass das eine Frühstücksverabredung war. Durch sommerliche Sonne und Temperaturen spazierte ich nach Untergiesing.
Das Dibello hat wirklich gutes Eis. Wir brachten einander auf den neuesten Stand, gute Nachrichten.
Rückweg über den Rosengarten.
Semmeln (so ganz reichte das Eis als Frühstück doch nicht), ein bisschen Siesta, Zeitungslesen auf dem Balkon, Bügeln. Im Fernsehen die leider nicht überraschenden Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg.
Einschlafen zu ersten Regengeräuschen.
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Zwei Artikel meiner Süddeutsche-Lektüre möchte ich Ihnen weitergeben: Zum einen einen schönen über die Münchner Wohnungswelt. Nein, da brauchen Sie gar nicht so zu schaun: Wenn das Haus Privatleuten gehört, sind das auch in München oft sehr verantwortungsbewusste Vermieter, deren Ziel nicht ist, so viel Geld wie möglich aus der Immobilie zu schlagen (was im Gegensatz dazu das explizite Ziel von Investitionsfirmen als Besitzer ist).
Hier die Geschichte eines Hauses aus der Vorkriegszeit, das vor Kurzem sehr verantwortungsbewusst verkauft wurde:
“Manche Vermieter sind ein großes Glück”.
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Zum anderen einen schlimmen über das neue Waldsterben, das verheerender ist als das vom sauren Regen verursachte:
“Wie die bayerischen Wälder sterben”.
In Ostbayern erwischt es die Fichten, in Franken vertrocknen die Kiefern. Innerhalb weniger Jahre haben die Schäden ein gewaltiges Ausmaß angenommen – und das dürfte nur der Anfang sein.
(…)
Überall Dürre, Stürme, Borkenkäferplagen. Das Waldsterben 2.0 ist kein lokales Phänomen, sondern Folge der weltweiten Klimakrise. Beim Waldsterben in den Achtzigern gab es Baumarten, die resistent waren gegen Schwefeldioxid. Doch für die Klimakrise ist jede Baumart anfällig, da sich die Wuchsbedingungen generell verändern.
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Maik Novotny möchte im österreichischen Standard eigentlich über klimafreundliche Architektur schreiben, verliert dann aber den Mut:
“Was die Architektur gegen die Klimakatastrophe tun kann”.

















































